Hornissen

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Hornissen
Friedliche Brummer
Portrait einer Arbeiterin
Portrait einer Arbeiterin
Sicher sind Sie erstaunt, auf einer Wildbienen-Seite auf einen Hornissenbeitrag zu
stoßen. Natürlich gehören die Hornissen nicht zu den Wildbienen, sondern zu den
„Sozialen Faltenwespen“. Mit diesen Informationen möchten wir Ihnen die Hornissen
sympathisch machen, Ihnen ggf. die Angst vor diesen Insekten nehmen.
Hornissen – kein Grund zur Panik
Mit einer Körperlänge von 3 bis 4 cm
ist die Hornisse (Vespa crabro) das
größte staatenbildende Insekt unserer
heimischen Tierwelt. Sie gehört zu den
16 Arten sozialer Faltenwespen, von
denen aber nur zwei uns Menschen
lästig werden, die Gewöhnliche Wespe
und die Deutsche Wespe.
Großflugtag an der Hornissenhöhle
Die Hornisse hat besonders stark unter Vorurteilen und Unkenntnis zu leiden:
Hornissen seien aggressiv, schädigen Imker und Obstbauern, so einige der
hartnäckigen Fehlurteile.
Sieben Hornissenstiche töten ein Pferd, drei einen Erwachsenen und zwei ein Kind,
sagt der Volksmund. Das ist ein längst widerlegter Aberglaube. Der Hornissenstich ist
nicht gefährlicher als ein Bienen- oder Wespenstich, allerdings unter Umständen
schmerzhafter. Selbst das Gift mehrerer Stiche wird dem Menschen nicht gefährlich.
Auch bei einer Insektengiftallergie gegen Wespengift muss nicht zwingend eine
erhöhte Gefährdung vorliegen.
Die größte Wespenart braucht unsere Toleranz
Die natürlichen Lebensräume der Hornisse sind artenreiche lichte Laubmischwälder,
aber auch Streuobstwiesen. Dort bauen Hornissen ihre Nester in Höhlen. Weil aber
hohle Bäume in unserer ausgeräumten Kulturlandschaft immer seltener vorkommen,
nutzen Hornissen und auch Wespen immer häufiger Schuppen, Dachböden,
Rolladenkästen und auch Vogelnistkästen als Ersatzwohnraum. Hier sind sie auf die
größtmöglichste Toleranz der Menschen angewiesen.
Streuobstwiesenatürlicher Lebensraum
Natürliche Nisthöhle
in einem Apfelbaum
Hornissen-Nistkasten am Waldrand
K
Natürliche Nisthöhle – freigelegt durch das Abbrechen des Astes
Streng geschützt
Nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist es verboten, wildlebenden Tieren der besonders geschützten Arten, hierzu gehört die Hornisse, nachzustellen, sie zu fangen,
zu verletzen, zu töten oder ihre Entwicklungsformen, Nist-, Brut-, Wohn- oder
Zufluchtsstätten der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören. Wer
ein Hornissennest zerstört oder ohne Genehmigung umsiedelt, macht sich strafbar.
Um diese naturschutzrechtliche Seite auch mit den Lebenswirklichkeiten in Verbindung
zu bringen, können Nester dann umgesiedelt werden, wenn Menschen in unzumut-
barer Weise beeinträchtigt werden. Dafür braucht man aber geschulte Spezialisten
und eine amtliche Ausnahmegenehmigung. Wer Hornissenprobleme hat, sollte
sich an einen der ehrenamtlich tätigen Hornissen- und Wespenfachberater wenden,
die über die untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt oder über die
Gemeindeverwaltungen vermittelt werden.
Hornissen – Naturpolizei im Ökosystem
Hornissen erfüllen als eine Art Naturpolizei eine nützliche Funktion im Ökosystem: Ein
starkes Hornissenvolk verfüttert pro Tag ein Pfund an Mücken, Fliegen, Nachtfaltern,
Forstschädlingen, Wespen und anderen Insekten an seine Brut, so viel wie fünf bis
Meisenfamilien. Kuchen, Eis und Limonade lassen die Hornissen völlig kalt.
Einfache Verhaltensregeln erleichtern das Miteinander
Auch die angebliche Angriffslust der schwarzgelben Brummer ist ein Mythos.
Außerhalb ihres Nestbereichs verhalten sich Hornissen ausgesprochen furchtsam; hier
fliehen sie stets vor einem Störenfried.
Die Erfahrungen zeigen, dass man gut mit einem Hornissennest leben kann, sofern
man einen Sicherheitsabstand von 5 m einhält. Im Nestbereich – also etwa 5 m um
den Nistplatz herum- attackieren sie aber Störenfriede, um ihr Volk mit seinem
Wabenbau, der Brut und der Königin zu verteidigen.
Bei richtigem Verhalten sind Hornissen selbst in Nestnähe sehr friedlich.
Als Störung im Nestbereich werden empfunden:
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Heftige Bewegungen
Starke Erschütterungen Nistplatzes
Längeres Verstellen der Flugbahn
Anpusten des Einflugloches oder Anatmen der Hornissen
Betrieb eines Motorgerätes (z.B. Rasenmäher) dicht vor dem Nest
Manipulation am Nesteingang oder am Wabenbau
Hornissen jagen auch nachts. Hat sich eine ins Zimmer verflogen, so erleichtert ihr das
Abschalten des Lichts den Weg nach draußen. Ein Glas und ein Pappdeckel, oder das
Lebendfanggerät Snapy, dienen dem vorsichtigen Fangen und Freilassen.
Aus dem Hornissenleben
Ab Anfang Mai erwacht eine im Herbst des Vorjahres geboren und begattete
Jungkönigin aus ihrem Winterschlaf, den sie in einem morschen Baum oder im Erdreich
verbracht hat. Sie unternimmt Erkundungsflüge nach einem geeigneten Nistplatz,
stillt ihren Hunger am Saft von Bäumen, fängt erste Beuteinsekten.
Durch Aufbeißen der Rinde oder das Suchen von
Baumwunden gelangt die Hornisse an die zuckerhaltigen
Säfte der Bäume.
Hornisse mit einer Honigbiene als Beute.
Am ausgesuchten Standort beginnt sie mit dem Bau der ersten Brutzellen und belegt
sie jeweils mit einem Ei.
Waben mit Eiern (nur ein Millimeter groß und länglich), daneben
durch Seidenfäden verschlossene Puppenstuben.
Hier hat das Nest bereits 2 Waben. Gut zu sehen
das Stielchen, das die Waben verbindet.
Daraus entwickeln sich in fünf bis acht Tagen kleine Larven, die durch ein klebriges
Sekret kopfüber in ihrer Zelle festgehalten werden. Später verhindert
ihre Körperfülle das Herausfallen. In zwölf bis vierzehn Tagen durchläuft sie ihre fünf
Larvenstadien und spinnt dann einen Seidendeckel über die Larvenwiege.
Die Larven können mit ihren Kieferzangen an den Zellwänden
kratzen und erzeugen ein rhyhtmisches Geräusch, das
sogenannte Hungerkratzen.
Aus der runden tonnenförmigen Larve entwickelt
sich die Hornisse. Zuvor spinnt sie mit einen
Seidenfaden einen Deckel für ihre Larvenwiege.
So geschützt entwickelt sich aus der Larve in weiteren dreizehn bis fünfzehn Tagen
eine Hornisse Das fertige Insekt durchbeißt den Zelldeckel, schlüpft aus und hilft sofort
beim Ausbau der Waben.
Die schlüpfende Hornisse durchbeißt ohne
fremde Hilfe ihren Zelldeckel und schlüpft aus.
Sobald die ersten fünf bis fünfzehn Arbeiterinnen geschlüpft sind, fliegt die Königin
nicht mehr aus. Die anfallenden Arbeiten übernehmen jetzt die Arbeiterinnen, die nur
eine Lebenserwartung von etwa 4 Wochen haben: Wabenbau, Herbeischaffen von
Nahrung, Baumaterial und Wasser.
Königin und Larven benötigen eiweißreiches Futter, Arbeiterinnen nehmen fast nur
noch Kohlenhydrate über Baum- und Blütensäfte sowie Fallobst auf.
Mitte August bis Mitte September erreicht das Hornissenvolk seinen Entwicklungshöhepunkt. Es kann dann 400 bis 600 Tiere zählen; das Nest ist jetzt 60 cm hoch.
Die Königin legt nun gezielt Eier, aus denen nur noch Männchen und Jungköniginnen
schlüpfen. Von den Arbeiterinnen vernachlässigt, verlässt die Königin das Nest und
stirbt.
Die Jungköniginnen werden von den Männchen begattet und suchen sich einen
Unterschlupf für den Winter. Anfang November sterben die letzten Arbeiterinnen, das
letzte Leben im Hornissenbau erlischt. Das alte Nest wird nicht wieder besiedelt.
Hornissen an Fallobst und reifen Beeren. Um ihren eigenen Bewegungsapparat funktionsfähig zu halten, nehmen
erwachsene Arbeiterinnen fast nur noch Kohlenhydrate als „Flugbenzin“ auf.
Nester der Hornisse sind braun/ocker mit einer feinen Maserung und zahlreichen, muschelartig ausgeformten
Lufttaschen in der Nesthülle. Ein Nest kann bis zu 60 cm hoch werden und 400 - 600 Tiere zählen.
Morsches Holz liefert Baumaterial
Der Wabenbau erfolgt von oben nach unten, jeder neue Wabenstock wird an den vorherigen über kleine Stiele angehängt, gleichzeitig wird die äußere Schutzhülle weiter
gebaut. Von morschem Holz beißen die Tiere mit ihren Mandibeln Splitter um Splitter
ab, vermischen sie mit Speichel, kauen sie kräftig durch und formen ein Kügelchen. An
Wabe und Nesthülle wird damit ein dünner Materialstreifen angeformt, der Speichel
der Tiere dient dabei als Klebstoff. Die weiche Masse trocknet schnell zu einer leichten,
papierartigen Schicht.
Hornisse raspelt Baumaterial ab und formt daraus ein Kügelchen, mit dem am Nest ein neuer, ca. 2 mm breiter und etwa
4 cm langer Streifen angebaut wird.
Eine schützende Nesthülle um die ersten Waben ist gebaut.
Die sechseckigen Wabenzellen der Hornissen sind ein wahres
Wunder der Natur, deren Bauweise seit Tausenden von Jahren
von Generation zu Generation weitervererbt wird.
Das Gesichtsfeld-„Maske“ – ein
sicheres Bestimmungsmerkmal der
verschiedenen, soziallebenden
Faltenwespenarten.
Hier das Gesichtsfeld der Hornisse,
das keine Zeichnung aufweist.
Nach einer Störung: Aufregung am
Einflugloch in einem Baum
Nest der ebenfalls sehr selten gewordenen „Mittleren Wespe“
(Dolichovespula media) oder „Kleinen Hornisse“, stets angelegt
in Hecken oder im Gezweig von Bäumen.
Gesichtsfeld-„Maske“ dieser Wespe.
Steckbrief Hornisse –
die wichtigsten Informationen auf einen Blick:
Wissenschaftlicher Name: Vespa crabro
Körpergröße: Königin bis zu 35mm, Arbeiterin 18- 25mm, Drohn 21-28mm
Lebenserwartung: Arbeiterin 3 – 4 Wochen, Königin 1 Jahr; Nestdauer nur eine Saison
Ernährung der Brut: es werden Insekten erbeutet, daher wichtige Regulatoren im
Naturgefüge
Ernährung der Arbeiterinnen: fast nur Kohlenhydrate (Baumsäfte, Nektar, Fallobst,
Honigtau)
Nestgründung: Ende April / Anfang Mai; allein durch eine begattete Jungkönigin
Nistplatz: in Hohlräumen wie Baumhöhlen, Vogelnistkästen und auch Rollladen-kästen
Nestgröße: 60 cm Länge, 30 cm im Durchmesser, je nach Platzangebot auch größer
oder kleiner
Filialbildung: bei zu kleinen Nisthöhlen vermögen Hornissen eine Filiale zu gründen
Volksstärke: im Hochsommer bis zu 400 -700 Individuen gleichzeitig
Paarung: Ende September / Anfang Oktober an schönen Herbsttagen
Überwinterung: nur die begatteten Jungköniginnen überwintern einzeln
Verhalten: erstaunlich friedfertige Tiere, die nie grundlos angreifen; Stich nur zur
Verteidigung
Stich: Der Stich ist nicht gefährlicher als der einer Honigbiene, Drohne haben keinen
Stachel
Allergische Reaktionen nach einem Stich: treten nur bei etwa 2 – 3% der Bevölkerung
auf
Bestandsgefährdung: regional stark bedroht oder bereits ausgestorben
Schutz: Hornissen sind in Deutschland nach BArtSchV und NatSchG besonders
geschützt
Text:
Meinrad Lohmüller
Fotos:
H. Bellmann, H. Fürst, O. Hahn/ Naturfotos+ Bildarchiv, www.hahn-film.de,
M. Lohmüller, D. Nill/ Naturfotografie Naturfilm www.dietmar-nill.de, M. Pforr,
G. Philipp, R. Ripberger,
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