Berufskrankheiten-Verordnung
Merkblätter zu Berufskrankheiten
Bek. des BMGS vom 1. September 2003 – 414-45222-3102
Bundesarbeitsblatt 10/2003, S. 26ff.
Der Ärztliche Sachverständigenbeirat dem Bundesministerium für Gesundheit und Soziale
Sicherung, Sektion „Berufskrankheiten“, hat die nachstehende Neufassung des Merkblatts
zur Berufskrankheit Nr. 3102 der Anlage zur Berufskrankheiten-Verordnung verabschiedet,
die hiermit bekanntgemacht wird.
Merkblatt
zu der Berufskrankheit Nr. 3102 der Anlage
zur Berufskrankheiten-Verordnung (BKV):
„Von Tieren auf Menschen übertragbare Krankheiten“
I. Vorkommen und Gefahrenquellen
Unter der BK-Nr. 3102 werden diejenigen Infektionen und deren Krankheitsbilder erfasst, die
von Tieren auf Menschen übertragen werden. Nach Angaben der WHO sind über 200
Krankheiten, die als Zoonosen bezeichnet werden, bekannt. Von dieser Vielzahl an Zoonosen können einige auch in Deutschland vorkommen. Ein Infektionsrisiko kann insbesondere
bei den Personen vorliegen, die beruflich mit Tierhaltung und -pflege beschäftigt sind oder
sonstigen beruflichen Umgang mit Tieren, tierischen Erzeugnissen oder Ausscheidungen
haben. Eingeschlossen ist der Umgang mit Gegenständen, die mit infizierten Tieren sowie
mit deren Teilen oder Ausscheidungen in Kontakt gekommen sind. Ein berufsgruppentypisches Infektionsrisiko für Zoonosen kann demnach vorkommen: bei landwirtschaftlichem und
veterinärmedizinischem Personal, Schlachthofpersonal, Beschäftigten in Tierlabors, in der
Jagd- und Forstwirtschaft, in Tierkörperverwertungsanstalten, zoologischen Gärten, Wildgehegen und Zoohandlungen sowie bei Personen, die beruflichen Umgang mit Fleisch, Fisch,
Milch, Eiern, Häuten, Fellen, Pelzen, Tierborsten, -haaren, Federn und Knochen haben; ferner auch bei Personen mit Kontakt zu infektiösem Material in der Abwasserbeseitigung. Die
meisten Zoonosen kommen in anderen Ländern vor und sind ggf. nach Auslandsaufenthalt
von Geschäftsreisenden, Entwicklungshelfern, Monteuren, Reiseleitern etc. mit in Betracht
zu ziehen.
II. Ätiopathogenese
Zoonosen werden hervorgerufen durch Bakterien (incl. Chlamydien und Rickettsien), Viren,
Pilze, Parasiten (Protozoen, Helminthen oder Arthropoden); diskutiert wird gegenwärtig, ob
2
sie auch durch Prionen (Abkürzung von engl. Proteinaceous infectious particles - infektiöses
Protein) verursacht werden können. Nach Umgang mit infizierten Tieren, tierischem Material
o. ä. können Krankheitserreger über die Haut oder Schleimhäute in den menschlichen Körper eindringen; dies ist auch möglich durch Einatmen von mit Krankheitserregern verunreinigter Luft oder über den Verdauungsweg z. B. über kontaminierte Hände (Schmutz- oder
Schmierinfektion). Als Erregerreservoir kommen vor allem Säugetiere - Pferd, Rind, Schaf,
Ziege, Schwein, Hund, Katze, Fledermaus, Hamster, Maus, Ratte, Igel - und Vögel sowie Fische in Betracht. Auch latent infizierte Tiere können als Reservoir zur Erhaltung von Erregern beitragen. Die Weitergabe der Krankheitserreger ist häufig an Arthropoden (Insekten,
Zecken oder Spinnentiere) und Nager gebunden. Insbesondere Nagetiere, Fliegen, Schaben
oder Pharaoameisen können krankheitsauslösende Keime auf mechanischem Wege auf
empfängliche Wirte (Mensch oder Tier) sowie Medien übertragen. Bekannt als Vektoren
(Verschlepper von Krankheits- oder Lebensmittelverderbniserregern) und Reservoir (Zwischenwirte von Parasiten) sind Schild- und Lederzecken, Fliegen, Stechfliegen, Schaben,
Bremsen, Flöhe, Läuse, Ratten und Mäuse. Neben lebenden Vektoren gibt es auch unbelebte wie Wasser, Staub, Luft, tierische Abfälle, Pflegegegenstände usw.
Nach einer für jede Infektion typischen Inkubationszeit, in der die Vermehrung der Erreger
erfolgt, beginnen im Allgemeinen (plötzlich) die Krankheitssymptome. Dabei variiert die Inkubationszeit in Abhängigkeit von Anzahl und Übertragungsweg der Erreger und der individuellen Disposition der infizierten Person.
III. Krankheitsbilder und Diagnosen
Bezüglich der Krankheitsbilder und ihrer Diagnosen wird auf die einschlägigen Lehrbücher
verwiesen. Geordnet nach Erregergruppen können in Deutschland hauptsächlich folgende
Krankheiten vorkommen:
1. Hervorgerufen durch Bakterien (incl. Chlamydien und Rickettsien)
- Brucellosen [3]*
- Campylobacter-Infektionen [4]
- Chlamydiosen [5]
- Enterohämorrhagische Escherichia coli-Infektionen [7]
- Katzenkratzkrankheit [11]
- Leptospirosen [13]
*
in [ ] ist die Nummer vermerkt, unter der Angaben zur betreffenden Krankheit im Anhang zu
finden sind
3
- Listeriose [14]
- Lyme-Borreliose [15]
- Milzbrand [20]
- Pasteurellosen [22]
- Q- Fieber [24]
- Rattenbisskrankheit (auch Sodoku genannt) [25]
- Rotlauf (Erysipeloid) [26]
- Salmonellosen [27]
- Streptococcus equi-Infektion [29]
- Streptococcus suis-Infektion [30]
- Tuberkulose [35]
- Tularämie [36]
- (Enterale) Yersiniosen [37]
2. Hervorgerufen durch Viren
- Bläschenkrankheit des Schweins [2]
- Frühsommermeningoenzephalitis (FSME) [8]
- Hantavirus-Erkrankungen (HPS - Hantavirus Pulmonary Syndrome und NE Nephropathia epidemica) [10]
- Lymphozytäre Choriomeningitis [16]
- Maul- und Klauenseuche [17]
- Melkerknoten [18]
- Newcastle-Krankheit (atypische Geflügelpest) [21]
- Tierpocken [31]
- Tollwut (Lyssa, Rabies) [32]
3. Hervorgerufen durch Pilze
- Mikrosporie [19]
- Sporotrichose [28]
- Trichophytie [34]
4. Hervorgerufen durch Parasiten (Protozoen und Würmer)
4.1. Protozoen
- Balantidiose [1]
- Giardiasis [9]
- Kryptosporidiose [12]
- Pneumozystose [23]
- Toxoplasmose [33]
4
4.2. Würmer
- Echinokokkose [6]
5. Hervorgerufen durch andere Krankheitserreger
Zum Beispiel Milben als Krankheitserreger der Krätze, Räude u.a. können beim Umgang
mit Eiern, tierischem Material o.ä. übertragen werden.
Zur Veranschaulichung der Bedeutung des berufskrankheitsrelevanten zeitlichen Zusammenhangs sind Inkubationszeit, Reservoir, Infektionsweg und typische Krankheitsbilder in
alphabetischer Reihenfolge im Anhang dargestellt.
Die Anamnese und klinischen Symptome erlauben in den meisten Fällen nur eine Verdachtsdiagnose. Die Absicherung der Diagnose sowie deren Ätiologie erfolgt durch einen direkten Erregernachweis und/oder Antikörpernachweis (am Besten zwei Untersuchungen im
Abstand von 10 bis 14 Tagen zur Kontrolle der Titerdynamik; eine einmalige serologische
Untersuchung erlaubt vielfach keine zuverlässige diagnostische Aussage). Bei Viren mit vorhandenen Subtypen besteht die Möglichkeit, über die genomischen Analysen der (über Zellkultur) nachgewiesenen Viren die Infektionsquelle sicher zu identifizieren oder auszuschließen. Dies ist auch bei einigen Bakterien-Spezies, wie z.B. Campylobacter ssp., Salmonella
ssp. mittels Lysotypie, Plasmidfingerprinting oder Restriktionsenzymanalysen möglich. Als
gesicherte Infektionsquelle kann im Einzelfall auch ein nachgewiesenes (Erreger- und/oder
Antikörpernachweis) oder endemisches Vorkommen der Infektionserreger beim Tier gelten.
IV. Weitere Hinweise
Für den begründeten Verdacht auf das Vorliegen einer Berufskrankheit ist das Vorkommen
des jeweiligen Erregers am Arbeitsplatz ebenso eine Voraussetzung wie eine zeitliche Verbindung zur Exposition. Die Erkrankung muss sich innerhalb einer Zeit entwickeln, die im
Rahmen der Inkubationszeit liegt.
Bei inapparent verlaufenden Erkrankungen sollte die Entwicklung des betreffenden Stadiums
und der eventuelle Folgezustand der Infektionserkrankung bedacht werden; auch Übertragungsweg und Infektiosität des Erregers sind mit zu berücksichtigen. Komplikationen und
Dauerschäden können besonders bei Brucellose, enterohämorrhagischen E. coli-Infektionen,
FSME, Leptospirose, Lyme-Borreliose, Q-Fieber,Tuberkulose und enteralen Yersiniosen
auftreten.
5
Sofern Krankheiten nicht vom Tier auf den Menschen sondern von Mensch zu Mensch übertragen worden sind, trifft gegebenenfalls die BK Nr. 3101 zu.
Bezüglich der Schädigung einer Leibesfrucht infolge beruflich bedingter Infektion der
Schwangeren an einer Zoonose (z. B. bei Chlamydiose, Leptospirose, Listeriose, Lyme-Borreliose, Toxoplasmose) während der jeweiligen Schwangerschaft ist eine Entschädigung des
Kindes nach §12 SGB VII in Betracht zu ziehen.
Für die in Deutschland bei Pferden beobachtete, durch Bornaviren hervorgerufene Enzephalomyelitis ist der Zoonose-Status noch nicht zuverlässig geklärt. Die Identität der vom
Pferd und vom Menschen isolierten Viren gilt bislang als nicht bewiesen.
Bisher konnten keine Humanen Spongiformen Enzephalopathien durch Übertragung von
BSE (bovine spongiform encephalopathy)-Erregern als Erkrankung mit den Merkmalen einer
Berufskrankheit festgestellt werden. Dies gilt auch für verwandte TSE (transmissible spongiform encephalopathy)-Erreger wie das Scrapie-Agens, welches nur Schafe und Ziegen
befällt. Verdachtsfälle sollten trotzdem gemeldet werden.
V. Literatur
Krauss, H, A Weber, B Enders, H G Schiefer, W Slenzka, H Zahner: Zoonosen.Von Tier zu
Mensch übertragbare Infektionskrankheiten.3. Aufl - Köln: Dt. Ärzte-Verl. 2003 (im Druck)
Meslin F X: Global aspects of emerging and potential zoonoses: A WHO perspective. Emerg
Infect Dis 3 (1997) 223-8
Neff J M: Introduction to Poxviridae [Chapter 120], Vaccinia Virus (Cowpox) [Chapter121] –
In: Mandell, Douglas, and Bennett´s principles and practice of infections diseases/ hrsg von
Gerald L Mandell, John E Bennett, Raphael Dolin.- 5.Aufl., Philadelphia, Pennsylvania,
Churchill Livingstone 1552-3 (2000)
Palmer S R, L Soulsby, D I H Simpson: Zoonoses. Biology, Clinical Practice and Public
Health Control Oxford, Oxford University Press 1998
Weinberg A N: Zoonoses [Chapter 314] – In: Mandell, Douglas, and Bennett´s principles and
practice of infections diseases/ hrsg von Gerald L Mandell, John E Bennett, Raphael Dolin.5.Aufl., Philadelphia, Pennsylvania, Churchill Livingstone 2000, 3239-45
6
Anhang: Kurzcharakteristik der wichtigsten von Tieren auf Menschen übertragbaren Krankheiten
Lfd. Nr.
1
2
Krankheit
Inkubations-
Reservoir (hauptsächliche
Infektionswege
Krankheitsbild
Erreger
zeit
sind unterstrichen)
(Balantidienruhr)
Stunden bis
Schwein, Kaninchen, Ratte
Oral (Schmierinfektion),
Ulzeröse Colitis mit Ten-
Balantidium coli
Tage
(Dickdarmkommensale), selten Fliegen als mechanische
Balantidiose
nesmen und schleimig-blu-
Affe, Rind, Schaf
Überträger
tigen Stühlen
Schwein
Enger Kontakt zu infizierten
Bläschen an Kontaktstellen,
Schweinen; Bremsen
Aphthen, klinisch in-appa-
Bläschenkrankheit des
Schweines (SVD)
2 bis 9 Tage
SVD-Virus (Rhabdovirus)
rente Infektion
3
Brucellosen
Rind
Schmierinfektion (Sekret,
Granulome in Leber, Milz,
Schaf, Ziege, Rind
Lochien), inhalativ (Staub,
Knochen (Arthritis);
B. suis
Schwein, Hase
Aerosol), oral (Lebensmittel:
Komplikation: Endokarditis,
B. canis
Hund
insbesondere Rohmilch,
Osteomyelitis, Meningoen-
Schafs- und Ziegenkäse)
zephalitis
Infektionen
Oral (kontaminierte Le-
Gastritis, Colitis, Proktitis,
Campylobacter jejuni
bensmittel insbesondere
Arthritis, Meningitis,
Brucella abortus,
B. melitensis
4
1-3 Wochen
Campylobacter –
C. coli
C. lari
(1½) 3-5 (-11)
Schwein, Rind, Schaf, Zoo-
Rohmilch, Trinkwasser);
Guillain-Barré-Syndrom,
Tage
tiere, Katze, Goldhamster,
Schmierinfektion von infi-
Peritonitis, Harnwegsinfekt,
Meerschweinchen, Maus
zierten Tieren (Kot), auch
Abort, Sepsis
Möwen, Hund
von Mensch zu Mensch
(Fäzes)
7
5
Chlamydiosen
Chlamydophila psittaci,
Chl. pecorum
Chl. felis
7-21 Tage (bis
3 Monate)
Vögel, Haus- und Wildtiere
Hauptsächlich inhalativ
Leichte „Grippe“ bis „atypi-
Rind, Schaf, Wildtiere
(Staub), ferner Schmierin-
sche“ interstitielle Pneumo-
Katze
fektion (Fäzes), direkter
nie, Orchitis, Endokarditis,
Kontakt (Katzenkonjunktivi-
Glomerulonephritis, Fehlge-
tis), über Konjunktiva; auch
burt
Schaf
Chl. abortus
von Mensch zu Mensch
Echinokokkosen
6
Alveoläre Echinokokkose
Oral über kontaminierte
Echinococcus multilocularis
Fuchs (zu 50% infiziert), Hund,
(Fuchsbandwurm)
Katze (<5% infiziert), Feldmaus Lebensmittel (mit Fuchskot
< 5 bis 15
(<1% infiziert) in Endemiege-
kontaminierte Beeren und
bieten (in Deutschland: Mittel-
Pilze)
Metastasierende Zysten in
Leber, Lunge und Gehirn
gebirgsregionen)
Jahre
Zystische Echinokokkose
Oral (Schmutz- und
Expansive Zysten (keine
E. granulosus
Schmierinfektion) nach
Metastasen) in Leber, Lun-
(Hundbandwurm)
Kontakt mit Fäzesaus-
ge, Milz, Peritoneum, Ge-
scheidungen von Hunden
hirn; nach Ruptur anaphy-
Hund (zu <1% infiziert)
laktische Reaktion
8
7
Enterohämorrhagische
Escherichia coli (EHEC) Infektionen
3-4 (1-8) Tage
Rind, Schaf, Ziege, rohe oder
Schmierinfektion (Fäzes),
Durchfall, Fieber, Erbrechen; Komplikationen HUS
Verotoxin-bildende
halbgare tierische Lebensmittel oral (Nahrung), auch von
Escherichia coli (VTEC)
(Rinderhackfleisch, nicht pas-
Besonders gefährliche
teurisierte Milch, Joghurt,
Syndrom (Niereninsuffi-
Serovar
Frischkäse), ungechlortes
zienz) und TTP – thrombo-
O 157:H7 und O 157:H-
Wasser, Kartoffeln, Salat-
zytopenische Purpura (Be-
sauce, Apfelmus
wusstseinstrübung, Krämp-
Mensch zu Mensch
– hämolytisch-urämisches
fe, zentralnervöse Herdzeichen, Hemiplegie)
8
FrühsommerMeningoenzephalitis
(FSME)
1-2 (-4)
Zecken, Igel, Spitzmaus,
Zeckenstich (Höhengrenze:
Klinisch inapperent bis
Flaviviren
Wochen
Maulwurf, (Endemiegebiete)
600 m), Kontaktinfektion,
grippeähnlich bis 40 °C
aerogen, selten oral
Fieber und Meningitis bis
(Rohmilch)
Enzephalomyelitis mit
Paresen und Paralysen
9
Giardiasis (Lambliasis)
Giardia lamblia
6-15 Tage
Hund, Katze, Rind, Schaf,
Oral (Schmierinfektion),
Symptomlos oder:
Nagetier, (Mensch)
Trinkwasser und Nahrungs-
faulig riechender Durchfall,
mittel (Fliegen als mechani-
Brechreiz, Anorexie, Flatu-
sche Überträger)
lenz, Kopfschmerz, leichtes
Fieber, Inappetenz; auch
chronisch rezidivierend
9
10
Hantavirus-Erkrankungen
Nagetiere (Feldmaus, Rötel-
Schmierinfektion über Aus-
Hohes Fieber, Atemnot,
maus, Ratte)
scheidungen (Urin, Fäzes,
Arthralgien, Rücken- und
ropathia epidemica)
Speichel) infizierter Mäuse
retrosternale Schmerzen,
Hantaviren (Bunyaviridae)
oder Ratten, aerogen (Aero-
generalisiertes Ödem, pro-
sol), kontaminierte Lebens-
teinreiches Lungenödem
(HPS – Hantavirus Pulmo-
14-21 Tage
nary Syndrome, NE-Neph-
mittel
11
Katzenkratzkrankheit
Bartonella henselae,
1-2 Wochen
B.clarridgeiae, Afipia felis
Katze, sehr selten Hund oder
Kratzverletzung oder Biss,
Papel an Eintrittspforte,
Eichhörnchen
(Katzenflohstich)
regionale Lymphadenitis,
vereinzelt Fieber, Anorexie,
generalisiertes Exanthem,
selten schwere Komplikationen , Enzephalopathie,
Erblindung u.a.
12
Kryptosporidiose
Cryptosporidium parvum,
C. baileyi (sehr selten)
5-28 Tage
Kalb, Lamm
Orale Übertragung der
Enterokolitis mit nachfolgen-
Vögel
Oozysten (Schmierinfektion)
der Exsikkose, vorwiegend
opportunistisch
10
13
Leptospirosen
Ratte, Maus, Schwein, Rind,
Über verletzte Haut und
1. Phase: Hohes Fieber (39-
Pferd, Hund, Fuchs, Hase, Igel
Schleimhäute z. B. nach
40° C), Schüttelfrost, Kopf-
Die am häufigsten nachge-
Tauchen, Sturz in Kanal-
und Muskelschmerzen
wiesenen Serovare sind:
wasser
2. Phase: Hepatitis, Nephri-
Leptospira interrogans,
L. icterohaemorrhagiae
(2) 5-14 (-20)
tis, Meningitis, Myokarditis,
L. grippotyphosa
Tage
Iridozyklitis, intrauteriner
L. pomona
Fruchttod, Fehl- oder Früh-
L. tarassovi
geburt
L. hardjo
14
Listeriose
Listeria monocytogenes
1-3 Tage bis 4
Rind, Schaf, Ziege, Schwein,
Schmierinfektion (Fäzes),
Lokal: Papeln, Pusteln
Wochen
Huhn, Hund, Katze, Reh, Zoo-,
über Konjunktiven, Inhala-
(Hände, Arme, Brust,
Pelz- und Labortiere, Vögel,
tion (Staub), diaplazentar
Gesicht)
Kaltblüter, Insekten
Wichtigster Infektionsweg
Systemisch: septisch-typhö-
oral (Rohmilch, Weichkäse,
se Monozytenangina, Endo-
Salate)
karditis, Pleuritis, Pneumonie, Urethritis, Leberabszeß,
Meningitis, Enzephalitis,
Neugeborenenlisteriose
11
15
Lyme-Borreliose
Borrelia burgdorferi sensu
stricto
4-7 (3-14)
Tage
Zecken, wildlebende Nager,
Stich, vorwiegend von
Erythema migrans, wan-
Igel, Reh, Rotwild, Vögel
Zecken (Höhengrenze:
dernde Arthralgien, Herzbe-
1000 m), transplazentar;
schwerden, Magen-Darm-
auch nach Biss durch ein
Symptome, Lymphadenosis,
infiziertes Pferd beschrieben
Arthritis, Akrodermatitis
B. garinii
B. afzelii (syn. Gruppe VS
chronica atrophicans, Enze-
461)
phalomyelitis, BannwarthSyndrom (Meningoradikulitis), transplazentare Infektion
16
Lymphozytäre Choriomeningitis
LCM-Virus (Arenavirus)
6-13 Tage
Hausmaus, Hamster, Labor-
Biss, Schmierinfektion;
Photophobie, Schnupfen,
tiere
aerogen bei Laborinfektio-
Bronchitis, Meningitis, Me-
nen
ningoenzephalitis, Enzephalitis, pränatale Infektionen, Fehlbildungen bei
Neugeborenen
17
Maul- und Klauenseuche
MKS-Virus
(Picornaviridae)
2-8 Tage
Paarhufer (Rind, Schaf)
Schmierinfektion über
Allgemeine Krankheitssym-
belebte und unbelebte
ptome, Primäraphthe an
Vektoren, aerogen
Eintrittspforte, schmerzhafte
Bläschen in Mund und Rachen, an Fingern und Zehen
12
18
Melkerknoten
Melkerknotenvirus ( Para-
5-7 Tage
Rind (Euterpocken)
Direkter Kontakt
Erbsgroße , halbkugelige,
blaurote Knoten an den
poxvirus)
Händen
19
Mikrosporie
Microsporum canis
Mehrere Tage
Katze, Hund, sehr selten Pferd, Häufiger direkter Kontakt mit
bis wenige
Schwein, Schaf, Ziege, andere
erkrankten oder latent infi-
Wochen
Tierarten
zierten Tieren (auch gesund
Dermatomykose: Tinea
capitis oder Tinea corporis
erscheinende, langhaarige
Katzen sind bis zu 90% latent mit M. canis infiziert)
20
Milzbrand (Anthrax)
Bacillus anthracis
2-5 Tage
Rinder, Schafe, Ziegen, Pfer-
Über Hautschrunden und
Hautmilzbrand: nekrotisie-
(gelegentlich
de, Büffel, Kamele, Rentiere,
Hautrisse nach Kontakt mit
rende Karbunkel mit Lymph-
nach einigen
Nerze, sehr selten Schweine
Futtermitteln, Fellen, Häu-
adenose, evtl. Sepsis,
Stunden)
und Fleischfresser
ten, Tierprodukten, Abwäs-
Schock oder Meningitis
sern von Gerbereien, Woll-
Lungenmilzbrand: schwere
fabriken
Bronchopneumonie
Darmmilzbrand.: Karbunkel
im Dünndarm, bei Perforation Peritonitis
13
21
Newcastle-Krankheit
Newcastle Disease-Virus
1-2 (4) Tage
(NDV)
Huhn, Hausgeflügel und
Aerogen oder konjunktival
Follikuläre Konjunktivitis,
wildlebende Vögel
nach Kontakt mit infiziertem
präaurikuläre Lymphknoten-
Geflügel;
schwellung
auch Infektion mit Impfstoff
(apathogen für Hühner)
möglich (z. B. Sprayvakzine)
22
Pasteurellosen
Pasteurella multocida
2-14 Tage
Latent im Nasopharynx von
Über Biss- oder Kratzverlet-
Nach Biss: Phlegmone,
Säugetieren (bei 75-90% der
zungen durch infizierte Tie-
Abszeß, Nekrose, Periosti-
Katzen und bei bis zu 55% der
re, Schmierinfektion, aero-
tis, Osteomyelitis
Hunde) und Vögeln
gene Tröpfcheninfektion,
akut und subakut:
oral (sehr selten)
Bronchitis, Pneumonie oder
Vereinzelt auch P. dagmatis
Physiologisch im oberen
Asthma, Konjunktivitis, Sto-
P. canis oder Mannheimia
Respirationstrakt bei Mäusen,
matitis, Enteritis, Peritonitis,
haemolytica (frühere Bezeich-
Ratten, Hunden und Katzen
intraabdomineller Abszeß,
Harnwegsinfektion, Myositis
nung P. haemolytica)
23
Pneumozystose
Pneumocystis carinii (die
Zuordnung zu Pilzen oder
Parasiten ist noch nicht
endgültig geklärt)
4-8 Wochen
Maus, Ratte (die meist nicht
Aerogen (kontaminierte
erkranken), Haus- und Zootiere Tröpfchen, Staub) , diaplazentar
Pneumonie,
selten: in Lymphknoten,
Leber, Milz und Knochen
14
24
Q-Fieber
Coxiella burnetii
2-4 Wochen
Nager, Zecken, Schaf, Ziege,
Aerogen mit kontaminiertem
Hohes Fieber, retrobulbärer
Rind, Wildtiere
Staub (monatelang infek-
Kopfschmerz, Gewichtsver-
tiös), direkter Kontakt mit
lust, atypische Pneumonie,
Ausscheidungen, Lochien
Endocarditis, Komplikation:
infizierter Tiere (insbeson-
granulomatöse Hepatitis
dere Schaf)
25
Rattenbisskrankheit
Spirillum minus
2-3 Wochen
Ratte, Wiesel, Eichhörnchen,
Ödem, Bläschen, Ulzera-
bis 4 Monate
Frettchen, Maus, Schwein,
tion, Exanthem an Biss-
Katze, Hund
Streptobacillus moniliformis
26
3-5 Tage
Durch Biss eines infizierten
stelle, Fieber, Begleitsym-
Tieres
ptome
Ratte ( bukkopharyngealer
Fieber, dunkelrotes monili-
Saprophytismus), andere
formes Exanthem, pharyn-
Nagetiere
golaryngeale Symptome
Rotlauf (Eryspeloid)
Erysipelothrix rhusiopathiae
2-5 Tage
Schwein, Fisch, Geflügel,
Über Verletzung (Schnitt-,
Peripher fortschreitende
selten andere Vogelarten und
Stich-, Riss- und Bisswun-
Rötung, Quaddeln, Juckreiz,
Säugetiere
den), durch Kontakt mit in-
Schmerz, Lymphangitis,
fektiösem Material oder
selten Arthritis, Sepsis,
kontaminierten Instrumen-
Endokarditis
ten, auch nach Hundebiss
beobachtet
15
27
Salmonellosen
Schlachttiere, Geflügel, frei
In erster Linie oral (Schmutz- Plötzliches Erbrechen,
allem:
lebende Vögel (Möwen, Tau-
und Schmierinfektion) durch
Übelkeit, wässrige faulige
S Typhimurium
ben), Stubenvögel, Heimtiere,
kontaminierte Nahrungsmit-
Stuhlentleerung, Fieber;
S. Enteritidis
Nager, kontaminierte Lebens-
tel (Hühnereier sowie daraus Komplikationen: Sepsis,
mittel
hergestellten Produkten: Ei-
Osteomyelitis, Peritonitis,
pulver, Konditoreiwaren,
Harnwegsinfektion, Aorten-
Schlachtgeflügel, Hack-
klappenendokarditis
Verschiedene Serovare, vor
5-72 Stunden
fleisch), vereinzelt auch
nach direktem Kontakt mit
Salmonellen-ausscheidenden Tieren (Zier-, Stubenvögel, Hund, Katze, Schildkröte)
16
28
Sporotrichose
Sporothrix schenkii
3-21 Tage (bis
Verrottetes Holz, verfaulte
Kratz- und Bisswunden von
Kutane Form:
3 Monate)
Pflanzen, Erdboden sowie
infizierten Tieren, vor allem
Initialherd: schmerzlose Pa-
infizierte Tiere, vor allem
Katzen, beschrieben auch
pel, fluktuiert, ulzeriert, se-
Katzen, seltener Hund, Pferd,
Eichhörnchen und Dachs,
rös oder pustulös; weitere
Maultier oder Eichhörnchen
Verletzung durch kontami-
Knötchen entlang Lymph-
nierte Holzsplitter, Pflanzen-
bahn
dorne u.ä., Insektenstiche,
Schleimhautsporotrichose:
(Übertragung von Mensch
knotige Veränderungen
zu Mensch ist sehr selten)
(Nase, Mund, Pharynx,
Larynx, Trachea), regionale
Lymphknotenschwellung
Organsporotrichose: Lunge,
Knochen, Gelenke, Muskeln, Augen, Hoden, Nebenhoden
29
Streptococcus equiInfektionen
Streptococcus equi subsp.
zooepidemicus,
Str. equi subsp. equi
2-3 Tage
Heim- und Haustiere, beson-
Direkter intensiver Kontakt
ders Pferd, auch latente Träger mit infizierten Tieren und
Wundinfektion, Pharyngitis,
Lymphadenopathie, Pneu-
deren Ausscheidungen z. B.
monie, Pleuritis, Endokardi-
Nasen-, Eitersekret, durch
tis, Sepsis, Meningitis, Ar-
Biss (Hund, Katze)
thritis, Glomerulonephritis
17
30
Streptococcus suisInfektionen
Streptococcus suis
Schwein, auch Wildschwein
Direkter Kontakt (Schmier-
Meningitische Symptome,
Stunden bis 2
infektion) über Konjunktiven
Hörverlust, Gleichgewichts-
Tage
oder Hautläsionen durch in-
störungen, Spätschäden,
fizierte Tiere oder kontami-
z.B. Taubheit
Wenige
nierte Instrumente
31
Tierpocken
(Orthopockenvirus)
7-14 Tage
Tröpfchen- und Schmierin-
Pockenähnliche, meist
fektion, (infizierte Gegens-
gutartige Lokalerkrankung,
tände)
Stomatitis papulosa; bakterielle Sekundärinfektion,
Affenpocken
Affen
Elefantenpocken
Elefanten
Kamelpocken
Kamel, Dromedar
Kuhpocken
Rind, Katze
Parapocken
Schaf, Rind, Ziege
u.U. Generalisation
18
32
Tollwut
Rabiesvirus (Rhabdoviridae)
Tage - 3 Mo-
Fuchs, Hund, Katze
Biss, über Hautverletzungen
Parästhesie im Bereich der
nate (auch bis
selten: Marder, Dachs
und Konjunktiven,
Verletzung, Unruhe, Tre-
zu 1 Jahr
zunehmend: Fledermaus
auch aerogen möglich
mor, Krämpfe, Hypersaliva-
möglich in Ab-
tion, Hydrophobie, über-
hängigkeit von
empfindlich gegenüber
der Eintritts-
Luftbewegung und Lärm,
stelle des Er-
Exzitation, Paralyse, Tod
regers)
33
Toxoplasmose
Toxoplasma gondii
Wochen bis
Monate
Katze, Schwein, Schaf, Ziege
Schmierinfektion (Fäzes),
Akut: asymptomatisch bis
oral (rohes Fleisch), dia-
lokalisierte oder generali-
plazentar
sierte Lymphadenopathie,
grippeähnlich bis Meningoenzephalitis
Chronisch: schubweise
Fieber, Arthralgien, psych.
Alteration, Organmanifestation in Lymphknoten, Leber,
Milz, Auge, ZNS
In der Gravidität: bei Erstinfektion Fehlbildungen und
Infektion der Neugeborenen
19
34
Trichopythie
Maus, Goldhamster, Meer-
Tiefe Trichophytie: tiefgrei-
schweinchen, Chinchilla, Ratte,
fende, abszedierende kno-
Kaninchen, Hund, Katze, Zoo-
tig-tumoröse Entzündung,
tiere (bes. Affen),
regionäre Lymphknoten-
T. verrucosum
Rind, (Schaf, Pferd),
schwellung
T. equinum
Pferd
Trichopython mentagrophytes
(T. mentagrophytes var.
4 Wochen
kontaminierte Gegenstände
circinatus, Folliculitis acumi-
(Zaum- und Sattelzeug,
nata, Tinea corporis
te, Kaninchen, (Hund, Katze)
über Fliegen, Milben, Läuse,
nach Mäuseharn
Flöhe, Spinnen
Igel
Fulminant sich entwickelndes Krankheitsbild
Erinacei)
(syn. Microsporum gallinae)
Herpes tonsurans, Herpes
splitter, Stroh, Einstreu), evtl. Erkrankungsherde riechen
(T. mentagrophytes var.
T. gallinae
ten Tieren, indirekt über
Maus, Meerschweinchen, Rat-
Quinckeanum)
T. erinacei
Oberflächl. Trichophytie:
Stallpfosten, Bürsten, Holz-
14 Tage bis
T. quinckeanum
Direkter Kontakt mit infizier-
Huhn
20
35
Tuberkulose
Mycobacterium tuberculosis,
4-6 Wochen
M. bovis, M. africanum
Rind, Ziege, Hund, Katze,
Aerogen (in Staub und ein-
Primärtuberkulose (Primär-
Zootiere (insbesondere Affen)
getrocknetem Sputum mo-
herd und zugehörige
natelang infektiös), Schmier-
Lymphknoten) in der Lunge;
infektion (Sputum, Milch,
Pleuritis exsudativa; häma-
Urin und Fäzes infizierter
togene Streuung: Miliartu-
Tiere), oral, über Wunden
berkulose, Meningitis, Peritonitis, Knochen-, Gelenk-,
Haut- und Genitaltuberkulose
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Tularämie
Francisella tularensis
2-10 Tage
Hase, Wildkaninchen, seltener
Kontakt mit Ausscheidun-
Außere Form: ulzeröse
landwirtschaftliche Nutztiere
gen, Blut oder Organen infi-
Primärläsion, regionäre
und Haustiere (insbesondere
zierter Tiere, über kleine
Lymphknotenschwellung
Katzen)
Wunden perkutan und über
oder Perinaud`sche
Konjunktiven, Biss, Kratzen,
Konjunktivitis
Stich blutsaugender Insek-
Innere Form: Pleuritis,
ten, inhalativ, oral
Milzschwellung, Durchfall,
intermittierendes Fieber,
Exanthem, pectanginöse
Symptome (infolge Endotoxin)
21
37
(Enterale) Yersiniose
Yersinia enterocolitica,
Y. pseudotuberculosis
3-10 Tage
7-21 Tage
Schweine (in Tonsillen sowie
Oral (Schmutz- und
Enteritis, Enterokolitis;
im Darminhalt ), (in Fäzes von
Schmierinfektion)
Komplikationen: Arthritis,
)Hund und Katze; ferner Nager
Erythema nodosum,
(Meerschweinchen, Kanin-
Ferner möglich:
chen) sowie Vögel; ferner im
Prinaud`sche Konjunktivitis,
Erdboden (z.B. Gartenerde,
Leberzirrhose, fernöstliches
verunreinigt durch Fäzes infi-
scharlachähnliches Fieber
zierter Tiere)