Strahlenklinik
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DIE STRAHLENBEHANDLUNG
Hinweise
für unsere Patienten
Klinik für Strahlentherapie
und Radiologische Onkokogie
St. Vincentius-Kliniken
Karlsruhe
Akademisches Lehrkrankenhaus
der Universität Freiburg
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INHALTSVERZEICHNIS
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91. Was versteht man unter
Strahlentherapie?
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92. Wann wird eine Strahlenbehandlung
durchgeführt?
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93. Wer behandelt mit Strahlen?
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94. Die Erstvorstellung
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95. Die Bestrahlungsplanung
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96. Welches Bestrahlungsgerät –
welches Bestrahlungsverfahren?
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97. Der Zeitplan
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98. Die erste Bestrahlung
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99. Sicherheitsvorkehrungen und
Qualitätssicherung
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10. Was sollen Sie während der
Strahlenbehandlung beachten?
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11. Nachuntersuchungen
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12. Wie geht es nach der
Strahlenbehandlung weiter?
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13. Erklärung von Fachbegriffen
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LIEBE PATIENTIN, LIEBER PATIENT,
diese Broschüre soll Ihnen helfen, die
Strahlenbehandlung zu verstehen. Zusätzlich
ist sie ein Wegweiser durch unsere Strahlenklinik.
Wir möchten damit oft gestellte Fragen beantworten und Ihnen einen Überblick darüber
vermitteln, was während und nach der
Strahlentherapie auf Sie zukommt. Gelegentlich werden Fachbegriffe verwendet, die wir
im letzten Kapitel erläutern. Diese sind im
Text kursiv gekennzeichnet.
Bitte sprechen Sie uns mit allen auftretenden
Fragen oder Problemen an.
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1. WAS VERSTEHT MAN UNTER
STRAHLENTHERAPIE?
Unter Strahlentherapie versteht man die
Behandlung von gutartigen oder bösartigen
Erkrankungen mit ionisierenden Strahlen.
Dabei handelt es sich um Photonenstrahlen
(elektromagnetische Strahlen) oder Elektronenstrahlen, die von Linearbeschleunigern
erzeugt werden. Diese Strahlen werden von
außen auf die erkrankte Körperregion gerichtet. Durch die Bestrahlung werden die
Tumorzellen geschädigt und abgetötet.
Typischerweise erfolgt eine Strahlentherapie
in Form einer Serienbehandlung mit zahlreichen aufeinanderfolgenden Bestrahlungssitzungen. Dabei wird in jeder einzelnen
Bestrahlungssitzung eine sehr kleine Dosis
eingestrahlt. Von dem dabei entstehenden
kleinen „Strahlenschaden“ kann sich das
gesunde Gewebe von Tag zu Tag erholen.
Tumorgewebe hat diese Erholungsfähigkeit
nicht und wird daher im Verlauf der
Bestrahlungsserie abgetötet. Die für Sie als
Patient oft sehr lange Bestrahlungsserie ist
also in vielen Fällen notwendig, um neben
einer guten Wirksamkeit der Behandlung vor
allem auch eine gute Verträglichkeit der
Strahlentherapie zu ermöglichen.
Bei einigen Tumorerkrankungen werden zur
Behandlung strahlende Substanzen wie
Iridium oder Jod in den Körper eingeführt und
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in direkten Kontakt mit dem Tumor gebracht
(Brachytherapie). Diese Behandlung erfolgt
häufig in Ergänzung zu einer äußerlichen
Strahlentherapie. Gelegentlich kann sie auch
als alleinige Behandlung durchgeführt werden. Beispielsweise bei Tumoren der Speiseröhre, des Unterleibs oder der Prostata.
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2. WANN WIRD EINE STRAHLENBEHANDLUNG DURCHGEFÜHRT?
Die Strahlentherapie ist neben Operation und
medikamentöser Behandlung (Chemo- oder
Immuntherapie) eine der drei tragenden
Säulen der Tumorbehandlung. Sie kann
sowohl alleine, in Verbindung mit einer
Operation (vielfach danach, gelegentlich auch
davor) oder zusammen mit einer medikamentösen Therapie durchgeführt werden. Bei vielen Tumorerkrankungen wird die Strahlentherapie mit der Absicht einer dauerhaften
Tumorheilung eingesetzt. Aber auch wenn
eine Heilung nicht mehr möglich ist, ist die
Strahlentherapie eine sehr wirksame Behandlung, die beispielsweise zur Linderung
von tumorbedingten Beschwerden wie
Schmerzen eingesetzt werden kann. Auf
diese Weise können Tumorabsiedlungen
(Metastasen) ebenfalls häufig durch eine
Bestrahlung erfolgreich und nachhaltig beeinflusst werden.
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3. WER BEHANDELT STRAHLEN?
Der für die Strahlenbehandlung verantwortliche Radioonkologe ist ein Arzt, der über
eine spezielle Ausbildung in der Strahlentherapie und über besondere Kenntnisse in
der Behandlung von Tumorerkrankungen verfügt. Ihn unterstützen bei seiner Arbeit folgende, ebenfalls in ihrem Gebiet speziell ausgebildete Mitarbeiter:
Der Medizinphysiker ist für die Betriebssicherheit der Geräte und den physikalischen
Teil der Bestrahlungsplanung verantwortlich.
Mit ihm zusammen arbeiten Ingenieure und
Techniker.
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Die/der MTRA (Medizinisch-technische Radiologie-Assistent/in) führt nach Angaben der
Ärzte die Strahlenbehandlung durch und hilft
bei der Bestrahlungsplanung.
Die Arzthelferin
und die Ambulanzschwester haben
zusätzlich zu ihrer
Ausbildung spezielle Erfahrungen
und Kenntnisse in
der Betreuung von
Tumorkranken.
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4. DIE ERSTVORSTELLUNG
Ihr erster Kontakt mit unserer Strahlenklinik
erfolgt über die Anmeldung. Dort können Sie
später auch Informationen erhalten, von
außerhalb telefonische Verbindung zu unseren Mitarbeitern herstellen lassen und weitere Untersuchungstermine vereinbaren.
Es erfolgen zunächst eine körperliche
Untersuchung und ein ausführliches Gespräch mit dem leitenden Arzt der
Strahlenklinik bzw. dessen unmittelbaren
Vertretern. Der Strahlentherapeut muss
zunächst entscheiden, ob die bei Ihnen vorliegende Erkrankung für eine Strahlenbehandlung geeignet ist. Zu diesem Zweck
werden zunächst alle Ihre medizinischen
Unterlagen systematisch geprüft. Fehlende
Unterlagen werden zusammengetragen, ggf.
werden ergänzende diagnostische Maßnah9
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men wie z. B. Laborbestimmungen, Compu–
tertomographie (CT) oder Kernspintomographie (MRT) veranlasst. Besteht bei Ihnen
die Notwendigkeit einer Strahlenbehandlung,
werden wir im Aufklärungsgespräch die
Zielsetzung der Behandlung, alle Einzelheiten der Bestrahlung und deren Ablauf
genau mit Ihnen besprechen und Ihnen einen
Behandlungsplan vorschlagen. Selbstverständlich werden Sie sowohl bei dieser
Untersuchung als auch später alle notwendigen Informationen über die Erkrankung und
deren Behandlung erhalten. Wenn Sie etwas
nicht verstanden haben, fragen Sie bitte
nach. Sie können auch gerne Ihre Angehörigen oder eine Vertrauensperson zu diesen Gesprächen mitbringen.
Sind Sie mit der Therapie einverstanden, wird
die Strahlenbehandlung, beginnend mit der
Bestrahlungsplanung, eingeleitet.
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5. DIE BESTRAHLUNGSPLANUNG
Bevor die erste Strahlenbehandlung erfolgt,
muss die Bestrahlungsplanung durchgeführt
werden. Diese dient dem Zweck, den
Tumorherd genau und vollständig mit der
Strahlentherapie zu erfassen und gleichzeitig
umliegende gesunde Gewebe optimal vor der
Strahlenbehandlung zu schützen. Dieses Ziel
wird mit modernen Bestrahlungstechniken
erreicht. In der Regel wird die Strahlentherapie dreidimensional auf der Basis eines
Computertomogramms (CT), gelegentlich
auch eines zusätzlichen Kernspintomogramms (MRT) mit einer speziellen Software,
berechnet (3D-Plan). In einigen Fällen wird
die Behandlung als intensitätsmodulierte
Bestrahlung (IMRT) berechnet.
Die Bestrahlungsplanung wird gemeinsam
durch Radioonkologen, Medizinphysiker und
Medizinisch-technische Radiologie-Assistenten/innen durchgeführt. Sie nimmt in der
Regel mehrere Tage in Anspruch. Bitte haben
Sie für diese Vorbereitungszeit Verständnis,
sie dient Ihrer optimalen und möglichst schonenden Strahlenbehandlung.
Die Bestrahlungsplanung verläuft in der
Regel in folgenden Schritten:
a) CT-Planung: Zur dreidimensionalen Bestrahlungsplanung (3D-Planung) oder
IMRT-Planung
erfolgt
zuerst
eine
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Computertomographie der zu behandelnden Körperregion in der Bestrahlungsposition. Um eine exakte Lagerung sicherzustellen, wird zuvor in vielen Fällen eine
spezielle Lagerungshilfe, z. B. eine individuelle Kopf- oder Halsmaske, angefertigt.
Die CT-Bilder werden dann in den
Bestrahlungsplanungs-Computer übermittelt. Der Strahlentherapeut zeichnet in
jedem einzelnen CT-Bild das zu bestrahlende Volumen sowie die zu schonenden
Organe (Risikoorgane) ein. Mit Hilfe der
Planungssoftware wird ein dreidimensionaler Bestrahlungsplan berechnet. Dieser
legt individuell für jeden einzelnen
Patienten die optimalen Bestrahlungsfelder
und -winkel sowie die individuelle Feldformung fest.
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b) Die Lokalisation und Simulation: Hierzu
werden Sie auf einem speziell entwickelten
Röntgengerät (Simulator) in Bestrahlungsposition gelagert. Mit diesem Gerät lassen
sich alle Einstellungen des Bestrahlungsgerätes nachahmen (simulieren). Das in
der dreidimensionalen Bestrahlungsplanung festgelegte Zielgebiet der
Strahlentherapie wird bei der Simulation
exakt lokalisiert. Die Bestrahlungsfelder
werden dokumentiert (Simulationsbilder)
und anschließend vom verantwortlichen
Arzt auf ihre korrekte Lage überprüft.
Bei der Simulation werden einzelne
Bestrahlungsfelder und Markierungen auf
der Haut eingezeichnet (markiert). Eine
exakte Bestrahlung ist nur möglich, wenn
Ihre Lagerung bei der Simulation und am
Bestrahlungsgerät identisch ist. Das
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Anbringen von Markierungen ist daher
unerlässlich. Sie müssen während der
gesamten Bestrahlungsdauer erhalten
bleiben und werden von dem/der
Assistent/in, falls nötig, erneuert. Wichtig:
Die Einzeichnungen auf der Haut können
auf die Bekleidung abfärben.
Gelegentlich wird die Abfolge von
Bestrahlungsplanungs-CT und Simulation
umgedreht. Dies ist in die Entscheidung
des behandelnden Arztes gestellt und trägt
der individuellen Tumorerkrankung Rechnung.
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6. WELCHES BESTRAHLUNGSGERÄT –
WELCHES BESTRAHLUNGSVERFAHREN?
In unserer Klinik stehen alle modernen technischen Verfahren der Strahlentherapie einschließlich bestimmter Spezialverfahren wie der
intensitätsmodulierten Strahlentherapie (IMRT)
oder der Brachytherapie des Prostatakarzinoms
zur Verfügung. Wir verwenden unterschiedliche
Bestrahlungsgeräte. Sie unterscheiden sich
dadurch, dass die Strahlung von außen durch
die Haut eindringt (perkutane Bestrahlung am
Linearbeschleuniger) oder dass die Strahlenquelle in den Körper eingeführt wird (Brachytherapie mit dem Afterloadinggerät). Da
Tumoren oberflächlich unter der Haut oder tief
im Körper liegen können, verwenden wir unterschiedliche Strahlenarten, um jeden Tumor optimal zu erreichen. Die Wirkung dieser verschiedenen Strahlen am Krankheitsherd ist jedoch
gleichartig. Wir unterscheiden im Wesentlichen
folgende Bestrahlungsarten:
Linearbeschleuniger:
Er liefert zwei Arten von Strahlung:
a) Photonenstrahlung: Ultraharte Röntgenstrahlung für tief liegende Tumoren z. B. im
Brustkorb und im Bauchraum.
b) Elektronenstrahlung: Zur speziellen Behandlung von Krankheitsherden, die in der
Haut oder wenige Zentimeter darunter liegen. Da Elektronen im Gewebe sehr stark
„gebremst“ werden, dringen sie nicht tief ein,
so dass tiefer liegende gesunde Gewebe
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und Organe hervorragend vor einer Strahlenbelastung geschützt werden können.
Afterloadinggerät (Brachytherapie):
Bei bestimmten Tumorerkrankungen werden
vom Arzt zunächst Applikatoren, z. B.
Schläuche oder Nadeln, in Körperöffnungen
gelegt (intrakavitäre Therapie) oder direkt in
den Tumor eingebracht (interstitielle
Therapie). Erst nach Röntgenkontrolle der
Applikatoren und genauer Berechnung der
Strahlenverteilung wird eine kleine Strahlenquelle ferngesteuert aus dem Afterloadinggerät eingefahren. Die Strahlung wird
dadurch in direkten Kontakt zum Tumor
gebracht und dort auf kleinem Raum konzentriert. Der Eingriff dauert meist nur 20 bis 30
Minuten. Die Therapie eignet sich – häufig in
Verbindung mit der perkutanen Bestrahlung –
sehr gut für Tumoren des Unterleibs, der
Mundhöhle, der Speiseröhre oder der
Luftwege. Die Angst einiger Patienten vor solchen Behandlungen ist unbegründet: Manche
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Eingriffe sind völlig schmerzlos und ambulant
möglich, andere könnten Schmerzen verursachen und werden deshalb in einer kurzen
Narkose und stationär durchgeführt.
Als Spezialverfahren zur Behandlung von
Prostatakarzinomen stehen in unserer Klinik
die Seed-Behandlung (LDR-Brachytherapie)
und die HDR-Brachytherapie zur Verfügung.
Diese Behandlung wird in Zusammenarbeit
mit einem kooperierenden Urologen durchgeführt. Die Wahl des Behandlungsverfahrens
richtet sich nach den Charakteristika der
Tumorerkrankung.
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7. DER ZEITPLAN
Wir stellen vor Beginn einer Strahlenbehandlung stets einen Terminplan auf. Sie erfahren,
wie viele Tage oder Wochen Sie voraussichtlich bestrahlt werden. Sie müssen allerdings
bedenken, dass Zahl und Art der Bestrahlungen während der Behandlung bisweilen geändert werden müssen. Wir richten uns
nach Ihrem Befinden, eventuellen Nebenwirkungen und dem Ansprechen des Tumors
auf die Strahlenbehandlung.
8. DIE ERSTE BESTRAHLUNG
Vor der ersten Strahlenbehandlung werden wir
Ihnen alle Einzelheiten erklären. Die Bestrahlung selbst ist schmerzlos und dauert je
nach Bestrahlungstechnik und Lage des
Krankheitsherdes mehrere Sekunden oder Minuten. Die meisten Bestrahlungen werden im
Liegen auf einem speziellen Tisch durchgeführt.
Im Behandlungsraum dauert die Vorbereitung
zur Bestrahlung meist wesentlich länger als
die Strahlenbehandlung selber: Sie müssen
richtig auf dem Bestrahlungstisch gelagert
werden, eventuell ist es notwendig, Hilfsmittel
wie Kopf- und Armstützen anzubringen. Das
Bestrahlungsgerät wird auf den vorher
bestimmten Winkel sowie die berechnete
Feldgröße eingestellt. Die individuellen
Feldanpassungen werden mit Lamellenkollimatoren durchgeführt. Meist wird die
Bestrahlung aus mehreren Richtungen vorge18
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nommen. Die Einstellung der weiteren Felder
erfolgt entweder per Hand im Bestrahlungsraum oder ferngesteuert vom Schaltraum
aus. Bei beiden Techniken sind die vorher
berechneten individuellen Feldanpassungen
gewährleistet.
Bei der Bestrahlung muss das Personal den
Raum aus Strahlenschutzgründen verlassen.
Wir stehen jedoch mit Ihnen in ständiger
Sicht- und Sprechverbindung; Sie können
sich in normaler Lautstärke während der
Bestrahlung mit uns verständigen. Sie sollten
dies aber nur in dringenden Fällen tun. Es ist
nämlich außerordentlich wichtig, dass Sie
während der Bestrahlung ruhig liegen. Nur so
bleibt der Krankheitsherd voll im Bestrahlungsbereich.
Während der Bestrahlungsserie finden regelmäßig – in der Regel einmal pro Woche –
Gespräche mit Ihrem Arzt am Bestrahlungsgerät statt. Sollten Sie zwischendurch mit einem Arzt sprechen wollen, wenden Sie sich bitte an die Technische
Assistentin an Ihrem Bestrahlungsgerät.
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9. SICHERHEITSVORKEHRUNGEN UND
QUALITÄTSSICHERUNG
Für den Erfolg der Strahlentherapie ist es
wesentlich, dass Sie bei jeder Bestrahlung
genau die vorgeschriebene Strahlenmenge
erhalten. Um dieses zu gewährleisten, gelten
für alle Bestrahlungsgeräte strenge gesetzliche Regelungen zur Qualitätssicherung. Die
verabreichte Strahlenmenge wird mit zwei voneinander unabhängigen Messeinrichtungen
gleichzeitig erfasst und genau dokumentiert.
Die Therapiegeräte werden im laufenden
Betrieb außerdem durch eine Vielzahl sicherheitstechnischer Steuerungen kontrolliert.
Speziell ausgebildete Ingenieure und
Techniker überprüfen die Geräte täglich und
warten sie in vorgeschriebenen Abständen.
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Im Laufe der Bestrahlung werden regelmäßig
Kontrollaufnahmen der Bestrahlungsfelder
durchgeführt. Diese Feldkontrollaufnahmen
werden mit den Simulationsbildern verglichen, um die korrekte Einstellung der
Bestrahlungsfelder zu gewährleisten.
Regelmäßig erfolgt eine Überprüfung unserer
Bestrahlungsgeräte durch externe Sachverständige (TÜV). Darüber hinaus erfolgt
eine regelmäßige Zertifizierung bzw. Überprüfung der Abteilung durch externe
Gutachter, beispielsweise im Rahmen des
Brustzentrums oder durch die staatlichen
Aufsichtsbehörden.
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10. WAS SOLLEN SIE WÄHREND DER
STRAHLENBEHANDLUNG BEACHTEN?
Wie bei der Operation und Chemotherapie
können auch bei der Bestrahlung bestimmte
Nebenwirkungen auftreten. Voraussetzung für
eine Tumorheilung ist natürlich die strahlenbedingte Vernichtung des Tumorgewebes. Da
dessen Zerfallsprodukte vom Körper verarbeitet werden müssen, können sich vorübergehend das Allgemeinbefinden und der Appetit
verschlechtern. Auch eine Gewichtsabnahme
ist möglich. Ebenso kann gesundes mitbestrahltes Gewebe (z. B. Haut oder Darm) mit
Reizerscheinungen reagieren.
Bei auftretenden Beschwerden oder Unklarheiten sollten Sie stets bei Ihrem Strahlentherapeuten nachfragen.
Die Nebenwirkungen selbst hängen entscheidend vom bestrahlten Körperbereich ab. Wir
geben Ihnen deshalb vor Bestrahlungsbeginn
im Rahmen des Aufklärungsgespräches
gezielte Informationen über eventuelle
Nebenwirkungen und Hinweise für deren
Behandlung. Es ist wichtig, dass Sie sich während und nach der Strahlenbehandlung ausgewogen ernähren und sich genügend Ruhe
gönnen.
Das sollte aber nicht Inaktivität bedeuten:
Leichte körperliche Bewegung wie Spazieren22
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gehen, Nordic-Walking oder Fahrradfahren
wirken oft günstig. Vermeiden Sie jedoch Überlastung. Falls Sie hierzu Fragen haben, wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt am
Bestrahlungsgerät.
Wir bitten Sie, die Hautmarkierungen nicht zu
entfernen, da diese zu einer genau reproduzierbaren Einstellung notwendig sind. Die
Bestrahlungsregionen dürfen nur nach
Rücksprache mit dem Strahlentherapeuten
gewaschen und ausschließlich mit den von
ihm empfohlenen Pudern, Cremes, Salben
und Lösungen behandelt werden. Schützen
Sie die Felder vor Verletzungen durch Reiben,
Druck oder Reizungen. Vermeiden Sie in den
Bestrahlungsfeldern Hitzeeinwirkungen, z. B.
durch Wärmflaschen, Rotlicht, Heizlampen
und Sonnenbestrahlung oder Kälteanwendung, z. B. durch Eispackungen.
Vor allem bei Bestrahlungen im Kopf-, Halsund Lungenbereich verstärken Rauchen und
Alkohol die Nebenwirkungen, weswegen beides dringend unterlassen werden sollte.
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11. NACHUNTERSUCHUNGEN
Nach der Tumorbehandlung sind regelmäßige
Nachsorgeuntersuchungen erforderlich. Diese
erfolgen im Allgemeinen in den ersten 2 Jahren
alle 3 Monate, im 3. bis 5. Jahr alle 6 Monate
und später einmal pro Jahr. Die Nachsorgeuntersuchungen werden in Zusammenarbeit mit
Ihren behandelnden Ärzten (Hausarzt, Facharzt, Strahlentherapeut) durchgeführt. Die
Häufigkeit Ihrer Kontrolltermine in der Strahlenklinik richtet sich nach der Art der Erkrankung,
den möglicherweise bei Ihnen aufgetretenen
Nebenwirkungen und nach Betreuungsmöglichkeiten durch andere Kollegen.
Nachsorgeuntersuchungen sollen Auskunft
über den Erfolg der Behandlung sowie deren
Verträglichkeit geben. Sollte ein eventueller
Rückfall der Erkrankung auftreten, kann dieser bei Nachsorgeuntersuchungen frühzeitig
erkannt und dann wirksam behandelt werden.
Beim Auftreten neuer Beschwerden sollten Sie –
auch außerhalb der vereinbarten Termine –
neben Ihrem behandelnden Arzt den Strahlentherapeuten aufsuchen. Bedenken Sie, dass
viele Nebenerkrankungen Symptome verursachen, die Sie fälschlicherweise mit Ihrer früheren
Tumorerkrankung oder der Strahlenbehandlung
in Verbindung bringen können. Solche Missverständnisse lassen sich im gemeinsamen
Gespräch mit Ihrem Strahlentherapeuten und
den anderen betreuenden Ärzten ausräumen.
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12. WIE GEHT ES NACH DER STRAHLENBEHANDLUNG WEITER?
Während und nach einer Tumorbehandlung
können vielerlei Probleme persönlicher, familiärer oder beruflicher Art auftreten. Oft scheinen diese Probleme belastender als die
Tumorbehandlung selbst.
Um Ihrer individuellen Situation gerecht zu
werden, sollten Sie von der Sozialberatung in
unserem Hause Gebrauch machen. Hier
erhalten Sie Informationen über die
Zuständigkeit von Ämtern für soziale
Leistungen (Versorgungsamt, Versicherungen, Krankenkasse und Sozialamt) sowie
Hilfestellung bei der Beantragung von
Rehabilitationsmaßnahmen, sofern diese
ärztlicherseits empfohlen werden.
Die Ärzte unserer Klinik, Krankenhausseelsorger, Sozialarbeiter und Selbsthilfegruppen helfen Ihnen gerne bei der
Bewältigung Ihrer persönlichen Probleme. Auf
Wunsch vermitteln wir Ihnen gerne weitere
Beratungsadressen oder Gesprächstermine.
Menschen, die tagtäglich mit der Behandlung
und Betreuung von Tumorkranken befasst
sind oder Patienten, die selber eine solche
Krankheit überwunden haben, werden Ihre
Fragen am besten beantworten können.
Gemeinsam möchten wir Ihnen bei der Überwindung Ihrer Erkrankung zur Seite stehen.
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Vakat oder Bild?
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13. ERKLÄRUNG VON FACHBEGRIFFEN
Afterloadinggerät
Gerät, das die Strahlenquelle
ferngesteuert in einen Applikator einfährt. Wird in der
Brachytherapie verwendet
(Nachladegerät).
Bestrahlungsplanung
Festlegung des Körperbereiches, der mit der Strahlentherapie erfasst werden soll,
Festlegung der für diesen
Zweck optimalen Bestrahlungstechnik.
Brachytherapie
Bestrahlung mit einer nahe
am oder im Tumor liegenden
Strahlenquelle. Man unterscheidet intrakavitäre und
interstitielle Therapie (siehe
dort).
Chemotherapie
Medikamentöse Behandlung
von Krebserkrankungen mit
speziellen Medikamenten.
Computertomographie
(CT)
Computergestützte Röntgenuntersuchung, bei der Querschnittsbilder des Körpers
erstellt werden.
Elektronenstrahlung
Elektrisch geladene Teilchen
hoher Energie.
HDR-Brachytherapie der
Prostata
Spezialverfahren, das in
Ergänzung zu einer perkutanen Strahlenbehandlung der
Prostata eingesetzt wird.
Hierbei wird eine Bestrahlungsquelle im Rahmen einer
kurzen Narkose für kurze Zeit
in die Prostata eingeführt und
danach wieder entfernt.
Intensitätsmodulierte
Strahlentherapie (IMRT)
Spezialverfahren, das eine
besonders individuelle Dosisverteilung im Gewebe zulässt.
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Häufiger Einsatz:
Strahlenbehandlung von
Tumoren der Rachen- und
Halsregion.
Interstitielle
Brachytherapie
Eine oder mehrere
Strahlenquellen werden
durch einen operativen
Eingriff direkt in den Tumor
eingebracht.
Intrakavitäre
Brachytherapie
Eine oder mehrere
Strahlenquellen werden
mit einem Applikator in
einer Körperhöhle
(z. B. Scheide, Speiseröhre) an den Tumor
gebracht.
Ionisierende Strahlung
Sammelbegriff für energiereiche Strahlung wie
Photonen- und Elektronenstrahlung.
Kernspintomographie
(MRT)
Computergestütztes
Verfahren, das mit Hilfe
magnetischer Felder
Bilder des Körpers
erzeugt.
Lamellenkollimator
Strahlenblende aus vielen
schmalen verschieblichen
Metallblöcken (Lamellen)
zur Erzeugung individuell
geformter Strahlenfelder,
auch Multileaf-Collimator
(MLC) genannt.
LDR-Brachytherapie
Siehe Seed-Behandlung.
Linearbeschleuniger
(LINAC)
Bestrahlungsgerät,
mit dem Photonen- und
Elektronenstrahlen erzeugt
werden.
Metastase
Absiedlung eines Tumors
an einer anderen Stelle
des Körpers.
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Nuklearmedizinische
Diagnostik
Darstellung und Funktionsprüfung von Organen mit in
den Körper eingebrachten
strahlenden Substanzen.
Onkologie
Lehre von den tumorbedingten Krankheiten.
Perkutane Bestrahlung
Bestrahlung des Tumors mit
einer Strahlenquelle von
außen durch die Haut.
Photonenbestrahlung
Elektromagnetische Strahlung
z. B. Röntgenbestrahlung aus
Linearbeschleunigern oder
Gammastrahlung aus strahlenden Substanzen wie
Iridium.
Radioonkologe
Arzt für Strahlentherapie.
Seed-Behandlung
Spezialverfahren für die
Therapie von Prostatakarzinomen im frühen
Erkrankungsstadium. Hierbei
werden kleine Strahlenquellen
dauerhaft in die Prostata eingeführt und führen so zur
Zerstörung der Krebszellen.
Therapiesimulator
(Simulator)
Röntgengerät, mit dem Größe
und Lage der Bestrahlungsfelder am Patienten eingestellt
(simuliert) und dokumentiert
werden können.
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Herausgeber:
Klinik für Strahlentherapie und
Radiologische Onkologie
St. Vincentius-Kliniken
Steinhäuserstraße 18, 76135 Karlsruhe
Textgestaltung:
1. Auflage 1982 (K. Reisner, W. Haase,
Ch. Hillmer, S. Schmid, K. Spesshardt)
2. überarbeitete Auflage 2000
(W. Haase, K. Reisner, S. Schmid,
G. Gauß, U. Giesche, J. Zibat, H. Jahn,
G. Keller, A. Weischede)
3. überarbeitete Auflage 2002
(W. Haase, K. Reisner, S. Schmid,
G. Gauß, U. Giesche, J. Zibat, H. Jahn,
G. Keller, A. Weischede)
4. überarbeitete Auflage 2008
(J. Claßen, G. Gauß, U. Giesche,
J. Zibat, S. Tremmel)
Fotos:
M. Leidert
Gesamterstellung: Badenia Verlag und Druckerei GmbH
Karlsruhe
Copyright 2008 by St. Vincentius-Kliniken gAG
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Medizinisches Versorgungszentrum
St. Vincentius-Kliniken Karlsruhe gAG
Priv.-Doz. Dr. med. Johannes Claßen
Facharzt für Strahlentherapie
Steinhäuserstr. 18
76135 Karlsruhe
Tel. 0721/8108-5100
Sie erreichen uns mit folgenden öffentlichen
Verkehrsmitteln:
Bus 55: Haltestelle Steinhäuserstraße
TRAM 1: Haltestelle Europahalle / 150 Meter entfernt
TRAM 2: Haltestelle ZKM / ca. 500 Meter entfernt
Parkplätze für Taxi und Selbstfahrer zur ambulanten
Strahlentherapie stehen direkt an der Klinik kostenlos
zur Verfügung
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die strahlenbehandlung - St. Vincentius