Ein musikalisches "Stadt, Land, Fluss"

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Neumarkter Nachrichten
Freitag, 18. Februar 2011
Ein musikalisches "Stadt, Land, Fluss"
Mit dem Ostrobottnischen Kammerorchester gibt es auch etwas Geografie
NEUMARKT - Ein
bissehen sattelfest sollte
man schon sein, wenn
man sich über den nächsten
"Konzertfreunde"-Abend am Donnerstag, 24. Februar, 20
Uhr im Reitstadel (Abonnements Bund G) orientieren will. Wo genau
zum Beispiel liegen Kokkola oder das Dörfchen
N0rre
N
0ne Lyndelse?
Leichter findet man da
schon Kiew oder Helsinki: Klar aber ist, da
kommt ein Gastspiel aus
dem Osten. Nicht zum
ersten Mal:
Mal: Das Ostrobottnische Kammerorchester spielt in der gleichen Besetzung wie
schon 2007. Was damals
aber eher eine Entdeckung aus dem kühlen
Norden war, das hat sich
inzwischen ein warmes
Willkommen in der übrigen
Konzertwelt
erspielt.
Ganz besonders der
Dirigent Juha Kangas.
Den haben sich inzwischen die Bamberger
Symphoniker
geschnappt, die Münch- Juha
Ju ha Kangas
Ka ngas wu rde in seiner finnischen Heimat mit
ner Philharmoniker oder Musikerpreisen geradezu überschüttet.
F.: privat
das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, mit Musikerpreisen terbunt zusammenstellt. Und da komseiner finnischen Heimat wurde er men dann die anderen Ortsnamen ins
Spiel: Nerre
geradezu überschüttet: und Finnland Spiel:
N0rre Lyndelse als Geburtsort
Nie1sen zum Beispiel,
ist der 2010 zum Professor elnannte von Carl August Nielsen
Kangas auch treu geblieben. Denn mit dessen kleiner Streichersuite op.1
dort liegen die WW'zeln seiner mär- das Neumarkter Konzert beginnen
chenhaften Karriere: 1945 geboren, wird. Auch der große dänische Symsechs Jahre Geiger und Bra
Bratscher
tscher in phoniker hatte so eine DorfmusikanHelsinki, dann Gründung eines SehüSchü- tenkarriere hinter sich,
sich, die dann am
lerorchesters in Kokkola - und aus Königlich Dänischen MusikkonservaKopenbagen 1931 endete.
dem ist das Ostrobottnische Kammer- torium Kopenhagen
endete. Da
orchester geworden, unbelastet von hatte er 1888 die kleine Suite längst
akademischen
akademisclien Traditionen oder den geschrieben, mit der er sich erstmals
Usancen des westlichen Musikbe- einer größeren Öffentlichkeit vortriebs.
stellte - noch bevor er zum Studieren
Das merkt man am Klang des nach Deutschland ging. Oder Kiew als
Orchesters, an der unkonventionellen Geburtsort von Valentin Silvestrov,
leinte.
Art des Dirigierens bei Kangas und an der Musik an der Abendschule lernte.
den Programm, die man ziemlich kun- Konservativ, harmonisch, traditionell
würde er komponieren, einer eigenen
Wertewelt verpflichtet, kann man in
nachlesen. Manches
den Kritiken nachlesen.
erscheint einem auch überraschend
übeiTasehend
leichtgewichtig in seiner Neigung
zum Leisen, Pointillistischen, für das
sich auch das Münchner Kammerorchester eingesetzt hat.
Schiffs Entdeckung
Aber der 24. Februar ist auch ein
Abend der großen Namen. Die finnischen Musiker spielen Tschaikowskys
Streicherserenade op.48 adel'
oder
schöne Streichel'serenade
Bachs Konzert BWV 1052 - und da
kommt der Pianist Juho Pohjonen ins
Spiel. Wahrscheinlich ist es die KlaVlerfassung
Vlerlassung eines verschollenen Violinkonzerts, die er spielt, und durchaus
eines seiner SpezIalgebiete.
Spezlalgebiete. Er selbst
ist eine Entdeckung von Anclras
Amlras
Schiff, erfolgreich ist er in den letzten
zehn Jahren von einem Debut zum
anderen geeilt, hat in Neumarkt bei
seinem Solorecital Mendelssohn,
Grieg und Prokofiew gespielt - aber
die Rückbindung an seine finnische
Heimat, an finnische Orchester oder
Komponisten hat er nicht aufgegeben.
Bis 2012 wird er allerdings auch zur
Gruppe der "outstanding young
artists U der Kammermusik-Society
Kanunermusik-Society
am New Yorker Lincoln Center gehören, voriges Jahr war er Gewinner des
Stipendiums beim deutschen RuhrKlavierfestival.
Noch ein finnischer Ort zum
Schluss: Kaustinen. Da lebt seit über
übel'
30 Jalu'en
Jahren der Komponist Pehr Henrik
Nordgren. Und der hatte bei seinem
"Rock Score" für 19 Streicher von
Anfang an das Ostrobottnische Kammerorchester im Sinn. Denn Kokkola
ist nur 50 Kilometer von Kaustinen
entfernt - aber mit "Rocku-Musik
"Rock u -Musik hat
der "Score"
"Score überhaupt nichts zu tun.
tun.
Eher schon mit einer interessanten
Mischung von finnischer Volksmusik,
oder
traditioneller Musik aus Japan adel'
Ligetis Feldtechnik. Das Ostrobottnisehe Orchester weiß, wie man das
spielt: immerhin hat es schon 20
Werke Nordgrens uraufgeführt.
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