Gliederung - Universitätsklinikum Ulm

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VORLESUNGSREIHE
Basiswissen KJP
WS 2011/2012
31. Januar 2012
Gilles de la Tourette Syndrom
PD Dr. med. Andrea G. Ludolph
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie
Universitätsklinikum Ulm
Gliederung
Gliederung
I.
Historie und Epidemiologie
II. Definition und Symptomatik
III. Pathophysiologie
IV. Therapie
-
Psychoedukation (Familie, Umfeld)
-
psychosoziale Interventionen (Schule, Jugendhilfe)
-
Psychotherapie (Verhaltens- vs. supportiver Therapie)
-
medikamtentöse Therapie
-
Tiefenhirnstimulation
-
chirurgische Interventionen
Gliederung
Gliederung
I.
Historie und Epidemiologie
II. Definition und Symptomatik
III. Pathophysiologie
IV. Therapie
-
Psychoedukation (Familie, Umfeld)
-
psychosoziale Interventionen (Schule, Jugendhilfe)
-
Psychotherapie (Verhaltens- vs. supportiver Therapie)
-
Tiefenhirnstimulation
-
medikamentöse Therapie
Georges Albert Edouard Brutus
Gilles de la Tourette
1857-1904
Behandlungszimmer von Dr. Gilles de la Tourette
in der Rue l'Université 39 in Paris
Historischer Überblick
Beschreibungen von Tic-Störungen finden sich bereits im Altertum.
So schilderte der griechische Gelehrte, Arzt und Hippokrates-Schüler
Aretios von Kappadokien Betroffene, die unter Zuckungen,
Grimassenschneiden, akut auftretenden Geräuschen wie Bellen,
plötzlichen Flüchen und auch unvermittelten blasphemischen
Äußerungen litten.
Diese Verhaltensauffälligkeiten wurden dem „Einfluss der Götter“
zugeschrieben (Klug 2003).
Tourette-ähnliche Verhaltensauffälligkeiten wurden auch für den
römischen Imperator Claudius vom Geschichtsschreiber Svetonius
dokumentiert. Dieser berichtete von anhaltenden nervösen Zuckungen,
Stammeln, unkontrolliertem Lachen. Diese Verhaltensauffälligkeiten
nahmen unter Erregung zu.
Historischer Überblick
Wahrscheinlich aufgrund der Seltenheit,
vielleicht auch aufgrund seiner Rätselhaftigkeit,
findet sich eine ausführliche Beschreibung der
Erkrankung erst im 19. Jh.
Der französische Neurologe Jaques Itard
beschrieb 1825 eine Patientin adeliger Herkunft,
die Marquise de Dampierre, die
sowohl unter vokalen als auch motorischen Tics litt.
„Frau v. D…, derzeit 26 Jahre, war, im Alter von 7 Jahren, …
krampfhafte Kontraktionen der Hand- und Armmuskeln, die sich
vor allem in den Augenblicken einstellten, in denen das Kind versuchte zu schreiben…
Man sah in dem Ganzen zuerst noch eine Art Lebhaftigkeit oder
Übermut, die, als sie sich mehr und mehr wiederholten, zum Grund
für Tadel und Bestrafung wurden,
aber bald gewann man die Gewissheit, dass diese
Bewegungen unwillkürlich und krampfhaft waren und man sah daran
auch die Muskulatur der Schultern, des Halses und des Gesichtes
teilnehmen.
Die Erkrankung schritt weiter fort, die Spasmen breiteten
sich auf die Stimm- und Sprechorgane aus, diese junge Person hörte
man bizarre Schreie und Worte ausstoßen, die überhaupt keinen Sinn
ergaben, aber alles ohne dass ein Delirium vorgelegen hätte…,
Jaques Itard, Dt. Übersetzung von Rothenberger, 1992
….. ohne irgendeine geistig-seelische Störung.
So kann es vorkommen, dass mitten in einer Unterhaltung, die sie
besonders lebhaft interessiert, plötzlich und ohne dass sie sich davor
schützen kann, sie das unterbricht, was sie gerade sagt oder wobei
sie gerade zuhört und zwar durch bizarre Schreie und durch Worte,
die sehr außergewöhnlich sind und die einen beklagenswerten
Kontrast mit ihrem Erscheinungsbild und ihren vornehmen Manieren
darstellen;
die Worte sind meistens grobschlächtig, die Aussagen obszön
und, was für sie und die Zuhörer nicht minder lästig ist, die
Ausdrucksweisen sind sehr grob, ungeschliffen, oder beinhalten
wenig vorteilhafte Meinungen über einige der in der Gesellschaft
anwesenden Personen…“
Dt. Übersetzung von Rothenberger, 1992
Epidemiologie
- Jungen : Mädchen 4:1
- Früher allgemein akzeptierte Prävalenzzahlen: 0,5/1000 (Bruun, 1984)
- In allgemeiner Schulpopulation 0,7%
(1990,1999)
- Alle Ticstörungen zusammen bis zu 4,2%
(Banarjee 1998, Mason 1998)
Schwedische schulbasierte Untersuchung:
- Schulkinder im Alter 7-15 Jahre
- 4.479 Kinder und ihre Eltern füllten Fragenbogen aus
- Interview und klinische Untersuchung nach Screening:
290 Kinder (190 Jungen, 107 Mädchen) hatten Tics
nach DMS-IV
0,6% TS
0,8% chron. Motor. Ticstörung
0,5% chron. Vokale Ticstörung
4,8% transiente Tics
Zusammen: 6,6% hatten Tic-Störung im letzten Jahr
Khalifa, Dev Med Child Neurol Mai 2003
Psychopathologie der Kinder mit Tic Störungen in
dieser schulbasierten Untersuchung
Von 4,479 Kindern
25
34
24
214
Tourette Syndrom (TD)
Chronisch motorische Tic-Störung (CMT)
Chronisch vokale Tic-Störung (CVT)
Vorübergehende (transiente) Tic-Störung (TT)
3 Stufen Protokoll:
Tic screening, Telefon-Interview, klinische Untersuchung
Die 25 Kinder mit TD wurden verglichen mit 25 Kindern aus
der TT-Gruppe und 25 gesunden Kontrollen.
Bei 92% der Kinder mit vollem Tourette Syndrom wurden
Psychiatrische Komorbiditäten gefunden:
Am häufigsten ADHS. Kinder mit CVT waren ähnlich
häufig betroffen wie Kinder mit TD.
Aggressive Verhaltensweisen am häufigsten bei TD.
Khalifa N, von Knorring AL, J Am Acad Child Adolesc Psychiatry. 2006
Gliederung
Gliederung
I.
Historie und Epidemiologie
II. Definition und Symptomatik
III. Pathophysiologie
IV. Therapie
-
Psychoedukation (Familie, Umfeld)
-
psychosoziale Interventionen (Schule, Jugendhilfe)
-
Psychotherapie (Verhaltens- vs. supportiver Therapie)
-
Tiefenhirnstimulation
-
medikamentöse Therapie
DEFINITION nach ICD 10
Internationales Klassifikationssystem der WHO
F 95.2 kombinierte vokale und multiple motorische Tics
(Tourette Syndrom)
Dies ist eine Form der Ticstörung, bei der es gegenwärtig oder in der
Vergangenheit multiple motorische Tics und einen oder mehrere
vokale Tics gibt oder gegeben hat, nicht notwendigerweise gleichzeitig.
So gut wie immer liegt der Beginn in der Kindheit oder Adoleszenz.
Gewöhnlich gibt es eine Vorgeschichte motorischer Tics, bevor sich
vokale Tics entwickeln;
die Symptome verschlechtern sich häufig während der Adoleszenz,
und üblicherweise persistiert die Erkrankung bis ins Erwachsenenalter.
Die vokalen Tics sind oft multipel mit explosiven repetitiven Vokalisationen,
Räuspern, Grunzen und Gebrauch von obszönen Wörtern oder Phrasen.
Manchmal besteht eine begleitende gestische Echopraxie, die ebenfalls
obszöner Natur sein kann (Kopropraxie). Wie die motorischen Tics können
die vokalen für kurze Zeiträume unterdrückt und durch Stress verstärkt
werden. Sie verschwinden während des Schlafs.
DSM-IV (307.23) Diagnostic and Statistical Manual of
Mental Disorders, American Psychiatric Association, 1994)
Multiple motorische Tics sowie mindestens ein vokaler Tic treten im
Verlauf der Krankheit auf, jedoch nicht unbedingt gleichzeitig. (…)
Die Tics treten mehrmals täglich (gewöhnlich anfallsweise) entweder
fast jeden Tag oder intermittierend im Zeitraum von über einem Jahr auf.
In dieser Zeit gab es keine ticfreie Phase, die länger als
drei aufeinander folgende Monate andauerte.
Die Störung führt zu starker innerer Anspannung oder verursacht in
bedeutsamer Weise Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder
anderen wichtigen Funktionsbereichen.
Der Beginn liegt vor dem 18. Lebensjahr.
Die Störung geht nicht auf die direkte körperliche Wirkung einer
Substanz (…) oder eines medizinischen Krankheitsfaktors (…)
zurück.
SYMPTOMATIK
Motorische Tics: Klinisches Erscheinungsbild
Einfache motorische Tics:
-
Augenblinzeln
Augenzwinkern
Gesichtsgrimassen
Mundöffnen
Augenrollen
Stirnrunzeln
Kopfschütteln
Kopfnicken
Schulterzucken
Zwechfelltics
Bauchtics
Rumpftics
SYMPTOMATIK
Komplexe motorische Tics:
Hüpfen
Treten
Springen
Stampfen
Klopfen
Kreisen
Kratzen
Beißen
Schlagen
Echopraxie
Kopropraxie
SYMPTOMATIK
Einfache vokale Tics:
-
-
Räuspern
Hüsteln
Schnäuzen
Spucken
Grunzen
Bellen
In- und exspiratorische
Atemgeräusche
Komplexe vokale Tics:
-
Schreien
Summen
Pfeifen
Palilalie
Echolalie
Koprolalie
Im natürlichen Verlauf des TS treten meist
zuerst motorische Tics im Alter von 3 bis 8 Jahren auf,
d.h. oft mehrere Jahre bevor dann vokale Tics hinzuKommen.
Bei 96% der Kinder hat sich die Erkrankung bis zum
11. Lebensjahr manifestiert.
Typischerweise wechseln die Tics sehr häufig in ihrer
Lokalisation, Intensität und Häufigkeit.
In der Mehrzahl der Fälle erreicht die Symptomatik
ihren höchsten Schweregrad in der ersten Hälfte der
zweiten Lebensdekade, um das 12. Lebensjahr, um
dann in der Adoleszenz deutlich abzunehmen.
Die Angaben, wie viele jugendliche TS Patienten die
Symptomatik tatsächlich verlieren, schwanken allerdings
erheblich (20- 50%).
Jankovic, NEJM 2001
ADHS 35-90%, Ehrenberg 2005
Jancovic, N Engl J Med 2001
Nicht-Wissen verzögert Diagnose !
„dem Kind einen Namen geben“
Je früher die Diagnose gestellt wird, desto bessere
Unterstützung kann erfolgen.
314 Kinder mit Tourette Syndrom
Systematische Interviews über den diagnostischen Prozess
Symptombeginn war im Durchschnitt mit 3 Jahren
Bei 40 % waren Tics der Vorstellungsanlass.
In den anderen Fällen ADHS, Zwang oder Verhaltensprobleme.
Durchschnittsalter des Beginns der Tic-Symptomatik 5,5 Jahre,
Wenn weitere Komorbiditäten bestanden, traten Tics im Durchschnitt
Deutlich früher auf (0-3,5 Jahren).
Das Durchschnittsalter bei Diagnose lag bei 8,9 Jahren.
Durchschnittlich lagen von Beginn der Symptome bis zur Diagnose
5,3 Jahre.
Zwischen Auftreten der ersten Tics und Diagnose ~ 2,8 Jahre.
Mol Debes NM, Hjalgrim H, Skov L, Neuropediatrics 2008
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Gliederung
I.
Historie und Epidemiologie
II. Definition und Symptomatik
III. Pathophysiologie
IV. Therapie
-
Psychoedukation (Familie, Umfeld)
-
psychosoziale Interventionen (Schule, Jugendhilfe)
-
Psychotherapie (Verhaltens- vs. supportiver Therapie)
-
Tiefenhirnstimulation
-
medikamentöse Therapie
Genetik, Epigenetik, Risikofaktoren
Familienanamnese:
Verwandte 1. Grades haben ein Risiko von 5-15%,
Irgendeine Form von Tic (transiente, milde) 10-20%
Prä- und perinatale Anamnese
Psychosozialer Stress in der Schwangerschaft, Nikotin,
Intrauterine Wachstumsretardierung
Frühgeburtlichkeit, Hypoxie perinatal (Apgar-Index)
Immunologische Dysregulation
Infektionen (PANDAS, beta-hämolysierende Streptokokken der
Gruppe A, GABHS;
PANDAS = pediatric autoimmune neuropsychiatric
disorder associated with strep)
Stress, Stresssensitivität
Tourette-Syndrom: Pathophysiologie –
der Cortico-Striato-Thalamo-Cortikale
(CSTC) Schaltkreis
Neuner & Ludolph, Nervenarzt 2009
Neuner & Ludolph 2009
ADHS 35-90%, Ehrenberg 2005
Jancovic, N Engl J Med 2001
Häufige Komorbiditäten
ADHS
Zwangsstörungen
Angststörungen
(generalisierte Angststörung, soziale Phobie,
Panikattacken)
Affektive Störungen (Depression)
Aggressive Verhaltensweisen (mangelnde Inhibition)
Selbstverletzendes Verhalten
Folgen in der weiteren Entwicklung:
„Meine Lehrerin wollte mir nicht glauben, dass ich das
Kopf-Wackeln nicht absichtlich mache. Und dann
musste ich mich während der Unterrichtsstunde
mit einem Buch auf dem Kopf hinstellen und für
jedes Mal, dass das Buch herunterfiel, hat sie mir
eine Seite Strafarbeit gegeben…“
(Bericht eines 12jährigen Schülers mit
Tourette-Syndrom, 21. Jahrhundert)
Angst und Scham als Folgen
Berechtigte Angst vor Spott aufgrund der Tics und
Schamgefühle sind sehr häufig bei Kindern mit
chronischen Tic-Störungen und TS zu finden. Personen
mit Tic-Störungen erfahren oft soziale Ausgrenzung,
da die Tic-Symptomatik von anderen Personen meist
als sehr fremd und bizarr wahrgenommen wird und
Betroffene demzufolge abgelehnt werden (Marcks 2007).
Daher kann es bei entsprechenden Umständen und
ungenügender Aufklärung der Umgebung sekundär
auch zu ausgeprägten Angststörungen reaktiv zur
Tic-Symptomatik kommen, für die möglicherweise auch
zusätzlich eine genetische Disposition besteht
(Coffey 2000).
Ludolph & Kassubek, Ticstörungen und Tourette Syndrom. In: Adoleszenzpsychiatrie:
Psychiatrie und Psychotherapie der Adoleszenz und des jungen Erwachsenenalters
von Jörg M. Fegert, Annette Streeck-Fischer, und Harald J. Freyberger. 2009
Gliederung
Gliederung
I.
Historie und Epidemiologie
II. Definition und Symptomatik
III. Pathophysiologie
IV. Therapie
-
Psychoedukation (Familie, Umfeld)
-
psychosoziale Interventionen (Schule, Jugendhilfe)
-
Psychotherapie (Verhaltens- vs. supportiver Therapie)
-
Tiefenhirnstimulation
-
medikamentöse Therapie
Tourette – nicht nur Tics
Kinder mit Tourette leiden häufig unter
- Impulsivität, Ablenkbarkeit, Hyperaktivität
- Trotzverhalten, Argumentieren, Autoritäten
infrage stellen
- geringe Frustrationstoleranz, explosive
Ausbrüche
- Zwangsverhalten
- Angst und Depression
- Lernproblemen
Therapie
-
Psychoedukation (Familie, Umfeld)
psychosoziale Interventionen
(Schule, Jugendhilfe)
-
-
medikamentöse
Psychotherapie
(Verhaltens- vs.
supportiver Therapie)
Tiefenhirnstimulation
-
chirurgische Interventionen
-
offensive dezidierte Aufklärung über TS
Einstellung zu erkrankten Personen verändert sich
soziale Ausgrenzung wird minimiert
Folgeerscheinungen wie soziale Phobie der Patienten
treten nicht auf oder sind deutlich geringer.
Marcks et al. (2007)
Verhaltenstherapie
Habit reversal training = Gewohnheitsumkehrtraining
(Azrin und Nunn, 1973, primär für Nägelkauen,
Daumenlutschen, Trichotillomanie)
- Wahrnehmungstraining
- Training im Umgang mit unvorhersehbaren Ereignissen
- Entspannungstraining
- Identifizieren und Erlernen eines Alternativverhaltens
- Automatisierung und Generalisierung dieses Alternativverhaltens
Exposure and response prevention (Verdellen et al., 2004)
Zielt darauf ab den Automatismus zu durchbrechen, dass einem
Vorgefühl („premonitory urge“) auch immer ein Tic folgen muss.
Comprehensive Behavioral Intervention for Tics (CBIT)
(Piacentini, Woods, Scahill,…. Walkup, JAMA 2010)
Leicht bis mittelgradig betroffene Kinder/Jugendliche,
Effektstärke 0,68
Medikamentöse Therapieoptionen bei
Tourette Syndrom
Die Pharmakotherapie des TS wird in verschiedenen Altersgruppen
und auch in verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich gehandhabt.
Leitlininien KJP Deutschland:
„Pharmakotherapie: (ein einziges offiziell zugelassenes Medikament
zur Behandlung von Ticstörungen ist Haloperidol. Wegen dessen
deutlicher unerwünschter Arzneimittelwirkung ist es schon lange nur
als Mittel dritter Wahl eingeordnet; d.h. aber, dass i.d.R. eine
medikamentöse Behandlung der Ticstörungen "off-label" im Sinne
eines individuellen Heilversuchs stattfinden muss.)…..
„Medikament der ersten Wahl ist Tiaprid (II)….“
Risperidon (0,5-4 mg/Tag) kann als Mittel zweiter Wahl gelten,
während Haloperidol (0,25-4 mg/Tag) und Pimozid (0,5-4 mg/Tag)
Medikamente dritter Wahl (II)
Leitlinien Neurologie 4. überarbeitete Auflage 10/2008
Medikament erster Wahl
Tiaprid (50-100 mg zu Beginn bis 600(-800) mg)
Sulpirid (3-6x 200 mg/d) oder Risperidon (2x 1mg/d, 4mg/d)
Leitlinien Psychiatrie
Leitlinien für Tic-Störungen liegen nicht vor.
Britisches National Institute for Health and Clinical Excellence
(NICE) hat bislang
keine Behandlungsempfehlung für TS ausgesprochen.
In den USA wird als Mittel der ersten Wahl niedrig dosiert
Clonidin auch im Kindesalter empfohlen.
Tiaprid
1. Studie: 10 Kinder, mit Placebo und Tiaprid, stationär behandelt,
nicht doppelblind
2. Studie: 17 Kinder, cross-over design, Placebo und Tiaprid, doppelblind
1 drop out, 8 versus 8 Kinder, in der zweiten Phase Abbruch von 4 Kindern;
In der Gruppe, die zuerst Placebo und dann Tiaprid bekommen hat, kein
Signifikanter Unterschied zwischen Placebo und Verum
We present a summary of the current consensus on pharmacological
treatment options for TS in Europe to guide the clinician in daily
practice. This summary is, however, rather a status quo of a
clinically helpful but merely low evidence guideline, mainly driven
by expert experience and opinion, since rigorous experimental
studies are scarce.
Medikamentöse Therapieoptionen bei
Tourette Syndrom
Dopamin modulierende Psychopharmaka:
Dopaminantagonisten
Tiaprid (Benzamid)
Pimozid
Risperidon
Olanzapin
Clozapin
Quetiapin
Ziprasidon
Andere Benzamide: Sulpirid, Amisulpirid, Metoclopramid, Remoxiprid
typische Neuroleptika: Haloperidol
Ludolph & Kassubek, Ticstörungen und Tourette Syndrom. In: Adoleszenzpsychiatrie:
Psychiatrie und Psychotherapie der Adoleszenz und des jungen Erwachsenenalters
von Jörg M. Fegert, Annette Streeck-Fischer, und Harald J. Freyberger. 2009
Medikamentöse Therapieoptionen bei
Tourette Syndrom
Dopamin modulierende Psychopharmaka:
Dopaminagonisten
Pergolid, Amantadin, Selegilin, Talipexol
Aripiprazol
Noradrenerg wirksame Substanzen:
Clonidin (alpha-2 Adrenorezeptoragonist)
Guanfacin
Weitere
Atomoxetin
Stimulanzien
Ludolph & Kassubek, Ticstörungen und Tourette Syndrom. In: Adoleszenzpsychiatrie:
Psychiatrie und Psychotherapie der Adoleszenz und des jungen Erwachsenenalters
von Jörg M. Fegert, Annette Streeck-Fischer, und Harald J. Freyberger. 2009
Medikament erster Wahl: Tiaprid (50-100 mg zu Beginn bis 600(-800) mg)
Risperidon (2x 1mg/d, 4mg/d) oder Sulpirid (3-6x 200 mg/d)
Aripiprazol (0,5-20mg/d) // Dronabinol // Botulinumtoxin
ADHS ist die häufigste Komorbidität. Psychostimulanzien können bei
Manchen Kindern Tics verstärken, bei anderen zeigt sich eine positive
Wirkung auch auf die Tic-Symptomatik.
Roessner et al., 2011
Treatment of ADHD in children with tics:
a randomized controlled trial.
Tourette's Syndrome Study Group.
BACKGROUND: The treatment of children with attention deficit hyperactivity disorder (ADHD) and
Tourette syndrome (TS) has been problematic because methylphenidate (MPH)--the most
commonly used drug to treat ADHD--has been reported to worsen tics and because clonidine
(CLON)--the most commonly prescribed alternative--has unproven efficacy.
METHODS: The authors conducted a multicenter, randomized, double-blind clinical trial in which
136 children with ADHD and a chronic tic disorder were randomly administered
CLON alone,
MPH alone,
combined CLON + MPH, or
placebo (2 x 2 factorial design).
Each subject participated for 16 weeks (weeks 1-4 CLON/placebo dose titration, weeks 5-8 added
MPH/placebo dose titration, weeks 9-16 maintenance therapy).
RESULTS:
37 children were administered MPH alone,
34 were administered CLON alone,
33 were administered CLON + MPH, and
32 were administered placebo.
Treatment of ADHD in children with tics:
a randomized controlled trial.
Tourette's Syndrome Study Group.
For our primary outcome measure of ADHD
(Conners Abbreviated Symptom Questionnaire--Teacher),
significant improvement occurred for subjects assigned to
CLON (p < 0.002) and those assigned to
MPH (p < 0.003).
Compared with placebo, the greatest benefit
occurred with combined CLON + MPH (p < 0.0001).
CLON appeared to be most helpful for impulsivity and hyperactivity;
MPH appeared to be most helpful for inattention.
The proportion of individual subjects reporting a worsening of tics
as an adverse effect was no higher in those treated with MPH (20%)
than those being administered CLON alone (26%) or placebo (22%).
Neurology. 2002 Feb 26;58(4):527-36.
Atomoxetin
Atomoxetine treatment in children and
adolescents with ADHD and comorbid tic
disorders.
Allen AJ, Kurlan RM, Gilbert DL, Coffey BJ et al,
Lilly Research Laboratories, Indianapolis, IN 46285, USA.
CONCLUSIONS: Atomoxetine did not exacerbate tic symptoms.
Rather, there was some evidence of reduction in tic severity with a
significant reduction of attention deficit/hyperactivity disorder
symptoms.
Atomoxetine treatment appeared safe and well tolerated.
Neurology. 2005, 65(12):1941-9
Atomoxetine treatment of ADHD in children
with comorbid Tourette syndrome.
OBJECTIVE: This study examines changes in severity of tics and
ADHD
Patients with ADHD and TS were randomly assigned to
double-blind treatment with placebo (n = 56) or atomoxetine
(0.5-1.5 mg/kg/day, n = 61) for approximately 18 weeks.
RESULTS: Atomoxetine subjects showed significantly greater
improvement on ADHD symptom measures.
Treatment was also associated with
significantly greater reduction of tic severity on two of three
measures.
CONCLUSION: Atomoxetine is efficacious for treatment of ADHD
and its use appears well tolerated in ADHD patients with comorbid TS.
Spencer TJ, Sallee FR, Gilbert DL, Dunn DW, McCracken JT, Coffey BJ, Budman CL,
Ricardi RK, Leonard HL, Allen AJ, Milton DR, Feldman PD, Kelsey DK, Geller DA,
Linder SL, Lewis DW, Winner PK, Kurlan RM, Mintz M.
J Atten Disord. 2008 Jan;11(4):470-81Epub 2007 Oct 12
Die ersten zwei Fallberichte von Aripiprazol
bei Tourette in pubmed
J Clin Psychopharmacol. 2005 Feb;25(1):94-6.
Treatment of tics in tourette syndrome with aripiprazole.
Kastrup A, Schlotter W, Plewnia C, Bartels M.
Aripiprazol
Rezeptorprofil
• Hohe Affinität für D2-, D3-, 5-HT1A, 5-HT2A-Rezeptoren
• Geringe Affinität zu Alpha1-adrenergen Rezeptoren
• Geringe Affinität zu H1-Rezeptoren
• Keine Affinität zu muskarinergen ACh-Rezeptoren
Aufgrund seines alpha1-adrenergen Rezeptorantagonismus
kann Aripiprazol die Wirkung
bestimmter antihypertensiver Wirkstoffe verstärken.
Aripiprazol
Tourette's disorder is a chronic neuropsychiatric disorder including
multiple involuntary motor and vocal tics.
We report the clinical case of a 23-yr-old girl with Tourette's disorder
and a successful treatment of this condition with aripiprazole,
a new antipsychotic drug with
dopamine-2 (D2) receptor antagonism under hyperdopaminergic conditions
and with
D2 receptor agonism under hypodopaminergic conditions.
After 3 wk treatment with 15 mg/d aripiprazole, both motor and vocal tics
had almost completely disappeared. The treatment was well tolerated
by the patient. The only reported side-effect was insomnia during the
first 3 wk of treatment. This encouraging case report should justify
long-term placebo-controlled trials to further establish the treatment
of tics with aripiprazole in this life-long disorder with
severe functional consequences.
Constant et al., Int J Neuropsychopharmacol, 2006, 9:773-774
Pharmakokinetik Aripiprazol
Aripiprazol wird gut resorbiert, wobei maximale Plasmaspiegel
innerhalb von 3 – 5 Stunden nach der Einnahme erreicht werden.
Bioverfügbarkeit: 87% nach oraler Einnahme
Die mittlere Eliminationshalbwertszeit liegt bei annähernd 75
Stunden für Aripiprazol bei extensiven Metabolisierern über
CYP2D6 und bei annähernd 146 Stunden bei „schlechten“
(=„poor“) Metabolisierern über CYP2D6.
Steady State: 14 Tage nach Beginn der Erhaltungsdosis oder
Wechsel der Dosis
Gleichzeitige Nahrungsaufnahme hat keinen Einfluss
Objective Assessments of longitudinal outcome in
Gilles de la Tourette´s Syndrome
- 56 Kinder, Alter 8-14 Jahre, 1978-1991
- 36 konnten kontaktiert werden (> 20 Jahre), davon
wurden 31 rekrutiert (28 Männer, 3 Frauen)
90% hatten noch Tics
mean composite disability score von 9,58 (Kindheit) auf 7,52)
- Motorische Tic-Symptomatik signifikant verbessert (p=0,008)
81% hatten als Kinder Medikamente bekommen,
im Erwachsenenalter waren 87% ohne Medikamente
Pappert el al., Neurology 2003
Gilles De La Tourette Syndrom
Homepage Deutschland
In Zusammenarbeit mit der Tourette Gesellschaft Deutschland e.V.
Wenn einer aus der Reihe tanzt, ist die Reihe besser zu sehen.
Das Außergewöhnliche, Andersartige und Besondere gehört
zum Leben unabdingbar und macht es erst lebbar
- erst lebendig!
www.tourette.de
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
Andrea G. Ludolph
e-mail: [email protected]
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