Symptome ohne Befund

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144
17
1
Symptome ohne Befund
2
B. Timmer und W. Rief
3
4
5
6
7
8
9
10
17.1
Einleitung
11
12
13
17.1.1
Krankheitsbild
14
15
Körperliche Symptome, die nicht oder nur unzurei16
chend auf organische Erkrankungen zurückzufüh17
ren sind, sind vielen Menschen eine vertraute Erfah18
rung. Vom Vorliegen einer somatoformen Störung
19
spricht man allerdings erst, wenn die unklaren kör20
perlichen Beschwerden über einen längeren Zeit21
raum andauern sowie bedeutsames Leiden und
22
Beeinträchtigungen in verschiedenen wichtigen
23
Funktionsbereichen verursachen. Symptome ohne
24
Befund finden sich in allen Fachdisziplinen der Me25
dizin. So zeigen Studien, dass fast jeder vierte bis
26
fünfte Besuch beim Hausarzt aufgrund körperlicher
27
Beschwerden erfolgt, für die auch im weiteren Ver28
lauf keine ausreichende organische Ursache auszu29
machen ist. In Allgemeinkrankenhäusern und inne30
ren Abteilungen liegt der Anteil an Patienten mit
31
somatoformen Symptomen schätzungsweise zwi32
schen 20–30 %, in psychosomatischen Fachkliniken
33
ist dieser Prozentsatz noch deutlich höher. Zu den
34
häufigsten Beschwerdebildern zählen dabei multip35
le somatoforme Syndrome, die meist mehrere Or36
ganbereiche (z.B. Schmerzsymptome, gastrointesti37
nale und kardiovaskuläre Symptome, allgemeine
38
Erschöpftheit) umfassen und mit erheblichem Lei39
densdruck verbunden sind. Epidemiologischen
40
Studien zufolge leiden 4–11% der Bevölkerung
41
westlicher Industrienationen unter multiplen so42
matoformen Beschwerden, die Prävalenz somato43
former Schmerzstörungen wird auf etwa 12% ge44
schätzt. Somatoforme Krankheitsbilder treten
45
vielfach auch in Begleitung mit anderen psychi46
schen Erkrankungen auf. Besonders hoch ist die Ko47
morbidität mit Depressionen, die bei etwa einem bis
48
zwei Drittel der Patienten vorliegen, aber auch ko49
morbide Angststörungen und Persönlichkeitsstö50
rungen sind nicht selten.
51
52
Da sich die Betroffenen in der Regel als körperlich und nicht als psychisch krank betrachten, liegt
der Behandlungsschwerpunkt vorerst nicht im Bereich der Psychiatrie oder Psychotherapie, sondern
in der somatischen Medizin. Auf der Suche nach
plausiblen medizinischen Erklärungen konsultieren Patienten häufig immer wieder neue Fachärzte, fordern aufwendige medizinisch-diagnostische
Untersuchungen und therapeutische Maßnahmen
bis hin zu operativen Eingriffen. Trotz fehlender
Krankheitsbefunde halten die Patienten gewöhnlich an der Überzeugung einer körperlichen Ursache ihrer Beschwerden fest. Ärztliche Hinweise auf
die Möglichkeit einer psychischen Ursache werden vom Patienten hingegen oftmals als kränkend
erlebt und als mangelnde Glaubwürdigkeit interpretiert („Ich bilde mir die Beschwerden doch
nicht ein!“). Daher reagieren Patienten häufig mit
Enttäuschung, Frustration oder Zweifeln an der
ärztlichen Kompetenz, wenn sich keine „richtigen“
Erklärungen der Beschwerden finden lassen oder
diese sich im Laufe der Behandlung nicht bessern.
Auch der behandelnde Arzt fühlt sich angesichts
des ausbleibenden Behandlungserfolgs, der klagsamen Forderungen und der passiven Erwartungshaltung der Patienten nicht selten hilflos und
überfordert. Häufige Arztwechsel („Doctor-Shopping“), unnötige Eingriffe oder stationäre Einweisungen sind oft Ausdruck dieser Schwierigkeiten
in der Arzt-Patienten-Beziehung. Entsprechend
hoch sind die Behandlungskosten für Patienten
mit multiplem somatoformen Syndrom, gesundheitspolitisch relevant sind jedoch auch die weit
überdurchschnittlich hohen Arbeitsunfähigkeitszeiten und häufigen Frühberentungen.
17.1.2 Diagnostische Subtypen
somatoformer Störungen
Die große Heterogenität der Gesamtgruppe der somatoformen Störungen spiegelt sich in den zahl-
Köllner/Broda,Praktische Verhaltsmedizin (ISBN3131321512)©2005 Georg Thieme Verlag KG
17.1 Einleitung
reichen Diagnosen und Krankheitsbegriffen wider,
1
die für die Beschreibung der Störungsbilder ver2
wendet werden. Insbesondere in der Allgemein3
medizin und der inneren Medizin ist die Neukon4
zeptionalisierung der somatoformen Störungen,
5
die 1980 in die klinische Klassifikation eingeführt
6
wurden, noch nicht vollzogen. Allerdings wird zu
7
Recht kritisiert, dass Bezeichnungen wie „funktio8
nelles Symptom“, „nervöse Beschwerden“, „psy9
chogene Störung“, „Erschöpfungszustand“ oder
10
„psychovegetatives Syndrom“ nicht nur verwir11
rend, sondern auch zu unspezifisch sind.
12
Die Gesamtgruppe der somatoformen Störun13
gen umfasst verschiedene diagnostische Kategori14
en (Tab. 17.1), die im Klassifikationssystem der
15
ICD-10 zusammengefasst sind.
16
17
Gemeinsames Merkmal aller somatoformen Stö18
rungen ist das Vorliegen von körperlichen Be19
schwerden, die nicht hinreichend durch eine fest20
stellbare körperliche Erkrankung oder durch die
21
Auswirkungen psychotroper Substanzen (Drogen,
22
Alkohol oder Medikamente) erklärt werden kön23
nen.
24
25
26
Allerdings kann eine somatoforme Störung per De27
finition auch bei Vorliegen von körperlichen Er28
krankungen diagnostiziert werden, falls diese die
29
Art und das Ausmaß der Symptome oder die damit
30
verbundenen psychosozialen Beeinträchtigungen
31
nicht erklären.
32
Als zentrale diagnostische Kategorie gilt die
33
Somatisierungsstörung, die durch vielfältige, im
34
Verlauf häufig wechselnde Symptome in unter35
schiedlichen Organbereichen und eine lange
36
Beschwerdedauer (mindestens zwei Jahre) ge37
kennzeichnet ist. Typisch ist eine lange Krank38
heitskarriere mit vielen negativen diagnostischen
39
Untersuchungen und erfolglosen Behandlungsver40
suchen. Der Verlauf der Somatisierungsstörung ist
41
chronisch und häufig mit einer ausgeprägten Be42
einträchtigung familiärer und sozialer Funktionen
43
verbunden. Das Vollbild der Somatisierungsstö44
rung ist mit einer Prävalenz von unter 1% jedoch
45
relativ selten. Wesentlich häufiger finden sich
46
multiple somatoforme Syndrome, die die strengen
47
Kriterien der Somatisierungsstörung nicht erfüllen
48
und als Undifferenzierte Somatisierungsstörung
49
klassifiziert werden. Die Somatoforme autonome
50
Funktionsstörung ist ebenfalls durch multiple Be51
schwerden gekennzeichnet, diese sind jedoch pri52
145
mär vegetativ innerviert. Ein seit mindestens sechs
Monaten anhaltender, schwerer und belastender
Schmerz in einer oder mehreren Körperregionen
charakterisiert die Somatoforme Schmerzstörung. Psychischen Faktoren wird dabei eine wichtige Rolle für den Beginn, den Schweregrad, die
Exazerbation oder Aufrechterhaltung der Schmerzen beigemessen. Die Hypochondrische Störung
nimmt unter den somatoformen Störungen eine
Sonderstellung ein. Hauptmerkmal der Störung
sind ausgeprägte Krankheitsängste und -überzeugungen, die im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit
des Patienten stehen und über das Beschwerdeerleben selbst dominieren.
Zur Differenzierung dieser verschiedenen Subtypen somatoformer Störungen kann die Orientierung an drei Leitfragen sinnvoll sein, die die
Unterscheidung zwischen mono- und polysymptomatischen Krankheitsbildern sowie von im Vordergrund stehenden Gesundheitsängsten ermöglicht (Abb.17.1):
1. Ist das Krankheitsbild durch multiple körperliche Beschwerden geprägt?
2. Ist die körperliche Symptomatik umschrieben
und eingrenzbar?
3. Dominieren Gesundheitsängste (z.B. Angst vor
Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall) über einzelne
körperliche Missempfindungen?
Tabelle 17.1 Die wichtigsten Subtypen der somatoformen
Störungen nach ICD-10
F45.0
Somatisierungsstörung
F45.1
Undifferenzierte Somatisierungsstörung
F45.2
Hypochondrische Störung
F45.3
Somatoforme autonome Funktionsstörung
F45.4
Anhaltende somatoforme Schmerzstörung
17.1.3 Ätiopathogenese
somatoformer Störungen
Die Ätiopathogenese somatoformer Störungen ist
multikausal bestimmt und kann am besten anhand eines biopsychosozialen Krankheitsmodells
verstanden werden. An der Entstehung und Aufrechterhaltung der Störung sind demnach sowohl
somatische, kognitiv-emotionale, verhaltensbezogene und soziale Determinanten in interindividuell unterschiedlichem Ausmaß beteiligt. Als wichtige prädisponierende Risikofaktoren werden u.a.
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146
17 Symptome ohne Befund
Abb. 17.1 Diagnostik somatoformer Stö-
1
rungstypen.
körperliche Beschwerden ohne
2
organische Grunderkrankung
3
4
multiple Beschwerden
umschriebene
starke
5 (auch in der Anamnese) körperliche Symptomatik Gesundheitsängste
6
7
Somatisierungssomatoforme autonome
8
Hypochondrie
störung
Funktionsstörung
9
somatoforme
anhaltende somatoforme
10
autonome
Schmerzstörung
11 Funktionsstörung
undifferenzierte
12
Somatisierungsstörung
13
14
15
traumatische Kindheitserfahrungen (z.B. GewaltFallbeispiel
16
und Verlusterlebnisse, sexueller Missbrauch,
17
emotionale Vernachlässigung), kritische LebensFrau M., eine 34-jährige Bürokraft, stellt sich mit lang18
ereignisse und familiäre Lernerfahrungen (z.B.
jährigen, aktuell stetig zunehmenden Magen-Darm19
elterliche Krankheitsmodelle) diskutiert. PsychoBeschwerden mit krampfartigen Bauchschmerzen,
20
biologischen Mechanismen wird vor allem Behäufiger Diarrhö, Übelkeit und Völlegefühl vor. Die Be21
deutung für die Auslösung und Aufrechterhaltung
schwerden werden von der Patientin als „unerträglich“
22
der Störung beigemessen. Neben teilweise veränbeschrieben, sie würden ihr sprichwörtlich die „Luft
23
derten physiologischen Funktionsabläufen und
beim Atmen nehmen“. Auf Nachfrage berichtet sie,
24
Aktivierungsmustern (z.B. veränderter Cortisoldass sie schon seit der Kindheit unter vielfältigen und
25
spiegel, erhöhte Herzrate, dysfunktionale Atemwechselnden körperlichen Beschwerden leide, sie sei
26
muster, muskuläre Verspannungen) finden sich
immer schon „kränklich und körperlich schwach“ ge27
häufig auch minimale organische Dysfunktionen
wesen. Neben den gastrointestinalen Beschwerden
28
und eine reduzierte Fähigkeit zur physiologischen
klagt sie u.a. über häufige Kopfschmerzen, Herzrasen,
29
Habituation.
starken Schwindel, Atemnot und chronische Müdig30
Von zentraler Wichtigkeit für die Entstehung
keit. Die in der Vergangenheit zahlreich durchgeführ31
und Aufrechterhaltung der Störung ist zudem die
ten medizinisch-diagnostischen Untersuchungen (z.B.
32
subjektive Wahrnehmung und Bewertung der
mehrfache Rekto- und Koloskopien) ergaben jedoch
33
körperlichen Symptome und Veränderungen. Wie
bisher keine wesentlichen pathologischen Verände34
in Abb. 17.2 dargestellt, führt die verstärkte Wahrrungen. Aus Sorge um ihre Gesundheit bittet sie nun
35
nehmung von harmlosen körperlichen Reaktionen
um eine neuerliche diagnostische Abklärung. Die Pati36
und die Fehlinterpretation dieser Signale als beentin gibt an, sich nicht vorstellen zu können, dass so
37
drohliche Krankheitszeichen zu einem physiologiausgeprägte Beschwerden alleine auf psychische Ein38
schen Erregungsanstieg, einer vermehrten Aufflüsse zurückzuführen seien.
39
merksamkeitszuwendung und damit zu einer
Ihren Alltag kann sie aktuell nur noch mit großer An40
weiteren Verstärkung der Symptome (somatostrengung bewältigen, oft ist Frau M. durch die Be41
sensorische Verstärkung). Dabei spielen häufig
schwerden tagelang ans Bett gefesselt. Aufgrund ihrer
42
auch ein eng gefasster Gesundheitsbegriff („Gehäufigen Arbeitsausfälle hat sie zunehmend Probleme
43
sundheit heißt Freisein von körperlichen Beihre Arbeit zu bewältigen und fürchtet nun um ihren
44
schwerden.“) oder ein Selbstbild der körperlichen
Arbeitsplatz. Um einer neuerlichen Verschlechterung
45
Schwäche und geringen Belastbarkeit („Ich bin
der Symptomatik vorzubeugen, versucht sie Stress so46
kränklich und darf mich nicht belasten.“) eine wewie körperliche Anstrengungen soweit wie möglich zu
47
sentliche Rolle. Als Reaktion auf die verunsichernvermeiden und beobachtet körperliche Missempfin48
den Körperreaktionen entwickeln viele Patienten
dungen genau, um etwaige Veränderungen der Symp49
ein ausgeprägtes Krankheitsverhalten (z.B. Schotomatik rechtzeitig feststellen zu können. Die Patien50
nung, Arztbesuche), das langfristig wiederum zur
tin achtet zudem auf die Auswahl leicht verdaulicher
51
Aufrechterhaltung der Symptomatik beiträgt.
und gut verträglicher Nahrungsmittel,um ihren
52
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17.2 Diagnostik
147
Abb. 17.2 Ein funktionales Störungsmo-
1
dell der somatoformen Störungen.
körperliche
Auslöser oder
2
Veränderungen
„Trigger“
(z. B. Körper3 (z.B. minimale körperlireaktionen,
4 che Dysfunktionen,
Missempfindunphysiologische
5 Erregung, Erkrankung)
gen, Symptome)
6
7
Symptomverstärkung
8
(= erhöhte Aufmerksam9
keit auf eigenen KörWahrnehmung
10
per)
(= physiologische Erre11
gung)
12
13
14
Krankheits-Verhaltensweisen
15 (aufrechterhaltende Funktionen)
16 – „Checking“ des Körpers
17 – übermäßige Gesundheitssorgen
Fehlinterpretation
18 – häufige Arztbesuche
als (bedrohliche)
(„Doctor-Shopping“)
Krankheitszeichen
19 – viele medizinische Untersuchungen
20 – Medikamentenkonsum
21 – Schonverhalten
22
23
24
25
17.2.1 Organmedizinische Diagnostik
angegriffenen Magen zu schonen. Durch ihre häufi26
gen Schon- und Ruhezeiten ist die Aufrechterhaltung
27
Die organische Diagnostik dient dem hinreichend
sozialer Kontakte für Frau M. sehr schwierig. Da sie
28
sicheren Ausschluss organischer Ursachen der voralleine lebt, ist sie sozial zunehmend isoliert. In Zu29
liegenden Beschwerden oder der bisweilen sehr
sammenhang damit berichtet Fr. M. auch über wieder30
schwierigen Abgrenzung zu körperlich ausreikehrende depressive Verstimmungen.
31
chend begründbaren Beschwerden. Da mögliche
32
organische Ursachen selbst mit extensiver Diag33
17.2
Diagnostik
nostik in der Regel nie mit hundertprozentiger Si34
cherheit auszuschließen sind, ist der Ausschluss
35
schwerwiegender und dringend therapiebedürftiDie Diagnostik somatoformer Störungen verlangt
36
ger Ursachen vorrangig. Die organmedizinische
immer eine mehrdimensionale Ausrichtung, die
37
Diagnostik sollte dabei ausschließlich auf mediziorganische Ausschlussdiagnostik als alleinige Ba38
nischen Überlegungen basieren und unabhängig
sis der Diagnosestellung ist dabei unzureichend.
39
von klagsamen Forderungen des Patienten sein.
Ziel der diagnostischen Untersuchung ist es, den
40
Patienten sowohl auf einer somatischen, als auch
41
Invasive diagnostische Untersuchungen. Vor alpsychischen und sozialen Dimension zu erfassen.
42
lem invasive diagnostische Untersuchungen sind
43
sehr kritisch zu diskutieren, wenn ein begründeter
44Gerade in der somatischen Medizin ist das frühzeitiVerdacht auf eine somatoforme Störung besteht.
ge
Erkennen
der
Störung
von
besonderer
Bedeu45
Gerade bei Patienten mit somatoformen Störun46tung, da der weitere Krankheitsverlauf und die Entgen tragen weiterführende oder intensivere diag47scheidung für eine angemessene Weiterbehandlung
nostische Untersuchungen meist nur sehr kurz48dadurch maßgeblich bestimmt werden.
fristig zur „Beruhigung“ des Patienten bei, jede
49
50
51
52
Köllner/Broda,Praktische Verhaltsmedizin (ISBN3131321512)©2005 Georg Thieme Verlag KG
148
17 Symptome ohne Befund
wiederholte und unnötige diagnostische Maßnah1
me birgt jedoch die Gefahr einer weiteren Verfes2
tigung des organmedizinischen Krankheitsver3
ständnisses des Patienten in sich.
4
5
Symptome organübergreifend explorieren. Die
6
Betroffenen durchlaufen auf ihrer Suche nach ei7
ner erklärenden Diagnose und Linderung der Be8
schwerden meist verschiedenste medizinische
9
Fachbereiche. Bei fachärztlichen Untersuchungen
10
neigen Patienten häufig dazu, nur einzelne fach11
spezifisch relevante Symptome spontan zu berich12
ten (z.B. Rückenschmerzen beim Orthopäden,
13
Kopfschmerzen beim Neurologen, Magen-Darm14
Beschwerden beim Gastroenterologen etc.), so
15
dass das Gesamtbild der Störung in Folge nicht er16
kannt wird. Vielfach werden in den verschiedenen
17
somatischen Fachbereichen dann Diagnosen ver18
geben, die sich nur auf die einzelnen geschilderten
19
Leitsymptome beziehen (z.B. Reizdarmsyndrom)
20
und überlappende Beschwerden in anderen Or21
ganbereichen nicht berücksichtigen. Da somato22
forme Krankheitsbilder in der Regel aber poly23
symptomatisch sind, und sich die Beschwerden im
24
zeitlichen Verlauf auch verändern können, sind
25
körperliche Symptome immer systematisch und
26
organübergreifend zu explorieren.
27
28
29
17.2.2
Psychische Diagnostik
30
31
Das Fehlen eines organischen Befunds ist kein hin32
reichender Beleg dafür, dass es sich um „psy33
chisch“ bedingte Beschwerden handelt. Für die
34
Diagnose einer somatoformen Störung müssen
35
psychosoziale Faktoren, die an der Entstehung und
36
Verarbeitung der Störung beteiligt sind, erst posi37
tiv erhoben werden.
38
39
Bei Verdachtsmomenten bedarf es daher einer
40
ausführlichen Anamnese, die über das aktuelle
41
Leitsymptom hinausgeht und auch psychische Be42
einträchtigungen, aktuelle psychosoziale Belas43
tungsfaktoren und krankheitsauslösende und -auf44
rechterhaltende Bedingungen umfasst.
45
46
47
48
49
50
51
52
Praktisches Vorgehen
Für die Exploration können dabei folgende Fragen
hilfreich sein:
„Haben Sie in den letzten Jahren auch unter weiteren körperlichen Beschwerden gelitten? Seit
wann bestehen diese Beschwerden und welchen Verlauf haben sie bislang genommen?“
„Waren Sie aufgrund dieser Symptome bereits
beim Arzt? Welche Diagnosen wurden gestellt
bzw. welche Ursachen vermutete ihr Arzt? Welche Ursachen vermuten Sie selbst? Welche Behandlungsversuche haben Sie bislang unternommen?“
„Wie sehr fühlen Sie sich durch die Beschwerden
in Ihrem Leben beeinträchtigt (in der Arbeit, in
den sozialen Beziehungen, in der Freizeit etc.)?“
„Unter welchen Umständen tritt das Symptom
auf? Unter welchen Umständen kommt es zu einer Symptomverstärkung bzw. -reduktion?“
Diese Fragen können wichtige Hinweise auf inadäquates Krankheitsverhalten (z.B. Schonverhalten,
übermäßige Inanspruchnahme medizinischer Leistungen, Selbstmedikation), subjektive Ursachenüberzeugungen und soziale Verstärkungsbedingungen (z.B. Krankschreibung, Reaktionen der
Umwelt, Rentenbegehren) geben. Eine kurze biographische Anamnese mit offenen Fragen nach belastenden Lebenssituationen (z.B. frühe Gewalterfahrungen, langjährige Ehekonflikte, schwere
Erkrankung eines Angehörigen, Probleme am Arbeitsplatz etc.) ergänzt die Exploration. Diese
Informationen tragen wesentlich zur weiteren Absicherung der Diagnose einer somatoformen Störung bei. Als typische Hinweisfaktoren gelten eine
lange Krankheitsgeschichte, mehrfache und wechselnde Beschwerden, inadäquates Krankheitsverhalten, ausgeprägte Gesundheitsängste und ein
Bezug der Beschwerden zu belastenden biographischen Ereignissen.
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17.3 Interventionsmöglichkeiten
1 Zusammenfassung
2
Handlungsempfehlungen für die ärztliche Diag3
nostik:
4
Explorieren Sie organübergreifend alle körperli5
chen Symptome. Signalisieren Sie dabei Empa6
thie für das Leiden des Patienten.
7
Sichern Sie organische Ursachen der Beschwer8
den hinreichend sicher ab. Ein Leitsatz dafür lau9
tet: So viel medizinische Diagnostik wie nötig,
10
so wenig wie möglich!
11
Planen Sie bei offenen organmedizinischen Fra12
gen eine zeitlich befristete Diagnostikphase. In13
formieren Sie den Patienten über Ihre Planung
14
des diagnostischen Vorgehens.
15
Vermeiden Sie Bagatell- oder Verdachtsdiagno16
sen und sonstige Verhaltensweisen, die das or17
ganische Krankheitsverständnis des Patienten
18
verstärken.
19
Erfassen Sie psychosoziale Faktoren der Störung
20
bereits bei ersten Hinweisen auf eine somato21
forme Störung, nicht erst nach Abschluss aller
22
organmedizinischen Untersuchungen.
23
Erfragen Sie die subjektive Ursachenüberzeu24
gung des Patienten und klären Sie Krankheits25
ängste ab.
26
Berücksichtigen Sie komorbide psychische Stö27
rungen (z.B. Depressionen).
28
29
30
17.2.3 Differenzialdiagnostik
31
32
33
Da ein somatisches Symptom vorerst immer an
34
eine körperliche Störung denken lässt, sind in ers35
ter Linie körperliche Erkrankungen differenzial36
diagnostisch relevant. Für polysymptomatische
37
somatoforme Beschwerdebilder kommen als orga38
nische Differenzialdiagnosen vor allem Erkran39
kungen in Frage, die mit unklaren oder multiplen
40
Beschwerden in verschiedenen Organbereichen
41
assoziiert sind (z.B. multiple Sklerose, Myasthenia
42
gravis, Porphyrie, Hyperparathyreoidismus). Ab43
gesehen davon, können multiple Körperbeschwer44
den in verschiedenen Organbereichen nur selten
45
durch organische Erkrankungen erklärt werden.
46
Besonderes Augenmerk auf eine organische Ätio47
logie sollte auch bei einem Erstauftreten von mul48
tiplen körperlichen Beschwerden nach dem 40. Le49
bensjahr gelegt werden, da polysymptomatische
50
somatoforme Störungen sich schon häufig in frü51
hen Lebensjahren manifestieren.
52
149
Abzugrenzen sind somatoforme Störungen
auch von pathophysiologisch begründbaren körperlichen Symptomen (den psychosomatische Erkrankungen im engeren Sinne), der Simulation
(bewussten Täuschung) sowie der artifiziellen Störung (Münchhausen-Syndrom: absichtliches Erzeugen körperlicher Symptome).
Differenzialdiagnostisch ist auch auf die Abgrenzung zu anderen psychischen Störungen zu
achten. Eine somatoforme Störung ist dann auszuschließen, wenn die somatoformen Symptome
ausschließlich während des Verlaufs einer Panikstörung, einer affektiven Störung oder einer Schizophrenie auftreten. Sehr häufig finden sich
jedoch komorbide affektive Störungen und
Angsterkrankungen, die dieses Ausschlusskriterium nicht erfüllen und eine zusätzliche Diagnose
rechtfertigen.
17.3
Interventionsmöglichkeiten
Zur systematischen Behandlung von somatoformen Störungen liegt mittlerweile eine Reihe von
verhaltenstherapeutischen Interventionsstrategien vor, die eine aktive Bewältigung der Beschwerden und die Verbesserung der subjektiven Lebensqualität zum Ziel haben. Gerade bei chronischen
und multiplen somatoformen Beschwerden ist das
Ziel der Symptomfreiheit oder Heilung unrealistisch, völlige Symptomremissionen sind sehr selten. Daher ist die Erarbeitung erreichbarer und
konkreter Zielsetzungen in der Behandlung von
großer Bedeutung. Neben symptombezogenen
Zielen wie der Stabilisierung und Linderung der
Beschwerden sind immer auch symptomübergreifende Ziele (z.B. Stressreduktion, Entspannung,
Aufbau positiver Aktivitäten) in Betracht zu ziehen. In der Regel wird in den vorliegenden Therapieleitlinien für somatoforme Störungen ein
dreistufiges Vorgehen empfohlen, das im Folgenden näher erläutert wird:
1. Vermittlung von Verständnis und Aufbau einer
therapeutischen Beziehung.
2. Erweiterung des organmedizinischen Krankheitsmodells.
3. Bewältigung der Beschwerden und Verbesserung der Lebensqualität.
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150
17 Symptome ohne Befund
17.3.1 Vermittlung von Verständnis
1
und Aufbau einer
2
therapeutischen Beziehung
3
4
Am Anfang der Behandlung steht der Aufbau einer
5
vertrauensvollen Therapeuten-Patienten-Bezie6
hung, die durch Offenheit und Verständnis charak7
terisiert sein sollte. Gerade Patienten mit somato8
formen Störungen sind besonders sensibel für
9
Aspekte der Beziehungsgestaltung, nicht zuletzt,
10
weil sie im Laufe ihrer Krankheitsgeschichte zum
11
Teil auch ärztliches Unverständnis und Zweifel an
12
der Glaubwürdigkeit ihrer Beschwerden erfahren
13
mussten. Angesichts der ausführlichen Symptom14
schilderungen, den klagsamen Forderungen und
15
der passiven Erwartungshaltung des Patienten ist
16
die Vermittlung von Akzeptanz und Verständnis
17
nicht immer einfach, aber dennoch grundlegend
18
für den weiteren Behandlungserfolg.
19
Daher sollte der Arzt die Glaubhaftigkeit der
20
Beschwerden bestätigen und sich Zeit für eine voll21
ständige Exploration der Symptomatik, der psy22
chosozialen Belastungsfaktoren und der subjekti23
ven Ursachenvorstellungen nehmen. Die Äußerung
24
emotionaler Belastungen ist dabei empathisch zu
25
verstärken, hingegen sind die Aufarbeitung psy26
chosozialer Konflikte und die vorschnelle Konfron27
tation mit psychophysiologischen Krankheitsmo28
dellen in dieser Behandlungsphase nicht angezeigt.
29
Die Bereitschaft des Patienten, die psychosoziale
30
Dimension der Beschwerden anzuerkennen und Ei31
genverantwortung zu übernehmen, muss meist
32
erst erarbeitet werden. Der Arzt, der sich dem Pati33
enten als ärztlicher Berater und Vertrauensperson
34
zur Verfügung stellt, schafft für diese Entwicklung
35
die Grundlage. Auch die transparente Gestaltung
36
des diagnostischen Vorgehens, des Therapiekon37
zepts und weiterer Behandlungsschritte fördert die
38
Motivation des Patienten, aktiv an der Behandlung
39
mitzuarbeiten.
40
41
42
17.3.2
Erweiterung des
43
organmedizinischen
44
Krankheitsmodells
45
46
Im weiteren Vorgehen kann die Rückmeldung der
47
Untersuchungsbefunde bereits zur Neubewertung
48
der Symptome und zu einer Erweiterung des orga49
nischen Krankheitsmodells genutzt werden.
50
51
52
Alternative Erklärungsmöglichkeiten. Statt dem
Patienten ausschließlich einen negativen organischen Befund („Organisch fehlt Ihnen nichts!“)
mitzuteilen, sollte der behandelnde Arzt schon
früh alternative Erklärungsmöglichkeiten für die
Beschwerden anbieten. Dazu zählen beispielsweise Informationen über psychophysiologische Zusammenhänge (z.B. Aktivität des sympathischen
Nervensystems) und relevante körperliche Funktionsabläufe (z.B. Mechanismen der Schmerzentstehung und -verarbeitung):
Praktisches Vorgehen
Alternative Erklärungsmöglichkeiten könnten beispielsweise so formuliert werden:
„Auch emotionale Belastungsfaktoren wie
Ängste und Sorgen können dazu führen, dass
sich körperliche Funktionsabläufe verändern
und auch die Wahrnehmung von körperlichen
Empfindungen beeinflusst wird.“
„Schmerz führt zu einer verstärkten sympathischen Aktivierung und reflexhaften Muskelverspannung, die den Schmerz weiter verstärkt.“
„Stress kann durch eine verstärkte Brustatmung
und eine Verspannung der Zwischenrippenmuskulatur zu einem Enge- und Druckgefühl im
Brustkorb führen!“
Durch Rückfragen des Arztes und Zusammenfassungen aus der Sicht des Patienten kann das Verständnis des Patienten dabei immer wieder geprüft
werden, so dass mögliche Unklarheiten oder Informationsverzerrungen schnell korrigiert werden
können. Wird der Patient hingegen erst nach extensiv betriebener organmedizinischer Diagnostik
mit psychophysiologischen Erklärungsmodellen
der Beschwerdenentstehung konfrontiert, ist die
Bereitschaft diese zu akzeptieren, verständlicherweise meist schon weitaus geringer. Auch der vorschnelle oder pauschale Verweis auf psychische
Störungen („Das ist psychisch bedingt“) ist für den
Patienten kaum hilfreich und kann die Beziehung
zum Patienten belasten. Für den Themenbereich
Stress sind meist jedoch auch Patienten mit somatoformen Beschwerden offen, so dass die Psychoedukation über Stress und seine physiologische
Folgeerscheinungen zum Brückenschlag zwischen
organischen und psychophysiologischen Prozessen
genutzt werden kann. Der Einfluss von psychologischen Prozessen auf körperliche Vorgänge kann
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17.3 Interventionsmöglichkeiten
dem Patienten dabei auch anhand der Rückmel1
dung psychophysiologischer Parameter (z.B. Bio2
feedback kardiologischer oder elektromyo3
graphischer Ableitungen) während der Durchfüh4
rung einfacher Stressbelastungsaufgaben (z.B.
5
Gespräch über emotionale Belastungssituation)
6
verdeutlicht werden.
7
Der Einsatz eines Symptomtagebuches, in dem
8
täglich Art und Schwere der Symptome, subjektive
9
Beeinträchtigung, emotionales Befinden sowie re10
levante Auslöser und Konsequenzen der Be11
schwerden eingeschätzt werden, veranschaulicht
12
ebenfalls funktionelle Zusammenhänge zwischen
13
den Symptomen und psychosozialen Einflussfak14
toren. Zudem gewinnt der Arzt durch die Selbstbe15
obachtungsbögen weitere Informationen zu sym16
ptomauslösenden und -verstärkenden Faktoren
17
und kann erste Möglichkeiten der aktiven Ein18
flussnahme auf die körperlichen Beschwerden auf19
zeigen.
20
Auch einfache Verhaltensexperimente sind ge21
eignet, den Patienten für psychophysiologische
22
Zusammenhänge zu sensibilisieren (z.B. Hyper23
ventilationstest). Mit Übungen zur Aufmerksam24
keitslenkung kann darüber hinaus der Einfluss
25
selektiver Aufmerksamkeit auf die Symptom26
wahrnehmung verdeutlicht werden. (Aufmerk27
samkeitsfokussierung auf körperliche Symptome
28
führt zu einer verstärkten Symptomwahrneh29
mung, Ablenkungsstrategien lassen die Symptome
30
hingegen in den Hintergrund treten.) Die Einsicht
31
in diese „psycho-somatischen“ Interaktionen ist
32
Grundlage für weitere Interventionen wie die
33
Vermittlung von Entspannungstechniken, die Mo34
difikation somatischer Krankheitsüberzeugungen
35
oder inadäquaten Krankheitsverhaltens.
36
37
38
17.3.3
Bewältigung der Beschwerden
39
und
Verbesserung der
40
Lebensqualität
41
42
Der nächste Behandlungsschritt umfasst die Erar43
beitung direkter Einflussmöglichkeiten auf die
44
körperliche Symptomatik sowie Maßnahmen zur
45
Steigerung der subjektiven Lebensqualität. Für die
46
bessere Beschwerdenbewältigung ist dabei insbe47
sondere die Veränderung von symptomaufrecht48
erhaltenden Bedingungen und Krankheitsverhal49
ten von Bedeutung.
50
51
52
151
Reduktion übermäßigen
Inanspruchnahmeverhaltens
Feste Arzttermine. Eine Symptomverstärkung ist
für Patienten mit somatoformen Beschwerden
häufig Grund für eine neuerliche ärztliche Konsultation und geht oft mit der Forderung nach wiederholten diagnostischen Untersuchungen einher.
Durch neue Untersuchungen und die damit verbundene ärztliche Aufmerksamkeit wird jede Klage über eine Symptomverschlechterung positiv
verstärkt und Selbstbewältigungsversuche des Patienten werden verhindert. Daher sind regelmäßige, fest vereinbarte Arzttermine (z.B. alle vier bis
sechs Wochen), die unabhängig von aktuellen
Symptomverstärkungen gestaltet sein sollten, zu
empfehlen. Damit wird dem Patienten nicht nur
signalisiert, dass er mit seinen Beschwerden trotz
fehlender organischer Ursachen ernst genommen
wird, sondern dass er selbst auch Verantwortung
für eine bessere Bewältigung der Beschwerden
trägt.
Rückversicherungen. Auch wiederholte ärztliche Rückversicherungen über die Unbedenklichkeit der Symptome wirken nur kurzfristig
angstreduzierend, langfristig führen sie zu einer
Symptomstabilisierung und zu einer Aufrechterhaltung der Ängste. Informationen über die Harmlosigkeit der Beschwerden können in der Anfangsphase der Behandlung durchaus angemessen sein,
im Laufe der Therapie sollte der Therapeut jedoch
über langfristige Konsequenzen dieses Krankheitsverhaltens informieren und gemeinsam mit dem
Patienten alternative Möglichkeiten zur Bewältigung der Krankheitsängste erarbeiten. Auch in der
ärztlichen Praxis kann der Patient mit einigen
leitenden Fragen relativ schnell Einsicht darüber
gewinnen, dass ihm mit einer neuerlichen Rückversicherung nicht langfristig geholfen ist.
Praktisches Vorgehen
Leitende Fragen zur Krankheitsangst könnten sein:
„Wie hilfreich schätzen Sie denn eine neuerliche
Rückversicherung über die Harmlosigkeit der
Beschwerden ein?“
„Was meinen Sie, wie lange wird eine Rückversicherung von mir denn ausreichen, um Ihre
Angst zu reduzieren?“
„Wie könnte ich Sie denn besser unterstützen
anstatt sie nur kurzfristig zu beruhigen?“
Köllner/Broda,Praktische Verhaltsmedizin (ISBN3131321512)©2005 Georg Thieme Verlag KG
152
17.3 Interventionsmöglichkeiten
Modifikation dysfunktionaler
1
Krankheitsüberzeugungen
Schon- und
2
Vermeidungsverhalten
3
Irrationale Krankheitsängste und -überzeugungen
4
spielen bei der Aufrechterhaltung der Störung
Reduktion der
5
Bewertung
körperlichen
ebenfalls eine wichtige Rolle. So neigen Patienten
als krank
6
Belastbarkeit
mit somatoformer Störung vermehrt zu pathologi7
schen Krankheitsattributionen, die auch mit de8
pressiven Gedanken, einem engen Gesundheitsbehäufigere körperliche
9
Missempfindungen
griff oder einem negativen körperlichen Selbstbild
10
assoziiert sein können. Bei sehr ausgeprägten
11
Abb. 17.3 Schonverhalten als aufrechterhaltender Faktor
Krankheitsängsten oder überdauernden negativen
12
bei somatoformen Störungen.
Überzeugungen bedarf es einer Verhaltensthera13
pie, in der dysfunktionale Einstellungen und Über14
zeugungen mit Hilfe kognitiver Techniken modifiKrankheitsprozesses eingesetzt wird, trägt oftmals
15
ziert werden können. Dazu zählen unter anderem
erheblich zur Chronifizierung bei. Übermäßige
16
die Verdeutlichung des Einflusses von negativen
Schonhaltung führt zu einer sukzessiven Abnahme
17
Gedanken auf körperliche Empfindungen, das Inder körperlichen Belastbarkeit, so dass folglich
18
fragestellen dysfunktionaler Bewertungen und die
schon geringfügige Anstrengungen körperliche
19
wiederholte Suche nach angemessenen, alternatiMissempfindungen und Schwächegefühle hervor20
ven Bewertungen. Allerdings kann auch der Arzt
rufen können. Werden diese Körpersensationen
21
den Patienten darin unterstützen, realistische und
wiederum als Krankheitszeichen fehlinterpretiert,
22
hilfreiche Bewertungen zu finden (Tab. 17.2).
ist oftmals eine weitere Steigerung des Schonver23
haltens die Folge. Die krankheitsaufrechterhalten24
de Funktion des Schon- und VermeidungsverhalPraktisches
Vorgehen
25
tens sollte dem Patienten anschaulich verdeutlicht
26
Um den Patienten zur Veränderung dysfunktionawerden (Abb. 17.3), bevor dieser zu einem konti27
ler Gedanken anzuregen, können folgende Fragen
nuierlichem und schrittweisen Aufbautraining zur
28
genutzt werden:
Steigerung der körperlichen Belastbarkeit moti29
„Welche Beweise gibt es denn für diese Annahviert wird. Dabei ist der Patient darauf vorzuberei30
me?“ (Pros und Contras)
ten, dass es durch die physiologischen Effekte des
31
„Wenn das jemanden anderen betreffen würde,
Aktivitätstrainings zu einer anfänglichen Ver32
wie würden Sie die Situation dann betrachten?“
schlechterung der Symptomatik kommen kann,
33
„Was wäre eine hilfreichere / realistischere / zielbevor langfristige Verbesserungen erreicht wer34
führendere Betrachtungsweise?“
den.
35
36
37
Verbesserung der Lebensqualität und Aufbau
38
eines positiven Körpergefühls
Reduktion von chronischem
39
Krankheitsverhalten
40
Die Ergänzung des Behandlungsplans um allge41
meine Maßnahmen zur Verbesserung der LebensAuch Schon- und Vermeidungsverhalten, das aus
42
qualität und des körperlichen und psychischen
Angst vor einer Verstärkung des vermeintlichen
43
44
Tabelle
17.2 Negative Überzeugungen und Einstellungen und konstruktive Alternativen
45
46
dysfunktionale Sichtweisen
hilfreiche alternative Sichtweisen
47
z.B.
z.B.
48
„Meine Schmerzen im Brustraum könnten Hinweis auf
„Bei der Diagnostik darf ich meinem Arzt vertrauen,
49
einen drohenden Herzinfarkt sein.“
körperlich ist alles abgeklärt.“
50
„Die Beschwerden werden immer schlimmer, ich halte es
„Ich weiß, dass es wieder besser wird – ich habe sol51
nicht mehr aus!“
che Situationen schon mal gemeistert.“
52
Köllner/Broda,Praktische Verhaltsmedizin (ISBN3131321512)©2005 Georg Thieme Verlag KG
17.3 Interventionsmöglichkeiten
Wohlbefindens ist vor allem dann angezeigt, wenn
1
die Chronifizierung der Störung zu einer zuneh2
menden Einengung des persönlichen Bewegungs3
spielraums geführt hat. Der Patient soll angeregt
4
werden, einzelne Lebensbereiche wieder aktiver
5
und abwechslungsreicher zu gestalten, gerade
6
auch dann, wenn die Beschwerden weiter fortbe7
stehen. Der Aufbau angenehmer Aktivitäten, die
8
Aufnahme sozialer Kontakte und die Entwicklung
9
neuer Interessen empfehlen sich dabei ebenso wie
10
Verfahren zum Erwerb sozialer Kompetenzen, zur
11
Stärkung der kommunikativen Fähigkeiten und
12
zur Stressbewältigung. Auch Maßnahmen, die zu
13
einer Reduktion des allgemeinen Erregungsni14
veaus und zu einem positiven Körpererleben bei15
tragen (z.B. progressive Muskelentspannung, au16
togenes Training, Körpertherapie), bieten sich
17
dafür an.
18
19
20
21
17.3.4 Behandlung in der
22
psychosomatischen
23
Grundversorgung
24
25
Als Minimalinterventionen lassen sich diese Be26
handlungsbausteine auch im zeitlich begrenzten
27
Rahmen der psychosomatischen Grundversorgung
28
gut einsetzen, allerdings bedarf es bei bereits ein29
getretener Chronifizierung der Beschwerden dafür
30
einer längerfristigen ärztlichen Begleitung. Der
31
niedergelassene Hausarzt, der im Regelfall der ers32
te Ansprechpartner für Patienten mit unklaren
33
körperlichen Symptomen ist, hat in dieser Schlüs34
selposition einen entscheidenden Einfluss auf den
35
weiteren Behandlungsweg und den Krankheits36
verlauf.
37
38
Durch den Aufbau einer tragfähigen, offenen Arzt39
Patienten-Beziehung, den Verzicht auf unnötige di40
agnostische Untersuchungen sowie die ärztliche
41
Beratung kann der Krankheitsprozess positiv beein42
flusst und eine Chronifizierung der Störung verhin43
dert werden.
44
45
46
Der adäquate Umgang mit dieser Patientengruppe
47
erfordert dabei ein aktiv-stützendes Vorgehen, in
48
dem die Bereitschaft für ein Zuhören, Informieren,
49
Erarbeiten von Bewältigungsstrategien und die
50
Berücksichtigung der psychosozialen Dimension
51
gegeben ist.
52
153
Zusammenfassung
Informieren Sie den Patienten möglichst frühzeitig über alternative Erklärungsmöglichkeiten
der Beschwerden und vermitteln Sie Wissen zu
symptombezogenen psychophysiologischen
Zusammenhängen.
Verwenden Sie Beschwerdetagebücher, die situative, kognitive und emotionale Begleitumstände der Symptomatik erfassen.
Vereinbaren Sie feste Termine für Nachuntersuchungen und vermeiden Sie Konsultationen bei
jeder neuerlichen Symptomverstärkung.
Vermeiden Sie, dem Patienten wiederholte
Rückversicherung über die Unbedenklichkeit
der Symptome zu geben.
Motivieren Sie zu einer gesunden Lebensführung sowie ausreichender körperlicher Bewegung. Informieren Sie den Patienten gegebenenfalls über langfristige Konsequenzen eines
ausgeprägten Schonverhaltens.
Leiten Sie Maßnahmen zur Stressbewältigung
ein und motivieren Sie zum Erlernen eines Entspannungsverfahrens.
Stellen Sie Rückfragen, um das Verständnis des
Patienten zu prüfen und um mögliche Unklarheiten oder Informationsverzerrungen korrigieren zu können.
17.3.5 Fachpsychotherapie
somatoformer Störungen
Für die Mehrzahl der Patienten mit somatoformen
Beschwerden sind diese edukativ-informativen
Behandlungsbausteine des ärztlichen Managements hinreichend. Erst wenn die ärztlichen Interventionsstrategien zu keiner ausreichenden Besserung führen, bedarf es einer weiterführenden
psychotherapeutischen Behandlung. Die Indikation einer ergänzenden fachpsychotherapeutischen
Behandlung stellt sich vor allem dann, wenn ein
oder mehrere der folgenden Kriterien erfüllt sind:
Ausbleiben eines Behandlungserfolgs trotz adäquater ärztlicher Versorgung.
Vorliegen einer langjährigen oder multiplen
Beschwerdesymptomatik oder ausgeprägte
Schwere der Symptomatik.
Verdacht auf Komorbidität mit zusätzlichen
akuten psychischen Störungen oder stark be-
Köllner/Broda,Praktische Verhaltsmedizin (ISBN3131321512)©2005 Georg Thieme Verlag KG
154
17 Symptome ohne Befund
einträchtigenden psychosozialen Belastungs1
faktoren.
2
Vorliegen einer umfassenden Beeinträchtigung
3
durch die Beschwerden in wichtigen Funkti4
onsbereichen wie Beruf, Familie und Freizeit
5
(z.B. lange Krankschreibungen).
6
7
Überweisung zum Psychotherapeuten. Die Über8
weisung zum Psychotherapeuten sollte jedoch
9
nicht ohne ausreichende Vorbereitung erfolgen.
10
Der Arzt, der die Weichen zur Psychotherapie
11
stellt, hat die entscheidende Aufgabe, den Patien12
ten für die psychotherapeutische Behandlung zu
13
motivieren und zu ermutigen. Die Information
14
über Ziele und Chancen einer psychotherapeuti15
schen Behandlung ist dabei grundlegend, da viele
16
Patienten keine oder nur negative Vorstellungen
17
über eine psychologische Behandlung haben.
18
Ängste und Erwartungen des Patienten sind zu
19
thematisieren, keinesfalls sollte der ambivalente
20
Patient zur Therapie „überredet“ werden.
21
22
Therapiesetting. Auch die gute Koordination der
23
organmedizinischen Behandlung mit der Psycho24
therapie ist zwingend, so dass der Therapieerfolg
25
nicht durch widersprüchliche Botschaften oder
26
Maßnahmen gefährdet wird. Die überwiegende
27
Mehrzahl der Patienten profitiert ausreichend von
28
einer ambulanten Kurzzeitpsychotherapie. In Fäl29
len langjähriger Chronifizierung der Beschwer30
den, hoher psychiatrischer Komorbidität sowie
31
Therapieresistenz können jedoch komplexere
32
psychotherapeutische Behandlungsprogramme
33
notwendig sein, die im deutschsprachigen Raum
34
überwiegend in stationären psychosomatischen
35
Einrichtungen angeboten werden.
36
37
38
17.3.6
Pharmakotherapeutische
39
Maßnahmen
40
41
Die wissenschaftliche Befundlage zur Wirksamkeit
42
von Pharmaka bei somatoformen Störungen ist
43
noch unzureichend, so dass sich bislang keine ge44
nerellen Indikationen zu einer Pharmakotherapie
45
ableiten lassen. Frühere pharmakotherapeutische
46
Empfehlungen sprachen sich für einen Einsatz von
47
trizyklischen Antidepressiva aus, allerdings gibt es
48
dafür kaum empirische Evidenz. Symptomorien49
tierte Verschreibungen (z.B. β-Rezeptorenblocker
50
bei Herzbeschwerden, Muskelrelaxantien bei
51
Schmerzsymptomen) sind in der Regel nicht zu
52
empfehlen, da sie das organmedizinische Krankheitsverständnis des Patienten verstärken und
meist nur zu einer kurzfristigen Symptomreduktion beitragen. Bei der Verordnung von Schmerzmitteln und Benzodiazepinen ist immer das Risiko einer körperlichen und psychischen Abhängigkeit zu
berücksichtigen, grundsätzlich sollte der Patient
über die zu erwartenden Wirkungen und Nebenwirkungen der Medikation informiert werden. Insgesamt gilt der Grundsatz: Soweit medizinisch vertretbar, sind medikamentöse Maßnahmen sparsam
einzusetzen.
17.3.7 Intervention und Verlauf im
Fallbeispiel
Die Patientin mit den Diagnosen einer Somatisierungsstörung und einer rezidivierenden depressiven Störung nahm an einem sechswöchigen
integrativen, verhaltensmedizinisch orientierten
stationären Behandlungsprogramm teil. Biographisch bedeutsam waren die schwere Alkoholerkrankung des Stiefvaters, das von Gewalt geprägte
Familienleben sowie frühe Krankheitserfahrungen
der Patientin. Eine wesentliche störungsaufrechterhaltende Funktion kommt den dysfunktionalen
Denk- und Verhaltensmustern (z.B. negatives
Selbstbild, Symptomfehlbewertungen, Schon- und
Vermeidungsverhalten, sozialer Rückzug) der Patientin zu.
Therapieziel. Primäres Therapieziel war der Aufbau von Therapiemotivation, der bereits in der
Diagnostikphase durch die Vermittlung von Empathie und Verständnis für die lange Leidensgeschichte gefördert wurde. Gemeinsam mit der
Patientin wurden dann folgende Therapieziele definiert:
1. Einfluss- und Erklärungsmöglichkeiten für die
Symptome finden, um die damit verbundene
Hilflosigkeit und Unsicherheit reduzieren zu
können.
2. Erweitern des Bewegungsspielraums durch die
Reduktion von Schon- und Vermeidungsverhalten.
3. Aufbau von sozialen Kontakten und angenehmen Freizeitaktivitäten.
Durch den Einsatz eines Symptomtagebuches, verschiedener Verhaltensexperimente (z.B. Biofeedback-Demonstration, situative Verhaltensanaly-
Köllner/Broda,Praktische Verhaltsmedizin (ISBN3131321512)©2005 Georg Thieme Verlag KG
17.4 Hinweise für die Praxis
sen, Übungen der Aufmerksamkeitslenkung) und
1
der gezielten Informationsvermittlung zu Stress
2
und körperlichen Funktionsabläufen konnte die
3
Patientin zunehmend psychophysiologische Zu4
sammenhänge erkennen und damit ihr organi5
sches Krankheitsmodell erweitern. Mit Techniken
6
der Entspannung, der Wahrnehmungsumlenkung
7
und der Stressbewältigung lernte die Patientin
8
mehr Einfluss auf die körperliche Symptomatik zu
9
nehmen.
10
Einen weiteren Therapieschwerpunkt stellte die
11
Bearbeitung des negativen körperlichen Selbstbil12
des im Rahmen der kognitiven Therapie dar. Die
13
Erarbeitung langfristiger negativer Konsequenzen
14
ihres Schon- und Vermeidungsverhaltens moti15
vierte die Patientin zu einem gestuften Aufbautrai16
ning. Sie verbesserte nicht nur ihren körperlichen
17
Trainingszustand, sondern gab zum Teil auch die
18
selektive Nahrungsauswahl auf. In der letzten The19
rapiephase wurden auch Möglichkeiten der Wie20
deraufnahme positiver Aktivitäten in ihrem priva21
ten Umfeld erarbeitet. Bei Entlassung und zur 122
Jahres-Katamnese gab die Patientin eine klinisch
23
relevante Verbesserung der somatoformen Symp24
tomatik, des subjektiven Gesundheitszustandes
25
und der Stimmung an. Insgesamt hat sich ihre all26
gemeine Lebensqualität maßgeblich verbessert,
27
obwohl sie nach wie vor unter somatoformen Be28
schwerden leidet.
29
30
31
17.4
Hinweise für die Praxis
32
33
Mehr noch als bei anderen psychischen Störungen
34
kommt den niedergelassenen Allgemein- und
35
Fachärzten bei der Behandlung der somatoformen
36
Störungen eine Schlüsselstellung zu. Durch die
37
frühzeitige Erkennung und adäquate Behandlung
38
der Störung können nicht nur hohe Behandlungs39
kosten gespart, sondern auch die Gefahr der Chro40
nifizierung gemindert werden. Neben einer ver41
besserten Behandlungskompetenz durch den
42
Erwerb von Fachkenntnissen, ist dazu eine bessere
43
Vernetzung der einzelnen Einrichtungen des Ge44
sundheitswesens und eine verstärkte interdiszip45
linäre Zusammenarbeit zwischen Allgemeinärz46
ten, Fachärzten verschiedener Disziplinen und
47
Psychotherapeuten notwendig. Damit wäre ein
48
großer Teil fehlinduzierter Diagnostik und Fehlbe49
handlungen zu vermeiden. Die häufigsten thera50
peutischen Fehler, die die Behandlung erschwe51
ren, sind im Kasten dargestellt.
52
155
Mögliche Fehler
Häufige Fehler und Fallen in der Diagnostik und Behandlung:
Nichterkennen einer krankheitswertigen somatoformen Störung.
Einsatz wiederholter diagnostischer Untersuchungen zur „Beruhigung“ des Patienten.
Schwierigkeiten der Beziehungsgestaltung
durch einen Mangel an Verständnis und Geduld.
Unklare oder unrealistisch hohe Behandlungsziele.
Mangelnder Aufbau von Behandlungs- und Veränderungsmotivation.
Zu frühes Drängen auf psychosomatisches
Krankheitsverständnis.
Mangelnde Koordination zwischen den behandelnden Ärzten und dem Psychotherapeuten
(z.B. unterschiedliche therapeutische Botschaften).
Überweisung zum Psychotherapeuten ohne
ausreichende Vorbereitung.
Nichtbeachtung der körperlichen Symptomatik
in der Psychotherapie.
17.5
Empirische Absicherung der
Interventionsmöglichkeiten
Trotz der hohen klinischen und gesundheitspolitischen Relevanz des Störungsbereiches wurden verhaltensmedizinische Behandlungskonzepte erst in
den letzten beiden Jahrzehnten entwickelt und evaluiert, so dass die Zahl an kontrollierten Therapiestudien noch gering ist. Die bisherigen Studienergebnisse sind jedoch durchaus positiv und sprechen
dafür, dass mit kognitiv-verhaltenstherapeutischen
Interventionsstrategien sowohl eine klinisch relevante Reduktion der somatoformen Symptomatik,
der subjektiven Lebensqualität wie auch der Krankheitskosten erreicht werden kann. Auch ärztliche
Minimalinterventionen sind effektiv und können
zur Reduktion der hohen Krankheitskosten beitragen. So führte schon das alleinige Versenden von Informationsbriefen mit Richtlinien für einen verbesserten Umgang mit dieser Patientengruppe zu einer
erheblichen Reduktion von Gesundheitskosten und
zur Verbesserung der körperlichen Funktionsfähigkeit.
Köllner/Broda,Praktische Verhaltsmedizin (ISBN3131321512)©2005 Georg Thieme Verlag KG
156
17.6
1
17 Symptome ohne Befund
Literaturempfehlungen
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Margraf J, Neumer S, Rief W. Somatoforme Störungen
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Rief
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Literatur
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17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
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41
42
43
44
45
46
47
48
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50
51
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Köllner/Broda,Praktische Verhaltsmedizin (ISBN3131321512)©2005 Georg Thieme Verlag KG
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