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Schluckstörungen, Sodbrennen, Übelkeit
Im Alter Funktionen des Verdauungstraktes prüfen
Berlin, Oktober 2013 – Bis zu 60 Prozent aller Altenheimbewohner leiden
unter Schluckstörungen. Auch andere Funktionen des Verdauungstraktes sind im Alter beeinträchtigt. Die Deutsche Gesellschaft für
Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) rät Ärzten daher, bei
Senioren sorgfältig zu prüfen, ob Speiseröhre, Magen und Darm richtig
funktionieren. Unbehandelt könnten Schluckstörungen und andere
Probleme beim Essen und der Verdauung zu Mangelernährung,
Untergewicht und letztlich sogar zu einem vorzeitigen Tod führen, mahnt
die Fachgesellschaft.
„Durch verschiedene Funktionsuntersuchungen sollten Ärzte gerade bei alten
Menschen konsequent nach Ursachen für Beschwerden suchen, um
Mangelernährung und somit eine Verschlechterung des Allgemeinzustands zu
verhindern“, fordert DGVS-Experte Professor Dr. med. Thomas Frieling,
Direktor der Medizinischen Klinik II am HELIOS Klinikum Krefeld. Denn wie
alle Regionen des menschlichen Körpers altert auch der Magen-Darm-Trakt:
„Vor allem das feine Netz aus Nervenzellen, die die Beweglichkeit von
Speiseröhre, Magen und Darm steuern, ist anfällig für Altersveränderungen“,
erläutert Frieling. Hinzu komme, dass viele Erkrankungen im Alter den Darm
angreifen.
Zu den häufigsten Altersbeschwerden gehören Schluckstörungen. „Neben der
eigentlichen Alterung der Speiseröhre können auch eine verminderte
Speichelbildung, schlechte Zähne oder Schleimhautentzündungen den
Schluckakt für ältere Menschen zur Qual machen“, erläutert Frieling.
Schluckstörungen treten auch bei neurologischen Erkrankungen wie Morbus
Parkinson oder infolge eines Schlaganfalls auf. Zur Gefahr werden sie, wenn
Betroffene sich verschlucken und der Speisebrei versehentlich in die Luftröhre
gelangt: Dies kann eine lebensbedrohliche Lungenentzündung verursachen.
Auch Magen und Dünndarm arbeiten oftmals nicht mehr so gut wie in jungen
Jahren. „Der Magen kann weniger Nahrung aufnehmen und die Entleerung ist
verzögert“, sagt Frieling. Ältere Menschen sind deshalb schneller satt, und sie
leiden häufig unter Sodbrennen. Dies schädigt die Schleimhaut in der
Speiseröhre. Zudem haben viele Senioren nach langjähriger Besiedlung mit
dem Magenkeim Helicobacter pylori eine chronische Schleimhautentzündung
und leiden häufig unter Übelkeit und Erbrechen.
Auch Medikamente, wie zum Beispiel Magensäureblocker, beeinträchtigen
mitunter die Verdauungsfunktionen. „Die Magensäure fördert die Verdauung
und tötet Keime ab“, erklärt der Experte. Wird die Magensäure durch
Medikamente reduziert, kann es zu einer Fehlbesiedlung des Dünndarms mit
Blähungen, Bauchkrämpfen und Durchfall kommen – was die Aufnahme von
Nährstoffen über den Darm behindert.
Für die Funktionsuntersuchung stehen den Ärzten verschiedene
diagnostische Methoden zur Verfügung. Auch bei hochbetagten Patienten
seien Magenspiegelungen, Ultraschalluntersuchungen und Atemtests
problemlos durchführbar, betont die DGVS.
Die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten
(DGVS) wurde 1913 als wissenschaftliche Fachgesellschaft zur Erforschung
der Verdauungsorgane gegründet. Heute vereint sie mehr als 5000 Ärzte und
Wissenschaftler aus der Gastroenterologie unter einem Dach. Die DGVS
fördert sehr erfolgreich wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet
Kongresse und Fortbildungen und unterstützt aktiv den wissenschaftlichen
Nachwuchs. Ein besonderes Anliegen ist der DGVS die Entwicklung von
Standards und Behandlungsleitlinien für die Diagnostik und Therapie von
Erkrankungen der Verdauungsorgane – zum Wohle des Patienten.
Literatur:
Oberer Gastrointestinaltrakt und Alter
Frieling, T., Aktuelle Ernährungsmedizin 2012; 37: 228–231, Georg Thieme
Verlag, Stuttgart