ERCO Lichtbericht 29

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E
Erschienen im April 1988
Das im Untergeschoß des Institut du Monde Arabe in Paris
gestaltete Hypostyl, die Säulen halle aus verkleideten Klimakanälen und realen Stützen,
dieser illusionistische Raum,
wurde bedeutungsvolle Wirklichkeit durch die Anwesenheit
von Mitgliedern arabischer
Staaten in ihren bunten Galabiyas, die sie zur feierlichen
und fröhlichen Eröffnung ihres
Institutes angelegt hatten.
Lichtbericht 29
Inhalt
Zu diesem Heft
IMA
Institut du Monde
Arabe, Paris
Zeppelin oder Porsche?
Gantry
Axis
Berlin mit Esprit
Chemisse, Barcelona
Cortes de Aragón,
Zaragoza
Kann man Mondlicht
sehen?
Yves Saint Laurent,
Mailand
Lichtplaner vorgestellt:
Hans T. von Malotki
Lichtdesign, Köln
Schlußlichter
Zu diesem Heft
1
2-6
7
7-10
11-13
14-15
16-17
18-21
22-25
26-27
28-31
32-33
Fotos: Luc Bernard (Ul, S. 2-6, 14/15, 28-31), Lars
Christ/ERCO (S. 32/33), Helmut Claus (S. 1), Hans Hansen
(S. 7-13), Andreas Horlitz (U4), Thomas Mayer (S. 22-25),
Dorothea Schmid (S. 28-31), Michael Welt (S. 16-21,
26/27).
© 1988 ERCO
Printed in W-Germany, Druckhaus Maack GmbH & Co. KG,
5880 Lüdenscheid, 6298804
Wenn man bei der Entwicklung einer
Leuchte das Design am technisch Notwendigen und nicht am ästhetischen
Effekt orientiert, erhält man ein Produkt,
das die Qualität eines Instrumentes hat
und dessen Nützlichkeit sich unmittelbar
erschließt.
Das technisch Notwendige, das technisch Richtige zu definieren, setzt voraus,
daß man die spätere Nutzung des Produktes
bewertet.
Die Richtigkeit der Überlegungen ist
nachprüfbar, nachmeßbar, nachrechenbar.
Fehler, spekulative Denkansätze werden als
solche sofort erkannt und als redundant
empfunden. Es entsteht eine Ästhetik des
technisch Richtigen, die nur durch technischen Fortschritt einer Änderung bedarf,
aber nicht durch eine Veränderung modischer Attitüde.
Anwendungsnutzen, Gebrauchsnutzen
für ein Produkt genau zu definieren und einer technischen Lösung zuzuführen, ergibt
ein Design, das der Haltung von ERCO sehr
entspricht.
Wie schon gesagt, wir legen Wert auf
eine Ästhetik des technisch Richtigen, aber
nicht auf eine Ästhetik, die beflissen dem
Zeitgeist zu entsprechen sucht.
Diese Haltung prägt seit vielen Jahren
unsere Produkte, und auch Neuentwicklungen werden von dieser Einstellung
geprägt.
Prägt das technisch Richtige unser
Design, dann ist das technisch Notwendige
die Richtschnur für unsere Produktentwicklungsstrategie.
So hat sich als notwendig erwiesen, in
Zusammenarbeit mit Architekten, immer
wieder Lösungen zu entwickeln, mit denen
Stromschienen weit gespannt werden können. Sei es, daß Glasdächer frei unterspannt
werden sollten, sei es, daß nur weit auseinanderliegende Aufhängepunkte zur Verfügung standen, oder daß raum-bildende
Strukturen für eine optimale Raumnutzung
gewünscht wurden.
Diese Aufgabenstellungen einer optimalen, technisch richtigen Lösung zuzuführen, war der Auftrag, den wir dem britischen
Architekten Roy Fleetwood stellten. Dabei
entstanden zwei Produktprogramme, die
unter dem Namen Gantry und Axis in diesem Heft vorgestellt werden.
Bei Gantry wird die Stromschiene zum
Gitterträger, der über 9,50 m frei gespannt
werden kann. Aus diesem Trägersystem lassen sich Strukturen an der Decke bilden,
Portalkonstruktionen bauen, oder es kann
zwischen Wände eingespannt werden. Die
Statik wurde von Ove Arup gerechnet und
die Einzelteile noch einmal im Materialprüfungsamt überprüft.
Auch für das System Axis wurde die
Statik von Ove Arup gerechnet, das als
raumbildendes System mit großer Spannweite (max. 12 Meter) genutzt wird. Beide
Systeme wurden nach den eingangs beschriebenen Designkriterien entwickelt. Ihre
Ästhetik ist die Ästhetik des technisch Richtigen. Formale Effekthaschereien ver-
boten sich von selbst durch die Komplexität
der gestellten Aufgabe.
Wir sind überzeugt, daß wir mit der
Umsetzung von Gestaltungsprinzipien, die in
der Architektur entwickelt wurden, auf das
Produktdesign einen Weg beschreiten, der
die Produktentwicklung der Zukunft weiterhin stark prägen wird.
Die Richtigkeit dieser Behauptung und
ihre Umsetzung in Produktwirklichkeit gilt es
in der Zukunft zu beweisen.
Bis zum nächsten Heft.
Klaus J. Maack
1
IMA
Institut du Monde
Arabe, Paris
Architekt: Jean Nouvel,
Partner: Lezenes, Soria u.
Architecture Studio
Lichtplanung: Lichtdesign,
Köln
H. v. Malotki, Dr. H. Kramer,
L. Bernard
Bücherturm bei Nacht - die
Zikkurat aus Beton wird durch
1000 W-Halogen-Uplights
angestrahlt.
Beleuchtung der Bücherrampen
durch der Kontur folgende Niedervolt-Richtstrahler
20 W/12 V
Zeichnung IMA:
Grundriß 4. OG
1 - Museum
2 - Galerie
3 - Bibliothek-Luftraum
4 - Bücherturm
5 - Aufzugshalle/ Treppenhaus
6 - Patio
2
Am 30. November 1987 wurde
das Gebäude des Instituts du
Monde Arabe (IMA) durch den
Präsidenten der Französischen
Republik, Francois Mitterrand,
seiner Bestimmung übergeben.
Es soll nach dem Willen der von
20 arabischen Staaten und der
französischen Republik gegründeten Stiftung die Kenntnis und
das Verständnis der arabischen
Welt vertiefen, eine tiefgreifende Forschung der Sprache,
ihrer kulturellen und geistigen
Werte anregen und den Austausch und die Zusammenarbeit
auf dem Gebiet der Wissenschaft und Technik zwischen
Frankreich und der arabischen
Welt unterstützen - und gleichzeitig die Entwicklung der Beziehungen zwischen den arabischen Staaten und Europa
fördern.
Das neu entstandene Hauptquartier des IMA umfaßt ein
5000 m² großes Museum, eine
Mediothek, ein Auditorium, Empfangsbereiche, eine Bibliothek
für 100 000 Bände, Konfe renzräume, eine Cafeteria und
Büros für die Stiftung.
Das Projekt wurde vom
französischen Staat im Rahmen
eines groß angelegten, über
Jahrzehnte gehenden Kulturprogramms in einem Wettbewerb
ausgeschrieben, den die Architekten - Jean Nouvel, Gilbert
Lezenes, Pierre Soria und Architecture Studio - 1981 gewonnen
haben. Das Programm war relativ einfach, die städtebauliche
Situation komplex.
Gegenüber der Ile Saint
Louis, am Ende des Boulevards
St. Germain liegend, ist das IMA
der Versuch, eine Reihe von
Gegensätzen aufzuheben, eine
Verbindung zwischen dem alten
und neuen Paris zu suchen, der
arabischen und westlichen
Kultur, dem Universitäts- und
Stadtleben.
Die Architekten haben mit
diesem Dualismus gearbeitet,
ihn aufgedeckt und dann in ihrem Entwurf gelöst, die politi-
sche Signifikanz des IMA durch
seine physische Präsenz ausgedrückt.
Die Transparenz des Gebäudes unterstreicht die Absicht
des Architekten, das Gebäude
als Schaufenster einer fremden
Kultur zu sehen - ein Gebäude,
das sich nach außen öffnet.
Jean Nouvel versteht seinen Bau
als Referenz an die Modernität
— unter Verwendung von Zeichen - unter Wahrung einer
gewissen Distanz -als Widmung
an die arabische Kultur.
Das Gebäude verfolgt im
Norden in einer Kurve die Linie
der Seine, im Westen verläuft es
parallel zu den Gebäuden der
Universität. Der sich zwischen
beiden Gebäuden bildende Spalt
liegt in gerader Linie zu den Türmen von Notre-Dame und endet
in einem Innenhof aus transluzentem Marmor.
Die Beziehung von Innenhof
und Kathedrale, Osten und
Westen, ist die zentrale Metapher vom IMA.
Auch andere Bauelemente
zitieren als Zeichen arabische
Stilelemente wie die Geschlossenheit des Patio oder die graphischen Elemente der Alhambra, Polygone, Sterne und Kreise
in einem Quadrat als quasi
Grundgeometrie des Gebäudes.
Der Bücherturm aus Beton,
umgeben von Glas und Aluminium, an der Westspitze des
Gebäudes, ist ein Zitat der Zikkurat. Die spiralenförmige Rampe
erschließt in den unteren Bereichen den Blick auf die Seine,
und weiter nach oben gehend
wird der Blick frei auf die Dächer
von Paris.
Die Säulenhalle im Basement ist ein illusionistischer
Raum, gebildet aus verkleideten
vertikalen Klimaschächten und
realen Stützen - eine Reminiszenz an das Hypostyl eines Tempels.
Der technische und metaphorische Ausdruck des Gebäudes wird jedoch ganz we-
3
bindung wird artikuliert. Das
erfordert akribische Detailgenauigkeit, die an die Grenzen
der technischen Möglichkeiten
der französischen Bauindustrie
ging.
Kein Gebäude in Paris hat
soviel Diskussionen und Erwartungen erzeugt wie das Institut
du Monde Arabe, als das physische Symbol der manchmal fragilen Freundschaft zwischen
Frankreich und der arabischen
Welt. Mit ihm bieten die Architekten nach dem Centre Pompidou eine alternative Vorstellung einer High-Tech-Modernität,
die auf realer technischer Erfindung basiert und nicht auf die
abgedroschene Dekoration zur
Schau gestellter Klimakanäle
abhebt.
Durch die kühne Verwendung von Glas und Aluminium
haben sie eine elegante Glasbox
geschaffen, die die Stadt reflektiert - ihr wie ein Spiegel vorgehalten wird.
Lichtdesign wurde zu einem
relativ späten Zeitpunkt für
bestimmte Bereiche, insbesondere die Museumsbereiche
des Projektes, hinzugezogen. Es
galt, die sich aus der Fassadenkonstruktion ergebenden Tages-
lichtquotienten zu ermitteln
und, unter Berücksichtigung
konservatorischer Aspekte,
Lichtdämpfungsmaßnahmen vorzuschlagen, die in ihrer Ausbildung mit der architektonischen Absicht zusammengehen.
Das geschieht mit beweglichen, textilen Geweben in
mehreren Schichten, die sich
zu einem Moiré überlagern.
Durch die gewählte metallischgraue Farbe entsteht ein harmonischer Zusammenhang zu den
verwendeten Materialien, wie
Aluminium und Glas, auch zum
gesamttechnischen Ausdruck
des Gebäudes. Der Tageslicht quotient, der im Bereich der
Nordfassade bei 11 % liegt und
sich in Raumtiefe auf 1,5 %
abbaut, ist durch diese Maßnahme in Stufen auf 1/3 dieser
Werte zu reduzieren.
Hinter der Südfassade, die
bei direkter Sonneneinstrahlung
aufgrund der Diaphragmen jene
Muster projiziert, die der Architekt sich vorgestellt hat, wurde
ein textiler, transluzenter, beweglicher, weißer Vorhang vorgesehen, der diffundiert und die
Projektion der Pattern auf Gegenständen, dort wo es nicht
tung wurden Downlights mit
horizontal angeordneten 18 W
bzw. 26 W-Kompaktleuchtstofflampen mit warmer Lichtfarbe
und einem Cut- off von 40° in
Längs- und Querrichtung entwickelt.
Über Gruppentransformatoren gespeiste Stromschienen
und Strahlerleuchten von 15100W sind oberhalb der Streckmetalldecke angeordnet.
Die Beleuchtungsatmosphäre ist je nach Tageslichtzustand variierbar. Entweder als
flächige, das Tageslicht unterstützende Allgemeinbeleuchtung
oder als dramatische Akzentbeleuchtung.
Die Allgemeinbeleuchtung
ist für ein Niveau von Em= 200
lx ausgelegt. Mit NiedervoltStrahlern lassen sich Beleuchtungsstärken von 50-1000 lx, je
nach Empfindlichkeit des Ausstellungsobjektes, einrichten.
Die Museographie ist nicht
unproblematisch, weil der im
Einklang mit der Gesamtinnenraumgestaltung gewählte, dunkle, metallische Untergrund für
die Ausstellungsobjekte und für
viele horizontale Glasflächen
Reflexe nicht immer ausschließen kann.
Architekturornament
Darstellung der Kaaba, Mekka,
17 Jh., Türkei, Keramik.
sentlich durch den außergewöhnlichen Sonnenschutz der
Südfassade bestimmt. Die
30 x 80 m große Fassade wirkt
durch ihre 27 000 Diaphragmen, die in 113 Paneelen zusammengefaßt sind, wie eine gigantische Moscherabia. Das wirkt
zunächst als Dekor, aber erklärt
sich als wirksame Lichtfunktion.
Die Diaphragmen arbeiten,
durch Fotozellen elektropneumatisch gesteuert, wie eine
Kamerablende, die einen Tages lichteinfall von 10-30 % gestattet. Die polygonalen Blendenöffnungen reflektieren arabische Geometrie. „Der Besucher
des Gebäudes soll wissen, daß
dies ein arabisches Gebäude
ist“, sagt Jean Nouvel.
Er und seine Partner haben
auf die unterlegte Verwandtschaft zwischen moderner und
arabischer Architektur gesetzt,
die Verbindungen zwischen beiden auf dem abstrakten Niveau
von Raum und Geometrie
geformt und mit dem Ausdruck
einer modernen Technologie eine
faszinierende, subtile Interpretation der arabischen Welt
gefunden.
Jedes Konstruktionselement
ist gezeigt, und jede Ver-
4
Epitaph, Elegie an Oulai
Geliebte von Khalaf,
Ägypten 877, Marmor
Salle du Haut Conseil.
Projektion der Blendendöffnungen der Südfassade.
Ausstellung „Der Islam und
seine historische Entwicklung“
im 6. OG. Akzentuierung der
Objekte durch Niedervolt-Strahler aus der transparenten Decke.
gewünscht wird, vermeidet.
Es war der Wunsch des Architekten, das zur Beleuchtung
und Akzentuierung der einzelnen
Objekte notwendige Equipment,
wie Niedervolt-Strahlerleuchten
unterschiedlicher Lichtverteilung, Leistung und Form sowie
Downlights für die Allgemeinbeleuchtung am Tage, durch eine
gewölbt - konvex -ausgebildete,
aluminiumfarbene Streckmetalldecke zu kaschieren, sie praktisch durch einen Schleier zu
verdecken und in der Nacht
auf der Decke, ähnlich wie
bei der Südfassade, Lichtpattern
zu erzeugen.
Die Decke ist in Segmenten
abklappbar ausgebildet, um die
Wartung der Strahler zu ermöglichen.
Für die Allgemeinbeleuch-
Trotz aller Zurückhaltung in der
Vielfalt von Leuchtentypen und
Beleuchtungstechniken entsteht
innerhalb des Gebäudes ein
abwechslungsreiches, funktionsbezogenes Lichtklima, das
keine Langeweile aufkommen
läßt und den Besucher auf dem
Höhepunkt seines Interesses
hält.
Hans T. von Malotki
5
Zeppelin oder Porsche?
Den ästhetischen Eindruck eines Produktes
bezeichnet man gemeinhin als Design. Dieser Eindruck ist entweder das Ergebnis
einer ästhetischen Anstrengung und damit
ein Effekt, oder er resultiert aus einer konstruktiven Möglichkeit, ein technisches Problem zu lösen.
Das Resultat einer ästhetischen Anstrengung sollte man besser Mode nennen.
Erst die Gestaltung einer konstruktiven
Möglichkeit, ein technisches Problem zu
lösen, kann Design ergeben. So entsteht
neues Design eigentlich immer erst dann,
wenn es auf einer Innovation beruht, also
aus einer neuen Lösung einer Aufgabenstellung.
Designlösungen, die innerhalb einer
speziellen Industriebranche entwickelt
wurden, ergeben eine Formensprache, die
- weil angemessen - in gewissen Industriezweigen besonders häufig anzufinden
ist, z. B. in der Unterhaltungselektronik
oder in der Haushaltsgeräteindustrie.
Solche Formensprachen werden in anderen Industrien möglicherweise überhaupt
nicht benutzt, da dort anders gedacht wird.
Design wäre somit das Resultat einer
Denkhaltung. Wenn die Denkhaltung sau-
Die zur Eröffnung des IMA gereichten arabischen Süßigkeiten gab es während des
Bauens nicht. Die Durchsetzung der Idee
im Rahmen eines engen Budgets und einer
technisch hochgradig geforderten Bauindustrie war für den Architekten Jean
Nouvel und seine Kollegen eine Tour de
Force, die sich am Ende durch zahlreiche
Ehrungen wie den Grand Prix de l‘ Architecture und das Silberne Dreieck von
Moniteur ausgezahlt hat.
Die Eröffnung mit Reden, Glückwünschen, Interviews und Händeschütteln hochrangiger Persönlichkeiten aus Regierung,
Diplomatie und Kultur, Presse und Fernsehen, sah einen glücklichen Architekten, dem
die zusammenfassenden Bemerkungen seines Präsidenten offensichtlich gefallen
haben. „Glückwünsche zunächst an Jean
Nouvel und Architecture Studio. Indem sie
die drei außergewöhnlichen Materialien Glas, Metall und Licht -gestaltet haben, bieten sie uns eine moderne Struktur, die den
Ort erhebt, sich harmonisch in das Stadtbild
einfügt, eine Fülle von Anspielungen an die
arabische Architektur enthält und dabei
glücklicherweise jedes Klischee vermeidet.“
Im Salle du Haut Conseil, am höchsten
Punkt des Bücherturms, mit Blick auf
Notre-Dame, gibt der französische Staatspräsident Francois Mitterrand ein Interview
vor Presse, Funk und Fernsehen.
Gantry
Design: Roy Fleetwood
Statik: Ove Arup
„Auf jeden Fall wird sie viel komplexer sein,
als Sie denken“, antwortete Richard Rogers
auf die Frage, wie die Architektur des nächsten Jahrhunderts aussehen wird. Heute
werden Gebäude zunehmend mit einer Haltung wie bei der Herstellung von Großraumflugzeugen entworfen. Sie sind damit vielfach eher ein Ingenieursprodukt denn ein
Produkt der Architekten. Die Hongkong and
Shanghai Bank von Norman Foster oder das
Centre Pompidou von Rogers und Piano
sind nur zwei Beispiele für eine neue Art
von Architektur, welche Funktion und konstruktive Merkmale nicht versteckt, sondern
bewußt herausstellt.
Für ERCO ist diese Entwicklung von
besonderem Interesse. Mit unseren Leuchten verfügt der Architekt schon seit Jahren
über Lichtinstrumente, die sich in jede Art
von Architektur einfügen. Die Entwicklung
von Gantry, dem neuen StromschienenGitterträger, ist die folgerichtige und logische Fortschreibung dieses Innovations-
Nach dem Rundgang mit Präsident
Mitterrand, Premierminister Chirac und
Paul Carton, Präsident des IMA, wurden
arabische Köstlichkeiten gereicht.
ber ausformuliert ist, müßte ein Design des
technisch Notwendigen und eine Ästhetik
des technisch Richtigen entstehen.
Beispiel: Die Stahlindustrie des
19. Jahrhunderts ermöglichte es Ingenieuren und Architekten, ein Material einzusetzen, das in den Jahrhunderten davor in
der Form nicht zur Verfügung stand. Das
Ergebnis war eine neue Architektur, wie
sie sich im Kristallpalast in England oder
im Eiffelturm zeigte.
Um die Jahrhundertwende zeichnete
sich dann ab, daß der Traum vom Fliegen
machbar wurde, da ein völlig neues Material
zur Verfügung stand, mit dem Leichtbaukonstruktionen möglich wurden, und
das Festigkeiten aufwies, die für die Entwicklung der neuen Flugapparate notwendig
waren. Graf Zeppelin entwickelte leichte
Trägerkonstruktionen, über die er die Hülle
seines Luftschiffes spannte. In Friedrichshafen sind diese Trägerkonstruktionen
heute noch zu besichtigen. Sie bestätigen
eindrucksvoll die Qualität des ingenieurmäßigen Denkens, die der Entwicklung
dieser Luftschiffe zugrunde lag.
Die Sehnsucht nach höheren Geschwindigkeiten machte stromlinienförmige Konstruktionen notwendig.
Die Entwicklung windschlüpfriger Konstruk-
tionen prägte die Automobil- und die Flugzeugindustrie. Design für den schnellen
Transport.
Doch nun zu ERCO: Die Abteilung Sonderkonstruktion in unserem Hause wurde
immer wieder vor das Problem gestellt,
Stromschienen so zu gestalten, daß größere
Spannweiten erreicht werden können. Wir
wollten deshalb die Aufgabe professionell
lösen und weitgespannte Lichtstrukturen
entwickeln. Zwei Systeme sind entstanden.
Das eine, Gantry genannt, ist eine Gitterträgerstruktur, das andere, Axis genannt, ist
ein raumbildendes Modulsystem.
Die Ästhetik beider Systeme entwickelt
sich aus dem technisch Notwendigen und
Richtigen. Die Vorbilder waren Konstrukteure wie Graf Zeppelin oder die Gebrüder
Wright. Statik und Konstruktion sind ablesbar und nicht durch eine windschnittige Verpackung kaschiert. So gesehen war Graf
Zeppelin für uns der wichtigere Anreger zur
Lösung der Aufgabenstellung als sein späterer Kollege, der Ingenieur Porsche.
Klaus J. Maack
prozesses. Der Designer von Gantry, Roy
Fleetwood, war über ein Jahrzehnt bei
Foster Associates tätig und bauführender
Architekt der Hongkong and Shanghai
Bank, bevor er sein Designbüro eröffnete.
Für die statische Sicherheit dieses
neuen Systems bürgt das Ingenieurbüro
Ove Arup, das alle Berechnungen dafür
durchgeführt hat. Ove Arup zählt zu den
besten Statikbüros der Welt und führte die
Berechnungen für viele statisch anspruchs-
Erst die Gestaltung einer konstruktiven
Möglichkeit, ein technisches Problem zu
lösen, kann Design ergeben.
Roy Fleetwood, Jahrgang 1946, studierte Architektur in Liverpool und Rom.
Nach Mitarbeit bei ABK Architects,
London, 1973-1986 Mitarbeit bei Foster
Associates, London, zuletzt als bauführender Architekt bei der Errichtung der
Hongkong and Shanghai Bank in Hongkong. 1986 Gründung eines eigenen
Büros in Cambridge, das seit 1988 unter
dem Namen „Office for Design Strategy“
arbeitet. 1986-1988 Entwicklung der
weitgespannten Lichtstrukturen Axis
und Gantry.
Ein nachdenklicher Jean Nouvel.
Nach mehr als drei Jahren Bauzeit verschlang das IMA einschließlich Einrichtung 341 Millionen FF.
6
7
volle Gebäude durch, wie z. B. das Sydney
Opera House, das Centre Pompidou, das
Renault Ersatzteillager in Swindon und die
Hongkong and Shanghai Bank.
Im Unterschied zu den bereits bestehenden Tragsystemen handelt es sich bei
Gantry um eine Substruktur mit integrierter
Energieversorgung. Grundlage der Überlegungen war die Suche nach einer intelligenten Möglichkeit, eine Stromschiene sehr
weit zu spannen und dabei die Durch -biegung unter Last möglichst gering zu
halten.
Kernstück des Systems ist der Gitterträger, eine Sonderform des Fachwerk trägers, der sich durch hohe Tragkraft bei
geringem Eigengewicht und Materialverbrauch auszeichnet. Er arbeitet mit einem
Obergurt, einem Untergurt und Kreuzstreben zur Aussteifung. Die Profile bestehen
aus stranggepreßtem Aluminium, die
Kreuzstreben und Abschlußstücke aus
Aluminiumdruckguß, die mechanischen
Verbindungselemente aus Stahlfeinguß
bzw. Aluminium-Kokillenguß. Um weitgespannte komplexe Strukturen zu bilden,
muß je nach Aufgabenstellung mit unterschiedlichen Trägerversionen gearbeitet
werden: Die Hauptträger werden durch
28,6 cm hohe Kreuzstreben ausgesteift.
Eine Modullänge entspricht dabei 50 cm.
Die Kreuzstreben der Nebenträger haben
eine Höhe von 21,2 cm bei gleicher Modul länge, so daß die Nebenträger insgesamt
niedriger sind als die Hauptträger und
diese durchdringen können. Wichtig ist,
daß Hauptträger in Abständen von max.
2,50 m und Nebenträger max. alle 2 m
seitlich ausgesteift werden müssen, um
ein Ausknicken der Träger zu verhindern.
Das statische Problem bei Strukturen dieser
Art liegt viel weniger in der Durchbiegung
unter Last als in dem seitlichen Ausweichen der Träger. Eine Möglichkeit der Aussteifung ist die Verbindung von Haupt- und
Nebenträgern zu einem Rechteckraster.
Es ergibt sich hierbei also ein Rastermaß
von max. 2,50 x 2 m. Ein weiteres Mittel,
um die Aussteifung zu erzielen, ist die Bildung eines Kastenträgers. Dazu werden
zwei nebeneinander angeordnete Hauptträger miteinander verbunden. Dies geschieht durch Kreuzstreben der Nebenträger, die in horizontaler Anordnung mit
den Kreuzen der Hauptträger verschraubt
werden.
Mit Gantry können Lichtstrukturen
gebildet werden, welche Distanzen bis zu
9,50 m frei überspannen. Die Tragfähigkeit
reicht von mindestens 18 kg/m bei größter
Spannweite bis weit über 100 kg pro laufendem Meter je nach Länge bzw. System aufbau. Die Montage erfolgt entweder an
Stahlseilen abgehängt oder von Wand zu
Wand. Darüber hinaus arbeitet die Standversion nur mit Trägern (sowohl in vertikaler
als auch in horizontaler Anordnung) und verzichtet auf jegliche Wand- oder Deckenanschlüsse. Das ganze System ist
Von der Decke abgehängt, kann Gantry überall dort eingesetzt werden, wo große
Spannweiten erforderlich sind oder wo
innerhalb einer bestehenden Architektur
eine Substruktur gebildet werden soll.
Das Gantry Standsystem ermöglicht die
Abgrenzung von Räumen, z. B. in Museen,
Ausstellungsbereichen oder auf Messen.
Gleichzeitig bietet Gantry durch die integrierte Stromschiene große Flexibilität bei
der Beleuchtung.
8
9
Axis
Design:Roy Fleetwood
Statik: Ove Arup
so angelegt, daß an Hand von vorgefertigten Einzelteilen voll elektrifizierte Einzelträger und Rastersysteme gebildet werden
können. Die maximale Fertigungslänge
bei Hauptträgern beträgt 4 m, bei Nebenträgern 2 m. Trägerlängen von mehr als
4 m müssen zusammengesetzt werden.
An den Stoßstellen der Trägerelemente
nehmen Verbindungsteile die auftretenden Kräfte auf, ohne dort abgehängt oder
abgestützt werden zu müssen.
Gantry ist weit mehr als eine licht-technische Lösung, sie reflektiert in gewisser
Weise eine neue Designauffassung. Gantry
muß in Anbindung an die Architekturmoderne gesehen werden. Eine Moderne, deren
Zukunft Norman Foster mit seiner Hongkong and Shanghai Bank deutlich gemacht
hat und die das gesamte Gebäude sowohl
im Innen- als auch im Außenbereich durchdringt, die nach funktionalen Kriterien arbeitet und die Menschen in ihre Architektur
einbindet. Als Architektur in der Architektur
kann Gantry überall dort eingesetzt werden,
wo die räumlichen Gegebenheiten weitgespannte Lichtstrukturen erfordern, sei es in
Einkaufszentren oder Hotelhallen, Firmengebäuden oder Flughäfen, öffentlichen Gebäuden oder Museen, in Messehallen und auf
Messeständen.
Bei allen Montagearten beträgt die maximale Spannweite der Gantry Gitterträger
9,50m.
Die Aussteifung wird sowohl in der Horizontalen als auch in der Vertikalen durch
Drahtseilverspannungen erreicht.
Die Axis Lichtstruktur besteht aus ausgesteiften Modulen, die zu einem Rastersystem zusammengesetzt werden. Vorteile
sind die große Spannweite und die volle
Elektrifizierbarkeit.
Zur Queraussteifung der Hauptträger werden Nebenträger eingesetzt. Der maximale Abstand dieser Nebenträger beträgt
2,50m.
10
Als deckenbildendes Element stehen Baldachine aus durchscheinendem Stoff zur Verfügung.
Entwicklungen in der Architektur sind abhängig von den Materialien und Methoden,
die den Architekten für ihre Bauwerke zur
jeweiligen Zeit zur Verfügung stehen. Fortschritte in der Materialtechnologie und optimierte, computerunterstützte Verfahren,
selbst komplexe Strukturen in ihrem statischen Verhalten vorauszuberechnen, sind
zwei Gründe dafür, daß in der heutigen
Architektur vermehrt große, frei überspannte Räume gebildet werden. Das bringt zum
einen die Notwendigkeit mit sich, diese
Räume durch Einbringen einer Untergliederung überschaubar zu machen, zum anderen
ist es unter Umständen erforderlich, spezifischen Bereichen des Raumes Energie zuzuführen, sei es für Beleuchtung, sei es für
andere Dinge, die in diesen Bereichen
genutzt werden sollen.
Die erste dieser beiden Problemstellungen wurde bereits von mehreren Herstellern erkannt und in Systeme zur Bildung
variabler Strukturen umgesetzt. Dabei handelt es sich bis jetzt ausschließlich um statische Systeme, die die Notwendigkeit der
integrierten Energieversorgung nicht lösen.
Eine formal ansprechende Lösung der zweiten Aufgabe - nämlich eine Struktur mit integrierter Stromversorgung -wurde bisher
noch in keinem Fall geboten.
Überlegungen zur Lösung dieser Aufgaben führten bei ERCO zur Entwicklung
von Axis. Axis ist ein Tragsystem, das es
erlaubt, unter Verwendung einer geringen
Zahl verschiedener Einzelteile, Strukturen zu
bilden. Dabei sind die Beleuchtung wie auch
die elektrische Versorgung voll integriert.
Mit der Entwicklung von Axis wurde der
englische Architekt Roy Fleetwood beauftragt, der vor der Gründung eines eigenen
Designbüros zuletzt als leitender Architekt
der Hongkong-Niederlassung von Foster
Associates arbeitete. Die statischen Berechnungen führte das Büro von Ove Arup
durch. Axis besteht aus ausgesteiften
Modulen, die jeweils einen
quadratischen Grundriß mit einem Achsmaß
von 2,40 m haben und beliebig zu größeren
Rasteranordnungen addiert werden können.
Ein Modul wird definiert durch 4 Druckelemente in Form von 60-mm-Rohren, die die
Seiten eines Quadrates bilden und dessen
Ecken durch Knoten miteinander verbunden
sind. Dieses Quadrat wird ausgesteift durch
diagonale Zug -stäbe, welche die Knoten mit
dem oberen und unteren Ende einer vertikalen Luft -stütze verbinden, die im Zentrum
des Quadrates schwebt. Bei der Bildung
von Rastern benötigt nur jedes zweite
Modul eine solche Aussteifung, die dann
schachbrettartig angeordnet sein muß.
Benachbarte Aussteifungen werden durch
Zugstangen verbunden, die an den Enden
der Luftstützen verschraubt sind und so
einen Horizontalverbund bilden.
Das System kann auf Stützen gestellt
oder auch von der Decke abgehängt werden. Die größtmögliche stützenfreie Spann-
Ein System aus leichten Stellwänden dient
zur Abtrennung kleinerer Räume oder als
Träger für Displays, Ausstellungsmaterial
und Fotos.
11
weite ergibt sich bei einem Raster aus
5x 5 Modulen, gleich 12 x 12 Meter. Hierbei
werden nur die Außenkanten unterstützt.
Eine zusätzliche Auskragung von einem
Modul um das gesamte Raster ist möglich. Die 60-mm-Rohre können sowohl mit
Leuchtstoffleuchten als auch mit Stromschienen oder mit dekorativen Lichteinsätzen versehen werden. Die Tragfähigkeit
beträgt bis zu 30 kg pro laufendem Meter
Rohr. Als Zubehör werden Segeltuchbespannungen als deckenbildendes Element
sowie leichte Trennwände angeboten.
Mögliche Einsatzgebiete von Axis sind
Kongreßcenter, Verkaufsräume, Flughäfen,
Ladenstraßen, Mehrzwecksäle, Präsentationsräume, Diskotheken, Museen, Messen, Shoppingcenter, Aktionsflächen und
Lobbies.
Technische Daten
Knoten: Aluminium-Druckguß mit 4 Anschlüssen für abgehende Rohrprofile sowie
8 Gewindeeinsätzen für Spannstangen.
Luftstütze: 27 mm Aluminiumstange mit
Druckgußknotenelementen zum Anschluß
von Spannstangen.
Druckelemente: Extrudiertes Aluminiumprofil mit 60 mm Durchmesser als geschlossenes Leerrohr oder als C-Profil zum
Einsetzen von Stromschienen, LL- Armaturen mit Acryl- oder Rasterabdeckungen,
Kleinlampen- oder E 14-Einsätzen.
12
Diagonalverspannung: 12 mm Edelstahl stange mit Spannvorrichtung in den Anschlüssen an Knoten bzw. Luftstützenkopf.
Horizontalverspannung: 16 mm Edelstahlstange bzw. 27 mm Aluminiumstange für
Raster 5 x 5.
Stütze: Extrudiertes Aluminiumprofil mit
60 mm Durchmesser mit Anschluß an
bei einem Raster 9 x 9 im Zentrum eine
Fläche von 3 x 3 Modulen ausgespart bleiben muß. Sollte dies unerwünscht sein, stehen für die Zusammenfügung von mehreren
kleineren Systemen Verbindungsprofile zur
Verfügung, die die auftretenden Spannungen ausgleichen.
Axis in Stichworten
Rastermaß 2,40 m x 2,40 m
Maximale Last 30 kg pro Meter Rohr
Spannweite maximal 12 m x 12 m
Auskragung ein Modul= 2,40 m
Stützenhöhe 2,85 m
Textile Deckensegel
Trennwände
Energiezufuhr durch Stützen oder von
der Decke
Verdrahtung beliebig in den Knotenpunkten
Leuchtstoffleuchten, dekorative Lichteinsätze oder Stromschienen in den Rohren
einsetzbar
Knoten und Stützenfuß aus AluminiumKokillenguß.
Vertikalverspannung: 3 mm Edelstahlseil
mit Gabelterminals und Spannschloß.
Durch die gleichzeitige Verwendung von
Stahl und Aluminium werden bei Rastern ab
einer gewissen Größe die Spannungen
durch thermische Längenänderung zu groß.
Das hat zur Folge, daß zum Beispiel
13
Die ursprünglichen Fensteranlagen in der
rückwärtigen Fassade wurden ganz und gar
geschlossen, um mit Hilfe einer architekturbezogenen Beleuchtung den Innenraum zu
dramatisieren. Die darin präsentierten Produkte werden mit einer entsprechenden
Akzentuierung in Szene gesetzt. Die einzige
Verbindung zum Außenraum stellen die neu
gestalteten Fensteranlagen in der historischen Fassade dar. Unter Berücksichtigung
eines jeden Details wurde nicht die Architektur des Objektes beleuchtet, sondern die
Architektur übernimmt die Aufgabe, sich
lichttechnisch selbst zu inszenieren. Angefangen mit dem in der Terrazzoschale integrierten Uplighting, über in Deckenrücksprünge integriertes Wallwashing als
weichzeichnender Hintergrund der DisplayElemente bis hin zur dramatischen Beto nung der architektonischen Stilmittel.
Soweit es irgendwie möglich war, wurde
jede Art von Beleuchtung mit der Architektur zu einem Element verquickt. Nur im
zentralen Bereich werden selbständige, rein
funktionelle Elemente eingesetzt. Beleuchtungstürme mit integrierten Strom schienen, von allem unabhängig, wie ein
Möbel losgelöst. Die einzelnen lichttechnischen Funktionsgruppen, wie Projektoreinheiten für Highlights auf den Produkten
oder die unterstützenden Downlights für
den zweigeschossigen Bereich, sind zu Bändern bzw. Quadraten zusammengefaßt und
in der gestuckten Decke soweit zu-
Berlin mit Esprit
Architekten: Ettore Sottsass
& Associati, Mailand
Lichtplanung: Lichtdesign, Köln
Ihre Mode ist jung und farbenfroh, verkörpert einen eigenen Lebensstil. Sie hat
„Esprit“. Wie kann sie besser präsentiert
werden als im Vergleich mit dem Gegensätzlichen. Oder einfacher: Man setzt die
klassizistische Überheblichkeit dem alles
verbindenden Geist von heute aus. Für
diese Demonstration gibt es wohl keine
bessere Stadt, keine geeignetere Straße,
keinen günstigeren Anlaß als 750 Jahre
Berlin, Berlin Kurfürstendamm. Das Objekt: Café Wien. Damit verbindet der Berliner ein mit vielen Erinnerungen verbundenes Gebäude hinter einer klassizistisch
angehauchten Fassade im großen Stil,
zwischen Kranzler und Kempi(nski). Einst
Tanzpalast, Tempel der Förmlichkeit,
heute Umschlagplatz für neueste Trends
in Sachen Mode.
Durch geschicktes Umsetzen eines
bereits mehrfach in verschiedenen Pilotprojekten von Lugano bis Kopenhagen verwirklichten Architekturkonzeptes erreichte
Mit „ Esprit“ ist auch die Beleuchtungsaufgabe gelöst worden: Frech wie die Mode
sind die Beleuchtungstürme, bestückt mit
ERCO TM -Strahlern und integrierter Stromschiene, die, locker im Verkaufsraum verteilt, wie Teile der Einrichtung wirken.
das Mailänder Designer-Team um Ettore
Sottsass die Beseitigung der durch Mißrenovation und Schankanbau bedrückenden,
nach dem Empfinden von heute einschränkenden Atmosphäre.
Der Innenraum stellt sich als Terrazzobecken mit darüber gestülpter weißer
Schale dar.
Auf der einen Seite will sie den Raum
nach oben hin klar definieren, aber andererseits das Gesamtvolumen uneingeschränkt
bezüglich seiner enormen Dimension unterstreichen. Seine Ebenen teilen den Raum in
verschiedene Zonen: Der Eingangsbereich
mit schräg nach hinten abfallender Decke
läßt die Zweigeschossigkeit des darauf
folgenden zentralen Verkaufsbereiches
noch beeindruckender wirken, dahinter
angeordnet ein Podium, durch großzügige
Treppen mit dem Hauptraum verbunden.
Weiter in der Raumfolge erreicht man
durch tunnelförmig umschlossene Treppen
die eingestellten Galeriebereiche mit einer
sie verbindenden Brücke.
Bestückt mit den unterschiedlichsten
Leuchtmitteln, ist das TM -Strahler-System
von ERCO in der Lage, selbst komplizierte Beleuchtungsaufgaben zu lösen.
Angereichert ist das Programm mit einem
vielfältig-variablen Zubehör, das vom Skulpturenvorsatz über Kreuzraster, Blendschutzklappen und Wandfluter bis hin zu Filterhaltern, Floodlinsen und Farbrädern
reicht.
14
rückgesetzt, daß der typische Charakter
einer abgehängten Decke mit darin eingeschnittenen bzw. darunter gehängten Elementen vermieden wird. Trotz der großen
Flexibilität der einzelnen Systeme unterliegt auch die zufälligste Bestückung der
Stromschienen mit Niedervolt-Halogenstrahlern dem vorgegebenen und gewollten
Ordnungsprinzip, welches sich bis hin zu
den nach Farben sortierten und kombinierten Produkten fortsetzt und somit zum
Erfolg des Gesamtprojektes Esprit beiträgt.
Alles in allem ein durch die Nachfrage honoriertes Marketing-Konzept. Es basiert auf
der uneingeschränkten Harmonie von Produkt und dessen Präsentation und steht in
unmittelbarer Wechselbeziehung zu der
Identifikation des Verbrauchers.
Siegfried Kolbe
Warenpräsentation bei Esprit: keine
Massendarbietung mit endlosen Ständerreihen und Regalen, sondern eher ein dramatischer Aufbau, eine Mischung aus
Dekoration und Präsentation - durch das
Licht wirkungsvoll unterstrichen.
Jedes Geschäft spiegelt durch seine
Außen- und Innenarchitektur, durch seine
Produkte und die dazugehörige Präsentation eine Form von Alltagskultur wider
Persönliches Flair ist dabei wichtiger als
Anonymität. Entsprechende Warenpräsentation - Übersichtlich, originell, anregend erleichtert die Kommunikation mit dem
Kunden.
15
Chemisse, Barcelona
Architekt: P. Casas, Barcelona
Beleuchtungsplanung: ERCO Spanien
Die Gestaltung von Verkaufsräumen und
Schaufenstern ist für Innenarchitekten
und Lichtplaner nichts Ungewöhnliches.
Sofern es sich nicht um eine Musikbar
handelt, die in ein elegantes Geschäft für
Konfektionskleidung umgewandelt werden
soll. Von ihrer früheren Existenz als Bar
ist der Boutique Chemisse in Barcelona
nichts mehr anzusehen, vielmehr stellt sie
ein vorzeigbares Beispiel gelungener
Innenraumgestaltung dar.
Wie der Name schon verrät, verfügt Chemisse neben Prêt-à-porter für Damen und
Herren über ein gut sortiertes Angebot an
Herrenhemden. Das Konfektionsgeschäft
liegt in der geschäftigen Rambla de Catalunya und sticht durch seine hohen Glasvitrinen, die vom Boden bis zur Decke reichen
und dem Innenraum Transparenz verleihen,
sofort ins Auge. Die Schaufenster sind
unmittelbar in die Verkaufsräume einbezogen. Verkaufspsychologisch ist
Raum- und Architekturformen wie Treppenlandschaften, Einbeziehung der Schaufenster in den Verkaufsraum und geschickte
Plazierung von Freiräumen zum Verweilen
verleihen der Boutique Individualität. Hiermit
verbunden ist eine entsprechende Warenpräsentation.
16
dies von großer Bedeutung, da Schwellen ängste abgebaut werden und der Kunde
aufgefordert wird, das Geschäft zu betreten. Die Einbindung von Schaufenstern in
Verkaufsräume wird auch durch die richtige lichttechnische Verbindung zum Ausdruck gebracht. Das Licht weckt Interesse
und leitet den Betrachter förmlich ins
Ladeninnere. Es unterstreicht den eigenständigen Charakter des Schaufensters
und stellt dennoch die Verbindung zum
Innenraum her.
Berücksichtigt wurde dabei die Überlegung, daß die Gestaltung von Verkaufs räumen und Schaufenstern, die Art der Präsentation der Waren, neben dem Warenangebot selbst das wichtigste Mittel ist,
ein Geschäft aus der Anonymität der Konkurrenz hervorzuheben. Prägt doch die individuelle Gestaltung eines Verkaufs -raumes
nachhaltig das Image des jeweiligen Unternehmens. Dem Licht kommt in diesem Fall
eine besondere Bedeutung zu, denn es
unterstreicht wesentlich die Ausstrahlung
und damit den Erinnerungs- und Erlebniswert eines Geschäftes. In der Boutique Chemisse sind es ERCO Optec Wandfluter,
Druckgußstrahler und Downlights, die eine
solch abwechslungsreiche, je nach Bedarf
dezente, gleichmäßige oder akzentuierte
Lichtatmosphäre schaffen.
Daneben trägt die Beleuchtung dazu
bei, die Verkaufsfläche der Boutique im
Innern klar zu gliedern. Im Parterre wird ausschließlich Herrenkleidung angeboten,
während die erste Etage den Damen vorbehalten ist. Die Konzeption sieht eine klare
Trennung der einzelnen Verkaufs -bereiche
vor, die insgesamt jedoch eine Einheit darstellen. Das gesamte Erscheinungsbild ist
auf den Stil der Boutique abgestimmt: zeitlos modern, elegant, komfortabel und wirtschaftlich, ein harmonisches Zusammenspiel von Architektur, Mobiliar, Ware und
Beleuchtung.
Ein wichtiger Gesichtspunkt bei der
Beleuchtung von Textilgeschäften ist, daß
der Kunde sein Kleidungsstück unter der
Beleuchtung auswählen kann, bei der er sie
am meisten trägt: Kleidung für zu Hause, z.
B. bei warm-weißem Leuchtstoff- oder
Glühlampenlicht, festliche Abendkleidung
bei Glühlampenlicht.
17
unter der Leitung des Mudejar-Meisters
Faraig de Gali umbauen. Gleichzeitig wählen
die Monarchen das Jahr 1492 als symbolisches Datum für die Errichtung ihrer
Residenz, in deren Nebengebäuden schon 6
Jahre früher das Inquisitionstribunal eingerichtet wurde.
Spaniens Aufstieg zur Weltmacht und
der Niedergang im 17./18. Jahrhundert lassen den christlichen Palast in Zaragoza nicht
unberührt. Während des Erbfolge-
Cortes de Aragón,
Zaragoza
Architekten: Luis Franco Lahoz/Mariano
Pemán Gavin, Zaragoza
Beleuchtungsplanung: ERCO Spanien
Die neue Heimat des autonomen Parlaments von Aragonien (Cortes de Aragón),
die Aljaferia in Zaragoza, wurde mit großer
Sorgfalt ausgewählt. Galt es doch, in der
Hauptstadt der spanischen Region Aragonien ein würdiges Szenarium für die Arbeit
dieser Institution zu schaffen, auf die Spanien zu Recht stolz sein kann.
Gewaltenteilung, allgemeines Wahlrecht, Rede- und Versammlungsfreiheit
sowie eine Presse frei von Zensur sind in
vielen westlichen Demokratien selbstverständlich. Nicht so in Spanien, wo bis 1975
das Franco-Regime waltete und mit Hilfe
der Polizei jeglichen Widerstand unterdrückte. Erst nach dem Tode Francos
konnte sich der spanische Staat mit dem
Gesetz über die politische Reform vom 4.
Januar 1977 zu den Grundsätzen der Volkssouveränität, des Rechtstaates, der Menschenrechte und der konstitutionellen Monarchie wieder voll bekennen. In die-
sem Zusammenhang sind die Cortes als
Landesparlamente zu verstehen, ähnlich
den Landesregierungen in der Bundesrepublik Deutschland. 17 sind es an der
Zahl, die Gesetze für die jeweilige Region
erarbeiten und beschließen können.
Entstanden sind die Cortes bereits
im 12. und 13. Jahrhundert als wichtiges
Organ der Volksvertretung - eine für die
damalige Zeit überraschend fortschrittliche und demokratische Institution. Noch
älter ist der neue Sitz der Cortes von Aragonien. Die Ursprünge der Aljaferia in Zaragoza gehen zurück bis ins 9. Jahrhundert,
als der maurische König Aben-Alfage ein
Lustschloß erbaut, das später als Aljaferia in
die spanische Geschichte eingeht.
Lust und Leid gehen oft einher, so entsteht im 9./10. Jahrhundert ein denkwürdiger kubischer Festungsturm: „Dort ist
der Turm; dort ist er, und verflucht ist sein
Geschick, mit Trauer erwartet er seinen Tod,
der vielleicht nicht mehr fern ist.
Diese düsteren Mauern; diese Gatter und
diese Tore; sie öffnen sich nur zum Sarg
und sehen Deine letzten Tage !“ Don Manrique de Lara, Geliebter von Dona Leonor
de Sesé, bekannt durch die Tragödie „El
trovador“, berühmt durch Verdis „Troubadour“, sollte im historischen „Turm des
Troubadour“ in der Aljaferia auf seine letzten Tage warten. In einem klassischen
Werk der Weltliteratur, Don Quijote de la
Mancha, beschreibt Miguel de Cervantes
Saavedra einen Turm der Aljaferia, auf
dessen Balkon die maurisch gekleidete
Melisendra erscheint; den Blick nach
Frankreich gerichtet und in Gedanken bei
ihrem Ehegatten in Paris.
Ihre größte Erweiterung zum islamischen Palast erfährt die Aljaferia unter dem
Taifa König Abu Djafar al Muqtadir (10691081), der, wie es heißt, viel Wein trinkt und
viele Köpfe abgeschlagen hat. Die kleine
Moschee, die in dieser Zeit erbaut wird, hat
Vielpaßbögen und übertrifft an phantasievollem Stuckornament selbst die Maksura in
Córdoba.
Der Streifzug durch die spanische
Vergangenheit führt weiter in das Jahr
1492. Ein bedeutsames Jahr für die Geschichtsschreiber. Mit der Eroberung des
letzten maurischen Königreiches Granada
durch Isabel I. von Kastilien und Fernando II.
von Aragonien gilt die Reconquista als beendet, und Spanien ist fest in katholischer
Hand. Ein ereignisreiches Jahr auch für die
Aljaferia, denn Fernando läßt den Palast
18
kriegs bestimmt Felipe V. die Aljaferia zur
Truppenunterkunft, was mit umfassenden
Arbeiten am Gebäude verbunden ist. Im darauffolgenden Unabhängigkeitskrieg entstehen zahlreiche Schäden, so daß 1848 angesichts des ruinösen Zustands der Aljaferia
erstmals ein Gremium zur Instandhaltung
ins Leben gerufen wird.
Als der Palast aus dem königlichen
Besitztum in die Hände des Kriegsministeriums übergeht, wird ein Plan zur endgültigen Umgestaltung der Aljaferia in ein Militärquartier ausgearbeitet. Dank der neugegründeten Kommission zur Erhaltung der
Bauwerke in Zaragoza werden aber zahlreiche kostbare Kunststücke - hauptsächlich
aus der Hudi-Periode- gerettet und im Provinzmuseum von Zaragoza sowie im Archäologischen Nationalmuseum von Madrid
untergebracht.
Die weitere Entwicklung der Aljaferia
wird vor allem durch den Architekten Francisco Iniguez Almech geprägt. Nachdem das
Gebäude 1931 unter Denkmalschutz gestellt
wurde, widmet er 25 Jahre seines Lebens
dem historisch und künstlerisch wertvollen
Gebäude. Nach seinem Tod im Jahre 1982
setzt Angel Peropadre Muniesa die Renovierungsarbeiten fort. Bis seine Königliche
Hoheit, Felipe de Borbón y Grecia, Fürst
von Asturien, den Grundstein für den
neuen Sitz des autonomen Parlaments
von Aragonien legt, vergehen weitere 4
Jahre in denen Verhandlungen über den
Sitz der Cortes geführt, archäolo-
19
gische Gutachten erstellt und mehrere
Pläne zur Einrichtung der Cortes in der Aljaferia ausgearbeitet werden.
Zur Zeit gehören der „Palast der vielen
Gesichter“ und die angrenzenden Ländereien mit einer Gesamtausdehnung von
56 151 m² der Stadtverwaltung von Zaragoza. Sie hatte den Komplex 1980 im Rahmen der im spanischen Volksmund bekannten „Operation Quartiere“ für 24 Mio.
Peseten erworben, ehe sie im November
1985 endgültig die Abtretung des Südflügels und dessen Verlängerung im West hof zur Nutzung durch die Cortes für einen
Zeitraum von 99 Jahren beschloß. Der
erste Plan zur Umgestaltung der Aljaferia
griff einschneidend in die historische Bausubstanz ein und wurde, unterstützt durch
die Medien, blockiert.
Die Architekten Luis Franco Lahoz
und Mariano Pemán Gavin erarbeiteten
ein zweites Konzept, das den historischen
Palast der Aljaferia im wesentlichen unbe-
rührt läßt: Laut ihrem Bauvorhaben soll zwar
die zeitgenössische Architektur Einzug halten, aber dennoch respektvoll mit der alten
Bausubstanz verfahren werden. Dies hat zur
Folge, daß man auf zusätzliche Wehrtürme
verzichtet. Auch die architektonischen Überreste vergangener Zeiten an der Südfront
des Palastes bleiben erhalten und sind in die
Konzeption einbezogen. Innerhalb der
Festungsmauern wird eine Einheit von alter
und neuer Architektur angestrebt. Zum
einen nutzt man bestehende Gebäudetrakte,
um spezielle Bereiche der Cortes unterzubringen, wie z. B. die den Cortes eigene
Bibliothek in der Kapelle von San Martin.
Zum anderen erhalten Plenarsaal und einige
Arbeitsräume ein neues Domizil, das bewußt auf geschichtliche Zitate verzichtet.
Die historische und kulturelle Bedeutung der Aljaferia, eingebunden in die aragonisch-spanische Geschichte, ist offensichtlich. Es ist daher nicht verwunderlich, daß
man sie als geeigneten und verdienstvollen
Platz erdachte, um das autonome Parlament
von Aragonien unterzubringen. Schon im
Mittelalter wurde der Palast gelegentlich zur
Abhaltung der Cortes ausgewählt. Durch
ihre neue Bestimmung trägt die Aljaferia als
fundamentaler Inbegriff des geschichtlichen
und architektonischen Erbgutes von Aragonien dazu bei, die Geschichte wieder aufleben zu lassen und ihr eine neue Präsenz zu
verleihen.
Im Plenarsaal der Aljaferia, in dem bewußt
auf geschichtliche Zitate verzichtet wurde,
schaffen Downlights von ERCO eine dezente, unaufdringliche Raumatmosphäre.
20
21
Kann man Mondlicht
sehen?
Kann man denn überhaupt Licht sehen?
Natürlich braucht man Licht, um zu sehen,
aber sehen wir das Licht? Licht in der Natur
ist Sonnenlicht (einzige Ausnahme:
das Licht des Blitzes, aber darüber vielleicht
ein andermal).
Das Licht läßt uns erst sein, es zeichnet uns die Welt, es schmeichelt uns, es ist
hart zu uns, es beeinflußt unsere Stimmung.
Bei Sonnenschein haben wir eher gute
Laune; trübes Wetter= trübes Licht läßt uns
trübe fühlen.
Wenn es dunkel wird, wenn die Sonne
untergeht, lassen wir uns die Stimmung
nicht vermiesen. Wir schalten unser Licht
ein. Millionenfach drehen und drücken wir
die Lichtschalter, um besser, um „richtig“
sehen zu können. In manchen Nächten verpassen wir dadurch allerdings einiges.
Früher war das anders, es waren magische Zeiten, da der Mond noch Macht über
die Menschen hatte. Der Mond bestimmte
wohl mehr als die Sonne die Laune, ist sie
doch sprachgeschichtlich vom lateinischen
luna abzuleiten.
Ich wollte mal sehen, wie das ist bei
Vollmond, möglichst abseits aller störenden
Kunstlichter, und an einem Ort, der durch
seine Ausstrahlung die magischen Zeiten
ahnen läßt.
Carnac in der Bretagne ist so ein Ort.
Hier lebte etwa 3000 Jahre vor Christus ein
Volk, das zwar nicht schreiben und lesen
konnte, aber wahre Wunderwerke aus und
mit großen Steinen schuf. Die Menschen
von Carnac schleppten die sogenannten
Menhire, manche bis zu 8 Metern hoch, fast
20 Kilometer weit (etwa 1 200 davon stehen
in Steinalleen bei Carnac). Sie schütteten
Grabhügel (Tumuli) von 15 Metern Höhe auf
und gestalteten diese innenarchitektonisch.
Sie bauten Kultstätten wie die zahlreichen
Dolmen und Cromlechs in der Umgebung,
und das alles etwa 1 000 Jahre, bevor die
Ägypter mit dem Bau ihrer Pyramiden
begannen. Asterix und Obelix sind hier zu
Hause, Miraculix, ihr Druide, könnte uns die
immer noch unbekannte Bedeutung der
Steinalleen wohl erklären.
Wenn die letzten Touristen die Menhire
im Sonnenuntergang fotografiert haben,
kommt die blaue Stunde und mit ihr die Einsamkeit. Die blaue Stunde könnte auch rotblau-schwarze Stunde heißen, denn so läuft
sie bei schönem Wetter etwa ab (siehe
auch Lichtbericht Nr. 26, Seite 16 bis 19).
Um Sie auf das Mondlicht einzustimmen, möchte ich mit einer eher emotionalen
Beschreibung dieser Stunde, der Dämmerung, beginnen. Etwa 1/4 Stunde nach
Sonnenuntergang beginnt eine rote Phase.
Sie dauert ebenso rund 15 Minuten. Der
Himmel wird im Westen knallrot. Besser
gesagt, es ist ein Übergang von Rot über
Gelb-grün zu Blau, aber gegenüber dem reinen Tageslicht dominiert nach dem gelben
Sonnenuntergang nun das rote Licht.
Danach beginnt die blaue Phase, die nach
weiteren etwa 20 Minuten langsam ins
22
scheinbare Schwarz der Nacht verschwindet. Heute ist der Mond voll. Kurz vor Sonnenuntergang im Westen ist er im Osten
aufgegangen, kaum zu sehen im Dunst des
Horizonts. Während der Dämmerung wird er
immer leuchtender. Jetzt, während der blauen 20 Minuten, kann man hervorragend sein
„Gesicht“ studieren. Später fängt er richtig
an zu leuchten. Die ersten langgezogenen
Schlagschatten tauchen auf. Die Steine
bekommen eine herrliche Zeichnung, das
Mondlicht streichelt förmlich seine Objekte.
Probieren Sie es selbst mal aus. Sobald Sie
sich während der langen Stunde der Dämmerung an die Dunkelheit gewöhnt haben,
reichen die maximal 0,5 Lux des Mondlichtes durchaus, um sehen zu können. Meine
starke Taschenlampe bleibt im Auto. Mühelos kann ich meine Kameras aufbauen, nur
für die Feineinstellung der Technik brauche
ich eine kleine Lampe. Der Belichtungsmesser zeigt kein Licht mehr an, die
Belichtungszeit muß ich erraten, beziehungsweise durch viele unterschiedliche
Belichtungen herausfinden. Während der
längeren dieser Zeiten habe ich Muße, die
Stimmung aufzunehmen.
Das Mondlicht erscheint überraschend
gelblich. Im Gegenlicht, also mit dem Mond
im Blickfeld, wirkt es eher kalt, und da man
meistens den Mond ansieht und nicht sein
Licht, redet man wohl vom „kalten Mondlicht“. Aber ich drehe ihm schnöde den
Rücken zu und erfahre sein Licht. Ich bin
nicht mondsüchtig, aber in einer solchen
Nacht werde ich mondlicht -süchtig.
„Punkt, Punkt, Komma, Strich - fertig ist das
Mondgesicht.“ Luna hat viele Gesichter; sie
scheint wegen ihrer ständig wechselnden
Gestalt zu leben und steht mit verschiedenen Lebensrhythmen auf der Erde in
offensichtlicher Verbindung.
Thomas Mayer
23
Rund 1,2 Sekunden ist das Licht vom Mond
zur Erde unterwegs und hat dabei eine
Strecke von etwa 380 000 Kilometer zurückgelegt. Als am 21. Juli 1969 die ersten
Menschen den Mond betraten, hatten sie
eine viertägige Reise hinter sich und eine
wunderbare Erfahrung vor sich.
3476 Kilometer beträgt der Durchmesser
des Mondes, seine Masse 1/81 der Erdmasse. Die Mondoberfläche umfaßt 38 Millionen Quadratkilometer oder etwa ¼ der
Erdoberfläche. Auf dem Mond gibt es keine
Meere, im Gegenteil zur Erde, die zu einem
großen Teil mit Wassermassen bedeckt ist.
24
Der Mond spielt im magischen und bildhaftreligiösen Symboldenken der meisten Völker
eine bedeutende Rolle. In der Astrologie
und Tiefenpsychologie wird der Mond als
Symbol für das Unterbewußte, die fruchtbare Passivität und die Empfänglichkeit verstanden.
25
Yves Saint Laurent,
Mailand
Beleuchtungsplanung: Lucedesign,
Mailand
Yves Saint Laurent begleitet uns auch in
diesem Lichtbericht. Ging es in Nr. 28 um
die reine Haute Couture, die aber nicht für
jedermann erschwinglich ist, so soll es
jetzt lebensnaher zugehen. Seit September
1987 werden im neuen Showroom La
Voile edle Klamotten von der Stange vorgeführt und verkauft: Yves Samt Laurent
(YSL) Variation (Prêt-à-porter) - die zweitwichtigste Produktskala nach YSL Rive
Gauche -‚ YSL Pelze, Schmuck und Leder-
Von Laurent entworfene „erschwingliche“
Konfektionskleidung für jedermann - ein
Angebot. von dem Frauen bei Saint Laurent
Rive Gauche profitieren können.
scheinwerfern ideal angestrahlt, was eine
Beleuchtungsstärke von 10 000 Lux bedeutet, während die Gäste bei einer Beleuchtungsstärke von 100 Lux dem Geschehen zusehen. Das fokale Interesse ist
ganz auf die Ware gerichtet, und die Beleuchtung folgt einem Prinzip, welches bereits aus der Theaterbeleuchtung bekannt
ist.
Der Kunde erkennt sehr schnell, welches Kleidungsstück seinem Geschmack
Die Beleuchtungskörper sollten daher in der
Lage sein, differenzierte Beleuchtungsprobleme optimal zu lösen und in ihrem
Design den speziellen ästhetischen Anforderungen genügen, zu der die vom Kunden
erwarteten Atmosphäre beiträgt. Ähnliches,
nur mit umgekehrten Vorzeichen, gilt
für Sonder- oder Billigangebote.
Ein wichtiger Aspekt ist darüber hinaus,
das Geschäft dem raschen Wechsel des
Warenangebots schnellstmöglich anzupassen. Das Licht wird hier zum wichtigsten Gestaltungselement. Durch die Wahl
flexibler Beleuchtungssysteme ist eine evtl.
notwendige Umorientierung des Ladens
relativ problemlos. Denn gerichtetes Licht
produziert jede gewünschte Atmosphäre;
Licht gibt die Chance, Verkaufsräume nachhaltig lebendig zu halten.
Die Gestaltung von Verkaufsräumen
und Schaufenstern, die Art der Präsentation
der Waren, sind neben dem Warenangebot
selbst die einzigen Mittel, ein Ge-
schäft aus der Anonymität oder gegenüber
der Konkurrenz hervorzuheben. Und ein
großer Name sollte auch dazugehören, sei
es Cartier, Chanel und natürlich Yves Saint
Laurent.
waren gehören zum Angebot von La Voile.
Die wichtigsten Defilees finden Anfang
März für die Herbst- und Winterkollektion
und Anfang Oktober für die Frühjahrs- und
Sommerkollektion statt.
Während La Voile in der Via Marco de
Marchi nur an Boutiquen und Großhändler
liefert, können Frauen von der Straße bei
Samt Laurent Rive Gauche den verschiedensten Gelüsten fröhnen. Und mehr oder
weniger Geld für die von Laurent entworfene Konfektionskleidung ausgeben (oft ist
dabei weniger sogar mehr...). Allerdings
kommt der Durchschnittskunde bei Rive
Gauche nicht in den Genuß, die Kreationen
live am Mannequin zu erleben. Im Showroom La Voile dagegen führen Models die
Mode vor den Händlern vor, die nach der
Show auf Bestellblöcken ihre Orderwünsche notieren.
Trion Deckenfluter beleuchten den Showroom indirekt. Die Mannequins selbst werden von vier Eclipse Linsen-
Modedefilees, Stoffmusterproben, Händler,
die ihre Orderwünsche notieren, gehören
zum Alltag im Showroom La Voile von Yves
Saint Laurent, Mailand.
26
entspricht; daß aber das Licht zu einem
wesentlichen Teil seine Kaufentscheidung
beeinflußt hat, kann er nicht unbedingt wissen. Dabei genügt es nicht mehr allein,
Waren richtig auszuleuchten und herauszustellen.
In einer Zeit des allumfassenden
Warenangebots ist es notwendig, eine Stimmung zu vermitteln, die eine Identifizierung
mit den Waren ermöglicht. Bei der Projektierung von Verkaufsräumen sind sich Marketingfachleute, Innenarchitekten und Lichtplaner darüber im klaren, daß erst akzentuierende Lichtlandschaften jene Atmosphäre
erzeugen, die dem Kunden die Auseinandersetzung mit den Produkten erleichtert und
ihn in Kaufstimmung versetzt. Der äußere
Repräsentationscharakter eines Verkaufsraumes muß dabei der Attraktivität des Angebots entsprechen.
Exklusive Produkte lassen sich nur in
einer exklusiven Atmosphäre verkaufen.
27
Lichtplaner vorgestellt:
Hans T. von Malotki
Lichtdesign, Köln
Licht ist ein Zauberer seit alters her. Es verdrängt drohende dunkle Schatten und das
undurchdringliche Dunkel der Nacht. Licht
steht für die wiedererwachte Natur im Frühling, für Sonne und Sommer, für Leben
schlechthin, für Klarheit und Wahrheit. Licht
ist Hoffnung. Licht ist aber auch das Gegenteil: gleißende und schmerzende Fülle,
schonungslose Weiße, sengendes und verbrennendes Feuer. Wer mit Licht arbeitet,
der spielt mit den faszinierenden Schattierungen des Extremen. Gutes Licht ist eine
Gratwanderung zwischen zu greller Ausleuchtung und matter Gräue.
Jeder Lichtdesigner kennt die Tücken
und die verführerischen Eigenschaften des
Lichtes. Doch der wirklich virtuose Umgang
mit dem zwiespältigen Erbe des Prometheus ist nur wenigen gegeben. Hans T. von
Malotki und sein Lichtdesign-Büro in Köln
gehören zweifellos dazu.
Kaum eine Bauaufgabe weltweit, die
das 15 Mitarbeiter - Ingenieure, Architekten
Bei vielen Gebäuden wird anhand von
Modellen die Wirkung von Kunst- und
Tageslicht simuliert.
suchte und fand eine Licht-Antwort für die
jeweilige Architektur, entsprechend der
nach-vollzogenen Erkenntnis eines
amerikanischen Lichtplaners, daß „die
Kunst der Beleuchtung eine Wissenschaft
und die Wissenschaft der Beleuchtung eine
Kunst“ sei.
An die feinabgestimmte Beleuchtung
kleiner Bauaufgaben wie bei Thomas van
den Valentyn‘ s Bonner Hotel Domicil oder
bei den von Ettore Sottsass gestalteten
Esprit-Showrooms und Design-Centers geht
das Büro mit derselben Sorgfalt und Begeisterung heran wie an die vorsichtige Illumination von Plätzen und Monumenten. Der
Luxor-Tempel in Ägypten erstrahlt ebenso
nach ihren lichtoptischen Vorstellungen wie
die Aula Palatina im Rahmen der von 0. M.
Ungers entworfenen Platzgestaltung in Trier.
Herausragende und vielgestaltige Aufgaben hat das Büro mit der Lichtplanung für
Bauvorhaben des Bundes überund Designer-umfassende Büro nicht bewältigt hätte. Kaum ein renommierter Architekt,
mit dem von Malotki nicht zusammengearbeitet oder sich zusammengerauft hätte. Für die Nationalgalerie Berlin
hat er Mies van der Rohe in seinen letzten
Lebensjahren im engen Kontakt bei der
Beleuchtungslösung beraten dürfen. Für
Hardt-Walther Hämer hat er eine ingeniöse
Lösung der Beleuchtungsprobleme für das
Theater in Ingolstadt gefunden. Mit Scharoun suchte er nach Lichterkenntnissen für die
Preußische Staatsbibliothek. Mit Paul Baumgarten beleuchtete er den wiederaufgebauten Reichstag in Berlin und das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, für Bernhard
Pfau das Schauspielhaus in Düsseldorf. Ob
es um die Lichtlösung für den Flughafen
Basrah/lrak (STRABAG-Bau) ging, um die der
Oper in Caracas (Kunkel und Lugo) oder um
die Beleuchtung von Ungers Galleria in
Frankfurt - das Kölner Lichtdesign-Büro
28
Projektstudie zum großen elliptischen Atrium des Einkaufszentrums Olivandenhof in
Köln.
nommen: wie für das Plenarsaalgebäude
von Behnisch und Partner - die Erweiterungsgebäude des Deutschen Bundestages von Schürmann - die Bundeskunsthalle von Gustav Peichl und das Gästehaus auf dem Petersberg von Linde und
Kramer.
Der große Publikumserfolg und die Faszination der Ausstellungen „Tutanchamun“
(von Lom) und „West-Kunst“ (Ungers) in
Köln, „Türken vor Wien“ und „Traum und
Wirklichkeit - Wien 1870 -1930“ in Wien
(Hans Hollein) geht nicht zuletzt zurück auf
die spektakulären Licht -ideen innerhalb der
Ausstellungskonzepte.
Hans Hollein ist für von Malotki einer
der herausfordernsten Architekten. Mit ihm
hat er das Museum Abteiberg in Mönchengladbach und das Museum für Glas
und Keramik in Teheran lichttechnisch
geplant - beides Aufgaben, die ihn, nach
eigenen Worten, geprägt und weitergebracht haben; wie er überhaupt immer
wieder zurückkommt auf die Geben- undNehmen- Situation zwischen Architekt
und Lichtplaner.
Licht, dieses Medium zwischen Idee
und Materie, ist ein verführerischer Werkstoff. Bauen mit Licht hat Architekten schon
immer fasziniert, auch wenn sie in den letzten Jahren die Möglichkeiten, die in der
gestalterischen Kraft des Lichtes
auch des Kunstlichtes - liegen, nicht voll
ausgeschöpft haben und sich manchmal zu
sehr in eine ausschließlich zweckrationalistische Vorgehensweise abdrängen
ließen. Lichtdesign ist eine gestalterische
Aufgabe, die nicht nur die Befriedigung
des Bedürfnisses nach genug und richtigem Licht zum Sehen im Auge haben
darf, sondern die Interaktion von Mensch
- Raum - Licht - Stimmung berücksichtigen muß.
Es gibt keine „Kochrezepte“ für optimales
Licht; die Kunst der Beleuchtung entsteht
aus der interdisziplinären Zusammenarbeit
zwischen Architekt und Licht-
planer und den anderen an der Konditionierung eines Gebäudes beteiligten Ingenieuren.
Einfühlungsvermögen in die architektonische Absicht, Folgen der Phantasie des
Architekten, seiner Raum- und Material -vorstellungen und deren kongeniale Umsetzung
in Lichtideen - Lichtarchitektur ist die Aufgabe des Lichtdesigners.
J. Teichmüller hat diese schrittweise
Annäherung zwischen dem Standort des
Architekten und dem völlig anders gearteten
des Lichttechnikers schon 1927 so vorzüglich erklärt, daß es vermessen wäre, hier
eine bessere Formulierung zu suchen.
„Für den Lichtingenieur ist das einzig
Reale zunächst nur das durch Licht entstandene Bild auf der Netzhaut, und vorsichtig schließt er von diesem auf eine tatsächliche Umwelt. Für den Architekten ist
das primär Vorhandene das Bauwerk, und
das Licht erklärt die Architektur des Bauwerks. Das gibt noch keine Lichtarchitek-
tur. Man könnte sagen: Wir haben es mit
Architektur-Licht zu tun. Aber dieses Architektur-Licht kann zur Lichtarchitektur führen,
wenn mit ihm, und nur mit ihm, besondere
architektonische Wirkungen hervorgerufen
werden, die gleichzeitig mit dem Licht entstehen und verschwinden.“
Trotz des Herantastens von Architekt
und Lichtdesigner an das gemeinsame
Lichtkonzept eines Baues, bleibt dieses bis
zu seiner endgültigen Fertigstellung immer
nur eine Annäherung an die Wirklichkeit.
Keine Zeichnung, keine Simulation können
die physische und psychische Dimension
einer Lichtidee unverfälscht darstellen. Sie
bleibt bis zur endgültigen Materialisation die sich in vielschichtiger, akribischer
Detailarbeit unter Zuhilfenahme aller verfügbarer „visueller Krücken“ vollzieht zu nächst nur Imagination des Architekten
und Lichtplaners.
Von Malotki — ein großer, grauhaariger
Mann, auf der Basis seiner Erfahrung und
29
Eingangshalle Verwaltungsgebäude TUI, Touristik Union
International, Hannover
Architekten: Bahlo, Köhnke und
Stoßberg, Hamburg.
Erfolge selbstbewußt und sicher
wirkend, lebhaft in Gestik und
Mimik, trotz seiner vielfältigen
Aufgaben aber nicht nervös oder
hektisch, will bei jeder neuen
Aufgabe neu herausgefordert
werden. Banale Wiederholungen
oder unsensible Lichtlösungen
sind ihm ein Greuel und eine
vertane Chance. „Einheitslicht
ist ebenso tödlich, wie dekorative Lichtkonstruktionen billig
sind.“
Häufig genug muß er,
gerade in größeren Entscheidungsgremien, für seine Licht vorstellungen kämpfen, ganz
besonders für die dafür zur Verfügung stehenden Budgets. Er
muß Mehrheiten für die richtige Gewichtung des Themas
Licht gewinnen, sich und seine
Idee „verkaufen“. „Ich liebe
das“, gibt von Malotki sein Vergnügen an seiner gelungenen
Präsentation offen zu.
Das Eingehen auf die
Selbstdarstellungsabsichten der
unterschiedlichen Bauherren,
das Herausarbeiten eines Lichtkonzeptes als Ausdruck einer
Geisteshaltung, die die Architektur und mit ihr das Licht vermitteln soll, ist sein Anliegen. Lichtlösungen mit
Oben links: Reichstag Berlin,
Wiederaufbau.
Architekt: Prof. Paul Baumgarten, Berlin.
Oben rechts: Plenarsaal
Reichstag.
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Mitte links: Verwaltungsgebäude Transglobe GmbH,
Hamburg.
Architekt: Walter von Lom, Köln.
Mitte rechts: Museum Abteiberg, Mönchengladbach.
Architekt: Hans Hollein, Wien/
Düsseldorf
Unten links: Umbau der historischen Kassenhalle der Dresdner
Bank, Hamburg, Jungfernsteg.
Architekten: Dietrich und
Hermann, Köln.
raumbestimmender Wertigkeit
liegen ihm mehr als modulare
Langweiligkeit und Anpassung.
Das deckt sich in letzter Zeit
immer häufiger mit den Absichten moderner Manager in Wirtschaft und Verwaltung, die das
Licht auch im Rahmen ihrer
„Corporate Identity“ als Ausdrucksmittel erkennen und stolz
- wie früher Ratsherren einer
Stadt auf ihr Ratssilber - auf
gelungene künstlerische Manifestationen des Lichtes in ihrem
Bau hinweisen.
In Deutschland und sicherlich auch in anderen Ländern mit Ausnahme Amerikas herrscht ein krasser Mangel an
Lichtdesignern, für deren Profession es keinen geschlossenen Ausbildungsgang gibt.
Entweder sie sind Elektroinge-
nieure, die im Rahmen ihres Studiums nichts über Gestaltung
und Architektur gehört haben,
oder sie sind Architekten, in
deren Studienplänen das Thema
Licht und Technik, ganz allgemein, überhaupt nicht oder nur
streifend vorkommt.
Gesucht wird nach dem
technisch denkenden Gestalter
und nach dem gestalterisch denkenden Techniker - eine Symbiose, für die es eigentlich einen
speziellen Studiengang geben
müßte, wie er in Amerika an verschiedenen Hochschulen bereits
angeboten wird.
Von Malotki träumt von
einer umfassenden Ausbildung
in Technik, Architektur, Kunst,
Design, Wahrnehmung und Psychologie. So setzt sich sein Büro
aus Mitarbeitern unterschiedlicher Fachrichtungen
zusammen, die an die Lösung
von Aufgaben als Team herangehen - Elektroingenieure, Architekten und Designer, die zum
Teil auch aus anderen Ländern
kommen:
Ein Franzose, Designer von
der Ecole des Beaux Arts, der
neben seinen Konstruktionsaufgaben die Projekte des
Büros meisterhaft fotografiert
und durch das Auge seiner
Kamera Lichtstimmungen festhält und häufig auch seinen Kollegen kritisch, Details sezierend,
an die Wand wirft.
Eine quirlige Brasilianerin, in
Amerika studiert, durch ein international orientiertes Elternhaus
weltweit ausgerichtet, die später
einmal ein eigenes Lichtplanungsbüro in Brasilien gründen möchte.
Architekten, von den unterschiedlichsten Hochschulen
kommend (Aachen, Darmstadt,
Basel), mit Architekturerfahrung
bei renommierten Büros im Inund Ausland.
Sie alle sind bemüht, Licht lösungen zu finden, die der
Funktion dienen und architektonischen Anspruch haben, immer wieder zurückgreifend auf
die große lichttechnische Ingenieurerfahrung von Dr.-Ing. H.
Kramer, den Partner von „vM“,
wie dieser im Hause und auch in
der Branche häufig genannt
wird.
Sie arbeiten größtenteils
schon über viele Jahre zusammen, diskutieren miteinander,
kritisieren sich und kommen dabei auch zu neuen Lösungen, die
sich häufig in handfesten Produkten der Industrie wiederfinden. Die Mitarbeiter zusammenzuhalten, ist von Malotki ein
Anliegen, denn ein Lichtplaner
braucht jahrelange Erfahrung,
um über das Erlernbare hinaus
ein großes, abrufbares Reservoir
an Licht- und Raumvorstellungen
aufzubauen.
Auch die Kontinuität der
Zusammenarbeit mit den verschiedenen Architekturbüros
ist ihm wichtig, denn aus den
wiederholten und gemeinsam
gewonnenen Vorstellungen
und deren Realisation entwickelt sich erst jenes gegenseitige
Verständnis, das neue „Lichträume“ ermöglicht.
Ingeborg Flagge
Unten rechts: Spielcasino
Aachen.
Architekt: Prof. Harald Deilmann,
Münster.
Nachtansicht Transnautic
GmbH, Hamburg.
Architekt: Walter von Lom, Köln.
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„Bei Licht besehen“
Daß Glühwürmchen, ewige Lichter, Verkehrsampeln oder Kienspäne mit dem Stichwort „Licht“ auf einen Nenner gebracht
werden können, ist sofort zu erkennen. Was
jedoch die Französische Revolution mit Licht
und Leuchten zu tun hat, bedarf einer näheren Erläuterung.
Antwort auf diese und weitere Fragen
gibt die Ausstellung „Bei Licht besehen“.
Vom 6. Dezember 1987 bis zum 17. Januar
1988 war das Schloßmuseum Velbert erste
Station der bis 1989 geplanten Wanderausstellung. Helga Behn und Wolfgang Müller-Kuhlmann vom Rheinischen Museumsamt konzipierten die Dokumentation,
die zur Zeit in Krefeld zu sehen ist. Nümbrecht, Düsseldorf und weitere Städte des
Rheinlandes werden anschließend durchlaufen.
Nicht nur die rein technische Funktion,
sondern schwerpunktmäßig der geschichtliche und kulturelle Hintergrund
von Licht, Leuchte und Leuchtmittel steht
im Vordergrund. Begriffe wie Altarbeleuchtung, Lichtgöttinnen, Kronleuchter, Fackeln,
Leuchttürme oder nationalsozialistische
Lichtinszenierungen kennzeichnen die
Verschiedenheit der behandelten Themen.
Klassische und moderne Leuchten, Illustrationen sowie erklärende Texte bilden die
Grundlagen der Ausstellung.
Leuchten und Französische Revolution?
Ganz einfach: Kurz nach dem Sturm
Schlußlichter
ERCO Designausstellung in Ost-Berlin
Erstmalig in der Geschichte der DDR stellte
mit der ERCO Leuchten GmbH ein bundesdeutsches Unternehmen sich selbst, seine
Produkte und sein Design im anderen
Deutschland vor. Die Ausstellung „ERCO
Design“ fand auf Einladung des Amtes
für industrielle Formgestaltung der DDR
in Ost-Berlin statt. Eröffnet wurde sie
am 19. 1. 88 im Designzentrum an der
Clara Zetkin-Straße, ganz in der Nähe des SBahnhofs Friedrichstraße. Vorgestellt wurden die Ergebnisse der mehr als 10jährigen
Zusammenarbeit zwischen ERCO und Otl
Aicher, der auch die Ausstellung gestaltet
hat.So fand jetzt auch in der DDR das
Design einer Firma Beachtung, das alle
Bereiche des Unternehmens erfaßt und
durchdrungen hat.
Zur Eröffnung der Ausstellung die für
einen Monat der Öffentlichkeit zugänglich
war, hatte Geschäftsführer Klaus J. Maack
die Gelegenheit, in einem Vortrag zum
Thema „Design im Unternehmen“ seine
Auffassung von Design als Unternehmens strategie zu erläutern. Staatssekretär Prof.
Dr. Martin Keim, Leiter des Amtes für industrielle Formgebung, hob als Vertreter der
DDR in seinen Begrüßungsworten das
ERCO Design als beispielhaft hervor und
gab damit die Begründung für die Entscheidung, diese Ausstellung nach OstBerlin zu holen. An die Eröffnungsworte
und Vorträge schloß sich eine zweistündige
Diskussion an, in der offen über gemeinsame Probleme, aber auch über unterschiedliche Auffassungen zu Produktgestaltung und
Kommunikation gesprochen wurde.
Deutscher Architektenpreis
Kein spektakuläres Großprojekt, sondern ein
Objekt, „dessen Zweck es ist, über die
unmittelbare Zweckbestimmung hinaus als
Prototyp für hochautomatisierte mittelständische Industriebetriebe zu gelten“
(Handelsblatt), wurde in diesem Jahr mit
dem Deutschen Architektenpreis ausgezeichnet. Begründung der Jury, die den
Preis dem Neubau des Produktionstechnischen Zentrums Berlin zubilligte: „Der
Neubau ist beispielhaft in seiner Aufgabenstellung, der Entwicklung von Zukunftsmodellen der industriellen Form und in der
architektonischen Umsetzung in die gebaute
Form“. Entworfen hat das Projekt die Architektengemeinschaft Gerd Fesel (gest.),
Peter Bayerer, Hans Dieter Hecker und
Roland Ostertag.
„Entartete Musik“
Eine eher unkonventionelle Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit war vom 16. Januar bis zum 25.
Februar dieses Jahres anläßlich des 50jährigen „Jubiläums“ der Reichsmusiktage 1938
in der Tonhalle Düsseldorf zu sehen. Unter
dem Titel „Entartete Musik“ stellten Peter
Girth, Intendant der Düsseldorfer Symphoniker, sowie der Musikjournalist Albrecht
Dümmling die Auswirkungen des faschistischen Kunstverständnisses auf das damalige (und auch heutige) Musikgeschehen vor.
Liberalität, Toleranz und internationale
Offenheit der Weimarer Republik schufen die Grundlagen für eine kreative, vielseitige und avantgardistische deutsche
Kunstszene, die stark von jüdischen Künstlern mitgestaltet wurde. Zensuren fanden
nicht statt.Eine schlagartige Änderung trat
nach der Machtergreifung Hitlers im August
1934 ein. Eine freie Kunstentfaltung
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konnte nicht im Interesse einer Regierung
stehen, die vorhatte, Kunst als Propagandamedium zu mißbrauchen. Es erfolgte eine
völlig neue Definition der Musik. Melodie,
Harmonie und die Rückbesinnung auf klassische Werke sollten wieder im Mittelpunkt
musikalischen Schaffens stehen. Diese von
Propagandaminister Goebbels formulierte
Definition klammerte allerdings jede Musikform aus, die nicht diesen Grundsätzen entsprach. Die Nationalsozialisten prägten den
Begriff „Entartete Kunst“, der sich neben
Literatur, Malerei und Bildhauerei auch auf
die Musik bezog. Daraufhin wurde alles
zensiert, was ihnen entartet erschien,
hauptsächlich avantgardistische und
jüdische Werke.
Tonbeispiele, Lebensläufe namhafter
deutscher Komponisten wie z. B. Hanns
Eisler oder Paul Dessau, Illustrationen,
Auszüge aus faschistischen Texten und
Publikationen sowie die widerlegenden
Kommentare der beiden Organisatoren
verdeutlichen die Ursachen und Konsequenzen des nationalsozialistischen Kahlschlags in der Musik. Die Ausstellung verweist auf den besonderen geschichtlichen
Hintergrund und vermittelt die Wichtigkeit
der, heute selbstverständlichen, Freiheit in
der Kunst.
Eine Ausstellung mag auf den ersten
Blick als ungeeignetes Medium erscheinen,
um über Musik zu informieren. Bedenkt
man jedoch, daß jeder Konzertbesucher
durch die Dokumentation gehen mußte, um
in die Tonhalle zu gelangen, wird dies
schnell verständlich.
Die Exponate, großflächige Tafeln mit
Texten und Illustrationen, wurden mit an
Wandauslegern montierten Optec Strahlern
gleichmäßig beleuchtet. Der Kontrast zwischen den hell erleuchteten Flächen und
dem in dunklen Tönen gehaltenen Foyer
der Tonhalle lenkte die Aufmerksamkeit
auf die Ausstellungsstücke.
auf die Bastille im Juli 1789 begann die
unmutige Menge, die Anhänger der absolutistischen Regierung aufzuhängen (das
sogenannte „Laternisieren“). Dazu mußten
die Straßenlaternen, 1667 von Ludwig XIV.
eingeführt, herhalten.
„z. B. Schuhe“
Turnschuhe, Tanzschuhe, Stöckelschuhe,
Hausschuhe, Wanderschuhe... Mit Schuhen
jeder Art beschäftigte sich die Ausstellung
„z. B. Schuhe“, die vom 12. Dezember
1987 bis zum 24. Januar
1988 im Museum Bochum zu sehen war.
Ein interessantes Thema, das auf den
ersten Blick sicher recht ausgefallen erscheint. Die Ausstellung hebt die vielfältigen
Aspekte des Schuhs als Teil der Kulturgeschichte in das Bewußtsein des Betrachters. Es wird schnell offensichtlich, welche
geschichtliche, künstlerische, gesellschaftliche oder auch wirtschaftliche Bedeutung
einem alltäglichen Gebrauchsgegenstand
zukommen kann.
Namhafte Künstler von Vincent van
Gogh bis Andy Warhol ließen sich von
einem oder mehreren Schuhen inspirieren,
vielbeachtete Kunstwerke zu schaffen. Der
Satz Salvador Dalis, für den der Schuh „ein
Gegenstand, höchstbefrachtet mit realistischen Kräften“ ist, begründet, warum sich
viele Maler, Grafiker, Fotografen oder Modedesigner dem Thema „Schuh“ widmeten.
Die Schuhmode bietet jedem schuh-tragenden Menschen ein individuelles Ausdrucksmittel für seine gesellschaftliche Haltung. Der Begriff „Turnschuhgeneration“
steht für Lässigkeit, Mobilität und Sportlichkeit einer vorwiegend jugendlichen Generation. Mit Wollsocken kombiniert, tragen Sandalen eine alternativ-ökologische Gesinnung
zur Schau, während italienische Markenschuhe eine konsumgüterorientierte Einstellung verraten können.
Ebenfalls interessant ist die Rolle des
Schuhs als Zeuge der Geschichte, die neben
historischen Ereignissen auch das Alltagsleben des Durchschnittsbürgers beinhaltet. Gerade ein Alltagsobjekt wie der
Schuh kann Auskunft geben über Epoche,
Lebensgewohnheiten oder Status seines
Besitzers. Von der antiken Sandale bis zum
elektronischen Joggingschuh läuft die Entwicklung des Schuhs parallel mit der Entwicklung des Menschen. So sind neben
zahlreichen Schuhtypen, Kunstwerken, Illustrationen und Fotografien auch zeitgenössische Zeichnungen und Schuhe
unter den Exponaten zu finden, die den
Betrachter zu eigenen geschichtlichen
Interpretationen anregen.
Die Ausstellung, die vom Institut
Objekt-Kultur der Stadt Bochum konzipiert
wurde, ist aufgrund des großen An-drangs
um eine Woche verlängert worden und kann
somit auch hinsichtlich der öffentlichen
Akzeptanz als Erfolg gewertet werden. In
den Vitrinen werden ERCO NiedervoltDownlights eingesetzt, die eine brillante,
akzentuierende und wirtschaftliche Beleuchtung der Ausstellungsstücke ermöglichen.
„Staatspreis für Design und Innovation“
Als im September 1987 erstmals der
„Staatspreis für Design und Innovation“
ausgeschrieben wurde, sollten Produkte mit
zweckmäßiger, innovativer und verkaufswirksamer Formgestaltung ausgezeichnet werden. Als Voraussetzung mußten entweder Firma, Produkt oder Designer
aus Nordrhein-Westfalen stammen. Die
achtköpfige Jury hatte die schwierige Aufgabe, aus den 643 eingereichten Produkten
von 327 Unternehmen vierzig preiswürdige
Designleistungen auszuwählen. Daß letztendlich nur fünfundzwanzig Preise vergeben
wurden, lag an den hoch angesetzten
Bewertungskriterien.
ERCO gehörte mit der Produktfamilie
Eclipse zu den Staatspreisträgern.
Der Verleihung des nicht dotierten
Ehrenpreises am 18. Dezember 1987 folgte
eine Ausstellung, die bis zum 27. Februar
dieses Jahres im Haus Industrieform,
Essen, zu sehen war.
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In der Flimmerwelt der Fließbilder und Klemmleuchtkästen,
Leuchttaster und Steuerquittierschalter, Mehrfach-Leuchtmelder
und Blindschaltbildsymbole geht
es eigentlich nur noch um Ruhelicht oder Blinklicht, um
„betriebsbereit“, „in Betrieb“
oder „gestört“. Mit anderen
Worten: An den existentiellen
Schaltstellen unserer elementarsten Daseinsvorsorge-Unternehmen kommandiert heute nur
noch einer: Generalissimus
Licht.
E
ERCO Leuchten GmbH
Postfach 2460
D-5880 Lüdenscheid
Telefon 023 51/5 51-0
Telefax 02351/551300
Telex 826722-0
Teletex 235132
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