Achillessehnenriss
…(Achillessehnenruptur)
ist
eine
Durchtrennung
der
Achillessehne,
die
meistens
durch
eine
Überbeanspruchung der Sehne bei einer sportlichen Belastung entsteht. Das Auftreten eines Risses ist mit
einem charakteristischen Knall verbunden und trifft typischerweise Menschen zwischen dem 30. Und 40.
Lebensjahr. Die Achillessehne hat für das Gehen und Laufen eine unverzichtbare Bedeutung, daher sollte
bei einem Riss der Sehne unbedingt eine rasche und fachgerechte Behandlung bei einem erfahrenen Arzt
begonnen werden. Die Behandlung kann mit oder ohne Operation erfolgen und nimmt in der Regel 12 bis
16 Wochen in Anspruch. Nach Abschluss einer intensiven Rehabilitation kann eine fast vollständige
Wiedererlangung der alten Leistungsfähigkeit erwartet werden. Für Spitzensportler dagegen kann mit der
Verletzung nicht selten ein bedeutsamer Karriereknick verbunden sein.
Die Achillessehne ist eine der kräftigsten Sehnen des Körpers und ist an der Rückseite des Unterschenkels
oberhalb der Ferse durch die Haut gut tastbar. Ein Achillessehnenriss (Fachbegriff: Achillessehnenruptur)
ist eine Durchtrennung der Achillessehne. Bei einem Riss kommt es meistens zu einer vollständigen
Durchtrennung der Sehne, unvollständige Risse (Teilrisse) sind selten. Die typische Stelle des Risses liegt
an der schmalsten Stelle der Sehne ca. 5-6 cm oberhalb des Ansatzes an der Hinterkante des
Fersenbeins. Ein Achillessehnenriss entsteht meist durch eine plötzliche hohe Kraftbelastung der Sehne,
wie z.B. bei einem plötzlichen Antritt beim Sport. Eine Verletzung durch direkte Gewalteinwirkung, (z.B:
ein Messer oder einen scharfen Gegenstand) ist äußerst selten. Typischerweise findet man bei einer
gerissenen Sehne fast immer Verschleißprozesse in dem Gewebe. Da eine gewisse Abnutzung (Verschleiß
der Sehne) also offenbar die Verletzung begünstigt, tritt die Verletzung am häufigsten in der Altersgruppe
der 30 bis 40jährigen auf.
Die Achillessehnenverletzung ist eine der häufigsten Sportverletzungen. Die fachgerechte Behandlung
(mit oder ohne Operation) führt in fast allen Fällen zu einer Heilung der Sehne. Anschließend ist eine
weitgehend uneingeschränkte Belastbarkeit und auch Sportfähigkeit gegeben, allerdings kann dies mit
verminderter Kraft im Fuß verbunden sein.
Anatomie,Funktion
Sehnen sind bandartige Strukturen im menschlichen Körper, die Muskeln mit den Knochen verbinden und
somit bei der aktiven Bewegung der Gelenke helfen und für die Fortbewegung unverzichtbar sind. Die
Achillessehne ist eine der größten und kräftigsten Sehnen des menschlichen Körpers, sie ist etwa
kleinfingerdick und kann oft eine Belastung von über 400 kg aushalten. Die Achillessehne verbindet den
kräftigen dreiköpfigen Wadenmuskel (M.triceps surae) mit der Hinterkante des Fersenbeins. Durch die
Haut kann man die Sehne an der Rückseite des Unterschenkels knapp oberhalb der Ferse gut tasten.
Die Sehne ermöglicht das Absenken des Fußes im Sprunggelenk gegen großen Widerstand und ist deshalb
für das Gehen und Laufen unverzichtbar. Besonders bei Sprüngen wird die Achillessehne stark belastet
und kann Kräften von über 1000 kg ausgesetzt werden.
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Historisches
Der griechischen Sage nach, war Achill der Sohn des Königs Peleus und seiner Frau Thetis. Achill wurde
von seiner Mutter unverwundbar gemacht, jedoch mit Ausnahme seiner Ferse.
Der Mythologie nach tötete Achill vor Troja im Zweikampf den Trojaner Hektor. Er wurde dann später von
Paris, dessen Pfeil vom Gott Apoll gelenkt wurde, an der Ferse tödlich getroffen.
Aus dieser Sage stammt die Überlieferung, dass die Achillesferse die Schwachstelle eines Menschen
darstellt. Im übertragenden Sinne wird der Begriff Achillesferse verwendet, um den schwächsten Teil eines
Ganzen darzustellen.
Das Durchschneiden beider Achillessehnen war in früheren Zeiten eine Methode, um Gefangene oder
Sklaven in Ihrer Bewegungsfreiheit einzuschränken, z. B. um sie an einer Flucht zu hindern.
Symptome
„Beim Tennis habe ich einen plötzlichen Antritt machen wollen, um einen Ball knapp hinter dem Netz zu
bekommen. Dabei gab es einen lauten Knall und ich hatte das Gefühl, dass mir jemand von hinten in die
Wade tritt. Als ich mich umdrehte, war jedoch niemand da. Anschließend konnte ich auf meinem Bein
nicht mehr laufen.”
Dies ist eine typische Beschreibung, wie eine Achillessehne reißt. Ein sogenannter Peitschenknall kann ein
wichtiger Hinweis auf die Verletzung sein, ebenso eine plötzliche intensive Belastung auf der Sehne, wie
z.B. bei einem schnellen Antritt. Nach einem kurzen heftigen Schmerz spürt der Verletzte meistens keinen
starken Schmerz mehr. Oft kommt es nur zu einer geringen Schwellung über der Ferse, da der sehr
elastische Sehnenschlauch beim Riss der Sehne erhalten bleibt und ein Einbluten in das umliegende
Gewebe im Anschluss verhindert.
Sofortmaßnahmen/Diagnose
Obwohl der Verletze gewöhnlich nach kurzer Zeit kaum noch Schmerzen hat und auch ein Anschwellen
der verletzten Stelle nicht stattfindet, ist das wichtigste eine frühzeitige ärztliche Behandlung zur
Sicherung der Diagnose und zur Einleitung der entsprechenden Behandlung. Erste-Hilfe-Maßnahmen
beschränken sich daher auf eine örtliche Eisbehandlung der Fersenregion und die Unterstützung des
Verletzten beim Gehen, da ein Auftreten auf das verletzte Bein vermieden werden soll. Hierzu können
entweder Gehstützen, eine Transportliege, oder auch die Hilfe von Freunden verwendet werden.
Für den erfahrenen Sportarzt ist die Diagnose eines Achillessehnenrisses nicht schwierig. Die typische
Beschreibung des Unfallhergangs, eine tastbare Delle an der Haut über der Sehne und die Unfähigkeit des
Verletzten im einbeinigen Stand auf dem verletzten Bein die Ferse vom Boden abzuheben, sind
verlässliche
Hinweise,
für
das
Vorliegen
eines
Achillessehnenrisses.
Ein
besonderer
Test
ist
der Thompson-Test, der einen sicheren Hinweis auf den Riss der Sehne liefert, wenn sich in Bauchlage und
frei hängendem Fuß des Verletzten beim Zusammenkneifen der Wadenmuskulatur die Fußsohle nicht
nach unten bewegt. Eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) ermöglicht die genaue Bestimmung der
Risstelle
und
die
Überprüfung,
wie
weit
die
Rissenden
Kernspinuntersuchung ist im Normalfall nicht erforderlich.
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auseinander
weichen.
Eine
teure
Therapie
Bei Durchführung einer fachgerechten Behandlung kann in fast allen Fällen die Heilung der Sehne mit
Wiedererlangung der körperlichen Belastbarkeit erzielt werden. Zwei Punkte sind bei der Entscheidung für
ein Behandlungskonzept oft von Interesse. Die erste Frage des Verletzten lautet fast immer: „Muss ich
operiert werden?” Während noch vor 10 Jahren von fast allen Sportärzten die Operation mit einem
Zusammennähen der Sehnenenden kategorisch empfohlen wurde, ist derzeit häufig die Meinung der
Experten, dass auch mit einer nicht-operativen Therapie eine verlässliche Sehnenheilung möglich ist. Da
eine
nicht-operative
Therapie
von
vielen
Patienten
bevorzugt
wird,
werden
daher
viele
Achillessehnenrisse derzeit ohne Operation behandelt. Der zweite Punkt der Behandlung betrifft die Frage,
ob der Fuß (egal ob mit und ohne Operation behandelt wird) in einem Gips für mehrere Wochen
ruhiggestellt werden muss oder ob eine frühzeitige, eingeschränkte Bewegungstherapie erfolgen soll. In
dieser Frage sind sich die Fachexperten heute meistens einig, dass eine lange Gipsbehandlung nur
Nachteile für die Heilung und die Kraftentwicklung der Wade hat. Eine frühzeitige, eingeschränkte
Bewegungstherapie (sog. funktionelle Behandlung) sollte daher der Standard der Nachbehandlung sein.
Hierzu gibt es Spezialschuhe, die mit einer entsprechenden Fersenerhöhung und einer unbiegsamen
Zunge (z.B. Fa. Adidas) ausgestattet, sogar eine Vollbelastung des Fußes einige Tage nach der Verletzung
ermöglichen. Da die Dauer der Sehnenheilung mindestens 6 Wochen beträgt, ist aber auch diese
Behandlung über diesen Zeitraum erforderlich.
Im folgenden sind die Prinzipien der operativen und nicht operativen Therapie und die Dauer der
Behandlung in den Grundzügen dargestellt. Im Einzelfall kann es jedoch erforderlich sein, dass die
Behandlung von diesen Schema abweicht.
Konservative Therapie
Achillessehne im Spezialschuh.
Für
eine
erfolgreiche
konservative
Behandlung
sollte
unmittelbar
nach
der
Verletzung
eine
Ultraschalluntersuchung durch einen erfahrenen Sportarzt erfolgen, um sicherzustellen, dass die
Rissenden beim Absenken des Fußes um etwa 20 Grad (sog. Spitzfußstellung) Kontakt miteinander haben.
Je früher die Behandlung einsetzt, desto größer ist die Chance, dass eine nicht-operative Therapie möglich
ist.
Kann ein Kontakt der Sehnenenden sichergestellt werden, so kommt es zu einer Heilung der
Sehnenenden, ähnlich wie die Haut nach einer Schnittverletzung wieder zusammenwächst. Durch den
Bluterguss im Bereich der Rissenden werden häufig verschiedene Zellen aus dem Körper angelockt, die
eine narbige Verbindung zwischen den Rissenden herstellen und den Bluterguss schließlich beseitigen.
Bei diesem Vorgang kann die Sehne bis auf das Doppelte des normalen Umfangs anwachsen. Mit Hilfe der
o.g. Spezialschuhe kann der Verletzte auch nach kurzer Zeit den Fuß bereits voll belasten, ohne die
Heilungsprozesse zu stören. Regelmäßige Kontrollen beim Sportarzt ggf. mit einer
Ultraschall-
untersuchung sollten im weiteren Verlauf erfolgen. Nach 6 bis 8 Wochen kann der Fuß wieder normal
belastet werden.
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Operation
Im Falle einer operativen Behandlung werden die Rissenden vom Operateur wieder aneinander genäht.
Hierzu muss ein 6-8 cm langer Hautschnitt über der Achillessehne angelegt und der Sehnenschlauch, der
eine wichtige Ernährungsfunktion für die Sehne hat, eröffnet werden. Je nach Befund kann mit speziellen
Nahtmaterialien, die meist vom Körper nach einiger Zeit abgebaut werden, die Sehne zusätzlich
durchflochten werden, um die mechanische Festigkeit der Reparaturmaßnahme zu erhöhen. Nach der
Operation muss der Fuß für einige Tage in einem Gips ruhiggestellt werden, bis die Heilung der
Hautwunde stattgefunden hat. Anschließend ist eine frühfunktionelle Behandlung, ähnlich der nichtoperativen Behandlung möglich. Wissenschaftliche Studien, die die Behandlungskonzepte verglichen
haben, weisen darauf hin, dass durch die Operation die Heilungsrate um einige Prozent größer ist als ohne
Operation, allerdings besteht bei der Operation das Risiko einer Wundinfektion, was bei der nichtoperativen Behandlung fehlt. Neuere Operationstechniken ermöglichen die Naht der Sehne über kleine
Hauschnitte (sog. perkutane Technik). Hierdurch wird das Infektionsrisiko offenbar gesenkt.
Die Wahl des Behandlungsschemas ist eine wichtige Entscheidung nach einem Riss der Achillessehne und
kann nur im Einzelfall entschieden werden. Ein Sportarzt kann bei dieser Entscheidung helfen und den
Verletzten in kompetenter Weise beraten.
Rehabilitationsprozess
Wie oben erwähnt ist ein großer Vorteil für den Verletzten, dass heute in der Regel eine funktionelle
Nachbehandlung empfohlen wird. Mit Hilfe o.g. Spezialschuhe ist die volle Belastung des Beins bereits
nach kurzer Zeit möglich. Bei ungestörtem Verlauf kann nach 3 Wochen bereits eine krankengymnastische
Behandlung begonnen werden. Nach einer Zeit von 6 bis 8 Wochen kann auf die Schiene und/oder Schuhe
verzichtet werden. Anschließend ist oft ein gezieltes Training erforderlich, um die Wadenmuskulatur
wieder zu stärken. Obwohl häufig die alte Kraft nicht wieder erreicht wird, kann der Verletzte nach
Abschluss der Behandlung nach ca. 3 bis 4 Monaten auch seine gewünschte, sportliche Belastung wieder
aufnehmen. Nach dieser Zeit ist der Rehabilitationsprozess gewöhnlich abgeschlossen.
Prophylaxe
Der wichtigste Grund für einen Riss der Achillessehne sind Verschleiß- oder Abnutzungsprozesse innerhalb
der Sehne. Diese Abnutzungsprozesse treffen aber im Prinzip jeden Menschen ab dem 20. oder 25.
Lebensjahr. Aus diesem Grund hat der Riss der Achillessehne einen gewissen schicksalhaften Charakter.
Andererseits führt ein schlechter Trainingszustand dazu, dass das gesamte Muskel-Sehnen-System
weniger elastisch ist. Dies wiederum begünstigt das Auftreten der Verletzung. Besonders Menschen, die
sonst eher wenig Sport treiben, haben ein höheres Risiko, sich bei einer ungewohnten Belastungsspitze
die Achillessehne zu reißen.
Als Prophylaxe kann nur eine gewisse Regelmäßigkeit für körperliche und sportliche Belastungen bzw.
eine allmähliche Belastungssteigerung empfohlen werden. Wichtig ist auch die allgemeingültige
Empfehlung, sich vor und nach körperlichen Anstrengungen mit Dehnübungen gut aufzuwärmen.
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Prognose
Die Prognose nach einem Riss der Achillessehne ist relativ gut. Bei fachgerechter Behandlung und
konsequenter Nachbehandlung mit einer geschulten Krankengymnastik gelingt es fast immer, das Niveau
der körperlichen Leistungsfähigkeit, das vor der Verletzung bestand wiederzuerlangen.
Wir danken unserem Kollegen Peter Posner (Itzehoe) für die freundliche Überlassung dieser
Ausarbeitung.
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Achillessehnenriss - Das PHYSIO-team