99 Jahre Hindenburgstraße sind genug

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99 Jahre Hindenburgstraße sind genug!
Am 16. Dezember 1915 wurde die vormalige Bahnhofstraße in Darmstadt, zu Ehren des
Generalfeldmarschalls Paul von Hindenburg, des „Siegers von Tannenberg“, in
Hindenburgstraße umbenannt.
Hindenburg hatte den Ersten Weltkrieg als Chef der Obersten Heeresleitung der Wehrmacht
radikalisiert und verlängert. Er zählte zu den entschiedensten Gegnern eines
Verhandlungsfriedens und wälzte die Verantwortung für die militärische Niederlage auf die
zivilen Unterzeichner des Versailler Friedensvertrages ab. Daraus entstand die
„Dolchstoßlegende“, nach der die Armee „von hinten“ aus den eigenen Reihen durch die
„Novemberrevolutionäre“ zu Fall gebracht worden sei.
Hindenburg machte sich in seiner letzten Rolle, als Reichspräsident der Weimarer Republik,
zum Steigbügelhalter Hitlers in den Jahren 1932 bis 1934. Hindenburg half Hitler nicht nur in
den Sattel, sondern sah ihm beim Reiten mit großem Wohlwollen zu. In die Zügel fiel er ihm
nie mehr.
Diese Rolle Hindenburgs als "williger Helfer" der nationalsozialistischen Diktatur bei deren
Machtergreifung und darüber hinaus, hat sein Biograph Wolfram Pyta [1] akribisch
untersucht und belegt: „Das Geraune um den Vater der Nation, den genialen Feldherrn, den
Verächter des „böhmischen Gefreiten“ und das senile Opfer einer Kamarilla ist zu einem
Ende gekommen. Wir wissen: Hindenburg hat Hitler den Weg zur Macht wohl kalkuliert
freigegeben.“
[1] Wolfram Pyta: Hindenburg. Herrschaft zwischen Hohenzollern und Hitler (Siedler-Verlag, München 2007)
Hindenburgs Rolle bei der Zerstörung der Weimarer Republik
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Hindenburg ernannte Hitler aus eigener Initiative zum Reichskanzler.
Niemand hat ihm dabei die Hand geführt. Er wollte Hitler, weil er wie
dieser schon lange den „nationalen Einheitsstaat“ propagierte.
Hindenburg duldete die Behinderung der demokratischen Parteien vor
der Reichstagswahl am 5. März 1933 und drückte nach dem Sieg der
NSDAP seine Freude darüber aus, dass „jetzt ein für allemal mit der
Wählerei Schluss sei.“
Hindenburg wollte ein Ermächtigungsgesetz, mit dem Hitler dann den
Reichstag und damit die Kontrolle der Regierung durch die
Volksvertretung ausschalten konnte.
Hindenburg lobte Hitler für die Verbannung der demokratischen Parteien
aus der Politik.
Hindenburg ermöglichte die Aufhebung der Grundrechte und damit eine
schrankenlose Verfolgung politisch Andersdenkender.
Hindenburg sah sich selbst in seinem politischen Testament als
Wegbereiter der sogenannten „nationalen Erneuerung“ durch Hitlers
Politik seit dem 30. Januar 1933.
Die Republik von Weimar ist viele Tode gestorben. Hindenburg allerdings ist es vorbehalten
geblieben, die Republik sehenden Auges der Macht ausgeliefert zu haben, die alle inneren
und äußeren Fragen radikal und gewalttätig lösen wollte. An diesen Hindenburg muss heute
auch in Darmstadt nicht mehr auf Straßenschildern ehrend erinnert werden. Die
Geschäftsgrundlage für diese Ehrung ist endgültig entfallen.
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