Philosophische Fakultät
Soziologie – Workplace Studies
Prof. Dr. Jörg Potthast
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Siegen, 15. Juli 2015
Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2015-16 (Aushang)
Grundlagen und Wandel der Arbeitsgesellschaft
Angenommen, wir könnten in alle Arbeitsverträge Einsicht nehmen, was wüssten wir über Gesellschaft? Das Seminar diskutiert, inwiefern Arbeit (noch/wieder/weiterhin) eine Schlüsselkategorie für die Gesellschaftsanalyse ist. Dabei stehen zwei Fragen im Vordergrund: In welchem
Verhältnis stehen Erwerbsarbeit und andere Formen von Arbeit? In welchem Verhältnis stehen
Arbeitsverhältnisse aus vertraglicher Sicht und Arbeitsprozesse in einer situierten Perspektive?
Das Seminar diskutiert sehr grundsätzliche Thesen zu Beharrung und Wandel, zu Integration
und Spaltung von Gesellschaft durch Arbeit.
Sociology of facework
The analyses of facework by Erving Goffman have turned 50 but remain highly influential. How
is this possible, provided that, in the meantime, society has undergone massive change? If society has become increasingly determined by structural forces of a global scale (“globalization”),
what’s the point with an interactionist framework? If everyday life in societies has been inundated by technical artefacts (“digital society”), why then continue considering “facework” to be a key
notion of sociological inquiry? Two extensions of the sociology of facework responding to these
changes are put under particular scrutiny: the case of emotional labour (Arlie Hochschild) and
the case of human computer-interaction (Sherry Turkle). Within these fields of inquiry, the seminar will serve as a training ground for formulating research questions within a theory-oriented
empirical framework.
Techniksoziologie zur Einführung
Technik determiniert Gesellschaft. Technik ist eine soziale Konstruktion. Technik handelt mit –
und kann gar nicht vom Sozialen getrennt werden. Dies sind drei Positionen, die auf sehr unterschiedliche Weise fordern, Technik zu einem Gegenstand der sozialwissenschaftlicher Analyse
zu machen. Sie werden im Seminar in ihrer historischen Entwicklung nachgezeichnet und einander systematisch gegenüber gestellt. Ziel der LV ist es, aktuelle Kontroversen um neue
Technologien – z.B. Reproduktionstechnologien wie das „social freezing“ – einer sozialwissenschaftlich fundierten Analyse zugänglich zu machen. Die LV fordert und fördert Teamarbeit.
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Technik- und Sozialtheorie
Das Neue an der neueren Technik- und Sozialtheorie liege in der Hinwendung zur Praxis. Das
Seminar diskutiert diese These vom „practice turn“. Es prüft sie auf ihre Reichweite. Sind Sozialund Techniktheorien darüber tatsächlich näher zusammengerückt, wie es etwa die Theorie der
Akteursnetzwerke (ANT) behauptet? Grundkenntnisse in einer Variante neuerer Praxistheorien
(z.B. Schatzki, Butler, Foucault, Latour) werden vorausgesetzt. Besonders geschult wird in dieser Lehrveranstaltung die Kompetenz zum empirisch motivierten Theorievergleich.
Lektürekurs: Ungerechtigkeiten am Arbeitsplatz (F. Dubet)
Wie können sich Erwerbstätige einer Arbeitswelt, die als zunehmend vereinnahmend und entgrenzt beschrieben wird, noch entziehen („exit“)? Wie äußern Arbeitskräfte, die zu selbstverantwortlichen „Arbeitskraftunternehmerinnen und Arbeitskraftunternehmern“ erklärt werden und
darüber Zwängen zur Subjektivierung ausgesetzt werden, (noch) Kritik („voice“)? Diese Fragen
werden im vorliegenden Buch entwickelt und anhand von Fallstudien zu sehr unterschiedlichen
Berufsgruppen empirisch untersucht: Landwirte, Lehrerinnen und Lehrer, Krankenhauspersonal,
leitende Angestellte, Lehrbeauftragte, Taxifahrerinnen und Taxifahrer. Das Seminar vermittelt,
übt und vertieft – über die Diskussion einer bemerkenswerten Zeitdiagnose – Techniken der
wissenschaftlichen Lektüre.
Mobile Arbeitsplätze I: Fragen an die soziologische Theorie
Welchen Platz nimmt die Wirtschaft in modernen Gesellschaften ein? Die Antworten auf diese
Frage gehen stark auseinander. Theorien kapitalistischer Gesellschaften sehen gesellschaftliche
Verhältnisse durch wirtschaftliche Kräfte determiniert. Theorien funktionaler Differenzierung betrachten die Wirtschaft als ein gesellschaftliches Teilsystem, das sich neben anderen und wie
andere auch auf eigensinnige Weise weiterentwickelt. Das Seminar setzt beide Positionen wieder in Bezug. Dafür zieht es ein unübersehbares empirisches Phänomen heran: Was heißt es,
dass Arbeitsplätze zunehmend mobil werden? Ziel der Lehrveranstaltung ist es, beide Theorietraditionen über den Bezug zu einer aktuellen Problemstellung zu erschließen und zu hinterfragen. Diese Rückfragen an die Theoriebildung werden im Sommersemester (im Rahmen des
Seminars Mobile Arbeitsplätze II) wieder aufgegriffen. Ziel dieser komplementär angelegten
Veranstaltung wird es sein, Fragen für die empirische Forschung zu formulieren.
Werkstatt: Ethnographische Perspektiven auf Störungen
Ethnographische Sozial- und Medienforschung ist mit dem Phänomen der Störung in doppelter
Weise konfrontiert: Zum einen sind Forscherinnen und Forscher, um überhaupt teilnehmend zu
beobachten, gezwungen, sich einen Zugang zum empirischen Feld (der beforschten Kultur, Organisation etc.) zu eröffnen. Auch wenn sie dort nicht nur geduldet, sondern sogar erwünscht
sein mögen, so werden die Feldforscherinnen oder Feldforscher – allein durch ihre Präsenz –
als Störungsquelle von den Beforschten als Störungsquelle wahrgenommen. Um die Anzahl der
Fehltritte möglichst gering zu halten, wird den Feldforscherinnern und Feldforschern abverlangt,
die Spielregeln des Feldes sehr schnell zu lernen. Was sich zunächst als ein Problem darstellt,
das Feldforscherinnen und Feldforscher mitunter unter Druck setzt und ihre ganze Aufmerksamkeit fordert, erweist sich in den klassischen ethnografischen Forschungen als eine Ressource.
Von Harold Garfinkels Krisenexperimenten über Erving Goffmans Analysen von missglückten
Selbstdarstellungen bis hin zu Marie Jahodas Studie zu den Arbeitslosen von Marienthal lässt
sich durchgängig zeigen, wie Störungen von der Sozialforschung zur Erkenntnisgewinnung genutzt wurden. Die Lehrveranstaltung fertigt selbst kleine ethnographische Skizzen zu „Störungen“ an. Sie verfolgt damit das Ziel, das Potential dieser Methode einzuschätzen. Inwiefern las-
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sen sich soziale Regeln, Handlungsschemata, verschwiegenes Wissensbestände, die in der
Normalität, im Normalbetrieb, in den Routinen kaum wahrnehmbar sind, über die Beschreibung
von Störungen offen legen?
Innovation und Gesellschaft: theoretische und empirische Zugänge
Innovation sollte einer wissenschaftliche Disziplin, die sich maßgeblich mit Prozessen sozialen
Wandels beschäftigt, nicht fremd sein. Aber wo gehen sozialwissenschaftlich informierte Zugänge – theoretisch und empirisch – über das Alltagsverständnis hinaus, das Innovationen zum
Beispiel mit Konsumneuheiten gleichsetzt? Das Seminar diskutiert verschiedene Ansätze der
Innovationsforschung, die sich dieser Herausforderung stellen und verlangen, Innovationsprozesse nicht als Einbahnstraße (linear), sondern über eine Wechselwirkung (rekursiv) zu konzipieren. Dann lautet die übergeordnete Forschungsfrage: Wie entstehen durch Innovationen soziale Beziehungen und wie bringen diese wiederum Innovationen hervor? Ziel der Lehrveranstaltung ist es, diese Perspektive über die Anfertigung kleiner Innovationsstudien durch die Studierenden selbst zur Anwendung zu bringen.
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