Ökologisch bauen 20

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Fachmedium für die Wohnungswirtschaft
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Holz 20
Ökologisch bauen
Fassade Algen und Pilze 4
EED-Richtlinie Mehr Transparenz 6
Herausgegeben vom
Contracting Rechtlicher Rahmen 40
Bundesministerium für Verkehr,
Bau und Stadtentwicklung
Digitalisierung Megatrend 48
WOHNUNGSBAU
Fassade
Autor: Kay Beyen,
Bad Hindelang
Das Thema „Algen und Pilze auf Fassaden“ ist und bleibt aktuell. Der Beitrag gibt einen Überblick über die
Ursachen, zeigt mögliche Lösungsansätze auf und beleuchtet die besondere Verantwortung der fachgerechten
Planung.
Strategien gegen Algen und
Pilze auf Fassaden
Algen und Pilze stellen einen natürlichen
Bestandteil unseres Lebensraumes dar und
sind nicht nur ein nützlicher, sondern auch
wichtiger Bestandteil unseres Ökosystems.
Diese besonderen Kleinstlebewesen sind sehr
genügsam (Tab. 1) und können daher auf
nahezu allen Oberflächen leben. Auf Fassaden sorgen sie meist nur für unansehnliche
Verfärbungen (Bild 1), im schlimmsten Fall
jedoch können si, z. B. durch weitreichende
Durchfeuchtungen, das Bauteil nachhaltig
schädigen. Demzufolge sind sie uns wenig
willkommen.
Auf Fassaden sorgen Algen und
Pilze meist nur für unansehnliche
Verfärbungen
Foto: Baumit
Lebensbedingungen für Algen und Pilze
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Die immer weitergehende, konsequente und
wichtige Schonung unserer Ressourcen zur
Energieversorgung hat zu hoch technisierten,
optimal gedämmten Gebäudekonstruktionen
geführt. Dies wiederum verändert die Bedingungen, die an den Bauteiloberflächen herrschen. So sind die heutigen Fassaden durch
den reduzierten Wärmefluss von innen nach
außen erheblich kühler und lassen daher einen
Tauwasserausfall an der Bauteiloberfläche zu.
Darüber hinaus tragen die reduzierten Oberflächentemperaturen dazu bei, dass der Trocknungsprozess der Bauteiloberflächen bei einer
Bewitterung langsamer vonstatten geht.
Die stetige Reduzierung von Luftschadstoffen
hat dafür gesorgt, dass sich die Luftqualität
erheblich verbessert hat. Dies verschafft nicht
nur uns, sondern allen Organismen verbesserte Lebensbedingungen.
Somit sind heute die beiden wichtigsten Voraussetzungen – Feuchtigkeit und Sporenanteil in der Umgebung – für eine Ausbreitung
auch auf Bauteiloberflächen vorhanden. Des
Weiteren lassen sich in fast allen modernen
Baustoffen die von den Mikroorganismen
benötigten Nährstoffe nachweisen, so dass in
der Regel ein weiterer wesentlicher Faktor für
einen Befall gegeben ist. Darüber hinaus sind
in unseren Breiten die Bedingungen hinsichtlich der nötigen Temperatur und Lichtversorgung ebenfalls ideal gegeben und runden die
Rahmenbedingungen für Algen und Pilze ab.
Wie kann ein Weg zu einer algen- und pilzfreien Fassade gefunden werden und worauf
ist dabei besonders zu achten? Welche der
genannten Faktoren können von uns bewusst
beeinflusst werden und welche nicht? Bild 2
gibt eine Übersicht über die Aspekte, die
dabei eine Rolle spielen.
Auf die Rahmenbedingungen durch Umwelt
und Klima haben wir keinen bzw. nur einen
geringen Einfluss. Wer möchte schon gern in
München arbeiten und in der Sahara wohnen, um sein Gebäude vor Feuchtigkeitseinwirkungen zu schützen?! Was wir jedoch
aktiv beeinflussen können, sind die bautechnischen und materialspezifischen Einflüsse.
Betrachten wir als erstes die Strategien bei
der Materialauswahl.
Hydrophobe Oberputze, welche die
Feuchtigkeit abweisen
Als Oberputze werden organisch gebundene
Produkte, wie z. B. Silikon- und Kunstharzputze, eingesetzt. Insbesondere Silikonputze
erfüllen diese Aufgabe besonders gut, da sie
zum einen bei einer äußeren Feuchtebelastung sehr wenig Feuchtigkeit aufnehmen
und zugleich eine gute Diffusion von innen
nach außen zulassen. Baumit SilikonTop beispielsweise hat bei einer Schichtdicke von 2
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Übersicht über die Einflussfaktoren
da ihr Einfluss auf die Umwelt nicht
vollständig erforscht ist. So laufen zurzeit umfangreichen Studien, welche
diesen Sachverhalt näher beleuchten und
für Aufklärung sorgen werden.
Foto: Baumit
Hydrophile Oberputze mit besonderen
Eigenschaften
Dickschichtige Putzsysteme, welche über
ein hohes Wärmespeicherungsvermögen
verfügen
In der Regel sind dies dickschichtige mineralische Endbeschichtungen, wie Edelkratzputze. Edelkratzputze, wie Baumit KratzPutz
KRP Jura, verfügen über eine hohe schützende Anfangsalkalität, welche sie im Vergleich
zu dünnschichtigen mineralischen Oberputzen erheblich länger halten können, was auf
der natürlichen Abnutzung der Oberfläche
des Edelkratzputzes beruht. Diese Abnutzung
ist sogar in Form von am Boden liegender,
abgewitterter Körnung sichtbar.
Neben dem vorstehend beschriebenen Effekt,
hat die dickere Putzlage noch einen zusätzlichen Nutzen – so wird über die Masse eine
erhöhte Wärmespeicherung erreicht und
somit die Zeit bis zum Erreichen der Taupunkttemperatur verzögert, was für einen
gleichmäßigeren Feuchtehaushalt der Putzfläche sorgt.
Kunstharzputze, welche zusätzlich mit Bioziden ausgerüstet werden. In Kombination mit
Anstrichsystemen werden so sehr hohe Bioziddeptos geschaffen, welche selbst bei extremen Bedingungen einen Schutz gewährleisten können. Es sei jedoch auch darauf hingewiesen, dass sich die Biozidwirkung mit der
Zeit abbaut und eine Nachbehandlung oder
Überarbeitung in gewissen zeitlichen Abständen unerlässlich ist. Auch sind Biozide in der
letzten Zeit stark in die Diskussion geraten,
Wichtig: die richtige Kombination von Konstruktion, Materialität,
­Handwerkskunst und Nachsorge
Foto: Baumit
mm bei einem sd-Wert (wasserdampfdiffusionsäquivalente Luftschichtdicke) von 0,12 –
0,16 m einen w-Wert (Wasseraufnahme) von
> 0,10 kg/m²h0,5.
Hier eröffnen moderne Bindemittelkonzepte
einen neuen Weg, insbesondere im Bereich
der dünnschichtigen mineralischen Endbeschichtungen. Baumit NanoporTop mit Photokatalyse verfügt über eine mikroskopisch
glatte Oberfläche (Bild 3) mit hydrophilen
und hydrophoben Eigenschaften. Während
die Feuchtigkeit von der hydrophilen Oberfläche schnell und weit verteilt wird, verhindert
eine hydrophobe Schicht im unteren Oberputzbereich ein zu tiefes Eindringen der
Feuchtigkeit ins Putzsystem. Somit wird, aufgrund der großen wirksamen Fläche und der
guten Diffusionsfähigkeit des NanoporTop,
eine schnelle Rücktrocknung der erreicht.
Durch das moderne Bindemittel wird der
Selbstreinigungseffekt durch die Photokatalyse noch verstärkt und ein natürlicher aktiver
Schutz vor organischen Verschnutzungen
Zusätzlich biozid ausgerüstete Oberputze
und Anstriche
In der Regel handelt es sich bei diesen Oberputzen um organische Produkte, wie z. B.
Dünnschichtige mineralische Endbeschichtung mit und einer mikroskopisch glatten Oberfläche
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Foto: Baumit
Gebäude mit Attikaverkleidungen besitzen ein
erreicht (Bild 4 a-c). Hinzu kommt, dass
durch dieses Konzept auf den Einsatz von
Biozieden vollständig verzichtet werden kann.
rung hinweisen, denn nur hier können die
Rahmenbedienungen noch grundlegend
beeinflusst werden.
In der Ausführungsplanung reicht bei solchen
Gebäuden die reine Erfüllung der Mindeststandards nach den „allgemein anerkannten
Regeln der Technik“ (a. a. R. d. T.) nicht aus
(Bild 7), da dass Vorhandensein eines erhöhten Risikos für einen Befall hier als
bekannt vorauszusetzen ist. Daher
muss gemäß den a. a. R. d. T. sowie den unzähligen Richtlinien und herausgegebenen Fachbüchern zu dem Thema bei einem erhöhten
Risiko auch eine dem Risiko angepasste Ausführungsplanung durchgeführt werden.
In der Richtlinie „Metallanschlüsse an Putz
und Wärmedämm-Verbundsysteme“ wird dies
durch das zusätzliche Vorsehen einer Blech­­
aufkantung erreicht. Diese verhindert bzw.
minimiert ablaufendes Wasser über die Fassadenfläche auch bei Windeinfluss (Bild 8).
Investoren, welche mit dem heutigen Wissen
zu Konstruktionsdetails und in Kenntnis um
Konstruktive Aspekte
Bild 7: Auszug aus der Richtlinie „Metallanschlüsse an Putz und Wärmedämm-Verbundsysteme“, Ausgabe 2003
Herausgeber: Fachverband Ausbau und Fassade,
Baden-Württemberg
Landhausstil (Bild 6) zu finden sind.
Wer aus der heutigen Sicht „modern“ konstruiert und gestaltet, muss den Bauherrn auf
diese höheren Risiken schon in der Projektie-
Foto: Baumit
Foto: Baumit
Als zweiten Punkt, den wir beeinflussen können, bleiben die bautechnischen Einflüsse. In den heutigen Diskussionen um dieses
Thema kommen diese oft zu kurz und es wird
sich „lediglich“ auf die Materialauswahl konzentriert. Jedoch ist und bleibt die Bautechnik der wichtigste Einflussfaktor überhaupt
und so kommt insbesondere dem Planer in
der Projektierungsphase – lange vor der Ausführungsplanung und Umsetzung – eine
besondere Sorgfaltspflicht zu.
Modern gestaltete Gebäudekörper (Bild 5),
welche ausschließlich mit Attikaverblechungen einen konstruktiven Witterungsschutz
erreichen, verfügen über ein höheres Risiko
als Gebäudekonstruktionen mit großen Dachüberständen, wie sie eher im so genannten
Foto: Baumit
Gebäude mit großen Dachüberständen
Tageslicht aktiviert den Photokataly-
Dieser zersetzt die an der Oberfläche angelagerten
Regen und auftrocknende Feuchtigkeit lösen
sator im Putz bzw. in der Farbe
Schmutzpartikel, die durch Luftbewegung gelöst
Schmutzpartikel und reinigen die Fassade
werden und teilweise zu Boden fallen
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Foto: Baumit
Fassade
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Bild 8: Auszug aus der Richtlinie „Metallanschlüsse an Putz und Wärmedämm-Verbundsysteme“, Ausgabe 2003
Herausgeber: Fachverband Ausbau und Fassade, Baden-Württemberg
die seit Jahrzehnten kontrovers geführten Diskussionen zum Algenund Pilzbefall an Fassaden einfach nur die Mindestanforderungen an
Gebäudekonstruktionen erfüllen, bürden dem Bauherrn und dem
ausführenden Fachbetrieb bewusst ein hohes Risiko für einen Befall
auf. Wobei meist nur der Fachbetrieb zur Haftungsfrage für den Befall
belangt wird, obwohl das Risiko mit ein paar kleinen konstruktiven
Details hätte erheblich minimiert werden können.
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Pflege und Wartung
Der Pflege und Nachsorge der Fassadenfläche kommt heute viel zu
wenig Aufmerksamkeit zu. Zu jedem Haushaltsgerät wird eine Ge­­
brauchsanleitung ausgegeben. Was erhalten Sie jedoch zu Ihrem
Objekt? Oft sehr wenig und meist nichts zur Pflege der Fassade. Die
Fassade ist die Haut des Hauses. Sie erfüllt alle Funktionen, wie unsere
menschliche Haut, nur pflegen wir sie nicht so bewusst. Regelmäßige
Inspektionen und Funktionstests tragen erheblich zur Senkung von
Alterungsschäden an Fassaden bei und können ebenso einen aktiven
Beitrag zur Minimierung des Langzeitrisikos von einem biologischen
Befall mit Algen und Pilzen leisten.
Wie Sie sich auch immer entscheiden – ob moderne Architektur und
Gestaltung oder eher klassisch – eines bleibt beidem gemeinsam: Nur
der richtige Mix aus Konstruktion und Materialität, die Handwerkskunst des ausführenden Fachbetriebes und die Nachsorge, bestimmen
heute maßgeblich das Risiko für einen Fassadenbefall mit Algen und
Pilzen mit. Die absolute Sicherheit gibt es noch nicht. Jedoch gibt es
allen Beteiligten ein besseres Gefühl, alles in ihrer Macht stehende
getan zu haben. Denn, dass das „Design“ letztendlich auch noch mitbestimmt, wie hoch das Risiko ist, bleibt wohl von allen am Bau Beteiligten unbestritten.
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Architektur für alle –
Mensch und Lebensraum im demografischen Wandel
Architekten, Gestalter präsentieren Strategien, Visionen
und Szenarien
Kommunikationsplattform für assistive Technologien,
Produkte und Arbeitswelten
Tag der Wohnungswirtschaft:
Fachtagung vernetztes Wohnen am 25. März
Reise in die Zukunft der Pflege – 2053
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