Die Frau kommt mehrfach zu kurz, wenn der Mann zu früh kommt

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Psychologie aktuell: Die Frau kommt mehrfach zu kurz, wenn der Mann zu früh kommt
04-06-14
Die Frau kommt mehrfach zu kurz, wenn der Mann zu früh kommt
Rund ein Drittel aller Männer leidet unter vorzeitigem Samenerguss. Für die Mehrheit der Frauen ist
aber weniger der verkürzte und höhepunktslose Liebesakt frustrierend. Eine Sexualforscherin der
Universität Zürich zeigt: Sind Männer zu stark auf die Kontrolle des Samenergusses fokussiert,
ignorieren sie die sexuellen Bedürfnisse der Frauen und können nicht auf deren individuellen
Wünsche eingehen, was die Partnerschaft erheblich gefährden kann.
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Der vorzeitige Samenerguss ist eine der häufigsten Sexualstörungen bei Männern. Unter dieser leiden aber
nicht nur Männer, sie führt auch bei Frauen zu einem erhöhten Leidensdruck und Stress, wie die aktuelle
Umfrage zeigt, die Andrea Burri, Klinische Psychologin an der Universität Zürich, durchgeführt hat. Rund 40
Prozent der über 1 500 befragten Frauen aus Mexiko, Italien und Südkorea gaben an, dass die
Ejakulationskontrolle sehr wichtig für befriedigenden Geschlechtsverkehr sei. Nicht die kurze Zeitdauer des
Liebesaktes wird in erster Linie von der Mehrheit der Frauen als Hauptquelle des sexuellen Frustes
angesehen, sondern der Umstand, dass der Mann zu stark auf das Hinauszögern des Samenergusses
fokussiert ist. Dadurch ignoriert er die sonstigen sexuellen Bedürfnisse der Frau und kann nicht auf ihre
individuellen Wünsche eingehen.
Frauen, die selten zum Höhepunkt kommen, leiden mehr
Für die Mehrheit der befragten Frauen besteht erfüllende Sexualität nicht nur aus Geschlechtsverkehr,
sondern umfasst auch Küssen, Streicheln sowie andere Formen von sexueller Stimulation, die als ebenso
wichtig für eine befriedigende Sexualität erachtet werden. Wenn der Mann hauptsächlich mit seinem
Problem, dem vorzeitigen Samenerguss und damit seiner Leistung, beschäftigt ist, gehen diese Bedürfnisse
unter. Der Geschlechtsverkehr richtet sich zunehmend nach der Zeit und nicht nach dem «wie mögen wir es
und was tut uns gut». «Auf Dauer ist die Frau verzweifelt und frustriert. Ähnlich wie der Mann vermeidet auch
sie aus Furcht vor einer Zurückweisung und der daraus resultierenden Verletzung der eigenen Sexualität
zunehmend den sexuellen Kontakt», erklärt die Sexualforscherin Andrea Burri. Die Frau büsse damit an
Lebensqualität ein und stelle letztlich die Partnerschaft in Frage.
Dabei leiden vor allem jene Frauen unter der einseitigen Aufmerksamkeit des Mannes, die nicht den
Geschlechtsverkehr als zentralen Aspekt der Sexualität empfinden, sondern eher die sexuelle Kreativität in
den Vordergrund stellen. «Interessanterweise ist eine lange Koitusdauer vor allem für die Frauen wichtig, die
keine Mühe haben zum Höhepunkt zu kommen», so Andrea Burri. Für jene Frauen, die selten oder gar nie
zum Orgasmus kommen, sei die Koitusdauer nicht zentral. Viel mehr diene hier der sexuelle Akt dem Aufbau
und Erleben von Intimität und Bindung. Der vorzeitige Samenerguss wird von den Frauen zwar ebenfalls als
belastend erlebt, die verkürzte Dauer jedoch als weniger problematisch empfunden als die
Unaufmerksamkeit des Partners auf die restlichen sexuellen Bedürfnisse.
Die Umfrage zeigt, dass aufgrund der psychischen Belastung und des angestauten Frusts der Frau eine im
Grunde harmonische Beziehung häufig mit einer Trennung endet. Ein Grossteil der Frauen gab an, in
früheren Beziehungen mit Partnern, die unter keinem sexuellen Problem litten, bedeutend zufriedener
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gewesen zu sein. Dies hing hauptsächlich damit zusammen, dass das Problem des vorzeitigen
Samenergusses in der aktuellen Beziehung zu stark gewichtet worden sei. Darüber hinaus kam es bei einem
Viertel der Umfrageteilnehmerinnen in der Vergangenheit bereits zum Bruch der Partnerschaft aufgrund
dieses sexuellen Problems. «Denn die Konsequenzen sind oftmals weitreichender als die blosse sexuelle
Unzufriedenheit, da es in Extremfällen eine Bedrohung für den Kinderwunsch bedeutet, wenn der Mann
schon vor dem eigentlichen Geschlechtsverkehr ejakuliert», schliesst Andrea Burri.
www.mediadesk.uzh.ch/articles/2014/die-frau-kommt-mehrfach-zu-kurz-wenn-der-mann-zu-frueh-kommt.html
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