Feldberggipfel – Zastler Loch – Baldenweger Hütte – Feldberggipfel

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Geographie 4 Std., Herr Bohn
Exkursion vom 16.07-18.07
Sven Plocher, Simon Schurter und Michael Albrecht
Offenburg, den 14.08.14
Exkursionsbericht Tag 1
Vom 16. bis 18. Juli 2014 begibt sich der Erdkunde Neigungskurs, bestehend aus insgesamt
20 Schülerinnen und Schüler vom Oken und Grimmels, zusammen mit Herrn Bohn und Frau
Grether auf eine dreitätige Wanderung zum Feldberg und in die Wutachschlucht. Während
der Wanderung wird ein Einblick in zahlreiche biologische und geologische Phänomene
geschaffen, wobei am ersten Tag die Vergletscherung rund um den Feldberg und dessen
Vegetation im Vordergrund steht. Dieser Bericht soll die wissenschaftlichen Erfahrungen und
Erkenntnisse von diesem Tag anhand der gelaufenen Wegstrecke veranschaulichen und teilen.
Die erste Etappe führt uns dabei auf einem recht breiten, geraden und stetig ansteigenden
Wanderweg über den Feldsee auf 1.109 Meter Höhe bis zur Bärhalde (ca. 1.300 Meter über
NN).
Bild 1: Wegstrecke der 1. Etappe (vom Bahnhof bis zur Hütte)
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Sven Plocher, Simon Schurter und Michael Albrecht
Offenburg, den 14.08.14
Gleich zu Beginn wird anhand der Talform ersichtlich, dass es sich beim vorliegenden
Bärental um ein im Mittelgebirge vergleichbar breites Tal handelt. Das bedeutet, dass dieses
Tal nicht nur durch fluviale, sondern überwiegend durch glaziale Prozesse geschaffen wurde.
Während der Riß- , insbesondere aber in der Würmeiszeit bedeckten auf einer Fläche von
rund 1000 km² große Gletscher den Schwarzwald. Die erosiven Kräfte der Gletscher führten
im Bärental zur Ausbildung eines typischen Trogtals.
Auffällig war auch die Sichtung alpiner Pflanzen wie dem
Alpendost. Das ist sehr untypisch für ein Mittelgebirge wie
den Schwarzwald. Die Feldbergregion bietet jedoch
aufgrund des rauhen Klimas im Winter passende ökologische
Bedingungen für solche Pflanzenarten. Dennoch stellen sie
zum Anfang der Tour Ausnahmeerscheinungen dar:
Begegnungen mit Brennesseln und Lupinen am rechten Wegrand weisen auf einen sehr
stickstoffhaltigen Boden hin, der möglicherweise durch zunehmende Eutrophierung des
Seebachs (siehe Karte) entstand.
Neben kleinen Pflanzen sind Nadelbäume wie Tannen und Fichten
die überwiegende Vegetation. Beide Arten sind mit wenig Übung
leicht zu unterscheiden: Während bei Tannen der Zapfen steht und
die Nadeln breit ausfallen, hängen die Zapfen bei Fichten bei sehr
spitzen Nadeln herunter.
Zusätzlich wird auf halber Strecke zum Feldsee eine nahe gelegene
Seitenmoräne aus der Würmeiszeit (vor ca. 12000 Jahren) besichtigt. Diese geologisch sehr
junge Moräne zeugt von einem Transfluenzpass, also einer Stelle, in dem ein Talgletscher
über die Gletscherscheide hinweg in das Nährgebiet eines anderen Gletschers hineinfloss. Aus
der Akkumulation von Gletschermaterial entwickelten sich dann unterschiedlichste Moränen.
Bemerkenswert ist, dass es sich bei den Gesteinen der Moränen teilweise um Produkte aus
plattentektonisch aktiven Zeiten handelt. Viele der Gesteine wie Migmatite sind metamorph
überprägt. Diese entstanden durch teilweise
aufgeschmolzenes, oft helles Gestein, das in Ritzen,
Brüchen oder Spalten floss und dort Schlieren bildete.
Neben Migmatiten finden sich auch Paragneise, die aus
sedimentären Ausgangsgesteinen hervorgegangen sind.
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Sven Plocher, Simon Schurter und Michael Albrecht
Offenburg, den 14.08.14
Kurz vor Erreichen des Feldsees führt der Weg über eine recht große Verebnungsfläche.
Dabei handelt es sich um einen ehemals verlandeten See aus dem Ende der Würmeiszeit. Die
Schwarzwaldvereisung erfuhr zur Würmeiszeit mehrere Eisvorstöße, die heute als Staffeln
bezeichnet werden.
Vor ca. 11 000 Jahren bewirkte die Endmoräne des Eisvorstoßes, dass der See nicht mehr
entwässern konnte. Es kam zur Verlandung und schließlich zur Sedimentation. Einzelne
Moränenabschnitte sind heute noch in der Landschaft erahnbar.
Das Highlight der ersten Etappe ist die Ankunft am Feldsee. Dieser
entstand vor etwa 14 000 Jahren im Bärentalstadium. Dort war der
Ursprung eines Kargletschers, der durch die schweren Eismassen
durch Detraktion (Ausschürfen) eine tiefe Mulde bildete. Nach der
Eiszeit füllte sich diese, abgegrenzt durch Moränenmaterial, mit
Wasser. Die steile Karwand an der Westseite des Sees stellt ein
imposantes Überbleibsel dieser Zeit dar.
Zudem ermöglicht die Vegetation des Feldsees Rückschlüsse über die Anfänge des Lebens.
Das dort ansässige Brachsenkraut, das zur Gruppe der Bärlappe gehört, ist ein Zeitzeuge aus
der pflanzengeschichtlichen Entwicklung. Die Fortpflanzung bei Pflanzen ist stets vom
Wasser abhängig gewesen. Von Moosen über Farnpflanzen entwickelten sich über Millionen
von Jahren Samenpflanzen, aus denen die heutigen Vertreter der Nacktsamer und
Bedecktsamer hervorgingen. Das an die kalten, klaren Wasserbedingungen des Feldsees
angepasste Brachsenkraut, das bereits vor ca. 400 Millionen Jahren im Devon auftauchte,
überdauerte durch seinen Selektionsvorteil die Zeit. Der Feldsee stellt einer der letzten
Rückzugsorte dieser Pflanze in Mitteleuropa dar. Ende des 20. Jahrhunderts wäre im
Schwarzwald das Brachsenkraut wegen der durch Menschen verursachten Verschmutzung des
Gewässers beinahe ausgestorben. Ein Badeverbot und weitere Schutzmaßnahmen haben
inzwischen wieder bessere Bedingungen geschaffen.
Nach dem Feldsee führt die Strecke an der Karwand hoch bis zur Bärhalde. Nachmittags folgt
dann der zweite Teil der Tagesetappe als Rundweg auf den Seebuck zum Feldberggipfel und
zum Zastler Loch bis zum Ausgangspunkt zurück.
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Sven Plocher, Simon Schurter und Michael Albrecht
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Bild 3: Wegstrecke der 2. Etappe (Hütte - Gipfel - Zastler Loch - Hütte)
Ein Blick vom Seebuck aus in Richtung
Feldsee lässt im Tal einen typischen
Erosionsbereich erkennen. Aufgrund von
Gletschern der Kaltzeiten wurde das
Gesteinsmaterial abgetragen und erodiert.
Abgelagert wurde das abgetragene Gestein bis
in den Akkumulationsbereich des Tittisees.
Auch der Tittisee wurde durch die Gletscher
gebildet und geformt. In seiner Nähe lassen
sich immer noch Rundhöcker aus Festmaterial und Felsgestein sowie Drumlins aus
Lockermaterial und einzelne Findlinge vorfinden.
Der Feldberg selbst, welcher mit 1493 Metern über NN den höchsten Berg des deutschen
Mittelgebirges darstellt und sich im Südschwarzwald befindet, wurde bereits sehr früh
landwirtschaftlich genutzt. Wie aus dem Name „Feldberg“ abgeleitet werden kann, ist der
„Gipfel“ dieses Berges kahl. Man kann aber nicht wirklich vom „Gipfel“ des Feldberges
sprechen, da es lediglich Rundungen sind. Gipfel findet man eher an den Bergen des
Nordschwarzwaldes.
Genutzt wurde dieser Bereich einerseits zur Viehzucht, andererseits zur Forstwirtschaft,
wodurch die starken landschaftlichen Kontraste hervorgehen. Die Nutzflächen sind von einem
Mischwald unterhalb des „Gipfels“ umgeben. Die Zahl an Nadelbäumen überwiegt jedoch.
Hierbei handelt es sich nicht um eine natürliche Waldgrenze, wie die scharfen Übergänge
zeigen, denn die natürliche Waldgrenze müsste bei 1600m liegen. Dadurch, dass sie am
Feldberg gerade einmal bei 1400m liegt, müssen verschieden Faktoren auf diesen Unterschied
Einfluss genommen haben. Der gravierendste Faktor ist ein Pilz, der sich an den Fichten unter
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einer geschlossen Schneedecke ausgebreitete und bis heute für das Absterben der Bäume
sorgt. Aber auch das Eingreifen des Menschen, wie die Erosion durch den Tourismus, schlug
sich negativ auf die Ausbreitung des Waldes nieder. Es breiteten sich lediglich einzelne
Kraut- und Krüppelgewächse aus und eine Rückansiedelung des Waldes erscheint schwierig.
Rund um den Feldberggipfel finden sich außerdem Pflanzen wie normaler Bärlapp (der früher
als Heilmittel gegen Hautkrankheiten und zur Fotographie genutzt wurde), Bärwurz und
vereinzelte Fingerhüte.
Nach der „Spitze“ des Feldbergs erstreckt sich nach Norden hin eine tiefe Senke. Diese wird
Zastler Loch genannt, welches nach einem steilen Abstieg erreicht wird. Auch das Zastler
Loch ist eine stark übertiefte Variante eines Trogtals, wo sich ehemals ein Zungenbecken
erstreckte. Sehr gut sichtbar ist ein Rundhöcker, ein walrückenartiger Felshügel. Hier lassen
sich heute noch gut die glazialen Kräfte erkennen, die die Landschaft geformt haben. Die
sanft ansteigende, glatt geschliffene Luv-Seite
ist ein Ergebnis der Detersion (Abschleifen)
aufgrund von Druckzunahme an Eis stauenden
Hindernissen. Die dem Eisstrom abgewandte
Lee-Seite ist steiler und rauer, weil hier unter
nachlassendem Druck des Gletschers Wasser
zwischen Eis und Untergrund gefrieren konnte.
Dort werden dann durch Detraktion ganze
Gesteinsstücke herausgerissen.
Nach dem Zastler Loch begann der Rückweg zum Ausgangspunkt. Mit dem Erreichen der
Hütte und abschließendem Ausklang des Tages endete ein zwar anstrengender, aber auch
interessanter erster Exkursionstag, der uns die Natur in vielerlei Hinsicht näher brachte und
bewies, dass man oft nur genau hinschauen muss, um in der Natur vieles zu entdecken.
Quellennachweis
Bild 1 und 3: Karte 1: Landesvermessungsamt Baden-Württemberg (2009): Freiburg im Breisgau. Kaiserstuhl und
Naturpark Südschwarzwald. Freizeitkarte, 1:50000, 3. Auflage, Stuttgart.
Bild 2 aus: Claudia Dreher, Roland Frank, Dr. Jürgen Christner, Dr. Jürgen Schweizer (2003): Kursstufe Natura. 1.
Auflage, Ernst Klett Verlag Stuttgart, Seite 310.
Brachsenkraut: http://www.naturpark-suedschwarzwald.de/natur/seltene-arten/stachelsporiges-brachsenkraut (Datum:
24.08.2014, 15 Uhr)
Transfluenzpass: http://www.geodz.com/deu/d/Transfluenzpass (Datum: 24.08.2014, 15 Uhr)
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