Nerv eingeklemmt? - Klinikum Fürstenfeldbruck

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Medizin
Nerv eingeklemmt?
Neurochirugische Therapie macht wieder mobil
Dr. UNIV. FERRARA Walter Demmel
Facharzt für Neurochirurgie
Neurochirurgische Gemeinschaftspraxis
Dr. Aldini und Dr. Demmel im Klinikum
Fürstenfeldbruck
Die häufigsten Nervenschädigungen
entstehen durch Einengungen am Hand­
gelenk (Karpaltunnelsyndrom) und am
Ellenbogen
(Kubitaltunnelsyndrom).
Diese beiden Syndrome können heute
über kleinste Hautschnitte endoskopisch
operiert werden.
Darüber hinaus existieren eine ganze
Reihe von Engpass-Syndromen verschiedenster Nerven an Armen, Beinen oder
auch in der Leiste. Diese treten zwar
seltener auf, können aber ebenfalls zu
schweren Lähmungen, Gefühlsstörungen
oder starken Schmerzen führen. Wenn hier
eine Operation notwendig wird, kommt
meistens das OP-Mikroskop zum Einsatz.
Das Karpaltunnelsyndrom entsteht,
wenn der Mittelnerv (nervus medianus)
durch ein Bindegewebsband unterhalb
des Handgelenks eingeschnürt wird. Die
Monitorbild einer endoskopischen Nerven­
freilegung: Gut erkennbar die Bindegewebs­
brücken, die sich über den Nerven spannen
Hand schläft dann besonders nachts­­
immer häufiger ein und es kommt zum
­wiederholten Aufwachen und zum
typischen „Ausschütteln“ der Hand. Im
weiteren Verlauf wird es immer schwieriger, Hemden zuzuknöpfen oder im Geldbeutel nach Münzen zu greifen.
Beim Kubitaltunnelsyndrom liegt die Engstelle im Bereich des Ellenbogens und
betrifft den Ellennerv (nervus ulnaris). Die
Gefühlsstörungen treten hier im Gegensatz
zum Karpaltunnelsyndrom hauptsächlich
am Kleinfinger und an der inneren Handkante auf. Im fortgeschrittenen Stadium
kann es zu Lähmungen der Handmuskulatur und zu einer „Krallenstellung“ der
Finger kommen.
Muss immer gleich operiert werden?
Mit Sicherheit nicht! Solange keine dauerhaften neurologischen Ausfälle vorliegen,
kann in jedem Fall versucht werden, die
Beschwerden durch Schonung, Ruhigstellung des Gelenks und je nach Anforderung
auch medikamentös zu behandeln. Erst
wenn alle diese Maßnahmen keine Besserung bringen, sollte eine OP erwogen
werden.
Während das Karpaltunnelsyndrom be­­
reits seit mehreren Jahren „minimalinvasiv“ endoskopisch operiert werden kann,
musste für die Nervenfreilegung am Ellenbogen bis vor einigen Jahren ein relativ
langer Hautschnitt durchgeführt werden.
Dank moderner endoskopischer Instrumente reicht heute ein Schnitt von 1,5 cm
Länge, um den Nerv auf einer Strecke von
über 20 cm freilegen zu können.
Beide Eingriffe können normalerweise
ambulant durchgeführt werden, Komp­
likationen treten äußerst selten auf.
Unabhängig von der OP-Methode, ob
offener oder endoskopischer Eingriff,
verschwinden die Nervenschmerzen und
die unangenehmen Missempfindungen
meist innerhalb kurzer Zeit. Wenn es aber
vor der OP schon zu Taubheitsgefühl und
Lähmungserscheinungen gekommen ist,
können Monate vergehen, bis sich diese
Ausfälle wieder zurückbilden.
Ganz ähnlich verhält es sich bei den weniger häufigen Engpass-Syndromen wie
zum Beispiel der so genannten Meralgia
paraesthetica. Hierbei verursacht ein am
Leistenband eingeklemmter Hautnerv
brennende Missempfindungen, die sich
bis hin zu heftigsten Schmerzen an der
Vorderseite des Oberschenkels entwickeln
können.
Hilfe auch bei durchtrennten Nerven
Das Spektrum der Nervenchirurgie
umfasst aber auch die operative Entfernung
von Nerventumoren und die Versorgung
von Nervenverletzungen. Für die Wiederherstellung durchtrennter Nerven müssen
bisweilen aufwändige Nerventransplantationen in mehrstündigen Operationen
durchgeführt werden.
Die Wiederherstellung von Nerven, zum
Beispiel nach Glasschnittverletzungen
oder anderen Verletzungsarten, gehört
zu den anspruchsvollsten Aufgaben des
Nervenchirurgen. Oft ist es aufgrund des
Verletzungsmusters nicht möglich, einen
durchtrennten Nerv sofort zu nähen. In
diesen Fällen wird die Rekonstruktion
des Nervs erst einige Wochen oder sogar
Monate nach dem Unfall vorgenommen.
In der Regel verwendet man dann so
genannte Spendernerven, die aus einem
oder beiden Beinen des Patienten entnommen werden, um den fehlenden Teil
des betroffenen Nervs zu überbrücken.
Hierbei kommen zwangsläufig OP-Mikroskope zum Einsatz, da die verwendeten
Nadeln und Fäden so dünn sind, dass sie
mit bloßem Auge fast nicht mehr zu erkennen sind.
Nach erfolgreicher Wiederherstellung des
Nervs dauert es allerdings noch bis zu
zwei Jahre bis der „neue“ Nerv in die alte
Nervenhülle eingewachsen ist und dessen Funktionen übernommen hat – für die
betroffenen Patienten eine harte Geduldsprobe!
visavis – Patientenzeitschrift des Klinikums Fürstenfeldbruck
Akademisches Lehrkrankenhaus der LMU München
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