Der Islam im Kontext der drei monotheistischen

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Meinungen: Blog-Beitrag Amor Ben Hamida
Der Islam im Kontext der drei monotheistischen Religionen
Judentum, Christentum und Islam
Grundinformationen zur Religionsgeschichte. Ein Beitrag von Blog-Schreiber Amor Ben Hamida
Ursprung der Religionen:
Wann die Religion entstanden ist, darüber wird heute noch diskutiert. Möglicherweise und höchst
wahrscheinlich hatten die ersten Menschen, die Phänomene wie Blitz und Donner realisiert haben,
aber nicht erklären konnten, an eine Höhere Macht gedacht, die diese Naturerscheinungen
veranlasste. Dass sie dabei zum Himmel hinauf schauten, ist eher logisch: denn dort vermuteten
sie diese Macht. Das blieb Hunderttausende von Jahren so, sogar bis zu den gebildeten Griechen
und Römern, die für den Blitz, den Donner, den Regen, den Wird, die Sonne und die Kälte je eine
Gottheit besassen, sogar für die Liebe: den Gott Amor.
Gibt es Gott?
Diese Frage beschäftigt wohl die Mehrheit der Menschen, auch diejenigen, die ganz fest daran
glauben, dass es Ihn gibt! Denn glauben heisst bekanntlich nicht wissen…
Stell dir vor, du stehst in der Wüste, kommst um einen Sandhügel herum und siehst zu deinem
grossen Erstaunen ein Auto mitten im Sand stehen. Würdest du eine Sekunde daran zweifeln, dass
es einen Fahrer, einen Konstrukteur, einen Designer und Planer, einen Auftraggeber, einen
Arbeiter gibt, die für dieses Auto Arbeit geleistet haben? Nein. So einfach ist es – glaube ich – mit
der Existenz Gottes. Sieh doch die Schöpfung, die Natur, das Universum, sieh dich selbst! Alles
das spricht für die Existenz Gottes.
Wer all diese wunderbaren Kreationen für zufällig hält, der glaubt, das das Auto in der Wüste aus
heiterem Himmel herunter gefallen ist…
Adam, Noah und Abraham: Die Urväter der Juden, Christen und Moslems!
Ein Moslem glaubt nicht nur an Mohammed, sondern auch an die vielen anderen Gesandten
Gottes vor Mohammed. Nach ihm kam bekanntlich keiner mehr. So sagen Moslems für Jesus und
Moses: „Säyyidunä Issa“ und „Säyyidunä Mussä“ – Unser Herr Jesus und unser Herr Moses.
Dieses Bekenntnis zeigt eindeutig die Zusammen-gehörigkeit der Juden, Christen und Moslems
unter einem Glauben an Gott und Seine Gesandten und Seine Botschaft. Zumindest müsste es so
sein… Hier einige wichtige Definitionen:
Juden
Die Juden sind nicht nur eine Glaubensgemeinschaft, sie sind ursprünglich zunächst einmal eine
Gemeinschaft schlechthin, eine Ethnie, die von einer anderen Ethnie, den Ägyptern, versklavt
wurde. Mit Moses kam ein jüdischer Prophet und hatte in erster Linie den Auftrag, seiner
jüdischen Gemeinde, der sich auch Nicht-Juden anschlossen, aus der Sklaverei von Ägypten in
ein gelobtes Land zu führen. Gott erwähnt die Kinder Israels zunächst als ein besonders
geachtetes und von Ihm geliebtes Volk, das die Schinderei und den Schmerz der Zwangsarbeit
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unter dem Joch der Pharaonen geduldig ertragen und auf die Hilfe Gottes vertraut und gewartet
hat.
Christen
Die ersten Christen waren Juden oder Araber (Moslems gab es noch nicht) und andere Völker –
teilweise auch Römer und Griechen. Jesus war – wie Moses – Jude und kam zum selben Volke
Israels, um es an seinen Bund mit Gott zu erinnern, das sie schon zu Lebzeiten Mose gebrochen
haben: als Moses auf die Gebote Gottes wartete, verlor sein Volk die Geduld und betete wieder
goldene Kälber an – wie es zuvor in Ägypten Brauch war.
Moslems
Die ersten Moslems waren Juden, Christen, Götzenanbetende Araber und viele andere Menschen
aus verschiedenen Völkern der arabischen Halbinsel. Da sich aber das Wort Moslem nicht direkt
aus der Religion Islam ableiten lässt, sondern aus dem Islam als Haltung zu Gott (Hingabe zu
Gott), spricht Gott selber von Moses, Jesus und Abraham als Moslems im Koran. Das kommt
daher, dass das Wort Moslem eben „Gott ergeben“ heisst und nicht etwa – wie heute noch in den
allermeisten Fällen fälschlicherweise interpretiert und übersetzt wird – nur Anhänger der
islamischen Religion.
Allah
Die Bezeichnung Allah heisst schlicht und einfach – oder eben nicht einfach – Gott. Arabische
Christen sagen Allah für Gott. Iläh ist Gottheit und Allah ist Gott. Und „lä ilähä illä Allah“
bedeutet: „es gibt keine Gottheit ausser Gott“. Leider meinen damit viele Menschen, diese
Aussage bedeute, dass es ausser dem (islamischen) Gott keinen anderen gebe, also dass Christen
und Juden und Andersgläubige „gottlos“ oder einen falschen Gott anbeten. Es wird klarer, was
diese Aussage bedeutet, wenn man weiss, dass sie zu einer Zeit kam, da (ausser Juden und
Christen) viele Araber, Griechen und Römer und andere Völker eben keinen Gott, sondern
Gottheiten in Form von einer Vielfalt von Gestalten, Statuen und Bildern anbeteten. Diese
Aussage kam für sie, die Götzen- und Mehr-götteranbeter!
Die vielen Missverständnisse basieren auf der menschlichen Einfältigkeit, dass Juden, Christen,
Moslems und Andersgläubige je einen eigenen Gott haben! Wie lächerlich diese Haltung ist,
erkennt man an folgendem Vergleich: „Ein deutscher Christ sagt einem französischen Christen, er
glaube an einen anderen Gott; er sagt ja nicht Gott, sondern Dieu!“
Dass die Anhänger der so genannten monotheistischen (ein Gott) Religionen in ihren jeweiligen
Sprachen verschiedene Bezeichnungen, also sprachliche Namen, für Gott haben, hat sie oft daran
bestärkt, dass sie einander bekriegen konnten und jeweils zu Gott beteten, um die anderen (oft
Gottlosen bezeichnet), zu besiegen.
Wir beten nicht eine ähnliche Gottheit, sondern Ein- und Denselben Gott an! Und da muss sich
Gott, Allah, Dieu, God … doch nur kopfschüttelnd über seine Geschöpfe ärgern, denn Er muss
sich ja vorkommen, wie ein Vater, dessen drei Kinder miteinander streiten und ihn um Hilfe
gegen die Anderen bitten!
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Probleme zwischen Juden und Christen
Die Geschichte der Beziehungen zwischen Juden und Christen ist äusserst blutig und von
unglaublichem Widerspruch geprägt: da verfolgen die Anhänger Jesu Christi – ein Jude – seine
eigenen Nachkommen und Rassengenossen im Namen eben desselben Juden Jesus.
Die ersten Christen waren – wie gesagt – Juden, denn Jesus kam in einer jüdischen Gemeinschaft
zur Welt und sprach als Erstes zu Menschen seiner Gegend und Gesellschaft. Als er von seinen
eigenen Leuten verraten wurde und die Römer ihm den Prozess wegen Ketzerei gemacht haben,
blieb eine kleine Gläubigergruppe übrig, zumeist Juden, die in ihm tatsächlich den Ermahner und
Erinnerer an Moses und den Bund Israels mit Gott sahen.
Nach dem Tod und der Auferstehung Jesu wurden seine Anhänger zahlreicher und immer mehr
Nichtjuden schlossen sich seiner Lehre an. Später spalteten sich diese nun Christen genannten
Gläubigen in zwei Hauptgruppen: die Juden, die nun nach Moses auch an Christus glaubten, und
jene, die nur an Christus glaubten. Diese zweite Gruppe bestand aus griechischen, römischen,
arabischen und anderen Völkern, die den Juden-Christen den Vorwurf machten, Jesus ans Kreuz
geliefert zu haben. Dieser Grund blieb so lange vorhanden – oft aber auch als Ausrede – um für
die Verfolgung der Juden noch im Mittelalter und sogar in der modernen Zeit hinzuhalten.
Dass nicht nur die katholische Kirche, sondern auch die Reformation die Juden aufgrund dieser
und anderer Gründe hasste, zeigen die nachfolgenden Worte. Sie könnten von einem vehementen
Judengegner des zwanzigsten Jahrhunderts stammen:
„Erstlich, das man jre Synagoga oder Schule mit feur anstecke und, was nicht verbrennen will,
mit erden überheufe und beschütte, das kein Mensch ein stein oder schlacke davon sehe ewiglich
Und solches sol man thun, unserm Herrn und der Christenheit zu ehren damit Gott sehe, das wir
Christen seien. – Zum anderen, das man auch jre Heuser des gleichen zerbreche und zerstöre,
Denn sie treiben eben dasselbige drinnen, das sie in jren Schülen treiben Dafur mag man sie etwa
unter ein Dach oder Stall thun, wie die Zigeuner, auff das sie wissen, sie seien nicht Herren in
unserem Lande...“
Diese Worte stammen von keinem Geringeren als Martin Luther, Gründer der protestantischen
Bewegung und der reformierten Kirche!
Probleme zwischen Christen und Moslems
Zwischen Christen und Moslems ist der Hauptgrund für die Jahrhunderte dauernden, teils blutigen
Auseinandersetzungen ganz einfach: während die Christen glauben, dass „ihr“ Gesandter1
gleichzeitig Gott und dessen Sohn ist, ermahnt der Koran die Einzigartigkeit und Einheit Gottes
und ehrt Jesus als Propheten, aber nicht als Gottes Sohn. Die so genannte Dreifaltigkeit Jesu
(Gottvater, Sohn, Heiliger Geist) ist die erste Ursache und grösster Unterschied und somit
Hauptgrund für die vielen Streitigkeiten – verbal wie physisch ausgeartet – zwischen Christen und
Moslems.
In Anführungs- und Schlusszeichen, da auch die Moslems Jesus verehren und Gott ihn im Koran als Seinen
Gesandten bezeichnet.
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Was ist das Problem?
Gott sagt im Koran, dass Jesus, Sohn der Maria, ein hochgeschätzter Prophet und Gesandter ist,
aber keinesfalls Gottes Sohn, denn Gott hat weder Sohn, noch Tochter, weder Vater noch Mutter.
Wovon fast jeder Christ überzeugt ist, wird für den Moslem zum Riesenproblem in einem
interreligiösen Gespräch. Da es sich bei dieser Auffassung nicht um eine Kleinigkeit handelt, will
ich hier ein paar Gedanken, aber auch Tatsachen, zu diesem grossen Unterschied aufzählen. Denn
sollte sich herausstellen, dass Jesus nie gesagt hat, dass er Gottes Sohn ist, dann müssen sich die
meisten christlichen Kirchen eine grosse Frage stellen: ist dieser grosse Pfeiler der christlichen
Lehre womöglich erfunden? Und wenn ja, was ist mit dem Rest der Aussagen, die Jesus gemacht
haben soll? Wurden sie ihm womöglich auch in den Mund gelegt? Interessanterweise strömen
Millionen von Christen in die Kinos, wenn es darum geht zu erfahren, dass Jesus möglicherweise
eine Frau hatte. Wenn es aber darum geht, darüber nachzudenken, wie seine Abstammung von
Gott entstanden ist, sind nur wenige Gläubige interessiert.
Wie kam es zur Aussage, dass Jesus Gottes Sohn sei?
Einige inzwischen erhärtete Tatsachen geben uns Aufschluss und begründeten Verdacht, dass
diese Aussage nicht von Jesus Christus selber kam:
die eben erwähnte Dreifaltigkeit wird erstmals im dritten Jahrhundert nach Christus
erwähnt, zuvor war nicht die Rede davon, in der Bibel kommt diese Trinität nicht vor
heute noch wird in vielen arabischen Ländern für Vater „Sidi“ – mein Herr – gesagt
Jesus soll zu Lebzeiten über Gott „mein Vater“ gesagt haben, was aber in den damaligen
Sprachen aramäisch und hebräisch und heute noch in der arabischen Sprache von Gott überall und
von jedermann gesagt werden darf
Wir wissen also mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, dass Jesus niemals behauptet
hat, Sohn Gottes zu sein, dass die Aussage, Gott sei unser Vater heute noch und erst recht im
damaligen Sprachgebrauch von jedermann gemacht werden konnte und wir wissen schliesslich,
dass der Koran explizit darauf hinweist, dass Gott keinen Sohn hat. Somit ergibt sich wohl die
berechtigte Frage, warum die meisten Christen heute noch daran glauben.
Sollte dieses „Missverständnis“ irgendwann mal definitiv ausgeräumt sein, würde zwischen
Moslems und Christen wohl das grösste Hindernis für Zusammenarbeit und
Zusammengehörigkeit beseitigt. Möglicherweise haben aber gewisse Menschen auf beiden Seiten
kein Interesse daran …
Probleme zwischen Juden und Moslems
Erstaunlicherweise wird in der Weltgeschichte – zumindest der modernen Geschichtsschreibung –
dem Problem zwischen Juden und Moslems eine weit grössere Bedeutung zugeschrieben, als in
Wahrheit der Fall ist: die Juden werden zwar im Islam als Rückfällige bezeichnet, gleichzeitig
hebt sie Gott zu einem besonders geachteten und geliebten Volk und sie werden als „Leute der
Bücher“2 keineswegs als Ungläubige bezeichnet. Das Problem zwischen Juden und Moslems ist
denn auch weniger auf der Religion als vielmehr auf der politischen Ebene zu erklären (dazu
vielmehr in der nächsten Ausgabe dieses Newsletters). So viel sei jetzt schon erwähnt: als die
Als „Leute der Bücher“ bezeichnet der Islam Christen und Juden, die ja bekanntlich Bücher erhalten haben: die Thora
und die Evangelien.
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Juden Europas von den Christen Europas verfolgt, verbrannt und enthauptet wurden, konnten sie
in Nordafrika und anderen islamischen Ländern Zuflucht finden!
Die Verschiedenheit unserer Religionen sollte uns nicht trennen, sondern vereinen:
„Für jeden von euch haben Wir Richtlinien und einen Weg bestimmt. Und wenn Gott gewollt
hätte, hätte Er euch zu einer einzigen Gemeinde gemacht. Er aber wollte euch in alledem, was Er
euch gegeben hat, auf die Probe stellen. Darum sollt ihr um die guten Dinge wetteifern. Zu Gott
werdet ihr allesamt zurückkehren; und dann wird
Er euch das kundtun, worüber ihr uneins waret.“ (Sure 5, Vers 48)
In diesem Sinne – Assalamu aleikum, Friede sei mit Euch!
www.religion.ch
Internetseite von Amor Ben Hamida: www.benhamida.ch
Disclaimer:
Dieses Beitrag beinhaltet Informationen, Analysen, Gedanken sowie eine ausschliesslich persönliche Meinungen
des Autors und beansprucht weder rechtlich noch historisch Anspruch auf Richtigkeit, Vollständigkeit oder
Genauigkeit! Der Inhalt des Beitrags muss sich nicht mit der Meinung von religion.ch decken!
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