22-27 Duengen

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Erst testen,
dann düngen
Bietet mein Boden genügend Nährstoffe oder muss er tüchtig
gedüngt werden? Diese Frage beantwortet zuverlässig eine Bodenanalyse. Ein Vergleichstest zeigt, welches Labor was taugt.
Text und Fotos: Hans Grob
H
eute sind die meisten Gartenböden mit zu viel Phosphor
angereichert beziehungsweise
überdüngt. Das trifft sowohl
auf biologisch als auch auf konventionell
bewirtschaftete Gartenböden zu. Das belegen verschiedene Berichte von Bodenuntersuchungen. Die Überdüngung ist
nicht allein auf den unsachgemässen Einsatz von Handelsdüngern zurückzuführen, die in flüssiger Form, als Pulver
oder Granulate angeboten werden. Zur
Überdüngung hat auch Kompost oder
Mist beigetragen, die über Jahre und oft in
zu grossen Mengen auf den meist kleinen
Flächen verwendet wurden.
22 Natürlich | 2-2005
Düngen, was das Zeug hält
Die Gartenfläche der Schweiz beträgt
etwa 50 000 Hektaren. Das entspricht
gut 3000 durchschnittlichen Landwirtschaftsbetrieben. Auf dieser Fläche, die
als Zier- oder Nutzgärten dient, werden
die verschiedensten Hilfsstoffe, unter anderem auch Dünger, eingesetzt. Während
jedoch auf landwirtschaftlichen Betrieben
für den ökologischen Leistungsnachweis
die Düngermenge mit Nährstoffbilanzen
kontrolliert wird, unterliegt der Verbrauch von Düngern in Freizeitgärten
keinerlei Kontrolle.
Zum Leidwesen der Böden werden in
Gartenzentren und Hobbymärkten von
Grossverteilern Gartendünger in Selbstbedienung ohne Mengenbeschränkung
angeboten.
Meist beeinflusst nicht die sachkundige
Beratung den Kaufentscheid. Vielmehr geben beim Laien die schönen Verpackungsbilder den Ausschlag. Deshalb müssen auf
den Düngerverpackungen oder der Gebrauchsanweisung Dosierungs- und Inhaltsangaben angebracht sein, wie Roland
von Arx vom Bundesamt für Umwelt, Wald
und Landschaft (Buwal) bestätigt. «Zusätzlich wird ein Hinweis verlangt, dass eine
unsachgemässe Verwendung Gewässer gefährdet oder die Qualität der Pflanzen
nachhaltig beeinflusst.»
Garten NATUR
Eine Bodenanalyse zeigt, wie
viel Nährstoffe im Boden sind
Das ist zwar gut gemeint, doch ist das
mehrheitlich Augenwischerei. Denn auf
den meisten Verpackungen fehlt eine Aufforderung, vor dem Düngemitteleinsatz
eine Nährstoffanalyse des Bodens vornehmen zu lassen. Denn das ist die einzige Methode, wie ein umweltbewusster Gärtner
erfahren kann, ob sein Gartenboden mit
genügend Nährstoffen versorgt ist und wie
viel von welchen Nährstoffen gedüngt werden muss, um einen guten Ertrag zu erhalten, ohne den Boden zu belasten. Mit einer
Bodenanalyse prüft man, welche Nährstoffe im Boden vorhanden und auch pflanzenverfügbar sind.
Für eine konkrete Aussage müssen
folgende Parameter analysiert werden:
pH-Wert, Phosphor, Kalium und organische Substanz (Humusgehalt). Anhand
der Resultate errechnet das Labor den
Düngerbedarf und stellt fest, wie viel von
welcher Art Dünger nötig ist. Darüber
hinaus erfährt der Gärtner mit einer Bodenanalyse etwas über die Art und die
Struktur des Bodens, sodass Massnahmen
für die Bodenbearbeitung abgeleitet werden können.
Analysengeschäft
= schlechtes Geschäft
Im Gegensatz zum Düngerverkauf ist mit
Bodenanalysen kein Geschäft zu machen.
Und wer will schon den Ast absägen, auf
dem er sitzt. Denn Gärtner, die nur kaufen, was ihr Boden wirklich benötigt,
kaufen weniger Dünger.
So verkauft zum Beispiel die Migros
Düngemittel, hat sich aber ganz aus dem
Analysengeschäft zurückgezogen: «Die
Nachfrage war zu klein», begründet
Migros-Pressesprecherin Monika Weibel
diesen Entscheid. Immerhin: «Wenn ein
Kunde eine Bodenanalyse wünscht, verweisen wir auf das Labor für Bodenanalysen der Firma Schweizer.»
Anders bei Coop. «Wir bieten unseren
Kunden eine Bodenanalyse an», beantwortet Coop-Mediensprecher Jörg Birnstiel die
entsprechende «Natürlich»-Anfrage und
fügt an: «Unser Verkaufspersonal wird regelmässig von den Düngerlieferanten zu
den Themen Bodentests, Düngung, Überdüngung, Bodenfruchtbarkeit geschult.»
Jumbo bietet seit Februar einen umfassenden Bodentest zum Preis von Fr. 44.50
Holzasche gehört in den Kehricht
Reine Holzasche wäre grundsätzlich ein guter Dünger. Die Frage ist aber, ob die darin enthaltenen Stoffe im Gartenboden zur Düngung benötigt werden. Holzasche von naturbelassenem
Holz enthält im Wesentlichen Calzium, Kalium und Phosphor, die als Dünger Bedeutung
haben. Doch Aschen enthalten auch Schwermetalle. Die beeinträchtigen die Bodenfruchtbarkeit, können das Pflanzenwachstum hemmen und gelangen via Gemüse wieder auf den Teller.
Auf Holzasche als Dünger muss deshalb verzichtet werden. Asche gehört in die ordentliche
Kehrichtabfuhr.
an. Wie Jumbo auf Anfrage mitteilte, wurde
im Januar der Test den Mitarbeitern anlässlich einer Schulung vorgestellt. «Nachher
ist das Verkaufspersonal natürlich dazu
aufgefordert, in Beratungen diese Dienstleistung anzubieten», schreibt dazu Jumbo
Product Manager Marc Müller. Seine Empfehlung: «Sinnvollerweise wird dieser Test
alle 5 bis 8 Jahre angewendet.»
Neben Coop, Jumbo oder dem Labor
Schweizer bieten in der Schweiz zahlreiche Labors Bodenanalysen an. Das Gartenfachgeschäft kann meist ebenfalls weiterhelfen mit Laboradressen.
Die Erdproben stammen aus einem gut
mit Kompost versorgten und mit
Hornspänen und Kräuterjauche gedüngten Zürcher Schrebergarten. Dieser Garten wird seit etwa 30 Jahren als Nutzgarten bewirtschaftet, davon rund 20 Jahre
biologisch. Die Probennahme erfolgte
Anfang September 2004. Bereits nach 12
Tagen trafen die ersten Resultate ein. Das
letzte Labor benötigte 22 Tage. Paul Mäder, Bodenspezialist am Forschungsinstitut für biologischen Landbau in Frick, beurteilte die Analysenergebnisse und die
gemachten Düngeempfehlungen.
Vergleich von Laborangeboten Selbst günstige Analysen
Doch was taugen diese Laboranalysen liegen richtig
überhaupt. Schliesslich sind es nicht selten Düngemittelfabriken, die gleichzeitig
auch Bodenanalysen vornehmen. «Natürlich» beglückte 6 Bodenlabors mit identischen Bodenproben und stellte allen Labors die gleichen Fragen:
• Welche pflanzenverfügbaren Nährstoffe
sind vorhanden?
• Welche nicht pflanzenverfügbaren
Nährstoffvorräte enthält die Probe?
• Kann das Labor eine Düngeempfehlung
für die nächsten Jahre machen?
Überraschend ist das Ergebnis der Untersuchungen: «Die gefundenen Nährstoffgehalte der verschiedenen Labors stimmen weit gehend überein», stellt Paul Mäder nach einem ersten Vergleich der
Berichte fest (siehe Tabelle). Alle haben
eine bestehende Überdüngung des Bodens
festgestellt. Auch günstige Bodenanalysen
Mist ist zwar natürlich,
sollte aber dennoch nur sparsam
verwendet werden.
NATUR Garten
wie die des lbu-Labors für Boden- und
Umwelttechnik für 30 Franken zeigen
gemäss Mäder: «Hier kann eine NährstoffÜberversorgung des Bodens gut erkannt
werden.» Diese Untersuchung bestimmt
nur die wasserlöslichen Nährstoffe.
Trotzdem empfiehlt er für eine erste
Messung ein etwas teureres und umfangreicheres Angebot zu wählen. Diese Angebote messen nicht nur die wasserlöslichen und sofort verfügbaren Nährstoffe,
sondern mit einem AmmoniumacetatEDTA-Extrakt auch die Nährstoffreserven. «Diese Untersuchung zeigt den verfügbaren Teil und die Reserven des Bodens auf», erklärt Mäder. Die Messung
mit Ammoniumacetat-EDTA-Extrakt ist
die offizielle Messmethode. Diese Werte
lassen sich einfacher mit anderen Analyseresultaten vergleichen.
Für weitere Analysen genügt dann
meist eine Messung der gelösten Nährstoffe. Angebracht ist eine Messung alle
5 Jahre.
So wird im Garten
eine Erdprobe genommen
Die beste Jahreszeit für eine Bodenanalyse ist zwischen Herbst und Frühling.
Die Erdproben sollten bei trockenem
Wetter, vor einer Düngung entnommen
werden. Um einen repräsentativen
Durchschnitt zu bekommen, sticht man
pro Gartenbeet, zum Beispiel mit einem
Spaten, drei Proben oder zehn Proben pro
hundert Quadratmeter. Dabei ist wichtig,
dass die Erdproben von den obersten
zwanzig Zentimetern senkrecht abgestochen werden. Die entnommenen Erdproben gibt man in einen sauberen Behälter
und mischt sie gut durcheinander. Steine
und Wurzelteile entfernt man. Anschliessend etwa fünfhundert Gramm der Mischung in einen sauberen Plastiksack füllen, der mit Name, Adresse und einer
Parzellenbezeichnung, zum Beispiel «Gemüsegarten», angeschrieben ist. Mit der
sorgfältigen Probennahme trägt der Konsument wesentlich dazu bei, dass die
Laborresultate für die untersuchte Gartenerde repräsentativ sind.
Die meisten Labors senden einem
unentgeltlich ihre eigenen Unterlagen per
Post nach Hause (Plastikbeutel, Angaben
zur Probennahme, Leistungsangebot und
Preise). Genauere Angaben sind auch auf
den Websites der Labors zu finden oder
per Telefon in Erfahrung zu bringen.
Düngeempfehlungen
hinterfragen
Generell meint Mäder: «Wer seinen Gartenboden bedarfsgerecht düngen will, bestimmt Menge und Art des Düngers am
besten mit einer Bodenanalyse statt einfach nach Gutdünken zu düngen.» Dass
jedoch auf die Empfehlungen der Labors
nicht 100-prozentig Verlass ist, zeigen die
Resultate des Bodenlabor-Tests.
Mit dem Hinweis, der «Nährstoffgehalt
in Ihrem Boden ist bereits recht hoch»,
verzichtet zum Beispiel das Labor Schweizer ganz auf eine Düngeempfehlung.
Anderer Ansicht ist das Labor der
Firma Hauert HBG Düngervertrieb. Zwischen 10 und 20 Gramm Kalidünger pro
Quadratmeter Boden empfiehlt das Labor
Labor
Eric Schweizer
lbu Labor für Boden- und Umweltanalytik
3602 Thun, Telefon 033 227 57 31
E-Mail: [email protected], www.lbu.ch
Labor Dr. F. M. Balzer, D-35083 Wetter (Hessen),
[email protected], www.labor-balzer.de
Vertretung Schweiz:
Bioterra, 8003 Zürich, Telefon 01 463 55 14
E-Mail: [email protected], www.bioterra.ch
Preis
Fr. 30.– (Programm 32)
Fr. 80.– (Programm 33)
Fr. 85.–
Methode
Nährstoffe leicht verfügbar
(Wasserextraktion)
Nährstoffe leicht verfügbar (Wasserextraktion)
Nährstoffvorräte
(Ammoniumacetat-EDTA-Extrakt)
Nährstoffe leicht verfügbar (Wasserextraktion),
Nährstoffvorräte
(Ammoniumacetat-Doppellaktat-Extrakt)
Darstellung
Zahlen und Grafik
Zahlen und Grafik
Zahlen
Laienverständlichkeit
gut
gut
schlecht
Düngeempfehlung
dem Bedarf entsprechend
für die nächsten Jahre
dem Bedarf entsprechend für die nächsten Jahre
zusätzliche Informationen mit Erklärungen
zum Analysebericht
Bei erkannter überhöhter Versorgung
mit Nährstoffen wird ausdrücklich vor
Überdüngung gewarnt
Preis-Leistungs-Verhältnis
sehr gut
sehr gut
sehr gut
Gesamtbeurteilung
gut,
Überdüngung korrekt erkannt
gut,
Überdüngung korrekt erkannt
gut,
Überdüngung korrekt erkannt
24 Natürlich | 2-2005
Fotos: René Berner
Garten NATUR
trotz richtig erkannter Überdüngung.
Freundlicherweise schreibt der zuständige Sachbearbeiter auch gleich, welche
Düngersorten benötigt werden. Dünger
nämlich der Marken Hauert, Biorga oder
Geistlich. Alles Marken der Firma HBG
Düngervertrieb. In einer schriftlichen
Stellungnahme hält das Labor an seiner
Düngeempfehlung fest und begründet:
«Damit zur bestehenden Überdüngung
nicht noch ein Ungleichgewicht im Nährstoffangebot hinzukommt, muss trotz des
bereits hohen Kaligehaltes eine minimale
Menge an Patentkali verabreicht werden.»
AgroLab schreibt im Bericht, dass
2005 keine Düngung notwendig sei, und
empfiehlt ab 2006 eine ausgewogene
Düngung mit Trumpf- oder RenovitaGartendünger. Auf Nachfrage begründet
Geschäftsführer Willi Schneiter den Vorschlag: «Wir empfehlen nie mehrere
Jahre ohne Düngung, weil bei einem star-
ken Entzug durch Gemüse der Vorrat nur
beschränkt zur Verfügung steht. Massvolle Düngung stellt sicher, dass man ab
2006 keinen Mangel hat in der kurzfristigen Verfügbarkeit und über 5 Jahre die
hohen Werte herunterbringt.»
Thurlab empfiehlt für 2 Jahre keinen
Phosphor und kein Kali. Leider fehlt der
Hinweis, dass danach eine neue Analyse
und erneute Beurteilung notwendig wird
und nicht automatisch wieder gedüngt
werden darf.
Wenig verlässlich sind die Stickstoffmessungen und entsprechende Düngeempfehlungen, wenn nur der gelöste Anteil gemessen wurde. Denn der in gelöster
Form vorhandene Stickstoff kann zum
Beispiel nach starken Regenfällen variieren. Das hat zur Folge, dass mit einer
Messung von entsprechenden Erdproben
im Labor eine Stickstoffunterversorgung
festgestellt wird, die nicht der Realität
entspricht. Stickstoff sollte an Ort und
Stelle gemessen werden, weil die Werte
nach stunden- oder tagelangen Erdprobentransporten nicht mehr der Wirklichkeit entsprechen.
Dementsprechend sind die Düngeempfehlungen meist falsch. Auch die Temperatur beeinflusst das Vorhandensein von
pflanzenverfügbarem Stickstoff. Im Winter
sind zum Beispiel die Wiesen fahlgrün. So-
Vor allem im
privaten Gemüsegarten wird Dünger
– sei es nun Kunstdünger, Mist oder
Kompost – in
rauhen Mengen
eingesetzt.
Labor Ins, 3232 Ins
Telefon 032 312 91 41
E-Mail: [email protected]
www.laborins.ch
Hauert HBG Düngervertrieb
Beratungsservic, 3257 Grossaffoltern
Telefon 032 389 10 10
[email protected], www.hauert.com
AgroLab AG, 5103 Möriken AG,
Telefon 062 893 28 83
www.schneiteragro.ch
Thurlab, 8370 Sirnach
Telefon 071 966 34 26
E-Mail: [email protected]
www.thurlab.ch
Fr. 86.–
Fr. 44.80
Fr. 49.–
Fr. 143.10
Nährstoffe leicht verfügbar (Wasserextraktion), Nährstoffvorräte
(Ammoniumacetat-EDTA-Extrakt)
Nährstoffe leicht verfügbar
(Wasserextraktion)
Nährstoffvorräte (AmmoniumacetatEDTA-Extrakt)
Nährstoffe leicht verfügbar (Wasserextraktion), Nährstoffvorräte
(Ammoniumacetat-EDTA-Extrakt)
Zahlen und Grafik
Zahlen und Grafik
Zahlen und Grafik
Zahlen und Grafik
gut
gut
gut
gut
dem Bedarf entsprechend
für die nächsten Jahre
teilweise widersprüchlich, mit hoher
Nährstoffversorgung, allgemein könne auf
eine Düngung verzichtet werden, trotzdem wird eine Kalidüngung empfohlen
trotz allgemein zu hohen Nährstoffgehalten wird nach einem Jahr Pause
wieder Phosphor/Kali-Düngung empfohlen
trotz allgemein zu hohen
Nährstoffgehalten wird nach
2 Jahren Pause wieder PhosphorDüngung empfohlen
gut
gut
niedriger Preis, Leistung eher dürftig
sehr umfassend, aber für einen
Hobbygarten eher teuer
gut,
Überdüngung korrekt erkannt
genügend, obwohl
Überdüngung korrekt erkannt
genügend, obwohl Überdüngung
korrekt erkannt
genügend, obwohl Überdüngung
korrekt erkannt
Natürlich | 2-2005 25
Zuviel des Guten:
Komposthaufen
in einem Gemüsegarten
bald sich der Boden im Frühling erwärmt,
wird das Gras leuchtend grün. Dann ist
pflanzenverfügbarer Stickstoff vorhanden
und als Pflanzengrün sichtbar.
Das bedeutet, dass bei den gegebenen
Düngeempfehlungen auch der gesunde
Menschenverstand nicht ausser Acht gelassen werden sollte. Doch was ist konkret zu tun?
Was tun, wenn zu viel
Phosphor im Boden ist?
Die allermeisten Gartenböden enthalten
zu viel Phosphor und die Gartenkulturen
verbrauchen von den Vorräten nur sehr
wenig. Dadurch bleibt der Phosphorgehalt im Boden über Jahre praktisch unverändert. Deswegen ist vor allem darauf zu
achten, dass der Phosphorgehalt im Boden nicht weiter ansteigt. Da auch Kompost, Mist und die meisten Volldünger
Phosphor enthalten, sollten diese Dünger
bedarfsgerecht eingesetzt werden.
Ein hoher Phosphorgehalt kann für
die Pflanzen die Aufnahme von Spurenelementen erschweren oder den Geschmack der Gemüse beeinflussen, sodass zum Beispiel Rüebli bitter schmecken. Im Übrigen werden nicht im Boden
gebundene Nährstoffe leicht ausgewaschen und können Grund- und Oberflächengewässer belasten.
Wenn nötig verwendet man zusätzlich organische Einzel- oder Mehrnährstoffdünger, die wenig oder keinen Phosphor
(P2O2) enthalten. Zum Beispiel Hornspäne
oder -mehl, NK-Dünger.
Die gekauften organischen Dünger
müssen die Bezeichnung «vollorganisch»
tragen, sonst ist es möglich, dass sie mineralische Bestandteile enthalten.
Wer Rindermist verwenden will, verteilt diesen nicht direkt auf die Gartenbeete, sondern mischt diesen im Herbst
unter den Gartenkompost und verwendet
diese Mischung im Frühling. Damit wird
ein Auswaschen der wertvollen Nährstoffe verhindert. Den Komposthaufen
schützt man vor der Witterung mit einem
Flies oder einer Plastikfolie.
Achtung: Hühnermist hat eine
ungünstige Zusammensetzung (zu viel
Phosphor). Deshalb sollte darauf verzichtet werden.
So wenig wie möglich,
so viel wie nötig
Unterschied organischer/
mineralischer Dünger
Mit 1 bis 2 Liter gutem Kompost pro Quadratmeter und Jahr deckt man den Bedarf
von Schwachzehrern (Bohnen, Erbsen,
Kräuter). Mittelzehrer (Fenchel, Salate,
Zwiebeln) benötigen 2 bis 3 und Starkzehrer (Gurken, Kohlarten, Tomaten, Sellerie)
3 bis 4 Liter pro Quadratmeter und Jahr.
Mineraldünger oder Kunstdünger werden
durch chemisch-synthetische oder technische Verfahren hergestellt. Sie bestehen
aus leicht löslichen Nährsalzen, die von
den Pflanzen sofort aufgenommen werden. Mineraldünger können im Boden
leicht oberflächlich weggeschwemmt oder
Laborliste
Eine Liste aller in der Schweiz zugelassenen, nach einem anerkannten Qualitätsstandard arbeitenden Labors kann man im Internet unter folgender Adresse
finden: www.reckenholz.ch, Rubrik Publikationen/Laborlisten.
Beim Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL ist ein Merkblatt mit
Anleitung für die Bodenprobennahme, Interpretationshilfe für Laborergebnisse
und Preis-Leistungs-Angaben von zwölf anerkannten Bodenlabors erhältlich.
Bestelladresse: FiBL, Ackerstrasse, Postfach, 5070 Frick, Merkblatt «Bodenuntersuchung für Biobetriebe»; frankiertes und adressiertes C5-Rückantwortcouvert
und Fr. 3.– in Briefmarken beilegen.
in tiefere Erdschichten und ins Grundwasser ausgewaschen werden.
Kompost, Mist und Hornspäne sind organische Dünger, deren Nährstoffe weitgehend gebunden sind. Sie müssen im Boden
von den Mikroorganismen erst mineralisiert (aufgeschlossen) werden, bevor die
Pflanzen etwas davon haben. Die Mineralisierung organischer Dünger verläuft im
Boden klimabedingt langsamer. Die Gefahr
der Nährstoffauswaschung ist dadurch
geringer. Damit die Mineralisierung der
Nährstoffe im Boden in Gang kommt und
organische Substanz umgesetzt wird, muss
der Boden erwärmt und der Wasser- und
Lufthaushalt ausgewogen sein. Bei 10 Grad
beträgt der Abbau organischer Substanz
im Boden nur 30 Prozent der Masse, die
bei 30 Grad abgebaut wird. Nasse Böden erwärmen sich langsamer als trockene und
dunkle sind in 20 Zentimeter Tiefe 0,5 bis
3 Grad wärmer als helle Böden. Das WasserLuft-Verhältnis kann mit einer schonenden Bodenbearbeitung verbessert werden,
indem man den Boden im Frühjahr tiefgründig lockert, ohne ihn zu wenden.
■
Service
– Merkblatt Nr. 3 «Fruchtbaren Boden pflegen
und erhalten» der Buwal-Kampagne «Gsundi
Gärte – Gsundi Umwält», Dokumentation gratis
bei Buwal, 3003 Bern, Fax 031 324 02 16,
E-Mail [email protected]
– Liste für die im biologischen Land- und Gartenbau
zugelassenen Hilfsstoffe (unter anderem auch
Dünger). Die Liste wird jährlich überarbeitet,
Fr. 10.–.
– www.fibl.org, Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), Ackerstrasse, Postfach,
5070 Frick, Telefon 062 865 72 72
– Buch «Bodenkunde», R. Flückiger, J. Rösch,
W. Sturny, U. Vökt, Verlag Landwirtschaftliche
Lehrmittelzentrale, Länggasse 79, 3052 Bern
– Webseite mit Informationen zum Thema Boden
im biologischen Landbau www.fibl.org
Forschungsinstitut für biologischen Landbau
(FiBL), Ackerstrasse, Postfach, 5070 Frick,
Telefon 062 865 72 72
Natürlich | 2-2005 27
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