Kineret - European Medicines Agency

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EMA/106442/2016
EMEA/H/C/363
Zusammenfassung des EPAR für die Öffentlichkeit
Kineret
Anakinra
Dies ist eine Zusammenfassung des Europäischen Öffentlichen Beurteilungsberichts (EPAR) für Kineret.
Hierin wird erläutert, wie der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) das Arzneimittel beurteilt hat,
um zu seinem befürwortenden Gutachten zur Erteilung der Genehmigung für das Inverkehrbringen und
seinen Empfehlungen zu den Anwendungsbedingungen für Kineret zu gelangen.
Was ist Kineret?
Kineret ist ein Arzneimittel, das den Wirkstoff Anakinra enthält. Es ist als Injektionslösung erhältlich.
Wofür wird Kineret angewendet?
Kineret wird angewendet zur Behandlung von:
•
Anzeichen und Symptomen von rheumatoider Arthritis (eine Erkrankung des Immunsystems, die
Gelenkentzündungen hervorruft) bei Erwachsenen. Es wird zusammen mit Methotrexat (einem
entzündungshemmenden Arzneimittel) bei Patienten angewendet, die auf Methotrexat allein nicht
ausreichend angesprochen haben;
•
Cryopyrin-assoziierten periodischen Syndromen (CAPS) bei Patienten ab einem Alter von acht
Monaten und einem Mindestgewicht von 10 kg. CAPS bezeichnet eine Gruppe von Erkrankungen,
bei denen die Patienten einen Defekt in dem Gen aufweisen, welches das Protein Cryopyrin bildet.
Dies führt zu Entzündungen in zahlreichen Körperteilen und Symptomen wie Fieber,
Hautausschlag, Gelenkschmerzen und Müdigkeit. Darüber hinaus kann es zu schweren
Behinderungen wie Taubheit und Verlust des Sehvermögens kommen.
Wie wird Kineret angewendet?
Kineret ist nur auf ärztliche Verschreibung erhältlich, und die Behandlung sollte von einem Arzt
eingeleitet und überwacht werden, der Erfahrung in der Behandlung von rheumatoider Arthritis bzw.
CAPS besitzt.
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Die empfohlene Dosis von Kineret beträgt bei rheumatoider Arthritis 100 mg und wird als Injektion
unter die Haut einmal täglich angewendet. Die Dosis sollte jeden Tag ungefähr zur gleichen Zeit
gegeben werden. Bei CAPS hängt die Dosis vom Körpergewicht und der Schwere der Erkrankung ab.
Die empfohlene Anfangsdosis beträgt 1 mg bis 2 mg pro Kilogramm Körpergewicht; sie wird einmal
täglich unter die Haut injiziert. Um Beschwerden an der Einstichstelle zu vermeiden, wird ein Wechsel
der Einstichstelle bei jeder Dosis empfohlen. Kineret sollte bei Patienten mit stark herabgesetzter
Leberfunktion oder mäßig herabgesetzter Nierenfunktion mit Vorsicht angewendet werden. Es sollte
nicht bei Patienten mit stark herabgesetzter Nierenfunktion angewendet werden.
Wie wirkt Kineret?
Der Wirkstoff in Kineret, Anakinra, ist ein Immunsuppressivum (ein Arzneimittel, das die Aktivität des
Immunsystems herabsetzt). Es hemmt die Rezeptoren für den chemischen Botenstoff Interleukin-1 im
Körper. Dieser Botenstoff wird bei Patienten mit rheumatoider Arthritis in großen Mengen produziert
und verursacht eine Entzündung und Schädigung der Gelenke; er ist ferner an mit CAPS assoziierten
Entzündungen beteiligt. Anakinra bindet sich an die Rezeptoren, an die sich normalerweise Interleukin-1
bindet, und blockiert so die Wirkung von Interleukin-1. Dies trägt zur Linderung der
Krankheitssymptome bei.
Der Wirkstoff in Kineret, Anakinra, ist eine Kopie eines beim Menschen natürlich vorkommenden
Proteins, des sogenannten „humanen Interleukin-1-Rezeptorantagonisten“. Anakinra wird mittels
rekombinanter DNA-Technologie hergestellt, einer Methode, bei der ein bestimmtes Gen (DNA) in ein
Bakterium eingebracht wird, was dieses dazu befähigt, Anakinra zu bilden. Der Anakinra-Ersatzstoff
wirkt genauso wie das natürliche Protein.
Wie wurde Kineret untersucht?
Kineret wurde in drei Hauptstudien bei insgesamt 1 388 Patienten mit rheumatoider Arthritis
untersucht. In allen drei Studien wurde die Wirksamkeit von Kineret mit der von Placebo (einer
Scheinbehandlung) verglichen. An der ersten Studie nahmen 468 Patienten teil, von denen einige
vorher schon andere Arzneimittel gegen ihre Erkrankung eingenommen hatten. Die Patienten erhielten
entweder Kineret (als einziges Arzneimittel) oder Placebo. In den beiden anderen Studien wurden die
Arzneimittel zusätzlich zu bestehenden Behandlungen (z. B. mit Methotrexat) angewendet: In einer
Studie mit 419 Patienten wurde ein vom Körpergewicht des Patienten abhängiger Dosisbereich von
Kineret angewendet, in der anderen Studie mit 501 Patienten wurde eine feste Dosis von 100 mg
einmal täglich gegeben. In allen drei Studien war der Hauptindikator für die Wirksamkeit die Anzahl der
Patienten, bei denen sich die Beschwerden nach sechs Monaten um mindestens 20 % gebessert hatten.
Die Symptome wurden vom Arzt und vom Patienten anhand der Punkteskala des „American College of
Rheumatology“ beurteilt, in der die Zahl der schmerzenden oder entzündeten Gelenke, die
Krankheitsaktivität, Schmerzen, Behinderung und der Blutspiegel des Entzündungsmarkers C-reaktives
Protein berücksichtigt werden.
Bei CAPS wurde Kineret in einer Hauptstudie mit 43 Patienten mit multisystemischer entzündlicher
Erkrankung mit Beginn im Neugeborenenalter (Neonatal-Onset Multisystem Inflammatory Disease,
NOMID/CINCA, einer Form von CAPS) untersucht. Den Patienten wurde eine Anfangsdosis Kineret von
1 mg bis 2 mg pro Kilogramm Körpergewicht täglich gegeben; diese Dosis wurde bei Bedarf nach einem
Monat erhöht. Die Hauptindikatoren für die Wirksamkeit waren die Verbesserung des Schweregrades
der Symptome (anhand der Punkteskala) und die Verbesserung des Spiegels von Amyloid A (ein
anderer Entzündungsmarker) im Blut.
Kineret
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Welchen Nutzen hat Kineret in diesen Studien gezeigt?
Die erste Studie bei rheumatoider Arthritis zeigte, dass Kineret in bestimmten Dosierungen die
Symptome der Krankheit wirksamer als Placebo linderte. Die Anwendung als alleiniges Arzneimittel
konnte jedoch aufgrund der Konzeption der Studie nicht hinlänglich belegt werden.
Die beiden anderen Studien bei rheumatoider Arthritis zeigten, dass Kineret als Zusatz zur MethotrexatBehandlung wirksamer war als Placebo. In der Studie mit der festen Dosierung besserten sich die
Symptome bei 38 % der Patienten unter zusätzlicher Anwendung von Kineret nach sechs Monaten um
mindestens 20 %; unter zusätzlicher Anwendung von Placebo war dies bei 22 % der Patienten der Fall.
Die Studie zu CAPS zeigte eine signifikante und rasche Verbesserung der Symptome; die
durchschnittliche Punktezahl auf der Symptomskala fiel von 4,5 auf 0,8 innerhalb von 3 Tagen nach
Beginn der Behandlung. Die Verbesserung wurde über einen Nachbeobachtungszeitraum von bis zu 60
Monaten aufrechterhalten. Auch die Amyloid A-Spiegel sanken.
Welche Risiken sind mit Kineret verbunden?
Sehr häufige Nebenwirkungen von Kineret (beobachtet bei mehr als 1 von 10 Patienten) sind
Kopfschmerzen, Reaktionen an der Einstichstelle (Rötung, Bluterguss, Schmerzen oder Entzündung)
sowie ein Anstieg des Cholesterinspiegels im Blut. Die vollständige Auflistung der im Zusammenhang
mit Kineret berichteten Nebenwirkungen ist der Packungsbeilage zu entnehmen.
Kineret darf nicht bei Patienten angewendet werden, die überempfindlich (allergisch) gegen Anakinra,
einen der sonstigen Bestandteile oder gegen von Escherichia coli (einer Bakterienart) produzierte
Proteine sind. Kineret darf nicht bei Patienten mit stark herabgesetzter Nierenfunktion angewendet und
nicht bei Patienten mit Neutropenie (niedrige Anzahl an Neutrophilen, eine Art weißer Blutzellen, die
Infektionen bekämpfen) begonnen werden. Die Anwendung von Kineret in Kombination mit
Tumornekrosefaktor (TNF)-Antagonisten (anderen Arzneimitteln zur Behandlung der rheumatoiden
Arthritis) wird nicht empfohlen.
Warum wurde Kineret zugelassen?
Der CHMP gelangte zu dem Schluss, dass der Nutzen von Kineret bei der Behandlung der Anzeichen
und Symptome der rheumatoiden Arthritis in Kombination mit Methotrexat bei Patienten, die nur
unzureichend auf Methotrexat allein ansprechen, gegenüber den Risiken überwiegt, und empfahl, die
Genehmigung für das Inverkehrbringen von Kineret zu erteilen. Aufgrund der raschen Wirkung und der
Tatsache, dass keine neuen Sicherheitsbedenken aufgeworfen wurden, entschied der Ausschuss ferner,
dass der Nutzen gegenüber den Risiken bei Patienten mit CAPS überwiegt.
Welche Maßnahmen werden zur Gewährleistung der sicheren Anwendung
von Kineret ergriffen?
Es wurde ein Risikomanagementplan entwickelt, um sicherzustellen, dass Kineret so sicher wie möglich
angewendet wird. Auf der Grundlage dieses Plans wurden Sicherheitsinformationen in die
Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels und die Packungsbeilage für Kineret aufgenommen,
einschließlich geeigneter Vorsichtsmaßnahmen für Angehörige der Heilberufe und Patienten.
Außerdem wird der Hersteller von Kineret Schulungsmaterial für Angehörige der Heilberufe und
Patienten oder deren Betreuer anbieten. Dieses Material wird sich insbesondere mit Einzelheiten
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befassen, wie die Kineret-Dosen abgemessen und injiziert werden sollten und wie Reaktionen an der
Einstichstelle zu behandeln sind.
Weitere Informationen über Kineret
Am 8. März 2002 erteilte die Europäische Kommission eine Genehmigung für das Inverkehrbringen von
Kineret in der gesamten Europäischen Union.
Den vollständigen Wortlaut des EPAR für Kineret finden Sie auf der Website der Agentur:
ema.europa.eu/Find medicine/Human medicines/European public assessment reports. Wenn Sie
weitere Informationen zur Behandlung mit Kineret benötigen, lesen Sie bitte die Packungsbeilage
(ebenfalls Teil des EPAR) oder wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.
Diese Zusammenfassung wurde zuletzt im 02-2016 aktualisiert.
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