positionspapier

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www.eurordis.org
P O S I T I O N S
P A P I E R
FORSCHUNG UND THERAPIE MIT EMBRYONALEN
STAMMZELLENAUS DER SICHT VON PATIENTEN MIT
SELTENEN KRANKHEITEN
Deutsche Übersetzung von Eva Stetter
SEPTEMBER 2006
ZUSAMMENFASSUNG
Mit dieser Stellungnahme möchten wir aus Patientensicht einen ausgewogenen Überblick über ethische
Fragen zur Verwendung embryonaler Stammzellen (ES) in der Forschung geben.
ES findet man in der inneren Zellkernmasse menschlicher Blastozyten, d. h. Zellen aus einem frühen
Entwicklungsstadium des Embryos (nur 4-7 Tage nach der Befruchtung). Bei normaler Entwicklung des
Embryos besitzen ES die besten Anlagen zur Entwicklung von Heilverfahren in der regenerativen
Medizin, denn sie sind auf Dauer selbst erneuernd und multipotent.
•
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•
•
•
Alle Patienten, und insbesondere Patienten mit seltenen Krankheiten sind auf Behandlungen
angewiesen. So setzen sie große Hoffnungen auf die ES-Forschung.
EURORDIS ist der Ansicht, dass jeder einzelne das Recht auf eine freie Therapiewahl haben
sollte, und es jedem frei stehen sollte, eine Behandlung, die in der ES-Forschung entwickelt
wurde, zu verweigern oder in Anspruch zu nehmen.
Es beunruhigt EURORDIS, dass die aktuelle Diskussion Präparaten aus ES-Forschung den
Zugang zum zentralen EU-Zulassungsverfahren, welches Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit
gewährt, verwehren könnte.
Das Subsidiaritätsprinzip der EU erlaubt einzelnen Mitgliedstaaten, ES-Forschung auf nationaler
Ebene zu verbieten. Dies könnte dazu führen, dass Therapieverfahren nur noch in einigen
Staaten zur Verfügung stehen würden, was weitere Ungleichheiten zwischen den Bürgern der
EU zur Folge hätte (indem Patienten der Zugang zu möglicherweise lebensrettenden
Behandlungen begrenzt würde). Dies widerspricht dem Prinzip der freien Wahlmöglichkeit des
Individuums.
An ES wird derzeit in einer Reihe von Ländern geforscht, welche die Hälfte der Weltbevölkerung
repräsentieren und eine positive oder flexible Politik hinsichtlich der ES-Forschung betreiben.
Produkte aus dieser Forschung werden letztlich auch in der EU zur Verfügung gestellt werden.
Tausende menschlicher Blastozyten von Paaren mit Fruchtbarkeitsproblemen liegen tief
gefroren in europäischen Labors, nur um später vernichtet zu werden. Es scheint unlogisch,
dass ES-Forschung von manchen als Mord betrachtet wird, nicht aber die Vernichtung solcher
Blastozyten.
1
•
Das letzte Eurobarometer (Juni 2006) beweist eine beträchtliche Unterstützung der ESForschung, vorausgesetzt, sie wird streng reglementiert. Dasselbe gilt auch für die USA, wo im
September 2005 eine Umfrage einen weit verbreiteten Rückhalt der ES-Forschung feststellte.
Fazit:
•
Nach Ansicht von EURORDIS ist der “Schutz” menschlicher Blastozyten vor der Implantation
(die später sowieso als überzählige Embryos zur Vernichtung bestimmt sind) abzuwägen gegen
eine mögliche Heilung jener Bürger Europas, die zu einem langsamen, qualvollen Tod verurteilt
sind.
•
Um möglicherweise Millionen Patienten mit seltenen oder auch häufigeren Krankheiten das
Leben zu retten, befürwortet EURORDIS ES-Forschung, vorausgesetzt, dass sie in einem streng
gesetzlich reglementierten Rahmen erfolgt.
•
EURORDIS ist weder für ein Verbot der Verwendung von EU-Geldern für die ES-Forschung
noch für einen Auschluss von Therapieverfahren auf Basis der ES-Forschung aus der künftigen
Verordnung über Arzneimittel für neuartige Therapien.
•
Neben der Unterstützung der ES-Forschung tritt EURORDIS auch entschieden für eine
Förderung von Forschungsmethoden ein, die keine Embryos verwenden sowie für eine
Forschung mit adulten Stammzellen, mit Zellen aus Nabelschnurblut oder mit Zellen von Feten
aus Fehlgeburten.
Über EURORDIS
Die europäische Organisation für seltene Krankheiten (European Organisation for Rare Diseases
EURORDIS) vertritt mehr als 260 Organisationen für seltene Krankheiten in mehr als 30 verschiedenen
Ländern sowie mehr als 1.000 seltene Krankheiten. So gibt sie 30 Millionen Patienten mit seltenen
Krankheiten in ganz Europa eine Stimme.
EURORDIS ist eine nicht staatliche, patientengeführte Allianz von Patientenorganisationen und
Einzelpersonen, die auf dem Gebiet der seltenen Krankheiten mit dem Ziel tätig ist, die Lebensqualität
aller Menschen mit einer seltenen Krankheit in Europa zu verbessern. Finanzielle Unterstützung kommt
von den Mitgliedern, der Französischen Muskeldystrophie-Gesellschaft (AFM), der Europäischen
Kommission, von körperschaftlichen Stiftungen und von im Gesundheitswesen tätigen Industrien.
EURORDIS wurde 1997 gegründet.
Weitere Informationen zu EURORDIS und zu seltenen Krankheiten finden Sie unter:
http://www.eurordis.org
Rare Diseases Europe
2
EURORDIS, die europäische Organisation für seltene Krankheiten (European Organisation for Rare
Diseases), vertritt 264 Organisationen für seltene Krankheiten in 31 verschiedenen Ländern, von denen
19 EU-Staaten sind. So gibt sie etwa 30 Millionen Patienten mit seltenen Krankheiten in ganz Europa
eine Stimme.
Als Reaktion auf die aktuelle Diskussion über ethische Fragen in Verbindung mit der Forschung an
embryonalen Stammzellen (ES) sieht EURORDIS – als Vertretung von Patienten, denen gegenwärtig
keine wirksame Behandlung zur Verfügung steht und die hohe Hoffnungen auf neuartige Therapien
setzen – die Notwendigkeit, unsere Gedanken zur ES-Forschung aus Sicht von Patienten mit seltenen
Krankheiten vorzustellen.
Insbesondere im Hinblick auf den Vorschlag der EU Kommission zu neuartigen Therapien ist
EURORDIS beunruhigt, dass modernen Präparaten aus ES-Forschung der Zugang zum zentralen EU
Zulassungsverfahren verwehrt werden könnte, das allen anderen neuartigen Therapien, wie z.B. der
Gentherapie sowie Zelltherapien auf Basis nicht-embryonaler Stammzellen einen Vorteil bieten wird.
Patienten mit seltenen Krankheiten sind sich dessen bewusst, dass momentan noch keine Behandlung
auf Basis der ES existiert und somit die folgenden Überlegungen auf Erwartungen basieren, die an
dieses viel versprechende Forschungsgebiet geknüpft werden, sowie auf den aktuellen Stand der
Forschung mit Tiermodellen. Auch wenn man unmöglich exakte Ergebnisse oder Zeitpläne für jegliche
Forschungszweige, einschließlich ES-Forschung vorhersagen kann, werden Wissenschaftler und
Öffentlichkeit neue Kenntnisse menschlicher Entwicklungsbiologie gewinnen, die wahrscheinlich ein
großes Potenzial für die Entwicklung von Therapien und Heilverfahren bieten.
Zudem ist die aktuelle ethische Diskussion an die Grenzen der heutigen Technologie gebunden;
momentan wird der Embryo nach der Gewinnung der ES vernichtet. Dieses Problem könnte sich jedoch
künftig mit der Entwicklung neuer, embryoerhaltender Techniken lösen. Erst kürzlich gab es mit gutem
Grund Anlass zu Hoffnungen auf diesem Forschungsgebiet, als am 23. August 2006 eine
bahnbrechende Technik angekündigt wurde, die menschliche Stammzellen aus einem menschlichen
Embryo im Frühstadium gewinnt, ohne ihn dabei zu vernichten1.
1. Freie Wahl des Individuums und die Folgen der Subsidiarität
EURORDIS ist der Ansicht, dass den einzelnen Patienten und Eltern die Wahl frei stehen muss, für
welchen therapeutischen Ansatz sie sich entscheiden. EURORDIS respektiert daher, dass jeder einzelne
eine Therapie, die künftig aus ES-Forschung entstehen könnte, ablehnen kann.
EURORDIS sieht sehr wohl, dass ES-Forschung in einigen EU-Staaten nicht erlaubt ist. Wenn wir auch
das Prinzip der Subsidiarität als richtungsweisend für die Aktivitäten der EU ansehen, möchten wir doch
betonen, dass alle Patienten in Europa von der gründlichen Beurteilung hinsichtlich Qualität, Sicherheit
und Wirksamkeit durch die EMEA im Rahmen des zentralen Zulassungsverfahrens profitieren sollten.
Zusätzlich ergeben sich eine Reihe von Konsequenzen für die Patienten in Europa:
•
Die erste Konsequenz auf Ebene der Patienten: Therapien aus ES-Forschung werden nur in
einigen Mitgliedstaaten zur Verfügung stehen. Das bedeutet noch größere Unterschiede
zwischen den europäischen Patienten: Reiche Patienten werden ins Ausland reisen und sich
diese Therapien kaufen können; arme Patienten dagegen werden keinen Zugang zu Therapien
haben, die in ihrem Heimatland verboten sind.
•
Die zweite Konsequenz auf nationaler Ebene: Wie werden EU-Staaten mit einer restriktiven
Politik handeln, sobald Therapien aus ES-Forschung auf den Markt gebracht werden und sich
als wirksam erweisen? Werden sie von der «schlechten Forschung» aus anderen Ländern
profitieren? Oder werden sie ihren Patienten verbieten, davon zu profitieren, indem sie diesen
Therapien den Marktzugang verweigern? Restriktive Regierungen werden sich der öffentlichen
Meinung und den nationalen Patientenorganisationen stellen und ihre Entscheidungen
1 Advanced Cell Technology announces technique to generate human embryonic stem cells that maintains developmental potential
for embryo – Approach published in Nature, 23 August 2006
3
verantworten müssen. Patientenvertreter, die unablässig für einen gleichberechtigten Zugang zu
Arzneimitteln und Medizinprodukten kämpfen, werden es nicht zulassen, dass weitere
Unterschiede geschaffen werden. Daher werden sie es evtl. in Erwägung ziehen, den Fall der
neuartigen Therapien vor den Europäischen Gerichtshof zu bringen.
•
Die dritte Konsequenz auf internationaler Ebene: ES-Forschung wird in jedem Fall außerhalb
Europas stattfinden, und zwar in Ländern mit weniger strengen Regeln und Grenzen, vermutlich
auch nach anderen ethischen Standards, als es in Europa der Fall wäre. Später würden
Therapien aus einer in Europa verbotenen Forschung in die EU importiert und von den
Patienten, die es sich leisten können, gekauft werden. Ist es wirklich im Sinn der
Entscheidungsträger der EU, ein solches «Dumpingsystem» ethischer Werte zu etablieren?
2. Respekt für die Bedürfnisse der Patienten gegenüber dem Respekt für
persönliche Überzeugungen – eine Sichtweise der Öffentlichkeit zur
Gesundheit
Obgleich EURORDIS durchaus anerkennt, dass einige Mitgliedstaaten aufgrund religiöser, kultureller
und historischer Beweggründe eine restriktive Einstellung zur ES-Forschung haben, sind wir doch
besorgt, dass die Möglichkeit des individuellen Rechts auf freie Wahl gefährdet ist, und dass potenzielle
Therapien aus ES-Forschung verboten werden könnten – womit die Verfügbarkeit therapeutischer
Optionen für einzelne Patienten eingeschränkt wäre.
Tatsächlich sind Patienten – wie auch wiederholt während der Konferenz «Patienten und Stammzellen»
(15./16. Dezember 2005 in Brüssel) festgestellt wurde – hier und heute in einer Notlage und können es
sich nicht leisten, dass viel versprechende Forschungsgebiete vernachlässigt werden.
Während der Konferenz wurde es auch klar, dass es einer Person so lange möglich ist, religiöse und
ethische Grundsätze an die Spitze persönlicher Prioritäten zu setzen, wie sie das Glück von Verletzung
und Krankheit verschont. Wird jedoch dieselbe Person – oder eine ihr nahestehende Person – von einer
lebensbedrohlichen Krankheit ergriffen, kann sich die Abwägung der Prioritäten dramatisch verändern.
Wenn es dazu kommt, geht diese radikale Änderung auf die Perspektive aufgrund der Notlage zurück,
die für Patienten mit seltenen Krankheiten und ihre Familien besonders akut ist, und deren letzte
Hoffnung oft Gen- und Zelltherapien sind.
3. Ein Miteinander verschiedener Denkweisen
EURORDIS möchte Sie nun auf folgende Rationale aufmerksam machen, die nicht jedem logisch
erscheint, und sicherlich nicht aus der Sicht der Patienten:
Tausender menschlicher Embryonen im Frühstadium von Paaren mit Fruchtbarkeitsproblemen – die sich
die neuesten Fortschritte der Forschung und Medizin für ihre sicherlich berechtigten Zwecke zu Nutze
machen – werden nicht implantiert, liegen gefroren in Labors in Europa und werden letztendlich
vernichtet werden, sobald sie nicht mehr Inhalt eines elterlichen Projektes sind. Es würde keinen Sinn
machen und technisch unmöglich sein, sie über Hunderte, Tausende oder Millionen von Jahren zu
erhalten.
Gemäß gewissen Positionen dürfen diese überzähligen Embryonen nicht für die Stammzellforschung
verwendet werden, da dies einem «Mord» gleich käme. Aber sie verfallen zu lassen oder zu vernichten
(aufgrund logistischer oder budgetärer Probleme der medizinischen Institute) wird nicht als Mord
betrachtet. Diese Position führt zum Verbot einer Forschung an zur Vernichtung bestimmten Embryonen,
die zu Therapien für Kinder und Erwachsene mit lebensbedrohlichen Leiden führen könnte, welche nun
weiterhin leiden und frühzeitig sterben müssen.
Aus Sicht von Patienten mit seltenen Krankheiten ist dies nicht akzeptabel, ja sogar nicht ethisch.
In einem Artikel der „International Herald Tribune“ (EU to finance stem cell research, Dan Bilefsky, 25.
Juli 2006) wurde der britische Wissenschaftsminister David Sainsbury wie folgt zitiert: „Es ist moralisch
4
nicht akzeptabel, diesen Fortschritt Patienten vorzuenthalten, da er den Bürgern der EU enorme Vorteile
bieten kann.“
Im gleichen Artikel wurde auch berichtet, dass Stephen Hawking das Verbot der Verwendung
embryonaler Stammzellen einem Widerspruch zur Verwendung gespendeter Organe von Toten
gleichsetzt. „Die Tatsache, dass die Zellen von Embryonen stammen, kann kein Hindernis sein, da diese
sowieso sterben werden.“ erläuterte er gegenüber der Zeitschrift „The Independent“ in London. „Dies ist
moralisch gleichbedeutend mit der Transplantation eines Herzens, das einem Unfallopfer entnommen
wird.“
4. Wissenschaftliche Definitionen2
4.1 Stammzellen
Normalerweise nicht differenzierte Zellen, die fähig sind, sich selbst zu erneuern und unterschiedliche
Gewebearten herzustellen. Da Stammzellen die Fähigkeit besitzen, zu verschiedensten Arten von Zellen
zu reifen, geht man davon aus, dass sie ein großes Potenzial für die Entwicklung regenerativer
Heilverfahren haben. Stammzellen können von „Embryonen“ im Frühstadium, die als Blastozyten (oder
Blastozysten) bezeichnet werden, von ungeborenen Kindern (Feten) von Fehlgeburten oder Abgängen,
aus Nabelschnurblut oder von einigen Geweben Erwachsener stammen.
4.2 Adulte Stammzellen3
Adulte Stammzellen (von Erwachsenen) sind undifferenzierte Zellen in einem differenzierten Gewebe. Im
Knochenmark bilden beispielsweise Stammzellen des blutbildenden Systems kontinuierlich neue
Blutzellen. Im Gehirn sind offensichtlich einige wenige Stammzellen in der Lage, neue Nervenzellen zu
bilden, wenn wir etwas lernen oder Verletzungen heilen. Forscher haben bereits blutbildende
Stammzellen dazu gebracht, Leberzellen zu erzeugen, und auf dieser Plastizität der blutbildenden
Stammzellen beruht auch der Erfolg von Knochenmarkstransplantationen.
Die Gewinnung adulter Stammzellen ist schwieriger als die embryonaler Stammzellen. Adulte
Stammzellen sind selten, und es ist schwierig, sie als reine Stammzellen zu isolieren. Es war den
Wissenschaftlern auch noch nicht möglich, Kulturen adulter Stammzellen für eine unbestimmte Zeit zu
erhalten. Da adulte Stammzellen bereits auf irgendeine Art und Weise an einem frühen
Differentiationsprozess beteiligt sind, sind sie nicht so formbar wie embryonale Stammzellen, sondern
haben bereits „eine Neigung, ein bestimmtes Gewebe zu formen“. Sie können manchmal zu lokalen
Verletzungen wandern, was Vorteile bieten kann, wenn die Verletzung oder Krankheit des Patienten
lokal begrenzt ist. Ein möglicher Vorteil der Verwendung adulter Stammzellen liegt darin, adulte
Stammzellen zu verwenden, die vom Patienten selbst stammen, welche in Kulturen vermehrt und dem
Patienten wieder eingesetzt werden könnten, wodurch das Risiko einer Abstoßung verringert wird.
Leider wäre dieser Vorteil im Fall genetisch bedingter Krankheiten4 gegenstandslos, da die Zellen des
Patienten alle diesen Defekt tragen.
4.3 Embryonale Stammzellen5
Embryonale Stammzellen sind undifferenzierte Zellen aus in der inneren Zellkernmasse menschlicher
Blastozyten, d. h. Zellen aus einem frühen Entwicklungsstadium des Embryos von 4-7 Tagen nach der
Befruchtung. Bei normaler Entwicklung des Embryos verschwinden die embryonalen Stammzellen nach
dem 7. Tag nach Befruchtung.
Menschliche Blastozyten besitzen je 30 bis 150 Zellen. Entgegen der öffentlichen Meinung bezieht sich
der Begriff „Embryo“ auf eine winzige Ansammlung undifferenzierter Zellen, nicht auf einen Körper mit
Kopf, Gliedmaßen oder Herz. Es handelt sich um eine Kugel von 0,14 Millimeter aus Zellen mit einer
inneren Zellmasse. Jede einzelne dieser Zellen hat noch das Potenzial, sich zu einem vollständigen
2
American Association for the advancement of Science (non profit organisation)
3
Katherine Bourzac, Biology and Comparative Literature, University of Southern California, Journal of young investigators.
80% aller seltenen Krankheiten sind genetischen Ursprungs
5
Katherine Bourzac, Biology and Comparative Literature, University of Southern California, Journal of young investigators
4
5
Embryo zu entwickeln. Sie hat aber auch das Potenzial, Tausende von Patienten zu behandeln. Mit der
Entwicklung des Embryos differenzieren sich die Zellen immer mehr, bis jede Zelle vollständig
spezialisiert ist (z. B. zu Leber-, Nerven- oder Blutzellen). Diese Zellen sind dann keine embryonalen
Stammzellen mehr.
Embryonale Stammzellen besitzen die besten Anlagen zur Entwicklung von Heilverfahren in der
regenerativen Medizin, denn sie erwiesen sich im Gegensatz zu adulten Stammzellen auf Dauer selbst
erneuernd und pluripotent (d. h. jede Zelle kann sich zu jeder Gewebeart des Körpers entwickeln).
Zudem kommen adulte Stammzellen selten in reifen Geweben vor, und effiziente Methoden sie zu
vermehren, wurden noch nicht gefunden. Aufgrund dieser wesentlichen Einschränkungen wird die
Forschung an Stammzellen von Erwachsenen oder von Fehlgeburten/Abgängen langsamer und mit
geringeren Erfolgsaussichten vorangehen.
„Der Zugang zu embryonalen Stammzellen wird wahrscheinlich letztendlich die Geschwindigkeit
bestimmen, mit der Wissenschaftler auf diesem Gebiet Fortschritte machen. Tatsächlich sind Fortschritte
der erfolgreichen Kultivierung postnataler und adulter Quellen von Stammzellen für die regenerative
Medizin wahrscheinlicher, wenn die Untersuchungen mit embryonalen Stammzellen parallel
weitergeführt werden, so dass Zellen verschiedenen Ursprungs verglichen werden können“ (National
Academy of Science, 2001)6.
Auch der Fortschritt der Forschung mit fetalen und adulten Stammzellen hängt von der Forschung mit
embryonalen Stammzellen ab. Wenn die ES-Forschung nicht auf höchstem Niveau stattfindet, kann dies
den Weg zu Heilverfahren erheblich verlängern.
Gegenwärtig zeigen internationale tierexperimentelle Studien bereits das große Potenzial der
embryonalen Stammzellen für die Behandlung neurodegenerativer Krankheiten sowie als Ersatz kranker
Hautzellen und anderer Zellarten. Embryonale Stammzellen werden durch ihre schnelle Verfügbarkeit
und fast unbegrenzte Entwicklungsfähigkeit zu einem unabdingbaren biologischen Fundament für das
Screening und die Entwicklung neuer therapeutischer Arzneimittel.
4.4 Austausch von Zellkernen, bezeichnet als therapeutisches Klonen
Dieses EURORDIS Positionspapier befasst sich nicht mit o. g. Technik, die darin besteht, den Zellkern
einer Eizelle zu entfernen und mit dem Zellkern einer anderen Zelle – meist einer Körperzelle – zu
ersetzen. EURORDIS befürwortet therapeutisches Klonen nicht.
5. Das Nebeneinander verschiedener ethischer und religiöser Ansichten
Nach Meinung von EURORDIS ist ein umfassendes Bild der verschiedenen ethischen und religiösen
Perspektiven für die Diskussion über embryonale Stammzellen unabdingbar, ohne sich jedoch auf jene
mit der größten Medienpräsenz zu konzentrieren.
Zudem muss man für die Diskussion über embryonale Stammzellen betonen, dass – wie im folgenden
gezeigt – der Moment, in dem das menschliche Leben beginnt, das Ergebnis einer willkürlichen
Entscheidung ist, die auf religiösen/ethischen Überzeugungen beruht. Für einige religiöse
Gemeinschaften ist der Embryo vom Moment der Empfängnis an bereits ein Mensch; andere Religionen
sehen einen Entwicklungsprozess und glauben, dass der frühe Embryo nur allmählich zu einem
Menschen wird und deshalb auch nicht berechtigt ist, denselben moralischen Schutz zu erhalten, wie es
später der Fall sein wird. Nach letztgenannter Ansicht ist jedoch das „Heilen der Kranken“, sei es eines
kranken Kindes oder eines kranken Erwachsenen, eine moralische Verpflichtung.
EURORDIS vertritt Patienten und Familien mit unterschiedlichem religiösen/philosophischen/ethischen
Hintergrund und kann daher keine Wertung dieser willkürlichen Festlegungen und Ansichten vornehmen.
Nachfolgend können wir – wie während der Konferenz zu „Patienten und Stammzellen“ (Dezember
2005) geschehen, zu der die Führer der größten monotheistischen Religionen eingeladen waren, um
offiziell ihre Ansichten vorzustellen - die Hauptstandpunkte aus chronologischer Sicht zusammenfassen.
6
Katherine Bourzac, Biology and Comparative Literature, University of Southern California, Journal of young investigators
6
5.1 Die Perspektive des Judentums
„Das Judentum hat immer zu wissenschaftlichem und medizinischem Fortschritt ermutigt. Die Heilpraxis
ist nicht nur ein Beruf – sie ist ein Gebot (Mizwa), eine rechtmäßige Verpflichtung.“7 Hinsichtlich der ESForschung betrachtet das jüdische Recht den Embryo bis zu 40 Tagen nach der Befruchtung als Teil des
Körpers der Mutter. Vor Ablauf dieser 40 Tage sieht man den Embryo nicht als „menschliches Leben“ an.
Zudem wird ein in einer Petrischale erzeugter Embryo auch deshalb nicht als Mensch angesehen, da er
nicht in der Gebärmutter implantiert ist. Daher wird die Entnahme von Stammzellen aus Blastozyten vor
der Implantation moralisch neutral bewertet. „Aus jüdischer Perspektive ist es unsere Pflicht, diese
Forschung fortzusetzen.“8
„Jüdisches Recht besteht aus biblischer und rabbinischer Gesetzgebung. Rabbinisches Gesetz
beschäftigt sich weitgehend damit, Schranken zum Schutz des biblischen Rechts zu errichten. (…) Aber
eine Schranke zur Verhinderung der Heilung lebensbedrohlicher Krankheiten darf nicht errichtet werden,
denn der Verlust wäre dabei größer als der Nutzen. Die Beherrschung der Natur zum Nutzen jener, die
an Erkrankungen lebenswichtiger Organe leiden, ist eine religiöse und moralische Verpflichtung. Da die
Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen auf diesem Gebiet viel versprechend scheint,
wird sie durch jüdisches Recht gefördert.“9 Der moralische Imperativ, die Stammzellforschung weiterhin
zu betreiben, ist eindeutig; er entspricht dem Sinnbild des Gebots zur Heilung. Shulchan Aruch, Yorei
De’ah 336:1: „Unsere Tradition verlangt von uns, alle verfügbaren Kenntnisse zur Heilung Kranker
einzusetzen, und sollte dies jemand verhindern, kommt dies einem Blutvergießen gleich.“10
5.2 Die Perspektiven des Christentums
5.2.1. Die römisch-katholische Kirche
Innerhalb der katholischen Tradition kann sowohl für als auch gegen die ES-Forschung argumentiert
werden, was von der Interpretation des moralischen Status des menschlichen Embryos abhängt.
•
Eine bedeutende Anzahl von Katholiken spricht sich gegen die ES-Forschung aus. Tatsächlich
ist das Verständnis im Katholizismus am meisten verbreitet, wonach ES-Forschung
uneingeschränkt verurteilt wird, denn „das menschliche Leben ist vom Stadium eines Einzellers
bis zum Tod ein Kontinuum.“ Demzufolge ist der Schutz des menschlichen Embryos mit dem
Schutz eines Menschen gleichzusetzen. Veranschaulicht wird dieser Standpunkt durch die
jüngsten Bemerkungen von Kardinal Alfonso López Trujillo, der eine Gruppe leitet, die der Kirche
Vorschläge zur Familienpolitik unterbreitet. In einem Interview mit der katholischen
Wochenzeitschrift Famiglia Cristiana (29. Juni 2006) forderte er, dass Forscher, die mit
Stammzellen arbeiten, ebenso bestraft werden sollten wie Frauen, die abtreiben lassen, und die
Ärzte, die diese Abtreibungen vornehmen. „Die Vernichtung eines Embryos kommt einer
Abtreibung gleich“, sagte der Kardinal. „Frauen, Ärzte und Forscher, die Embryonen vernichten,
sind exkommuniziert.“ Dieser Artikel bestätigt nach Meinung einiger Experten, dass die Worte
des Kardinals die Möglichkeit bieten, die Arbeit in der Stammzellforschung in jene
Exkommunikationskategorie einzuordnen, die für solche, als so schwerwiegend erachtete Taten
gilt, dass kein Urteil oder Verfahren erforderlich ist.
•
Nach Ansicht von Margaret A. Farley (Ph. D. Yale University) „kann ES-Forschung auch
befürwortet werden, wenn man sich auf in der katholischen Tradition entstandene Standpunkte
beruft. Eine wachsende Zahl katholischer Moraltheologen betrachtet den menschlichen Embryo
im Frühstadium nicht als individuelles menschliches Wesen. Im Rahmen dieser Sichtweise ist
der moralische Status eines Embryos nicht der einer Person – und seine Verwendung für
bestimmte Forschungszwecke ist gerechtfertigt. Diejenigen, die diesen Standpunkt vertreten,
setzen sich dafür ein, zu der jahrhundertealten katholischen Position zurückzukehren, die einen
bestimmten Grad an Entwicklung als Voraussetzung für die Erteilung eines Personenstatus
erfordert. Embryologische Untersuchungen belegen, dass die Befruchtung selbst ein Prozess ist
(und nicht ein Augenblick), und unterstützen so auch die Ansicht, dass der Embryo in den ersten
7
Resolution on stem cell research, Union for reform Judaism
Rabbi Elliot N. Dorff, Ph.D. University of Judaism
9 Stem Cell Research in Jewish Law by Daniel Eisenberg, MD
10 Resolution on stem cell research, Union for reform Judaisms
8
7
Stadien (wie auch im Blastozyten-Stadium) noch nicht genügend individuell ausgeprägt ist, um
das moralische Gewicht einer Person zu tragen.“11
5.2.2 Protestantische Kirchen
Unter den Protestanten sind die Ansichten höchst unterschiedlich und reichen vom Aufruf zum Schutz
des Embryos, „dem schwächsten und am wenigsten begünstigten unserer Mitmenschen“, bis zum
anderen Ende des Spektrums, wo einige Meinungsführer in der protestantischen Kirche auch dem
therapeutischen Klonen (Übertragung von Zellkernen aus Körperzellen) gegenüber offen sind, einer
Methode, für die Embryonen ihrer Stammzellen wegen erzeugt werden.
Die verschiedenen Positionen sind nur schwer zusammenzufassen, doch wir konnten daraus erkennen,
dass auch die Protestanten sich auf die individuelle Entscheidungsfreiheit in diesem Gebiet stützen.
5.3 Die Perspektive des Islams
Die Diskussion und Sorgen der Katholiken sind für Moslems nicht relevant, denn die Beseelung (der
Moment, in dem das ungeborene Kind eine Seele erhält) findet nicht vor dem vierten Monat der
Schwangerschaft statt. Daher sprechen moderne Moslems von einem Moment weit nach dem
Blastozyten-Stadium, zu dem ein Fetus zu einem Menschen mit moralischem Status wird. Da ein
Embryo keine Person ist, wird die ES-Forschung nach islamischem Recht neutral bewertet.12
Nach Ansicht von Abdulaziz Sachedina, Ph.D. (University of Virginia) – wobei diese Worte allgemein für
die islamische Tradition gelten (sowohl für sunnitische als auch für schiitische Standpunkte) – wird die
Forschung an Stammzellen, die durch biotechnologische Eingriffe in den Frühstadien des Lebens
möglich ist, im Islam letztlich als Glaubensakt nach dem Willen Gottes verstanden, so lange dieser
Eingriff die Verbesserung der Gesundheit der Menschen zum Ziel hat. 13
6. Öffentliche Unterstützung der ES-Forschung und politische Grundsätze der
Stammzellenforschung
6.1 Die öffentliche Meinung in der EU: Das letzte Eurobarometer14
Im Vergleich zu früheren Erhebungen zeigt das Bild, welches das Eurobarometer 2005 („Europäer und
Biotechnologie“) von den Bürgern Europas zeichnet, dass diese nun optimistischer, informierter sind und
der Biotechnologie mehr Vertrauen entgegenbringen. Die europäische Öffentlichkeit scheut das Risiko
technologischer Neuerungen nicht, wenn sie sich greifbare Vorteile davon versprechen. Das
Eurobarometer belegt, dass die meisten Bürger Europas die medizinische Anwendung der
Biotechnologie befürworten, wenn dadurch Vorteile für die Gesundheit der Menschen zu erwarten sind.
Insbesondere kann man aus dem im Juni 2006 veröffentlichten Eurobarometer erkennen, dass die
Unterstützung medizinischer Biotechnologie weit verbreitet ist, was auch eine beträchtliche
Unterstützung der ES-Forschung beinhaltet, sofern diese streng reglementiert wird. Tatsächlich tendiert
die Mehrheit der Bürger Europas zu einer zweckorientierten Einstellung gegenüber der ES-Forschung,
da ein bedeutender Vorteil erwartet werden kann. Nur 9 % „sind grundsätzlich gegen ES-Forschung“.
U. a. ist die Unterstützung der ES-Forschung in Belgien, Schweden, Dänemark, den Niederlanden und
Italien am höchsten. In Ländern, in denen ES-Forschung kaum Unterstützung findet – die baltischen
Staaten, Slowenien, Malta, Irland und Portugal – sind etwa 1 von 3 Bürgern unentschieden. Weiterhin ist
es interessant, dass eine absolute Mehrheit in 15 Ländern, darunter auch in Deutschland, der
Tschechischen Republik und Spanien, ES-Forschung unterstützt, vorausgesetzt, sie wird eng
reglementiert.
11
Roman Catholic views on research involving human ESCs, Testimony of Margaret A. Farley, Ph.D. Yale University (Ethical
issues in Human Stem Cell Research, Volume III Religious Perspectives).
12 Federal Funding for Stem Cell Research? Imad-ad-Dean Ahmad, Ph.D.
13 Abdulaziz Sachedina, Ph.D.University of Virginia, Islamic Perspectives on Research with Human ESC
14 http://www.ec.europa.eu/research/press/2006/pdf/pr1906_eb_64_3_final_report-may2006_en.pdf
8
6.2 Die öffentliche Meinung in den USA
Eine Befragung von 2.212 Amerikanern (9.-19. September 200515) enthüllte eine Meinungslandschaft,
die wenig Ähnlichkeit mit der Polarisierung und dem moralischen Graben hat, die im Kongress und den
Meinungen der amerikanischen Presse zum Ausdruck kommen.
Diese Untersuchung stellte eine weit verbreitete Unterstützung der ES-Forschung über politische,
religiöse und soziologische Grenzen hinweg fest, wobei zwei Drittel der Befragten der ES-Forschung
positiv oder sehr positiv gegenüber standen. Sogar fundamentalistische und evangelistische Kirchen – in
denen man lange verbitterte Gegner der ES-Forschung sah – teilten sich hinsichtlich einer Unterstützung
der ES-Forschung in gleich große Lager.
Die Befragten konnten sich für eine der folgenden Regelungen der ES-Forschung entscheiden:
•
•
•
•
Vollständiges Verbot der ES-Forschung
Eine Fortsetzung der Politik der Bush-Administration
Eine Lockerung der Auflagen, so wie sie einige Kongressmitglieder vorgeschlagen hatten, die
eine staatliche Unterstützung der Forschung erlauben würde, die ES-Zellen verwendet, die mit
privaten Mitteln geschaffen wurden
Eine Erlaubnis einer staatlichen Förderung der Erzeugung embryonaler Stammzellen und der
ES-Forschung.
22 % der Befragten sprachen sich für eine Beibehaltung der Politik der Bush-Administration aus; ein
noch geringerer Anteil von 16 % würde ES-Forschung komplett verbieten. Eine Mehrheit war für eine
Lockerung der bisherigen Restriktionen, darunter 40 %, die eine staatliche Förderung der Erzeugung von
ES und weiterer Forschung mit ES begrüßen würden.
6.3 Die Politik zur Regelung der ES-Forschung auf internationaler Ebene
Gemäß einer Studie zur internationalen Politik hinsichtlich der ES-Forschung (International Stem Cell
Policies, Genetics and Public Policy Center16) betreiben Länder mit mehr als 3,5 Milliarden Menschen –
über die Hälfte der Weltbevölkerung – eine Politik, die ES-Forschung erlaubt oder flexibel regelt (siehe
Länderliste in Annex I). All diese Länder verbieten es, Menschen zu klonen.
7. Schlussfolgerungen
7.1 Die persönliche Ebene
EURORDIS respektiert die persönliche Meinung einzelner Personen, die starke (sei es aus religiösen
oder aus anderen Beweggründen) ethische Bedenken hinsichtlich der ES-Forschung haben und sich
daher möglicherweise gegen eine lebensrettende Behandlung entscheiden, wenn diese mit ESForschung entwickelt wurde.
7.2 Die gesellschaftliche Ebene
EURORDIS ist der festen Überzeugung, dass auf gesellschaftlicher Ebene der zeitweilige „Schutz“
menschlicher nicht implantierter Blastozyten relativiert werden muss - im Hinblick auf den Schutz jener
Menschen, sowohl Erwachsener als auch Kinder und Jugendlicher, die an Schmerzen leiden und zu
einem frühzeitigen Tod oder lebenslangen Leiden verurteilt sind, da ihnen wirksame Therapien fehlen,
die mit ES-Forschung möglich wären.
7.3 Die Wettbewerbsfähigkeit der EU
Was die Bemühungen unserer europäischen Forscher anbelangt, stimmt EURORDIS den Worten von
Lord Rees zu, dem Präsidenten der Royal Society, der die EU Minister am 24. Juli 2006 im Europarat
dazu aufrief, die Verwendung von EU Geldern für die wissenschaftliche und medizinische Forschung mit
15 Values in Conflict: Public Attitudes on Embryonic Stem Cell Research - Hudson KL, Scott J, and R Faden - Washington, DC: Genetics and Public Policy
Center. The Center is supported at the Berman Bioethics Institute of Johns Hopkins University by The Pew Charitable Trusts.
16 Idem.
9
menschlichen embryonalen Stammzellen nicht generell zu verbieten: „Letzte Woche wurde in den USA
die Entscheidung gefällt, bei der Stammzellforschung auf der Kriechspur zu bleiben und so das
internationale Rennen um die Entwicklung von Therapien, die Millionen von Menschen helfen könnten,
zu blockieren. Einige Länder möchten offenbar die EU neben den USA auf diese Kriechspur zwingen.
Wenn auch ein Verbot der Unterstützung durch das European Framework Programm die nationale
Förderung dieser Forschung nicht verhindern würde, wäre es dennoch eine große Enttäuschung für die
Hoffnungen von Patienten auf der ganzen Welt. Zudem könnte es Forscher dazu bringen, außerhalb der
EU nach Möglichkeiten zu suchen, ihre bedeutende Arbeit mit embryonalen Stammzellen
voranzutreiben.“17
7.4 Solidarität und Gerechtigkeit
EURORDIS, als eine Organisation, die Patienten mit seltenen Krankheiten vertritt, ist der Überzeugung,
dass die Solidarität unter den Menschen es erfordert, der ethischen Pflicht, „Kranke zu heilen“, auch
durch die Forschung an Stammzellen von menschlichen Blastozyten in ganz Europa zu nachzukommen
– im Rahmen strenger gesetzlicher Reglementierungen. Dabei hat EURORDIS das Recht aller Patienten
Europas auf einen gleichberechtigten Zugang zu medizinischer Versorgung vor Augen.
Dieses Positionspapier wurde vom Europäischen Komitee für Öffentlichkeitsarbeit von EURORDIS
erarbeitet.
Am 6. September 2006 wurde es wie folgt vom EURORDIS Vorstand angenommen:
• 11 Stimmen dafür (Terkel Andersen, Danmarks Bløderforening – Dänemark; Pierre Birambeau,
Association Française contre les Myopathies – Frankreich; Suzana Díaz Rubiales, Asociación de
Deficiencias de Crecimiento y Desarrollo – Spanien; Jean Elie, Vaincre la Mucoviscidose –
Frankreich; Torben Grønnebæk, Rare Disorders Denmark - Dänemark; Marianna Lambrou,
Tuberous Sclerosis Association of Greece - Griechenland; Flavio Minelli, Federazione Italiana
Malattie Rare - Italien; Harald Niemann, Guillain-Barré-Syndrom Initiative e.V - Deutschland; Christel
Nourissier, Alliance Maladies Rares - Frankreich; Anders Olauson, Agrenska - Schweden; Rosa
Sanchez de Vega, Asociación Española de Aniridia – Spanien);
• 1 Stimme dagen (Andreas Reimann, Mukoviszidose - Deutschland);
• Keine Enthaltung.
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Royal Society, the UK's National Academy of Science
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Annex I – Länder, deren Politik embryonale Stammzellenforschung
erlaubt oder flexibel regelt18
Bevölkerung: M = Million.
Australien - 20 M
Belgien – 10,4 M
Brasilien - 184 M
China – 1.288 M
Dänemark – 5,4 M
Estland – 1,4 M
Finnland – 5,2 M
Frankreich – 60,4 M
Griechenland – 10,6 M
Hongkong – 6,8 M
Indien – 1.068 M
Iran - 69 M
Island – 0,3 M
Israel – 6,7 M
Japan - 128 M
Kanada – 31,8 M
Lettland – 2,4 M
Neuseeland - 4 M
Niederlande – 16,3 M
Russland - 146 M
Schweden - 9 M
Schweiz – 7,3 M
Singapur – 4,2 M
Slowenien – 1,9 M
Spanien – 40,3 M
Südafrika - 44 M
Südkorea - 48 M
Taiwan – 22,6 M
Thailand - 65 M
Tschechische Republik – 10,2 M
Türkei - 71 M
Ungarn - 10 M
Vereinigtes Königreich – 59,2 M
“Erlaubnis” = eine Politik, die verschiedene Arten der Gewinnung embryonaler Stammzellen erlaubt,
einschließlich der Kerntransplantation, auch als therapeutisches Klonen bekannt. Kerntransplantation
besteht in der Verpflanzung eines Zellkerns einer Körperzelle in eine Eizelle, deren Kern entfernt wurde.
Zu diesen Ländern gehören: Vereinigtes Königreich, Belgien, Schweden, Iran, Israel, Indien, Singapur,
China, Japan, Südkorea, Südafrika u. a. Diese Länder repräsentieren eine Gesamtbevölkerung von
mehr als 2,7 Milliarden Menschen.
„Flexible Regelung“ = eine Politik, die eine Forschung mit embryonalen Stammzellen nur aus Spenden
von Fertilisationskliniken erlaubt - nicht aber die Kerntransplantation, und diese Forschung oft mit
bestimmten Restriktionen verbindet.
Zu Ländern dieser Kategorie gehören Australien, Brasilien, Kanada, Frankreich, Spanien, Niederlande,
Taiwan u. a. Diese Länder repräsentieren eine Gesamtbevölkerung von über 700 Millionen Menschen.
18 Values in Conflict: Public Attitudes on Embryonic Stem Cell Research - Hudson KL, Scott J, and R Faden - Washington, DC:
Genetics and Public Policy Center. Mit Unterstützung des Berman Bioethics Institute of Johns Hopkins University by The Pew
Charitable Trusts.
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