Univ.-Prof. Dr. Silvia DULLINGER
Univ.-Prof. Dr. Christian HOLZNER
Univ.-Prof. Dr. Olaf RISS
Übung Privatrecht I
SS 2015
Institut für Zivilrecht
11. Fall
Die Ehegatten Martin und Feli Veigl sind Eigentümer eines wertvollen Teppichs, den
sie von einer Tante „geerbt“ haben. Da der Teppich nicht in ihre kleine Wohnung
passt, wollen sie ihn verkaufen. Martin meint zu Feli, € 10.000,- müsse der Teppich
jedenfalls bringen. Feli solle schauen, ob sie „wen finde“. Er unterschreibt ihr
„vorsichtshalber“ schon einen von ihm aufgesetzten „Kaufvertrag“, in dem nur Preis
und Käufer noch einzusetzen sind.
Feli erzählt beim Bridge-Abend ihrer Freundin Klara von der Sache. Diese ist, da sie
den Teppich kennt, durchaus interessiert und berichtet auch ihrem Freund Klaus
Kramer darüber.
Wenige Tage später taucht Klaus in der Wohnung von Martin und Feli auf, wo er
nur Feli antrifft. Es gelingt ihm, Feli den Teppich um € 7.000,- – er wollte keinesfalls
mehr ausgeben – abzuschwatzen, indem er sie auf einige, erst bei näherem
Hinsehen feststellbare „blasse Stellen“ hinweist (die aber in Wahrheit bei einem
echten alten Teppich nicht wertmindernd sind). Da Feli – genauso wie Klaus –
meint, der Teppich sei deshalb mangelhaft, erklärt sie sich mit dem Preis von
€ 7.000,- einverstanden.
Feli und Klaus unterzeichnen das von Martin vorgefertigte Papier, das folgenden
Inhalt hat:
„Martin und Feli Veigl verkaufen hiermit an Klaus Kramer den beiden
Vertragsteilen bekannten Teppich um € 7.000,- (siebentausend Euro).
Allfällige Nebenabreden haben keine Gültigkeit.
Unterschrift:
Für die Verkäuferseite: Feli Veigl / Martin Veigl
Für die Käuferseite: Klaus Kramer“
Klaus zahlt die € 7.000,- und nimmt den Teppich gleich mit.
Als Feli dem Martin vom Teppichverkauf berichtet und ihm € 3.500,- übergibt, ist er
über den niedrigen Kaufpreis empört und will den Teppich zurück. Feli gesteht
zerknirscht, dass sie dem Klaus auch noch zugesagt habe, dass das Geschäft
keinesfalls wegen irgendwelcher Irrtümer aufgehoben oder geändert werden könne.
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