Mechanik und Festigkeitslehre

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Karlheinz Kabus
Mechanik und
Festigkeitslehre
7., aktualisierte Auflage
Kabus Mechanik und Festigkeitslehre
Karlheinz Kabus
Mechanik und Festigkeitslehre
unter Mitarbeit von Bernd Kretschmer und Peter Möhler
mit 530 Bildern, 266 Lehrbeispielen
und einer Beilage mit 42 Tabellen, 25 Diagrammen
und zahlreichen Formeln
7., aktualisierte Auflage
Dipl.-Ing. Karlheinz Kabus, Studiendirektor i. R. (yÞ
Dipl.-Ing. Bernd Kretschmer, Studiendirektor an der Staatlichen Technikerschule Berlin
Dr.-Ing. Peter Möhler, Studienrat an der Staatlichen Technikerschule Berlin
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen
Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet
über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
ISBN 978-3-446-43534-6
E-Book ISBN 978-3-446-43618-3
Einbandfoto: Gittermastkran (Author: Smial at de.wikipedia), Permission: CC-BY-SA-2.0-DE
Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt.
Alle Rechte, auch die der Übersetzung, des Nachdrucks und der Vervielfältigung des Buches oder Teilen daraus,
vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in irgendeiner Form (Fotokopie,
Mikrofilm oder ein anderes Verfahren), auch nicht für Zwecke der Unterrichtsgestaltung, reproduziert oder unter
Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
# 2013 Carl Hanser Verlag München
www.hanser-fachbuch.de
Projektleitung: Jochen Horn
Herstellung: Katrin Wulst
Satz: Beltz Bad Langensalza GmbH, Bad Langensalza
Druck und Bindung: Friedrich Pustet KG, Regensburg
Printed in Germany
Vorwort
Mechanik und Festigkeitslehre gehören zu den
wichtigsten theoretischen Grundlagen jedes
Technikers und Ingenieurs. Das vorliegende
Buch will dem studierenden Nachwuchs bei der
Erarbeitung dieser Grundlagen behilflich sein
und ihn zur selbstständigen Lösung praktischer
Aufgaben befähigen. Es ist besonders für den
Gebrauch an Technikerschulen und Fachhochschulen gedacht. Für das Selbststudium und für
Praktiker, die ihre theoretischen Kentnisse auffrischen oder erweitern wollen, ist es ebenfalls
geeignet.
Der Stoffumfang ist vorwiegend auf das Technikerstudium abgestimmt. Einige Kapitel gehen
darüber hinaus, um auch Studenten an Fachhochschulen ein Hilfsmittel zum besseren
Verständnis der Vorlesungen in Technischer
Mechanik und interessierten Benutzern Weiterbildungsmöglichkeiten zu bieten. Auf eine
Anwendung der höheren Mathematik wurde verzichtet, da diese an Technikerschulen nicht gelehrt wird. Bis auf wenige Ausnahmen werden
die Berechnungsgleichungen hergeleitet und
danach als Größengleichungen angegeben, so
dass mit beliebigen Einheiten gerechnet werden
kann.
Die verwendeten Einheiten und Formelzeichen
entsprechen den in einem Verzeichnis zusammengestellten neuesten Ausgaben der einschlägigen DIN-Normen und den gesetzlich vorgeschriebenen SI-Einheiten. Auf die üblichen
Einheiten wird hingewiesen. In Übereinstimmung mit dem täglichen Sprachgebrauch sowie
den Normenempfehlungen werden die Worte
Gewicht und Last im Sinne einer Massengröße
verwendet. Wenn Gewicht als Kraftgröße gemeint ist, wird der Ausdruck Gewichtskraft benutzt.
Die Nummerierung der Bilder, Gleichungen und
Lehrbeispiele erfolgte kapitelweise. Kontrollfragen am Ende eines in sich abgeschlossenen
Sachgebietes sollen die Lernzielkontrolle erleichtern. Praxishinweise machen auf die Bedeutung des jeweiligen Lernstoffes für die Berufsarbeit aufmerksam. Dabei werden auch die
früher verwendeten, nicht mehr zugelassenen
Einheiten und die in der Praxis gebräuchlichen
Zahlenwertgleichungen erwähnt.
Lehrbeispiele aus vielen Gebieten der Technik
ermöglichen eine Vertiefung des dargebotenen
Stoffes. Bei der Auswahl der Beispiele wurde
eine enge Beziehung zur Praxis angestrebt.
Für häufig vorkommende Aufgabenarten werden
Arbeitsschritte empfohlen. Dem Prinzip der
Größengleichung folgend, sind auch bei den
Zwischenrechnungen die Einheiten mitgeschrieben, so dass man bei umfangreichen Gleichungen nicht die Übersicht verliert. Nur wenn Einheiten sich offensichtlich herauskürzen, wurden
sie weggelassen. Die Genauigkeit der Ergebnisse wurde in der Regel auf vier Ziffern beschränkt. Wird mit der gesamten vom Rechner
angezeigten Stellenanzahl weitergerechnet, so
ergeben sich in manchen Fällen etwas abweichende Resultate.
Weitere Übungsmöglichkeiten bietet die auf
das Lehrbuch abgestimmte Aufgabensammlung
„Mechanik und Festigkeitslehre – Aufgaben“.
Sie enthält eine große Zahl vom Leser zu lösender Aufgaben.
Alle Tabellen und Diagramme (Bildnummern
mit vorgesetztem A), die zum Lösen von Aufgaben benötigt werden, sind in einem separaten
Anhang untergebracht, der auch eine Zusammenstellung der wichtigsten Formeln enthält.
Die für Festigkeitsberechnungen erforderlichen
Werkstoffkennwerte und sonstige Einflussziffern
sowie Erfahrungswerte für erforderliche Sicherheiten bzw. zulässige Spannungen sind darin angegeben, womit die Berechnung vieler Bauteile
ohne weitere Unterlagen möglich ist. Der lose
beigefügte Anhang kann, z. B. bei Prüfungen,
unabhängig vom Lehrbuch benutzt werden.
Besonderer Wert wurde auf eine Übereinstimmung mit dem im gleichen Verlag erschienenen
Lehrbuch Decker „Maschinenelemente“ und den
dazugehörigen „Maschinenelemente-Aufgaben“
gelegt. Die „Mechanik und Festigkeitslehre“ enthält gewissermaßen das theoretische Rüstzeug
für die genannten Bücher.
Allen Kolleginnen und Kollegen und Lesern,
die uns auf Verbesserungsmöglichkeiten hingewiesen haben, sagen wir herzlichen Dank. Bei
den Mitarbeitern des Carl Hanser Verlages, besonders bei Herrn Jochen Horn, bedanken wir
uns für die gute Zusammenarbeit.
Wir hoffen, dass auch die 7. Auflage den Studierenden und den Lehrenden ebenso wie den
bereits in der Praxis tätigen Technikern und Ingenieuren ein brauchbares Hilfsmittel werden
möge. Anregungen und Verbesserungsvorschläge
werden weiterhin dankbar entgegengenommen.
Bernd Kretschmer
Peter Möhler
Inhaltsverzeichnis
1
1.1
1.2
1.3
Einführung . . . . . . .
Aufgaben und Gliederung der
Größen und Einheiten . . .
Koordinatensysteme . . . .
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Mechanik
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11
11
11
14
2
2.1
2.1.1
2.1.2
2.1.3
2.2
2.2.1
2.2.2
2.2.3
2.3
2.3.1
2.3.2
2.3.3
2.4
2.4.1
2.4.2
Statik starrer Körper . . . . . . . . . .
Die Kraft . . . . . . . . . . . . . . .
Kennzeichnung und Darstellung von Kräften .
Verschiebesatz und Wechselwirkungsgesetz .
Freimachen und Lagerungsarten . . . . . .
Zentrales ebenes Kräftesystem . . . . . . .
Das Kräfteparallelogramm . . . . . . . .
Zeichnerische Kräfteermittlung . . . . . .
Rechnerische Kräfteermittlung. . . . . . .
Allgemeines ebenes Kräftesystem . . . . .
Moment und Kräftepaar . . . . . . . . .
Rechnerische Kräfteermittlung. . . . . . .
Zeichnerische Kräfteermittlung . . . . . .
Räumliche Kräftesysteme . . . . . . . . .
Zentrales räumliches Kräftesystem . . . . .
Allgemeines räumliches Kräftesystem . . . .
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22
22
23
28
32
33
36
39
44
44
47
3
3.1
3.2
3.2.1
3.2.2
Ebene Fachwerke . . . . . . . . .
Aufbau, Annahmen und Voraussetzungen
Ermittlung von Stabkräften . . . . . .
Rechnerische Stabkraftermittlung . . .
Zeichnerische Stabkraftermittlung . . .
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52
53
53
54
4
4.1
4.2
4.2.1
4.2.2
4.2.3
4.3
Schwerpunkt . . . . . . . . .
Begriffsbestimmung, Grundlagen .
Schwerpunktberechnung . . . . .
Körper . . . . . . . . . . . .
Flächen . . . . . . . . . . . .
Linien . . . . . . . . . . . .
Gleichgewichtslagen, Standsicherheit
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57
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58
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61
62
5
5.1
5.2
5.2.1
5.2.2
5.2.3
5.3
5.3.1
5.3.2
5.3.3
5.3.4
5.3.5
5.4
5.4.1
5.4.2
5.5
Reibung . . . . . . . . . . . . . . . .
Allgemeine Grundlagen . . . . . . . . . .
Haft- und Gleitreibung . . . . . . . . . . .
Reibungsgesetz . . . . . . . . . . . . . .
Reibungswinkel, Selbsthemmung, Haftsicherheit
Reibung auf geneigter Ebene . . . . . . . .
Technische Anwendung des Reibungsgesetzes .
Gleitführungen . . . . . . . . . . . . . .
Gewinde . . . . . . . . . . . . . . . .
Reibungskupplungen und -bremsen . . . . . .
Lager . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Rollen und Rollenzüge . . . . . . . . . . .
Seilreibung . . . . . . . . . . . . . . .
Seilreibungsgleichung . . . . . . . . . . .
Technische Anwendung der Seilreibung . . . .
Rollreibung . . . . . . . . . . . . . . .
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66
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76
79
81
82
84
84
85
87
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8
Inhaltsverzeichnis
5.5.1
5.5.2
Rollwiderstand . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Fahrwiderstand . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
6
6.1
6.2
6.2.1
6.2.2
6.3
6.3.1
6.3.2
6.3.3
6.4
6.4.1
6.4.2
6.4.3
6.4.4
Kinematik . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Bewegungsarten . . . . . . . . . . . . . . . .
Geradlinige Bewegung . . . . . . . . . . . . .
Gleichförmige geradlinige Bewegung . . . . . . .
Ungleichförmige geradlinige Bewegung . . . . . .
Kreis- und Drehbewegung . . . . . . . . . . . .
Gleichförmige Kreis- und Drehbewegung . . . . . .
Ungleichförmige Kreis- und Drehbewegung. . . . .
Übersetzung . . . . . . . . . . . . . . . . .
Zusammengesetzte Bewegungen . . . . . . . . .
Geradlinige Bewegungen . . . . . . . . . . . .
Waagerechter und schräger Wurf . . . . . . . . .
Radialbeschleunigung bei Kreisbewegung . . . . .
Relativ- und Absolutbewegung, Coriolisbeschleunigung
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99
101
104
107
107
110
114
115
7
7.1
7.1.1
7.1.2
7.1.3
7.1.4
7.2
7.2.1
7.2.2
7.2.3
7.3
7.3.1
7.3.2
7.3.3
7.3.4
7.4
7.4.1
7.4.2
7.4.3
7.4.4
7.4.5
Kinetik . . . . . . . . . . . . . . . . .
Translation . . . . . . . . . . . . . . . .
Trägheitsgesetz, Grundgesetz der Dynamik . . .
Anwendung des Grundgesetzes der Dynamik . .
Trägheitskraft, Prinzip von d’Alembert . . . .
Impuls, Impulssatz . . . . . . . . . . . . .
Arbeit, Energie, Leistung . . . . . . . . . .
Arbeit einer Kraft . . . . . . . . . . . . .
Energie und Energiesatz. . . . . . . . . . .
Leistung und Wirkungsgrad . . . . . . . . .
Gerader zentrischer Stoß . . . . . . . . . .
Grundlagen . . . . . . . . . . . . . . . .
Elastischer Stoß . . . . . . . . . . . . . .
Plastischer Stoß . . . . . . . . . . . . . .
Wirklicher Stoß . . . . . . . . . . . . . .
Rotation . . . . . . . . . . . . . . . . .
Grundgesetz der Dynamik für Drehbewegung . .
Trägheitsmomente, Steinerscher Satz . . . . .
Drehimpuls, Drehimpulssatz . . . . . . . . .
Arbeit, Energie und Leistung bei Drehbewegung .
Fliehkraft . . . . . . . . . . . . . . . .
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148
148
151
155
156
162
8
8.1
8.2
8.2.1
8.2.2
8.2.3
8.3
8.3.1
8.3.2
8.4
8.4.1
8.4.2
8.4.3
8.4.4
8.4.5
Mechanische Schwingungen . . . . . . . . . . .
Schwingungsarten . . . . . . . . . . . . . . . .
Freie ungedämpfte Schwingungen . . . . . . . . . .
Schwingungen mit geradliniger Bewegung . . . . . .
Pendelschwingungen . . . . . . . . . . . . . . .
Dreh- oder Torsionsschwingungen. . . . . . . . . .
Freie gedämpfte Schwingungen . . . . . . . . . . .
Dämpfungsarten . . . . . . . . . . . . . . . . .
Geschwindigkeitsproportional gedämpfte Schwingungen
Erzwungene Schwingungen . . . . . . . . . . . .
Fremderregung von Schwingsystemen . . . . . . . .
Federkrafterregung . . . . . . . . . . . . . . . .
Unwucht- oder Massenkrafterregung. . . . . . . . .
Kritische Drehzahlen . . . . . . . . . . . . . . .
Schwingungsisolierung . . . . . . . . . . . . . .
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87
88
Inhaltsverzeichnis
9
9
9.1
9.1.1
9.1.2
9.1.3
9.1.4
9.1.5
9.1.6
9.1.7
9.2
9.2.1
9.2.2
9.2.3
9.3
9.3.1
9.3.2
9.3.3
9.3.4
9.3.5
9.3.6
9.3.7
9.4
9.4.1
9.4.2
9.4.3
9.4.4
9.4.5
9.4.6
9.5
9.5.1
9.5.2
9.5.3
9.6
9.6.1
9.6.2
9.6.3
9.7
9.7.1
9.7.2
9.7.3
9.7.4
9.8
9.8.1
9.8.2
9.8.3
9.8.4
Festigkeitslehre . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Spannung und Formänderung . . . . . . . . . . . . .
Begriff der Spannung und der Festigkeit. . . . . . . . .
Freischneiden, Schnittkräfte und -momente . . . . . . .
Normal- und Tangentialspannungen . . . . . . . . . .
Beanspruchungsarten . . . . . . . . . . . . . . . .
Dehnung, Hookesches Gesetz, Elastizitätsmodul . . . . .
Schiebung, Gleitmodul . . . . . . . . . . . . . . . .
Formänderungsarbeit . . . . . . . . . . . . . . . .
Lastfälle, Sicherheiten, zulässige Spannungen . . . . . .
Lastfälle, Betriebsarten . . . . . . . . . . . . . . . .
Werkstofffestigkeiten . . . . . . . . . . . . . . . .
Sicherheiten, zulässige Spannungen . . . . . . . . . .
Zug-, Druck- und Scherbeanspruchung . . . . . . . . .
Beanspruchung auf Zug oder Druck . . . . . . . . . .
Reiß- und Traglänge bei Zugbeanspruchung . . . . . . .
Zugspannungen durch Fliehkräfte . . . . . . . . . . .
Wärmespannungen . . . . . . . . . . . . . . . . .
Flächenpressung . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Walzenpressung . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Beanspruchung auf Scheren (Abscheren) . . . . . . . .
Biegebeanspruchung . . . . . . . . . . . . . . . . .
Biegespannungen in geraden Trägern . . . . . . . . . .
Flächenmomente, Widerstandsmomente . . . . . . . . .
Biegemomente, Quer- und Längskräfte . . . . . . . . .
Berechnung biegebeanspruchter Bauteile . . . . . . . .
Schubspannungen bei Biegebeanspruchung . . . . . . .
Durchbiegung . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Verdrehbeanspruchung (Torsion) . . . . . . . . . . . .
Verdrehbeanspruchung kreisförmiger Querschnitte . . . .
Verdrehung nichtkreisförmiger Querschnitte . . . . . . .
Verdrehwinkel, Formänderungsarbeit . . . . . . . . . .
Zusammengesetzte Beanspruchung . . . . . . . . . . .
Überlagerung von Spannungen, Festigkeitshypothesen . . .
Biegung mit Zug oder Druck . . . . . . . . . . . . .
Biegung mit Verdrehung . . . . . . . . . . . . . . .
Gestaltfestigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Kerbwirkung, Bauteilfestigkeit . . . . . . . . . . . .
Kerbwirkungszahl, Spannungsgefälle . . . . . . . . . .
Berechnung auf Gestaltfestigkeit (Dauerhaltbarkeit) . . . .
Tragfähigkeitsberechnung von Wellen und Achsen nach DIN
Knickung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Stabilitätsproblem Knicken . . . . . . . . . . . . . .
Elastische Knickung . . . . . . . . . . . . . . . . .
Unelastische Knickung . . . . . . . . . . . . . . . .
Omega-Verfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . .
10
10.1
10.2
10.2.1
10.2.2
10.2.3
10.2.4
10.3
Hydromechanik . . . . . . . . . . .
Einteilung, Eigenschaften von Flüssigkeiten
Hydrostatik . . . . . . . . . . . . .
Druckausbreitung in Flüssigkeiten . . . .
Hydrostatischer Druck . . . . . . . . .
Druckkräfte gegen Gefäßwände . . . . .
Auftrieb und Schwimmen . . . . . . .
Hydrodynamik reibungsfreier Strömungen .
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224
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233
233
235
240
252
256
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264
264
267
268
269
269
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274
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301
302
302
306
308
311
316
10
10.3.1
10.3.2
10.3.3
10.3.4
10.4
10.4.1
10.4.2
10.4.3
10.5
10.5.1
10.5.2
10.5.3
Inhaltsverzeichnis
Grundbegriffe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Kontinuitätsgleichung . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Bernoullische Gleichung . . . . . . . . . . . . . . . . .
Anwendungen der Kontinuitäts- und der Bernoullischen Gleichung
Kraftwirkungen stationärer Strömungen . . . . . . . . . . .
Strömungskräfte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Rückstoßkraft eines Flüssigkeitsstrahls . . . . . . . . . . . .
Stoßkräfte von Fluidstrahlen . . . . . . . . . . . . . . . .
Hydrodynamik wirklicher Strömungen . . . . . . . . . . . .
Viskosität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Laminare und turbulente Strömung, Reynolds-Zahl . . . . . . .
Energieverluste in Rohrleitungsanlagen. . . . . . . . . . . .
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316
317
318
320
327
327
329
330
332
332
334
337
Verzeichnis der angeführten DIN-Normen und Richtlinien . . . . . . . . . . . . . . .
342
Literaturhinweise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
343
Sachwortverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
344
Anhang (lose beigefügt):
Tabellen, Diagramme, Formeln
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x.
1
Einführung
1.1
Aufgaben und Gliederung
der Mechanik
Lernziele:
– Die Aufgabenstellung der Technischen Mechanik erläutern.
– Die Gliederung der Mechanik in Teilgebiete angeben
und die Inhalte der Teilgebiete erläutern.
Die Mechanik ist als das älteste Teilgebiet der
Physik eine für die Technik besonders wichtige
Naturwissenschaft. Sie ist die Lehre von den
Bewegungen der Körper und den Wirkungen
der Kräfte auf feste, flüssige und gasförmige
Körper. In der Technischen Mechanik werden
die physikalischen Lehrsätze auf Körper angewendet, die in der Technik als Maschinen, Fahrzeuge, Geräte oder deren Teile vorkommen. Zur
Aufgabenstellung der Technischen Mechanik
gehört die Entwicklung von Methoden zur
schnellen Lösung technischer Probleme, wobei
es nicht immer auf exakte, sondern auf in
kürzester Zeit erreichbare, für die Praxis ausreichende Nährungslösungen ankommt.
Das Gesamtgebiet der Mechanik kann man in
verschiedene Teilgebiete untergliedern:
Die Kinematik ist die Lehre von den Bewegungen, unabhängig von den dabei wirkenden Kräften.
Die Dynamik ist die Lehre von den Kräften und
ihren Wirkungen. Sie wird unterteilt in die Kinetik, in der die Zusammenhänge zwischen
Kräften und Bewegungen dargestellt werden,
und in die Statik als Lehre vom Gleichgewicht
der Kräfte an einem Körper.
Man kann die Statik als Sonderfall der Dynamik ansehen, bei dem zwar Kräfte, aber keine Bewegungsänderungen (Beschleunigungen oder Verzögerungen) auftreten. Die Körper befinden sich im Gleichgewicht (in
Ruhelage oder in gleichförmig geradliniger Bewegung).
Sie werden vereinfacht als starr aufgefasst (Statik starrer Körper). Aufgabe der Statik ist die Ermittlung unbekannter Kräfte. Die Kenntnis der am Körper angreifenden Kräfte ist eine Grundlage der Festigkeitsberechnung technischer Bauteile.
Die Schwingungslehre behandelt Vorgänge, bei denen
sich kennzeichnende Größen so ändern, dass sie nach
bestimmter Zeit wiederkehren. Handelt es sich dabei um
mechanische Größen, so spricht man von mechanischen
Schwingungen.
Wie in der Kinematik reicht es mitunter aus, nur den
zeitlichen Verlauf der Schwingung zu betrachten. Untersucht man die Ursachen einer Schwingung, so müssen
auch die wirkenden Kräfte und Momente einbezogen
werden. Dies entspricht der Kinetik.
Die Festigkeitslehre ist ein besonderes Teilgebiet der Technischen Mechanik. Es werden
die elastisch-festen Körper untersucht, und zwar
der Zusammenhang zwischen den äußeren und
inneren Kräften und den durch diese hervorgerufenen Verformungen. Festigkeitsberechnungen
gehören vornehmlich zu den Aufgaben des
Konstrukteurs, der die Bauteile auf Haltbarkeit
und Stabilität zu berechnen hat.
Die Hydromechanik behandelt in der Hydrostatik die Kraftverhältnisse in ruhenden Flüssigkeiten und in der Hydrodynamik die Vorgänge in
bewegten (strömenden) Flüssigkeiten.
Die Mechanik kann auch nach dem Aggregatzustand (der Zustandsform) der Körper eingeteilt werden in die Mechanik der festen Körper
(unterteilt in starre, elastische und plastische
Körper), Mechanik der flüssigen Körper (Hydromechanik), Mechanik der gasförmigen Körper
(Aeromechanik).
Praxisnachweis
Gründliche Kenntnisse der Technischen Mechanik und
ihrer Verfahren zur Lösung technischer Probleme sind
wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Arbeit
von Technikern und Ingenieuren.
Kontrollfragen:
– Welche Aufgabe hat die Technische Mechanik?
– In welche Teilgebiete kann die Mechanik eingeteilt
werden?
– Welche Inhalte haben die Kinematik, die Kinetik, die
Statik und die Festigkeitslehre?
1.2
Größen und Einheiten
Lernziele:
– Die Begriffe physikalische Größe, Zahlenwert, Einheit und Größengleichung erklären.
– Die in der Technischen Mechanik vorkommenden Basisgrößen und Basiseinheiten sowie deren übliche Vielfache und Teile nennen und Einheiten umrechnen.
– Für zeichnerische Lösungen die Beträge von Größen
in Streckenlängen umrechnen und umgekehrt.
Zur Formulierung der naturwissenschaftlichen
Gesetze bedient man sich der Mathematik und
gibt die Zusammenhänge als Gleichung an. Die
Größen der Mechanik sind physikalische
Größen, für die Buchstaben als Kurzzeichen
(Symbole) eingesetzt werden, z. B. l für Länge,
s für die Wegstrecke, A für Fläche, V für Volumen, m für Masse, t für Zeit, v für Geschwindigkeit. In den Gleichungen (Formeln) treten sie
als Formelzeichen auf (Tab. 1).
Nach DIN 1313 wird der Größenwert als Produkt aus Zahlenwert und Einheit ausgedrückt,
als Wortgleichung:
¨
¼ Zahlenwert Einheit:
Großenwert
12
1 Einführung
Symbolisch wird eine physikalische Größe wie
folgt angegeben: G ¼ fGg ½G:
Darin bedeuten: G die Größe (durch Formelzeichen angegeben), fGg der Zahlenwert der
Größe, [G] die Einheit der Größe.
In der Angabe s ¼ 400 m bedeutet s die Größe,
z. B. eine Wegstrecke, 400 ihren Zahlenwert
ðfsg ¼ 400Þ und m als Meter ihre Einheit
ð½s ¼ mÞ: Das Produkt „400 m“ ist der Größenwert oder Betrag (in der Messtechnik auch
Messwert genannt). Der Zahlenwert gibt an,
wievielmal die Einheit im Größenwert enthalten
ist. Durch den Zahlenwert allein ist eine Größe
nicht vollständig angegeben, die Einheit muss
immer mitgeschrieben werden.
Gleichungen, in denen physikalische Größen
durch Formelzeichen oder durch Zahlenwerte
und Einheiten angegeben sind, heißen Größengleichungen. Darin dürfen außer den Zahlenwerten auch die Symbole für Einheiten gekürzt,
multipliziert und dividiert werden (s. die
Beisp. 1.1 bis 1.8).
Für den Begriff Einheit wird manchmal fälschlicherweise der Ausdruck Dimension verwendet.
In DIN 1313 kennzeichnet man mit Hilfe von
Dimensionen die Art einer Größe. So hat z. B.
die Geschwindigkeit die Dimension Länge
durch Dauer, aber die Einheit Meter durch Sekunde.
Durch das „Gesetz über Einheiten im Messwesen“ ist die Verwendung der Einheiten des Internationalen Einheitensystems (SI-Einheiten)
vorgeschrieben. In der Technischen Mechanik
werden folgende SI-Basiseinheiten der Dimensionen Länge (L), Masse (M), Dauer (T) und
Temperatur (Q) benutzt:
Größe
Name
SI-Basiseinheit
Zeichen Name Zeichen
Länge
Masse
Zeit
Temperatur
(Temperatur
l; s
m
t
T
J
Meter
Kilogramm
Sekunde
Kelvin
Celsius
m
kg
s
K
C)
SI-Basisdimension
Name Zeichen
Länge
Masse
Dauer
Temperatur
L
M
T
Q
Im Einheitengesetz sind die Definitionen der Basiseinheiten angegeben, wie sie von der Internationalen „Generalkonferenz für Maß und Gewicht“ festgelegt wurden. Sie
sind für das Meter und die Sekunde auf Atomstrahlung
bezogen (das Meter wurde am 20. 10. 1983 nach der
Lichtgeschwindigkeit neu festgelegt). Ursprünglich war
das Meter als 40-millionster Teil des Erdumfanges definiert, später als Abstand zweier Markierungen auf einem in Paris aufbewahrten Stab, dem Urmeter. Die Sekunde war ursprünglich der 86400ste Teil des mittleren
Sonnentages (60 s/min 60 min=h 24 h=d ¼ 86400 s=dÞ.
Das Kilogramm war ursprünglich definiert als die Masse von 1 dm3 ¼ 1 Liter Wasser bei 4 C. Heute gilt: Ein
Kilogramm ist die Masse des Internationalen Kilogrammprototyps, des in Paris aufbewahrten Urkilogramms.
Ein Kelvin ist der 273,15te Teil der Temperaturdifferenz
zwischen dem absoluten Nullpunkt (tiefstmögliche Temperatur) und dem Tripelpunkt von Wasser. Ein Kelvin
entspricht genau einem Grad Celsius ( C), zwischen
beiden Temperaturskalen gibt es nur eine Nullpunktverschiebung.
Die Einheiten für andere Größen, wie Geschwindigkeit, Kraft, Leistung usw., sind von
den Basiseinheiten abgeleitet, sie werden aus ihnen gebildet (z. B. für die Geschwindigkeit die
Einheit m/s bzw. m s1 ). Es werden auch Vielfache und Bruchteile von Einheiten verwendet
(Tab. 2). Maßgebend für Einheiten ist DIN 1301,
für Formelzeichen DIN 1304. Einige in der
Technik übliche Vielfache und Teile der Basiseinheiten sind in Tab. 3 angegeben.
Beispiel 1.1
Für eine feingeschlichtete Oberfläche ist eine Rautiefe von 6,3 mm zulässig. Wie viel mm sind das?
Lösung:
Gegeben: Rt ¼ 6,3 mm.
Gesucht: Rt in mm.
1
mm (nach Tab. 3) wird
Mit 1 mm ¼
1000
1
mm ¼ 0,0063 mm
Rt ¼ 6,3 mm ¼ 6,3
1000
oder durch Erweitern
1 mm
Rt ¼ 6,3 mm
¼ 0,0063 mm,
1000 mm
da sich mm herauskürzt.
Beispiel 1.2
Welche Innenhöhe in mm muss ein Behälter für ein
Fassungsvermögen von 4000 Litern mindestens haben, wenn seine quadratische Grundfläche 2,5 m2 beträgt?
Lösung:
Gegeben: V ¼ 4000 l ¼ 4 103 dm3 , A ¼ 2,5 m 2 .
Gesucht: h in mm.
Da 1 dm3 ¼ ð100 mmÞ3 und 1 m2 ¼ ð1000 mmÞ2 sind,
betragen
V ¼ 4 103 dm3
ð100 mmÞ3
¼ 4 109 mm3 ,
dm3
ð1000 mmÞ2
¼ 2,5 106 mm2 :
m2
Aus der bekannten Gleichung für das Volumen
V ¼ A h folgt für die gesuchte Innenhöhe
A ¼ 2,5 m2
h¼
V
4 109 mm3
¼
¼ 1,6 103 mm ¼ 1600 mm:
A 2,5 106 mm2
.d
1.2 Größen und Einheiten
Mit den vorgenannten Umrechnungsbeziehungen erhält man auch ohne Zwischenrechnung in einem einzigen Rechnungsgang:
13
oder mit der Größe G und der zugehörigen Strecke Ggez :
mG ¼
G
G gez
ð1:1Þ
V 4 103 dm3 ð100 mmÞ3 m2
h¼ ¼
¼ 1600 mm,
A
2,5 m2 dm3 ð1000 mmÞ2
Maßstabfaktor
da sich dm3 , m2 und mm2 herauskürzen.
Entspricht z. B. 1 cm einer Zeichnung dem
Größenwert 5 m, d. h. 1 cm ¼
b 5 m, dann beträgt
der Längenmaßstabfaktor m1 ¼ 5 m/cm (5 Meter
je Zentimeter).
Aus Gl. (1.1) ergibt sich für eine darzustellende
Größe G die zu zeichnende
Beispiel 1.3
Ein Geräteteil wiegt 0,0375 g. Seine Masse in mg ist
anzugeben.
Lösung:
Gegeben: m ¼ 0,0375 g.
Gesucht: m in mg.
Nach den Tabn. 2 und 3 ist 1 mg ¼ 103 g bzw.
1 g ¼ 1000 mg. Somit ist
1000 mg
¼ 37,5 mg oder kürzer
m ¼ 0,0375 g
g
m ¼ 0,0375 1000 mg ¼ 37,5 mg:
Beispiel 1.4
Wie viel kg wiegen die Massen 8,6 t und 4,2 Mt?
Lösung:
Gegeben: m1 ¼ 8,6 t, m2 ¼ 4,2 Mt.
Gesucht: m1 und m2 in kg.
Nach den Tabn. 2 und 3 ergeben sich:
m1 ¼ 8,6 1000 kg ¼ 8600 kg,
m2 ¼ 4,2 106 t ¼ 4,2 106 103 kg ¼ 4,2 109 kg:
Beispiel 1.5
Die Zeitangabe „78 Min. 45 Sek.“ ist in Stunden, in
Minuten und in Sekunden umzurechnen (Zahlenwerte als Dezimalzahlen).
Lösung:
Gegeben: t ¼ 78 min þ 45 s.
Gesucht: t in h, in min und in s.
Nach Tab. 2:
1
1
h þ 45
h
t ¼ 78 min þ 45 s ¼ 78
60
3600
¼ ð1,3 þ 0,0125Þ h ¼ 1,3125 h,
t ¼ 78 min þ 45
1
min ¼ ð78 þ 0,75Þ min
60
¼ 78,75 min
t ¼ 78 60 s þ 45 s ¼ ð4680 þ 45Þ s ¼ 4725 s:
Bei zeichnerischen Verfahren und in Diagrammen werden Größen als Strecken dargestellt.
Dafür benötigt man einen Maßstab, der zweckmäßigerweise als Maßstabfaktor angegeben wird.
Es gilt
¨
darzustellende Große
Maßstabfaktor ¼
zugeordnete Strecke
Streckenlange
Ggez ¼
¨
G
mG
ð1:2Þ
Einer gezeichneten Strecke Ggez entspricht beim
Maßstabfaktor mG die
Große
G ¼ Ggez mG
¨
ð1:3Þ
Mit den Maßstabfaktoren wird bei Berechnungen wie mit Größen verfahren; die Einheiten
sind immer mitzuschreiben.
Beispiel 1.6
In einem Diagramm sollen verschiedene Volumen
durch Balken dargestellt werden. Mit welchem Maßstabfaktor sind die Balkenlängen zu errechnen, wenn
das größte Volumen von 200 m3 mit einer Länge von
8 cm zu zeichnen ist?
Lösung:
Gegeben: V ¼ 200 m3 , Vgez ¼ 8 cm:
Gesucht: mV in m3 /cm.
Entspr. Gl. (1.1) ist
mV ¼
V
200 m3
¼
¼ 25 m3 =cm:
Vgez
8 cm
Beispiel 1.7
Wie groß ist die zu zeichnende Streckenlänge in mm
für einen Abstand von 10,5 m bei einer Maßstabangabe 1 cm ¼
b 5 m?
Lösung:
Gegeben: l ¼ 10,5 m, m1 ¼ 5 m=cm:
Gesucht: lgez in mm.
Entspr. Gl. (1.2)
l
10,5 m
¼ 2,1 cm ¼ 21 mm:
¼
lgez ¼
m1 5 m=cm
Beispiel 1.8
Welchen Betrag in m/s hat eine Geschwindigkeit, die
mit einer Strecke von 3,6 cm dargestellt ist, wenn die
Zeichnung die Angabe 10 mm ¼
b 20 km/h enthält?
Lösung:
km=h
:
Gegeben: vgez ¼ 3,6 cm, mv ¼ 20
cm
Gesucht: v in m/s.
14
1 Einführung
Entspr. Gl. (1.3)
v ¼ vgez mv ¼ 3,6 cm 20
¼ 72
km=h
km
¼ 72
cm
h
1000 m
¼ 20 m=s:
3600 s
Eine Größengleichung zeigt die Beziehung zwischen physikalischen Größen. In einer Zahlenwertgleichung wird lediglich die Beziehung
zwischen den Zahlenwerten von Größen dargestellt. Sie gilt nur für bestimmte Einheiten,
die stets besonders angegeben werden müssen.
Beispiele für Zahlenwertgleichungen, die in der
Technik gelegentlich vorkommen, werden am
Ende der Abschnitte 6.3 und 7.4 erläutert.
Praxishinweis
Größengleichungen haben gegenüber Zahlenwertgleichungen den Vorteil, dass sie unabhängig von der Wahl
der Einheiten gelten. Sie sind bevorzugt anzuwenden.
Umrechnungen von Einheiten können mit ihnen übersichtlich durchgeführt werden. Bei Verwendung von Maßstabfaktoren wird die Beziehung zwischen einer Größe
und der zugehörigen Strecke ebenfalls durch eine Größengleichung ausgedrückt. Die noch häufig anzutreffende
Schreibweise der in eckigen Klammern eingeschlossenen
Einheitenzeichen ist nach DIN 1313 nicht zulässig.
Kontrollfragen:
– Was versteht man unter einer physikalischen Größe?
– Was ist eine Größengleichung?
– Welche SI-Basisdimensionen und welche SI-Basiseinheiten kommen in der Technischen Mechanik vor?
– Welche Vielfache und Teile der Basiseinheiten sind
in der Technik üblich?
– Was versteht man unter Maßstabfaktoren, und wozu
dienen sie?
1.3
Bild 1.1 Kartesisches Koordinatensystem der Ebene
Nullpunktes auf der Ordinate liegen positive
Werte, links bzw. unterhalb des Nullpunktes negative. Die Ebene wird durch die Koordinatenachse in vier Bereiche geteilt. Diese werden
Quadranten genannt und von der positiven Abszisse aus im mathematisch positiven Drehsinn
(linksdrehend) mit I, II, III und IV bezeichnet.
Durch Angabe von Werten auf der Abszisse und
der Ordinate lässt sich jeder Punkt in der Ebene
eindeutig festlegen.
Sollen Punkte im Raum bestimmt werden, so
muss eine dritte, senkrecht auf der durch die xund y-Koordinaten gebildeten Ebene stehende
und ebenfalls durch den Nullpunkt gehende Koordinate hinzugefügt werden. Nach DIN 4895
werden die Koordinaten mit x, y und z bezeichnet (Bild. 1.2). Es sind auch davon abweichende
Angaben für die Koordinatenachsen möglich,
wie z. B. in DIN 1080 festgelegt.
Koordinatensysteme
Lernziele
– Die Notwendigkeit von Koordinatensystemen erkennen.
– Den Aufbau eines rechtwinkligen Koordinatensystems erklären.
– Bezeichnungen und Vorzeichenregeln für kartesische
Koordinatensysteme nennen.
– Die Ebene in Quadranten einteilen.
Die Lage einzelner Punkte in der Ebene oder im
Raum kann mithilfe von Koordinatensystemen
eindeutig bestimmt werden. Beim meist angewendeten kartesischen Koordinatensystem stehen die Koordinatenachsen senkrecht aufeinander (Bild 1.1). Die waagerechte x-Achse oder
Abszisse und die senkrechte y-Achse oder Ordinate schneiden sich im Nullpunkt 0. Rechts vom
Nullpunkt auf der Abszisse und oberhalb des
Bild 1.2 Räumliches kartesisches Koordinatensystem
Kontrollfragen:
– Wie ist ein rechtwinkliges Koordinatensystem aufgebaut und welche Vorzeichenregeln gelten?
– Was versteht man unter dem mathematisch positiven
Drehsinn?
– Wie können einzelne Punkte in der Ebene und im
Raum eindeutig definiert werden?
– Wo liegen die vier Quadranten im Koordinatensystem
der Ebene?
2
Statik starrer Körper
2.1
Die Kraft
Lernziele
– Den Kraftbegriff definieren und die Krafteinheit angeben, den Vektorcharakter von Kräften erläutern
und Kräfte grafisch darstellen.
– Den Verschiebesatz und das Wechselwirkungsgesetz
als Erfahrungssätze an Beispielen erläutern.
– Das Verfahren des Freimachens von Körpern als Voraussetzung für die Darstellung des Kräftegleichgewichts und für die Ermittlung von Kräften erläutern
und auf Bauteile anwenden sowie die Auflagerarten
und ihre symbolische Darstellung angeben.
2.1.1
den Punkten A und B des Seiles in Bild 2.1 anfassenden Personen mit gleich großer Kraft ziehen, wenn das Seil in der Ruhelage bleiben soll.
Um ein Gewichtsstück in der Ruhelage zu halten, muss man der Gewichtskraft mit einer
gleich großen Kraft entgegenwirken (Bild 2.2).
Nach der Definition des Kraftbegriffs besteht
auch bei der gleichförmig geradlinigen Bewegung Kräftegleichgewicht, da keine Änderung
der Geschwindigkeit erfolgt.
Kennzeichnung und Darstellung von
Kräften
Aus der Erfahrung des täglichen Lebens ist der
Begriff Kraft vor allem als Muskelkraft bekannt.
Ebenso kennt man die Federkraft, die Magnetkraft, die Windkraft, die Wasserkraft. Kräfte
sind nicht sichtbar, sondern nur an ihren Wirkungen erkennbar.
Beim Spannen einer Feder durch den menschlichen Muskel wird die Feder verformt. Ursache
der Verformung ist eine Kraft, ihre Wirkung ist
die Formänderung. Wenn ein Magnet ein Stück
Eisen anzieht, ist die Zugkraft selbst nicht zu
sehen, jedoch ihre Wirkung, da das Eisenstück
zum Magneten hin bewegt wird. Infolge der
Erdanziehungskraft, der Schwerkraft, werden
alle Körper von der Erde angezogen und beim
Fallen in Richtung Erdmittelpunkt bewegt. In
der Mechanik wird diese Kraft als Gewichtskraft bezeichnet. Auch durch die Gewichtskraft
können Körper verformt oder in Bewegung gesetzt werden.
Allgemein gilt für die
Kraft als physikalische Größe:
Eine Kraft ist die Ursache für die Verformung oder Bewegungsänderung eines Körpers.
Demnach müssen überall, wo sich Geschwindigkeiten ändern oder Körper verformt werden,
Kräfte wirken.
Bild 2.1 Gleichgewicht zweier Kräfte beim Seilziehen
Heben sich die Wirkungen zweier oder mehrerer
Kräfte an einem ruhenden Körper auf, so bleibt
er im Ruhezustand, d. h. die Kräfte sind im
Gleichgewicht. Beispielsweise müssen die an
Bild 2.2 Kräftegleichgewicht
zwischen Handkraft und
Gewichtskraft
Das ist z. B. der Fall bei einer Hubbewegung mit
gleich bleibender Hubgeschwindigkeit. Die dabei
an einem Lasthaken (Bild 2.3) wirkenden Kräfte,
die lotrecht nach unten gerichtete Gewichtskraft
der angehängten Last und die nach oben gerichtete Zugkraft der Kette, sind gleich groß.
Bild 2.3 Kräftegleichgewicht an
einem Lasthaken
Kräfte, die gleiche Wirkungen hervorrufen, sind gleich.
Darauf beruht die Messbarkeit von Kräften. Die Messung von Kräften kann z. B. mittels geeichter Federwaagen oder Gewichtsstücke (Wägestücke) erfolgen. Die zu
messende Kraft wird entweder mit der Federkraft oder
der Gewichtskraft verglichen. Jede Messung ist ein Vergleich mit einer festgelegten Einheit.
Die Einheit der Kraft ist das N (Newton1),
gesprochen: njuten). Es ist eine aus den Basis1)
Isaak Newton (1643 bis 1723), engl. Physiker
16
einheiten des Internationalen Einheitensystems
(SI-Einheiten) abgeleitete Einheit mit der Definitionsgleichung
1 N ¼ 1 kg m/s2
In Worten lautet die Definition der Krafteinheit:
1 N ist gleich der Kraft, die einem Körper
mit der Masse 1 kg die Beschleunigung
1 m/s2 erteilt.
In der Technik werden oftmals auch die Einheiten
kN und MN verwendet (1 kN ¼ 1000 N ¼ 103 N,
1 MN ¼ 106 N). Als Formelzeichen für die Kraft
ist der Buchstabe F (von force, engl.) in DIN 1304
festgelegt. Verschiedene Kräfte werden durch Indizes1) unterschieden, z. B. F1, F2, Fa, Fb, FA und
dgl.
2 Statik starrer Körper
Der Betrag oder Größenwert, gegeben durch
das Produkt aus Zahlenwert und Einheit oder
bei zeichnerischer Darstellung durch eine maßstäbliche Strecke (Bild 2.5), die Vektorlänge,
die Lage, gekennzeichnet durch einen Punkt
der Wirklinie, den Angriffspunkt,
die Richtung oder der Richtungssinn, ausgedrückt durch den Richtungspfeil am Kraftvektor.
Unter der Wirklinie einer Kraft versteht man
die durch den Kraftvektor verlaufende Gerade.
Die Vektorlänge wird mit einem Kräftemaßstabfaktor mF errechnet. Da der Richtungspfeil am
Kraftvektor die Kraft bereits als Vektor kennzeichnet, kann in Zeichnungen der Pfeil über F
entfallen.
Die Definition der Krafteinheit beruht auf der bewegungsändernden Kraftwirkung (s. auch DIN 1305) und
folgt aus dem Grundgesetz der Dynamik: F ¼ m a
(Gl. (7.3), Abschn. 7.1.1; die kinematische Größe Beschleunigung a mit der Einheit m/s2 wird im Abschnitt 6.2.2 behandelt).
Die Erfahrung zeigt, dass die Wirkung einer Kraft
nicht nur von ihrem Betrag (dem Größenwert)
abhängt, sondern auch von ihrer Lage am Körper,
gekennzeichnet durch den Angriffspunkt, und
außerdem von ihrer Wirkrichtung, was am Beispiel eines Wagens in Bild 2.4 dargestellt ist.
Bild 2.4 Gleich große Kräfte, die verschiedene Wirkungen hervorrufen
Die Kraft ist demnach eine gerichtete Größe.
Physikalische Größen, die erst durch Betrag und
Wirkrichtung vollständig angegeben sind, nennt
man Vektoren, z. B. Kräfte, Geschwindigkeiten,
Beschleunigungen. Größen, die allein durch
Zahlenwert und Einheit bestimmt sind, heißen
Skalare, wie z. B. Zeit, Temperatur, Masse. Zur
Kennzeichnung einer Kraft als vektorielle Größe
wird nach DIN 1313 ein Pfeil über das Formel~. Wenn nur
zeichen gesetzt, und man schreibt F
der Betrag einer Kraft symbolisch anzugeben
ist, wird F ohne Pfeil geschrieben.
Zur eindeutigen Bestimmung einer Kraft gehören folgende drei Angaben:
1)
auch als Nebenzeiger oder Fußzeichen bezeichnet
Bild 2.5 Zeichnerische Darstellung einer Kraft
Beispiel 2.1
Wie groß ist die zu zeichnende Vektorlänge in cm
für eine Kraft von 1800 N bei einem Kräftemaßstabfaktor von 400 N/cm?
Lösung:
Gegeben: F ¼ 1800 N, mF ¼ 400 N/cm.
Gesucht: Fgez in cm.
Entspr. Gl. (1.2) wird
F
1800 N cm
Fgez ¼
¼ 4,5 cm:
¼
mF
400 N
Beispiel 2.2
Welchen Betrag in kN hat eine Kraft, deren Vektor
32 mm lang ist, wenn die Zeichnung folgende Angabe enthält: 1 cm ¼
b 500 N?
Lösung:
Gegeben: Fgez ¼ 32 mm ¼ 3,2 cm, mF ¼ 500 N/cm.
Gesucht: F in kN.
Entspr. Gl. (1.3):
F ¼ Fgez mF ¼ 3,2 cm 500 N=cm ¼ 1600 N
¼ 1,6 kN:
Eine besonders wichtige Kraft in der Statik ist
die bereits erwähnte Gewichtskraft FG (als Formelzeichen ist neben FG auch der Buchstabe G
genormt). Ihr Betrag kann aus der Masse m eines
2.1 Die Kraft
Körpers und der infolge der Erdanziehung auf ihn
wirkenden Fallbeschleunigung g ¼ 9,81 m/s2
errechnet werden nach der Gleichung FG ¼ m g
(Gl. (7.4), Abschn. 7.1.1). Sie ist stets lotrecht
nach unten gerichtet (zum Erdmittelpunkt hin).
Ihr Angriffspunkt ist der Schwerpunkt des
Körpers (s. Abschn. 4.2.1). Damit sind Betrag,
Lage und Richtung der Gewichtskraft bekannt.
Beispiel 2.3
Für drei Körper mit den Massen 1 kg, 50 kg und
10 t sind die Gewichtskräfte zu errechnen.
Lösung:
Gegeben: m1 ¼ 1 kg, m2 ¼ 50 kg,
m3 ¼ 10 t ¼ 10 103 kg.
Gesucht: FG1 , FG2 und FG3 .
Nach der Gl. FG ¼ m g wird
FG1 ¼ m1 g ¼ 1 kg 9,81 m=s2 ¼ 9,81 kgm=s2
¼ 9,81 N,
FG2 ¼ m2 g ¼ 50 kg 9,81 m=s2 ¼ 490,5 N,
FG3 ¼ m3 g ¼ 10 103 kg 9,81 m=s2 ¼ 98,1 kN:
In der Natur sind Kräfte entweder auf ein Volumen verteilt, Volumenkräfte genannt, oder auf
eine Fläche als so genannte Flächenkräfte. Die
Gewichtskraft und die Magnetkraft sind Volumenkräfte; sie wirken auf alle Teilchen eines
Körpers. Flächenkräfte sind beispielsweise die
Windkraft oder die auf eine Kolbenfläche wirkende Wasserkraft in einer Kolbenpumpe. Die
Vorstellung der in einem Punkt wirkenden
Einzelkraft ist eine Idealisierung. Die Einzelkraft wird ersatzweise für die verteilten Kräfte
eingesetzt und ist als deren Summe ihre Resultierende. In der Statik verwendet man auch den
Ausdruck Streckenkraft für Kräfte, die auf
einer Bauteillänge verteilt wirken. Ferner unterscheidet man ebene (Abschn. 2.2 u. 2.3) und
räumliche Kräftesysteme (Abschn. 2.4).
2.1.2
Verschiebesatz und
Wechselwirkungsgesetz
Zur Erhaltung des Kräftegleichgewichts beim
Seilziehen (s. Bild 2.1) spielt die Lage der Angriffspunkte der Kräfte keine Rolle. Ihre Wirkung bleibt dieselbe, unabhängig davon, ob die
Angriffspunkte dicht beieinander oder weit von-
17
einander entfernt liegen. Ebenso verhält es sich
beim Fortbewegen eines Wagens (Bild 2.6). Für
den Bewegungsvorgang ist es bedeutungslos, ob
an einem Seil oder unmittelbar am Zughaken
gezogen oder auf derselben Wirklinie hinten am
Wagen direkt oder mittels einer Stange geschoben wird. Diese Tatsache wird ausgedrückt im
Verschiebesatz:
Kräfte am starren Körper dürfen auf ihrer
Wirklinie beliebig verschoben werden.
Wird auf einen Körper eine Kraft ausgeübt, so
reagiert er mit einer gleich großen Gegenkraft.
Beim Seilziehen spürt man, dass das Seil an der
Hand zieht. Am Lasthaken (s. Bild 2.3) zieht die
Kette nach oben, der Haken zieht an der Kette
nach unten. Ein Körper drückt mit der Gewichtskraft FG auf seine Unterlage, diese drückt
mit der gleich großen Kraft F gegen den Körper
(Bild 2.7). Von den an einer Berührungsstelle
zweier Körper paarweise auftretenden Kräften
ist eine die Aktions-, die andere die Reaktionskraft. Diese Erfahrungstatsache wird ausgedrückt
im Wechselwirkungs- oder Reaktionsgesetz:
Kräfte, mit denen zwei Körper aufeinander
wirken, haben eine gemeinsame Wirklinie
und sind gleich groß, aber entgegengesetzt
gerichtet (Aktionskraft ¼ Reaktionskraft).
Bild 2.7 Gewichtskraft FG
und Gegenkraft F
als Reaktionskraft
Das Zugfahrzeug und der Anhänger in Bild 2.8
drücken mit einem bestimmten Teil der auf sie
wirkenden Gewichtskraft an jedem Rad gegen
den Boden. Dieser wiederum drückt mit gleich
großen, entgegengesetzt gerichteten Reaktionskräften, die auch Stützkräfte genannt werden,
gegen die Räder. Während der Fahrt zieht der
Zugwagen am Hänger (Aktionskraft) ebenso wie
der Hänger am Zugwagen (Reaktionskraft).
Bild 2.6 Auf einer Wirklinie an verschiedenen Punkten angreifende Kraft F
18
2 Statik starrer Körper
Bild 2.8 Aktions- und Reaktionskräfte an Fahrzeugen
Erfahrungstatsachen, wie der Verschiebesatz und das
Wechselwirkungsgesetz, das erstmalig von Newton formuliert wurde, nennt man Axiome1). Das sind nicht beweisbare, sondern durch Erfahrung bestätigte Lehrsätze.
Auf ihrer Grundlage werden andere Lehrsätze aufgebaut. Wegen des Verschiebesatzes sind Kräfte am starren Körper linienflüchtige Vektoren. Dies gilt nicht für
die Ermittlung der Verformung von Bauteilen in der
Festigkeitslehre. Dabei ist der Angriffspunkt von Bedeutung und die Kraft ist ein gebundener Vektor.
2.1.3
Freimachen und Lagerungsarten
Bei der Lösung von Aufgaben der Statik ist vorzugsweise das Kräftegleichgewicht an Körpern
(Bauteilen, Maschinen, Geräten) zu untersuchen.
Dafür ist die Kenntnis aller am Körper angreifenden Kräfte erforderlich. Diese Kräfte wirken
an den Berührungsstellen mit anderen Körpern.
Nach dem Wechselwirkungsgesetz treten an diesen Stellen Aktions- und Reaktionskräfte auf.
Will man sich über die an einem Körper angreifenden Kräfte Klarheit verschaffen, so löst man
ihn in Gedanken an allen Stütz-, Berührungsund Verbindungsstellen aus seiner Umgebung
heraus (macht ihn frei) und ersetzt die weggedachten Teile durch die Kräfte, die sie an der
freigemachten Stelle auf den zu untersuchenden
Körper ausüben. Dieses Verfahren wird als
Freimachen bezeichnet und beruht auf der
Anwendung des Wechselwirkungsgesetzes. Im
freigemachten Zustand kann ein Körper stark
vereinfacht dargestellt werden. Bild 2.9 zeigt
einen auf diese Weise freigemachten Hebel.
An allen Stellen, wo ein freizumachender Körper
gedanklich von seiner Umgebung getrennt wird,
in Lagern und Gelenken, an Stütz- und Führungsflächen, an Seilen, Aufhängungen usw.,
werden die auf ihn wirkenden Kräfte als Vektoren angesetzt. An Verbindungsstellen mit unbekannter Kraftrichtung trägt man bei ebenen
Kräftesystemen zwei senkrecht aufeinander wirkende Kräfte ein, da jede Kraft in zwei senkrechte Komponenten zerlegt werden kann
(s. Beisp. 2.7). Liegt die Richtung der Komponenten nicht eindeutig fest, so sind sie in der
Regel im positiven Sinne der Koordinatenachsen
1)
Axiom (griech.) ¼ Forderung
Bild 2.9 Freimachen eines Hebels
a) Hebelsystem, b) freigemachter Hebel
einzutragen. Die Gewichtskraft darf vernachlässigt werden, wenn sie gegenüber den anderen
Kräften relativ klein ist.
Beim Freimachen werden die auf einen Körper
wirkenden äußeren Kräfte dargestellt. Auch die Gewichtskraft ist eine äußere Kraft. Sollen innere Kräfte
ermittelt werden, so denkt man sich einen Schnitt durch
das Bauteil und trägt an der Schnittstelle die vom
weggeschnittenen Teilstück ausgeübten Kräfte ein. Dieses Verfahren heißt Freischneiden (s. Abschn. 9.1.2).
Dabei werden die inneren zu äußeren Kräften und
können mit den Regeln der Statik bestimmt werden.
Die Berührungs- und Verbindungsstellen, an denen die Kräfteübertragung zwischen Bauteilen
stattfindet, werden auch als Auflager bezeichnet, die dort wirkenden Reaktionskräfte dementsprechend als Auflagerkräfte. Durch die Art
der Lagerung sind meistens Wirklinie und Richtung dieser Kräfte bestimmt. Nachfolgend werden die wichtigsten Kraftübertragungselemente
und Lagerungsarten erläutert, die beim Freimachen eine besondere Rolle spielen, Reibungskräfte sind dabei vernachlässigt:
Seile
Seile, Riemen, Ketten (Bild 2.10) und ähnliche
flexible Elemente können nur Zugkräfte übertragen. Durch Rollen werden die Wirklinien der
Kräfte umgelenkt.
Bild 2.10 Kräfte an Seilen und Ketten
a) Anordnung, b) Seil und Kette freigemacht
2.1 Die Kraft
Pendelstützen
Pendelstützen und Zweigelenkstäbe (Bild 2.11)
nehmen nur Längskräfte (Zug- oder Druckkräfte) auf.
19
zur Führungsebene bzw. senkrecht zur möglichen Bewegungsrichtung (Normalkräfte).
Bild 2.11 Pendelstütze und Zweigelenkstab
a) druckbeanspruchte Pendelstütze,
b) zugbeanspruchter Zweigelenkstab
Parallelführungen
Einseitige Parallelführungen (Bild 2.12) und
ebene Stützflächen können nur Druckkräfte
übertragen, deren Wirklinien senkrecht auf den
Stütz- oder Führungsflächen stehen, so genannte
Normalkräfte.
Bild 2.12 Freimachen von Parallelführungen
a) Maschinenteil mit Führungen,
b) freigemachtes Maschinenteil
Bild 2.14 Loslager
a) Ausführungen, b) Symbole, c) freigemachtes Bauteil mit Loslagerkraft als Normalkraft
FN
Festlager
Dabei handelt es sich um Lager, die ein Längsverschieben verhindern, und um feste Gelenkverbindungen (Bild 2.15). Sie können Kräfte in beliebiger Richtung aufnehmen und sind für die
Übertragung von Längs- und Querkräften
(Axial- und Radialkräften) geeignet.
Rollkörper
Das sind Kugeln und Zylinder (Bild 2.13) und
ähnliche Körper. Sie übertragen nur Druckkräfte, deren Wirklinien durch ihren Mittelpunkt gehen bzw. auf der Tangente im Berührungspunkt
senkrecht stehen (Normalkräfte). Das gilt ebenfalls für gewölbte Berührungsflächen beliebiger
Form.
Bild 2.13 Stützkräfte an Rollkörpern
a) ebene Berührungsflächen,
b) gewölbte Berührungsflächen
Loslager
Das sind Lager, die eine Längsverschiebung des
gelagerten Bauteils (z. B. Achse oder Welle) zulassen, und verschiebbare Gelenkverbindungen
(Bild 2.14). Sie übertragen wie Parallelführungen und Rollkörper nur Druckkräfte senkrecht
Bild 2.15 Festlager
a) Ausführungen, b) Symbole, c) freigemachtes Bauteil mit den Festlagerkräften Fx
(Längskraft) und Fy (Querkraft)
Einspannungen
Eine feste Einspannung (Bild 2.16) verhindert
jede Art von Bewegung des so gelagerten Bauteils. Sie lässt weder Verschiebungen noch Drehungen zu. Als Reaktionen können Kräfte in
beliebiger Richtung (Längs- und Querkräfte)
und ein Moment (Abschn. 2.3.1) auftreten.
20
2 Statik starrer Körper
Bild 2.16 Feste Einspannungen
a) Ausführungen, b) Prinzipskizze, c) an der
Einspannstelle freigeschnittenes Bauteil mit
dem inneren Kräftesystem, bestehend aus
Längskraft Fl, Querkraft Fq und Moment M
Die Lagerungen werden auch nach dem Freiheitsgrad
beurteilt. Darunter versteht man die Anzahl der Bewegungsmöglichkeiten eines Körpers. Im Raum hat jeder
Körper sechs Bewegungsmöglichkeiten: Verschiebungen
in Richtung der drei Koordinatenachsen und Drehungen
um diese Achsen. Das sind sechs Freiheitsgrade. In der
Ebene sind es nur drei, nämlich Verschiebungen in
Richtung von zwei Koordinatenachsen und Drehung um
eine zur Ebene senkrechte Achse. Lagerungen verringern die Zahl der Freiheitsgrade. Beim Loslager hat der
Körper noch zwei Freiheitsgrade, das Lager ist einwertig. Festlager gestatten nur einen Freiheitsgrad und
sind zweiwertig. Feste Einspannungen haben keinen
Freiheitsgrad und sind dreiwertig. Mit der Wertigkeit
wird die Anzahl der Unbekannten beim rechnerischen
Ansatz zur Bestimmung der Auflagerreaktionen ausgedrückt.
Es wird nochmals darauf hingewiesen, dass bei vorstehenden Betrachtungen Reibungskräfte vernachlässigt
sind (die Berücksichtigung der Reibung beim Freimachen erfolgt im 5. Kapitel)!
Bild 2.17 Getriebewelle mit Los- und Festlager
a) Zeichnung, b) Prinzipskizze, c) freigemachte Welle
Am Kegelrad tritt außer den angegebenen Kräften
(Bild 2.17b) noch eine zur Zeichnungsebene senkrecht
wirkende Tangentialkraft auf, die hier nicht eingetragen
wurde. Die Kräfte an Kegelrädern ergeben ein räumliches
Kräftesystem (Abschn. 2.4, s. a. Beisp. 2.33). Die Eigengewichtskraft der Welle kann vernachlässigt werden.
Beispiel 2.4
Bild 2.18a zeigt in vereinfachter Darstellung den
Kurbeltrieb eines Verbrennungsmotors. Die Pleuelstange ist freizumachen unter Vernachlässigung ihres
Eigengewichts.
Um Fehler beim Freimachen zu vermeiden, empfiehlt sich ein systematisches Vorgehen nach
folgenden Arbeitsschritten:
1. Schritt: Prinzipskizze mit schematischer Darstellung des freizumachenden Bauteils anfertigen.
2. Schritt: Kraftangriffspunkte und Wirklinien
der Kräfte einzeichnen unter Beachtung der
durch die Lagerungsarten gegebenen Bedingungen.
3. Schritt: Kräfte unmaßstäblich mit Richtungspfeilen und Bezeichnungen eintragen.
Bild 2.17 zeigt das Freimachen am Beispiel einer Getriebewelle. Der 1. Schritt ist im Bildteil b) dargestellt. Im Bildteil c) sind der 2. und
3. Schritt vollzogen.
Bild 2.18 Freimachen einer Pleuelstange
a) Kurbeltrieb als Tauchkolben-Triebwerk,
b) freigemachte Pleuelstange
2.1 Die Kraft
Lösung:
1. Schritt: Skizzieren der Pleuelstange als Pendelstange.
2. Schritt: Kraftangriffspunkte sind die Gelenkmittelpunkte am Kolbenbolzen B und am Kurbelzapfen
A, die Wirklinie geht durch beide Punkte.
3. Schritt: Einzeichnen der am Kolbenbolzen in die
Stange eingeleiteten Druckkraft FB (Pfeilspitze zur
Stange hin) und der vom Kurbelzapfen ausgeübten
Gegenkraft FA (Bild 2.18b).
Beispiel 2.5
Der Hebel des in Bild 2.19a vereinfacht dargestellten
Sicherheitsventils ist freizumachen, wobei die Gewichtskräfte des Hebels und des Ventiltellers zu vernachlässigen sind.
21
Leiter ist unter Vernachlässigung ihres Eigengewichts freizumachen.
Bild 2.20 Freimachen einer Leiter
a) angelehnte Leiter, b) Prinzipskizze,
c) freigemachte Leiter
Lösung:
1. Schritt: Skizzieren der Leiter mit Festlager A am
Boden und Loslager B am Rohr (Bild 2.20b).
2. Schritt: Bei A horizontale und vertikale Wirklinien der Festlagerkräfte FAx und FAy, bei B Wirklinie
der Loslagerkraft FB senkrecht zur Leiter einzeichnen.
3. Schritt: Kräfte mit Richtungspfeilen wie in
Bild 2.20c einzeichnen und benennen.
Bild 2.19 Freimachen eines Ventilhebels
a) Vereinfachte Ventildarstellung,
b) Prinzipskizze, c) freigemachter Hebel
Lösung:
1. Schritt: Skizzieren des Hebels mit Gewichtskraft
FG des Belastungsgewichts (im Schwerpunkt S0 lotrecht abwärts gerichtet), dem Ventilteller als Loslager
und dem Lagerbock als Festlager (Bild 2.19b).
2. Schritt: Gelenkmittelpunkte als Kraftangriffspunkte markieren und Wirklinien parallel zur Gewichtskraft einzeichnen (eine Längskraft am Festlager ist nicht vorhanden, da keine Belastungskraft
in Hebellängsrichtung wirkt).
3. Schritt: Einzeichnen der durch den Druck p auf
den Ventilteller ausgeübten, aufwärts wirkenden Kraft
F und der aufwärts (positiv) angenommenen Lagerkraft FL, die vom Bolzen im Lagerbock auf den Hebel
als Reaktionskraft ausgeübt wird.
Beispiel 2.6
Die in Bild 2.20a gezeigte Leiter ist an einer festen
Leiste abgestützt. Sie lehnt an einem Rohr und wird
mit der Gewichtskraft FG einer Person belastet. Die
Beispiel 2.7
In Bild 2.21a ist eine an Scharnieren befestigte Tür
dargestellt. Die Tür und die Scharnierhaken sind
freizumachen.
Lösung:
1. Schritt: Getrennte Skizzen für Tür und Scharnierhaken anfertigen.
2. Schritt: Kraftangriffspunkte festlegen: Schwerpunkt S0 für die Gewichtskraft FG und die Scharniermittelpunkte bei A für die Loslagerkraft FA mit horizontaler Wirklinie sowie bei B für die Festlagerkräfte
FBx (horizontal) und FBy (vertikal).
3. Schritt: Eintragen der Kräfte an den Türscharnieren mit Richtungspfeilen und Bezeichnungen
(Bild 2.21b). An den Haken wirken diese Kräfte als
Reaktionskräfte entgegengerichtet (Bild 2.21c).
Bild 2.21 Freimachen einer Tür
a) an Scharnieren befestigte Tür, b) freigemachte Tür, c) Kräfte an den Scharnierhaken
22
2 Statik starrer Körper
Praxishinweis
Das sorgfältige Freimachen ist eine wichtige Voraussetzung für die Lösungsverfahren der Statik zur Ermittlung
unbekannter Kräfte. Die Eigengewichtskräfte von Bauteilen und Reibungskräfte können dabei vernachlässigt
werden, wenn sie gegenüber den anderen Kräften gering
sind.
Im Bauingenieurwesen (Baustatik, Stahlbau, DIN 1080,
DIN 18800 u. a.) werden Kräfte, die von außen auf ein
System einwirken, als Lasten bezeichnet, und anstelle
Gewichtskraft ist der Ausdruck Eigenlast üblich (sinngemäß Windlast, Schneelast). Ebenso sind die Begriffe
Streckenlast und Flächenlast üblich. Dagegen wird im
Maschinenbau unter Last eine Masse verstanden. Das
Wort Gewicht wird allgemein im Sinne einer Masse als
Wägeergebnis verwendet. Um Missverständnisse auszuschließen, soll Gewicht nicht anstatt Gewichtskraft
gebraucht werden (s. DIN 1305). Wo eine genaue Berechnung der Gewichtskraft (bzw. Eigenlast) nicht erforderlich ist, kann man mit dem Näherungswert der
Fallbeschleunigung g 10 m=s2 rechnen. Damit entspr.
DIN 1080: Die Masse 1 kg wirkt mit der Eigenlast 10 N.
Kontrollfragen:
– Was ist eine Kraft, wie ist ihre Einheit definiert und
durch welche Angaben ist sie bestimmt?
– Wie lauten der Verschiebesatz und das Wechselwirkungsgesetz?
– Was versteht man in der Mechanik unter dem Freimachen eines Körpers?
– Welche Kräfte können von Seilen und Ketten, Parallelführungen und Rollkörpern, Pendelstützen und
Zweigelenkstäben übertragen werden?
– Worin besteht der Unterschied zwischen einem Loslager und einem Festlager?
2.2
Zentrales ebenes Kräftesystem
Lernziele:
– Den Satz vom Kräfteparallelogramm und den Begriff
Krafteck erläutern.
– Unbekannte Kräfte in zentralen Kräftesystemen zeichnerisch und rechnerisch ermitteln.
– Die Gleichgewichtsbedingungen des zentralen Kräftesystems nennen und bei der Ermittlung von Kräften
anwenden.
2.2.1
Schnittpunkt ausgehende Diagonale des aus
beiden Kraftvektoren gebildeten Kräfteparallelogramms.
Die jeweilige Resultierende Fr der Kräfte F1 und
F2 in Bild 2.22 wurde durch maßstäbliches Aufzeichnen des Kräfteparallelogramms ermittelt.
Bild 2.22 Zusammensetzen von Kräften mittels Kräfteparallelogramm
a) a < 90 , b) a ¼ 90 , c) a > 90
Das Zusammensetzen von Kräften ist eine vektorielle Addition. Die Vektoren, aus denen die Resultierende geometrisch zusammengesetzt oder in
die sie zerlegt werden kann, heißen Komponenten. F1 und F2 sind Komponenten der Resultierenden Fr. Als Vektorgleichung geschrieben:
~r ¼ F~1 þ F~2 .
F
Der Satz vom Kräfteparallelogramm ist ebenfalls ein Axiom, auf dem weitere Lehrsätze der
Mechanik beruhen. Seine Richtigkeit lässt sich
z. B. durch folgenden Versuch nachweisen:
An einem feststehenden Träger befinden sich
zwei verschiebbare und feststellbare Haken, in
die Federwaagen eingehängt sind (Bild 2.23a).
An jeder Federwaage ist ein Seil befestigt. Beide Seile münden in einem Ring, an dem ein
Körper hängt, dessen Gewichtskraft FG die Seile
spannt. Die Seilkräfte F1 und F2 werden an den
Federwaagen abgelesen, der Winkel a gemessen.
Danach wird der Körper nur an eine Federwaage gehängt und an dieser die Kraft Fr abgelesen
(Bild 2.23b).
Das Kräfteparallelogramm
Wenn Kräfte nur an einem Punkt eines Körpers
angreifen oder sich die Wirklinien in einem
Punkt schneiden, so handelt es sich um ein zentrales Kräftesystem. Oft interessiert die gemeinsame Wirkung dieser Kräfte, d. h. die Kraft,
die alle anderen Kräfte ersetzen könnte. Diese
gedachte Ersatzkraft oder resultierende Kraft
würde die gleiche Wirkung ausüben wie alle angreifenden Kräfte gemeinsam. Für zwei Kräfte
lässt sie sich ermitteln nach dem
Satz vom Kräfteparallelogramm:
Die Resultierende zweier Kräfte mit sich
schneidenden Wirklinien ist die vom
Bild 2.23 Versuch zum Satz vom Kräfteparallelogramm
a) Körper an zwei Federwaagen hängend,
b) Körper an einer Federwaage, c) Kräfteparallelogramm
Die Kräfte F1 und F2 üben gemeinsam die gleiche Wirkung aus wie die Kraft Fr allein: Der
2.2 Zentrales ebenes Kräftesystem
Körper wird im Ruhezustand gehalten, das System befindet sich im Gleichgewicht. Zeichnet
man die aus mehreren Versuchen mit unterschiedlichen Seillängen oder Befestigungsabständen jeweils ermittelten Kräfte F1 und F2
maßstäblich als Vektoren unter dem betr. Winkel a auf, so ergibt sich stets die resultierende
Kraft Fr als Diagonale in dem durch Parallelverschieben der Kraftvektoren entstandenen Parallelogramm (Bild 2.23c).
Beispiel 2.8
In einer Versuchseinrichtung entspr. Bild 2.24a wurde das mittlere Gewichtsstück durch Anhängen der
beiden äußeren Gewichtsstücke in der skizzierten Lage im Ruhezustand gehalten. Durch maßstäbliches
Aufzeichnen des Kräfteparallelogramms ist nachzuweisen, dass die Resultierende der Seilkräfte
gleich der Gewichtskraft des mittleren Gewichtsstückes ist.
23
2.2.2
Zeichnerische Kräfteermittlung
Die zeichnerische Ermittlung von Kräften beruht
auf dem Kräfteparallelogramm. Es genügt, nur
eine Hälfte des Parallelogramms zu zeichnen,
nämlich ein Dreieck als so genanntes Krafteck
(Bild 2.25). Dazu werden die einzelnen Kraftvektoren unter Einhaltung ihrer Richtung zu einem Kräftezug aneinander gereiht, wobei die
Reihenfolge keine Rolle spielt, wie Bild 2.25b
zeigt. Die Verbindungsgerade von Anfang und
Ende des Kräftezuges ergibt die Resultierende,
deren Richtungspfeil am Ende des Kräftezuges liegt.
Bild 2.25 Zusammensetzen zweier Kräfte mittels Krafteck
a) Kräfteparallelogramm, b) Kraftecke
Bild 2.24 Versuch zum Kräfteparallelogramm
a) Versuchsanordnung, b) Kräfteparallelogramm
Lösung:
Gegeben: m ¼ 5 kg, m1 ¼ m2 ¼ 3,5 kg, a ¼ 90 .
Gesucht: Fr ¼ FG .
Die Gewichtskräfte betragen
FG ¼ m g ¼ 5 kg 9,81 m=s2 ¼ 49,05 N,
FG1 ¼ m1 g ¼ 3,5 kg 9,81 m=s2 ¼ 34,34 N ¼ FG2 :
In den unter a ¼ 90 gespreizten Seilen wirken die
Seilkräfte F1 ¼ FG1 und F2 ¼ FG2. Gewählt wird der
Kräftemaßstabfaktor mF ¼ 10 N/cm. Mit diesem ergeben sich nach Gl. (1.2) die zu zeichnenden Vektorlängen
FG1 34,34 N
cm ¼ 3,43 cm:
¼
F1 gez ¼ F2 gez ¼
mF
10 N
Damit wird das Kräfteparallelogramm gezeichnet
(Bild 2.24b). Für die Resultierende wird gemessen
Fr gez ¼ 4,9 cm. Somit beträgt nach Gl. (1.3):
Fr ¼ Fr gez mF ¼ 4,9 cm 10 N=cm ¼ 49 N ¼ FG ,
was zu beweisen war. Die lotrecht abwärts wirkende
Gewichtskraft FG ist so groß wie die aus den Seilkräften F1 und F2 gebildete Resultierende Fr, wirkt
dieser jedoch entgegen.
Zu beachten ist, dass Resultierende und Einzelkräfte niemals gemeinsam wirken, sondern nur
die Resultierende oder nur die Einzelkräfte. Sie
ersetzen sich gegenseitig. In diesem Buch sind
zur Unterscheidung entweder die Resultierende
oder deren Komponenten mit hellem Richtungspfeil dargestellt, und zwar vorzugsweise die jeweils zu ermittelnden Kräfte.
Beispiel 2.9
Es ist die Resultierende zweier Kräfte von 1200 und
800 N, deren Wirklinien sich rechtwinklig schneiden,
zeichnerisch mittels Kräfteparallelogramm und mittels Krafteck zu bestimmen und der Richtungswinkel
zur größeren Kraft anzugeben.
Lösung:
Gegeben: F1 ¼ 1200 N, F2 ¼ 800 N, g ¼ 90 .
Gesucht: Fr und ar .
1. Kräfteparallelogramm (Bild 2.26a)
Gewählt
wird
der
Kräftemaßstabfaktor
mF ¼ 400 N/cm. Damit ergeben sich entspr. Gl. (1.2)
die zu zeichnenden Vektorlängen
F1 1200 N
F1 gez ¼
cm ¼ 3 cm,
¼
400 N
mF
F1 800 N
F2 gez ¼
cm ¼ 2 cm:
¼
mF 400 N
Die Kraftvektoren werden unter dem Winkel g aneinander gezeichnet und zum Parallelogramm (hier
zum Rechteck) ergänzt. Die vom Schnittpunkt der
Wirklinien ausgehende Diagonale ist die Resultie-
24
rende Fr, deren Vektorlänge Fr gez ¼ 3,6 cm gemessen
wird. Somit ist entspr. Gl. (1.3):
Fr ¼ Fr gez mF ¼ 3,6 cm 400 N=cm ¼ 1440 N:
Ferner wird gemessen der Richtungswinkel ar ¼ 33,7 :
2. Krafteck (Bild 2.26b)
2 Statik starrer Körper
Beispiel 2.10
Für eine Kraft von 2 kN, deren Wirklinie mit der
x-Achse eines rechtwinkligen Koordinatensystems den
Winkel 30 einschließt und deren Vektorlänge 8 cm
betragen soll, sind die Komponenten in Richtung der
Koordinatenachsen zeichnerisch zu ermitteln.
Lösung:
Gegeben: F ¼ 2000 N, a ¼ 30 , Fgez ¼ 8 cm.
Gesucht: Fx und Fy .
Der Kraftvektor wird unter a ¼ 30 zur x-Achse in
das Koordinatensystem eingezeichnet (Bild 2.28).
Durch die Pfeilspitze zu den Koordinatenachsen gezogene Parallelen ergeben auf den Achsen die gesuchten
Komponenten Fx und Fy . Die Lösung mittels Kräfteparallelogramm zeigt Bild 2.28a, mittels Krafteck
Bild 2.28b.
Bild 2.26 Ermittlung der Resultierenden
a) im Kräfteparallelogramm,
b) im Krafteck
Die Kraftvektoren werden ihrer Richtung entsprechend zu einem Kräftezug aneinander gereiht. Die
Verbindungsgerade von Anfangs- und Endpunkt ist
die Resultierende Fr mit dem Richtungspfeil an der
Spitze von F2. Die Vektorlänge Fr gez und der Winkel ar werden wie unter 1. gemessen.
Für die zeichnerische Zerlegung einer Kraft in
zwei Komponenten, deren Wirklinien gegeben
sind, wird der Parallelogrammsatz sinngemäß angewendet. Die gegebene Kraft ist die Resultierende der gesuchten Komponenten. Mittels Parallelverschiebung der Wirklinien W1 und W2
(Bild 2.27a) bis zur Pfeilspitze von F ergibt sich
ein Parallelogramm, dessen Seiten die Komponenten F1 und F2 darstellen (Bild 2.27b). Mit
weniger Zeichenaufwand erhält man dasselbe Ergebnis im Krafteck (Bild 2.27c), wobei es bedeutungslos ist, ob W1 oder W2 verschoben wird.
Bild 2.27 Zerlegen einer Kraft in Komponenten
a) Kraft und Wirklinien der Komponenten,
b) Kräfteparallelogramm, c) Kraftecke
Bild 2.28 Ermittlung der Komponenten einer Kraft
a) im Kräfteparallelogramm,
b) im Krafteck
Gemessen werden Fx gez ¼ 6,92 cm und Fy gez ¼ 4 cm.
Mit dem Kräftemaßstabfaktor (nach Gl. (1.1))
F
2000N
mF ¼
¼ 250 N=cm
¼
Fgez
8 cm
ergeben sich entspr. Gl. (1.3) die Komponenten
Fx ¼ Fx gez mF ¼ 6,92 cm 250 N=cm ¼ 1730 N
¼ 1,73 kN,
Fy ¼ Fy gez mF ¼ 4 cm 250 N=cm ¼ 1000 N
¼ 1 kN:
Wird anstelle der Ersatzkraft (der Resultierenden) die Kraft gesucht, die sich mit zwei
Einzelkräften im Gleichgewicht befindet, so ist
das ebenfalls mittels Krafteck möglich. Diese
Gleichgewichtskraft ist so groß wie die Resultierende, dieser jedoch entgegengerichtet und hat
somit im Krafteck gleichen Umfahrungssinn wie
die Vektoren der gegebenen Kräfte.
In Bild 2.29 sind die Zusammenhänge an einer
Pendelstange mit Seilrolle und Seil dargestellt.
Die Seilrolle, an der die Seilkräfte FS wirken,
wird durch die von der Stange auf die Seilrollenachse ausgeübte Kraft F im Gleichgewicht
gehalten. Der Richtungspfeil der gesuchten
Gleichgewichtskraft F schließt den aus den bekannten Seilkräften FS gebildeten Kräftezug.
Alle Vektoren haben im Krafteck gleichen
Umfahrungssinn (Bild 2.29c).
2.2 Zentrales ebenes Kräftesystem
Bild 2.29 Kräftegleichgewicht an einer Seilrolle
a) Anordnung der Rolle (Lageplan), b) Kräfteparallelogramm mit Resultierender und
Gleichgewichtskraft, c) Krafteck zur Ermittlung von F mit Angabe des Umfahrungssinns
(Kräfteplan)
Diese Erkenntnisse sind allgemein für das Gleichgewicht von Kräften wichtig und lassen sich zusammenfassen zur
zeichnerischen Gleichgewichtsbedingung:
Die Kräfte eines zentralen ebenen Kräftesystems befinden sich im Gleichgewicht,
wenn ihre Vektoren ein geschlossenes Krafteck bilden und darin gleichen Umfahrungssinn haben.
Dieser Lehrsatz besagt auch, dass in einem
Kräftesystem, das sich im Gleichgewicht befindet, die Resultierende gleich null ist, da Anfang
und Ende des Kräftezuges zusammentreffen.
Um die zeichnerische Kräfteermittlung übersichtlich zu gestalten, ist es zweckmäßig, einen
Lageplan und einen Kräfteplan anzufertigen:
Der Lageplan veranschaulicht die maßstabgerechte Lage der Kräfte (ihrer Wirklinien) unabhängig vom Betrag (die Kraftvektoren werden
unmaßstäblich, jedoch lagegerecht eingezeichnet).
Der Kräfteplan ist das maßstäbliche Krafteck, das durch lagegerechtes Aneinanderreihen der Kraftvektoren entsteht.
Aus dem Lageplan werden die Wirklinien durch
Parallelverschieben in den Kräfteplan übertragen.
Betrag und Wirkrichtung der gesuchten Kraft ergeben sich im Kräfteplan. Zur Lagebestimmung
wird ihr Vektor in den Lageplan übertragen.
Es empfehlen sich folgende Arbeitsschritte:
1. Schritt: Freimachen des Bauteils, an dem die
gesuchte Kraft angreift.
2. Schritt: Lageplan mit winkelgerechter Anordnung der sich in einem Punkt schneidenden Wirklinien zeichnen, Kräfte unmaßstäblich eintragen.
3. Schritt: Kräfteplan anfertigen durch maßstäbliches Aneinanderzeichnen der Kraftvek-
25
toren in beliebiger Reihenfolge zu einem
Kräftezug, dessen Anfang und Ende verbinden, so dass ein geschlossenes Krafteck entsteht.
4. Schritt: Wirkrichtung der ermittelten Kraft im
Kräfteplan durch Eintragen des Richtungspfeils
angeben (Resultierende am Ende, Gleichgewichtskraft am Anfang des Kräftezuges).
5. Schritt: Vektorlänge der ermittelten Kraft im
Kräfteplan abmessen und in Krafteinheiten
umrechnen (ihren Betrag errechnen). Danach
den unmaßstäblichen Kraftvektor in den Lageplan übertragen, falls seine Lage nicht
schon vorher bekannt war.
Beispiel 2.11
An einem Lasthebemagneten (Bild 2.30a) sind zwei
Ketten unter einem Winkel von 100 angebracht. Jeder Kettenstrang ist für eine Kraft von 10 kN zugelassen. Welche größte Kraft darf an der Aufhängeöse
auftreten?
Bild 2.30 Lasthebemagnet mit Zweistrangkette
a) Darstellung, b) freigemachte Öse
Lösung:
Gegeben: FK ¼ 10 kN, a ¼ 100 , gewählt
mF ¼ 2,5 kN/cm, damit FK gez ¼ (10/2,5) cm
¼ 4 cm (nach Gl. (1.2)).
Gesucht: F in kN.
1. Schritt: Freimachen der Aufhängeöse (Bild 2.30b).
Die gesuchte Kraft F hält mit den Kettenkräften FK die
Öse im Gleichgewicht.
2. Schritt: Zeichnen des Lageplans (Bild 2.31a). Die
unmaßstäblichen Kraftvektoren werden im Schnittpunkt der Wirklinien (Ösenmitte) angesetzt.
3. Schritt: Parallelverschieben der Wirklinien der
Kettenkräfte in den Kräfteplan (Bild 2.31b). Auf den
Wirklinien die Vektorlängen FK gez aneinander fügen,
Richtungspfeile eintragen und Krafteck schließen
durch Verbinden von Anfangs- und Endpunkt.
4. Schritt: Richtungspfeil der Gleichgewichtskraft F
so eintragen, dass im Krafteck alle Vektoren gleichen
Umfahrungssinn haben.
5. Schritt: Messen der für F im Kräfteplan entstandenen Vektorlänge Fgez und umrechen mit mF entspr.
26
2 Statik starrer Körper
5. Schritt: Im Kräfteplan werden gemessen die Vektorlängen F1 gez ¼ 2,8 cm und F2 gez ¼ 3,6 cm. Mit mF
ergeben sich entspr. Gl. (1.3) die gesuchten Seilkräfte
F1 ¼ 2,8 cm 150 N=cm ¼ 420 N,
F2 ¼ 3,6 cm 150 N=cm ¼ 540 N:
Bild 2.31 Lage- und Kräfteplan
a) Lageplan, b) Kräfteplan
Gl. (1.3). Es ergibt sich Fgez ¼ 5,2 cm und damit die
größtzulässige Kraft
F ¼ 5,2 cm 2; 5 kN=cm ¼ 13 kN:
Auch wenn zwei Kräfte mit bekannten Wirklinien bestimmt werden sollen, die sich mit einer gegebenen Kraft im Gleichgewicht befinden,
kann sinngemäß nach den vorgenannten Arbeitsschritten verfahren werden.
Beispiel 2.12
An einem Mast (Bild 2.32) ist ein Halteseil für den
Oberleitungsdraht einer Straßenbahn befestigt. Die
Seilkraft beträgt 750 N. Welche Kräfte wirken in den
Spannseilen 1 und 2, die mit dem Halteseil in einer
Ebene liegen?
Bild 2.33 Lage- und Kräfteplan
a) Lageplan, b) Kräfteplan
Wirken mehr als zwei Kräfte (Bild 2.34a), so
kann man die Resultierende oder deren Gegenkraft (die Gleichgewichtskraft) durch wiederholte Parallelogrammkonstruktionen ermitteln. Es
wird jeweils von zwei Kräften eine Zwischenresultierende konstruiert, z. B. Fr 1/2 aus den
Kräften F1 und F2 sowie Fr 3/4 aus F3 und F4
(Bild 2.34b). Durch Zusammensetzen von Fr 1/2
und Fr 3/4 ergibt sich dann die Gesamtresultierende Fr. Diese erhält man auch, indem man die
Zwischenresultierende zweier Kräfte mit der
nächsten Kraft zusammensetzt und so fortfährt,
bis alle Kräfte erfasst sind.
Bild 2.32 Mast mit Halteseil und Spannseilen
Lösung:
Gegeben: F ¼ 750 N, a ¼ 45 , b ¼ 33 , gewählt
mF ¼ 150 N/cm, damit Fgez ¼ 5 cm (nach
Gl. (1.2)).
Gesucht: F1 und F2.
1. Schritt: Freimachen des Mastes. Die gesuchten
Seilkräfte F1 und F2 ziehen am Mast, wie Bild 2.33a
zeigt.
2. Schritt: In den Lageplan (Bild 2.33a) werden die
Wirklinien W1 und W2 unter den Winkeln a und b gezeichnet und die Kräfte unmaßstäblich eingetragen.
3. Schritt: Der Kräfteplan wird mit Fgez begonnen. An
einem Ende dieser Strecke wird die Wirklinie W1, am
anderen die Wirklinie W2 winkelgerecht angetragen,
so dass ein geschlossenes Krafteck entsteht.
4. Schritt: Die Richtungspfeile für F1 und F2 sind
durch die Wirkrichtung von F bedingt. Wegen des
Gleichgewichts haben die Vektoren im Krafteck gleichen Umfahrungssinn.
Bild 2.34 Vier Kräfte an einem Punkt
a) Lageplan, b) Kräfteplan mit wiederholter
Parallelogrammkonstruktion
Einfacher und schneller gelangt man zum Ziel
mittels Krafteck, das zu einem Kräftepolygon
wird. Beim Aneinandersetzen der Kraftvektoren
spielt die Reihenfolge keine Rolle, wie Bild 2.35
zeigt. Die in Bild 2.35a angedeuteten Zwischenresultierenden Fr 1/2 und Fr 3/4 veranschaulichen
den Werdegang zum Polygon. Sie werden nicht
2.2 Zentrales ebenes Kräftesystem
mitgezeichnet. Das Krafteck wird übersichtlich,
wenn die Reihenfolge der Kräfte so gewählt wird,
dass sich der Kräftezug nicht selbst schneidet,
was bei der Folge F3, F4, F1, F2 geschehen
würde.
27
3. Schritt: Der Kräfteplan wird mit F1 gez begonnen
(Bild 2.37b). Anschließend wird F2 gez unter dem
Winkel b angetragen und daran F3 gez unter dem
Winkel g angefügt. Die richtigen Winkel entstehen
durch Parallelverschieben der Wirklinien aus dem
Lageplan in den Kräfteplan. Anfang und Ende des
Kräftezuges werden verbunden, so dass ein Krafteck
entsteht.
4. Schritt: Die Wirkrichtung der Resultierenden
wird durch Anbringen des Richtungspfeiles angegeben. Seine Spitze weist auf das Ende des Kräftezuges, liegt also an der Spitze von F3.
Bild 2.35 Kraftecke als Kräftepolygone
a) Reihenfolge F1 , F2 , F3 , F4 , Fr , b) geänderte
Reihenfolge F3 , F2 , F1 , F4 , Fr , c) wie b), jedoch am Ende mit F als Gegenkraft zu Fr
Der Lösungsgang kann ebenfalls sinngemäß in
den zuvor erläuterten fünf Arbeitsschritten erfolgen.
Beispiel 2.13
An einem Telegrafenmast sind in einer Ebene drei
Drähte befestigt, in denen die Kräfte 350 N, 500 N
und 300 N unter den in Bild 2.36 angegebenen Winkeln wirken. Die Resultierende dieser Kräfte ist zeichnerisch zu ermitteln mit einem Maßstabfaktor von
100 N/cm.
Bild 2.37 Lage- und Kräfteplan
a) Lageplan, b) Kräfteplan
5. Schritt: Die Vektorlänge der ermittelten Resultierenden und ihr Richtungswinkel zur Kraft F1 werden
im Kräfteplan gemessen: Fr gez ¼ 4,63 cm, ar ¼ 54 .
Durch Parallelverschieben in den Lageplan ergibt
sich die Lage von Fr. Es betragen:
Fr ¼ 4,63 cm 100 N=cm ¼ 463 N, ar ¼ 54 :
Wirken mehrere Kräfte auf derselben Wirklinie, dann liegt auch die Resultierende Fr bzw.
die Gleichgewichtskraft F auf dieser Wirklinie
(Bild 2.38). Kräfteparallelogramm und Krafteck
werden zu einer Strecke. Zur übersichtlichen
Darstellung zeichnet man die Kraftvektoren
dicht neben die Wirklinie und markiert die Vektorlängen durch kurze Querstriche.
Bild 2.36 Kräfte an einem Telegrafenmast
Lösung:
Gegeben: F1 ¼ 350 N, F2 ¼ 500 N, F3 ¼ 300 N,
b ¼ 65 , g ¼ 130 , mF ¼ 100 N/cm,
damit F1 gez ¼ 3,5 cm, F2 gez ¼ 5 cm,
F3 gez ¼ 3 cm.
Gesucht: Fr und ar als Richtungswinkel zu F1.
1. Schritt: Entfällt, da die angreifenden Kräfte und
deren Lagen bekannt sind (Bild 2.36)
2. Schritt: In den Lageplan werden die Wirklinien
W1, W2 und W3 unter den Winkeln b und g gezeichnet und die Kräfte unmaßstäblich eingetragen
(Bild 2.37a).
Bild 2.38 Kräfte auf gleicher Wirklinie
a) zwei Kräfte gleicher Richtung, b) zwei
Kräfte entgegengesetzter Richtung, c) drei
Kräfte verschiedener Richtung
28
2.2.3
2 Statik starrer Körper
Damit ergibt sich die
Rechnerische Kräfteermittlung
Kräfte auf gemeinsamer Wirklinie
Die Berechnungsgleichungen ergeben sich aus
Bild 2.38. Danach gilt für die aus n Einzelkräften gebildete
Resultierende
ð2:1Þ
Fr ¼ SFi ¼ F1 þ F2 þ F3 þ . . . þ Fn
In diese Gleichung sind Kräfte mit entgegengesetzter Wirkrichtung mit verschiedenen Vorzeichen einzusetzen. Vorzugsweise werden waagerecht nach rechts und senkrecht nach oben
wirkende Kräfte positiv angenommen und zu
diesen entgegengesetzt wirkende negativ.
Die Gegenkraft zur Resultierenden, die Gleichgewichtskraft F, die das Kräftesystem im Gleichgewicht hält, folgt aus der Gleichgewichtsbedingung SF ¼ 0, also F þ Fr ¼ 0 oder
F þ SFi ¼ 0, weil bei Gleichgewicht die Resultierende und damit die Summe aller Kräfte gleich
null ist. Somit beträgt für n Einzelkräfte die
Gleichgewichtskraft
F ¼ SFi ¼ ðF1 þ F2 þ F3 þ . . . þ Fn Þ
ð2:2Þ
Auch in dieser Gleichung sind entgegengesetzte
Wirkrichtungen durch verschiedene Vorzeichen
zu unterscheiden. Die Wirkrichtung der errechneten Kraft ergibt sich aus dem Vorzeichen des
Ergebnisses.
Zwei Kräfte, deren Wirklinien sich rechtwinklig schneiden
Aus Bild 2.39 folgt nach dem Lehrsatz des Pythagoras der Betrag für die
qffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
ð2:3Þ
Resultierende Fr ¼ F12 þ F22
Zur Kraft F1 folgt für den
Richtungswinkel
tan ar ¼
F2
F1
ð2:4Þ
Resultierende
Fr ¼
F1
F2
¼
cos ar sin ar
ð2:5Þ
Die Gleichgewichtskraft F zu den Kräften F1
und F2 sowie ihr spitzer Richtungswinkel a zur
Wirklinie von F1 (Bild 2.40) lassen sich sinngemäß mit den Gl. (2.3) bis (2.5) errechnen.
Bild 2.40 Berechnungsskizze zur
Ermittlung der Gleichgewichtskraft
Beispiel 2.14
Die Wirklinien zweier Kräfte von 2 kN und 3,5 kN
schneiden sich rechtwinklig wie in den Bildern 2.39
und 2.40. Es sind die Gleichgewichtskraft und deren
spitzer Richtungswinkel zur Wirklinie der kleineren
Kraft zu errechnen.
Lösung:
Gegeben: F1 ¼ 2 kN, F2 ¼ 3,5 kN.
Gesucht: F und a.
Aus Bild 2.40 folgen entspr. Gln. (2.3) und (2.4) für
die Gleichgewichtskraft
qffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi qffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
F ¼ F12 þ F22 ¼ ð2 kNÞ2 þ ð3,5 kNÞ2
pffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
¼ 22 þ 3,52 kN ¼ 4,03 kN
und für den Richtungswinkel
F2 3,5 kN
¼
, daraus a ¼ 60,26 :
tan a ¼
F1
2 kN
Die errechnete Kraft F ist so groß wie die Resultierende Fr und liegt auf derselben Wirklinie, wirkt jedoch entgegengerichtet zu Fr.
Zwei Kräfte, deren Wirklinien sich schiefwinklig schneiden
Für die in Bild 2.41 den Winkel g einschließenden Kräfte F1 und F2 erhält man die Resultierende Fr aus dem Cosinussatz
Fr2 ¼ F12 þ F22 2 F1 F2 cosð180 gÞ
Da cosð180 gÞ ¼ cos g ist, beträgt die
Bild 2.39 Resultierende von zwei rechtwinklig zueinander wirkenden Kräften
a) Kräfteparallelogramm (Rechteck),
b) Krafteck (rechtwinkliges Dreieck)
Resultierende
qffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffiffi
Fr ¼ F12 þ F22 þ 2 F1 F2 cos g
ð2:6Þ
Der Winkel zwischen der Resultierenden Fr und
der Kraft F1 ergibt sich aus dem Sinussatz
2.2 Zentrales ebenes Kräftesystem
29
sin ar sinð180 gÞ
¼
F2
Fr
die gesuchten Kräfte
Mit sinð180 gÞ ¼ sin g folgt für den
F2
Richtungswinkel sin ar ¼ sin g Fr
sin b
sin 33
¼ 418 N
¼ 750 N
sin g
sin 102
sin a
sin 45
¼ 750 N
¼ 542 N
F2 ¼ F
sin g
sin 102
F1 ¼ F
ð2:7Þ
Mehr als zwei Kräfte
Zweckmäßig bedient man sich eines x,y-Koordinatensystems (Bild 2.43), in dem die Vektoren
der Kräfte im Achsenschnittpunkt beginnen.
Alle Kräfte werden in Richtung der beiden Koordinatenachsen zerlegt, so dass sich nur zwei
senkrecht zueinander stehende Wirkrichtungen
ergeben und sich alle Komponenten leicht zusammenfassen lassen.
Bild 2.41 Zur Berechnung schiefwinkliger Kräftedreiecke
a) Lageplan, b) Krafteck
Mit dem Sinus- und dem Cosinussatz lassen
sich auch die Gleichgewichtskraft, die Komponenten und alle Winkel in einem schiefwinkligen Kräftedreieck errechnen.
Beispiel 2.15
Die Seilkräfte in den Spannseilen nach Beisp. 2.12
sind rechnerisch zu ermitteln (Bild 2.42).
Bild 2.42 Berechnungsskizze
a) Mast mit Halteseil und Spannseilen,
b) freigemachter Mast, c) Krafteckskizze
Lösung:
Gegeben: F ¼ 750 N, a ¼ 45 , b ¼ 33 :
Gesucht: F1 und F2.
Mit dem Winkel g ¼ 180 a b
¼ 180 45 33 ¼ 102 folgen aus dem Sinussatz
F1
F2
F
¼
¼
sin b sin a sin g
Bild 2.43 Kräftezerlegung und -zusammensetzung im
Koordinatensystem
a) Zerlegen von Einzelkräften, b) Zusammensetzen zur Resultierenden
Mittels der Winkelfunktion erhält man die
Komponenten
der Einzelkräfte
Fix ¼ Fi cos ai
ð2:8Þ
Fiy ¼ Fi sin ai
ð2:9Þ
mit i ¼ 1, 2, 3 . . . n bei n Einzelkräften und ai
als spitzem Winkel der Kraft Fi zur x-Achse.
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