Antidepressiva

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Übersicht Antidepressiva VL IX
(von Enno & Lena)
Antidepressiva Diese Kurzfassung dient nur als Überblick, zusätzlich bitte die VL-­‐Folien zum Lernen verwenden! Depressionen -­‐
Störungen der Emotionen und der Stimmung Klassifikation -­‐
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Depression (unipolar) • endogene Depression ◦ i.d.R. phasisch mit Intervallen in normaler Stimmungslage • exogene Depression ◦ Reaktion auf psychischen Stress oder somatische Erkrankungen manisch-­‐depressive Erkrankungen (bipolar) Symptome -­‐
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Depression • gedrückte Stimmung • Interesse-­‐, Lust-­‐, Freud-­‐, Sinn-­‐, Gefühlslosigkeit • Störung des Antriebs • Suizidgefahr • Angst, Selbstwertgefühl ↓, Konzentrations-­‐/Denkstörungen, Unruhe, Vitalitäts-­‐
verlust, körperl. Beschwerden (Kopf-­‐/Rückenschmerzen, Herzbeschwerden, ...) Manie • abnorme (grundlose) gehobene Stimmung • gesteigerter Antrieb, erhöhte Leistungsfähigkeit, Selbstüberschätzung • Ideenflucht, Größenwahn • Redseeligkeit, verminderter Schlaf • Gereiztheit, Aggressivität (dysphorische Manie) Ursachen -­‐
pathologische Veränderungen der Neurotransmission • Mangel an Monoaminen (Noradrenalin, Serotonin) → veränderte Empfindlichkeit derer prä-­‐ und postsynaptischer Rezeptoren Therapie der unipolaren Depression -­‐
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Pharmakotherapie (Antidepressiva) Psychotherapie Lichttherapie, Schlafentzug, Schilddrüsenhormone Antidepressiva -­‐
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akute Wirkung → Neurotransmitterveränderung, Sedierung, vegetative Symptomatik Wirkung mit Latenz von 2-­‐3 Wochen → antidepressive Wirkung 1. nicht-­‐selektive Monoamin-­‐Rückaufnahme-­‐Hemmer • hemmt Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin • können auch mit verschiedenen Neurotransmitter-­‐Rezeptoren interagieren 1 Übersicht Antidepressiva VL IX
(von Enno & Lena)
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tricyclische Antidepressiva: • Imipramin: -­‐ entsteht aus Chlorpromazin -­‐ stimmungsaufhellend (thymoleptisch) antriebssteigernd (thymeretisch) • Nortryptilin: -­‐ stimmungsaufhellend, antriebssteigernd -­‐ Patient ist gehemmt und antriebsarm • Amitryptilin: -­‐ stimmungsaufhellend und sedierend -­‐ Patient: ängstlich, agitiert, leidet unter Schlafstörungen -­‐
Pharmakokinetik: • sehr lipophil, gute Resorption, metabolische Elimination und Entstehung von aktiven Metaboliten -­‐
Nebenwirkungen: • treten sofort auf, z.B. Imipramin, Amitryptilin • Sedation (H1), Tachykardie, Mundtrockenheit, Obstipation, Miktionsstörungen, Akkomodationsstörungen (M), orthostatische Hypotonie (α1), Kardiodepression -­‐
Interaktionen: • Wirkungsverstärkung durch Sedativa, Opiate, Alkohol, Hypnotika, Antihistaminika → zentral dämpfende Wirkung • MAO-­‐Hemmstoffe führen zu hypertensiven Krisen und Herzrhythmusstörungen ◦ weil [Na+]↑ • Parasympatholytika und Sympathomimetika führen zu additiven anticholinergen o. sympathomimetischen Effekten • Barbiturate führen zu Induktion von abbauenden Enzymen (v.a. CYP3A4) • Abschwächung der antihypertensiven Wirkung von Clonidin -­‐
Intoxikation: • anticholinerge Symptomatik (Sinustachykardie, Mundtrockenheit, Obstipation, Erregung, Halluzinationen) → Koma, Krampfanfälle, kardiotoxische Wirkung -­‐
Therapie: • Physostigmin (EKG-­‐Kontrolle) • ß-­‐Adrenozeptor-­‐Antagonisten gegen tachykarde Rhythmusstörungen • Diazepam gegen Krämpfe 2. selektive Serotonin-­‐Sückaufnahme-­‐Hemmer: • wirken nicht sedierend • Einsatz bei psyschomotorisch-­‐gehemmten, depressiven Patienten ◦ zB. Fluoxetin, Paroxetin, Citalopram, Sertralin -­‐
Pharmakokinetik: • sehr lipophil, gute Resorption, metabolische Elimination -­‐
Nebenwirkungen: • Agitation, Schlafstörungen, sexuelle Dysfunktionen, Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe 2 Übersicht Antidepressiva VL IX
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Interaktionen: • mit MAO-­‐Hemmer tritt Serotonin-­‐Syndrom auf • hemmt CYP-­‐P450-­‐Enzyme ◦ Citalopram: CYP1A2 ◦ Paroxetin: CYP1A2, 2C19, 2D6, 3A4 ◦ Fluoxetin: CYP1A2, 2C19, 2D6, 3A4 ◦ Fluvoxamin: CYP1A2, 2C19, 2D6, 3A4 ◦ Sertalin: CYP1A2, 2C19, 2D6, 3A4 • → Interaktion mit allen Arzneimitteln, die mit CYP-­‐Enzymen metabolisiert werden -­‐
Intoxikation: • Serotonin-­‐Syndrom: ◦ Hyperthermie, Übelkeit, Erbrechen, Verwirrtheit, psychosomatische Unruhe, Tremor, Myoklonus, Krämpfe Therapie: • sofortiges Absetzen der Medikation • symptomatisch: Kühlen, Wasser zuführen, Sedierung • Trazodon: ◦ 5-­‐HT-­‐Rezeptor-­‐Antagonist-­‐Reuptake-­‐Inhibitor (SARI) ◦ duales serotonerges Wirkprinzip durch: • präsynapt. Hemmung der Serotonin-­‐Wiederaufnahme • Blockade postsynapt. 5-­‐HT2A-­‐Rezeptoren • Blockade präsynapt. 5-­‐HT1A-­‐Autorezeptoren -­‐
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Nebenwirkungen: • Sedierung durch α1-­‐ und H1-­‐antagonistische Wirkung 3. selektive Noradrenalin-­‐Wiederaufnahme-­‐Hemmer: • keine Rezeptorbindung, wirken nicht sedierend • z.B. Reboxetin -­‐
Pharmakokinetik: • Metabolismus durch CYP3A4 → Interaktionen • hat geringe therapeutische Breite -­‐
Nebenwirkungen: • Übelkeit, Agitation, Schlafstörungen -­‐
Interaktionen: • hypertensive Krise, kardiale Rhythmusstörung durch Verstärkung der Wirkung durch MAO-­‐Hemmstoffe 4. Selektive Serotonin-­‐ und Noradrenalin-­‐Rückaufnahmehemmer • keine Sedation • z.B. Venlafaxin, Duloxetin -­‐
Parmakokinetik: • metabolische Elimination durch CYP2D6 und 3A4 • bei Venlafaxin entstehen aktive Metabolite -­‐
Nebenwirkungen: • Blutdruckanstieg • Agitation, Schlafstörungen, sexuelle Dysfunktion, Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe 3 Übersicht Antidepressiva VL IX
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5. Alpha2-­‐Adrenozeptor-­‐Antagonisten: • wirken psychomotorisch, dämpfend • z.B. Mirtazapin, Mianserin -­‐
Parmakokinetik: • metabolische Elimination durch CYP2D6 und 3A4 -­‐
Nebenwirkungen: • Blutbildveränderungen • über H1-­‐Blockade auch Sedation -­‐
Interaktionen: • Wirkungsverstärkung durch Alkohol, Opiate, Narkotika, Hypnotika, Antihistaminika → Sedation • Wirkungsabnahme durch Carbamazepin, Rifampicin und Phenytoin durch Enzyminduktion 6. MAO-­‐Hemmer: • = Thymeretika • stark antriebssteigernd, wenig stimmungsaufhellend • nicht bei suizidgefährdeten Patienten einsetzen! • z.B. Moclobemid (MAO-­‐A-­‐Hemmer) • bei Einnahme von Tyramin (Amin in Käse) entsteht nach Abbau durch MAO-­‐A und -­‐B Tranylcypromin (bewirkt hypertone Krise) ◦ → Einahme von selektiven MAO-­‐A-­‐Hemmern inhibiert diesen Abbau -­‐
Pharmakokinetik: • metabolische Elimination über CYP2D6 und 2C19 -­‐
Nebenwirkungen: • Schwindel, Kopfschmerzen, Agitation, Schlafstörungen, Tremor, Verwirrtheit -­‐
Interaktionen: • keine Kombination mit Antidepressiva anderer Gruppen, sonst gegenseitige Wirkungsverstärkung (Krampfanfälle, starke Erregung → Serotonin-­‐Syndrom) -­‐
Intoxikation: • hypertone Krise, orthostatische Hypotonie, zentralnervöse Symptome (Agitiertheit, Erregung, Halluzinationen, Tremor, Krämpfe, Hyperreflexie) -­‐
Therapie: • hypertone Krise: Nifedipin • RR-­‐Abfall: NA oder Dopamin • Erregungszustände: sedierendes Neuroleptikum 7. Phytopharmaka: • z.B. Hyperforin (antidepressiv?) und Johanniskraut (ist teratogen und macht photosensibel) • beeinflussen Biotransformation: • Induktion und Hemmung von Cytochrom-­‐P450-­‐Enzymen • führt zu Arzneimittelinteraktionen (beschleunigter Cyclosporin-­‐Abbau durch Johanniskraut-­‐Induktion von CYP3A4 → Transplantat wird abgestoßen) 4 Übersicht Antidepressiva VL IX
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Antidepressiva 1. Generation: • tricyklische Antidepressiva, MAO-­‐Hemmer • haben gute Wirksamkeit • zahlreiche Nebenwirkungen -­‐
Antidepressiva 2. Generation: • SSRI, SNRI, SSNRI, α2-­‐Andrenozeptoren-­‐Antagonisten • haben gute Wirksamkeit • deutlich weniger Nebenwirkungen • besser verträglich und größere therapeutische Breite -­‐
therapeutisches Vorgehen: • Überprüfen der Wirkung nach 2-­‐4 Wochen (schleichende Doesierung zur Minimierung der Nebenwirkungen) • bei Therapieversagen wird Dosis gesteigert oder anderes Antidepressivum eingesetzt • anschließend Kombinationstherapie erwogen • Akuttherapie mit Antidressiva (Wochen bis Monate) zur Symptomreduktion • Erhaltungstherapie mit Antidepressiva (halbes Jahr bis ein Jahr) zur Aufrechterhaltung der Symptomreduktion • prophylaktische Therapie mit Antidepressiva (Jahre/lebenslang) zur Reduktion der Wahrscheinlichkeit des Auftretens neuer Krankheitsepisoden -­‐
Pharmakotherapie bipolarer Störungen: • akute Therapie mit Lithiumsalzen (Lithiumacetat oder -­‐carbonat) als Stimmungsstabilisatoren • bei ausgeprägter manischer Phase in Kombination mit atypischen Neuroleptika • Lithium hat suizidpräventive Wirkung → Prophylaxe bei Rezidiverkrankungen • Wirkungsverstärkung bei gleichzeitiger Gabe von Lithium und Antidepressiva 8. Lithium: • akute antimanische Wirkung: ◦ langsame Normalisierung (1-­‐2 Wochen) bei starken Euphorien ◦ langsame Reduktion des überschießenden Antriebs • prophylaktische Wirkung: ◦ verlängert symptomfreie Intervalle ◦ Intensität von depressiven Phasen wird abgeschwächt -­‐
Wirkmechanismus: • Eingriff in Phosphatidylinositol-­‐Turnover ◦ blockiert Inositolmonophosphat-­‐Phosphatase ◦ vermindert Bildung von PIP2 ◦ über PI-­‐Turnover vermittelte Neurotransmitterwirkungen abgeschwächt • hat geringe therapeuthische Breite • vor Applikation überprüfen von Nierenfunktion, Herz-­‐Kreislauferkrankungen • regelmäßige Kontrolle der Lithiumspiegel -­‐
Pharmakokinetik: • renale Elimination (konkurriert mit Na+ bei tubulärer Rückresorption) • wenn wenig Na+, wird viel Lithium zurückresorbiert (Intoxikationsrisiko bei Natriumverlusten) -­‐
Nebenwirkungen: • gastrointestinale Störungen (Übelkeit, Diarrhoe) • ZNS (Müdigkeit, feinschlägiger Tremor) • Schilddrüse (euthyreote Struma) • Niere (Polyurie (Hemmung von ADH) 5 Übersicht Antidepressiva VL IX
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Interaktionen: • Saluretika führen zu Natriummangel und zu Lithium-­‐Intoxikation • Lithiumplasmaspiegel steigen an bei nichtsteroidalen Antiphlogistika, ACE-­‐Hemmer, SSRI -­‐
Intoxikation: • Symptome: Durchfall, Erbrechen, grobschlägiger Tremor, Krämpfe, Koma -­‐
Therapie: • forcierte Diurese mit Natriumzufuhr • Hämodialyse -­‐
Alternativen zu Lithium: • Antikonvulsiva (Carbamazepiin, Valproat, Lamotrigin) • haben größere therapeuthische Breite 6 
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