Osterwieck
Entdecken - Bewahren - Erleben
Abschlussbericht zum DBU-Projekt 27743-45:
Osterwieck – Entdecken, Bewahren Erleben
Inhalt:
1. Arbeitsmethoden des Projektes
2. Ergebnisse der bauforscherischen Untersuchungen
an 20 Bauten in Osterwieck
3. Bildungsarbeit / Seminare
4. Öffentlichkeitsarbeit
5. Objektliste
Anlage: Präsentationsmappe:
A) Kennblätter zur Bauforschung
B) Kennblätter zu den Seminaren
Buch: „Osterwieck, Entdecken-Bewahren-Erleben;
Ein Rundgang durch Osterwieck vom Mittelalter bis
ins 19. Jahrhundert“
Quedlinburg, den 28.02.2015
Förderer/Auftraggeber:
Deutsche Bundesstiftung Umwelt
Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Ministerium für Landesentwicklung und
Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt
Kultusministerium Sachsen-Anhalt
Stadt Osterwieck
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Osterwieck
Entdecken - Bewahren - Erleben
Abschlussbericht November 2014 zum Projekt:
„Osterwieck – Entdecken, Bewahren Erleben“ - DBU Az.: 27743-45
Siebzehn ausgewählte Bauten des historischen Bestandes an weitgehend unverbauten bzw. unsanierten Fachwerkhäusern wurden zunächst für den Projektbeginn im Mai 2010 in Abstimmung
mit dem Sanierungsträger, den Denkmalbehörden sowie der Stadt für das Projekt „Osterwieck –
Entdecken, Bewahren Erleben“ ausgewählt, um diese unter bauforscherischen und schadenstechnischen Aspekten zu dokumentieren und wenn möglich, in der Sanierung zu begleiten.
Drei der ausgewählten Objekte konnten nicht untersucht und dokumentiert werden, da die Eigentümer keine Bestandserfassung wünschten. Das betraf die Bauten Mittelstraße 10, Stephanikirchgasse 8 und Neukirchenstraße 2.
Im weiteren Voranschreiten des Projektes konnten bis 2012 fünf zusätzliche Häuser
(Rosmarinstraße 9/10, Kapellenstraße 16, Sonnenklee 12, Mittelstraße 26 und 27) und bis 2014
weitere vier neue Bauten (Mittelstraße 11, Sonnenklee 13, Hagen 25, Mittelstraße 8) in die bauforscherische Bestandserfassung aufgenommen werden, sieben von ihnen außerdem in die
Schadensdokumentation.
Für das abschließende Buch „Osterwieck – Entdecken, Bewahren, Erleben; Ein Rundgang durch
Osterwieck vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert“ wurden sieben weitere historisch wertvolle
Gebäude der Stadt Osterwieck ausgewählt, die lediglich in Form einer Hausbeschreibung erfasst
wurden. Umfangreiche Archivrecherchen komplementierten die Baugeschichte der Häuser.
Zum Projektabschluss wurden somit 25 historische Fachwerkhäuser, mehrheitlich aus der Renaissancezeit, in ihrer baulichen Struktur unter bauhistorischem Aspekt erfasst, davon weiterführend unter dem Aspekt der Schadenserfassung 14 Bauten.
Arbeitsmethoden des Projektes
Unter Anleitung der Mitarbeiter des Fachwerkzentrums erfolgte die Erfassung der historischen
Gebäude gemeinsam mit jungen Menschen – Teilnehmer der Jugendbauhütte Quedlinburg der
Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Trägerschaft der (ijgd) Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste, die ihr Freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege absolvierten in den Jahrgängen
2010/2011 bis 2013/2014. Das Projekt „Osterwieck, Entdecken, Bewahren, Erleben“ ermöglichte
ihnen, sich mit den Anforderungen im Bereich der Bestandsaufnahme und der Bauforschung sowie mit dem Umgang mit ökologischen Materialien und dem Ressourcen schonenden Planen
auseinanderzusetzen.
In Bauforscherseminaren, durchgeführt vom Deutschen Fachwerkzentrum, wurden Studenten insbesondere des internationalen Aufbaustudiengang der Hochschule FH Anhalt Dessau, Fachbereich Architektur, Facility Management und Geoinformation - die Arbeitsmethoden des verformungsgetreuen Bauaufmaßes mittels Tachymeter und dem Zeichenprogramm TachyCAD sowie
der historischen Bauuntersuchung und Befunderfassung vermittelt.
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Verformungsgetreuen Bestandsaufmaßes mittels Tachymeter
Vor Beginn des Aufmaßes der Grundrisse wurde zunächst in allen Geschossebenen eine horizontale Schnittebene mittels Rotationslaser festgelegt. Durch das „Abtasten“ der Wände, Fußböden und Decken mit dem Laserstrahl des Tachymeters in kurzen Abständen können Auswölbungen oder Schräglagen von Wänden sowie Fußboden- bzw. Deckenabwanderungen sehr genau
erfasst werden. Für die zeichnerische Erfassung der Fassaden wurden Messpunkte zunächst mittels Tachymeter, anschließend fotografische aufgenommen. Eine Fotoentzerrung wurde mit Hilfe
von Metigo2D umgesetzt. Anschließend erfolgte das Umzeichnen in AutoCAD.
Die Bauzeichnerin des DFWZ erstellte so von 12 Gebäuden in Osterwieck gemeinsam mit Teilnehmern der Jugendbauhütte Quedlinburg verformungsgetreue Aufmaße der Grundrisse, Schnitte und Ansichten mit Genauigkeitsstufe II. Einige Teilnehmer erlernten das Arbeiten mit dem Tachymeter sehr schnell, so dass sie eigenständige Aufmaßarbeiten bewältigen konnten.
Bauforscherische Bauuntersuchung und Bestandserfassung
Im Zuge der bauforscherischen Untersuchung wurden systematisch Befunde freigelegt und in einem Raumbuch dokumentiert. Schon hier wurde der behutsame Umgang mit historisch wertvoller
Bausubstanz vermittelt, beginnend mit dem achtsamen Anlegen kleiner Befundöffnungen bis zum
vorsichtigen Freilegen von Farbfassungen mittels Skalpell.
Über das Anlegen von Systemskizzen, die das bauzeitliche Gefüge widerspiegeln und über das
Erfassen des Fachwerkabbundes, meist nur an den Fassaden, Rückfronten oder im Dachwerk
möglich, wurden die Kenntnisse über die Entwicklung der Fachwerkkonstruktion, die Funktion
und Bauweise sowie die Baumaterialen der unterschiedlichen Zeitepochen weitergegeben.
Zur abschließenden Bestandserfassung wurden ein Raumbuch mit Befund- und Baualtersplänen
und eine Fotodokumentation zu den meisten Bauten angelegt. Das auf diese Weise dokumentierte Wissen über historisches Kulturgut kann - besser sollte - die Basis für eine Substanz schonende Sanierung mit ökologischen Materialien bilden.
Möglicherweise bietet der hier erworbene Kenntnisstand der jungen Menschen eine Hilfestellung
zur späteren Berufsfindung.
Ergänzend zur ersten Projektphase und gleichzeitig Projekt abschließend wird das Buch
„Osterwieck – Entdecken, Bewahren, Erleben – Ein Rundgang durch Osterwieck vom Mittelalter
bis ins 19. Jahrhundert“ und eine homepage im Internet veröffentlicht.
Die bauforscherische Tätigkeit des Fachwerkzentrums weckte zudem das öffentliche Interesse
für die Fachwerkbauten in Osterwieck. So konnte für den Eckbau Mittelstraße 27 mit seinem im
klassizistischen Stil verkleideten Unterstock ein neuer Eigentümer gefunden werden. Er wird in
diesem prächtigen Bau im Unterstock Verkaufsflächen und in den oberen Etagen Wohnungen
schaffen.
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Holzschutztechnische Untersuchungen
An insgesamt sechs Bauten wurde begleitend zur Vermessung und bauhistorischen Untersuchung eine holzschutztechnische Untersuchung durchgeführt, so an den Bauten Am Markt 3, Hagen 45, Rosmarinstraße 7-10, Mittelstraße 27, Kapellenstraße 27. Auf Grundlage der vorab erfolgten Vermessung des Gebäudes konnten die konstruktiven Schäden und der Befallsumfang
der biologischen Schäden, wie Echter Hausschwamm, Weißer Porenschwamm, Brauner Kellerund Warzenschwamm, Moderfäule, Anobien sowie Bunter und Gescheckter Nagekäfer in den
Ansichtszeichnungen, Grundrissen und Schnitten dokumentiert werden. Die Schadensdokumentation dient gemeinsam mit der bauhistorischen Untersuchung der späteren Ressourcen schonenden, denkmalgerechten Sanierung. Die Kartierung übermittelt übersichtlich die Schadensbereiche und die notwendigen zu sanierenden Abschnitte.
Viele Konstruktionsteile der Traufe des Häuserkomplexes Rosmarinstraße 7-10 – Sparrenfüße,
Deckenbalkenköpfe, Rähme, Füllhölzer, Säulenköpfe - sind straßenseitig durch defekte Dacheindeckungen geschädigt. Hauptursache ist hier der Weiße Porenschwamm und Echte Hausschwamm, insbesondere im Bereich der nachträglich eingebauten Ladenzone Haus Nr. 10. Innerhalb der Tordurchfahrt sind Deckenbalken durch den Befall des Bunten Nagekäfers gebrochen.
Die teilweise unterkellerten Räume mit Holzbalkendecke weisen ebenfalls einen Befall mit Echtem Hausschwamm auf. Im Erdgeschoss sind insbesondere die Dielen der ehemaligen Gasträume durch Anobienbefall geschädigt. In der nachträglich eingebauten Ladenzone ist der
Schwammbefall ebenso im Inneren des Gebäudes zu verzeichnen. Auch im 2. Obergeschoss
sind die Schäden des Gebäudes auf den Weißen Porenschwamm zurückzuführen. (Becker, Roland: Sachverständigengutachten als: holzschutztechnischer Untersuchungsbericht. Rosmarinstraße 7,8,9,10).
Archivrecherche
Parallel zur bauhistorischen Untersuchung der Fachwerkhäuser wurde zudem eine umfassende
Archivrecherche in der Projektphase durchgeführt. Vorwiegend wurden Akten der Baupolizei der
Stadt Osterwieck ausgewertet. Die Akten mit Baubeschreibungen, statischen Berechnungen und
Ansichts- sowie Schnittzeichnungen konnten vorwiegend im Rathaus der Stadt eingesehen werden. Der Aktenbestand umfasste die Jahre 1878 bis 1930. 22 Akten, teilweise 200 bis 300 Seiten
umfassend, wurden ausgewertet. Da der Aktenbestand bisher unsortiert war, wurde zu den Akten
ein Inhaltsverzeichnis angelegt. Mit Hilfe des Inhaltsverzeichnisses konnten den heutigen Straßennamen und Hausnummern der Bauten die alten Hausnummern zugeordnet werden. So beantragte der Lohgerber Hermann Wust für sein Gebäude Haus Nr. 26 im Jahre 1886-87 den Einbau
zweier Kammern im Seitengebäude. Dabei handelt es sich um den Bau Hagen 45, dem ehemaligen Diakonatshaus in Osterwieck.
Erleichtert wurde die Zuordnung der Aktenbestände zu den einzelnen Bauten durch die Auswertung eines alten Vermessungsplans aus dem Jahre 1886. Der Plan befindet sich im Landeshauptarchiv Magdeburg. Im Plan, der nach Abbruch der alten Stadtmauer erstellt wurde, sind
nicht nur die Wohnhäuser mit angrenzenden Scheunen, sondern auch die alten Hausnummern
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verzeichnet. Somit war eine Zuordnung der Aktenbestände zu den Bauten möglich. Durch die
Auswertung der Akten konnten nicht nur bauhistorisch interessante Informationen gewonnen werden, sondern viele Umbaumaßnahmen, die das baukonstruktive Gefüge der Bauten veränderten
und teilweise Schäden verursachten, besser interpretiert und analysiert werden. Die hervorragenden kolorierten Zeichnungen stellen zudem eine Bereicherung der Buchpublikation dar.
Sanierungsempfehlung
Die Eigentümer des Fachwerkhauses Am Markt 3 bewohnen das Objekt und sind gleichzeitig
bestrebt, abschnittsweise Reparatur- und Modernisierungsmaßnahmen durchzuführen. Aufgrund
der hierdurch ermöglichten, baubegleitenden Befundaufnahme in der Bauforschung und in Schadensbereichen hat sich ein sehr gutes und vertrauensvolles Zusammenwirken zwischen den Bauherren und den Mitarbeitern des Fachwerkzentrums entwickelt. Somit erhalten wir die Gelegenheit, im Rahmen des Projektes nicht nur die bauforscherischen Befunde stetig zu ergänzen, sondern auch im Sanierungsverlauf beratend zur Seite zu stehen, um möglichen Folgeschäden vorzubeugen. Hilfreich für die Bauherren waren z.B. neben einer Zusammenfassung der sichtbaren
Schäden auch ausführliche Sanierungsempfehlungen hinsichtlich der Auswahl der einzusetzenden Materialien und Hinweisen, welche in der handwerklichen Umsetzung zu beachten sind - unterteilt nach Bauteilen bzw. Gewerken.
Für den Gebäudekomplex Rosmarinstraße 7 bis 10 mit dem ehemaligen Gasthaus „Zur Tanne“ ist eine Sanierungsempfehlung erarbeitet worden. Zusätzlich erfolgte die Berechnung verschiedener Innendämmvarianten mit dem COND-Berechnungsprogramm. Im Rahmen eines
„Baustellentermins“ fand mit dem Bauherrn, dem damaligen Architekten (inzwischen ist ein anderer Architekt beauftragt), unserer Geschäftsführerin, die gleichzeitig die Bauforschung leitet und
unserer Architektin ein Beratungsgespräch zu Fragen des Bestandserhaltes und möglicher Innendämmvarianten im Rahmen einer evtl. anstehenden Überplanung des Gebäudekomplexes statt.
Auf Wunsch des Bauherrn von Hagen 25 unterbreitete das Fachwerkzentrum Vorschläge für ein
zukünftiges Raumprogramm anhand eines Kurzentwurfes unter Beachtung und Einbeziehung der
vorhandenen Bausubstanz und möglichst weniger konstruktiver Eingriffe unter dem Aspekt der
Wohnnutzung.
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Ergebnisse der bauforscherischen Untersuchungen
an 20 Bauten in Osterwieck
Konstruktive Eigenschaften und Schmuckformen der Fronten und Giebel
In Osterwieck sind nur wenige Häuser des Mittelalters erhalten geblieben. Als die ältesten Fachwerkbauten der Stadt gelten die Häuser Kapellenstraße 34 von 1450(d)1 und Kapellenstraße 4
von 1453(d)2. Bereits im 15. Jahrhundert ist in Osterwieck beim Errichten des Fachwerkgerüstes
die Stockwerkbauweise charakteristisch, mit einer weiten Vorkragung in den Straßenraum (30 bis
40 cm). Einige der untersuchten Gebäude entstammen einer jüngeren Zeit, enthalten aber noch
Kernbauten oder Bauteile eines mittelalterlichen Gebäudes, so beispielsweise das Hintergebäude Am Markt 3, datiert auf 1512(d)3. Der spätmittelalterliche Westgiebel der Kapellenstraße 4
zeigt einen durchlaufenden profilierten Brüstungslangriegel und Fußstreben (auch Am Markt 3),
die das obere Stockwerk optisch teilen und gliedern. Ein Treppenfries auf der Stockwerksschwelle als mittelalterliche Schmuckform ziert die Kapellenstraße 4. Die Deckenbalkenenden erhielten
eine für das 15. Jahrhundert typische Profilierung durch einen Birnstab. Die Vorkragung der Deckenbalkenenden wurden mit profilierten Knaggen gestützt. Der Zwischenraum zwischen den Deckenbalken verblieb noch bis ca. 1530 ohne Füllholz.
Als Blütezeit des Osterwiecker Fachwerkbaus kann die Renaissance beschrieben werden.
Aus dieser Zeit findet man in der Stadt noch die meisten Fachwerkhäuser. Sie wurden im so genannten Niedersächsischen Fachwerkstil errichtet und sind - trotz der Umbauten in den letzten
Jahrhunderten - an den typischen Renaissance-Motiven, die hauptsächlich die oberen Stockwerke der Häuser schmücken, zu erkennen. Im 16. Jahrhundert bleibt beim Errichten des Fachwerkgerüstes die Stockwerksbauweise charakteristisch, wobei die Vorkragung der Stockwerke sich im
Vergleich zum Mittelalter verringert. Viele der Bauten zeigen jedoch eine Mischbauweise von Geschoss- und Stockwerksbauweise auf. Die Brüstungsfelder der repräsentativen Fassade waren
mit Brüstungsplatten verkleidet. Diese präsentieren sich in vielen verschiedenen Gestaltungsformen, wie Fächerrosetten, Schrifttafeln, Arkaden oder bildliche Szenarien. Aber nicht nur die
Fachwerkkonstruktion oder die kunstvollen Schnitzereien prägten das Erscheinungsbild der
Stadt, sondern auch farbliche Fassungen an den Bauten. Das Fassungskonzept an den Fachwerkfassaden des 15. und 16. Jahrhunderts bestand aus monochrom gefasstem Fachwerk zu
hellen Gefachfeldern. Dabei wurde die Fachwerkfarbe, ein Hartölanstrich angereichert mit Pigmenten, korrigierend ins Gefach gezogen.
Als nach Ende des Dreißigjährigen Krieges in Osterwieck wieder Fachwerkhäuser gebaut wurden
(Barockzeit), begann eine neue Ära der Gestaltungsformen. So wurden seit Mitte des
17. Jahrhunderts brüstungshohe Andreaskreuze oder Rautenkreuze in den Randgefachen bzw.
Fußstreben (V-Streben) in den Brüstungsfeldern der Fassade oder der sichtbaren Giebel, wie am
Seitenflügel der Kapellenstraße 1 von 1700 und Sonnenklee 36, als Gestaltungselemente eingesetzt. Die Vorkragung reichte nur noch ca. 20 bis 25 cm über das untere Stockwerk hinaus. Im
Spätbarock begann man, die Ständeranordnung den räumlichen Bedürfnissen anzupassen. Eine
1) Schauer, Hans-Hartmut; Die Fachwerkstadt Osterwieck. Verlag für Bauwesen. Berlin 1997; siehe Tab.02, S. 158
2) Schauer, 1997, S. 158
3) Dendrochronologisches Gutachten, Osterwieck Markt 3 Hinterhaus, Planungsbüro Tisje, Platanenweg 7, 31.5.94
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rhythmische Ständeranordnung entlang der Straßenfassade - mit schmalen Wand- und breiteren
Fensterfeldern - war fortan immer häufiger anzutreffen. Im 19. Jahrhundert war diese Gestaltungsform schließlich maßgebend. Die Vorkragung verschwand.
Raum- und Funktionsstruktur
Viele der untersuchten Bauten besitzen oder besaßen zur Bauzeit eine Tordurchfahrt mit großer Diele, aber nur wenige sind bis heute erhalten geblieben, so in der Kapellenstraße 11, 12,
Nicolaistraße 2 und im Hagen 21/22. An einigen der untersuchten Bauten lässt sich die Lage
einer bauzeitlichen Tordurchfahrt nur noch an erhalten gebliebenen Ständern und Sturzriegeln
ablesen. So besaßen die Häuser Hagen 25, Mittelstraße 26, Schulzenstraße 8
(Eulenspiegelhaus) und der Bunte Hof eine Tordurchfahrt. Die angrenzenden Räume der Kapellenstraße 12 beispielsweise dienten der Lagerung und Unterbringung einer Küche. Östlich der
Durchfahrt stand die „Braupfanne“, westlich grenzten Kammern an. Von dort gelangte man zum
Keller. Eine Besonderheit bot sich in dem 2013 untersuchten barocken Objekt Hagen 25. Hier ist
bis heute eine Schwarze Küche mit Schlot bis ins Dachwerk aus der Bauzeit um 1620 erhalten
geblieben. Fragmente bauzeitlicher Kochstellen (Schwarze Küchen) konnten in weiteren untersuchten Bauten ermittelt werden, so beispielsweise im Hagen 45 mit rundbogiger Eingangstür, im
Schäfershof, im Hagen 21/22, in der Nikolaistraße 2 und in der Kapellenstraße 11. Der Küchenraum mit Kochstelle, meist im rückwärtigen Bereich des unteren Stockwerkes, war stets mit massiven Bruchsteinwänden umgeben.
Ausmalung der Innenräume
Auf einigen bauzeitlichen Gefachen der Kapellenstraße 11 von 1520 und der Nikolaistraße 2 von
1610 ist noch auf dem dünnen Kalkputz die bauzeitliche Ausmalung der Renaissance erhalten.
Ein umlaufender schwarzer Begleiter mit einem einige Zentimeter entfernten dünnem schwarzen
Beistrich, der sich in den Ecken kreuzt, gliedern das weiße Gefachfeld.
Die Diele im Unterstock des Hauses Hagen 25 erhielt Ende des 19. oder Anfang des
20. Jahrhunderts auf ihrem Strohlehmputz umlaufend einen Holz imitierenden Anstrich aus Bierlasur. Durch die Imitation wurden die Wandflächen in gleichgroße Felder geteilt, gerahmt von
zwei umlaufenden dunkelbraunen Begleitern, mittig der Seitenfläche in florale und geometrische
Ornamente auslaufend. In der Mitte jedes Feldes befindet sich ein weiteres florales Motiv.
Fenster- und Türgestaltung
Ein vermutlich bauzeitliches, mittelalterliches Fenster von 1512 blieb im Hintergebäude
Am Markt 3 erhalten. Das Fenster besitzt einen feststehenden Rahmen mit 4 Glasfeldern. Bleiruten und Glas sind in die Nut des Fensterrahmens eingelassen. Verschiebbare Lüftungsflügel ermöglichen das Öffnen des Fensters.
Während der bauforscherischen Befunduntersuchungen konnte in dem Renaissancebau Rosmarinstraße 7 (ein Torhaus) ein Kreuzstockfenster mit hölzernen Stäben aus der Bauzeit 1596 dokumentiert werden. Beim Anbau des stattlichen Wohnhauses (Nr. 8) - der späteren Gaststube
„Zur Tanne“ - im Jahre 1614 wurde das Fenster in den Innenraum integriert und somit geschützt.
Zeittypisch für das 17./18. Jahrhundert sind Blendrahmenfenster mit Mittelpfosten und/oder
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Kämpfer. Die zwei oder vier nach außen öffnenden Flügel haben eine waagerechte Sprossenteilung (abhängig von der Größe des Fensters) und werden mit einfachem Schließhaken festgestellt. Sie sind mit Eckwinkelbändern mit dekorativ auslaufenden Enden auf Stützkloben befestigt
(Seitenflügel Kapellenstraße 1).
Eine Innentür der Renaissance ist lediglich am Bunten Hof in Osterwieck erhalten. Die Blendrahmentür mit zwei Füllungsfeldern präsentiert sich zum Flur mit aufwendigen Schnitzereien. Die
Füllungsfelder zieren Arkadenfelder. Zwei kannelierte Pilaster auf mit Diamantquadern verzierten
Postamenten tragen den Arkadenbogen. Ein auskragendes Bekrönungsgesims mit Perlstabfries
bildet den oberen Abschluss. Erste Freilegungsproben auf den Füllungsfeldern auf der Rauminnenseite zeigen eine figürliche Ausmalung. Die Türöffnungen des 17./18. Jahrhunderts sind meist
mit profilierten Blendrahmen verkleidet, wobei die Breite zwischen 15 und 20 cm variiert.
Dachkonstruktion
Die Dächer der untersuchten Gebäude des Mittelalters bis zum 16. Jahrhundert waren sowohl mit
mittig stehender als auch mit einer zweifach stehenden Stuhlkonstruktion ausgestattet. In den
Bauten des Mittelalters und der frühen Renaissance wurden die aussteifenden Streben mittels
Schwalbenschwanzblatt an den Rähmen bzw. Kehlbalken befestigt. Später fand nur noch die
Schlitz-Zapfen-Verbindung Anwendung. Bei den untersuchten barocken Dachwerken handelt es
sich überwiegend um Kehlbalkendächer mit zweifach stehender Stuhlkonstruktion.
Die Bildungsarbeit
In den Seminaren des gemeinnützigen Vereins „Deutsches Fachwerkzentrum Quedlinburg e.V.“
werden Leitlinien einer nachhaltigen Sanierung vermittelt. Schwerpunkte bilden die Erforschung
der Gebäudesubstanz, der Ressourcen schonende Umgang mit Baumaterialien sowie die energetische Sanierung mit ökologischen Baumaterialien unter ökonomischen Aspekten und dieses
an Bauherren, Handwerksfirmen, Fachplaner, Studenten und Schüler zu vermitteln. Kooperationen mit Universitäten, Hochschulen, Stiftungen und Handwerkskammern ermöglichen, die Inhalte
international weiter zu tragen. Diese Leitlinien und die Weitergabe dieser Kompetenzen stellen für
uns die aktive Gestaltung einer lebenswerten Gegenwart und Zukunft dar.
Bausteine der Seminare sind zunächst Vorlesungen, Exkursionen und Praxistage, die aufgrund
der internationalen Besetzung zweisprachig in Englisch und Deutsch abgehalten wurden. Hier
wurden Aspekte einer nachhaltigen Sanierung, auch unter Betrachtung von ökonomischen Aspekten, besprochen und diskutiert.
Inhalte der Vorlesungen bildeten die Grundlagen der Gebäudevermessung mit dem Tachymeter,
die Gefügeforschung der Fachwerkkonstruktion, die behutsame Ressourcen schonende Instandsetzung des baukonstruktiven Gefüges, die Restaurierung von Fenstern und Türen und schließlich die Dämmung mit ökologischen Materialien zur Optimierung der Energieeffizienz. In den Praxistagen oder -wochen wurden diese Arbeitsfelder von den Teilnehmern selbst umgesetzt, wie
zum Beispiel die Wiederverwendung von gelösten Lehmputzen, Aussetzung von Fehlstellen in
einem historischen Fenster oder die Dämmung einer Außenwand mit Wärmedämmlehm, beginnend mit den Lehmausgleichschichten.
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Unter ökonomischen Gesichtspunkten betrachtet heißt dies: Wiederverwendung von Bauteilen
erbringt eine Einsparung von Rohstoffen und Zeit für die Wiederherstellung; die Restaurierung
derselben hingegen eine Investition in die handwerklichen Fähigkeiten und Fertigkeiten der Seminarteilnehmer– somit ist eine historische Tür ein Bildungsträger für Nachhaltigkeit.
Einen weiteren Baustein stellte die Erforschung der Gebäudesubstanz als Grundlage der zukünftigen Planung und Sensibilisierung der Teilnehmer für den Erhalt des historischen Erbes dar. Die
somit mögliche Integration der zukünftigen Nutzung in die bestehende Substanz spart nicht nur
Rohstoffe ein, sondern verhindert auch Eingriffe in das historisch gewachsene Gefüge und, damit
oftmals verbunden, später auftretende Schäden. Diese, vielfach hervorgerufen durch Planungsfehler und Baustoffunverträglichkeiten, fordern eine zweite Sanierungswelle, einhergehend mit
einem zusätzlich hohen ökonomischen Aufwand und dem Verlust der historischen Substanz.
Letztendlich senkt die energieeffiziente Sanierung der historischen Gebäudesubstanz mit ökologischen, kapillaraktiven und somit bauverträglichen sowie wohngesunden Baumaterialien den Heizenergieverbrauch und verhält sich nachhaltig gegenüber der Bausubstanz und den Menschen.
Hier werden Ergebnisse aus vorangegangenen Modellprojekten in die Lehre mit einbezogen.
Der Erhalt unseres kulturellen und historischen Erbes als ein Grundbedürfnis für folgende Generationen ist eine gesellschaftliche nachhaltige Aufgabe, der Abriss hingegen eine irreversible Veränderung für zukünftige Generationen. Viele junge Menschen engagieren sich im freiwilligen sozialen Jahr in Altersheimen, in Kindergärten und gleichbedeutsam in der Denkmalpflege. Die Auseinandersetzung mit der historischen Substanz der Denkmalbauten schafft zudem eine Identifikation mit der historischen Vergangenheit – eine Treppe mit Einschusslöchern, Wandfassungen des
18. Jahrhunderts und deren spätere Überfassung, versottete Balken im Bereich der Bierbrauereien - dokumentieren unsere Geschichte. Somit ist die nachhaltige Sanierung der historischen Bausubstanz für uns vergleichbar mit der Restaurierung eines Buches, welches die Geschichte einer
Stadt, einer Region oder gar eines Landes erlebbar belässt. Das Bewahren der historischen Vergangenheit durch eine nachhaltige Sanierung ist gelebte soziale Nachhaltigkeit.
In den Seminaren werden zudem soziale Kompetenzen untereinander gefördert und gefordert.
Die Gruppen – Fachanleiter und Lehrlinge des Fachwerkzentrums sowie Jugendbauhüttler des
Freiwilligen Jahres in der Denkmalpflege - arbeiten mit den Studenten, Schülern, Handwerkern
und Fachplanern als Team auf der Baustelle zusammen. Am Ende eines gemeinsamen Arbeitstages erfolgte die Präsentation der Arbeit.
Die Teams bestehen nicht selten aus vier bis zehn unterschiedlichen Nationen, oftmals auch mit
unterschiedlichem religiösem Hintergrund. Moslems, Buddhisten, Katholiken, Hindustani und keiner Religion zugehörige junge Menschen aus dem Irak, Kolumbien, Vereinigten Arab. Emiraten,
Indien, China, Mexiko, Russland, Nigeria, Italien, Iran, Portugal, Irland, Usbekistan und Bangladesch arbeiteten mit dem Ziel der nachhaltigen Restaurierung von historischen Bauten zusammen. Die Projektarbeiten und Exkursionen schufen auch Verständigungen untereinander, so entstanden Länder übergreifende Freundschaften. Nicht selten fand das Erlernte in einem neuen
Projekt in den Heimatländern der Studenten, so Planungen zum Wiederaufbau von historischen
Bauten im Erdbebengebiet in L`Aquila in Italien, Anwendung. Wandergesellen des Zimmer-,
Tischler- und Maurerhandwerks nahmen ihr, in einem dreiwöchigen Seminar erworbenes Wissen
über Ressourcen schonende Sanierung im Bestand mit auf ihre europaweite Wanderung und mit
auf ihre zukünftigen Arbeitsstellen.
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Diese Form der ökologischen, Substanz schonenden Restaurierung unter ökonomischen Aspekten ist auf viele Lebensbereiche übertragbar und vermittelt eine nachhaltige Lebenshaltung zur
Bewahrung unserer Zukunft.
Die Seminare im Überblick:
Abb.: Weltkarte, rot gekennzeichnet sind die Herkunftsländer der Seminarteilnehmer
Seminar am 22./23.08.11 Bauforschung
VL: Hennrich, Stöckicht; Praxis: Hennrich, Luthardt
Um Grundlagen der Bauuntersuchungen zu erlernen, die eine nachhaltige und umweltschonende
Modernisierung bzw. Sanierung von Fachwerkhäusern ermöglichen, bot das Deutsche Fachwerkzentrum am 22./23.08.11 im Rahmen des Projektes „Osterwieck – Entdecken, Bewahren, Erleben“ speziell für Studenten ein Praxisseminar zur Thematik der Bauforschung, Bauwerksanalyse
und nachträglichen Innendämmung an.
Mit 6 Seminarteilnehmern, bestehend aus Studenten der Hochschule Anhalt in Dessau und der
TU Dresden traten die Anleiter, Architekten und Bauforscher des Fachwerkzentrums in einen effektiven Wissensaustausch. Besonders intensive Vorbereitungen waren vor Seminarbeginn nötig,
da Vorlesungen und Führungen aufgrund der internationalen Besetzung in Englisch durchgeführt
wurden. Die Teilnehmer stammten aus Deutschland, der USA, der Ukraine, Usbekistan, Pakistan und Malawi.
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Besonders die Ergebnisse des Pilotprojektes „Lange Gasse 7“, in welchem die Sanierung eines
Denkmals mit unterschiedlichen ökologischen Baustoffen im Sinne einer nachhaltigen Sanierung,
deren Anwendung und Bauverträglichkeit durch eine bauphysikalische Messstrecke begleitet
wurde, fand großes Interesse bei den Studenten.
Exkursionen im Anschluss an den theoretischen Seminarabschnitt führten durch die Stadt Osterwieck. Einzelne Gebäude wurden auch im Innern besichtigt, wie der Bunte Hof mit einer Dachkonstruktion aus dem 16. Jahrhundert und dem Gasthaus zur Tanne, der Rosmarinstr. 7-10. Im
Laufe des Nachmittags und des folgenden Seminartages erfolgte die Einweisung in die Arbeitsmethoden des Bauaufmaßes mittels Tachymeter und dem Zeichenprogramm TachyCAD.
Seminar am 25./26.08.11 Seminar für Jugendbauhütte, Hagen 45
Das Einführungsseminar für die neuen Teilnehmer der Jugendbauhütte folgte wenige Tage
nach dem Studentenseminar am 25./26.08.11. Die Theorieeinheiten der Bauforschung, des Bauaufmaßes und der nachhaltigen Sanierung konnten hier zügiger vermittelt werden und somit begann die gesamte Seminartruppe bereits am Nachmittag des 1. Seminartages mit den praxisorientierten Wissensblöcken.
Die Seminargruppe bestand aus sechs Jugendlichen der Jugendbauhütte Quedlinburg, einem
jungen diplomierten Architekten und einer Praktikantin. Die praxisorientierten Arbeiten im Bereich
des Bauaufmaßes und der Bauforschung wurden an dem aus dem 16. Jahrhundert stammenden
Bau, der alten Diakonie Hagen 45 in Osterwieck durchgeführt. Parallel dazu wurden verschiedene Arbeitsmethoden der Denkmalpflege vermittelt. Im Bereich des Aufmaßes wurde ein Schnitt
durch das Gebäude gelegt und unter Anleitung der Bautechnikerin des Fachwerkzentrums erlernten 2 junge Teilnehmer das Vermessen eines historischen Gebäudes unter Beachtung aller Verformungen, Ausbauchungen und konstruktiven Details.
Zwei weitere Gruppen erlernten das behutsame Anlegen von Befundöffnungen, das Anlegen von
Stratigrafien mittels Skalpell im Bereich der Tapeten und das systematische Eintragen der Befunde in einem Raumbuch. Besonders interessant gestaltete sich die Befundung in dem 1,50 m hohen Kriechkeller der Renaissance.
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Handwerker- und Bauherrenseminar 07.10.2011 Handwerkerseminar Schloßberg 11
VL: Hennrich, Stöckicht; Praxis: Mehlhorn, Hennrich, Diebes
Um eine nachhaltige und umweltschonende Modernisierung bzw. Sanierung von Fachwerkhäusern zu ermöglichen, bot das Deutsche Fachwerkzentrum am 06. und 07.10.2011 im Rahmen
des Projektes speziell für Handwerker und Bauherren ein Praxisseminar zur Thematik der nachträglichen Innendämmung an.
Mit 10 Seminarteilnehmern, bestehend aus privaten Bauherren, einem Lehmbauer und einem
Bauherrn, der gleichzeitig Architekt ist, traten die Anleiter, Architekten und Bauforscher des Fachwerkzentrums in einen intensiven Wissensaustausch. Mit der Möglichkeit am Fachwerkhaus
Schlossberg 11 verschiedene Innendämmsysteme (Wärmedämmlehm und Vormauerung einer
Leichtlehmsteinschale) in der praktischen Ausführung zu erlernen, konnte den überwiegend nicht
sachkundigen Seminarteilnehmern der fachgerechte Umgang mit wohngesunden Baustoffen vermittelt werden. Besonders begeistert waren die Teilnehmer darüber, dass sie vor Ort nicht nur mit
den Anleitern aus dem Fachwerkzentrum, sondern mit den zeitgleich dort eingesetzten Jugendlichen und unseren Lehrlingen zusammen arbeiten durften.
Seminar 07. bis 11.11.11 Studentenseminar Bauforschung Kapellenstraße 16
VL: Hennrich; Praxis: Hennrich, Luthardt, Heepe
In der Woche vom 07. bis 11.11.11 fand ein zusätzliches, gesondert finanziertes, Internationales
Studentenseminar mit der Hochschule Anhalt, Dessau statt. Das erste international ausgerichtete
Studentenseminar im August diente als Multiplikatoreneffekt für weitere Seminare mit nachhaltigen Sanierungskonzepten als thematischen Schwerpunkt.
Die Lehrkräfte der Hochschule Dessau buchten aufgrund der positiven Resonanz bei den Studenten eine weitere Praxiswoche im Fachwerkzentrum (Finanzierung lief unabhängig vom Projekt
Osterwieck Entdecken, Bewahren, Erleben).
Die insgesamt 16 Teilnehmer des internationalen Aufbaustudiengangs der Hochschule Dessau
des Fachbereichs Architektur, Facility Management und Geoinformation stammten aus Deutschland, China, Usbekistan , Indien, Iran, Bangladesch und Pakistan.
Die gemeinsame Sprache aller Teilnehmer war Englisch. Alle Fachbegriffe der Konstruktion, der
Dämmung, der verwendeten Baumaterialien usw. wurden mit Hilfe von Zeichnungen und in englischer Sprache, oftmals bis in die Abendstunden andauernd, vermittelt.
Von Seiten der Stadt und in Abstimmung mit der BauBeCon Sanierungsträger GmbH wurde als
zu bearbeitendes Objekt der Fachwerkbau Kapellenstraße 16 vorgeschlagen. Das aus dem Ende
des 18. Jahrhunderts stammende Gebäude hatte eine Gruppe von Studenten erworben. Die Untersuchung des Gebäudes sollte nach Möglichkeit den Weg einer nachhaltigen Sanierung unter
ökologischen Aspekten aufzeigen.
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Weitere Bausteine des Seminars stellten die Besichtigung der Fachwerkbauten „Gasthaus zur
Tanne“, Hagen 45, „Schäfers Hof“ und „Bunter Hof“ dar. Des Weiteren bestand die Gelegenheit,
die St. Stephaniekirche zu besichtigen. Am letzten Tag des Seminars fuhr die Gruppe nach
Quedlinburg. Erste Station der Tagesexkursion stellte die Besichtigung des Schlossberges 11
dar, dem Praxisprojekt des Fachwerkzentrums.
Die dort tätigen Teilnehmer der Jugendbauhütte Quedlinburg mit ihren Anleitern vermittelten der
internationalen Studentengruppe traditionelle Handwerkstechniken, wie die Herstellung von
Lehmwickeln, die Anwendung der Innendämmmaßnahmen mit Wärmedämmlehm und der Umbau eines historischen Fensters zu einem Kastenfensters. Abschluss des Tages bildete die Besichtigung des Dachstuhls der Marktkirche in Quedlinburg aus dem 14. Jahrhundert.
Seminar im Oktober 2012 Bauforschung Sonnenklee 13
VL: Hennrich; Praxis: Hennrich, Luthardt
Ein international ausgerichtetes Studentenseminar mit 6 Seminarteilnehmern der Hochschule Anhalt in Dessau und 2 Teilnehmern des Freiwilligen Jahres in der Denkmalpflege im Deutschen
Fachwerkzentrum, fand im Oktober 2012 statt. Die Teilnehmer stammten aus Italien, China und
Mexiko. Inhalte des Seminars bildeten die Vermittlung der theoretischen / praktischen Arbeitsmethoden aus den Bereichen der Bauforschung, der Bauaufnahme und der Bauwerksanierung unter
ökologischen und nachhaltigen Aspekten.
Der erste Tag des Seminars begann mit der Vermittlung der theoretischen Kenntnisse aus den
Bereichen der Bauforschung und ökologischen Sanierung. In den folgenden Tagen arbeiteten
die in kleine Gruppen eingeteilten jungen Menschen im Bereich der verformungsgetreuen Bauaufnahme, der Freilegung des konstruktiven Gerüstes mittels kleiner Befundöffnungen und der
zeichnerischen Erfassung des Bestandes mit Konstruktionsskizzen an dem Gebäude Sonnenklee 13.
Seminar 08.04. bis 01.05.2013 Ressourcen schonende energieeffiziente Sanierung
VL: Hennrich; Praxis: Mehlhorn, Hennrich, Baesler, Diebes, Chipalaye
Das erste dreiwöchige Seminar (08.04. bis 01.05.2013) mit 14 Wandergesellen des Rolandschachtes verschiedener Gewerke absolvierten wir im April 2013 im Praxisprojekt Bunter Hof.
Dort erlernten die Handwerksgesellen die ressourcenschonende Ertüchtigung von Holzkonstruktionen, die Restaurierung historischer Türen sowie das Ausmauern, Instandsetzen und Verputzen
historischer Gefache. Die gesamte Nordfassade wurde in dem Seminar mit einem Otterbeinkalk
abgeputzt.
Weitere Anfragen zur Durchführung praxisorientierter Seminare am Bunten Hof erreichten uns
noch bis Ende Oktober 2013. So erlernten die Schüler des Fallsteingymnasiums und des Martineum-Gymnasiums aus Halberstadt an Projekttagen und einem zweiwöchigen Praktikum
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Osterwieck
Entdecken - Bewahren - Erleben
(01.07. bis 07.07.2013; 15.07. bis 17.07.2013) das Handwerk der Lehmwickelherstellung, die Instandsetzung einer Lehmschlagdecke, das behutsame Instandsetzen brandgeschädigter Oberflächen an der Fassade, das Ausmauern von Gefachfelder mit Lehmsteinen sowie die Wiederherstellung von Gefachfüllungen mit Stakenhölzern mit Strohlehmputz.
Seminar 28.10. bis 08.11.2013 Ressourcen schonende energieeffiziente Sanierung
VL: Hennrich; Praxis: Mehlhorn, Reuscher, Hennrich
Ende Oktober und Anfang November (vom 28.10. bis 08.11.2013) erlernten die insgesamt 26
Teilnehmer des internationalen Aufbaustudienganges des Fachbereichs Architektur, Facility Management und Geoinformation aus Irak, Kolumbien, den VereinigtenArab. Emiraten, Indien,
China, Mexiko, Russland, Nigeria, Italien, Iran, Portugal, Irland und Usbekistan mit Begeisterung das Dämmen eines historischen Fachwerkbaus mit ökologischen Baustoffen. Ein Stadtrundgang und eine Exkursion nach Quedlinburg, wo sie am Beispiel des Praxisprojektes Schlossberg 11 auch die handwerkliche Umsetzung Substanz schonender Sanierungsmethoden beobachten konnten, rundeten das englischsprachige Seminar ab.
Seminar Januar 2014 Ressourcen schonende energieeffiziente Sanierung
VL: Hennrich, Westermann, Stöckicht; Praxis: Mehlhorn, Hennrich, Röber, Bauer
Anfang Januar 2014 starteten wir ein weiteres Seminar mit insgesamt 17 Teilnehmer der Hochschule Braunschweig, privaten Hauseigentümern und Mitarbeiter verschiedener Handwerksfirmen (Maler, Tischlereien). Die weiterführenden Dämmmaßnahmen mit ökologischen, kapillaraktiven Baustoffen wurden wiederum am Bunten Hof in Osterwieck durchgeführt. Seminaranleiter
waren, zusätzlich zum Team des Fachwerkzentrums, Guido Röber von Ökohaus und Garten, der
den Teilnehmern die Anbringung von Holzweichfaserplatten erläuterte und Herr Bauer von Haacke Cellco, der die Dämmung mit Wärmedämmlehmplatten theoretisch und praktisch anleitete.
Die Vorträge über Ressourcen schonende Sanierung von historischen Bauten wurden zudem von
Clemens Westermann mit einem Vortrag über energieeffiziente Anlagentechnik im Denkmal begleitet.
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Osterwieck
Entdecken - Bewahren - Erleben
Seminar 04.04.2014 und 22.05.2014 Ressourcen schonende energieeffiziente Sanierung
VL: Hennrich, Stöckicht; Praxis: Mehlhorn, Bauer, Knupper, Paersch
Am 04.04.2014 erlernten die insgesamt 10 Teilnehmer des Teutloff Bildungswerkes in Wernigerode mit Begeisterung das Dämmen eines historischen Fachwerkbaus mit ökologischen Baustoffen. Die Lehrlinge des Malerhandwerkes erhielten durch die Fachvorträge und praktische Arbeit eine Erweiterung ihres Lehrplanes. Putzen mit Lehm und die Verwendung von wohngesunden Dämmstoffen war bisher nicht Bestandteil ihrer Unterrichtseinheiten. Zudem bot das Seminar
die Möglichkeit, zusätzlich Erfahrungen und Qualifikationen im Bereich der Baustellenpraxis zu
erwerben. Die Ausbildung im Bildungswerk erfolgt in den drei Jahren ausschließlich in einer Halle.
Die Leitung des Bildungswerkes in Wernigerode bat um eine Weiterführung der Seminareinheiten, da sie auf großes Interesse von Seiten der Schüler stießen. Infolgedessen wurde am
22.05.2014 ein weiterer Seminartag mit 14 Teilnehmern durchgeführt.
Seminar 21.07.2014-25.07.2014
VL: Hennrich; Praxis: Mehlhorn, Chipalaye
Ein weiteres Seminar mit insgesamt 17 Teilnehmer des internationalen Aufbaustudiengangs der
Hochschule Dessau des Fachbereichs Architektur, Facility Management und Geoinformation wurde im Juli 2014 durchgeführt. Die Teilnehmer stammten aus China. Die gemeinsame Sprache
aller Teilnehmer war, wie in vielen vorangegangenen Seminaren, Englisch. Alle Fachbegriffe der
Konstruktion, der Dämmung, der verwendeten Baumaterialien usw. wurden mit Hilfe von Zeichnungen und in englischer Sprache vermittelt. Vorlesungen erfolgen über Bauschäden an Bauten
nach der Sanierung und über die behutsame Instandsetzung der Modellprojekte des Fachwerkzentrums, Hühnerbrücke 4 in Halberstadt und der Bunte Hof in Osterwieck.
In den Praxisblöcken des Seminars wurde das Ausmauern der Gefachfelder gelehrt, die Instandsetzung historischer Lehmschlagdecken, die Herstellung von Lehmwickeln und das Auftragen
von Ausgleichputzen mit Lehm.
Seminar im September 2014
Seminar im Oktober 2014
VL: Hennrich, Stöckicht; Praxis: Mehlhorn, Stadler, Machunski, Paersch
Die beiden letzten Seminare fanden ebenfalls im Bunten Hof statt. Das erste Seminar wurde fast
ausschließlich für die neuen Jugendbauhüttler des Fachwerkzentrums durchgeführt. In dem zweiten Seminar tummelte sich eine Vielzahl von Menschen aus unterschiedlichen Gruppen auf der
Baustelle. Viele Handwerksbetriebe, Lehrlinge des Teutloff Bildungswerkes und Studenten der
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Osterwieck
Entdecken - Bewahren - Erleben
Hochschule Dessau (Russland, Griechenland, Korea, China) belebten in diesen Seminartagen
die Baustelle.
Zusätzliche Anleiter wie Herr Bauer, Firma Hacke-Cellco, Frau Stadler Restauratorin und Herr
Machunski Malermeister verstärkten das Team des Fachwerkzentrum.
Praxisorientiert wurde die Restaurierung historischer Türen, die Innendämmung an Außenwände
mit ökologischen Dämmstoffen und die Oberflächenbehandlung historischer Türen mit einer Bierlasur umgesetzt.
Seminar im November 2014
VL: Hennrich; Praxis: Mehlhorn, Chipalaye
Das letzte Seminar, kofinanziert von der Hochschule Dessau, führten wir mit 52 Teilnehmern im
November 2014 durch. Die Teilnehmer kommen aus China, Albanien, Nigeria, Kamerun, Kolumbien, Italien, Iran, Bangladesch, Mongolei und Syrien.
Um über 50 Studenten auf der Baustelle umfassend betreuen zu können, teilten wird die Studentengruppe. 25 Personen verblieben in Quedlinburg und besichtigten das älteste zu besichtigende
Fachwerkhaus Word 3, den gegenüberliegenden Renaissancebau Wordgasse 3, die Dachkonstruktion der Marktkirche und das barocke Fachwerkgebäude Goldstraße 25 der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Der Barockbau wurde 2001-2007 vom Fachwerkzentrum mit den Jugendlichen der Jugendbauhütte saniert.
Die zweite Studentengruppe startete unterdessen in Osterwieck am Bunten Hof mit der Praxisarbeit. Die praktische Arbeit umfasste das Dämmen mit Wärmedämmlehmplatten, das Ausmauern
der Gefachfelder mit Lehmsteinen und die Auffüllung der Deckenfelder mit leichter Schüttung
(Liapor).
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Osterwieck
Entdecken - Bewahren - Erleben
Am Mittwoch fanden Vorlesungen für beide Studentengruppen statt. Von Dienstag auf Mittwoch
übernachteten alle Studenten in Osterwieck, im katholischen Pfarramt und dem Schäfershof.
Schlafsäcke, Matratzen und Decken wurden von allen Nachbarn, Freunden und Kollegen geborgt, da die Studenten diese trotz Mitteilung und Aufforderung nur sporadisch mitgebracht hatten.
Der Erfolg des Seminars führte schließlich zur Aufforderung und Bitte von Seiten
Herrn Prof. Lückmann, Vorlesungen in Dessau an der Hochschule zu übernehmen.
Öffentlichkeitsarbeit
Das Projekt Osterwieck-Entdecken-Bewahren-Erleben hat nicht nur in der Osterwiecker Bevölkerung sondern aufgrund von Presseberichten und Präsentationen auch länderübergreifend eine
hohe Präsenz. Präsentationen erfolgten am/für:
2010
21.08.2010 Projektvorstellung für Vertreter des Bauministeriums Sachsen-Anhalt
13.09.2010 Projektvorstellung in Vorstands- und Mitgliederversammlung des DFWZ
19.10.2010 Projektvorstellung zur Auftaktveranstaltung des DBU-Projektes „1 Mio Schritte…“
19.10.2010 Projektvorstellung für Polnische Kulturdelegation
19.10.2010 Projektvorstellung für Beirat (LDA, DBU, KM-LSA, MLV-LSA, DSD)
2011
23.02.2011 Ergebnispräsentation vor Vertretern des Landesamtes für Denkmalpflege, der Unteren Denkmalschutzbehörde, der Stadt Osterwieck
02.05.2011 Projektvorstellung für Gemeindevertretung/Sanierungsträger Hornburg
25.05.2011 Projektvorstellung vor Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr des Landes
Sachsen-Anhalt
08.06.2011 Herr Heinicke – Broschüre Osterwieck
05.07.2011 Ergebnispräsentation für Vorstand und Mitglieder des DFWZ
14.07.2011 Ergebnispräsentation vor der Stadt Osterwieck
22./23.08.11 Internationales Studentenseminar Hochschule Anhalt, Dessau, TU Dresden
25./26.08.11 Einführungsseminar TN JBH, Student aus Wetzlar
20.09.2011 Kongress Städtebaulicher Denkmalschutz
22.09.2011 Projektvorstellung für die Chefs der Staatskanzlei
26.09.2011 Projektvorstellung für Gemeindevertretung/Sanierungsträger Hornburg
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Osterwieck
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06.10./ 07.10.2011 Seminar Osterwieck EBE für Handwerker und Bauherren
12.10.2011 Projektvorstellung in Wittenberg auf der AHF Tagung
21.10.2011 Ergebnispräsentation Beirat (LfD, DBU, KM-LSA, MLV-LSA, DSD)
05.11.2011 Projektvorstellung bei der Veranstaltung „Luthers Wort“ in Osterwieck
07.11.- 11.11.2011 Internationales Studentenseminar in Osterwieck (Kapellenstr. 16), Hochschule Anhalt Dessau
30.11.2011 Ergebnispräsentation vor Landesamt für Denkmalpflege
2012
13.01.2012 Projektvorstellung Podiumsdiskussion Frau Hennrich/ Herr Storz (DSD)
13.02.2012 Ergebnispräsentation Herrn Dr. Knüppel
27.02.2012 Ergebnispräsentation vor Herrn Memmert ( Bürgermeister Stadt Hornburg)
01.03.2012 DBU Osnabrück- Projektvorstellung
05.04.2012 Projektvorstellung vor Bauminister des Landes Sachsen-Anhalt Herrn Webel
07.05.2012 Stadtführer Goslar – Projektvorstellung
05.06-06.06.2012 Woche der Umwelt – Projektvorstellung
13.06.2012 Historischer Verein Oranien Nassau – Projektvorstellung
09.09.2012 Tag des offenen Denkmals
31.08.2012 Vorstandssitzung und Mitgliederversammlung des Vereins
Vorstellung des Projektarbeitsstandes
2013
20.02.2013 Tagung „Lehmbautag“ DSD – Projektvorstellung
12.11.2013 Werkstatt „Modellvorhaben Gebäudebestand Energieeffizienz Denkmalschutz“ Berlin
Projektvorstellung
15.09.2013 Tag des offenen Denkmals
09.12.2013 Landesverwaltungsamt Herr Stappenbeck, Vorstellung Projektarbeitsstand
2014
14.09.2014 Tag des offenen Denkmals
07.11.- 08.11.2014 Denkmalmesse Leipzig- Projektvorstellung
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