Johann Walter-Plakette, Dresden, Schlosskapelle im

Werbung
1 Johann Walter‐Plakette, Dresden, Schlosskapelle im Residenzschloss, 28. September 2014 Sehr geehrte Damen und Herren, im Namen des Sächsischen Musikrates und seines Präsidiums darf ich Sie alle sehr herzlich an diesem Sonntagvormittag begrüßen. Mein besonderer Gruß gilt den beiden diesjährigen Preisträgern, Herrn von Rauch und Herrn Prof. Rademann. Ebenso begrüße ich ausdrücklich die Laudatoren, Professorin Dr. Freifrau von Welck und Magnifizenz Professor Klemm. Ich bin Ihnen beiden sehr dankbar, dass sie unserer Bitte, heute die Laudationes zu übernehmen, zugestimmt haben. Unter uns ist der Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Prof. Dr. Fischer. Auch ihm gilt mein besonderer Gruß und Dank dafür, dass wir heute mit dieser Veranstaltung hier in der Schlosskapelle zu Gast sein dürfen. Ich begrüße ebenso den früheren Präsidenten des Sächsischen Musikrates und Träger der Walter‐Plakette, Prof. Dr. Ingo Zimmermann. Und schließlich danke ich den Mitgliedern des Dresdener Kammerchores und der jungen Geigerin Charlotte Thiele für die Bereitschaft, unsere Festveranstaltung musikalisch zu zieren. Ihnen allen, den Genannten und den nicht eigens Genannten, ein herzliches Willkommen! Viele unter Ihnen wissen, dass der Sächsische Musikrat für gewöhnlich die Verleihung der Johann Walter‐Plakette in der Schlosskirche des Torgauer Schlosses vornimmt. Das war aus terminlichen Gründen in diesem Jahr nicht möglich. Umso schöner ist es, dass wir heute in einem Raum sein können, der mit dem Wirken Johann Walters nicht weniger verbunden ist – in dieser Kapelle des Dresdener Residenzschlosses. Manchen von Ihnen ist dies vielleicht sogar besonders lieb, da Sie auf diese Weise die seit einem Jahr wieder zugängliche Kapelle mit ihrem wunderbaren Schlingenrippengewölbe erleben können. Nachdem der sächsische Kurfürst 1548 Johann Walter von Torgau an die neue gesamtsächsische Residenz in Dresden berufen hatte und Walter mit der Gründung der Hofkapelle dem sächsischen Musikleben einen geschichtsträchtigen Impuls gab, begann 1551 der Bau der Schlosskapelle. Johann Walter hat also diesen Raum gekannt und in ihm musiziert, auch wenn er bereits 1554 mit nur 58 Jahren aus Verdruss über die konfessionellen Entwicklungen, die sich seiner Meinung nach allzu sehr von den Absichten Martin Luthers entfernten, um seine Pensionierung ersuchte und sich wieder in Torgau niederließ. Nicht einmal 100 Jahre später sollte dann diese Kapelle 2 unter der Amtsführung des Oberhofkapellmeisters Heinrich Schütz zu einem zentralen Ort des deutschen und europäischen Musiklebens werden. Schütz und die Dresdener Schlosskapelle sind so untrennbar miteinander verbunden, dass mancher Dresdener auch heute noch in freilich verkürzender Weise von der Schütz‐Kapelle redet. Dabei darf nicht vergessen werden, dass neben Walter und Schütz auch so bedeutende Hofkapellmitglieder und Komponisten wie Weckmann, Dedekind oder Christoph Bernhard hier eine Wirkungsstätte hatten. Ich rufe dies, obwohl es Ihnen alles bekannt ist, in Erinnerung, weil sich damit die fast nahtlose Brücke zu unserem heutigen Zusammensein abzeichnet. Mehr noch: Hier zeichnet sich die Brücke zu den beiden Persönlichkeiten ab, die der Sächsische Musikrat in diesem Jahr mit der Johann‐Walter‐Plakette ehren will. Ich möchte den beiden Laudatoren natürlich nicht vorgreifen. Aber ich möchte wenigstens andeuten, welche Gründe uns zur Wahl der diesjährig zu Ehrenden bewogen haben. Lieber Herr Kollege Rademann, ich weiß, dass Sie zu diesem Raum eine besondere Affinität haben. Und diese hängt wiederum mit Ihrer besonderen Liebe und Ihrem Engagement für die Musik von Heinrich Schütz zusammen. Ihre eindrucksvolle Biographie und Ihr vielfältiges künstlerisches Wirken will ich hier nicht darstellen. Wenn sie mir als Emeritus der Leipziger Hochschule für Musik und Theater die flapsige Bemerkung gestatten, so sehe ich in Ihrem Lebenslauf nur einen Schönheitsfehler: dass Sie nicht auch in Leipzig studiert haben! Dass Ihnen aber mit Schütz die ganze Tradition lutherischer Kirchenmusik am Herzen liegt, wissen wir alle. Und damit ist der Bogen zu Johann Walter als dem ersten wichtigen Repräsentanten der reformatorischen Musik unübersehbar. Johann Walters Wirken war nicht nur das eines Komponisten und Hofkapellmeisters, sondern auch eines Pädagogen und Musikorganisators. In seiner Zeit nicht weniger als heute braucht das Musikleben Förderer und Sponsoren. War es zu Walters Zeit hier in Dresden vor allem der Kurfürst, der die Pflege der Musik als eine seiner wichtigen Aufgaben ansah (in Bürger‐
Städten wie Leipzig waren es die Stadtoberen), so war die Kontinuität solchen Engagements zur Unterhaltung und Bezahlung der Hofkapelle dennoch nicht immer mühelos gesichert, wie wir von Heinrich Schütz zu Genüge wissen. Das Geflecht staatlicher Grundfinanzierung und privaten Sponsorings, das gerade für Deutschland seit Jahrhunderten typisch ist, dieses Geflecht scheint 3 heutzutage nicht ungefährdet. Umso mehr wissen diejenigen, die sich um das Musik‐ und Kulturleben zu kümmern haben, zu schätzen, wenn es immer wieder Persönlichkeiten gibt, die aus Überzeugung und persönlicher Affinität das Netz der Kulturförderung stabilisieren. Und dazu gehören in einer für Sachsen und die ostdeutschen Bundesländer maßgeblichen Weise eben auch Sie, sehr geehrter Herr von Rauch. In Ihrer Tätigkeit innerhalb der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und mit Ihrer besonderen Verbundenheit zu Sachsen haben Sie in Zeiten des Umbruches viel bewirkt, um gute Traditionen zu bewahren und neue aufleben zu lassen. Nicht zuletzt der Sächsische Musikrat hat davon vielfach profitiert – ich nenne nur das Stichwort „Jugend musiziert“. Und da wir wissen, dass Kunst nicht im Wolkenkuckucksheim lebt sondern förderlicher Rahmenbedingungen bedarf, soll die Verleihung der Walter‐Plakette an Sie unseren bleibenden Dank zum Ausdruck bringen. Der Sächsische Musikrat dankt Ihnen, Herr von Rauch und Herr Rademann, dass Sie die Johann‐Walter‐Plakette annehmen wollen. Dass wir unsere guten Gründe haben, Sie Ihnen beiden anzutragen, habe ich angedeutet. Dass alle hier Versammelten diese Gründe nachvollziehen, davon bin ich überzeugt. Und so heiße ich Sie alle nochmals willkommen und wünsche uns eine schöne Feststunde und ein gelungenes Beisammensein. 
Herunterladen