2009 2004 Syros, Naxos, Santorin

Werbung
Universität Wien
Institut für Geologische Wissenschaften
Kykladenexkursion 0909 – 2009 2004
Syros, Naxos, Santorin
Programmübersicht
Datum
Do
Insel
Tagesprogramm
9-Sep-04
Fr
10-Sep-04
Sa
11-Sep-04
So
12-Sep-04
Mo
13-Sep-04
Di
14-Sep-04
Mi
15-Sep-04
Do
16-Sep-04
Fr
17-Sep-04
Flug Vie-Ath; Schiff nach Syros 18:00 F/B Milena
Kini, Vari
Gesteine der Blauschgieferfazies:
Kampos
Kredazisch-Eozäne Subduktion und HPNE_Ermoupolis; Schiff nach Naxos 21:20 F/B
Metamorphose
Blue Star Naxos
Post-Eozäne Entwicklung: Oligozäne
Kinidaros-Profil
metamorphe Zonierung des Kristallins,
E-Naxos (Danakos, Moutsouna);
Migmatite, Marmore, Schiefer,
NW-Naxos; Apollonia; Koronos
Amphibolite, Schmiergelgesteine.
Mechanismen der Exhumierung:
SW-Naxos; Schiff nach Santorin 14:35 F/B
Metamorphic Cores.
Express Santorini
Syros
Naxos
So
Santo18-Sep-04
rin
19-Sep-04
Mo
20-Sep-04
Sa
Thema
Fira-Oia
Pliozäner-Rezenter Back-arc Vulkanismus Thera-Steinbrüche (?); Vulkan
Akrotiri-Ausgrabungen
Rückflug Santorin-Ath-Vie 07:00
Exkursionsteilnehmer
Petrakakis
Konstantin
[email protected]
Grasemann
Bernhard
[email protected]
Bestmann
Michael
[email protected]
Edwards
Michael
[email protected]
Aliabadi
Ruzbeh
0208492 [email protected]
Arnberger
Klaus
9754014 [email protected]
Hafner
Nickolai
9405383 [email protected]
Hamilton
Margarete
7201862 [email protected]
Iglseder
Christoph
9805002 [email protected]
Kopecny
Alexander
0306265 [email protected]
Lenauer
Iris
0304671 [email protected]
Mantscheva
Maria
0125297 [email protected]
Mayrhofer
Susanne
0264445 [email protected]
Müller
Monika
0008584 [email protected]
Mundl
Andrea
0203025 [email protected]
Norberg
Nicholas
0106669 [email protected]
Popotnig
Angelika
9325743 [email protected]
Pristacz
Helmut
0309902 [email protected]
Voit
Klaus
0102415 [email protected]
Zamolyi
Andras
9800164 [email protected]
Zeitlhofer
Helga
0203620 [email protected]
Seite 2
INHALTSVERZEICHNIS
1)
2)
3)
4)
5)
6)
Geologie Griechenlands
Geotektonische Stellung des Ägäischen Raumes
Der Hellenische Bogen (Hellenic Arc)
Geodynamik der Ägäis
Kykladen: Spätalpidische Exhumation von HP/LT Gesteinen in der Ägäis
Das Attisch-Kykladische Kristallin
7)
8)
9)
Syros
Tektono-metamorphe Entwicklung von Syros
Blauschiefer
10)
11)
12)
13)
14)
Naxos
Metamorphose der Marmore auf Naxos und die Rolle der Fluiden Phase
Metamorphose der Bauxite auf Naxos
The timing of partial melting, Barrovian metamorphism and granite intrusion
in the Naxos Metamorphic Core Complex, Cyclades, Aegean Sea, Greece
Nicht-metamorphe Einheiten von Naxos
15)
16)
17)
Santorin
Kulturgeschichte der Insel Santorin
Atlantis – Theorie
18)
Appendix Petrologie
Appendix Strukturgeologie
19)
Seite 3
Fig 1: Geographischer Überblick Griechenland
Seite 4
Fig 2: Satellitenbild von Griechenland (Landsat)
Seite 5
1.) GEOLOGIE GRIECHENLANDS
Allgemeine Geologie
Der Großteil Griechenlands gehört dem alpidischen Orogen der Helleniden an. Das Vorland des
Hellenischen Gebirges war im W die Apulische Plattform, deren remobilisierter Rand (Präapulische
Zone) auf manchen Ionischen Inseln aufgeschlossen ist. Das Hinterland dieses Gebirges umfaßt die
Kristallinkomplexe E-Makedoniens und Thrakiens, also das Serbomakedonische Massiv und die
Rhodopen. Bei den Helleniden handelt es sich grundsätzlich um ein Deckengebirge, welches im
allgemeinen eine Vergenz von SW-S aufweist. Das Gebirge besteht überwiegend aus sedimentären
Gesteinen und Magmatiten mesozoischen bis känozoischen Alters; sicheres Paläozoikum tritt nur in
begrenzten Arealen zutage. Metamorphe Serien treten in tieferen tektonischen Stockwerken des
Peloponness-Kreta-Inselbogens (Externer Kristallingürtel) auf. Ein weiterer Kristallingürtel (Medianer
Kristallingürtel) zieht von W-Makedonien über Thessalien, Euböa, Attika und die Kykladen zum
Menderes-Kristallin in Anatolien. Schließlich bildet das oben erwähnte Kristallin des Hinterlandes den
Inneren Kristallingürtel Griechenlands.
Gliederung Griechenlands
Renz (1940)
Axios-(Vardar)-Zone
Aubouin et al. (1963) Charakter
Vardar-Zone
Eugeosynklinal
Pelagonische Zone z. T. Mesozoische Karbonat-Plattform
Osthellenische Zone
Subpelagonische Zone Miogeosynklinal ab Mittellias
Parnass-Giona-Zone
Parnass-Zone
Mesozoische Karbonat-Plattform
Olonos-Pindos-Zone
Pindos-Zone
Eugeosynklinal
Tripolitsa-Serie
Gavrovo-Tripolitsa-Zone Mesozoische Karbonat-Plattform
Adriatisch-Ionische Zone Ionische Zone
Miogeosynklinal ab Mittellias
Paxos-Zone
Präapulische Zone
Mesozoische Karbonat-Plattform
Die geotektonische Entwicklung der Helleniden erfolgte in vier orogenen Zyklen, deren
Wirkungsbereich in der Fig 3 und 4 ersichtlich ist.
Epoche
Miozän
Eozän
Unterkreide
Dogger
Orogenese
neohellenisch
mesohellenisch
eohellenisch
kimmerisch
Aubouin (1959) gliederte die Zonen Griechenlands aufgrund des Alters der entscheidenden Orogenese
in interne und externe. Zur ersten Gruppe zählte er alle Zonen, die zuletzt von der eozänen Orogenese
erfaßt wurden, zur zweiten jene Zonen, die zuletzt im Miozän deformiert wurden. Jacobshagen (1979)
hingegen verwendete als Kriterium das Alter des finalen Flysches in jeder Zone: Die Abfolge der
externen Zonen endet somit mit mittel-tertiären, jene der internen Zonen mit alttertiärem Flysch. Eine
tektonische Übersichtskarte von Griechenland ist in der angegeben.
Die Gliederung Griechenlands erfolgt aufgrund des komplexen Deckenbaus nicht primär nach
Seite 6
stratigraphisch-faziellen Kriterien, sondern nach tektonischen Gesichtspunkten. Jacobshagen gliedert
die Helleniden in drei Decken:
West- und
zentralgriechisches
Medianer Kristallingürtel
Festland
Innerhellenische Decke ophiolithische und sedimentäre Deckschollen
Maliakische Decken
Pelagonische Decken
Zentralhellenische
Intermediäre Einheiten
Decke
Parnass-Decke
Pindos-Decke
Obere Westhellenische
Decke
Westhellenische Decke Untere Westhellenische
Basale Einheiten
Decke
(metamorphe Serien)
Ähnlich der alpidischen Entwicklung setzt die Hauptsedimentation der Helleniden in allen Zonen etwa
gleichzeitig in Form von mächtigen Karbonatplattformen in der Permo-Trias ein. Als prämesozoischer
Sockel wurden ursprünglich die metamorphen Komplexe des Medianen Kristallingürtels, des
Peloponnes und des Kreta Inselbogens angesehen. Es hat sich jedoch herausgestellt, daß sie zu einem
guten Teil aus mesozoischen und sogar alttertiären Gesteinen aufgebaut sind.
Nach Abschluß der miozänen Gebirgsbildung hat sich die paläogeographisch-tektonische Situation
grundlegend geändert. Die danach entstandenen intramontanen Becken und die Entwicklung der
Paratethys zeigten nur geringe Beziehungen zur alpidischen Strukturierung.
Fig 3: Geologische Karte von Griechenland mit den tektono-stratigraphischen Einheiten
Seite 7
Fig 4: Tektonische Übersichtskarte von Griechenland (Jacobshagen 1986)
Seite 8
2.) GEOTEKTONISCHE STELLUNG DES ÄGÄISCHEN RAUMES
Folgende Merkmale sind von besonderer Bedeutung: Der Hellenische Graben, also eine Serie von
tiefen elongierten Meeresbecken verläuft bogenförmig von der Insel Kephalinia im Ionischen Meer
über W und SW von Peloponnes, S von Kreta und S von Rhodos. Stellenweise werden entlang dieses
Grabens Tiefen von ca. 5100 m erreicht. Die westlichen Becken werden durch nicht verfestigte, ca. 500
m mächtige, sedimentäre Ablagerungen charakterisiert. In den östlichen, tiefen Becken (Plinius und
Strabon Becken) wird das Fehlen einer sedimentären Abdeckung postuliert (Le Pichon & Angelier,
1979).
Der Mediterrane Rücken verläuft südlich des Hellenischen Grabens. Er wird durch unregelmäßige
Topographie und Verfaltung seiner sedimentären Abdeckung einschließlich der quartären
Sedimentablagerungen (Le Pichon et al., 1982) charakterisiert.
Der Hellenische Inselbogen verläuft bogenförmig nördlich des Hellenischen Grabens von Peloponnes
über die Inseln Kithira, Kreta, Karpathos und Rhodos in die Türkei. Die entlang dieses Inselbogens
auftretenden Gesteine sind paläozoischen bis tertiären Alters. Sie sind allgemein mehrfach während der
alpidischen Orogenese von Deformation und Metamorphose erfasst. Nördlich des Hellenischen
Inselbogens verläuft der Hellenische Vulkanbogen, der durch rezenten, kalkalkalischen Vulkanismus
charakterisiert wird.
Das Agäische Meer stellt ein relativ seichtes Becken am Rande des Europäischen Kontinentes dar,
welches im S durch den Hellenischen Inselbogen begrenzt wird. Es wird durch Becken, Rücken und
Plateaus charakterisiert. Die vielen Inseln im südlichen Bereich des Ägäischen Meeres gehören dem
s.g. Attisch-Kykladischen Kristallin, welches wiederum dem Medianen Kristallingürtel von
Griechenland gehört. Die nördliche Begrenzung des Ägäischen Meeres bildet der Anatolische Graben
(auch North Anatolisches Lineament - North Anatolian Fault, NAF).
Seismische Studien von Makris und Mitarbeitern haben gezeigt, dass die Erdkruste beiderseits des
Hellenischen Grabens einen kontinentalen Charakter aufweist. Ihre Mächtigkeit beträgt W von
Peloponess 46 km, im Bereich der Kykladen 30-35 km und N von Kreta 18-20 km, unterhalb Kretas 32
km. Wärmeflussmessungen haben eindeutig gezeigt, dass der Ägäische Raum im Vergleich zum EMittelmeer durch erhöhte Werte von 0.0871 Watt/m-² charakterisiert wird.
Makris (1978) und manche andere Autoren erklären das Fehlen von ozeanischer Kruste südlich des
Hellenischen Grabens durch eine Kontinent-Kontinent Interaktion zwischen der Ägäischen und
Afrikanischen Platten. Der erhöhte Wärmefluss wäre auf ein aufsteigendes Manteldiapir (plume)
unterhalb der Ägäis zurückzuführen.
Literatur
Huijsmans (1986): Geologica Ultraiectina, No. 41.
Keller (1982): Mediterranean island arcs. In Thorpe, R.S. (ed): Andesites, John Wiley, p. 307-325.
Le Pichon & Angelier (1981): Philos. Trans. R. Soc. London, Ser. A, 300, 357-372.
Makris (1978): Tectonophysics, 46, 251-284.
McKenzie (1972): Geoph. J. R. Astr. Soc, 30,109-185.
McKenzie (1978): Geoph. J. R. Astr. Soc, 55, 217-254.
Seite 9
3.) DER HELLENISCHE BOGEN (HELLENIC ARC)
(K. Voith)
Die zwischen 1962 und 1980 registrierten, seichten
(<50 km) und tieferen (>50 km) Epizentren von
Erdbeben entsprechend. McKenzie (1972, 1978)
definierte eine Ägäische Mikroplatte, deren
Umrisse ungefähr durch die Verteilung der seichten
Epizentren angegeben werden. Diese Mikroplatte
bewegt sich in SSW Richtung (211°) gegen die
Afrikanische Platte mit einer Geschwindigkeit von
etwa 3.5 cm/Jahr (Le Pichon & Angelier, 1981).
Es wird angenommen, dass Randbereiche der
afrikanischen Platte unter die ägäische Mikroplatte,
welche ein Teil der eurasiatischen Platte ist,
subduziert wurde. Dabei werden die Kykladen als
"back-arc"-Bereich
des
Hellenidenbogens
angesehen. Sie befinden sich also außerhalb der
Hauptdeformationszone und werden nur durch vertikale Bewegungen, Blockrotationen und tektonische
Entspannung charakterisiert. Durch den Vorgang der Subduktion am Hellenischen Bogen kommt es
zum Auftreten von Vulkanen und Erdbeben. Manche Seismologen postulieren eine Benioff-Zone, die
mit einer Neigung von ca. 30° nach NE eine Tiefe von ca. 220 km erreicht. Die Benioff-Zone ist eine
seismisch aktive Zone von Erdbeben, die vorwiegend entlang von Subduktionszonen auftreten, dabei
zeichnet räumliche Verteilung der Epizentren die kalte, in den Mantel abtauchende, ozeanische
Lithosphärenplatte nach. Der rezente Vulkanismus findet dort statt, wo diese Benioff-Zone eine Tiefe
von 130-150 km unterhalb der Ägäis erreicht. Andere Forscher hingegen bezweifeln die Existenz
dieser Zone. Hauptargumente gegen eine Benioff-Zone sind einerseits das Fehlen von ozeanischer
Kruste und das Auftreten von Erdbeben mittlerer Tiefe südlich des Hellenischen Grabens.
Der seichte Ast der Wadati-Benioff-Zone ist nicht besonders gut entwickelt, vor allem im Osten ist das
Einfallen vom fore-arc zum back-arc Bereich zweifelhaft. Ursache für die starken Erdbeben im oberen
seichten Ast (20-55 km) sind vor allem strike slip faults (Seitenverschiebungen), während tiefere starke
Erdbeben durch Seitenverschiebungen mit einer Überschiebungskomponente ausgelöst werden. Auf
Grund dieser Tatsachen kann angenommen werden, dass der seichte Ast (20-100 km) die
Kupplungszone zwischen ägäischer und mediterraner Lithosphäre darstellt. Außerdem wird vermutet,
dass eine aseismische Zone (80-100 km) existiert (zumindest im östl. Teil des Bogens) existiert, die ein
Bereich geringerer Starrheit darstellt, in dem die Lithosphärenplatten leichter aneinander vorbeigleiten.
Unterhalb dieser aseismischen Zone beginnt der tiefe Ast der Wadati-Benioff-Zone (100-180 km).
Ursache für die Erdbeben in diesem Bereich sind strike slip faults.
In der abtauchenden Platte entstehen strike slip faults mit thrust-Komponente, denn die maximale
Dehnung ist parallel zur Neigung der Wadati-Benioff-Zone, die maximale Kompression fast horizontal
und parallel zum Inselbogen.
Die Subduktionsrate des Mittelmeerbodens übertrifft die Annäherungsrate der Afrikanischen und der
Eurasischen Platte von 1-2 cm/Jahr, und dieses Bewegungsdefizit drückt sich in einer weitläufigen
Dehnungszone im Bereich der Ägäis und der Peloponnes aus. Diese Krustenausdehnung im Ägäischen
back-arc basin hat sich kontinuierlich gegen Westen verlagert (Dehnung bis in die Region des
Ambrakischen Golfs). Auf diese Dehnung sind die west-nordwestlich streichenden länglichen
Seite 10
Beckenstrukturen Westgriechenlands (der Golf von Korinth und Patras, der Trichonis-See sowie der
Ambrakische Golf) zurückzuführen.
Appendix:
Bei der Methode der Herdflächenlösungen wird die Art des Ersteinsatzes im Seismogramm
berücksichtigt: P-Wellen verursachen an der Oberfläche entweder eine kompressive oder eine dilative
Bewegung; kompressive Bewegung wird als Stoß, dilative als Zug wahrgenommen. Im Falle eines
Stoßes beginnt die Erdbebenspur des Seismogramms mit einem Ausschlag nach oben, bei dilativer
Bewegung erfolgt ein Erstausschlag nach unten. Zeichnet man die Art des Ersteinsatzes um ein
Epizentrum ein, so erhält man vier Quadranten mit abwechselnd kompressivem oder dilativem Einsatz.
Eine der beiden Abgrenzungslinien markiert die Lage der Bruchfläche.
Krustenuntersuchung der hellenischen Subduktionszone
Der hellenische Bogen ist die seismisch
aktivste Region in Europa; dieser entwickelte sich durch die Kollision zwischen
Europa und Afrika. Durch diesen Prozess
wurde die Kruste in den letzten 70 Millionen Jahren um fast 1000 km gekürzt.
Die aktuelle Konvergenzrate beträgt zwischen 4 und 5 cm/a. Diese Bewegung
setzt sich aus einer 3-4 cm/a SSW-Bewegung von Kreta und der südlichen Ägäis
relativ zum stabilen Eurasien und einer 1
cm/a Nordwärts-bewegung von Afrika
Richtung Eurasien zusammen. Kinematische Rekonstruktionen und der Versatz
des vulkanischen Bogens bestärken einen
generellen Versatz von 250 - 300 km der
hauptsächlich der Oligo - Miozänen Extension und nur teilweise der rezenten rigiden Extrusion zuzuschreiben ist. Trotz der großen Fehlergrenzen ist ein durchschnittlicher, finiter Versatz von 300 - 350 km Richtung Süden anzunehmen. Daraus ergibt sich eine Bewegung von 250 km (~2.3 cm/yr) seit dem mittleren Miozän.
Kreta repräsentiert eine Horststruktur, die in den letzten 5 Mio. Jahren angelegt wurde, und ist Teil des
äußeren nicht vulkanischen Bogens der südlichen Ägäis.
Auf dem Festland Kretas liegen bis zu 6 km Sedimente, vor allem mesozoischer Kalkstein. Es gibt
zwei sedimentäre Becken, die dem Kalkstein aufliegen: das Heraklion-Becken im Norden mit einer
Sedimentfüllung von bis zu 1 km Dicke und die Messara-Ebene weiter im Süden, die einen Halbgraben
darstellt. Im südl. Offshore-Bereich der Insel reduziert sich die Krustendicke kontinuierlich auf ca. 17
km bis sie schließlich auf die subduzierte ozeanische Kruste trifft. In diesem Bereich gibt es einen
drastischen Anstieg der Sedimentbedeckung von einigen hundert Metern auf über 7 km.
Seite 11
Fig 5: The Aegean volcanic arc (Keller 1982)
Fig 6: Morphology of the Aegean area (Huijsmans 1985)
Seite 12
4.) GEODYNAMIK DER ÄGÄIS
(A. Ruzbeh)
Verschiedenen Quellen zufolge bieten sich einige Anstöße zur Diskussion der ägäischen Geodynamik.
Jakobshagen (1986) befaßt sich mit der Frage, ob die Evolution der Ägäis letztlich durch die relative
Bewegung zwischen Europa und Afrika gesteuert wurde, welche die Subduktion der afrikanischen
Platte unter den Südostrand Europas verursachte, oder ob die primäre Ursache in vertikalen
Bewegungen zu suchen ist, die durch lithothermale Systeme im oberen Mantel in Gang gesetzt
wurden? Die Mehrzahl der Autoren legt der Entwicklung der Helleniden plattentektonische
Mechanismen zugrunde. Als Argumente für die plattentektonische Interpretation sprechen mächtige
Ophiolithkomplexe innerhalb des Deckenstapels der Helleniden. Sie werden als Relikte der im Jura
gebildeten ozeanischen Lithossphäre angesehen. Ebenso lassen sich die Blauschiefergürtel innerhalb
der Kykladen nur durch Subduktionsmetamorphose erklären.
Um ungefähr 21 Ma (Minimalalter) beginnt im Ägäischen Raum eine extensionelle Phase. Als sehr
aussagekräftigen Beweis dieser Phase finden wir bogenförmig über den ganzen ägäischen Raum
verteilt elongierte Dome über die sich ein penetratives N bis NNE Streckungslinear wölbt. Es sind
metamorphe Gesteine unter flach einfallenden Abschiebungen, die von nichtmetamorphem Material
überlagert werden - sogenannte Metamorphic Core Complexe (Lister 1984).
Fig 7: Bruchtektonik und Bewegungsrichtungen in den Kykladen (Gautier & Brun 1994)
Seite 13
5.) KYKLADEN: SPÄTALPIDISCHE EXHUMATION VON HP/LT GESTEINEN
IN DER ÄGÄIS
(E. Draganits)
Erklärung wichtiger Begriffe:
Uplift of rocks: Displacement of rocks with respect to the geoid. Uplift refers to displacement in the
direction opposite to the gravity vector. (England & Molnar, 1990, Geology, 18, 1173-1177)
Exhumation: Displacement of rocks with respect to the surface. The rate of exhumation is simply the
rate of erosion or the rate of removal of overburden by tectonic processes. (England & Molnar, 1990,
Geology, 18, 1173-1177)
Metamorphic core complex: wurde zum ersten Mal in den Kordilleren Nordamerikas verwendet und
beschreibt einen hochmetamorphen Gesteinskomplex (oft mit Migmatitbildung im Zentrum), der vom
Kern nach allen Seiten eine rasche Abnahme der PT-Bedingungen zeigt. Die Form eines solchen
Komplexes ist im Schnitt meist ellyptisch, wobei die lange Achse parallel zum Streichen des Orogens
liegt. Strukturell ist ein MCC auf allen Seiten von Abschiebungen begrenzt, die den Kern relativ zu den
äußeren niedrigmetamorphen Gesteinsserien exhumieren (® Helmuth Sölva).
extruding wedge: Modifiziertes channel flow Modell für Kontinent-Kontinent Kollisionszonen. Dabei
wird ein intern deformierter keilförmiger Kristallinblock im Hangenden einer Überschiebung und im
Liegenden einer Abschiebung extrudiert, wobei die Deformation eher an den Rändern des Keiles
konzentriert ist. Die Kombination aus reiner und einfacher Scherung in der Überschiebung bewirkt eine
zusätzliche Streckung dieser und ermöglicht dadurch die Extension und Abschiebung im Hangenden
trotz der im generellen andauernden Konvergenz. Der extruding wedge stellt einen sehr effektiven
Mechanismus der Exhumation in konvergenten Kollisionszonen dar. (Grasemann et al. in press, J.
Struct. Geol.)
Tektonischer Aufbau im Bereich der Kykladen:
Upper unit (hanging wall):. Charakteristisch ist das Fehlen von alpidischer Metamorphose (<70 Ma),
es gibt also weder Anzeichen für die Blau- noch für die anschließende Grünschiefer Metamorphose wie
in der unteren Einheit. Als Kristallinteile treten LP-MT Metamorphite auf, die etwa 70 Ma (spätkretazisch) Alter zeigen. Oft findet man eine ophiolitische Abfolge an der Basis mit unmetamorphen,
permischen bis spät kretazischen Sedimenten darüber, abgeschlossen von neogenen, oft synextensional
klastische Serien (unterstes Miozän - Pliozän).
Lower unit (footwall): Vom Hangenden ins Liegende werden 3 Einheiten unterschieden:
a) Blauschiefereinheit: Blauschiefer-fazielle Metasedimente, Metavulkanite und Meta-Ultrabasite, die
ein Alter um 45-50 Ma (U-Eozän) aufweisen und der M1 Metamorphose in diesem Raum
zugerechnet werden. Auf Syros, Sifnos und Tinos gibt es Eklogite innerhalb der Blauschiefer, die
P-T Bedingungen um 15-17 kbar und 450-500°C anzeigen).
b) Variszische Orthogneise: treten auf Naxos, Ios, Paros und Sikinos unterhalb der Blauschiefer
Einheit auf. Auf Ios konnte der Nachweis einer M1 Blauschiefer-faziellen Überprägung dieser
Seite 14
Orthogneise erbracht werden.
c) Para-autochthone Karbonateinheit: Aufgeschlossen unter Einheit b auf Samos, Euböa und Tinos.
Kein Nachweis von M1 in dieser Einheit. In dem Gesteinsverband finden sich Grünschiefer-faziell
metamorphe Schiefer und Marmore, in den Marmoren wurden triassische Algen gefunden. Der
Kontakt zu den höheren Einheiten wird als Überschiebung interpretiert.
Fig 8: Geological map of the Aegean Archpelago (Gautier und Brun 1994)
Seite 15
Geodynamische Entwicklung der Kykladen:
Der interne HP-Gürtel zeigt eine HP/LT Metamorphose (M1) um etwa 50-45 Ma (U-Eozän), für die in
der Literatur Bedingungen um 15-17 kbar und 450-500°C angegeben werden. Darauf folgend eine
Barrow-Typ Grünschiefer fazielle Überprägung (M2) um 23 Ma mit 5-7 kbar und 700°C. Das
Auftreten dieser Grünschiefer fazielle Metamorphose im internen HP-Gürtel ist etwa zeitgleich mit der
Hochdruck Metamorphose im externen Gürtel und ist besonders auf metamorphe Dome konzentriert.
Die geodynamische Entwicklung ist in der Literatur noch weit davon entfernt als gelöst betrachtet zu
werden. Ganz grob können vermutlich folgende 3 Stadien unterschieden werden.
A) Krustenverdickung: Relativ übereinstimmend werden in der Literatur für die Ägäis nach N
einfallende, S-vergente Überschiebungszonen mit der Krustenverdickung in Verbindung gebracht.
Diese werden durch die Kollision der ägäischen Platte mit der apulischen Mikroplatte ausgelöst,
letztere wird N-vergent subduziert. Dieser Prozeß wird für die Subduktion und Hochdruck
Metamorphose (M1) im internen HP-Gürtel verantwortlich gemacht. Die Überschiebungen sind
relativ lange aktiv, wie überschobene M-Eozän Sedimente in den internen Helleniden und
überschobene Oligozäne Sedimente in den externen Helleniden zeigen (Avigad et al. 1997). In
einem späteren Teil dieser Krustenverdickung werden bei noch immer andauernder Konvergenz der
zwei Platten die Hochdruckgesteine des internen HP-Gürtels extrudiert, vermutlich in der
Geometrie eines extruding wedge mit einer S-vergenten Überschiebung im Süden und einer
Abschiebung im Norden des internen Gürtels (Avigad et al. 1997). Beispielsweise sind auf Tinos
die Blauschiefer im Liegendem durch eine Überschiebung, im Hangenden durch eine Abschiebung
von deutlich schwächer metamorphen Gesteinen getrennt. Diese Situation ist auch auf anderen
Inseln der Ägäis weit verbreitet (Avigad und Garfunkel, 1989). Die 18 Ma alte Granitintrusion auf
Tinos durchschlägt sowohl die Über- als auch die Abschiebung und zeigt so deren Minimalalter.
B) Extension und Bildung von metamorphic core complexen: Nach dieser Phase verlagert sich
vermutlich die Subduktionszone nach Süden und verursacht die Blauschiefermetamorphose des
externen HP-Gürtels (externer HP-Gürtel hat keine Eklogite) und die Freilegung der Blauschiefer.
Gleichzeitig kommt es im internen HP-Gürtel zu einer Dehnung der gesamten Kruste und
verbunden mit M2 zu einer Bildung von metamorphic cores. Die Extension beginnt mindestens um
23 Ma, vermutlich noch früher (Walcott and White, 1998). Durch den P-T-t Pfad wird klar, dass
bereits zu Beginn der Extension (um 23-20 Ma) die Eklogite des internen HP-Gürtels schon in
einem relativ hohen Niveau waren und diese Extension deshalb nicht hauptverantwortlich für deren
Exhumation sein kann.
Im Gegensatz dazu unterscheidet Ring, Thomson & Bröcker (2003), dass die Exhumation an drei
Hauptdetachments erfolgte: entlang des Detachments von Kreta im frühen Miozän, dem
detachment von Ios im mittleren Miozän und dem Detachment von Moutsuna (Naxos) und
Mykonos im mittleren bis späteren Miozän, verbunden mit mittleren bis spätmiozänen Graniten,
welche auf eine Exhumation zwischen kompressiven und extensionellen Regimen hinweist. Die
ältesten Sedimente in den durch die Extension entstehenden Halbgräben sind 23 Ma alt. Das
Auftreten der Komponenten der unteren tektonischen Einheit in den neogenen Sedimenten zeigt an,
dass die Gesteine um 3 Ma die Oberfläche erreichten. Um 10 Ma intrudieren Granitoide. Die
Hochdruckgesteine des externen HP-Gürtels werden vermutlich ebenfalls als extruding wedge nach
oben gebracht. Nach dem selben Prinzip wird auch die Exhumation der HP/LT-Gesteine auf Kreta
(externe Kristallingürtel von Griechenland) erklärt. Es ist allerdings zu bemerken, dass die HP/LTMetamorphose auf Kreta etwa gleichzeitig mit dem M2-Ereignis in den Kykladen (innerer
Kristallingürtel von Griechenland) erfolgte. Manche Autoren erkennen dadurch einen "paired
metamorphic belt", der durch ein aktives Sedimentbecken (Meer von Kreta) getrennt wird.
Seite 16
Fig 9: Metamorphic belts in the Aegean region (K. Petrakakis)
Fig 10: The two main metamorphic belts (Jolivet et al. 1994)
Seite 17
Ähnlichkeiten zu Nordamerika
Es ergeben sich mehrere Ähnlichkeiten der ägäischen zu den nordamerikanischen Metamorphic Core
Komplexen:
- Eine große duktile Scherzone in der Mylonite gebildet werden.
- Ovale Dome mit sich darüberwölbender Streckungslineation.
- Magmatische Aktivität gebunden an die Upliftphase
- Fortschreitende Mylonitisierung mit abnehmender Temperatur
- Späte flach einfallende Abschiebungen - von nichtmetamorphen Gesteinen überlagert.
Im Zuge dessen können also auch geodynamische Modelle von Nordamerika und Ägäis parallelisiert
werden.
Änderungen im Deformationsmuster im Ägäischen Raum und rezente Bewegungen
Jolivet (2001) verglich Bewegungen von Ground Control Points (GCP), also von markanten
geographischen Punkten, dessen Koordinaten in bestimmten Zeitabständen mit Hilfe des GPS
gemessen wurden, mit dem finiten Deformationsmuster im Oligo - Miozän.
Armijo et al. sind der Meinung, dass die Extension im Golf von Korinth durch einen Pull Apart
Mechanismus an die Bewegung der Nordanatolischen Störung gebunden ist. Die vorgefundenen
Tatsachen zeigen aber, dass das rezente tektonische Regime im Golf von Korinth bereits im Oligozän
und Miozän, also lange vor der Entwicklung der Nord Anatolischen Störung aktiv war.
Man muss bedenken, dass Kreta im früheren Miozän weiter nördlich seiner heutigen Position lag und
dann im Zuge der Öffnung der kretischen See nach Süden wanderte. Im frühen Miozän bestand also
eine N-S Extension entlang dem äußeren Bogen und eine NNE Extension in den Kykladen.
Extension in der kretischen See ist jünger, als weiter nördlich in den Kykladen und die finite
Krustenausdünnung größer, all dies weist auf eine schnellere Extension gegen das Ende der ägäischen
Deformation hin. Während extensionelle Strainraten über lange Zeiträume konstant blieben, nahm die
Geschwindigkeit der Bewegung zwischen ägäischem Block und Eurasien mit dem Beginn der
Extrusion rapide zu. Auswirkungen dieser Beschleunigung sind in der südlichen Ägäis zu beobachten.
Hier fand vor 2 - 4 Ma der Umschwung von einer N - S gerichteten Extension zu einer E - W
gerichteten statt. Die südwärts gerichtete Bewegung des Hellenischen Bogens ist an ihren westlichen
und östlichen Rändern viel schneller, als im zentralen Bereich.
Motor der Bewegung
Davies et al (1997) nennen gravitativen Kollaps als bewegender Motor für das rezente
Geschwindigkeitsfeld der Ägäis. Falls sich die Extensionsraten seit dem Oligozän nicht geändert
haben, so stellt der gravitative Kollaps eine plausible Erklärung dar. Zu bedenken ist jedoch, dass die
Dicke der Kruste - und somit auch die Topographie - nach diesem Modell mit der Zeit abnimmt,
während slab retreat (slab roll back) über viel längere Zeit konstant bleibt, mit der Zeit sogar zunehmen
kann. Somit kann der gravitative Kollaps nicht der einzige Motor der Extension gewesen sein. Wenn
die Rate der Extension trotz der rigiden, schnellen Bewegungskomponente (der Extrusion) gleich
bleibt, so lässt sich der Motor der Extension eher innerhalb der Lithosphäre, als in einem Zug an ihrer
Basis vermuten.
Seite 18
Fig 11: NS-cross sections through the Attic-Cycladic Crystalline (Lister 1984)
Seite 19
6.) DAS ATTISCH - KYKLADISCHE KRISTALLIN
(A. Mundl, H. Zeitlhofer)
Der metamorphe Kristallinkomplex der Kykladen besteht aus 2 tektonischen Haupteinheiten:
- untere und mittlere Einheit: aus syn- und prämetamorphen Sequenzen:
präalpine metamorphe Gesteine
allochthone Gesteine von Naxos und Paros (Basement des attisch kykladischen
Massivs)
syn- und prämetamorphe Gesteinsserien der M1 und M2 Phase
metamorphe mesozoische Karbonate
klastische Sedimente
basische und saure Vulkanite
Granitintrusionen
- obere Einheit:
permische und triadische Sedimente
kretazische HP/LT metamorphite und Granite
auseinandergeglittene Ophiolite
Eozäne Hochdruckmetamorphose:
Der eozäne hoch-P Metamorphismus der Kykladen ist Teil eines weit ausgestreckten hoch-P
Metamorphose-Belts, der sich von S-Yugoslavien über den Mt. Olympus im Norden Griechenlands
über den Attic-Kykladen Komplex bis in die Türkei zieht.
Dieser entstand auf Grund der Kollision zwischen der Apulischen Mikroplatte im Süden und der
Eurasischen Platte im Norden.
Am besten sichtbar ist dieses Ereignis auf den Inseln Sifnos und Syros.
Die petrologische Analyse geht vor allem auf die Untersuchungen der Insel Sifnos zurück:
Die Blauschiefer-Einheit tritt vor allem im nördlichen Teil der Insel an die Oberfläche und ist von 2
Marmoreinheiten begrenzt. Sie besteht vor allem aus sauren und basischen metavulkanischen
Gesteinen mit metasedimentären Zwischenschichten.
Hochdruck-Mineral-Vorkommen der Blauschiefer – Einheit:
Metabasites:
Eklogite
(+/- Qtz, Sph)
Om-Ph-Gr-Gl-Ep
Om-Gr-Ep
Blauschiefer
(+/- Qtz, Rt, Ph)
Gl-Ep-Gr-Om-Pg
Gl-Ep-Gr-Ctd-Pg
Seite 20
Act-führende Metabasite
(+/- Qtz, Sph)
Om-Act-Gr-Gl-Ep-Ph
Act-Chl-Ep+/-Gl+/-Ph
Meta-acidites:
Jadeit gneisses
(+/-Rt, Ph, Ep)
Qtz-Jad-Gl-Gr-Pg+/-Ctd
Metasediments:
Marmor
Cal+/-qtz+/-Ph+/-Ep+/-Gl
Quartzites
Qtz-Gr; Qtz-Gl; Qtz-Om-Ep
Qtz-Dee-Mt-Gr-Aug-Cor-Cum-Act
Metapelites
Qtz-Ph-Gr-Gl-Ep+/-Rt+/-Sph+/-Cal
Das Auftreten von Granat und Epidot zeigt an, dass das Gestein hochgradige Blauschiefer-fazielle
Umwandlung erfahren hat.
Steigender Na-Gehalt und sinkender Ca-Gehalt in den Blauschiefern zeigt, dass der Protolith bei
niedriger Temperatur umgewandelt wurde.
Der Na-Gehalt des Jadeit-Gneisses in den Zwischenschiechten, weist ebenfalls auf eine niedrigTemperaturumwandlung in Verbindung mit Meerwasser hin.
Die obere und untere Grenze des Drucks ist durch das Auftreten von jadeit-reichen Pyroxenen + Quartz
und Paragonit anstelle von Omphazit und Kyanit gegeben.
Evans bestimmte einen Druck von 14-18 kbar bei einer Tiefe von 45-60 km.
Die p/T –Bedingungen bestimmt für die Insel Sifnos sind für fast alle Teile der Kykladen repräsentativ.
Miozäne Mitteldruckmetamorphose:
Der miozäne Metamorphismus hängt mit der thermalen Reaktivität des aufsteigenden KykladenKomplex zusammen.
Das 2. metamorphe Ereignis in den Kykladen überprägte, teilweise sogar zur Gänze, weite Teile des im
Eozän durch hoch-p Metamorphose veränderte Gestein.
Es herrschten Grünschiefer- bis untere Amphibolitfazielle Bedingungen.
Sifnos:
Die Grünschiefer-fazielle Überprägung bezieht sich ausschließlich auf die untere tektonische Einheit:
Die Grünschiefer-Einheit kommt v.a. in Zentral-Sifnos vor, typisch:
albit-chlorit-epidot-phengit-calcit-quartz+/-barrositic amphibol
Das Gestein zeigt häufig Gneistexturen: abwechselnd karbonat- bzw. silikatreiche Schichten.
Teilweise kann man noch Reste aus der Blauschieferfaziellen Umwandlung erkennen:
jadeit und quartz ersetzt durch albit
chlorit aus granat gebildet
albit-chlorit-calcit-actinolith ersetzten tw. Glaucophan
Seite 21
Miozäne Granitintrusionen:
Nach dem Höhepunkt der miozänen Mitteldruckmetamorphose fanden I-Typ und S-Typ
Granitintrusionen statt.
S-typ Intrusionen fanden auf Tinos, Paros, Naxos, Samos und Ikaria statt und beschränken sich auf den
Zentralen und NO-Teil des Kristallinkomplex.
Die meisten I-Typ Plutone sind Zusammensetzungen, durch zB mehrfache Intrusionen von chemisch
verschieden zusammengesetzten Magmen. Die unterschiedlichen Gesteinsarten zeigen einen
strukturellen Zusammenhang.
Beispiele sind die Inseln Samos, Serifos und Kos:
Samos:
der Intrusivkomplex besteht aus Dioriten, Monzodioriten, (Quarz)Monzoniten,
Granodioriten, Monzograniten und seltenen Pegmatiten
Serifos:
der granodioritische Komplex ist konzentrisch zoniert.
der zentrale Teil besteht aus verschiedenen Variationen von Granodioriten
der äußere Teil hat eine granodioritische, granitische Zusammensetzung
Kos:
der Monzonitkomplex besteht aus 2 Hauptintrusionen
Der miozäne Metamorphismus und die Eruptivtätigkeiten finden gleichzeitig mit der Entwicklung
eines Metamorphose-Gürtels am Peloponnes und auf Kreta statt. Man spricht von einem „paired
metamorphic belt“.
Im SE grenzt das Pelagonische Deckenland an eine quer zum Generalstreichen verlaufende Linie gegen
metamorphe Gesteine des Medianen Kristallingürtels, die in virtuell geschlossener Verbreitung SüdostEuböa, den südöstlichen Teil Attikas samt der Halbinsel Laurion und fast alle Kykladen-Inseln
einnehmen.
Auf bathymetrischen Karten des Ägäischen Meeres ist zu sehen, daß sich SE Euböa und das
südöstliche Attika, Laurion, in einem über weite Strecken hin kaum 200m Tiefe unterschreitenden
Schelf fortsetzen, dem die westlichen und zentralen Kykladen als den Wasserspiegel überragende
Gebirgsinseln aufsitzen. Südwestlich und südlich, etwas außerhalb, liegen die quartären Vulkaninseln
Milos und Thera (Santorin).
Das Kykladen-Kristallin entspricht einem alpidischen Komplex, in dem verschiedenartige Einheiten
stecken, die nur durch die gemeinsam erlittene tektonische und metamorphe Prägung einander
angeglichen wurden. Das heterogene Kristallin besteht hauptsächlich aus Gneisen, kristallinen
Schiefern, Quarziten, zum Teil sehr mächtigen Marmorfolgen, Metavulkaniten und Ultrabasiten. Bei
den Gneisen handelt es sich teilweise um überprägtes präalpidisches Grundgebirge. Anhand von
Fossilien konnten in verschiedenen Marmoren ein Alter von Jungpaläozoikum bis Alttertiär datiert
werden.
Seite 22
Im Attisch-kykladischen Kristallin unterscheidet man grob 3 Gruppen von Einheiten:
1) untere Gruppe: Sie zeigt präalpidische metamorphe Prägung und tritt in Form von großen
Gneisdomen bei los auf. Dieser Untergrund stellt gemeinsam mit dem Allochthon von Paros und Naxos
das Basement des kykladischen-Kristallins dar.
2) intermediäre Gruppe: Im geographischen Raum der Kykladischen-Inseln zählt man dazu die
Makrotandalon und Ochi Einheit, die nördl.- und südl. Zykladen-Einheit sowie die Dryos und Messaria
Einheit. Die intermediäre Gruppe von Einheiten weist allgemein eine mehrphasige Metamorphose
und progressive Deformation auf. Einem oberkretazischen bis eozänen HP/LT -Ereignis folgt eine
oberoligozäne bis untermiozäne grünschieferfazielle Überprägung, die lokal durch das Aufsteigen von
Wärmedomen (Naxos) bis zur Migmatisation geführt hat. Dieses Ereignis wurde im Miozän von einem
intensiven Plutonismus begleitet, der zu zahlreichen Kontakterscheinungen und Skarnbildungen geführt
hat.
3) obere Gruppe: Dies betrifft die nicht-metamorphe Kykladische Einheit. Sie tritt in Form von
Klippen auf mehreren Inseln (Paros, Naxos, u.a.) über allen oben beschriebenen Einheiten auf und
besteht aus nicht metamorphen Gesteinen wie Vulkanoklastite, Kalke und Dolomite der Trias bis Jura.
Aufgrund des Auftretens von Molasse an ihrem obersten Teil im U-Miozän steht fest, daß die
Überschiebung dieser Einheit über dem Kykladen-Kristallin obermiozänen Alters ist.
Fig 12: Metamorphic events in the Cyclades (Ch. Iglseder 2004)
Seite 23
SYROS
Fig 1: Physical map of Syros
Seite 24
Fig 2: Geological map of Syros (modified after Trotet et al. 2001)
Seite 25
Fig 3: Geological map
and lithostratigraphic
chart ( Hecht & Dixon
1985)
Seite 26
7.) SYROS
(M. Hamilton)
Geologischer Überblick
Syros, Sifnos und Tinos sind jene Inseln des Attisch-Kykladischen Massivs, welche den höchsten
Grad an metamorphen Blauschiefern aufweisen. Die Metabasischen Gesteine bestehen aus den
Mineralen Glaucophan, Epidot, Granat-Omphazit und hellem Glimmer.
Der metamorphe Kristallinkomplex lässt sich in zwei tektonischen Einheiten unterteilen:
-
untere Einheit mit syn- und praemetamorphen Sequenzen
Metamorphe mesozoische Karbonate
Klastische Sedimente
Basische und saure Vulkanite
Granitintrusionen
-
obere Einheit
Sedimente des Perm und Trias
HT/LP-Metamorphite und Granite der Kreide
Überreste eines Ophiolithkomplexes, der am Ende des Miozäns tektonisch in
die untere Einheit verschoben worden ist
In der unteren Einheit sind zwei metamorphe Hauptereignisse zu erkennen:
-
M1 HP/LT-Metamorphose (mittleres Eozän)
M2 MP/MT Metamorphose (spätes Oligozän bis mittleres Miozän)
Unmittelbar nach und während des miozänen metamorphen Ereignisses fanden
Granitintrusionen statt.
Syros selbst ist berühmt wegen seiner Glaucophangesteine, die schon Mitte des 19. Jahrhunderts
das erste Mal in der Literatur erwähnt wurden.
Die Insel besteht aus einer Abfolge von pelitischen Schiefern, Marmor und Metabasiten mit N bis
NE Einfallen und unterscheidet sich von der südwestlich gelegenen autochthonen Zone.
Diese Autochthone Zone ist in ihrer Größe in der Ägäis einmalig, da sonst nirgens nicht
metamorphe Sedimente, wie Karbonate oder Klastika gefunden wurden.
Es ist anzunehmen, dass eine dünnere Lage an Sedimenten durch einen accretionary wedge
übereinander gelagert wurden. Am Besten ist dies im Norden der Insel zu sehen.
Darüber lagert sich die später im Miozän entstandene Grünschiefer. Diese fazielle Überprägung
bezieht sich ausschließlich auf die untere tektonische Einheit. Sie besteht aus den Mineralen Albit,
Chlorit, Epidot, Pheningit, Calcit, Quarz und Amphibol.
Der Meta-igneous-Serpentinit Gürtel der Blauschieferzone im Norden der Insel weist auf einen
Ophiolith hin, der verschiedene Gesteinstypen beinhaltet:
- Metagabbros mit ophitischer Textur
- Leukokrates Gestein mit Breccien und Gabbro
- Sedimentäre magmatische Breccien mit metaigneous Klasten in Glaucophan und OmphazitAnkerit Textur.
Die ganze Abfolge besteht aus linsenförmigen Blöcken mit serpentinitischer oder country-rock
Matrix.
In diesen hochgradigen Blauschiefern liegen metasomatische Teile und Gabbro-Dyke- Komplexe.
Seite 27
An zwei verschiedenen Stellen liegen unterhalb der meta-.igneous Einheit eine dünne Schicht an
basischen Klasten in einer Sequenz aus Marmoren und Schiefern eingebettet.
Folgende Hauptphasen der Blauschiefer Entwicklung und begleitenden Formation können
festgestellt werden:
- im N – NE karbonatisch, dominierte Sequenzen
- klastische Silikate aus südlichen Quellen
- tektonische Verteilung der ozeanischen Lithosphäre
- Südwärts gerichtete Migration eines ophiolitischen Schuttflusses mit dentritischen
Serpentiniten
- Serpentinite und eingeschlossene magmatische Blöcke sind wahrscheinlich flachgedrückt zu
einem quasi parallelen Horizont
- Während einer Subduktion wurde alles tief begraben.
- Kennzeichnung einer synmetamorphen Deformation.
Das ganze Blauschieferareal ist intensiv verformt. Diese parallele metamorphe Foliation während
der Hochdruckmetamorphose ist einzigartig.
Gesteinsarten und Minerale im nördlichen Gebiet
+ Metasedimente liegen an der Westseite der Insel.
+ Dolomitische Kalke gibt es vereinzelt in dünnen Schichten oder in Kalzitschiefern.
+ Gemischte Marmore und Kalzitschiefer enthalten verschiedene Quarze, Glaucophan, Epidot,
Lawsonit, Granat, Chlorit, Pheningit und Paragonit.
+ Graue semipelitische Schiefer liegen dazwischen. Sie enthalten Quarz, Magnesit, Glaucophan,
Chlorit, Granat, Muskovit, Lawsonit, Rutil und Graphit.
Meta-igneous Gesteine
Metagabbro und Metagabbrogneise besitzen eine Textur, die von der magmatischen Textur der
Plagioklase und von mafischen Mineralen beeinflusst ist. Es sind unverformte Gesteine mit einer
körnigen Gabbrotextur und mit verschiedenen Verbindungen, meist Glaucophan und Epidot
pseudomafischer und felsischer Komponenten. Feinkörnige Mikrogabbro Xenolithe sind erhalten.
Aber in einigen hoch verformten Gneisen kann man einen Einfluss einer früheren mafisch,
felsischen Ausscheidung erkennen, das auf einen Glaucophan-Epidot-Granat Gneis hinweist.
Ein relativ eisenarmer Metagabbro kommt mit einer Mächtigkeit von 600-700m vor. Die
Zusammensetzung besteht aus Glaucophan-Aktinolit-Omphacit-Granat-Zoisit-Quarz und Paragonit.
Die P/T weist auf 450°C und 13kb hin.
Basische Gneise haben ähnliche Zusammensetzungen wie Gabbro, sind aber feinkörniger. Saure
Gneise sind hell, feinkörnig, oft in Gruppen von Jadeit-Quarz-Granat- Paragonit, ebenso ist
Glaucophan vorhanden.
An der NE Küste von Syros gibt es drei Typen von metamorphen Breccien:
+ Der erste Typus besteht aus bis zu 1 ½ m großen angular (gerundeten) Blöcken, die in
metabasischer glaucophanreicher Matrix liegen.
+ Der zweite Typus besteht aus mafischen und sedimentären Gesteinen, die in einer Omphacit,
Chloritepidot und Na-Amphibol Matrix mit Chlorit und Apatit liegen mit 50%tigem Anteil an
Ankerit. Teile dieser Ankerit Breccie sind undeformiert, die meisten aber wurden auf bis zu 50m
Länge und 50cm Dicke ausgedünnt. Die quarzreichen Gesteine weisen monomineralischen
Omphazit auf. Die chromreichen Teile können bis zu 40m dick sein und sind reich an dentritischen
Chromspinellen und Serpenteniten. Im Serpentinit liegen auch metasomatische Blöcke von
Seite 28
magmatischen Gesteinen. Viele sind gerundet und selten größer als 5m. Es gibt aber einen bis zu
120m hohen „Monolith“ der im Glaucophan Eklogit freien Quarz aufweist.
Die häufigsten Gesteine sind Eklogit und Chlorit Eklogit, sowie Pyroxenite mit etwas Jadeit;
Ägirien- Jadeit-Chloritgesteine mit Magnetit und Apatit; Glimmerpyroxenite, Glaucophane,
Eklogite mit verschiedenen Metagabbros.
Der „Vari Komplex“ im SO der Insel ist eine Genese von Albit-Alkalifeldspat Gneisen, der basal in
einem tektonischen Fenster auftritt. Er wird als Teil eines variszischen, tertiär überprägten
Grundgebirges angenommen.
Gesteine
Eklogite
Sind weitverbreitet und mit anderen Metamorphiten, wie Schiefer, Gneise, Granulite und
Blauschiefer vergesellschaftet. Ebenso in Verbindung mit Peridotiten, Serpenteniten und
Kimberliten. Sie sind mittel- bis grobkörnig, massig, dicht und grünlich rot gesprenkelt. Die
Färbung geht auf die Kombination von Omphazit (Di+Jd) und Pyrop(Grt) zurück. Die Struktur der
Eklogite ist meist granoblastisch. Almandin, Rutil. Disthen, Amphibol oder sogar Diamant können
vorkommen.
Grünschiefer
sind dunkelgrüne, feinkörnige Gesteine mit Schieferung. Die dunkelgrüne Farbe wird durch die
Minerale Aktinolith, Chlorit +/- Epidot hervorgerufen. Er kann gebändert oder lagig ausgebildet
sein. Plagioklas reiche helle Bänder wechseln mit Plagioklas ärmeren dunklen Bändern. Manchmal
gibt es auch Porphyroklasten.
Manchmal erscheint Aktionolith in schlanken Prismen und Nadeln, dann kann durch subparallele
Einregelung eine Lineation entstehen. Die magmatischen Ausgangsstrukturen bleiben meist
erhalten. Eine Reihe von verschiedenen Mineralen können auftreten, wie Magnetit, Apatit, Tianit,
Quarz, Biotit, Muskovit und Hornblende.
Glaukophanschiefer
oder Blauschiefer. Die Farbe geht auf das blaue Mineral, Na-Amphibol (Glaukophan) zurück. Es
sind feinkörnige, dunkle und kaum geschieferte Gesteine. Glaukophanschiefer kann aus basischen
Magmatiten und aus sedimentären Gesteinen entstehen. Weitere Minerale der Blauschiefer sind
Lauwsonit, Pumpellyit, Almandin, Aktinolith, Rutil, Omphazit und Jadeit.
Seite 29
8.)TEKTONO-METAMORPHE ENTWICKLUNG VON SYROS
(Trotet, F., Jolivet, L. & Vidal,O. 2001. Tectono-metamorphic evolution of Syros and Sifnos
islands (Cyclades, Greece), Tectonophysics 338, 179-206)
Vorwort
Miozäne Exhumation von Metamorphen Gesteinen in der Ägäis ist teilweise eine Folge postorogener Extension. Wenn der post-orogene Mechanismus der Exhumation eher verstanden wird,
bleibt der Mechanismus syn-orogener Exhumation im Eozän immer noch rätselhaft. Frühere
Autoren argumentierten mittels Begriffen der Extension und Kompression.
Neue strukturelle und petrologische Daten zeigen, dass die Exhumation von HP-LT-Gesteinen
bereits während des Eozäns extensionelle duktile Scherzonen im Krustenmaßstab beinhalten. Ein
Kontinuum von duktiler Scherung nach NE und E kann vom Eozän (in der Blauschieferfazies) bis
zum Miozän (in der Grünschieferfazies) beobachtet werden. Diese Deformation ist in den
Blauschiefern und Eklogiten gleichmäßig verteilt, während sie in den Grünschiefern an duktilen
Scherzonen lokalisiert ist.
Eklogite, welche nur am Top der Gesteinsabfolge erhalten sind, wurden entlang eines „kalten“
retrograden P-T-Pfades exhumiert, während im liegenden Anteil der Abfolge eine schrittweise
Rückläufigkeit der Eklogite in Blauschiefern und Gesteinen der Grünschieferfazies beobachtet
werden kann. Diese Anteile (des Liegenden) wurden anschließend bevor sie abkühlten entlang eines
P-T-Pfades mit beinaher isothermaler Dekompression exhumiert. P-T-t-Deformation-Daten weisen
darauf hin, dass die attisch-kykladischen Blauschiefer in einem fortschreitenden Kontinuum von
Akkretion an der Basis eines orogenic wedges und nichtkoaxialer extensioneller Deformation am
Top (des orogenic wedges) exhumiert wurden; verteilt während der syn-orogenen Phase und
lokalisiert während der post-orogenen Phase.
Einleitung
Extension der Kruste aufgenommen von flach geneigten Detachments wurde als ein effizienter
Mechanismus zur Exhumation von metamorphen Gesteinen an konvergenten Plattengrenzen
vorgeschlagen. Diese Extensionskräfte können verschiedene Ursachen haben: a) slab rollback
(Zurückweichen der subduzierenden Platte)
b) Konvektive Entfernung von dichter Lithosphäre an der Wurzel
c) Kollaps einer überdickten Kruste
Das Gebiet der Kykladen repräsentiert ein klassisches Beispiel von einem HP-Gürtel in einem backarc-Bereich. Auch wurden von verschiedenen Autoren mehrere Detachments (Abscherhorizonte mit
flachem Einfallswinkeln) beschrieben, welche mit post-orogener krustaler Extension in Verbindung
gebracht werden (i.e. nach der HP-metamorphose). Ihr Vorhandensein ist von entscheidender
Bedeutung für die Bildung des Ägäischen Meeres seit oder während des frühen Miozäns.
Zwei unterschiedliche Modelle wurden vorgeschlagen:
1) Trotet et al. 2001; eine rapide Exhumation entlang dieser Detachments, welche die
Exhumation entlang einer kühlen Geotherme und somit auch die Erhaltung der
Blauschiefer-mineralogie erlaubten. Allerdings sind die Blauschiefer(BS) und Eklogite(EK)
auch unterhalb der Grünschiefer(GS)-Mylonite (in den Miozänen Detachments) gut
erhalten. Auch ist noch nicht klar wie weit extensionelle duktile Scherzonen in der Tiefe
aktiviert werden können und inwieweit sie für die frühe (Eozäne) Exhumation
verantwortlich sind.
2) Ring et al. 2003; eine schnelle Extension mit geringer Exhumation entlang der
Detachments. Dafür unterschiedliche Abkühlraten zwischen der Hangingwall(HW) und der
Footwall(FW): rapide Abkühlung der FW und langsam(ere) Abkühlung der HW. Anhand
von Fission.track- (Spaltspur) daten an Zirkonen und Apatiten (sog. Thermochronologie)
werden kurze Versatzweiten erklärt. Jedoch sehen auch diese Autoren die flachwinkeligen
Seite 30
Abschiebungshorizonte als dominante tektonische Prozesse an, welche die Ägäis formten
und deren Hauptursache schnell gleitende Detachments sind. Ihre großen Versatzweiten
versuchen sie mit mehreren Entwicklungsstadien von Detachments(Det) zu erklären; das
Det von Kreta im frühen Miozän, das Det von Ios im mittleren Miozän und das Det von
Moutsuna (Naxos), Mykonos und Vari (Syros) im mittleren bis späten Miozän, welche die
letzte Exhumationsphase der BS der Kykladen vollbrachte. Zuerst schnelle Exhumation in
einer Tiefe bis ~ 10km und dann langsame Exhumation entlang spröd-duktiler Det zwischen
9-6 km.
Eine neue Frage entsteht durch die basale GS-fazielle Überprägung der BS- und EK-Einheit
sowohl auf Syros, als auch auf Sifnos. Mehrere unterschiedliche Interpretationen versuchten die
Lage von BS und EK im Hangenden von GS zu erklären:
1) Matthews & Schliestedt,1984 und 1987 bzw. Wijbrans,1990; die GS-fazielle
Überprägung resultiert aus durchdringenden Fluid-infiltrationen und einem
Temperaturanstieg nur an der Basis der BS
2) wohingegen Avigad,1993 bzw. Lister & Raouzaios,1996 die Herkunft der BS und GS
aus verschiedenen strukturellen Ebenen und Positionen, bis zur GS-faziellen
Überprägung während der post-orogenen Geschichte mit extensioneller- (Avigad) und
Überschiebungstektonik (Lister) zu erklären versuchten.
Nichtsdestotrotz haben diese unterschiedlichen Ansichten entscheidende Bedeutung für die
Exhumation der BS in der Ägäis.
Geologische Situation
In den Kykladen können drei Haupteinheiten, getrennt durch flachwinkelige tektonische
Kontakte unterschieden werden: (vom L zum H)
I)
Untere Paraautochthon aus Metasedimenten (Evia, Samos, Tinos) oder
Orthogneisen (Paros, Naxos)
II)
Die Eo-Oligozäne BS Einheit, bestehend aus Metabasiten und Metasedimenten,
welche die ozeanische Kruste des Arvi Ozeans (auf Kreta) wiederspiegelt.
III)
Die obere Decke bestehend aus Sedimenten, Ophioliten, und Vor-Eozän
Metamorphiten
Zwei Haupteinheiten können auf Syros unterschieden werden:
1)Obere Vari-Einheit (VU); zwischen Vari und Azolimnos im SE von Syros, bestehend
aus einem Orthogneis metamorphisiert unter GS-faziellen Bedingungen, Serpentinite,
feinkörnige Chloritschiefer und metabasische Grünschiefer.
Stratigraphisch gehört die Vari Einheit zur obersten Decke über den BS. Geochronologische
Daten an Phengiten in den O-Gneisen zeigen Kretazische Alter. Die Vari Einheit ist von der
unteren Einheit durch einen flachwinkeligen tektonischen Kontakt getrennt, als Störung
beschrieben.
Somit können wir sagen, dass die VU eine Präalpine Geschichte wiederspiegelt.
Die Hauptfoliation S1wird von einer Wechselagerung aus Schiefern und Gneisen gebildet,
welche generell NW-SE-streichen und nach E einfallen. 050 – 060 Lineare wurden nahe
dem Kontakt zur EU gemessen, sowie drag folds (Schleppfalten) mit N gerichteten
Faltenachsen im Handstückmaßstab konnten beobachtet werden.
Der Kontakt zur EU ist von einer steil-stehenden Abschiebung begrenzt, welche ein
Kontinuum top nach E-Bewegung mit simple shear, angezeigt durch asymmetrische
Druckschatten mit Gln-nadeln und C` Scherbändern mit Gln und Qtz in den
Seite 31
darunterliegenden Eklogiten. Der Kontakt selbst besteht aus einer 20 m mächtigen Breccie,
in der die Gesteine allgemein nach 070 gestreckt sind. An der Basis der Breccie findet man
Klasten der darunterliegenden Eklogite mit mehr oder weniger retrograden GS-fazieller
Überprägung und vielen Qtz, Chl und Cal –adern bzw gängchen. Hingegen am Top der
Breccie finden sich Klasten der darüberliegenden Orthogneise.
2)Untere Ermoupoli-Einheit (EU); bestehen vom H zum L aus Glaukophaniten,
Metagabbros, Quarziten und Metagrauwacken mit karbonatischen Fraktionen,
metamorphisiert unter EK- bis BS-faziellen Bedingungen. Dieser obere Teil der ErmoupoliEinheit wird als Metaflysch interpretiert.
Das L besteht aus Metakonglomeraten (bestehend aus Karbonaten, Vulkanoklastikern und
Radiolariten), sowie einem 40-800 m mächtigem Horizont aus Kalzitischen oder
Dolomitischen Marmoren mit quarzitischen Linsen am Top.
Weiter im L folgen Quarzite, Marmore, Glimmerschiefer, Gneisse und basische Gesteine,
welche unter GS-faziellen Bedingungen metamorphisiert wurden. Zum Teil sind ein paar
Linsen mit Glaukophaniten und Relikten der HP-Metamorphose erhalten.
Zum strukturellen Inventar:
D1) Die Schiefer und Gneise der EU sind von aufschlussgroßen Isoklinalfalten
zwischengelagert (P1). Eine frühe S1-Foliation kann reliktisch in Grt-poikiloblasten
beobachtet werden.
D2) Die Hauptfoliation S2 wird von zwischengeschichteten Metabasiten, Metagrauwacken
und Glimmerschiefern gebildet. Die Streichrichtung ist EW und fällt nach N ein. Die
Foliationsflächen S2 zeigen L2 Streckungslineationen mit einem generellen EW-Trend. Die
P2 Falten im Handstückmassstab stellen meist intrafoliale Schleppfalten und Kinks dar. Die
Intensität und räumliche Verteilung ist über die gesamte Einheit relativ homogen. Auch
können Eklogitboudins in Marmoren mit E und NE Streckungsrichtung beobachtet werden.
D3) Die Strukturen der 3. Deformationsphase sind weniger einheitlich verteilt wie D2 und
Lineation L3 kann bevorzugt auf lokalisierten C-Flächen beobachtet werden.
D4) In den meisten BS werden die duktilen Strukturen von D4-spröder Deformation
überlagert. Extensionsspalten, gefüllt mit Qtz, Ep, Chl +/- Hem +/- Tur und Gln zeigen
Extension in 060 Richtung an. Große flachwinkelige Abschiebungen sind hauptsächlich
verantwortlich für den Kollaps der Metamorphen Abfolge und die Nebeneinanderstellung
von EK-BS- Obere Teile und GS-Untere Teile.
Abschließend kann gesagt werden, dass die Gesteine von Syros, aber auch Sifnos ähnliche
Charakteristika zeigen. Vom H zum L zeigt der Stapel:
a) zwei Domänen von unterschiedlicher metamorpher Entwicklung mit mehr retrograder GSfazieller Überprägung an der Basis,
b) einen Gradienten von finite strain (endlicher Deformation)
c) ein Kontinuum von D1 bis D4 mit NE-SW zu E-W Extension und
d) drei duktile Deformationsphasen D1, D2, D3, sowie eine duktile bis spröde
Deformationsphase top nach E.
Dieses Kontinuum der Deformation von der Eklogit bis zur Grünschieferfazies resultiert in einer
kontinuierlichen Ausdünnung der Kykladen-Einheit entlang einer Haupt-detachment-zone (e.g.
Kontakt mit Vari-Einheit).
Literatur
Avigad, D., 1993. Tectonic juxtaposition of blueschists and greenschists in Sifnos Islands (Aegeansea)-implications for the structure of the Cycladic blueschist belt. J. Struct. Geol. 15 (12), 1459 1469.
Seite 32
Trotet, F., Jolivet, L. & Vidal,O. 2001. Tectono-metamorphic evolution of Syros and Sifnos islands
(Cyclades, Greece), Tectonophysics 338, 179-206
Wijbrans, J. R., Schliestedt, M. & York, D. 1990. Single grain argon laser probe dating of phengites
from the blueschist to greenschist transition on Sifnos (Cyclades, Greece). Contributions to
Mineralogy and Petrology 104, 582-93.
Fig 4: Section through the northern part of Syros autochthon: Kini – Northern metaigneous belt
(* Potential horizons along, which the sequence is dublicated)
Seite 33
Fig 5: Geological map of the northern part of Syros
Seite 34
Fig 6: Included blocks and reaction rims at sediment – serpentinite contact ( NW – Syros )
Fig 7: Sketch map of the Kini – area (NW-Syros)
Seite 35
9.)BLAUSCHIEFER
(M. Hamilton)
Die Glaukophanschiefer Fazies nach Eskola (1939) wurde von Bailey (1974) auf die Blauschiefer
Fazies eingegrenzt. Sie ist eine jener Fazieszonen, die am häufigsten interpretiert wurde.
In den letzten Jahren erfolgte eine große technische Entwicklung, bei der die experimentellen,
kalorischen, physikalischen und thermodynamischen Daten von Mineralen zu einer neuen Software
zusammengefasst wurden. Damit erhielten Petrologen eine mannigfaltige Auswahl für ihre
Messungen und Experimente.
Epidot und Na-Amphibol ist in vielen Gesteinen vorhanden, aber am häufigsten in Metabasiten.
Daher liegt ein Schwerpunkt der Messungen auf den metabasischen Zusammensetzungen mit
dreizehn Mineralen oder Mineralkomponenten des so genannten „haplobasalt Systems“ NCMASH
(NA2O-CaO-MgO-Al2O3-SiO2-H2O).
Mineralanteile der verschiedenen Faziesserien:
Epidot Blauschiefer
Lawsonit Blauschiefer
Eklogit
Pumpellyit – Aktinolit
Grünschiefer
Amphibolit
Albit-Epidot-Amphibolit
Na-Amphibol, Epidot, Quarz, H2O
Na-Amphibol, Lawsonit
Omphazit, Granat, Quarz, H2O
Pumpellyit, Aktinolit, Chlorit, Albit, Quarz, H2O
Albit, Chlorit, Aktinolit, Epidot, Quarz, H2O
Plagioklas, Albit, Hornblende, H2O
Albit, Aktinolit/Hornblende
keine Na-Amphibole, Plagioklase und Grünschieferparagenesen
Nicht degenerierende univariant equilibria im NCMASH-System beinhalten sechs Minerale; z.B.
Lawsonit und Na - Amphibol, zur Lawsonit Fazies zählend, reagieren und produzieren ein Na mineral (Albit, Paragonit oder Jadeit, der ein Teil des Omphazit ist). Ein kalziumhältiges Mineral
ergibt Pumpellyit Fazies mit Klinozoisit, Tremolit, Diopsid. Ein eisenhältiges Mineral Granat oder
Chlorit.
Diese Methode unterscheidet sich von den petrologischen , die ihre Annahmen immer auf
Endglieder der Minerale aufbauen, dadurch dass die Zusammensetzung der Minerale verschieden
sein kann, denn ihr Gleichgewicht wird durch unterschiedlichen Druck und Temperatur bestimmt.
Der Vergleich des P/T Feldes der Paragenese Na - Amphibol und Epidot zeigt in sechs
verschiedenen Zusammensetzungen, dass die klassische Blauschiefer – Grünschiefer Grenze dort
am Besten entwickelt ist, wo es Fe3+ und Fe2+ reiche Zusammensetzungen gibt.Sie ist aber nicht
stabil in Mg-Al-reichen Metagabbros.Der größte Effekt ergibt sich durch die Aufnahme von Fe3+
bei Na - Amphibol und Epidot, relativ aber auch bei Aktinolit, Chlorit und Lawsonit.
Das Auftreten von Granat in einer benachbarten Fazies bewirkt eine Verkleinerung des Epidot
Blauschieferfeldes durch den Austausch von Fe und Mg.
Auf Syros findet man bevorzugt Eklogitminerale in Verbindung mit Glaucophan- mineralen in
Gesteinen mit den höchsten FeO-MgO Anteilen.
Granat spielt eine Schlüsselrolle in der Albit-Epidot-Amphibolit Fazies.
Epidot-reiche Blauschiefer sind sehr häufig, die Berechnungen hier zeigen, dass diese Fazies
einerseits die Lawsonit Blauschiefer von der Albit-Epidot-Amphibolit und andererseits die
Grünschiefer von der Eklogit Fazies trennt.
So wie es Eskola ursprünglich definierte, begründen die Epidot Blauschiefer eine metamorphe
Fazies.
Seite 36
Fig 8: Schematic stratigraphic column with characteristic paragenesis of Syros (Hecht 1985)
Seite 37
Fig 9: P-T-diagrams showing the eight principal metamorphic facies and three major types of
metamorphic facies series (Spear 1993)
Seite 38
NAXOS
Fig 1: Physical map of Naxos
Seite 39
Fig 2: Simplified geological map of Naxos (K. Petrakakis)
Seite 40
10.) NAXOS
Geologie
Als größte Insel der Kykladen hat Naxos eine Erstreckung von 20 zu 35 km. Man kann
diese Insel als ein NNE-SSW gestrecktes, elliptisches Gewölbe von Schiefern und Marmoren
beschreiben, in dessen Kern ein spätoligozäner Migmatit steckt (Fig 3). In die westliche Flanke
intrudierte in Miozän ein Biotit-Hornblende-Granit.
Die karbonatischen Gesteine (Kalzit- sowie Dolomit+Kalzit-Marmore) sind altersmäßig
zwischen Obertrias und Jungmesozoikum einzuordnen und stellen den Hauptteil der oberen
Gesteinsabfolge dar. Darunter liegen Glimmerschiefer, Gneise und Amphibolite mit einer
Alterseinstufung von Jungpaläozoikum bis Mittlere Trias. Weiters kommen noch metamorphe
Ultramafite, metamorph geprägte, ehemalige, jurasische Karstbauxite (Smirgel), untergeordnete
Quarzite und Metakonglomerate vor. Ultramafitite sind hauptsächlich in Form von zwei
Horizonten zu finden. Der tektonisch tiefste ummantelt die Migmatit-Zone und wird als ein
fragmentierter Ophiolith interpretiert, der die Überschiebungsfläche der ober-paläozoischmesozoischen Marmor- und Schiefer-Abfolge auf präalpidisches Basement markiert. Die
metamorphe und tektonische Prägung erfolgte mehrphasig: Im späten Eozän ( 45-40 Ma ) kam es
zu einer HP/LP Metamorphose (Ml) mit Temperaturen bis ca. 450°C und Drücken um 9 kbar. Die
Marmore und Schiefer wurden von einer extremen Isoklinalverfaltung und Plattung betroffen.
Danach stiegen die Gesteine langsam auf.
Die HP-Paragenesen wurden durch Paragenesen des Barrow-Metamorphosetyps (DisthenSillimanit-Faziesserie) ersetzt. Diese zweite MP-Phase (M2) kulminierte Ende Oligozän (vor ca. 2520 Ma ) in der Bildung des Migmatit-Domes mit Temperaturen von 700°C im Kern und 400°C im
niedrigst metamorphen SE-Teil der Insel wo die Ml-Paragenesen am besten erhalten sind. Der
Druck während M2 war ca. 6 kbar.
Nach einer deutlichen Druckabnahme bzw. einer Hebung der Gesteinsfolge von Naxos intrudierte im Miozän (11 Ma) ein I-Typ-Granit den W-Teil der Insel. Dieser verursachte eine
Kontakt-Metamorphose (M3) in einer 1-2 km breiten Zone.
Nicht-metamorphe Sedimente und Fragmente einer Ophiolith-Sequenz sind im NW-Teil
der Insel iiber dem Granodiorit und den Metamorphiten aufgeschlossen. Sie gehören zur Upper
Plate. Zwei Merkmale sind von besonderer Bedeutung: 1) Der Kontakt ist flach-liegend und
tektonischer Natur. 2) Diese Gesteine sind nicht kontakt-metamorph überprägt.
Metamorphe Zonen von M2
Die Metamorphose auf Naxos ist durch eine Zonierung gekennzeichnet, die während des
M2-Ereignisses geprägt wurde. Metamorphe Zonen fallender Temperatur sind konzentrisch um
einen hochmetamorphen, migmatischen Kern im inneren der Insel angeordnet. Die Gesamtstruktur
ist domartig. Ml-Paragenesen in pelitischen und basischen Gesteinen sind noch in den niedrigst
metamorphen Zonen I und II (siehe unten) im SE-Teil der Insel erhalten. Spuren der MlMetamorphose sind allerdings noch in den Zonen III und IV zu finden. Auf Naxos konnten sechs
Isograden kartiert werden, welche die metamorphe Abfolge in sieben Zonen teilen. Letztere sind
nach Index- oder häufigst vorkommenden Mineralen benannt (Fig 4).
I Diaspor-Zone: Diese stellt den niedrigsten Metamorphosegrad auf SE Naxos dar. Der
Gesteinsbestand ist hauptsächlich Marmor mit zahlreichen Metabauxitlinsen. Weiter
kommen ein paar Schieferhorizonte, manchmal mit Einschaltungen von Metavulkaniten,
und ein Körper eines metamorphen Ultramafits vor. Die geschätzte Obergrenze der
Metamorphosetemperatur ist 420-440°C. Folgende Mineralassoziationen bzw.
Paragenesen treten auf: Metapelite: Albit-Quarz-Chlorit-Serizit.
Blaugrauer Marmor: Quarz, Epidot, Albit, Aktinolith, Chlorit und Muskovit sowie
Hämatit als häufigstes Fe-Oxid auf.
Basische Metavulkanite: Häufig Glaukophan-Führung..
Seite 41
Metamorphe Ultramafite: Chrysotil, Talk, Diopsid, Antigorit, Chlorit und Aktinolith.
Magnetit tritt in diesem Gestein im Kernbereich der Gesteinskörper auf.
Metabauxite: Diaspor+Chloritoid+Calcit+Hämatit+Rutil+Paragonit+Muskovit.
II Chlorit+Serizit-Zone: Der Diaspor der Metabauxite zerfällt bei 420-440°C zu Korund+H2O.
Diese Reaktion stellt die unterste Stabilitätsgrenze von Korund in H2O-reicher
Umgebung dar. Sie stellt auch die "Corundum-in"- bzw. "+Corundum"-Isograde dar.
Die höchsten Temperaturen fiir diese Zone sind ca. 500cC. Auftretende
Mineralassoziationen bzw. Paragenesen:
Metapelite und Marmore: wie in der Diaspor-Zone. Lediglich Hämatit wird zusehends
durch Magnetit ersetzt.
Basische Metavulkanite: Chlorit+Epidot+Albit+Aktinolith.
Meta-Ultramafite: Diopsid ist bereits zerfallen. Er tritt wieder in der Zone V (siehe
unten) auf.
Metabauxite: Korund+Chloritoid+Ti-Hämatit+Rutil+Paragonit+Muskovit+Margarit.
III Biotit+Chloritoid-Zone: Mit dem Eintreten von Biotit bei ca. 500°C ("Biotite-in"- Isograde)
und dem Zerfall von Chloritoid ("Chloritoid-out"-Isograde) in den Metapeliten ist diese
Zone zwischen 540 und 580°C begrenzt. Die Schiefer werden deutlich häufiger als die
Marmore. Der Übergang von der Grünschiefer-Fazies zur Amphibolit-Fazies vollzieht
sich innerhalb dieser Zone.
Metapelite: Typische Paragenese ist Biotit+Chlorit. Marmore: Albit wird hier durch Careicheren Plagioklas ersetzt. Insbesondere in den Dolomitmarmoren: Talk+Calcit+Quarz
oder Muskovit+Dolomit+Quarz. Basische Metavulkanite: Hauptsächlich zu
Amphibolithen geprägt; Epidot+Biotit+ Hornblende+Oligoklas.
Meta-Ultramafite treten in dieser Zone nicht auf. Smirgel: Häufiges Auftreten von Margarit.
Typische Paragenese: Korund+Chloritoid+
Disthen+Magnetit+Ilmenohämatit+Rutil+Hellglimmer.
IV Disthen-Zone: Diese Zone beginnt mit dem Zerfall von Chloritoid bei 540-580°C in den
Fe-reichen Metapeliten und in den Metabauxiten.
Metapelite: Große, manchmal deformierte Kristalle von Disthen werden gebildet. Staurolith
folgt dem Disthen in stratigraphisch höheren Positionen ("Staurolith-in"-Isograde).
Marmore: Reaktionen innerhalb dieser Zone werden allgemein nicht nur vom Anstieg der
Temperatur sondern auch vom H2O/CO2-Verhältnis im Fluid (s.g. interne Pufferung)
kontrolliert. In den dolomitischen Marmoren treten Talk+Tremolit-Paragenesen sowie
blaugrüne Hornblende auf. Calcitische Marmore werden immer weißer und gröber
kristallin. Graphit sammelt sich in dünnen Lagen und die Paragenese
Phlogopit+Tremolit+Korund+Anorthit+Calcit tritt auf.
Amphibolite: Augitischer Diopsid tritt zusätzlich auf.
Meta-Ultramafite: Magnetit ist hier das typische Fe-Oxid; Talk +Magnesit+Anthophyllit ist
häufig.
Metabauxite.-Disthen+Korund+Staurolith+Magnetit+Ilmenite/Hematit-Mischkristalle.
VA Disthen-Sillimanit-Übergangszone: Die untere Grenze ist gekennzeichnet durch das
Eintreten von Sillimanit ("Sillimanite-in-Isograde") bei ca. 620°C in den Metapeliten. Eine
Besonderheit in dieser Zone ist das gemeinsame Auftreten beider Al-Silikate Disthen und
Sillimanit, manchmal sogar mit Andalusit. Die Metamorphosebedingungen waren
offenbar nahe dem Trippelpunkt.
Metapelite: Quarz+Plagioklas+Muskovit+Biotit+Disthen+Sillimanit+Granat. Marmore:
Ähnlich der in Zone IV. Zusätzlich treten Vesuvian und Xanthophyllit auf. Amphibolite:
Zunahme des Diopsid-Gehaltes sowie Eintreten von K-Feldspat, Skapolith und Grossular.
Die Hornblende ist grün.
Seite 42
Meta-Ultramafite: Magnesit ist nicht mehr vorhanden obwohl er noch stabil wäre.
Enstatit+Talk ist das Hochdruckäquivalent von Antophyllit.
Metabauxite treten selten innerhalb dieser Zone auf. Sie enthalten aber im Gegensatz zu
den Schiefern immer noch Staurolith.
V B Sillimanit-Zone: Sie beginnt mit dem Verschwinden von Disthen bei ca.
650°C.
Metapelite: Reichlich Sillimanit vorhanden.
Marmore: Biotit+Diopsid+Hornblende+Anorthit+Calcit.
Amphibolite: Sie weisen dieselbe mineralogische Zusammensetzung wie zuvor auf. MetaUltramafite: Enstatit+Forsterit+gruner-Spinell oder Klinochlor+brauner Spinell oder
Enstatit+Diopsid.
Metabauxite: In dieser Zone treten auch die letzten Metabauxite auf. Sie sind stark retrograd
überpragt und führen viele Klüfte mit grobkörnigem, retrogradem Margarit, Chlorit
und Diaspor.
VI Migmatit-Zone: Zwischen 660 und 690°C tritt Anatexis ("meZf-iV-Isograde) auf. Entstellung
der Schieferung und Trennung von dunklen, biotitreichen Melanosomen und hellen,
granitischen Leukosomen ist typisch. Die Erscheinungsformen der Deformation sind hier
durch Fliessfaltung charakterisiert.
Pegmatite: Oligoklas+Quarz+Kalifeldspat+Muskovit oder Biotit.
Granite: Oligoklas+Quarz+Kalifeldspat-Biotit.
Pelitische Schieferreste: Plagioclas+Biotit+Sillimanit+Quarz+Granat.
Marmore: Ausgezeichnet rekristallisiert und metasomatisch "gesaubert". Graphit ist nicht
mehr zu beobachten, da er bereits durch Oxidation verbrauch wurde. Metabauxite treten
hier nicht auf.
Literatur
Bucher, K. & Frey, M. (1994) Petrogenesis of metamorphic rocks. 6th Edition. Springer Verlag.
Seiten: 191-232.
Jansen & Schuiling (1976): American Journal of Science 276, 1225-1253. Buick & Holland (1991):
Journ. metamorphic Geol. 9: 301-314.
Schuiling & Kreulen (1979): Earth Planetary Science Letters 43, 298-302. Spear (1993): Metamorphic
phase equilibria and pressure-temperature-time paths. Min. Soc. Am.
Seite 43
Fig 3: Generalized geological – petrological map of Naxos (Feenstra 1985)
Seite 44
Fig 4: Metamorphic zones, isogrades and estimated isograd temperatures for Naxos (Feenstra 1985)
Fig 5: Alpine deformation on Naxos (Urai et al. 1990)
Seite 45
Fig 6: Range of occurrences of distinctive minerals in rocks with pelitic, carbonate-rich, amphibolitic
(volcanic) and ultramafic composition in the Naxos MCC. Dashed lines indicate minor or rare occurrences
(Jansen & Schuiling 1976)
Seite 46
Fig 7: Detailed map of NW-Naxos (Urai et al. 1990)
Fig 8: Simplified geological map of Naxos (Katzir et al. 1999)
Seite 47
Fig 9: List of reactions in ultramafic rocks (Spear 1992) see Fig 11.
Fig 10: Chemography of the ultramafic CMS-H2O system projected from CO2 and H2O onto the plane CaOMgO-SiO2 , showing some rock and mineral compositions in ultramafic rocks (Bucher & Frey 1994)
Seite 48
Fig 11: P-T diagrams for different reaction systems (Spear 1992)
Seite 49
Fig 12: AKF, AKM and AFM diagrams showing the plotting position of some common minerals of
metapelites (Spear 1992)
Seite 50
Fig 13: P-T grid for pelites in the KFASH system (Spear 1992)
Seite 51
Fig 14: P-T grid for pelites in the KMASH system (Spear 1992)
Seite 52
Fig 15: P-T grid for pelites in the KFMASH system (Spear 1992)
Seite 53
11.) METAMORPHOSE DER MARMORE AUF NAXOS UND DIE ROLLE DER
FLUIDEN PHASE
Einleitung
Ungefähr die Hälfte der metamorphen Gesteine von Naxos bestehen aus teilweise
quarzreichen Kalzit- und Kalzit+Dolomit-Marmoren. An quarzreichen Lagen hat das umgebende
karbonatische Gestein mit Bildung von Talk, Tremolit und Diopsid reagiert. Die im früheren
Kapitel beschriebene Temperaturzunahme von den äußeren zu den inneren metamorphen Zonen
hat zu zonencharakteristischen Paragenesen innerhalb der kieseligen, Dolomit-führenden
Karbonatgesteine geführt. Vergleicht man die auf Naxos auftretenden Paragenesen in diesen
Gesteinen mit jenen in Gesteinen der Zentralalpen oder der Marble Lake-Region (Ontario), so
lassen sich Druckbedingungen um 6 kbar für Naxos ableiten. Es sei jedoch vorweggenommen,
dass der Zusammensetzung der CO2-reichen, fluiden Phase bei der Metamorphose der
karbonatischen Gesteine eine sehr wichtige Rolle zukommt.
Mineralparagenesen und Phasenbeziehungen
Zuerst einige Worte über die kontaktmetamorphe Zone an der Grenze des Granodiorits
zum metamorphen Komplex. Hier konnten Merkmale einer retrograden Metamorphose
beobachtet werden: Talk wurde spät in Klüften gebildet. Geothermometrische Daten (CalcitDolomit Thermometrie; Jansen et al., 1978) als auch röntgenographische Untersuchungen von
Karbonatproben aus dem gesamten metamorphen Komplex haben gezeigt, dass sich in den
Karbonatgesteinen bei einer Temperatur < 450°C ein spätes (sekundäres) Gleichgewicht einstellte.
Diese Daten weisen also auf eine spätalpidische (post-M2), niedriggradige Überprägung hin. Die
oben erwähnte Geothermometrie hat allerdings in 7 von 29 untersuchten Karbonatproben primäre
(M2) Schließungs-Temperaturen für Dolomit und Kalzit geliefert.
Nun aber zu den Mineralvergesellschaftungen der M2-Metamorhose. Alle Minerale in den
kieseligen Karbonatgesteinen führen sehr geringe Mengen von Fe, Na und Al. Die wichtigste
Abweichung der Mineralchemie vom System CaO-MgO-SiO2-H2O-CO2 geht eher auf die FGehalte mancher Minerale zurück. Dies führt natürlich zu Verschiebung der Stabilitätsgrenzen
dieser Paragenesen, die F-haltige Minerale führen.
In Tab. 7.1 und Abb. 7.1 werden die charakteristischen Paragenesen in den kieseligen Karbonatgesteinen und ihre Lokalität auf Naxos entsprechend angegeben. Folgende fünf Reaktionen
liegen den beobachteten Mineralparagenesen zu grunde:
3 Dolomit + 4 Quarz + H2O = Talk + 3 Calcit + 3 CO2
(4)
2 Talk + 3 Calcit = Tremolit + Dolomit + CO2 + H2O
(17)
5 Dolomit + 8 Quarz + H2O = Tremolit + 3 Calcit + 7 CO2
(19)
Tremolit + 3 Calcit + 2 Quarz = 5 Diopsid + 3 CO2 + H2O
Dolomit + 2 Quarz = Diopsid + 2 CO2
(8)
(16)
Bei steigender Temperatur stellen Reaktionen 17 und 8 das erste Eintreten von Tremolit
und Diopsid in die Dolomit+Kalzit-führende Paragenese entspechend dar. Kartenmäßig
Seite 54
entsprechen sie den Isograden "Tremolit+Dolomit-in" und "Diopsid-in" (Abb. 7.1). Die Lage obiger
Reaktionen ist im T-XcO2-Diagramm in der Abb. 7.2 angegeben.
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Tatsache, dass Dolomit+Quarz-Paragenesen noch
nahe der "Diopsid+Calcit-in"-Isograde gefunden werden können, was auf einen hohen CO2Gehalt der Fluids während der Hauptphase der Metamorphose schließen lässt. Genauere
Untersuchungen von Fluideinschlüssen konnten die Ergebnisse, die im T-XCO2-Diagramm von
Abb. 7.2, in Bezug auf die H2O-CO2 Zusammensetzung der Fluids zusammengefasst sind,
bestätigen. Wie bereits vorweggenommen bestimmt die Zusammensetzung der Fluiden Phase den
Ablauf der Reaktionen in kieseligen Dolomit-führenden Gesteinen. Ihr Einfluss soll nun näher
erläutert werden.
Die Rolle der Fluiden Phase
Die Gesteine, die im Eozän HP-metamorph geprägt wurden, wurden im Miozän im
zentralen Teil von Naxos unter Bedingungen der höheren Amphibolitfazies überprägt. Diese
Überprägung wurde durch H2O +CO2-Fluids ermöglicht. Aufgrund von CO2-reichen
Fluideinschlüssen konstanter Zusammensetzung in vielen Gesteinstypen und C-Isotopen in Kalziten
behaupteten Schuiling & Kreulen (1979) und Kreulen (1988), dass das metamorphe Fluid während
M2 CO2-reich (0.5<XCO2<0.8) war. Es stammte aus dem Mantel und wäre durch seine Fähigkeit,
Wärme zu transportieren, bei seinem Aufstieg fiir die Entstehung des metamorphen Domes von
Naxos verantwortlich. Weiters pufferte es extern die Zusammensetzung des Fluids während der
M2-Metamorphose. Jansen et al. (1989) argumentierten hingegen, dass Feldbeobachtungen sowie
die vorhandenen Fluideinschlüsse- und C-Isotopen-Daten einen solchen Mechanismus nicht
unterstützen.
Baker & Matthews (1994) erkannten, dass während der M2-Metamorphose zwei
Wachstumsphasen von Mineralen stattfanden: Die erste Wachstumsphase fand während der
prograden die zweite während der retrograden M2-Metamorphose statt. Folgende Fragen sind
nun relevant: Welche Rolle spielte das Fluid während der zwei Wachstumsphasen? Gab es
überhaupt verschiedene Fluids in Hinblick auf Herkunft und Wirkung während dieser
Wachstumsphasen?
1. Erste Wachstumsphase (prograd): Untersuchungen an Mineralen, die während der
prograden M2-Metamorphose gebildet wurden, lassen folgende Paragenesen hoher Varianz mit
steigender Temperatur erkennen:
a) Cc+Dol+Qtz
b) Cc+Dol+Qtz+Ta ("Ta-in"-Isograde)
c) Cc+Dol+Qtz+Tr ("Tr-in"-Isograde)
d) Cc+Dol+Tr+Di ("Di-in"-Isograde)
Die Isograden definieren 4 scharf abgegrenzte Zonen (Abb. 7.3). Seltener wurden auch folgende 5Phasen-Paragenesen beobachtet:
e) Cc+Dol+Qtz+Ta+Tr
f) Cc+Dol+Qtz+Di+Tr
Die Autoren konnten mit Hilfe geeigneter Phasendiagramme im System CMSHC zeigen, dass die
Paragenese e zwischen 480-490°C für XCO2 < 0.22 bei 6±2 kbar stabil war. Für die Paragenese f sind
die Werte 585-665°C, 0.74 < XCO2 < 0.88 für denselben Druck. Sie erkannten eine interne Pufferung
des Fluids aufgrund folgender zwei Tatsachen: 1) 4-Phasen Paragenesen treten über weite
Strecken (und T-Intervallen) auf und definieren typische metamorphe Zonen. 2) Sehr schmale
Zonen mit 5-Phasen Paragenesen trennen die Zonen mit 4-Phasen Paragenesen.
2. Zweite Wachstumsphase (retrograd): Die prograden, Tr-führenden Paragenesen
werden überwachsen von Ta+Cc. Jüngere Tr+Cc-Paragenesen wurden im Druckschattenbereich
von Boudins gebildet. Gängchen mit Di, Tr und Cc durchschlagen Gesteinslagen, die
Seite 55
typischerweise prograde Paragenesen führen. Die genaue Zusammensetzung des Fluids,
welches die retrograde Mineralbildung begleitete, ist schwer zu berechnen. Phasendiagramme
(Abb. 7.4) zeigen allerdings, dass dieses Fluid H2O-reicher und SiO2-führend gewesen sein muss.
Dies wird durch den Zerfall von Dol in
Qtz-freien Marmoren aufgrund der Reaktion
retrograd
5 CaMg(CO3)2 + 8 SiO2 + H2O------------ > Ca2Mg5Si8O22(OH)2 + 3 CaCO3 + 7 CO2
Dol + Fluid ----------- > Tr + Cc + Fluid
deutlich. Da retrograd gebildete Amphibole reicher an Al2O3, FeO und Na2O als die prograden
Amphibole sind, lässt sich vermuten, dass das retrograde Fluid diese Komponenten neben SiO2
führte.
Besonders wichtig ist die Tatsache, dass die auftretenden retrograden Paragenesen eine
hohe Varianz zeigen. Das spricht für eine externe Pufferung des H2O-reichen retrograden Fluids,
welches den Gesteinsverband infiltrierte. Dieses retrograde Fluid stammt höchstwahrscheinlich
aus der Auskristallisation der durch die hohen Temperaturen entstandenen, anatektischen
Schmelzen.
Literatur
Baker &, Matthews (1994): Contrib.Mineral.Petrol., 116,130-144
Bucher, K. & Frey; M. (1994) Petrogenesis of metamorphic Rocks. 6th Edition Springer Verlag S. 171188
Jansen et al. (1978): Contrib. Mineral. Petrol, 67,279-288.
Jansen et al. (1989): Contr. Min. Petrol., 103,123-126.
Schuiling & Kreulen (1979): Earth Planetary Science Letters, 43, 298-302.
Seite 56
Fig 16: Petrological map of Naxos, showing the distribution of the mineral assemblages in siliceous
dolomites (Jansen et al. 1978b)
Seite 57
Fig 17: Table of mineral assemblages + diagram for min. ass. In siliceous dolomites (Jansen et al.
1978)
Seite 58
Fig 18: Distribution of siliceous dolomite assemblages + diagram (Baker & Mathews 1994)
Seite 59
Fig 19: P-T-A phase diagram 1
Seite 60
Fig 20: P-T-A phase diagram 2
Seite 61
12.) METAMORPHOSE DER BAUXITE AUF NAXOS
(H. Zeitlhofer)
Einleitung
Als Bauxit bezeichnet man ein Mineralgemenge aus ausgefällten Aluminiumhydroxiden (Diaspor,
Gibbsit, Böhmit) und Eisen(hydr)oxiden (Goethit, Hematit), das aus chemischer Gesteins-verwitterung in
tropischem bis semi-aridem Klima hervorgegangen ist. Abhängig von ihrem Aus-gangsgestein werden
Lateritbauxite (Silikatbauxite) und Karstbauxite (Kalkbauxite) unterschieden. Der Mineralgehalt der
Karstbauxite setzt sich größtenteils aus Böhmit und bei Umlagerung zu-nehmend aus Diaspor zusammen.
Als Nebengemengteile treten häufig Kaolinit, Hämatit, Goethit, Rutil und Tonmineralien auf.
Wichtigste Karstbauxit-Vorkommen befinden sich in Istrien, Dalmatien, Montenegro,
Kosovo, Ungarn, Griechenland, S-Frankreich (Typlokalität: Les Baux, Südfrankreich) und Karibik.
Verwendung: Aluminiumerz, Feuerfestprodukte, Tonerdezement, bei hohen Korundanteilen als
Schmirgel.
Metabauxitlagerstätten
Die Verteilung der Karst- und Metabauxite in Griechenland und in der Türkei ist in der Abb. 8.1
ersichtlich. Das Vorkommen von Bauxiten auf Naxos (Abb. 8.2) ist im wesentlichen an dick-bankige,
kalzitische Marmore, sehr selten an unreine Dolomitmarmore gebunden und erstreckt sich über die ganze
Insel. Sie treten in Form von Linsen, deren Mächtigkeit im Durchschnitt zwischen 2 und 4 m schwankt,
auf. Ursprünglich größere Linsen wurden durch Deformation in die heute vor-liegenden kleineren
Lagerstättenkörper (Boudins) zerlegt. Abhängig vom Metamorphosegrad weisen die Metabauxite
unterschiedlichen Mineralgehalt auf. Aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung können die Bauxite
prinzipiell in drei Typen unterteilt werden:
" Commercial Typ": Diese Art nimmt den größten Anteil der vorkommenden Metabauxite ein. Solche
Metabauxite weisen den höchsten Al2O3-Gehalt auf. Der SiO2-Gehalt ist <10 Gew.%. Miner-alogisch setzen
sie sich zum größten Teil aus Korund (im NE von Naxos 50-80 Vol.%), Fe-Ti-Oxiden (Rutil, Magnetit und
Hematit-Ilmenit Mischkristalle), und untergeordnet Silikaten (<20-30 Vol.%) zusammen.
Silikatreicher Typ: 15 bis 20 % der vorliegenden Bauxitvorkommen gehören diesem Typ an. Es
werden tonreiche Bauxite (10-20 Gew.% SiO2) von bauxitischen Tonen (>20 Gew.% SiO2) unterschieden,
die meistens auch erhöhte MgO und K2O-Gehalte aufweisen. Als Minerale treten hier Fe-Mg-Al-Silikate
(Chloritoid, Chlorit, Staurolith, Biotit), Disthen und fallweise Muskovit in den Vor-dergrund. Fe-Ti-Oxide
und Korund sind weniger häufig, weshalb diesem Typ keine wirtschaftliche Bedeutung zukommt.
Kalziumreicher Typ: Der Anteil an CaO kann bis zu 13 Gew.% betragen. Meistens ist dieser Typ
auch reich an SiO2 und K2O bzw. Na2O. Auffallend ist der oft niedrige Gehalt an Eisen. Mineralogisch wird
dieser Typ durch Ca-Al-Silikate (Margarit, Klinozoisit/Epidot, Anorthit), Disthen, Muskovit, Paragonit und
Fe-Ti-Oxide charakterisiert. In den grünschiefer-faziellen Zonen I-II ist auch Kalzit häufig. Korund ist ebenso
ein untergeordneter Bestandteil wie Fe-Al-Silikate.
Petrologie
Die aufgrund der Metabauxite unterschiedenen metamorphen Zonen und ihre Beziehung zu jenen
aus den Metapeliten werden in der Tab. 8.1 angegeben. Die Mineralogie der Metabauxite in den
unterschiedlich metamorphen Zonen (aus Metapeliten) ist in der Tab. 8.2 zusammengefaßt. Ihre Verteilung
auf Naxos ist in der Abb. 8.3 angegeben. Folgende Zonen werden aufgrund der Metabauxite
unterschieden:
Seite 62
Diaspor-Chloritoid Zone (I): Die Metabauxite dieser Zone sind größtenteils als dünne Lagen in
schiefrigen Marmoren ausgebildet. Häufig sind ooidische Texturen ähnlich denen nicht-metamorpher
Karstbauxite zu beobachten. Die typische Paragenese ist:
Diaspor+Chloritoid+Titanhamatit+Rutil+Kalzit+Muskovit+Paragonit.
Korund-Chloritoid Zone (II-III): Der Beginn dieser Zone ist durch das erste Auftreten von Korund
durch die Reaktion
Diaspor = Korund + H2O
charakterisiert. Auffallend ist jedoch, dass in einem Übergangsbereich von 1 bis 2 km Diaspor und Korund
nebeneinander auftreten (Diaspor-Korund Übergang ist theoretisch univariant). Der Grund dafür liegt
wahrscheinlich in der internen Pufferung von XH2O (unregelmäßige Dehydration). Ty-pische Paragenese
ist:
Korund+Chloritoid+Hellglimmer+Titanhämatit+Rutil.
Die Hellglimmer sind Margarit, Paragonit und Muskovit. Mit steigender Temperatur innerhalb dieser Zone
nimmt der Margarit-Anteil zu und der Kalzit-Anteil ab. In der Mitte der Zone III tritt zum ersten Mal
Magnetit auf. Viele Lagerstätten zeigen deformierte ooidische Texturen. Am Kontakt zum Granodiorit
können Andalusite auftreten.
Korund-Staurolith Zone (IV): Das erste Auftreten von Staurolith und Biotit kennzeichnet den
Beginn dieser Zone. Ersterer geht durch unterschiedliche Reaktionen aus Chloritoid hervor, der in diesem
Bereich nicht mehr stabil ist. Z.B.
Chloritoid+Rutil = Staurolith+Chlorit+Korund+Ilmenit+H20
Chloritoid+Ti-Hämatit+Rutil = Fe-Mg-AlSilikate+Disthen+Magnetit+Ilmenohämatit+H2O
Für diese Zone typische (maximum) Paragenese ist:
Korund+Disthen+Staurolith+Biotit+Margarit±Anorthit±Muskovit+Magnetit+Hämatit/Imenit-Mischkristalle.
Aufgrund des geringen Na2O-und des relativ hohen CaO-Gehaltes der Metabauxite ist Paragonit nicht
mehr vertreten; alles Na könnte durch Margarit, Muskovit und Plagioklas aufgenommen worden sein. Mit
steigendem Metamorphosegrad wird Disthen "margaritisiert".
4) Korund-Spinell Zone (V): Diese Zone beginnt mit dem Eintreten von nur grünem Spinell in die
Paragenese aller Lagerstätten. Ooidische Texturen sind gänzlich verschwunden. Über-raschenderweise
fehlen die Alumosilikate Disthen und Sillimanit. Sie sind wahrscheinlich retrograd komplett in Ca-AlSilikate (Margarit, Clinozoisit) umgewandelt worden. Generell sind die auftretenden Minerale in der Zone
V infolge der retrograden Metamorphose M4 partiell umgewandelt (z.B.: Korund mit Diasporrand). In
Zonen IV-V sind viele Lagerstätten unterschiedlich stark turmalinisiert. Turmalin ersetzt vorzugsweise die
Fe-Ti-Oxide. Häufig sind hier auch Gängchen mit sekundären Mineralisationen (z.B. Margarit, Fe-Chlorit,
Diaspor, Rutil) zu beobachten.
Tab. 8.3 fasst die Mineralbildungen während der verschiedenen metamorphen Ereignisse (Ml,
M2, M4=retrograde) zusammen.
Spurenelemente
Die Verteilung der Spurenelemente in den Metabauxiten von Naxos ist jenem der nicht-metamorphen Karstbauxite sehr ähnlich. Elemente wie Ni, Co, Cu, Y, La, Be, Zn, Mn, Sr, Pb, und Ba sind an der
Basis der Bauxitlager am Kontakt zu Karbonaten angereichert. Andere weniger mobile Elemente wie B,
Cr, V, Zr und Sc sind homogen verteilt. Unabhängig vom Metamorphosegrad werden in allen Zonen
Seite 63
ähnliche Spurenelementverteilungen beobachtet, was auf eine unbedeutende Mobilisation während der
Metamorphose schließen lässt.
Literatur
Feenstra A. (1985) Metamorphism of bauxites on Naxos, Greece. PhD Thesis University of Utrecht,
Geologica Ultraiectina 39, 206 pp.
Fig 21: Distribution of metabauxites and Mesozoic Karstbauxites in the Southern Aegean, SWTurkey and Central Greece (Feenstra 1985)
Seite 64
Fig 22: Generalized geological-petrological map of Naxos (Feenstra 1985)
Fig 23: Metamorphic zones, isogrades and estimated isograd temperatures of Naxos (Feenstra 1985)
Seite 65
Fig 24: Diagram summarizing the mineralogy of the metabauxites in the various metamorphic
zones of Naxos (Feenstra 1985)
Seite 66
Fig 25: Metamorphic map of Naxos, showing the regional distribution of several aluminous
minerals in metabauxitic and metapelitic rocks (Feenstra 1985)
Seite 67
Fig 26: Formation of minerals in metabauxitic rocks from Naxos during M1-phase, M2-phase and
retrogradation (M4-phase ?) (Feenstra 1985)
Seite 68
Fig 27: Feo-Fe2O3-TiO2 diagram depicting the changes in Fe-Ti-oxide assemblages with
metamorphic grade in the Naxos metabauxites (Feenstra 1985)
Seite 69
13.) THE TIMING OF PARTIAL MELTING, BARROVIAN
METAMORPHISM AND GRANITE INTRUSION IN THE NAXOS MCC,
CYCLADES, AEGEAN SEA, GREECE
(Keay, S., Lister, G. &Buick, J. 2001. Tectonophysics, 342, 275-312)
(bearbeitet von N. Norberg)
Einleitung:
Die Arbeit von Keay et al, 2001 zeigt den Zusammenhang von partieller Aufschmelzung und einer
Granitintrusion durch Metamorphose des Barrow-Typs (HT-MP) geprägten Naxos Kernkomplexes.
Die Daten beruhen auf der Datierung mittels SHRIMP U – Pb Zirkon Geochronologie,
durchgeführt an 13 Proben. Beprobt wurden Zirkone von 4 Graniten zur zeitlichen Einteilung der
postmetamorphen magmatischen Aktivität, sowie von 9 Migmatiten zur Bestimmung des
Zeitpunktes der partiellen Aufschmelzung. Die Ergebnisse dieser Datierungen werden später
ausführlich behandelt.
Die Ursache für das Auftreten von partieller Aufschmelzung, Barrow Metamorphose und
Magmatismus im metamorphen Kernkomplex von Naxos, liegt wohl im Übergang von einem
konvergenten, tektonischem Regime zu einem divergenten Dehnungsregime in der Ägäischen
Region (e.g. von Krustenverkürzung zu Extensionstektonik). Diese Änderung des tektonischen
Regimes wurde wahrscheinlich durch einen roll back (Zurückweichen) der Subduktion der
Afrikanischen Platte entlang des Hellenischen Grabens im Oligozän verursacht. Generell tritt dieses
Phänomen häufig an Gebirgsgürteln auf, die an einen aktiven konvergenten Plattenrand angrenzen
und äußert sich im Auftreten charakteristischer Dehnungsstrukturen und metamorphen
Vergesellschaftungen, die bereits vorhandene Kollisionsmerkmale überprägen. Das beinhaltet die
Überprägung von Suturzonen und HP-LT metamorphen Gesteinen durch flache Abschiebungen
sowie M-HT-L-MP metamorphen Gesteinen.
Die beginnende Dehnungstektonik verursacht zunächst einen Anstieg des Wärmeflusses im
Zusammenhang mit Krustenverdünnung, was häufig zu partieller Aufschmelzung und
Granitintrusionen führt. Diese Entwicklung im südlichen Teil des Alpinen Orogens ist durch die
Ägäischen metamorphen Kernkomplexe (MCC´s) dokumentiert wo HP Metamorphite, gebildet
während der Kreide-Eozän-Kollision von Afrika und Eurasien, entlang von tektonisch bedingten
Abschiebungen der Oligozän-Miozän Extension exhumierten und die kordillerenartigen MCCs
bildeten. Jedoch tiefere Bereiche der oligozänen bis miozänen Kruste wurden kaum exhumiert, was
eine Einschätzung der Beziehungen zwischen Aufschmelzung in der tieferen Kruste, magmatischer
Intrusion sowie partieller Aufschmelzung während des Übergangs von Kompression zu Extension
erschwert.
Die geochronologischen Messungen dieser Arbeit beschäftigen sich ausschließlich mit dem Naxos
MCC, der sowohl vor als auch während der Extension HP Metamorphose erfahren hat und
anschließend gehoben wurde.
Geologie der Ägäis
Naxos befindet im Zentrum der Agäis-Region und ist ein Bestandteil Attisch-Cycladischen
Massivs, ein bogenförmiger Gürtel aus metamorphen Gesteinen, der parallel zum Hellenischen
Graben verläuft, an dem die derzeitige, NO gerichtete Subduktion der Afrikanischen Platte unter die
Apulisch-Anatolische Mikroplatte erfolgt. Die Insel formt einen von N nach S gestreckten Dom aus
Migmatit.
Während der MCC-Entstehung wurden hochgradig metamorphe, mesozoische Gesteine
(= Lower Plate) neben kaum metamorphe Sedimentgesteine (= Upper Plate) positioniert. Der Kern
des Naxos Doms stellt die tiefste strukturelle Einheit dar und besteht vor allem aus migmatisierten
Quarz-Feldspat-Gesteinen mit Einlagerungen aus Marmor, Metapeliten und Amphiboliten. Eine
duktile Scherzone trennt die Gesteine der Kernzone von einer niedriggradigeren Sequenz mit
Metabauxit-führenden Marmoren, Schiefern und Metavulkaniten. In Bezug auf den petrologischen
Seite 70
Charakters der Kern-Gneisse und der Herkunft ihrer Zirkone vermutet man heute dass es sich beim
Kern entweder um mesozoische Metasedimente oder um S-Granite handelt, die zwischengelagerte
Splitter aus variszischem Orthogneiss führen.
Die Lower Plate - Gesteine auf Naxos wurden in ihrer komplexen Entstehungsgeschichte von 2
metamorphen Ereignissen geprägt, nämlich zunächst von der alpinen high-P Metamorphose (M1)
und anschließend von der Barrovian high-T, med-P Metamorphose (M2). Diese Entwicklung
gipfelte in partieller Aufschmelzung und Magmatismus.
Erhalten ist eine komplette Barrovian Sequenz mit berechneten Temperaturen von 380 °C im SO
der Insel, wo Relikte von M1 –Blauschiefer erhalten sind, bis zu ca. 700 °C im Kern des Doms. Der
Grad der Metamorphose nimmt also mit der strukturellen Tiefe zum Kern hin zu und hat weniger
mit der räumlichen Änderung des Paläogeotherms zu tun.
Die Lower Plate-Gesteine sind relativ spät, in Form von mehreren dünnen Leukogranitgängen und
einem großen Granodioritkomplexes, intrudiert.
Die darüberliegende Upper Plate bzw. Upper Unit umfasst eine Mélange aus zertrümmerten
miozänen bis pliozänen Flachwassersedimenten, die synsedimentär während der Extension
abgelagert wurden. An den Flanken des Doms befinden sich Konglomerate des Oberen Pliozäns,
welche Komponenten aus Lower Plate-Material führen.
Die mögliche Datierung des Einsetzen der Extension, M1- und M2-Metamorphose sowie des synbis post-M2 Magmatismus ist äußerst problematisch da es in vielen Fällen nicht klar ist was gewisse
Altersbereiche repräsentieren. Es kann sich um variable Abkühlung, um kombinierte Alter oder um
multiple, eng aneinander gereihte magmatische bzw. metamorphe Ereignisse handeln. Zur Lösung
dieses Problems verwendet man SHRIMP U-Th-Pb Isotopenmessung an high-T metamorphen und
magmatischen Zirkonen. Der Vorteil bei dieser Messmethode ist die hohe räumliche Auflösung
sowie die hohe Schliesstemperatur des U-Pb-Systems in Zirkonen (> 900°C).
Probenbeschreibung und SHRIMP U-Th-Pb Zirkon Resultate
+
1 Probe des großen westlichen Granodiorits.
+
3 Proben von kleineren Biotitgraniten, die erst nach dem Höhepunkt der M2 als semikonkordante, foliierte parallele Gänge intrudierten. Sie durchschneiden die M2-Migmatite, weisen
jedoch kaum Kontaktaureolen auf.
+
9 Migmatitproben setzen sich aus 4 petrologisch unterschiedlichen Quarz-FeldspatMigmatittypen zusammen, nämlich aus gebänderten Leucogneisen (3), Augenmigmatiten (1), wispy
leucogneisses (2) und gebänderten sauren Gneisen (2).
+
1 Probe eines migmatischen Metapelits.
Naxos Granite
♦ Naxos Granodiorit:
Beschreibung: post-M2 intrudiert, mittelkörniger bis porphyrischer, grauer Granodiorit, einige
mikrogranulare mafische Enklaven lassen auf eine Wechselwirkung mit einem
mafischeren Magma schließen.
Mineralogie: Plag-Qu-KFsp-Hbl-Bt-Ti
Alter von 12,2 ± 0,1 Ma (n = 22) ergaben. Diese Alter repräsentiert die Zeit in der der Naxos
Granodiorit kristallisierte.
♦ Biotitgranite:
Hierbei handelt es sich um kleinere, gesonderte Granitoidintrusionen.
NX9303
Beschreibung: porphyrischer Granitoid mit großen KFsp-Einsprenglingen
Mineralogie: Plag-Qu-Bt-Hbl-Ti (Matrix)
2 Altersgruppen, nämlich 11,3 ± 0,2 Ma und 12,4 ± 0,2 Ma.
NX9470
Mineralogie: Qu-Plag-Bt-Hbl-KFsp
Seite 71
Alter von 13,3 bis 18,8 Ma.
NX9446
Beschreibung: foliierter Granit, intrudierte in den letzten Phasen der Deformation auf Naxos
Mineralogie: Plag-Qu-Bt(-KFsp)
Alter: 6 stark abweichende Werte von denen 3 als ältere Kerne interpretiert werden können (170,
300 und 315 Ma). Die anderen 3 Alter von 17, 23 und 34 Ma repräsentieren wahrscheinlich
metamorphe Zirkone eines sedimentären Protoliths, da diese Werte typisch für metamorphen
Zirkon auf Naxos sind. Die verbleibenden Alter ergeben 2 Populationen bei 12,2 ± 01 Ma und
13,7 ± 0,1 Ma.
Naxos Kernmigmatite
♦ gebänderte Leucogneise
Mineralogie: Qu-Ab(-Bt)
Beschreibung: stammen alle aus dem südlichen Rand des Leucogneis-Kerns nahe der großen
Scherzone, stark gebänderte und foliierte, leucokrate Qu-Fsp-Gneise, Foliation ist
definiert durch orientierten Biotit und rekristallisierten Quarz, entweder
metamorphe Granite oder feldspatreiche Sedimentgesteine,
NX9315
Alter von ca. 205 – 17 Ma, wobei ältere Werte auf die zonierten Kernstrukturen zurückzuführen
sind. Die deutlich jüngeren Anwachsränder lieferten 2 Alterspopulationen bei 17,5 ± 0,1 Ma und
bei 19,2 ± 0,2 Ma.
Es treten jedoch auch ältere Überwüchse auf (ca. 30-56Ma), die aber nicht als Folge von partieller
Aufschmelzung interpretiert werden, sondern eher als Produkt vorhergehender alpiner SubSolidus-Metamorphose.
Einige Zirkonränder lieferten sogar Werte zw. 78 und 133 Ma und deuten dadurch frühe alpine
Metamorphose an. Die höchsten Alter (160-200 Ma) stammen von Zirkonen mit klaren
magmatischen Morphologien, die wahrscheinlich das Alter des Protoliths anzeigen.
NX9319
Alter im Bereich von 320 Ma (zonierte Kerne) bis 16 Ma (Anwachsrändern). Eine große
Population von Zirkonüberwüchse liegt bei 17,7 ± 0,1 Ma, einige Zirkone ergaben Alter von 2354 Ma. Zirkone mit Werten zw. 170 und 320 Ma legen da Alter des Protoliths fest.
NX9320
Alter von 340 bis 12 Ma, wobei die höheren Werte wie bei den anderen Proben von oszillierend
zonierten oder sektorzonierten Kernen stammen. Bei diesem Gestein konnte keine Population
alpiner metamorpher Zirkonüberwüchse nachgewiesen werden. Die Alter der magmatischen
Zirkone reicht von 212 bis ca. 320Ma was bedeutet dass Sedimentation erst vor min 212 Ma
eingesetzt haben kann.
♦ Augenmigmatit (NX94103)
Beschreibung: gut foliierter, mittelkörniger, granitischer Gneis, Foliation wie bei den
Leucogneisen durch Biotit und rekrist. Quarz definiert, aber nicht so intensiv, befindet sich etwas
weiter weg von der großen Scherzone
Alter von 350 bis 30 Ma. Die jüngeren Werte stammen alle von feinen, nicht zonierten
Überwüchsen um ältere, zonierte Kerne. Der jüngste magmatische Zirkon ist ca. 180 Ma alt und
grenzt somit das Alter des Protoliths auf diesen Bereich ein.
♦ wispy leucogneisses (NX9637, NX9638)
Beschreibung: grobkörniger, schwach deformierter leucogranitischer Gneis mit unregelmäßiger
Foliation, definiert von biotitreichen Linsen, wird als syn-M2 partielle Schmelze
interpretiert
Mineralogie: Qu-Ab-Bt-Mu
NX9638
Alterswerte von ca. 1870 bis 15 Ma, wobei keine alpine Zirkonpopulation bestimmt werden
konnte.
Seite 72
NX9637
Alter von 330 bis 14 Ma, mit einer großen alpinen Population mit metamorpher Überprägung
bei 17,4 ± 0,3 Ma.
♦ migmatischer Metapelit (NX94106)
Beschreibung: hochgradiger M2 Pelit im Leucogneis-Kern von Naxos, Beziehung zu
mesozoischen Serien außerhalb des Kerns unklar
Mineralogie: KFsp-Qu-Bt-Si, entstanden während Ms-dehydrierter Aufschmelzung bei ca. 700°C
Ergebnissen im Bereich von 1040 bis 16 Ma und einer kleineren Population bei 20,7 ± 0,5 Ma.
Die Überwüchse könne als Produkte von partieller Aufschmelzung interpretiert werden.
♦ gebänderter acid gneiss (NX9314, NX9485)
Beschreibung: liegt direkt in der Scherzone, dünne Lagen, gut foliiertes Qu-Fsp-Gestein, bildet
isoclinale Falten, es scheint sich um einen Meta-I-Typ Granitoid zu handeln
Mineralogie: Qu-Ab-Bt sowie reliktische Einsprenglinge von Plag und Ti
NX9314
Alter zwischen 530 und 270 Ma, wobei die Hauptpopulation bei 319 ± 1 Ma (rglm. oszillierend
zonierte Zirkone) liegt. Kaum Anzeichen für ältere Kerne.
NX9485
Alter im Bereich von 560 bis 15 Ma mit einer Hauptpopulation bei 306 ± 2 Ma. Das Alpine Alter
(ca. 15Ma) stammt von einem jüngern Zirkonüberwuchs, der wohl metamorphen Ursprungs ist.
Wiederum kaum ältere Kerne vorhanden.
Auswertung der Messergebnisse
Betrachtet man nun die erhaltenen U-Pb-Alter aus der SHRIMP Analyse, so lassen sich die die
meisten Intrusionen auf den Zeitraum von 13 bis 11 Ma datieren. Daraus lässt sich schließen, dass
Naxos im mittleren Miozän kurz anhaltender magmatischer Aktivität ausgesetzt war. In Bezug auf
die metamorphen Gesteine kristallisiert sich ein Peak bei 17,5 Ma heraus. Die 5 Ma Unterschied
zeigt die klare Trennung von den Zirkonen der Plutone und jener des migmatisierten Naxos-Kerns.
Alter der Granitoidintrusion im Naxos-Kern
Die Zirkonanalyse der Naxos-Granitoide datierte die Intrusionen auf 15,4 bis 11,3 Ma, wobei die
Zeitspanne wahrscheinlich den Prozess vom partiellen Aufschmelzen in der tieferen Kruste bis hin
zur Positionierung, Kristallisation und Abkühlung in höheren Krustenbereichen dokumentiert.
Unterstützt wird diese Annahme vom sinkenden U/Th-Verhältnis mit steigendem Alter der Zirkone,
was bedeutet dass die älteren Zirkone die anfängliche partielle Aufschmelzung repräsentieren.
NX9303 und NX9446 stellen späte Intrusionen mit gemessenen Altern von 13,2 – 11,3 Ma dar. Im
Gegensatz dazu handelt es sich bei NX9470 um eine frühe Intrusion die post-M2 vor ca. 15,4 – 13,3
Ma intrudierte. Die Intrusion und Abkühlung der post-M2-Granite passierte innerhalb von ca. 4 Ma,
aber eindeutig nach der partiellen Aufschmelzung im Naxos-Kern.
Alter des westlichen Granodiorits
Die SHRIMP U-Pb-Datierung der Zirkone aus dem Naxos Granodiorit ergaben ein
Kristallisationsalter von 12,2 ± 0,1 Ma. Dieses Ergebnis wird als ziemlich zuverlässig eingeschätzt
da eine SHRIMP 206Pb-238U-Analyse von Titanit aus der gleichen Probe einen ähnlichen Wert (11,8
± 0,9 Ma) lieferte. Ein den Granodiorit durchschneidender Aplit-Gang mit einem Alter von 11,1 Ma
zeigt dass die Verfestigung der Intrusion ca. zur gleichen Zeit stattfand. Die weitere Abkühlung
erfolgte dann relativ schnell über ~ 1 Ma, bis der Pluton im Laufe der Exhumation unter 120°C
abkühlte (vor ca. 8,2 Ma).
Herkunftsalter von Naxos-Intrusionen
Die Granitoid-proben enthalten nur selten Zirkone mit älteren erhaltenen Kernstrukturen, die
Auskunft über Quellregion der Granite geben. Betrachten wir nun die Probe NX9446. Sie enthält 5
ältere Kerne im Altersbereich von 23 bis 313 Ma. Alter wie 301.8 ± 6.9 und 313.0 ± 7.3 Ma treten
Seite 73
häufig an der Basis (variszisch) der Ägäischen MCC auf, wohingegen der Wert bei 169.9 ± 1.7
möglicherweise auf einen xenolithischen Zirkon zurückzuführen ist der durch eine Wechselwirkung
des Magmas mit mesozoischen Gesteinsserien aufgelesen wurde. Gleiches könnte natürlich auch für
die beiden anderen Zirkone gelten. Interessant an dieser Probe ist aber dass es sich um einen S-TypGranit handelt, dessen Chemie auf einen sedimentären Protolith hindeutet.
Aufschmelzung, Metamorphose und Granitintrusion
Regionalmetamorphose und Deformation stehen oft in enger räumlicher und zeitlicher Beziehung
mit Granitintrusionen. Sowohl Metamorphose als auch Magmatismus beruhen auf einem erhöhten
geothermischen Gradienten, der entweder auf Krustenverdickung, auf einen erhöhten Wärmefluss
im Mantel oder auf ein thermisches Event zurückzuführen ist.
Eine andere Erklärung wäre die Advektion von Wärme durch aufsteigende Schmelzströme von
einem subduzierten Ozeanboden und dem darüberliegenden Mantel.
In Bezug auf Naxos ist die zeitliche Beziehung von Magmatismus und Metamorphose von großer
Bedeutung. Da die meisten Intrusionen auf die Zeit zw. 13 und 11 Ma datiert wurden, kann man
davon ausgehen, dass die partiellen Schmelzen des Kerns bereit zu diesem Zeitpunkt kristallisiert
waren. Betrachtet man jetzt die Alter der ältesten Intrusion (15,4 ± 0,1 Ma) mit dem letzten
Wachstum von metamorphem Zirkon im Naxos-Kern (16,8 ± 0,3 Ma), so erhält man die
Zeitunterschied zwischen dem Ende von M2 und dem Einsetzen des Magmatismus, nämlich ca. 1,4
± 0,7 Ma. Einen direkten genetischen Zusammenhang zwischen M2 und Magmatismus ist in diesem
Fall jedoch schwer zu definieren. Man kann lediglich sagen, dass es wohl keinen nahtlosen
Übergang gab.
Tektonisches Modell
Die thermischen Prozesse, die für die Aufschmelzung und die Metamorphose auf Naxos
verantwortlich sind resultieren wahrscheinlich aus einer Wanderung des Hellenischen
Grabensystems nach Süden, als Folge eines roll back –Mechanismus. Dieser würde dazu führen,
dass ein Fluss von Mantelmagma über der zurückwandernden Platte entsteht, der die Wärmequelle
für Metamorphose, Aufschmelzung und Magmatismus in der Ägäis liefert. Diese Entwicklung führt
zur Entstehung eines Hot Spots im Zentrum der Ägäis. Dieser Mechanismus kann auch die
räumliche Beziehung zwischen Migmatiten und Magmatiten erklären. Hinweise für diese roll backEntwicklung sind fortschreitende Verjüngung magmatischer und metamorpher Aktivität von N nach
S, sowie seismische Untersuchungen, welche die Fortsetzung der tiefen Subduktion bis unter die
Ägäis zeigt.
Man vermutet, dass es in dieser Region mehrere Phasen von Krustenverkürzung und Extension gab,
was Änderungen in der thermischen Struktur der Kruste bewirkte. In der ersten roll back- Phase
reichte die entstandene Wärmemenge nur dafür aus lokal Aufschmelzung zu erzeugen, woraus sich
die Migmatite in der Peiode zw. 20 und 17 Ma gebildet haben. Die zweite roll back- Phase war das
Schmelzvolumen, gebildet durch Hebung und Dekompression des Mantels, bedeutender was zu
dem granitoidischen Magmatismus führte. In beiden Fällen kam es zur Dehnung der Kruste und zur
Bildung von duktilen Scherzonen, die eine partielle Exhumation des Migmatitkomplexes zur Folge
hatten. Die letzte Phase der Exhumation des Naxos-MCC leitete die Entstehung mehrerer
Abschiebungen ein, die vor ca. 10 Ma aktiv wurden und zur Freilegung des Domes vor ca. 8 Ma
führten.
Seite 74
Fig 28: Geological map of Naxos and Paros and cross section through Naxos island (Gautier &
Brun 1993)
Seite 75
Fig 29: Interpretative cross section of the Naxos-Paros detachment (Gautier 6 Brun 1993)
Fig 30: Intrusions of successive sill-like bodies can lead to differential uplift of core complex.
Thermal aureole leads to development of mylonite front (Lister 1993)
Seite 76
14.) NICHT-METAMORPHE EINHEITEN VON NAXOS
(M. Müller)
I. Allochtone Einheiten
Nicht-metamorphe magmatische Gesteine
In den allochtonen Einheiten kommen verschiedene magmatische Gesteine vor. Diese sind leicht
von Granodioriten und Metamorphiten zu unterscheiden. Sie gehören alle zur Peridotit-GabbroDiabas-Sequenz, welche wahrscheinlich während einem Overthrust (=Überlagerung von älterer
Schicht über eine jüngere) dieser allochtonen Einheiten steilgestellt wurde. Die komplette Sequenz
ist stark fragmentiert und ihre Kontakte mit den umgebenden Gesteinen sind schwer zu
interpretieren. Die beteiligten Gesteine, vor allem Serpentinite, sind höchstwahrscheinlich auch ein
Teil der Overthrust Zone.
Zwei Vorkommen von Gabbro, in der Nähe von Galini und von Galanado, sind im Kontaktgebiet
zwischen mylonitisierten Granodioriten und tektonisch beeinflußten Sandsteinen, resp. In der
mylonitisierten Granodiorit Zone, zu finden.
In Dünnschliff des Gabbro findet man unzonierte, verzwillingte Plagioklaskristalle mit einem
Anorthit-Gehalt von ung. 60%. Durch Saussuritization von Plagioklas entsteht dann Epidot, Kalcit
und ein wenig Serizit. Grüner Amphibol bildet die Hauptkomponente und wird lokal in Kalcit,
Chlorite und Serpentin-ähnliche Minerale umgewandelt. Der Plagioklas in Gabbros ist gut von dem
in Granodiorit zu unterscheiden. Die vollkommene Absenz von Plagioklas-Zonierung, weist eine
unterschiedliche petrologische Geschichte auf. Es ist unwahrscheinlich, dass Gabbroide Körper
einen Teil der granodioritischen Intrusion bilden.
Lokalitäten von ultrabasischen Gesteinen und assoziierten Gabbros:
1. 0,5 km Ö von Engares – Peridotite mit Olivin-Rhomb. Pyroxen Zusammensetzung
2. 1 km NNW von Melanes – Serpentine ohne Reste von Protolithgestein
3. 1 km SW von Melanes – Potamia Serpentinit mit Serpentinit–Basit Einschaltungen, beides
überdeckt mit allochtonem Marmor und Schiefer
4. 0,5 km von Gelanado - Serpentinit liegt topographisch unter einem mit Kalcit verkittetem
Marmorkörper. Weiter nördlich kommt Serpentinit mit Chlorit vor. Südlich ist Peridotit mit
Nodulen (Olivin, Serpentin, Dolomit oder auch nummulitischer Kalkstein) vorhanden. Die
Überdeckung von Sedimenten durch Serpentinit ist abnormal und höchstwahrscheinlich
durch eine spätere Bewegungen des metamorphischen Komplexes verursacht.
5. 0,5 SÖ von Galanado (sehr kleine Vorkommen) – Brekkzionierter Serpentinit zementiert mit
Karbonaten.
6. 1 km SSÖ von Galanado – Serpentinit ohne Protolithgestein
7. 1 km S von Mountsouna – Serpentinit vor allem mit Antigorit, dann Bastit und Chlorit.
Innerhalb liegen schwarze Kalksteine aus dem Perm gemeinsam mit anderen Gesteinstypen.
8. 0,5 km NÖ von Mountsouna – Nicht metamorphe ultrabasische Körper aus reinem
Antigorit, aber ohne Reste ultrabasischer Mineralien. Der Kontakt mit sedimentären
Gesteinen (Tertiär Konglomerate) ist schwer zu finden und zu verstehen. Ein Kontakt zum
metamorphen Komplex ist nicht beobachtbar.
Seite 77
Diabase und Agglomerate
Diese kommen vor in zwei größeren Fundstellen in der Zone zwischen Granodiorit Komplex und
metamorphem Komplex, situiert in Flusstälern in der Nähe von Engares und Melanes. Die
geologische Gegebenheiten beider sind ähnlich. Sie befinden sich zwischen Serpentiniten und
Sedimenten aus dem Tertiär. Beide sind eher als Agglomerate (=phyroklastische Breccie) zu
bezeichnen oder als massiv zerklüftetes Diabas. Die mineralische Zusammensetzung besteht aus
Hämatit, Plagioklas, Kalcit und durch Alteration entstandenen Chlorit.
Eine kleinere Fundstelle findet man auf Cape Stylida, wo man Diabas am westlichen Rand einer
sedimentären Überdeckung findet. Die mineralische Zusammensetzung besteht aus Quarz, Chlorit
und Plagioklas.
Zusammenfassung:
Die engen geologischen Zusammenhängen zwischen metamorphem Komplex und Granodiorit, mit
Ultrabasiten und Gabbros dazwischen, weisen darauf hin, dass die magmatischen Gesteine Naxos’s
sind allochton, ebenso wie es vermutlich auch die mittleren und unteren terz. Sedimente von Naxos
sind.
Tertiäre allochtone Sedimente:
Die Sedimente NW und N entstehen aus welchselnden Lagen von Arkosen, Sandstein, Grauwacke,
Konglomerat, Marmor und Kalkstein. Sie stehen in engem Zusammenhang mit Diabas , Gabbro und
serpent. Ultrabasit in diesem Gebiet. Die Konglomerate sind am häufigsten aus Diabas-, Gabbround Ultrabasit- Geröllen augebildet und zeigen kaum einen Zusammenhang mit dem kristallinen
Untergrund von Naxos.
Stratigraphie und Tektonik:
Die Zeitalter des jüngere Oligozän bzw. das alte und mittleres Miozän, wurden nach Fossilien
bestimmt (Lepidocyclina, Potamides sp.). Konglomerate sind mehr oder weniger zeitlich
vergleichbar mit der Sandstein-Marmor-Kalkstein Einheit, da beide die gleiche
Gesteinsbruchstücke enthalten. Die genaue stratigraphische Position ist alerdings sehr variabel.
Manche Kontakte können tektonischen Ursprungs sein, andere werden als Diskordanzen
beschrieben. Teilweise sind Brüche als rezent zu charakterisieren und könnten als post-Deckenbau
Subsidenz zwischen Granodioriten und dem metamorphen Komplex bezeichnet werden. Die
Kontakte zwischen den tertiären allochtonen Sedimenten und dem geologischen Untergrund sind
tektonisch entstanden.
Da keine stratigraphische Tabelle vorhanden ist, werden die Sedimente nach ihrer geographischen
Abfolge gelistet:
Sandstein-Marmor-Kalkstein Serien:
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
W Küste von Cape Stydilia
N von der Stadt Naxos, Aplomata
N von Galini, Kontili
In der Nähe von Galini
In der Nähe von Thalalaios
NNÖ von Galando
N von Mountsouna
Seite 78
Konglomerat Serien:
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
In der Nähe von Galini
In der Nähe von Engares
Zwei Vorkommen S von Engares
1 km Ö von Agios Thalalaios
NNÖ von Galando
Ö von Galando
1km S von Mountsouna
In der Nähe von Mountsouna
Zusammenfassung:
Dadurch, daß keine Granodiorite oder metamorphe Klasten in den Konglomeraten vorkommen,
sondern andere Geteine die vollkommen Naxos-fremd sind, kann man behaupten, daß diese
Konglomerate sehr weit von Granodioriten und Metamorphiten Komplexen sedimentiert wurden.
Während der Entstehung der Konglomerate gab es eine direkte geographische Verbindung mit
Kreide-, Jura- und Perm Kalksteinen und eine besonders enge zu Lutetischem Kalkstein. The
Overthrusting dieser nichtmetamorphen tertiären Sedimente über geologischen Untergrund ist nach
der Intrusion von Granodioriten passiert. Durch die tektonische Beeinflussung der nördlichen
Grenze der Granodiorite, kann man darauf schließen, daß allochtone Einheiten von N her
gekommen sind.
II. Autochtone Einheiten
Autochtones Neogen und quartäre Sedimente:
1. Hornstein-führende Formation, wahrscheinlich Pliozän
Diese Formation ist auf Cape Stydilia, in Kontili zu finden. Sie besteht aus Konglomeraten,
Sandsteinen Arkosen, mit lokalen Linsen aus Silt-Sandstein und Silt-Mergel. Geschichtete
Hornsteinhorizonte und durchschneidende Quarzgänge sind häufig in diese Formation zu
finden. Die oben genannten Sedimente sind silizifiziert. Klastische Komponenten, aus
metamorphem Komplex und Granodioriten stammend, sind ebenfalls in diesen Sedimenten zu
finden. Die Formation lässt sich in drei Einheiten einteilen:
a. Die unterste (60 m mächtige), an der NE Küste vorhandene Einheit mit einem SWEinfallen besteht aus sedimentären Serien rötlicher Arkosen, Sandsteinen und
dunkleren Mergeln.
b. Die mittlere (50 m mächtige), im N anschließende Einheit entspricht im großen und
ganzen der untersten. Zusätzlich sind allerdings noch eine starke Silizifizierung und
Hornsteinlagen vorhanden. Tektonische Störungen sind hier relativ stark und manche
Hornsteinlagen oft subvertikal.
c. Die oberste Einheit entsteht aus zwei Platten und vorwiegend aus Hornsteinlagen
sowie vollkommen silizifizierten, klastischen Sedimenten. Die südliche Platte ist
ungefähr 50 m mächtig und mehr oder weniger subhorizontal, während die nördliche
Platte ein OSO- Einfallen und eine Mächtigkeit von 60m hat.
2. Grobe Konglomerate, Pleistozän
Aufschlüsse dieser Formation kommen entlang NW Küste, N der Stadt Naxos, auf der Halbinsel
Mountsouna und in der Nähe von Kontili vor. Sie beinhalten vorwiegend Konglomerate aus
grobkörnigen Sandsteinen, sowie granodioritischen und metamorphen Geröllen. Pleistozäne
Sedimente N von Naxos haben die gleiche Zusammensetzung, allerdings mit einer kleineren
Seite 79
Partikelgröße. In der Nähe von Mountsouna sind grobe Konglomerate mit größeren Anteil an
Metamorphiten zu finden.
3. Zementierte Flachland- und Hangablagerungen, Pleistozän
Diese Formation überdeckt die ganze Insel. Ihre Mächtigkeit ist nicht höher als 5 m. Die
vorkommenden Gesteinsbrüchstücke sind angular bis subrounded, bestehen aus Mergel, Emery
und Schiefern der direkten Umgebung. Ihr Durchmesser beträgt nicht mehr als 20 cm. Die
Matrix besteht aus karbonatischem Zement, rötlich oder bräunlich gefärbt durch Hämatit und
Limonit.
4. Travertine Terassen
In der Nähe von Kournochorion auf beide Seiten des Flusstales zu finden. Die Mächtigkeit
beträgt bis zu 20 m. Sie wurden durch Pflanzenfossillien allerdings noch nicht datiert. Zur Zeit
ist es unbekannt, ob Travertin vielleicht ein Produkt früherer Thermalquelle ist.
5. Fanglomerate
Dieser Typ von terrestrischen Sedimenten kommt in Engares vor und zieht sich weiter gegen
NNO. Er besteht aus unsortiertem Sediment, Blöcken, Gesteinsbruchstücken des metamorphen
Komplexes mit grobsandiger Matrix. Marmor, Glimmerschiefer, Amphibolit und Gneis Blöcke
sind mehrere Meter groß. Unsortiertes Sediment weist auf rasche Sedimentation und kurzes
Transport hin. Es wird als Hangablagerung bezeichnet und ist nur lokal durch fließendes Wasser
modifiert. Die Mächtigkeit erreicht bis zu mehrere Zehner Meter.
6. Dünen
Bestehend aus rezenten und subrezenten Ablagerungen. Durch die Verwitterung von
Granodiorit entsteht grobkörniger Sand. Dünen beinhalten aber auch metamorphe Partikel. NW
und SW der Küste, abhängig von der Windrichtung (auch NW, SW). Der Anteil an
Schwermineralen ist abhängig vom Ursprungsbereich. Viele Sande sind auch Biotit reich
(Schwarze Sande), Titanit (bis zu 50%!), weiters beinhalten sie auch noch Turmalin, Korund,
Epidot... Ebenfalls sind Fossilbruchstücke als Karbonate vorhanden. Obsidianartefakte der
Cycladischen Periode konnte auf 5000-3000 v. Ch. datiert werden.
7. Lagunesedimente
Acht kleine Lagunen entlang der W und S Küste (Kontili, S von Cape Stylida, nah Cape Biblos,
N und Ö von Kouroupia...) enthalten organisches Material (Anwesenheit von Methan),
dünenähnliches Material und sind reich an Bimsstein (aus Santorini). Manche Lagunen werden
künstlich trockengelegt um sie für die Salzgewinnung nutzbar zu machen (Förderung von Gips,
Halit Kristallen,..).
8. Alluvium
Vier alluviale Küstenflachländer befinden sich ausschließlich in den Bereichen mit
leichtverwitterndem Untergrund (tertiäre Sedimente, Granodiorite). Hier findet starke äolische
Sedimentation statt. Die Ablagerungen bestehen vorallem aus Silt, Sand, sandigem Lehm und
seltener sind auch Schotter Linsen zu finden. Diese Ablagerungen reichen meist nicht höher als
5 m über die Meeresoberfläche hinaus und haben eine Mächtigkeit die 10 m nicht überschreitet.
Alle sind intensiv landwirtschaftlich genutzt und bewässert, da der Boden sonst versalzen
würde.
Seite 80
Literatur
Jahnsen B. (1977): The Geologie of Naxos. IGME; Geological and Geophysikal Research
Seite 81
SANTORIN / THIRA / STROGGYLI
Seite 82
15.) SANTORIN
(I. Lenauer, A. Popotnig)
Einleitung
Die Insel Santorin wurde im Laufe der Geschichte von mehreren großen und weiteren,
kleineren und unbedeutenderen vulkanischen Explosionen heimgesucht. Die bekannteste Eruption
war wohl die Minoische aus der späten Bronzezeit, welche auch für das Auslöschen der Minoischen
Kultur verantwortlich gemacht wird.
Die vorangegangenen Ereignisse sind in einer rund 200m dicken Abfolge dokumentiert und
lassen erkennen, dass sämtliche Eruptionen von einem Bimssteinregen eingeleitet wurden und mit
einem Strom pyroklastischen Materials endeten. Man findet eine bemerkenswerte Variation unterschiedlicher pyroklastischer Gesteinstypen auf Santorin
Santorin, oder auch Thera genannt, ist eine der südlichsten Inseln der Kykladen im
Ägäischen Meer. Sie besteht aus fünf Inseln - Thera, Therasia, Aspronisi, Palea Kameni und Nea
Kameni (Abb.2) mit einer Fläche von 75 km2. Thera, Therasia und Aspronisi sind in Form eines
Kreises um eine geflutete Kaldera mit einer max. Tiefe von 370m angelegt.Die Seitenwände der
Kaldera sind bis etwa 300m hoch, der höchste Punkt Theras ist der Berg Profitis Elias mit 565m im
SE der Insel. Mehrere Erhebungen in im Norden von Thera werden von erloschenen
Schildvulkanen gebildet. Die meisten dieser Schildvulkane wie Meghalo Vouno, Mikros Profites
Elias und Skaros (Abb. 5) sind von der Kalderawand abgeschnitten. Die Oberfläche von Thera,
Therasia und Aspronisi wird größtenteils von Ablagerungen der s.g. Minoischen Eruption in 1390
v.u.Z überdeckt. Die beiden Kameni Inseln innerhalb der Kaldera sind in historischer Zeit gebildet.
Die derzeitige vulkanische Aktivität ist nur auf Nea Kameni (Fumarolen) beschränkt.
Geologischer Überblick
Santorin liegt im vulkanischen Bogen der Hellenischen Subduktionszone. Es werden zwei
Hauptphasen von Vulkanismus in der Ägäis unterschieden. Eine vom Oligozän bis zum mittleren
Miozän, die andere seit dem Pliozän bis heute. Die frühere Phase war eher in der nördlichen Ägäis
bedeutsam, dann bewegten sich die Zentren der vulkanischen Aktivität nach Süden. Der tertiäre
Vulkanismus in der nördlichen Ägäis wurde durch die Subduktion der Afrikanischen Platte unter
die Europäische Platte verursacht.
Die heutigen Vulkane befinden sich auf einer Störungslinie am Südende des Zentralen
Aseismischen Plateaus. Sowohl die Gegenden mit vulkanischer Aktivität als auch die Epizentren
der Erdbeben, die in diesem Gebiet auftreten, liegen auf NE-SW verlaufenden Linien, die als
Bruchzonen in der Lithosphäre gedeutet werden. Zum Beispiel geht die Kameni Linie durch die
zentrale Kaldera, die Kameni Inseln, den Apronisi Tuff Ring und sechs Ausbruchskanälen für
Plinianische Eruptionen.
Aufschlüsse des prävulkanischen Santorin (Basement) kommen im südlichen Teil der Insel
Thera vor. Ihre höchste Erhebung, der Berg Profitis Elias, besteht aus Kalken und Marmoren,
welche Fossilien der Meghalodontidae enthalten und obertriadisches Alter aufweisen. In tiefen
Einschnitten von Profitis Elias sowie in der Umgebung des Hafens von Athinios kommen über die
Kalke und Marmore überschoben grünschiefer-faziell metamorphe, Kalzit- und Serizit-führende
Schiefer vor. Das Alter dieser Schiefer ist triassisch bis jurassisch. Ihre hangenden Partien sind
jedoch aus dem unteren Tertiär. Sie werden lokal von schwach metamorph-überprägten Gängen von
Granitporphyr durchschlagen.
Das Basement kann in zwei Einheiten untergliedert werden.
Basis Einheit A
Besteht aus Schiefer, Gneis und metamorph überprägten Intrusivgesteinen, die aus dem
Spätpaläozoikum/Frümesozoikum stammen. Die Basis zeigt Relikte einer präalpinen
Metamorphose. Es gibt keinen Aufschluss von Basis Einheit A in Santorin.
Seite 83
Basis Einheit B
Besteht aus einer alternierenden Abfolge von Marmoren und Schiefern, und isoklinal gefalteten
Metasedimenten und Metavulkaniten. Auf Santorin besteht das Basis Einheit B hauptsächlich aus
Schiefern und kristallinem Kalk, wobei die Kalke über den Schiefern liegen. Der erste Komplex
wird auch Metapeliten von Athinios (charakteristisch: Vorkommen sulfidischer Mineralisationen),
der zweite wird als Kalkstein von Mount Profitis Ilias bezeichnet.
Auf Santorin wurden alle Schiefer stark während der Grünschiefer-Fazies Metamorphose überprägt.
Die Santorini Inseln sind hauptsächlich durch die Ablagerungen von mehreren Vulkanen geprägt. Die stratigraphische Abfolge dieser Vulkane sowie ihre zeitliche Beziehungen werden in der
Abb. 6 ersichtlich. Sie dauert noch heute fort. Folgende vulkanische Zentren sind auf den Santorini
Inseln erkannt worden:
Die Akrotiri Vulkane kommen auf der Akrotiri Halbinsel in S von Thera vor. Sie starteten
ihre Aktivität im oberen Pliozän und waren etwa 1 Ma aktiv. Älteste vulkanische Ablagerungen
bildeten vor 3 Ma saure, amphibolführende, leicht umgewandelte Tuffe mit eingeschalteten agglomeratischen Lagen (Gegend von Lumaravi-Archangelos W von Dorf Akrotiri), die stellenweise
(Hügel Lumavari in einer Höhe von 210 m) marine Fossilien des Pliozäns führen. Untergeordnet
treten auch gut erhaltene, subaerisch geflossene Lavaströme (SE von Dorf Akrotiri und
gleichnamige Halbinsel) auf.
.
Der Thera Vulkan-Komplex wird hauptsächlich durch pyroklastische Ablagerungen
charakterisiert. Das Einsetzen seiner Aktivität ist mit 1 Ma datiert worden. Seine obersten, jüngeren
Ablagerungen weisen ein Alter von 0.037 Ma auf, was die lang andauernde Aktivität dieses
Vulkans belegt.
Der erste explosive Zyklus (ca 360 – 180 ka)
Der unterste Teil der Thera-Ablagerungen (LT = lower Thera) wird durch Ignimbrite (Ignimbrit
von Thermia), rote und graue Asche und Lapilli sowie Schlacke und weiße Bimssteinlagen
aufgebaut. Besonders leicht erkennbar in den Kalderawänden (Abb. 7, Profil GH) ist ein roter
Ignimbrit, der seine größte Mächtigkeit zwischen der Halbinsel Akrotiri und Balos aufweist. Die
obersten Lagen von LT werden von einer Erosionsfläche erfaßt. Die durch Erosion entstandenen
Paläorinnen wurden anschließend mit viskosen rhyolitischen Lavaströmen (LRhy = lower
Rhyolite) aufgefüllt. Zwischen LRhy und erodierter LT kommt häufig eine cm bis einige m
mächtige, weiße Bimssteinlage vor. Eine gewaltige, explosionsartige Eruption vor 0.1 Ma führte
anschließend zur subaerischen Ablagerung des s.g. unteren Bimssteins (LP = lower pumice).
Dieser markante Horizont kann in den Kalderawänden zwischen Kap Akrotiri und Phirá verfolgt
werden. Seine Mächtigkeit variiert zwischen einigen m bis einige zehner m. In nördlichen Teil von
Thera (z.B. unterhalb von Oia) sind die LP-Ablagerungen mit solchen aus den dortigen
Vulkanzentren (siehe unten) vergesellschaftet.
Der zweite Explosive Zyklus (180 – 3,6 ka)
Die hangende, größtenteils phreatomagmatisch entstandene (Heiken & McCoy, 1984) mittlere
Tuffabfolge (MTS = Middle Tuff Sequence) ist auf allen Santorini Inseln aufgeschlossen. Sie
wird durch ausgezeichnete Lagerung von braunen und schwarzen Tuffen, Aschen und Lapilli
charakterisiert, die in den oberen und unteren Partien der Phirá-Steinbrüchen besonders schön zu
beobachten sind. Die oberen Partien der MTS werden durch drei markente, graue Aschenlagen
gekennzeichnet, die Akkretionslapilli enthalten und durch tiefe und breite Erosionsrinnen
durchgeschnitten worden sind. Unterhalb von Merovigli ist in den Kalderawänden ein NEstreichendes, durch Erosion entstandenes Paläotal innerhalb der MTS erkennbar. Weitere
magmatische Aktivität des Thera Vulkans vor 0.050 Ma wird durch den markanten, rosa, subaerisch
abgelagerten mittleren Bimsstein (MP = Middle Pumice) dokumentiert.
Seite 84
Im nördlichen teil der Insel waren drei Vulkanzentren aktiv:
Der Meghalo Vouno-Komplex ist ein Schildvulkan, welcher durch basale Lavaströme
(MV1A, MV2A) und darauf liegenden gelben und weißen Aschen (MV1B) aufgebaut wurde.
Besonders schön erkennbar in den Kalderawänden sind die zahlreichen, NE-streichenden Gänge,
welche die basalen Teile von Meghalo Vouno durchschlagen. Die jüngeren Ablagerungen von
Meghalo Vouno sind viskose, braune (MV2B) und schwarze (MV2C) Lavaströme, welche mit den
MTS-Ablagerungen des Thera-Vulkans alternieren bzw. von diesen überdeckt werden. Die
Meghalo Vouno Abfolge endet mit den Schlackenkögel (MV3 und MV4) von Kokkino Vouno, die
von weiteren Lavaströmen (MV5, MV6) überdeckt wurden.
Die Mikros Profitis Elias-Abfolge wird durch einen rosa Kern (P1), der von massigen
Lavaströmen (P2), Schlacken und Pyroklastika (P3) überdeckt wurde. Darüber folgen glasige Lavaströme (P4), die lateral zu Blockströmen übergehen. Die obersten P4-Laven weisen eine Fliessfoliation auf und enthalten viele metamorphe Xenolithe.
Der Schildvulkan von Skaros wird in seinem Kern durch drei mächtige Lavaströme (SK1)
charakterisiert. Darauf folgt eine Abfolge von 32 Lavaströmen (SK2), die stellenweise mit MTS des
Thera Vulkans alternieren bzw. von dieser überdeckt werden. Die oberste Ablagerung ist ein
viskoser, mächtiger, rhyolitischer Strom (Rhy), der sehr ähnlich mit dem LRhy unterhalb des LP ist.
.
Simultan zur Aktivität des Mikro Profitis Ilias wurde ein neuer Vulkan gebildet. Dieser lag
im Süden der Insel Therasia, am Kap Tripiti.
.
Um 1390 vor Christus (Bronze Zeit) wurde während der gewaltigen Eruption des Thera
Vulkans die obere Bimssteinserie (UP = upper pumice) abgelagert. Diese Serie ist etwa 30m
mächtig und besteht aus drei Einheiten: den Bimssteinniederschlagsablagerungen, den Base surgeAblagerungen und den Ascheschicht. Der Ablauf der Eruption läßt sich aus der Abb. 8 entnehmen.
.
Die post-minoischen Vulkane der Kameni Inseln formten sich nach der Kalderabildung.
Man nimmt an, dass sich der Vulkan seit 197 vor Christus in aktiver Tätigkeit befindet.
Seite 85
Fig1: The growing of the Santorini group (Kussmaul & Pichler 1972)
Seite 86
Fig2: Simplified geological map of Santorin modified after Pichler & Kussmaul (1980). a = prevolcanic basement; b = Akrotiri volcanoes; c= Thera volcanoes; d = Meghalo Vouno Volcano; g =
Skaros volcano; h = Kamenes islands; i = Minoan deposits.
Seite 87
Fig3: Volcano-stratigraphic Key for Plate I and II from Pichler & Kussmaul (1980).
Seite 88
Fig4:Caldera profiles after Huismans (1985).
Fig5: Geological map of Kamenes islands from Barton & Huismans (1986).
Fig6: Satellite sketch of Nea Kameni island (Landsat)
Seite 89
16.) KULTURGESCHICHTE DER INSEL SANTORIN
(A.Kopecny, M. Mantscheva, S. Mayrhofer, H. Pristacz)
Thera in der Bronzezeit
Vor ca. 1 Million Jahre begann der Theranvulkanismus einen Komplex im heutigen Caldera zu
bauen. Drei massive Ausbrüche, über einen längeren Zeitraum hinweg, schafften den größten
vulkanischen Komplex, der heute noch in Santorini sichtbar ist (Fig.4).
Am Ende dieses eruptiven Zyklus wuchsen alle drei vulkanischen Komplexe zusammen und
bildeten eine einzelne Insel.
Wir können uns eine Insel mit einer Caldera im Süden (the Lower Pumice 2 caldera), eine kleinere
im Norden, und eine größere Landmasse für die Trennung der zwei, einschließlich einer Depression
wo der frühere Skaros caldera war, vorstellen (Fig.8). Diese Landmasse bestand aus jüngeren und
eher ungastlichen Lavaschilden. Der Gegensatz dazu, das fruchtbare Land auf der südlichen
Akrotiri Halbinsel, gab den Einwohnern gutes Ackerland und genügend Wasservorräte. Eine
Vielzahl von bronzezeitlichen Lagern bestätigt, dass die Region für frühe Siedler einen gewissen
Reiz gehabt hat. Die östliche Region der Akrotiri Halbinsel ist weniger attraktiv für menschliche
Siedlungen.
Der Jungsteinzeitliche (neolithische) Zeitraum
Vor 100.000 Jahren wurde die griechische Halbinsel bewohnt, doch der Beweis für eine permanente
Besiedlung der einzelnen Insel fehlt.
Die Insel Melos (ca. 90 km NW von Thera) war für die Ägäis von großer Bedeutung, da sie das
begehrte vulkanische Glas, auch Obsidian genannt, besaßen. Den Obsidian benötigte man für die
Anfertigung von scharfen Waffen und Werkzeugen (vor allem Klingen).
Thera und die Entstehung der Kykladen
Das Frühe Bronze Alter ist zeitlich schwer zu bestimmen. Verfahren der wissenschaftlichen
Datierung besagen, dass diese Zeit ungefähr 1200 Jahre hielt und im Zeitraum von ca. 3200 bis
2000 v.Chr. stattfand.
In diesem Zeitraum erlebten die Kykladen-Inseln bedeutendes Wachstum, genauso wie die
Bevölkerung. Arbeiter und Matrosen die sich auf den verschiedenen Inseln auf die Suche nach
besserem Lebensunterhalt machten, sorgten damit für die Bevölkerungsverstreuung und den
Wachstum der Kykladen.
Funde von Waren beweisen, dass die zunehmend reiche materielle Kultur immer mehr Siedler
anlockte. Die wichtigsten Rohstoffe waren Metalle und Marmor, die begehrtesten
Handelsmaterialien waren Schmirgel, Bimsstein, Obsidian und Marmor.
Auch die geographische Lage der Inseln erwies sich günstig für den Schiffsverkehr. Dadurch kam
es zur Entwicklung eines Gewerbenetzes. Der Nachteil jedoch war die zunehmende Piraterie.
Der Frühe Kykladen-Zeitraum
Den Übergang vom jungsteinzeitlichen bis zum Frühen Bronze-Alter nennt man den frühen
Kykladen Zeitraum (EG 1).
Die Friedhöfe der damaligen Bevölkerung waren sehr klein. Aus Glaube an ein Leben nach dem
Tod wurden auch persönliche Sachen/Familienreichtum mit in das Grab gelegt.
Einige markante Punkte in der EC 2 erklären das Wachstum und den Wohlstand in diesem
Zeitraum. Das wichtigste war die neu erworbene Fähigkeit der Hüttenkunde, sie konnte graphisch
durch Erzgewinnungsarbeiten auf Siphnos und Kythnos bewiesen werden.
Seite 90
Die immer steigende Nachfrage nach den daraus gewonnenen Produkten führte zu einer steigenden
Handelsrate und zum Handel mit Ägäis, aber auch mit dem Kleinasien und dem Nahen Osten.
Die bekanntesten Steinartefakte dieser Periode sind die verschränkten Armfiguren. Sie sind mit 5
oder 6 unterschiedlichen Köpfen oder Körperformen charakterisiert.
Bronzewaffen kommen zum ersten Mal im EC 2 in den Kykladen vor. Sie haben die Form von
Dolchen und Speerspitzen.
Die Siedlungsanlagen in den Kykladen scheinen in der Zeit von EC 2 und EC 3A außer Gebrauch
zu sein. Jedoch zur gleichen Zeit erscheint eine neue Siedlungsart:
Gipfel Forts, die von Wällen umgeben sind, die die kleinen Häuser im Inneren schützen sollen.
Einige dieser Siedlungen waren in Meeresnähe zu finden, andere wiederum in eher abgelegen
Gegenden. Alle Anzeichen sprechen dafür, dass die Einwohner dieser Siedlungen in Furcht vor
Angriffen gelebt haben.
Am Ende von EC 3A wurden die Gipfel Forts zerstört, wobei die Theorie, dass ausländische
Angreifer die zerstört haben, ausgeschlossen wird. Eher dürften die Piraterie und ein innerlicher
Konflikt Gründe gewesen sein.
Trotz einer Periode der Erholung, erreicht EC 3A nie denselben kulturellen Höhepunkt wie EC 2.
Thera in der frühen Bronzezeit
Die Insel von Thera war während des ganzen Frühen Bronze Alters ein Vorbild in der Entwicklung
der Kykladen.
Aufgrund einiger früher Entdeckungen kann postuliert werden, dass mindestens zwei Siedlungen
während des Frühen Bronze Alters im zentralen Thera existierten. Die eine im Umkreis von Fira,
die andere vermutlich westlich von Meghalochori.
Unser neues Verständnis der Topographie der pre-eruption LBA Insel, stellt eine Möglichkeit dar,
dass sich die meisten Siedlungen in der Nähe der neugebildeten Klippen ansiedelten, welche durch
die verschiedenen Ausbrüche gebildet wurden. Diese Klippen bieten leichten Zugang zu den
reichen mineralischen Lagern, die von der Landseite her nur schwer zugänglich sind.
Um nur einige Beispiele zu nennen, Blei wird in Athinios, Eisenoxide und Talk in Cape Plaka und
Malachit und Azurit in Cape Therma gefunden.
Zusammenfassend kann man sagen dass während des frühen Bronze Alters Thera von einer
bescheidenen jungsteinzeitlichen Wurzel zu einem wichtigen Knoten im auftretenden Aegeais
Gewerbe Netz wuchs.
Die Kykladen in der mittleren Bronzezeit
Während die wachsende Macht von Kreta unleugbar wird, ist auf den Kykladen ein Rückgang von
Menschen und Siedlungen zu beobachten. Die Bevölkerung der Kykladen ereichte im EG 2 ihren
Höhepunkt, während im EG 3 Unruhe in das Leben der dort angesiedelten Menschen trat.
In den meisten Inseln der Mittleren Kykladen Ära waren einzelne Siedlungen dominierend.
Mittlere Kykladen Thera
Am Ende des Bronze Alters waren die Siedlungen von Akrotiri schon gut etabliert und am besten
Wege ein wichtiges wirtschaftliches Zentrum zu werden. Der Übergang zum Mittleren Bronze Alter
unterbrach diesen Fortschritt nicht und während des Mittleren Kykladen Zeitraumes wuchs Akrotiri
sowohl in der Größe als auch in seinem Gewerbe.
Kreta und das Ende der mittleren Bronzezeit in den Kykladen
Aus dem ganzen vorhandenen Beweis des Mittleren Bronze Alters sieht man die Entwicklung
größerer Städte in den Kykladen. Diese Städte befanden sich in Meeresnähe mit einem Zugang zu
guten Häfen. Im Zusammenhang mit den Kykladen in Verbindung mit dem Festland und Kreta,
Seite 91
existierte auch unter den Inseln selbst ein Gewerbe in den MBA: Melian Keramik wurde zum
Beispiel auf den Insel Siphnos, Naxos, Tenos, Delos, Ayia Irini, Kea und Akrotiri gefunden.
Thera und Kreta in der späten Bronzezeit
Vielleicht eines der verzwicktesten Probleme, bezogen auf die späte Bronze Zeit im agäischen
Raum, ist die Herrschaft der Minoer über die Kykladen. Wobei die „Kykladischen Nationalisten“
die Macht Kretas über die Kykladen minimierten, im Gegensatz zu den „Minoischen Imperialisten“,
welche ihre Macht ausbreiteten. Den signifikanten Einfluss des minoischen Kretas über einige
kykladischen Inseln in der späten Bronze Zeit beweisen einige Metallarbeiten, Wandmalereien,
Architektur und Töpferwaren in minoischen Stil. Außerdem wurde auf den drei Inseln Melos, Kea
und Thera das minoische System an Gewichten und Maßen übernommen. Die minoischen
Immigranten spielten eine stärkere wirtschaftliche als politische Rolle, zum Beispiel als Kaufmann,
beschäftigt im Handel; oder als geschickter Handwerker, welcher Produkte mit hoher Qualität
herstellt und somit zum Export verwendbar macht. Für die Minoer war der Kontakt mit dem
griechischen Festland lebenswichtig, da das griechische Festland reiche Vorkommen an Blei,
Kupfer und Silber besaß. Bei diesem Handel spielten die kykladischen Bewohner (vor allem auf
den Inseln Melos, Thera, Kea) die Rolle des Mittelsmannes und waren somit stark für die
Entwicklung Kretas, sowie des Griechischen Festlandes verantwortlich. Im Gegensatz dazu verlief
jedoch sicherlich jeder Handel der Kykladen mit dem ostmediterranen Raum (Gold, Elfenbein,
Straußeneier,...) über Kreta. Nach den Zerstörungen (offenbar durch ein Erdbeben), wurden
Phylakopi, Ayia Irini und Akrotiri wieder aufgebaut und zwar in einem größeren,
hochentwickelteren Ausmaß als zuvor. Phylakopi, Ayia Irini und Akrotiri erhielten dadurch einen
hohen Stellenwert im Netzwerk der Handelsstationen, was Seefahrern eine sichere Fahrt in einer
Schleife, welche Kreta, Thera, Melos, Kea und das griechische Festland verband, ermöglichte.
Kreta und Thera: Eine besondere Beziehung
Am Beginn des Late Cycladic I, zerstörte ein schweres Erdbeben den südägäischen Raum. Auf
Thera mussten daher die zerstörten Siedlungen von Akrotiri wieder aufgebaut werden, doch
erstrahlte Akrotiri in vollem Glanz wieder, sodass man annimmt, dass die Wirtschaft nicht so stark
betroffen sein durfte.
Neben dem minoischen Einfluss auf Thera, blieben jedoch auch lokale kykladische Merkmale
bestehen. Zum Beispiel sind nur ca.7,5% aller Töpferwaren aus Kreta. Natürlich entstanden aber
auch andere Typen an Töpferwaren, wie zum Beispiel: Gefäße, welche den minoischen Stil
nachahmen; oder Gefäße, mit einer Mischung aus minoischen und kykladischen Stil.
Archäologische Beweise besagen, dass Akrotiri die dominanteste Siedlung auf Thera gewesen sein
muss. Allein aus der Infrastruktur des damaligen Akrotiri ist erkennbar, das es sicherlich das
politische, wie auch wirtschaftliche Zentrum von Thera war. Sie hatte ein Erstreckung von ca. 20
Hektar (10-20 mal größer als z.Bsp: Phylakopi auf Melos). An der Nordost Seite, am Rande der
Kaldera, in der Nähe von Balos, wurden 1870 zwei Gebäude aus der Zeit eines früheren
Vulkanausbruches entdeckt. Außerdem fand man an manchen Stellen Fragmente von
Aussichtstürmen, bemalten Verputz, einem Lagerhaus, Mauern aus Lava, Fliesen aus Lava. Im
Kontrast dazu gab es an anderen Stellen wieder nur vereinzelte Bauernhöfe. Sicherlich war auch die
Tierhaltung in der Landwirtschaft lebenswichtig. Eine Studie besagt den folgenden Bestand der
Tierhaltung: 72% Schafe und Ziegen, 19% Schweine 9% Vieh. Auch Fische waren ein wesentlicher
Bestandteil der Nahrung, Murex Muscheln wurden zur Produktion von purpur Farbe verwendet und
gelegentlich auch in Fußböden eingearbeitet.
Seite 92
Allgemeines über die Ausgrabungen auf Thera
Erste archäologische Ausgrabungen auf Thera begannen in der 2. Hälfte des 19. Jhdts. (nach der
Eruption 1866). Die ersten Ausgrabungsarbeiten bei Akrotiri („Das Pompeji der Bronzezeit“)
wurden 1967 unter Spyridon Marinatos begonnen. Nach seinem Tod 1974 übernahm Christos
Doumas seine Nachfolge als Leiter der Ausgrabungen.
Derzeit sind in Akrotiri 12 000 m² eines Areals von 150 m N-S und 80 m O-W freigelegt.
Die Ausgrabungsstätte bei Akrotiri
Nach dem Erdbeben von Late Cycladic I mussten die
Häuser von Akrotiri neu aufgebaut werden. Nach dem
Entfernen von Schutt wurde die Basis der Stadt
angehoben, neue, moderne Gebäude wurden
geschaffen. Ebendiese wurden später von der
Vulkaneruption im LC I neuerlich zugeschüttet.
Akrotiri scheint die Hauptsiedlung auf Thera gewesen
zu sein: Auf ca. 200 000 m² waren mehrere Tausend
Einwohner untergebracht, die Häuser über 2-3
Stockwerke aus Schuttstein, Ton, Stroh und Holz (
Minimieren von Erdbebenschäden) ihr Eigen nannten.
Decken, Türen und Fensterläden waren aus Holz, die
Böden waren mit Steinplatten verfliest oder mit
Kieseln und Muscheln mosaikartig ausgelegt. Die
oberen Stockwerke hatten besonders große Fenster und
werden als private Wohnabteile, Empfangs- oder
Zeremonieräume interpretiert, wobei die unteren
Stöcke als Abstellräume, Werkstätten, Küchen und
kleine Einzelhandelsgeschäfte dienten. Die Stadt besaß
außerdem noch enge, labyrinthartige, jedoch gut
bepflasterte Straßen ( Schutz vor starken Winden
und vor Feinden, besserer Abfluss v. Regenwasser),
und ein ausgedehntes Abwasserkanalsystem.
Beziehung Farmer/ Stadt:
Die Existenz von einigen ökonomisch unabhängigen Strukturen auf Akrotiri weist stark daraufhin,
dass eine „Land besitzende Elite" existierte, welche von der Stadt aus das gesamte Umland regierte.
Wenn diese Theorie der „Land besitzenden Elite" stimmt, gab es wichtige Verzweigungen in
politischen als auch ökonomischen Gebieten.
Das Bronzezeitalter war nicht fruchtbar genug, um die wachsende Bevölkerung zu tragen, und so
mussten andere Nahrungsgrundlagen gefunden werden...
Handel / Seefahrt:
Durch die Seefahrt wurde zunächst lebensnotwendige Nahrung in den lokalen Verbrauch
eingeführt. Später weitete sich der Seehandel über Luxusgüter immer weiter aus. Bis schlussendlich
nicht nur Produkte sondern auch Personen exportiert wurden. (Geschickte Handwerker und
Physiker aber auch Wahrsager und Bildhauer wurden ausgetauscht)
Seite 93
Der Handel wurde zu einem dominanten Partner und war verantwortlich für den generellen
Wohlstand auf Thera. Es entstanden große Industrien (Obsidian, Wein, parfümierte Öle, Safran,
Vasen, Steinmörtel,...)
Einige theranische Seefahrer sowie theranische Schiffe beführen auch die interregionalen
Tramprouten, welche die Haupteinfahrten in Kreta, Festland Griechenland, Ägypten, Levante,
Zypern und Klein Asien verbanden. Angesichts der strategisch geographischen Position von Thera
musste der Hafen von Akrotiti einer der beschäftigsten im ägäischen regionalen Netz gewesen sein.
Eine negative Nebenerscheinung des Seehandels stellten aber auch Piraten dar.
Religion auf Thera:
Es ist unumstritten, dass die Religion eine lebenswichtige Rolle im Leben der Einwohner des
Bronzezeitalters Akrotiri spielte. Aufgrund archäologischer Beweise konnte man außerdem
feststellen, dass der theranische Kult und der minoische Kult einschließlich der heiligen Architektur
(z.B. Trankopfergläser, Altare, priesterliche Kleidung, Tiere) sehr ähnlich, fast schon gleich waren.
Beide Kulturen beteten dieselbe weibliche Göttlichkeit an und führten dieselben Rituale durch.
Außerdem integrierten beide Kulturen die Religion sehr stark in das Gewerbe. Anfangs sah man
darin den Beweis, dass Thera von den Minoern beherrscht wurde. Heute ist man sich dieser Ansicht
aber nicht mehr so sicher.
Apokalypse
Zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert ereignete sich auf Thera ein zerstörerisches Erdbeben,
welches allerdings nur als Vorbote für einen großen Vulkanausbruch zu sehen war. Das Erdbeben
zerstörte die ganze Stadt Akrotiri, und da die Einwohner noch keine Erfahrungen mit solchen
Vorboten gemacht hatten; wussten sie nicht, dass sich bald noch eine viel zerstörerische
Naturgewalt ereignen würde, und begannen deshalb die Stadt wieder aufzubauen. Der
Vulkanausbruch, der sich schließlich ca. 5 Monate nach dem Erdbeben ereignete zerstörte die
mühselig wiederaufgebaute Stadt Akrotiri von neuem.
Die 4 Phasen der Eruption:
Der Ausbruch selbst war ein komplexer geologischer Prozess welcher mit einem vorbotenartigen
Aschefall begann. Dieser Aschefall wurde vom Vulkan Skaros weg, über vorherrschende Winde
südlichöstlich von Thera verstreut. Heute teilt man den Ausbruch auf Grund verschiedener
Ablagerungsschichten in 4 Phasen
ein. In der ersten Phase entstand zunächst eine schmale Spalte durch einen Schlitz auf dem Skaros
Vulkan. Ein oder 2 Kilometer westlich des heutigen „Fira". Diese Eruptionsspalte lagerte bis zu 6
Meter Schutt bestehend aus Gesteinsfragmenten und Asche ab, sodass nur mehr die obersten Wände
der Gebäude m Akrotiri herausragten.
Die 2. Phase der Eruption begann, als die schmale Eruptionsspalte einstürzte und so das Magma in
Kontakt mit dem Meerwasser kam. Nach heutigem Wissen ist solch eine Mischung (Wasser +
Magma) äußerst explosiv. In Akrotiri reichte es aus, um nun auch die obersten Wände von Akrotiri
wegzusprengen.
Die 3. Phase stellte die weitere Öffnung der Spalte zum Meerwasser dar. Die Spalte entwickelte
sich nun zu einem großen Trichter, gefüllt mit Asche Dampf und Wasser Es scheint so, als wäre
durch die ausdehnende Eruptionsspalte das relativ seichte und kalte Wasser der alten Cape Riva
Caldera gekippt, da die pyroklastischen Ströme stromatolitische Blöcke und andere
Gesteinsfragmente beinhalteten. Der Überfluss an diesen großen Gesteinsblöcken ist eine der
Charakteristika dieser 3. Phase. Man geht nicht nur mehr von einer, sondern von vier gewaltigen
Explosionen aus, welche schlussendlich die Magmakammer zum Einsturz brachten.
Seite 94
Die 4. Phase beschreibt die totale Entleerung der Magmakammer des Vulkanes, und gleichzeitig
das Ende der Eruptionen. In dieser Phase stürzte nun auch die letzte Phase der noch vorhandenen
Kaldera ein. Das führte nun zur Vernichtung des Skaros Theresia - Vulkan - Komplexes und zur
Überflutung der gesamten nördlichen Region der Insel.
Heute ist man der Meinung, dass sich der Hauptausbruch innerhalb einiger Tage abspielte, und
nicht wie früher angenommen Wochen und Monat dauerte.
Der lokale Effekt der Eruption auf Thera:
Nicht nur Thera selbst sondern auch andere Regionen um Thera bekamen die Auswirkungen des
Vulkanausbruches zu spüren. Dieses „Theran Event" beeinflusste wahrscheinlich sogar das gesamte
globale Klima aufgrund des Freiwerdens beträchtlicher Mengen von vulkanischen „aerosols" in die
Stratosphäre. Da es auch noch andere Eruptionen zu diesem Zeitpunkt gab, ist es möglich, dass alle
„aerosols" zusammen schwere klimatische Störungen auslösten. Der nachlassende Wind verstreute
theranische Erde in einem östlich, nordöstlich und südöstlich ausgedehnten Bogen von Thera, was
man an den Ausfällungen in der Türkei, Kos, Rhodos, östliches Griechenland und Ägypten
erkennen kann.
17.) ATLANTIS - THEORIE
Plato war einer der Ersten, der Santorin mit dem Königreich Atlantis in Verbindung brachte.
Atlantis war angeblich in 10 Stadtstaaten untergliedert,. davon beschäftigten Plato nur zwei: die
„königliche Stadt“ und „Metropolis“. Geologische Aspekte in seinen Beschreibungen deuten darauf
hin, dass die königliche Stadt das Tal von Nessara, auf Kreta und Metropolis die Insel Strongyle
gewesen sein könnten.
+ Übereinstimmung in der Geologie, Form Bodenbeschaffenheit und Bodenkultur, und der
Vegetation.
+ Die überaus hohe Baukultur und Wohnqualität sowie die Vielzahl der Wohngebiete.
+ Kreta und Atlantis waren beide Zentrum der Kupfererzeugung und –verarbeitung (Funde
auch in Akrotiri).
+ Auf eine Übereinstimmung der minoischen Kultur Kretas mit der von Atlantis deuten
auch die jüngsten Ausgrabungen hin.
+ Beide verehrten den Stier als Symbol der Fruchtbarkeit und sahen in ihm ein heiliges Tier.
Vulkanausbrüche:
1866 – 1870
1925 – 1928
1939 – 1941
Der letzte Vulkanausbruch fand 1950 statt, in Folge dieses Ereignisses wurde die gesamte Insel von
einer sechzig Meter mächtigen Bimssteinschicht überlagert.
Die Flucht der Menschen von der Insel war gut organisiert. Es besteht daher guter Grund zu
der Annahme, dass dem Vulkanausbruch ein Erdbeben vorausging, welches für die Bewohner eine
Warnung war, woraufhin sie wahrscheinlich ihr meistes Habe auf Schiffe verladen und in Sicherheit
gebracht haben. Bis heute ist nicht bekannt wohin sich die Menschen gerettet haben. Begründbar ist
diese Theorie durch das vollkommene Fehlen von menschlichen Skeletten und der meisten zu
erwartenden Gebrauchsgegenstände sowie Wertgegenstände. Infolge dessen halten sich die
Überlieferungen durch Funde in Grenzen.
Erste Ausgrabungen erfolgten im 19.Jh. durch den griechischen Arzt Nomikos und dem
Französischen Geologen M. Fouque auf Tharasia und in der Nähe des Dorfes Akrotiri auf Thera.
Sie fanden Häuser Mauerreste, Kochgeschirr, bronzene Kannen und Schüsseln, Mahlgefäße und
Seite 95
Mörser, Pithol und Fässer, Opfertische und Blumenvasen, Verschiedene Fresken: von: Damen,
Papyruspflanzen, Lilien, Schiffen, tropischen Landschaften, Fischern, Priester(-innen), boxenden
Knaben und Antilopen, älter als die Bimssteinschicht, vor. Die Funde weisen auf individuelle Art
auf die Lebensweise, Religion und Geschichte der damaligen Bewohner hin. Werkzeuge aus Stein,
Schleifsteine, Getreidemühlen, Ambosse, Hämmer und Möbelstücke trugen einen großen Beitrag
zur Rekonstruktion des „täglichen Lebens“ bei.
Die Bewohner der auf Santorin gelegenen Siedlung Akrotiri(welche die einzige gut
erhaltene Siedlung aus dieser Zeit ist) pflegten Handelsbeziehungen zu Kreta. Landwirtschaft,
Keramikbrennereien, Metallgewerbe und Steinmetzwerkstätten bildeten den Hauptanteil der
gewerblichen Tätigkeiten. Anhand der Reste der Siedlung ist zu erkennen, dass es sich um eine
wohlhabende, reiche Stadt gehandelt haben muß. Die Kolektivität in der damaligen Lebensweise
spiegelt sich auch in den existenten Gebäudeformen wieder. Es wurden alleinstehende Häuser und
Wohnblocks errichtet welche aus Lehmziegeln beziehungsweise aus gehauenen Steinen bestanden.
Paläste oder dergleichen jedoch waren keinen falls üblich. Am Südportal lag das Verwaltungs und
Wohngebäude, ein großer steinener Komplex. Weiters ist zu bemerken, dass es in der räumlichen
Gliederung der Siedlung keinerlei Trennung herrschte in bezug auf soziale Stellung sowie
finanzielles Habe. Auch Gewerbe und Wohnbereich der unterschiedlichen arm bzw. reichen
Bevölkerung befand sich zumeist in einem Gebäude. Parterre und Kellerbereich fungierten als
Schlafplatz des Personals und der Arbeiterklasse. Die oberen Bereiche des Gebäudes wurden zu
kulturellen Zwecken genutzt und dienten zugleich der gesellschaftlich höhergestellten Bevölkerung
als Wohnraum. Die Kulturräume waren auch Religionszentren und bestimmt zur Ausübung ritueller
Handlungen der Priester. Die überaus hohe Bedeutung die der Religion beigemessen wurde läßt
sich an den dort zu findenden Fresken, Keramikvasen und auch an den Bauwerken selbst
nachvollziehen. Meist wurden Kultgegenstände in weiblichen Formen dargestellt, was auf eine
Verehrung der Fruchtbarkeit schließen läßt. Auf Grund von gemeinsamer Nutzung der Großküchen
und Lagerräumen schließt man auf eine kollektive Wirtschaftsweise. Funde von vollständig
erhaltenen Küchen auf Akrotiri, welche Kochgeschirr und Nahrungsmitteln wie Lamm-, Schweine-,
Ziegen-, Rehfleisch, sowie Bohnen, Linsen und Brot aufweisen, ermöglichen eine Rekonstruktion
der damaligen Ernährungsweise.
Im Anschluß sind noch ein paar historische Daten zu erwähnen :
Seit dem 13.Jh. vor Christus war Santorin wieder bewohnt 900 vor Chr. Besiedelten die Dorier die
Insel Sie prägten bereits im 6.Jh. eigene Münzen und entwickelten auch ein eigenes Alphabet.
Während dieser Zeit befand sich Thera mit Sparta in einem politischen Bündnis; somit stand Thera
auch im Peleponnesischen Krieg auf Seiten Spartas.
Im Kampf gegen Makedonien erwies sich Thera, auf Grund ihrer günstigen Lage als idealer
Flottenstützpunkt für die Ptolemäer.
Unter der Herrschaft der Römer und in byzantinischer Zeit war Thera eine vollkommen
unbedeutende Insel in der Agäis.
Zu der Zeit, als Marko Sanudo das Herzogtum Naxos gründete, zu dem Thera gehörte, kam sie
1207 unter venezianische Herrschaft und erlebte einen wirtschaftlichen Aufschwung durch
Baumwollanbau.
1537 wurde Santorin von den Türken erobert.
Seit 1830 gehört die Insel zu Griechenland.
Seite 96
Literatur:
Barton & Huijsmans (1986): Cotr. Min. Petrol., 94, 472-485.
Günther (1972): Dissertation, Univ. Tübingen.
Heiken & McCoy (1984): Journ. Geoph. Res., 89, 8441-8462.
Huijsmans (1985): Geologica Ultaiectina, No. 41.
Keller (1982): Mediterranean island arcs. In Thorpe, R.S., (ed.): Andesites, 307-325.
Pichler & Kussmaul (1980): In Doumas, D. (ed.): Thera and the Aegean Wold II, 413-427.
Seite 97
18.) APPENDIX PETROLOGIE
Seite 98
Seite 99
Seite100
Seite101
Seite102
Seite103
Seite104
Seite105
19.) APPENDIX STRUKTURGEOLOGIE
Seite106
Seite107
Seite108
Seite109
Seite110
Seite111
Seite112
Seite113
Seite114
Seite115
Seite116
Seite117
Seite118
Seite119
Seite120
Seite121
Herunterladen