Verdauungsstörungen
Wenn Magen und Darm Probleme machen
Autor: Dr. med. Günter Gerhardt
07.03.2007Wussten Sie, dass der Darm auch als Bauchhirn bezeichnet wird? Und als
solches ist es auch genauso an Gefühlen und Aufregung beteiligt wie das normale
Gehirn. Erlebt haben Sie das sicher schon: Wenn Sie verliebt sind, haben Sie
"Schmetterlinge im Bauch". Bei Stress und Angst hingegen zieht sich Ihr Bauchraum
richtig zusammen. In allen Fällen bringen die Gefühle jedenfalls den Darm aus dem
Gleichgewicht...und treiben Sie auf die Toilette. Aber nicht nur die Gefühle, sondern
auch die Ernährung und zudem die vielen sitzenden Tätigkeiten haben Einfluss auf die
Tätigkeit von Magen und Darm. Schauen wir uns doch einmal im Einzelnen an, was es
so alles an Verdauungsstörungen gibt.Verstopfung: Dies ist die häufigste Störung des
Verdauungsvorgangs. Wobei, noch häufiger als die Verstopfung sind die falschen
Vorstellungen darüber. Man muss nämlich nicht täglich müssen. Vielmehr ist alles
zwischen zwei- und dreimal pro Woche und zwei- bis dreimal pro Tag normal. Die
Kennzeichen einer Verstopfung: Harter Stuhl, bei dem man richtig drücken muss, um
ihn auszuscheiden. Wer davon betroffen ist, hat auch das Gefühl, im Mastdarm würde
noch "was zurückbleiben". Die Ursachen können sein: Darmträgheit durch
Medikamente, z. B. gegen Magenübersäuerung (Antazida), Eisentabletten,
Anticholinergika bei überaktiver Blase, Bluthochdruckmittel, opioidhaltige Schmerzmittel
und viele Beruhigungsmittel. Auch mangelnde Bewegung und ballaststoffarmes Essen
kann zur Darmträgheit führen. Eine weitere häufige Ursache ist in der
Austrittsbehinderung zu sehen: Wegen Hämorrhoiden und Ausbuchtungen des
Enddarms in Richtung Vagina (dies nennt man Rectozele) kann der Darmausgang
einfach blockiert sein, dann verbleibt der Stuhl länger im Darm und wird dadurch immer
härter, denn es wird mehr und mehr Wasser aus der Masse herausgezogen. Auch dies
kann zu einer Verstopfung führen. Die Behandlung besteht fast immer aus drei
Schritten:1. Gehen Sie regelmäßig ausgiebig spazieren, auch Nordic Walking und
Schwimmen kurbeln den Darm wieder so richtig an.2. Trinken Sie viel, etwa zwei Liter
Wasser oder Kräutertee pro Tag, denn Austrocknung führt auch zu Verstopfung.3.
Essen Sie ballaststoffreich, also mehr Vollkorn und weniger Weißbrot. Dies können Sie
durch Leinsamen unterstützen. Er schafft im Darm eine richtige Schleimbildung, muss
aber vorher quellen oder zermahlen werden. Laut dem bekannten Naturheilarzt Dr. A.
Vogel ist deshalb indischer Flohsamen besser geeignet, weil er ganz eingenommen
werden kann. Zusätzlich helfen Sennesblätter, wie es schon Paracelsus
empfiehlt.Durchfall: Es wird mehrmals am Tag sehr viel und sehr wässriger Stuhl
ausgeschieden. Hier wird dem Darminhalt nicht genügend Wasser entzogen. Dies
geschieht meistens, weil er zu schnell durch den Verdauungstrakt geschleust wird.
Meistens sind Darminfekte (Bakterien) die Ursache, aber auch Nahrungsbestandteile
wie Zuckerersatzstoffe, Fruchtzucker, Magnesium oder Koffein. Kartoffelchips, die das
"fettfreie Fett" Olestra enthalten, fördern ebenfalls den Durchfall. Zur Behandlung reicht
es meist, die durchfallverursachenden Stoffe wegzulassen. Ist ein Darminfekt die
Ursache, sollten Sie das Bakterium aushungern und einfach nichts essen. Bestenfalls
könnten Sie (geriebene) Apfelschalen(aber wirklich nur Apfelschalen, der geriebene
geschälte Apfel hilft bei Verstopfung)langsam zu sich nehmen und dazu den zweiten
Aufguss von schwarzem Tee trinken. Beides stopft. Manchmal helfen auch Quellmittel,
z. B. Flohsamen(schalen)oder Leinsamen, die sonst bei Verstopfung verwendet
werden, denn sie saugen das Wasser im Darm auf.Reizdarm: Beim Reizdarm und
-magen sind die Bewegungen des gesamten Magen-Darm-Trakts gestört. Folgende
Beschwerden können auftreten: Blähungen, krampfartige Bauchschmerzen, Durchfall,
Verstopfung, Gefühl einer inkompletten Darmentleerung nach dem Stuhlgang. Die
genauen Ursachen hierfür sind bis heute nicht vollständig erforscht. Man geht jedoch
davon aus, dass Betroffene sehr empfindlich auf die Signale des Darms und des
Magens reagieren. Trotzdem gibt es dafür keine genau messbaren
Krankheitsanzeichen. Deswegen wird erst dann die Diagnose Reizmagen oder
Reizdarm gestellt, wenn keine andere Krankheit dahinterstecken kann. Die möglichen
Gründe dafür sind vielfältig. Es kann an Nahrungsmittelunverträglichkeiten und
Allergien liegen, oder an Stresssituationen, die nur ungenügend verarbeitet werden.
Menschen mit unverarbeiteten Ängsten und Depressionen haben ebenfalls häufiger
einen Reizmagen und -darm als andere. Als neueste Erklärung gilt das gestörte
Wechselspiel der Nerven im Darm mit der Darmmuskulatur. Normale Reize, wie etwa
der Füllungszustand des Magens oder des Darms, werden fälschlicherweise als
Schmerzreize übersetzt. Hier spielt das eingangs erwähnte Bauchhirn eine große Rolle,
da es offenbar durcheinander geraten ist. Zur Therapie haben sich vor allem Wirkstoffe
aus der Natur bewährt. Allen voran steht der Extrakt der Bitteren Schleifenblume (Iberis
amara), sowie Kamille, Melissenblätter, Pfefferminze, Kümmel, Schöllkraut,
Mariendistel, Angelikawurzel und Süßholzwurzel. Dies sind die klassischen neun
Magenpflanzen, die lindernd auf Entzündungen, Krämpfe und Schmerzen wirken.
Darüber hinaus gilt natürlich, die Nahrungsmittel wegzulassen, die Probleme
bereiten.Wie entstehen Blähungen?Bei Blähungen sind Magen oder Darm durch Luft
oder andere Gase aufgebläht. Diese können dann durch den Mund entweichen, der
Begriff dafür ist Aufstoßen oder Rülpsen. Oder sie werden durch den After
ausgeschieden und werden dann als Winde oder Furz bezeichnet (med. Flatus). Für
Blähungen gibt es hauptsächlich zwei Gründe. Entweder wir schlucken zuviel Luft beim
Essen, das passiert vor allem bei Angst und Aufregung. Oder die Gase entstehen im
Magen-Darm-Trakt. Vor allem nach dem Verzehr von Bohnen oder Kohl produzieren
Darmbakterien, die bei der Verdauung mithelfen, Wasserstoff, Methan und
Kohlendioxid. Auch die Unverträglichkeit von Milchzucker, Gluten sowie
Funktionsstörungen der Bauchspeicheldrüse führen dazu, dass viel Gas im Darm
entsteht. Zudem bekommt auch bei einem ganz normal funktionierenden Darm fast
jeder Blähungen, der viel Eiweiß oder Obst isst.Die Therapie ist gar nicht so leicht.
Gegen das Luftschlucken hilft es, genussvoller und langsamer zu essen. Wenn Sie
bestimmte Speisen nicht vertragen, müssen Sie diese weglassen. Hilfreich ist auch,
regelmäßig den FKKK-Tee zu trinken. Lassen Sie in der Apotheke zu gleichen Teilen
Fenchel, Kümmel, Koriander und Kardamom mischen, gießen Sie einen Teelöffel voll
mit einer Tasse heißen Wassers auf und lassen Sie den Tee 8 Minuten
ziehen.AdressenWolfgang Kruis, Anne Iburg: "Reizdarm - Endlich Ruhe im Bauch
durch richtige Ernährung", Verlag Trias 2004, 14,95 Euro.Dt. Reizdarmselbsthilfe e.V.,
Mörikeweg 2, 31303 Burgdorf, Tel: 05136 / 896106, Fax: 05136/873662, E-Mail:
Reizdarm@aol.de.