THINSCHMIDT 2004

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Andreas THINSCHMIDT, Wien
Die Verwendung von Naturbausteinen in der
romanischen Sakralarchitektur des Waldviertels
Im Zuge mehrerer FWF-Forschungsprojekte wurden seit Ende der 1980er Jahre am Institut für Angewandte
Geologie der Universität für Bodenkultur in Wien die Baugesteine von etwa 250 Objekten in ganz
Niederösterreich dokumentiert. Manche Befundungen beinhalten großflächige Fassadenkartierungen, viele
nur einzelne (manchmal dislozierte) Objekte wie Mauerreste, Grabsteine, etc. Die Liste der befundeten
Objekte wird laufend ergänzt.
Thema der Posterpräsentation ist eine Gesamtdarstellung der Ergebnisse bisheriger Forschungen im
Gebiet des Waldviertels, belegt durch rund 100 befundete Objekte. Schwerpunkt ist die regionale
Verbreitung der verwendeten Gesteine in den sakralen Bauwerken der Romanik und damit die
Charakteristik der Waldviertler "Bausteinlandschaft" zu dieser Zeit. Darüber hinaus wird die Abhängigkeit
des verwendeten Baumaterials von Verfügbarkeit, Bearbeitbarkeit, Haltbarkeit, Transportweite sowie
Verwendungszweck untersucht.
Bemerkenswert ist die große Abhängigkeit des Mauerwerkstypus vom verfügbaren Gesteinsmaterial und
damit von der Geologie des Standortes. Im Waldviertel überwiegt aufgrund der eher schlechten
Bearbeitungskriterien (meist sehr harte, kaum nach definierten Richtungen spaltbare Materialien)
Steinmauerwerk aus unbearbeiteten Komponenten (Klaub- und Lesestein- bis Bruchsteinmauerwerk, ca.
55 %) gegenüber bearbeiteten (Haustein- und Quadermauerwerk, ca. 45 %).
Während im westlichen Waldviertel der eher grobkörnige Eisgarner Granit wegen seiner im Vergleich zu
anderen Graniten leichteren Formbarkeit als Werk- und Dekorstein durchaus beliebt war (siehe unten), ist
er als Mauerstein unterrepräsentiert. Hier werden die noch gröberen, porphyrischen Varianten wie
Rastenberger Granodiorit und Weinsberger Granit bevorzugt, die aufgrund ihres hohen Anteils an großen
Feldspatkristallen leichter spaltbar sind. Besonders harte und "zähe" Typen wie der feinkörnige Schremser
und Mauthausener Granit sowie der Thaya-Granit des östlichen Waldviertels, die in der Moderne als
Werkstein eine bedeutende Rolle spielen, wurden in der Romanik scheinbar gemieden. Lagerhafte
Ausbildung des Mauerwerkes kommt bei granitenen Mauerwerken selten vor.
Lagerhafte Strukturen sind hingegen sehr häufig an Gebäuden zu finden, in denen lokales Kristallin in
Form von Gneisen, Amphiboliten und anderen geschieferten Gesteinen verbaut wurde, allesamt Gesteine
mit ausgeprägter, richtungsabhängiger Spaltbarkeit. Vor allem im nördlichen, zentralen und südöstlichen
Waldviertel ist der Typus "Mauerwerk aus unbearbeitetem, lokalem Kristallinmaterial" der Regelfall und
lässt sich waldviertelweit bei fast 50 % aller Bauwerke nachweisen. Im östlichen Waldviertel dominiert im
Mauerwerk erwartungsgemäß der weiche und leicht bearbeitbare Zogelsdorfer Kalk(sand)stein.
Die Transportweiten für Mauerbausteine waren durchwegs gering - max. 10 km vom nächsten verfügbaren Vorkommen entfernt (z. B. gemessen für den relativ gesuchten Zogelsdorfer Stein). Es wurde fast
immer der geeignetste lokal vorhandene Stein verwendet und das Mauerwerk gemäß den Materialeigenheiten gestaltet. Es ist daher Vorsicht geboten, eine Chronologie von Mauerwerken allein aufgrund
ihrer Struktur zu versuchen, ohne die Materialeigenschaften ihrer Komponenten miteinzubeziehen.
Bei sorgfältiger bearbeiteten Werk- und Dekorsteinen war in erster Linie der Zogelsdorfer Stein von
Bedeutung (fast 30 % aller befundeten Objekte), für den sich bereits im 12. Jahrhundert Beispiele finden
lassen. Sein Schwerpunkt liegt naturgemäß im Osten des Waldviertels. Im Westen waren vor allem
Eisgarner Granit und Rastenberger Granodiorit (zwischen 15 % und 20 %) in Verwendung. Häufiger ist
auch noch Wachauer Marmor vertreten (ca. 10 %), der vor allem im südlichen Waldviertel genutzt wurde.
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Für Werk- und vor allem Dekorsteine, die für die ästhetische und repräsentative Ausgestaltung eines
Bauwerkes von besonderer Bedeutung waren, nahm man größere Transportweiten in Kauf. Manche
Gesteine wie der Eisgarner Granit, der für die Herstellung von Grabsteinen und Taufbecken gerne
genommen wurde, können bis zu 30 km (in einem Fall sogar rund 40 km) vom vermutlichen Abbauort
entfernt aufgefunden werden. Auch für den Zogelsdorfer Stein war man gewillt, größere Entfernungen zu
bewältigen. Einschränkend ist jedoch die Möglichkeit eines (u. U. mehrfachen) Ortswechsels eines Objektes
anzunehmen.
Altersverteilung (Angaben übernommen aus DEHIO 1990): Bei Mauerwerken überwiegen Befunde aus
dem 12. Jahrhundert (ca. 55 %), gefolgt von jenen des 13. Jahrhunderts (knapp 40 %) und nur sehr wenigen
aus dem 11. Jahrhundert (ca. 5 %). Bei Werk- und Dekorsteinen hingegen sind zwei Drittel aller Befunde
aus dem 13. Jahrhundert, gegenüber etwa 15 % aus dem 12. Jahrhundert und keinem einzigen früheren
Befund (etwa 20 % sind allerdings nicht näher datiert).
Weiterführende Informationen und eine Liste der befundeten Objekte finden Sie unter:
http://www.oeab.at/kulturgeologie/projekte.htm#romanik.
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