Neue Wege des Wirtschaftens

Werbung
Robert Musil
Neue Wege des Wirtschaftens
Einleitung
Glaubte man noch in den 1970er-Jahren, dass Finanzkrisen ein Schreckgespenst der
Zwischenkriegszeit waren, so scheinen diese heute untrennbar mit der ökonomischen
Realität verbunden zu sein; von der mexikanischen Schuldenkrise im Jahre 1982 reicht
eine Kette bis in die Gegenwart. In den 1990er-Jahren nahmen die Finanzkrisen in der
Peripherie der Weltwirtschaft deutlich zu: die Mexikokrise 1994/95, die Brasilienkrise
1995, die Russlandkrise 1994/97, die Asienkrise 1997 (betroffen waren Thailand, Südkorea, Indonesien, Malaysia und Philippinen) und die aktuelle Krise in Argentinien (Boris
u.a. 2000:17-25). Die Dynamik der Finanzmärkte, durch Spekulationen, kurzfristige
Gewinninteressen und massenpsychologische Effekte gesteuert, kann zum astronomischen Anstieg von Aktienkursen („Spekulationsblasen“) führen. Treten die überzogenen Erwartungen der Anleger nicht ein, so können relativ unbedeutende Ereignisse zu
Panikverkäufen führen; der Herdentrieb der Anleger kann in der Folge in den betroffenen Ländern zu Währungs- und Wirtschaftskrisen führen (Herrmannsdorfer 1997:18;
Gelbmann 1999).
Das Beispiel des Tigerstaates Thailand zeigt diese Tendenz sehr deutlich: Innere
strukturelle Probleme, wie mangelnde Kontrolle des Bankensektors und der Zusammenbruch des Immobiliensektors sowie der Exportwirtschaft, lösten an den internationalen Finanzmärkten eine Spekulationswelle gegen den thailändischen Baht aus, dem
die „Bank of Thailand“ nicht standhalten konnte. Die Währung stürzte ins Bodenlose
und die Krise breitete sich in den folgenden Monaten auf die asiatischen Tigerstaaten
aus (Husa/ Wohlschlägl 1999:228f).
Was bedeutet der Begriff „Krise“, der den Zustand der aktuellen Weltfinanzordnung
so treffend beschreibt? Das sich aus dem griechischen „krisís“ ableitende Wort meint
eine „Entscheidung oder eine entscheidende Wende“; in der medizinischen Fachsprache wird damit der „Höhe- und Wendepunkt einer Krankheit“ bezeichnet (Duden
Herkunftswörterbuch 2001). Damit erhält der Begriff Krise eine neue, tiefere Bedeutung: kein Tiefpunkt, sondern eine Chance, ein Scheitel- und Wendepunkt. Es muss
daran erinnert werden, dass die Gestaltung unserer Wirtschaftsordnung nicht auf Naturgesetzen, sondern (wie die Liberalisierung der Finanzmärkte seit den 1980er-Jahren
zeigt) auf politischen Entscheidungen beruht (vgl. Bischoff 2000:29).
244
Robert Musil
An diesem Punkt möchte dieser Artikel anknüpfen und Ausschau nach neuen, alternativen Wegen des Wirtschaftens halten. Dabei sollen Konzepte und Initiativen vorgestellt
werden, die auf der regionalen und globalen Ebene umgesetzt werden können. Wozu diese
„Doppelstrategie“, unterschiedliche Maßstabsebenen zu berücksichtigen? Seien es die
hierarchischen Standortstrukturen multinationaler Konzerne, die weltweite Konzentration
der Direktinvestitionen, die Filialnetze der Banken oder die Aktien- und Währungskurse
an den Finanzmärkten: Impulse der globalen Ebene wirken auf die Regionen.
Der Artikel ist in drei Teile untergliedert. Im ersten werden kurz die grundlegenden
Funktionen und Wirkungsweisen des Geldsystems behandelt; dies ist für das Verständnis
der danach folgenden Kapitel von Bedeutung, da die alternativen Konzepte versuchen,
die Funktionen und Eigenschaften des Geldes zu modifizieren. Im zweiten Teil werden
sehr unterschiedliche Initiativen vorgestellt, die auf lokaler und regionaler Ebene versuchen, Wirtschaftskreisläufe in Gang zu setzten bzw. zu fördern, um auch in peripheren
Gebieten Wertschöpfungsprozesse zu ermöglichen. Im dritten und letzten Teil findet eine
historische Rückblende zu den Verhandlungen von Bretton-Woods statt. Bei dieser Konferenz im Juli 1944 trafen die Verhandlungsteams der Vereinigten Staaten und Großbritanniens zusammen, um die Grundlagen der Weltwirtschaftsordnung nach dem Zweiten Weltkrieg festzulegen. Dabei standen zwei Konzepte zur Disposition, wobei an dieser Stelle
das Hauptaugenmerk auf den von John Maynard Keynes entwickelten Plan gelegt werden
soll, der sich gegen die Interessen der Vereinigten Staaten nicht durchsetzen konnte.
Grundlegende Mechanismen und Wirkungsweisen des Geldes
Auf die Frage, was Geld eigentlich sei, werden in den Lehrbüchern der Wirtschaftswissenschaften drei klassische Eigenschaften genannt (vgl. Samuelson/Nordhaus 1998:565):
– Geld ist Tauschmittel zwischen Waren (Handelsfunktion)
– Geld ist Recheneinheit, das Maß für den Tauschwert der Waren (Rechenfunktion)
– Geld ist Wertaufbewahrungsmittel (Sparfunktion).
Die neoklassische Wirtschaftslehre sieht Geld lediglich als ein Gut (mit den genannten
Eigenschaften ausgestattet), das den Ablauf ökonomischer Prozesse erleichtert. Dieses
„Neutralitätspostulat“, demzufolge Geld wie ein „Schleier“ über ökonomischen Prozessen liegt, weist diesem keine besondere Bedeutung für den Ablauf des Wirtschaftssystems selbst zu (Smith 1974[1789]).
Kritik an dieser Sichtweise kommt von John Maynard Keynes, der von der Liquiditätspräferenz der Marktteilnehmer ausgeht: Geld ist den Waren überlegen, da erstens
kein Marktteilnehmer Arbeitskraft in dessen Erzeugung lenken kann und da es zweitens
durch kein anderes Gut ersetzt werden kann. Letztendlich dient einzig das Geld dazu,
die Vorliebe für Liquidität zu befriedigen; die Nachfrage in einer Volkswirtschaft ist
deshalb primär darauf ausgerichtet (Keynes 2000[1936]:192-195). Die Bedeutung des
Geldes in einer arbeitsteiligen Wirtschaft liegt in der Warenzirkulation und dient der
Bedürfnisbefriedigung der Handelspartner (siehe Formel 1). Während der Produzent
der Ware (W) auf eine Transaktion hoffen muss, um in den Genuss des Liquiditätsvorteils zu kommen, kann der Geldbesitzer in Ruhe jenen Tausch wählen/abwarten, der
ihm den größten Nutzen bringt. Daraus ergibt sich eine Asymmetrie des Tauschhandels
Neue Wege des Wirtschaftens
245
zugunsten des Geldbesitzers. Die „Zwangsnachfrage“ ist die Ursache für die Überlegenheit des Geldes gegenüber der Gesamtheit der Güter. Es ist mehr als eine Tauschware, es ist die materialisierte Form von Tauschfähigkeit (Suhr/Godschalk 1986:26).
Diese Hierarchie zwischen Geld und Gütern bietet die Möglichkeit, Geld nicht nur als
Mittel zum (Tausch-)Zweck einzusetzen: Als Investitionskapital dient es nicht der Warenzirkulation, sondern den Gewinninteressen des Besitzers. Durch die Umkehr der einfachen Tauschformel wird das Tauschmedium Geld in Kapital verwandelt (Formel 2), dessen Funktion die Erbringung einer Rendite (G’) ist. Geld dient nicht mehr der Warenzirkulation. Geld(-Kapital) wird – im Zuge von Handels- oder Produktionsvorgängen – in
Waren umgewandelt, um danach wieder zu Geld(-Kapital) gemacht zu werden. Geld, das
aus sich selbst heraus zu mehr Geld wird (Binswanger 1994:83). „Er (der Käufer der
Ware) wirft beim Kauf der Ware Geld in die Zirkulation, um es ihr wieder zu entziehen
durch Verkauf derselben Ware. Er entläßt das Geld nur mit der hinterlistigen Absicht,
seiner wieder habhaft zu werden. Es wird daher nur vorgeschossen.“ (Marx 1957[1867]:112)
Das Phänomen Geld ist durch eine Doppelfunktion gekennzeichnet: Erstens ist es ein
Gut, daß durch seine Eigenschaften ökonomische Transaktionen ermöglicht; mit der Bereitstellung von „Liquidität“ kommt dem Geld ein öffentlicher Charakter zu. Und zweitens weist es einen privaten Charakter auf, der nicht auf die Bereitstellung von Liquidität,
sondern auf persönliche Gewinnmaximierung ausgerichtet ist (Binswanger 1994).
W–G–W
G – W – G’
G – R – G’
(1)
(2)
(3)
Die Hierarchie des Geldes drückt sich nicht nur gegenüber Gütern, sondern auch zwischen Währungen aus. Die internationale Position einer Währung hängt von der Stabilität des Wechselkurses ab, wobei Länder mit Gläubigerstatus (d.h. die Forderungen in
der Währung sind höher als die Verbindlichkeiten) diesen besser verteidigen können als
verschuldete Währungen; diesen bleibt im Falle von Spekulationsattacken häufig nur
die Wahl zwischen Abwertung und Auflösung der Währungsreserven, wodurch das Vertrauen internationaler Anleger weiter sinkt. Für Investoren sind zwei Faktoren entscheidend: Erstens die Zinshöhe und zweitens die Vertrauensprämie, die eine „nicht-pekuniäre Ertragsrate“ darstellt (Nitsch 1995:84). Je höher die Stabilität einer Währung, umso
niedriger können die Zinsen sein; dagegen müssen Schuldnerländer das geringe Vertrauen in ihre Währung durch hohe Zinssätze ausgleichen, womit allerdings die Konjunktur gebremst wird.
Die Unterscheidung von Währungszonen mit hoher und niedriger Qualität ist für
Anleger entscheidend; die Erfahrungen von Finanzkrisen zeigten, dass im Falle einer
Rezession das Investitionskapital internationaler Anleger immer in „sichere“ Währungsräume zurückfließt (Harvey 1999:387). Das scheinbar raumlose Phänomen Geld bekommt damit eine räumliche Komponente; Formel (2) lässt sich deshalb auch in Formel
(3) darstellen: Nicht eine Ware, sondern ein Währungsraum (R) ist aufgrund seiner Qualität (Stabilität, Schulder-/Gläubigerwährung, Währungsreserven, Marktgröße und Stärke
der Volkswirtschaft) die Quelle von G’ (Arrighi 1994:33).
Die Entwicklungsfähigkeit einer Volkswirtschaft ist in entscheidendem Maße von
der Fähigkeit geprägt, Geld durch eine verlässliche, anerkannte Institution (Notenbank)
246
Robert Musil
zu schaffen. Kann die Notenbank keine stabile Währung emittieren, also das öffentliche
Gut „Liquidität“ zur Verfügung stellen, so greifen Konsumenten und Produzenten auf
ausländische und stabile Währungen zurück (Dollarisierung). Auf der regionalen Ebene
kann die Entwicklungsfähigkeit aus monetärer Sicht auf zwei Arten gestört werden:
durch inflationäres und nicht anerkanntes Geld seitens der Notenbank (qualitative Unterversorgung) oder durch Kapitalarmut (quantitative Unterversorgung). Periphere Regionen, die gegenüber den Zentren eine relativ schwache Wachstumsdynamik aufweisen,
bieten für Anleger keine ausreichend lukrativen Investitionsmöglichkeiten. Ebenso sind
Kredite bei Banken aufgrund des niedrigeren Wachstumsniveaus zu teuer oder werden
von diesen aufgrund höheren Risikos gar nicht angeboten (Leyshon/Thrift 1997). Im
folgenden Kapitel werden Konzepte vorgestellt, die versuchen, die Funktionen des öffentlichen Gutes Geld zu kompensieren, um Entwicklungsprozesse zu fördern.
Handlungsspielräume schaffen: Alternative Geldsysteme
Bei alternativen Geldsystemen handelt es sich um Strategien, mit denen monetäre Unterversorgung kompensiert werden soll. Sehr häufig sind diese Initiativen räumlich begrenzt; in diesem Fall wird von regionalen Geldsystemen gesprochen. Alternative Geldsysteme versuchen den Kapitalmangel durch zwei Formen zu substituieren: erstens durch
die Ausgabe einer eigenen Währung (deren Gültigkeit räumlich oder auf einen Personenkreis begrenzt ist) und zweitens durch Vergabe von Krediten nach ethischen oder
sozialen Gesichtspunkten. Alternative Geldsysteme stehen im ersten Fall außerhalb, im
zweiten am Rande der formellen Wirtschaft; dennoch muss hier klar von Subsistenzwirtschaften unterschieden werden, die ja abseits der kapitalistischen Systeme existierten. Alternative Geldsysteme stellen im Gegensatz dazu eine Antwort lokaler Entscheidungsträger auf die Marginalisierungstendenzen des kapitalistischen Systems dar; sie
versuchen, eigene wirtschaftliche Kreisläufe in Gang zu setzten und Wertschöpfungsprozesse in der Peripherie zu fördern oder zu induzieren; alternative Geldmodelle wurden sozusagen aus dem Kapitalismus heraus entwickelt (vgl. Musil 2001).
So unterschiedlich die Formen dieser Initiativen auch waren, so standen doch immer die gleichen oder zumindest sehr ähnliche Ziele im Mittelpunkt: die unmittelbare
Bedürfnisbefriedigung der Bevölkerung, die Belebung der lokalen Wirtschaft und die
Förderung der persönlichen Ressourcen/Fähigkeiten der Mitglieder. Daneben schwingt
(in der Gegenwart gleichermaßen wie in der Vergangenheit) eine sehr starke ideologische, kapitalismuskritische Komponente mit. Paul Gloover gründete in Ithaca, einem
Vorort von New York, eine eigene Währung, die Ithaca-hours. Über die Motivation zur
Gründung einer Komplementärwährung meint er: „Wir haben unser eigenes Geld gedruckt, weil wir schon lange beobachtet hatten, wie Bundesdollars hierher kommen,
durch einige Hände gehen und dann abwandern und für Holz aus dem Regenwald und
zur Kriegführung verwendet werden. Dagegen bleiben Ithaca-hours (so heißt unsere
Währung) in unserer Gegend und dienen dazu, dass wir einander anstellen können.
Während der US-Dollar uns zunehmend von multinationalen Konzernen und Bankiers
abhängig werden lässt, verstärken die hours den Handel in der Gemeinde und kommen
einem Geschäftsleben zugute, das eher auf unsere Besorgnis um Ökologie und soziale
Neue Wege des Wirtschaftens
247
Gerechtigkeit Rücksicht nehmen wird.“ (www. itacahours.org) Eine Befragung unter
den Organisatoren österreichischer Tauschkreise ergab, dass im Wesentlichen zwei Bündel
an Motiven für die Beteiligung an der Gründung ausschlaggebend waren: die Möglichkeit alternativen Wirtschaftens (sozial, zinsfrei, Alternative zum herkömmlichen Wirtschaftssystem) und die soziale Dimension (Stärkung der Gemeinschaft, Förderung der
Kreativität der Mitglieder) (vgl. Musil 2001:247).
Die in weiterer Folge vorgestellten alternativen Geldsysteme werden in zwei Gruppen zusammengefasst: erstens jene Initiativen, die in die formelle Ökonomie integriert
sind, also auf die Währung des Landes zurückgreifen (Kreditgenossenschaften und
Alternativbanken); und zweitens um Systeme, die eigenes Geld oder Geldersatz emittieren (Wörgler Schwundgeld, Tauschkreise, Barter).
Kreditgenossenschaften und Alternativbanken
Um die Mitte des 19. Jahrhunderts gründete Willhelm Raiffeisen in Süddeutschland
eine regionale Kreditgenossenschaft mit dem Ziel, die monetäre Versorgung der bäuerlichen Bevölkerung zu verbessern. Für Raiffeisen stellte das mangelnde Investitionspotenzial in den Gemeinden ein Hemmnis für die Verbesserung der Produktivität und
damit der wirtschaftlichen Situation der ländlichen Bevölkerung dar (Raiffeisen 1887:27).
Die Darlehenskassen Raiffeisens waren lokal begrenzt und boten der bäuerlichen
Bevölkerung günstige Kleinkredite. Finanziert wurden die Vereinsmittel durch Genossenschaftsbeiträge und Spenden in Form zinsfreier Guthaben. Ein weiterer Weg, die
Kapitalausstattung zu erhöhen, waren die Spareinlagen der Mitglieder: bisher war es in
ländlichen Regionen üblich, das ersparte Geld (im wahrsten Sinne des Wortes) unter der
Matratze zu verstecken, da es für die Mindesteinlage bei einer normalen Geschäftsbank
nicht ausreichte. Dagegen versuchte Raiffeisen das Sparen gezielt zu fördern, wobei er
darin mehrere Vorteile sah: Erstens hinderte die „Sparmentalität“ das Genossenschaftsmitglied daran, sein Geld für unüberlegten Konsum auszugeben; durch die Auszahlung
von Zinsen wurde die Sparquote weiter gefördert. Letztendlich bildete die Sammlung
selbst kleinster Geldbeträge eine wichtige Finanzierungsquelle der Genossenschaften
(Musil 2001:160).
Raiffeisens Darlehenkassen gingen über den ökonomischen Bereich hinaus, denn
gleichwertig mit der Verbesserung der ökonomischen Situation standen ethische Ziele
wie die Förderung und Verbesserung des gemeinschaftlichen Lebens, die jedoch wieder
wirtschaftliche Aspekte aufwiesen: Ein kleiner Mitgliederkreis ermöglichte die soziale
Kontrolle durch die Gemeinschaft, womit die Zahlungsdisziplin der Kreditnehmer erhöht wurde. Letztendlich haftete auch jedes Genossenschaftsmitglied mit seinem Vermögen für die von der Genossenschaft vergebenen Kredite.
Das Erfolgsmodell der Kreditgenossenschaften machte auch bald in Großbritannien
und den USA Schule: Wie auch im Deutschen Reich waren ländliche Regionen durch
Kapitalarmut und zunehmende ökonomische Marginalisierung gekennzeichnet (Grunow
1998:57) und stellten damit für Kreditgenossenschaften oder credit unions bis heute ein
umfangreiches Betätigungsfeld dar – Ende der 1980er-Jahre waren in den USA 16.000
credit unions mit 54 Millionen Mitgliedern registriert (Leyshon/Thrift 1997:245). Im Gegensatz zu den Raiffeisen-Genossenschaften, die sich durch einen Dachverband zu einem
großen Konzern entwickelten, der sich besonders nach dem Zweiten Weltkrieg sukzessive
248
Robert Musil
von den genossenschaftlichen Prinzipien zurückzog (Amann 1993:11), blieben die credit
unions den Prinzipien der lokalen Begrenzung und der Genossenschaft verbunden.
Deren Wert zeigte sich in Großbritannien, als nach der Bankenkrise in den frühen
1990er-Jahren („Big Bang“) das Filialnetz in peripheren Gebieten stark ausgedünnt wurde; die Strategie der Banken einen „flight to quality“ durchzuführen, also das Filialnetz
eher auf Regionen mit hohem Pro-Kopf-Einkommen zu konzentrieren, führte zu einer
Unterversorgung mit Bankdienstleistungen, die durch credit unions teilweise kompensiert wurden (Leyshon/Thrift 1997:242).
Der Grundgedanke Raiffeisens, wirtschaftliches Handeln mit ethischen Grundsätzen zu verbinden, beziehungsweise darauf auszurichten, kommt heute noch in verschiedenen Adaptionen zu Anwendung. Ein international bekanntes Beispiel stellt die
Grameen-Bank in Bangladesch dar. Sie wurde zur Bekämpfung der Armut unter der
landlosen Bevölkerung und Kleinbauern gegründet und orientiert sich bei der Kreditvergabe ebenfalls an ethischen Grundsätzen. Das erste Studienprojekt war so erfolgreich, dass es 1979 mit Hilfe der Zentralbank auf den gesamten Distrikt Tangail (nördlich der bangalesischen Hauptstadt Dhaka) ausgeweitet wurde; im Oktober 1983 wurde
die Grameen Bank (GB) gegründet. Ziel der Bank ist es, den Ärmsten Zugang zu
Investitionskapital zu verschaffen und damit den Teufelskreis „geringe Einkommen –
geringe Sparneigung – geringe Investition – geringe Einkommen“ aufzubrechen.
Die Kreditvergabe kann bei Besitzlosen nicht auf Basis materieller Sicherheiten
durchgeführt werden; deshalb wird diese durch den sozialen Druck, der durch die moralische Schuld entsteht, kompensiert. Der Kredit wird nicht an Einzelpersonen, sondern
nur an eine Gruppe vergeben. Die Verantwortung, die der Schuldner gegenüber der Gruppe
trägt, zeigt auch Wirkung, denn 95 Prozent aller vergebenen Kredite werden zurückbezahlt. Die Summe, die im Durchschnitt durch Kredit an eine Person vergeben wird, mag
für europäische Dimensionen geradezu lächerlich sein, sie beträgt 160 USD. Allerdings
können mit diesem Kapital eigene Produktionsprozesse ausgelöst werden (z.B. durch
Einrichtung einer Töpferei, einer Weberei, eines Transportbetriebes, eines Unternehmens zur Leimherstellung), die nur geringes Startkapital benötigen. Die Kreditvergabe
wird mittels einer intensiven Betreuung der Bankangestellten unterstützt, die ständig
per Fahrrad durch die Dörfer fahren („bicycle bankers“) und die Kreditnehmer durch
Beratungsgespräche (die sicherlich auch eine Kontrollfunktion haben) zu verlässlichem
Geldumgang erziehen sollen. Das entscheidende Kriterium für den Erfolg der Bank und
die Verlässlichkeit der Kunden wird in der intensiven Gruppenbetreuung gesehen. „It
was thought that the poor would not be able to repay; in fact, repayment rates reached 97
percent. It was thought that poor rural women in particular were not bankable; in fact,
they accounted for 94 percent of borrowers in early 1992. It was also thought, that the
poor cannot save; in fact, group savings have proven as successful as group lending.“
(www.grameen.org)
Wie stark die ethisch-sozialen Grundsätze der Grameen Bank wirken, zeigt sich auch
an der Tatsache, dass 90 Prozent der Kredite an die Rechtlosesten der Armen gehen, nämlich an Frauen. Auf diese Weise wird der Sozialstatus der Frauen gehoben, gleichzeitig
sinkt die materielle Abhängigkeit von den Ehemännern. Mit den Sparguthaben der Kunden werden wieder soziale Projekte gefördert, wie etwa der Bau von Sanitäranlagen und
Rohrbrunnen, sowie landwirtschaftliche Produktion und Investitionsgüter.
Neue Wege des Wirtschaftens
249
Das Konzept der Grameen Bank trug erstaunliche Früchte: Betrug das Kreditvolumen 1976 knapp 500 USD, lag es 1997 bei 385,8 Millionen USD. Die Mitgliederzahl
stieg in diesem Zeitraum von 10 auf 2,27 Millionen; 1976 war die Grameen Bank ein
Ein-Mann-Betrieb, mittlerweile sind dort 12.600 Angestellte beschäftigt – in 57 Ländern wurden Banken gegründet, wobei sich das Konzept nicht nur in Entwicklungsländern bewähren dürfte: im Dezember 1999 wurde die grameen foundation in den USA
gegründet (Musil 2001:168).
Ein weiteres Beispiel für eine ethisch orientierte „non-profit“-Bank ist die deutsche
GLS-Gemeinschaftsbank. „Nicht der Profit als Selbstzweck ist die Richtschnur im Kreditgeschäft, sondern die Idee, Geld als sinnvolles Medium zu nutzen, um soziale Prozesse in Gang zu setzen.“ (Douthwaite/Diefenbacher 1998:152) Das Eigenkapital der
Bank (von den Genossenschaftsmitgliedern aufgebracht) wird nicht verzinst, wodurch
sehr günstige Kredite vergeben werden können; in den Genuss dieser günstigen Kredite
kommen ausschließlich Projekte, die gemeinnützigen Charakter aufweisen: Freie Schulen, Kindergärten, Bio-Bauernhöfe, heilpädagogische und sozialtherapeutische Initiativen, Arbeitslosenprojekte, gemeinschaftliche Wohnprojekte. Die vergebenen Kredite
sind zinsfrei, es wird einzig eine Gebühr („kostendeckende Kreditumlage“) verrechnet,
die jährlich neu berechnet wird. Die Genossenschaftsanteile haben eine Laufzeit von
fünf Jahren zu einer Verzinsung von Null Prozent, die Mindesteinlage beträgt 100 Euro.
Die Mitglieder haben die Möglichkeit, darüber hinaus in Fonds zu investieren, die speziellen Projekten gewidmet sind und in denen auch Renditen ausbezahlt werden. Eine
Schwäche der alternativen Banken stellt deren geringe Größe dar; empirische Untersuchungen haben ergeben, dass große Banken bessere Diversifikationsmöglichkeiten sowie eine verlässlichere Risikoabsicherung ermöglichen (Fink/Koller 2001:537-540).
Komplementärwährungen, Tauschkreise und Barter
Mit der Weltwirtschaftskrise, die ab 1929 Europa erfasste, entstanden mehrere an die
spezifischen Erfordernisse der damaligen Umstände angepasste Regionalwirtschaften.
Die makroökonomische Situation war in Deutschland und Österreich durch Gold- und
Devisenabflüsse gekennzeichnet, das Einfrieren der US-Kredite an Verlierermächte des
Ersten Weltkrieges führte zu einer Deflationskrise. Die Wirtschaft wurde durch sinkende Nachfrage gelähmt, statt zu investieren und konsumieren horteten kleine und große
Geldbesitzer ihr Vermögen im sprichwörtlichen Sinne unter der Matratze (Senf 1996:65).
Die Arbeitslosigkeit stieg im Winter 1930/31 in Deutschland auf 4,4 Millionen, in Österreich auf rund 240.000 (Treue 1967:178).
Auch die Tiroler Gemeinde Wörgl blieb nicht von der Krise verschont. Die überaus
hohe Arbeitslosigkeit belastete die überschuldete Gemeindekasse noch mehr; kurz vor
dem Bankrott und dem totalen wirtschaftlichen Stillstand stehend, entschloss sich der
Bürgermeister von Wörgl zur Ausgabe einer Komplementärwährung, die parallel zum
Schilling existierte. Im Gemeinderat schlug der Wörgler Bürgermeister die Ausgabe
von Notgeld vor: „Langsamer Geldumlauf ist die Hauptursache der bestehenden Wirtschaftslähmung. Das Geld als Tauschmittel entgleitet immer mehr den Händen der schaffenden Menschen. Es versickert in den Zinskanälen und sammelt sich in den Händen
weniger Menschen, die das Geld nicht mehr dem Warenmarkt zuführen, sondern als
Spekulationsmittel zurückhalten … Das träge und langsam umlaufende Geld der Natio-
250
Robert Musil
nalbank muss im Bereich der Gemeinde Wörgl durch ein Umlaufsmittel ersetzt werden,
welches seiner Bestimmung als Tauschmittel besser nachkommen wird als das übliche
Geld.“ (Schwarz 1996[1951]:37) Im Gemeinderat wurde die Ausgabe von „Arbeitswertscheinen“ mit einem Nennwert von 1, 5 und 10 Schilling einstimmig beschlossen. Um
die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes zu erhöhen, war dieses mit einem Negativzinssatz
versehen; monatlich musste eine Marke (1 Prozent des Nennwertes) aufgeklebt werden,
damit der Arbeitswertschein seine Gültigkeit behielt; daher wurde das Notgeld der Gemeinde Wörgl auch „Schwundgeld“ genannt.
Als am 31. Juli die Gehälter der Gemeindebediensteten mit den Arbeitswertscheinen
ausgezahlt wurden, war die ganze Bevölkerung informiert worden, alle Geschäfte in
Wörgl akzeptierten die Scheine. Noch am ersten Tag der Auszahlung flossen 5.100 Schilling an ausständigen Steuern (in Form von Arbeitswertscheinen) in der Gemeindekasse
ein. Man vermutete zuerst eine Fälschung der Scheine, denn wie konnten mit 1.000
Schilling ein mehr als fünfmal so hoher Betrag an Steuern bezahlt werden?
Die Scheine waren aber echt, des Rätsels Lösung liegt in der hohen Umlaufgeschwindigkeit des neuen Geldes: da niemand die einprozentige Notabgabe zahlen wollte, versuchte jeder sein Geld so schnell wie möglich los zu werden. Man zahlte Schulden, konsumierte, zahlte Steuern; die kleinen Unternehmen hatten auf einmal wieder Geld und investierten dieses wieder. Insgesamt wurden während der gesamten Dauer des Experimentes
8.500 Schilling an die Gemeindekasse zur Verfügung gestellt, aufgrund der hohen Umlaufgeschwindigkeit des Geldes wurde dieser Gesamtbetrag nicht einmal voll in Anspruch
genommen (Schwarz 1996[1951]:46). Was tat die Gemeinde mit den Einnahmen? Sie gab
sie sofort wieder aus, für Löhne, für Notstandshilfe und vor allem für neue Bauvorhaben:
Straßen wurden ausgebaut und kanalisiert, Gemeindegebäude und eine Brücke errichtet.
Alle diese Arbeiten wurden zwischen Juli 1932 und September 1933 durchgeführt, die
Finanzierung erfolgte ausschließlich über Arbeitswertscheine.
Das Wörgler Schwundgeld erregte national und international Aufsehen, zahlreiche
Tiroler Nachbargemeinden bereiteten ebenfalls die Ausgabe eines eigenen Geldes vor.
Das Ende des Experiments kam mit dem Eingreifen der Nationalbank: Mit der Begründung des Monopols der Notenbank auf die Ausgabe von Banknoten wurden die
Arbeitswertscheine am 15. September 1933 verboten (Musil 2001:229). „Die Notenbank verbot das Schwundgeld. Seitdem verschwindet das Geld auch in Wörgl wieder
ganz von selbst.“ (Wendl 1996:10)
Eine Weiterentwicklung des Wörgler Schwundgeldes stellen die seit den 1980erJahren auftretenden und stark an Verbreitung gewinnenden Tauschkreise dar. Die Grenze zwischen Tausch und Kauf wird durch den Einsatz des Tauschmediums Geld gezogen; obwohl bei den Tauschkreisen kein Geld (im Sinne eines gesetzlichen Zahlungsmittels) verwendet wird, spricht man von einem „vermittelten Tausch“, da ein Medium
als Wertäquivalent eingesetzt wird. Dieses Medium ist zwar kein Geld, erfüllt aber dessen Funktionen (Tauschmittel, Recheneinheit, Wertaufbewahrungsmittel); kann also im
weitesten Sinne als Geld bezeichnet werden (Musil 2001:150f)
Die Geschichte der Tauschkreise begann in den frühen 1980er-Jahren in Kanada;
Bei dem LETS (local exchange trading system) erhält jedes Mitglied ein Konto, auf
dem Guthaben und Schulden wie auf einem Bankkonto auf- oder abgebucht werden. Im
Unterschied zu einem Girokonto wird nicht in der nationalen Währung, sondern nur in
Neue Wege des Wirtschaftens
251
„Verrechungseinheiten“ gebucht, für die auch in der Regel keine Soll- und Habenzinsen
verrechnet werden. Der Begriff LETS bezieht sich auf bargeldlose Verrechnungssysteme,
die auf privater Ebene stattfinden. Das Konto eines neuen Mitgliedes startet in dem
LETS mit einem Null-Saldo; werden Waren oder Dienstleistungen gekauft, so wird auf
den Konten der Tauschpartner der entsprechende Wert auf- oder abgebucht. Abbildung
1 zeigt die Funktionsweise einer Transaktion innerhalb eines Tauschkreises.
Abbildung 1: Grundprinzip eines Tauschhandels in einem LETS
Person A
Konto: 0
Person B
Konto: 0
1 Stunde
Talente)
deGartenarbeit
Ga rt e narb e(100
it ( 10
Bu c h un g ss t e lle
Buchungsstelle
Fernseher (300 Talente)
Person A
Konto: 300
Konto: 0
Person D
Konto: 0
Person C
Konto: -100
Person B
Person C
Konto: 100
Buchungsstelle
Person D
Konto: 300
Quelle: Eigene Gestaltung
Das Besondere an diesen LETS ist, dass die Verrechnungseinheiten erst mit dem Tauschakt entstehen und Guthaben und Schulden aller Mitglieder immer gleich groß sind, d.h.
der Saldo innerhalb eines LETS Null ist (Musil 2001:181, 171). Die Währung in einem
LETS wird im Allgemeinen nicht als Geld bezeichnet, sondern eben als Verrechnungseinheit zwischen zwei Tauschpartnern; deren Besonderheit liegt in dem Umstand, dass diese
Verrechnungseinheit niemals wie von einer zentralen Stelle emittiertes Geld ausgehen
kann, da es erst durch den Transaktionsakt selbst geschaffen wird; es ist eine Maßeinheit,
an der nie Mangel entsteht, solange das System ausgeglichen ist: „Wir sagen auch nicht:
Wir können nicht mehr messen, uns sind die Zentimeter ausgegangen.“ (Pasys 1997:6)
Seit der Gründung des ersten LETS im Jahr 1983 hat sich diese Idee über die ganze
Welt verbreitet, wobei eine quantitative Erfassung aufgrund des informellen Charakters
der Initiativen sehr schwierig ist. Im deutschsprachigen Raum werden LETS meistens
als „Tauschkreise“ bezeichnet, in Österreich werden die Verrechnungseinheiten sehr
häufig „Talente“ genannt. Für Deutschland wird geschätzt, dass seit dem Jahr 1992 insgesamt 271 Tauschkreise gegründet wurden, in Österreich waren im Jahr 2000 28 Organisationen bekannt (www.tauschkreise.at). So weit verbreitet Tauschkreise auch sind,
so unterschiedlich sind diese auch aufgebaut: die Verrechnungseinheiten sind teilweise
an die nationale Landeswährung, teilweise an die Arbeitszeit gekoppelt. In Deutschland
sind Altenpflegeorganisationen weit verbreitet, in denen Mitglieder für Pflegedienste
selbst „Pflegezeitguthaben“ für die eigene Pension ansparen können.
Robert Musil
252
Der Vergleich zwischen Entwicklungs- und Industrieländern zeigt sehr deutlich,
dass die alternativen Geldsysteme umso besser funktionieren, je größere Verteilungsdefizite in der formellen Wirtschaft auftreten. Die Studie zu den Tauschkreisen in Österreich (www.tauschkreise.at) zeigt, dass diese ein Randphänomen darstellen und wirtschaftlich vollkommen unbedeutend sind. So zählen die 16 befragten Tauschkreise nur
knapp 1800 Mitglieder. Der größte österreichische Tauschkreis (Vorarlberg) zählte im
Jahr 2000 rund 320 Mitglieder, wobei der durchschnittliche monatliche Tausch-Konsum etwa 35 Euro beträgt, in den Wiener Tauschkreisen sogar nur 14 Euro (Musil 2001:
209). In den reichsten Ländern steht bei den Tauschkreisen meistens der soziale Aspekt
(Kontakte, Selbstverwirklichung) im Vordergrund sowie Misstrauen gegenüber dem Wirtschaftssystem. So begründen Tauschkreismitglieder in Wien und Vorarlberg ihren Beitritt in erster Linie mit nichtökonomischen Argumenten. So entfielen die häufigsten
Nennungen auf die Kategorien „ideelle Gründe“, „Selbstverwirklichung“ und „soziale
Kontakte“; erst danach steht das „Tauschangebot“ (vgl. Abbildung 2).
Abbildung 2: Begründung für die Empfehlung zum Beitritt eines Tauschkreises (N=186)
Ideelle Gründe
18,5
Selbstverwirklichung
14,6
soziale Kontakte
13,1
Tausch(angebote)
12,7
wenig Geld
Tauschkreisförderung
8,9
ungewöhnliche Idee
8,8
10,0
Nachbarschaftshilfe
6,7
krisensicher
2,5
mangelhaftes Angebot
1,7
freie Zeit
1,4
Sonstiges
1,2
0,0
2,0
4,0
6,0
8,0
10,0
12,0
14,0
16,0 18,0 20,0
Angaben in %
Quelle: Eigene Erhebung
Dagegen zeigen aktuelle Studien aus Argentinien, dass regionale Tauschsysteme, die
außerhalb der formellen Wirtschaft stehen, sehr schnell für Hunderttausende zu einer
zentralen Überlebensstrategie werden können: Seit dem Zusammenbruch der Argentinischen Wirtschaft im Zuge der Währungskrise hat sich aus diesem Randphänomen, das
ursprünglich als Arbeitsloseninitiative begann, eine Parallelökonomie entwickelt
(www.inesglobal.org). Der größte nodos (spanische Bezeichnung für Tauschkreise, bedeutet direkt übersetzt „Knoten“) Argentiniens liegt in Buenos Aires und zählt 25.000
Mitglieder. Das Selbstverständnis der Organisatoren sieht die Mitglieder nicht als „Ausgeschlossene“, sondern die Tauschwirtschaft als eine neue Form des Wirtschaftens, die
Neue Wege des Wirtschaftens
253
einerseits die materiellen Bedürfnisse befriedigt, gleichzeitig aber auch neue Wege zwischenmenschlicher Beziehungen bietet.
Dass alternative Geldsysteme auch in den reichsten Ländern der Erde nachhaltigen
Erfolg haben können, zeigt sich am Beispiel der 1934 in der Schweiz gegründeten „Wirtschaftsgenossenschaft“ (kurz: WIR oder Wirtschaftsring). Das Besondere und Einzigartige an WIR ist, dass es weltweit das einzige in der Weltwirtschaftskrise gegründete
alternative Geldsystem ist, das bis heute existiert. Gegenwärtig umfasst diese Genossenschaft rund 60.000 Mitglieder – 20 Prozent der eidgenössischen Klein- und Mittelbetriebe; der Umsatz betrug zu Beginn der 1990er-Jahre 2 Milliarden Franken (Lietaer
1999:293; www.wirbank.ch).
Die WIR-Bank ist eine Kombination aus einem Barter (Funktionsweise eines Tauschkreises, beschränkt sich aber auf Betriebe) und einer Bank. In der systematischen Übersicht der alternativen Geldsysteme (Abbildung 3) ist die WIR-Bank deshalb auch zweifach angeführt, einmal als Bank, die die nationale Verrechnungseinheit verwendet, und
einmal als Barter, der eigene Verrechnungseinheiten emittiert. Der Barter hat das Ziel,
Handelsbeziehungen zwischen den Unternehmern zu erleichtern; der Wert der Verrechnungseinheiten („WIR“) ist an den Schweizer Franken gekoppelt und keiner Verzinsung
ausgesetzt. „Als aktives Geld trägt es keine Zinsen, denn es soll immer wieder rasch in
Zirkulation gebracht werden.“ (www.wirbank.ch) Die Leistungen und Angebote der
Mitglieder werden in einem Katalog abgedruckt und vierteljährlich an die Mitglieder
versandt. Die Preise der Waren und Dienstleistungen können teilweise oder zur Gänze
in WIR-Einheiten bezahlt werden. Aufgrund der Zinsfreiheit ist die WIR-Bank in der
Lage, extrem günstige Kredite in der Buchwährung zu vergeben: der Zinssatz liegt zwischen 1,75 und 2,5 Prozent pro Jahr. Da aber die Bank selbst nicht ganz ohne die nationale Währung auskommt, müssen die Zinsen für die Kredite in Franken beglichen werden. Der Nachteil des Kredites in der Verrechnungseinheit „WIR“ ist, dass dieser nur
bei den Mitgliedern der Barters eingesetzt werden kann. Aus diesem Grund werden
auch Darlehen in der Landeswährung zu „normalen Bankkonditionen“ vergeben.
Die vorgestellten, und in Abbildung 3 nochmals systematisch zusammengefassten
alternativen Geldmodelle weisen sehr unterschiedliche Organisationsstrukturen und damit auch Anwendungsgebiete auf. Was kann welcher Typus, wo liegen die Stärken und
Schwächen?
Alternative Banken (Raiffeisen, credit unions, Grameen Bank, GLS-Bank). Die Basis alternativer Banken sind Personen, die bereit sind, ihre Sparguthaben unverzinst anzulegen. Auf diese Weise wird der betreffenden Institution die Möglichkeit gegeben,
Kredite nicht nach dem Kriterium der Rendite, sondern nach ethischen, sozialen oder
ökologischen Gesichtspunkten zu vergeben. Die unterschiedlichen Beispiele aus Deutschland (GLS-Bank) und Bangladesh (Grameen Bank) zeigen, dass Konzepte, die an die
jeweiligen spezifischen Bedürfnisse angepasst sind, durchaus zu Erfolg führen; unabhängig davon, ob es sich um eines der reichsten oder eines der ärmsten Länder der Erde
handelt. Der materielle Verlust der Besitzer der Sparguthaben (aufgrund der Null-Verzinsung) kann durch die Förderung der Gemeinschaft (Privatkindergarten, attraktive
Angebote aus der Bio-Landwirtschaft, Dorfbrunnen) kompensiert werden: Individueller monetärer Nutzen wird zugunsten einer höheren gemeinschaftlichen Lebensqualität
aufgegeben. Der Aktionsraum der alternativen Banken hängt damit von der Fähigkeit
254
Robert Musil
Abbildung 3: Systematisierung alternativer Geldsysteme
regional
nationale Währung
eigene Währung/
Verrechnungseinheit
Räumlicher Wirkungskreis
überregional
Raiffeisengenossenschaft
(Frühform)
credit unions
LETS
Wörgler Schwundgeld
(Komplementärwährung)
Grameen, GLS-Bank
WIR (Bank)
WIR (Barter)
Quelle: Eigene Gestaltung
der Bank ab, Kunden von der Sinnhaftigkeit ihrer Finanzprodukte zu überzeugen; dies
kann nicht durch „herkömmliches“ Marketing, sondern durch ungleich aufwändigere
Bewusstseinsbildung erreicht werden.
Tauschkreise und Barter (LETS, Tauschkreise, WIR). Das Beispiel der österreichischen Tauschkreise, die für die reichen Länder der Ersten Welt durchaus Beispielcharakter
haben, zeigt, dass ihre ökonomische Bedeutung vernachlässigbar ist. Dies wird nicht nur
an den geringen Tauschumsätzen deutlich sichtbar; die Befragung der Mitglieder brachte
das überraschende Ergebnis, dass die im Tauschkreis angebotenen Waren und Dienstleistungen teurer eingestuft werden als in der formellen Wirtschaft; vor allem der hohe Zeitaufwand wird als Nachteil empfunden (Musil 2001:210). Die Stärken der Tauschkreise (in
reichen Ländern) liegen in der Bewusstseinsbildung, der Förderung sozialer Kontakte und
der Selbstverwirklichung. Tauschkreise werden erst dann zu einer sinnvollen ökonomischen Alternative, wenn die formelle Wirtschaft an Effizienz verliert, wie das Beispiel Argentinien zeigt. Aus diesem Lichte betrachtet stellen Tauschkreise für Entwicklungsländer
ein sehr interessantes Konzept zur Induzierung regionaler Wirtschaftskreisläufe dar.
Barter als Instrument zur Förderung von Betrieben sind durch die gleichen Funktionsprinzipien wie die Tauschkreise gekennzeichnet, weisen aber nicht dessen Nachteile
auf. Denn während in Tauschkreisen Privatpersonen als Produzenten von Waren oder
Dienstleistungen auftreten (und daher ineffizient sind), bildet ein Barter ein Betriebsnetzwerk, das die Effizienz der Teilnehmer erhöht und hilft, Synergieeffekte zu nützen.
Vor allem in strukturschwachen, peripheren Regionen können Barter ein brauchbares
Instrument für die Regionalentwicklung darstellen. Auch hier gilt, dass für dieses relativ unorthodoxe Mittel entsprechende Vorarbeiten, d.h. Bewusstseinsbildung und Unterstützung durch anerkannte Institutionen, notwendig sind.
Komplementärwährungen (Wörgler Schwundgeld). Das Experiment von Wörgl war
einer der erfolgreichsten Versuche, in der Zwischenkriegszeit die Folgen der Deflationskrise zu kompensieren. Die Anwendbarkeit in der Gegenwart würde auf mehrere Probleme stoßen: Erstens würde die Ausgabe von eigenen Geldnoten zu einem Verbot seitens der
Nationalbank führen; die Gemeindevertreter von Wörgl konnten ein Verbot durch die Notenbank monatelang hinauszögern, da sie behaupteten kein Geld, sondern „nur“ Arbeitswertscheine auszugeben. Ein weiteres Problem stellt die Negativverzinsung des Wörgler
Schwundgeldes dar; die monatlich aufzuklebenden Wertmarken in der Höhe von einem
Prozent des Nennwertes bedeuteten einen Kaufkraftverlust von 12 Prozent pro Jahr, der
Neue Wege des Wirtschaftens
255
unter heutigen ökonomischen Rahmenbedingungen nicht akzeptiert werden würde. Wie
auch bei Tauschkreisen gilt hier, dass die praktischen Nutzungsmöglichkeiten in dem Maße
zunehmen, in dem die Funktionsfähigkeit der formellen Wirtschaft abnimmt. Ein Vorteil
gegenüber den Tauschkreisen ist ein geringerer administrativer Aufwand, da die Transaktionen über keine zentrale Buchungsstelle abgewickelt werden müssen.
Die vorgestellten Konzepte bieten die Möglichkeit, regionale monetäre Unterversorgung auf unterschiedliche Weise zu kompensieren. Sie existieren in der Regel als Parallelökonomie: Es werden in den meisten Fällen keine langfristig unabhängigen Strukturen
errichtet, sondern solche, die komplementären Charakter aufweisen. Was sie allerdings
nicht können, ist eine Volkswirtschaft mit einer stabilen Währung auszustatten, deren Wechselkurse auf realökonomischen Faktoren basieren und mittels eines Vertragswerkes gegen
Überschuldung abgesichert werden. Alternative Geldmodelle haben einen regionalen,
maximal überregionalen Wirkungskreis. Währungen sind aber ein globales Phänomen.
Daraus resultierende Probleme können auch nur global gelöst werden. Ein Beispiel für ein
nachhaltiges Konzept einer stabilen Weltwirtschaftsordnung ist jenes von John Maynard
Keynes. Dessen Grundstruktur soll im folgenden Kapitel dargelegt werden.
Konzept einer neuen Weltwirtschaftsordnung:
John Maynard Keynes „International Clearing Union“
Als im Juli 1944 in Bretton-Woods die Verhandlungsteams der Vereinigten Staaten und
Großbritanniens zusammenkamen um die Grundlagen der Weltwirtschaftsordnung für
die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg vertraglich festzulegen, standen zwei Konzepte
zur Disposition: der von Großbritannien unterstützte Plan von John Maynard Keynes
und jener von US-amerikanischer Seite, konzipiert von Harry Dexter White. Für das
Verständnis dieser Verhandlungen ist die Vorgeschichte des früheren Währungssystems
entscheidend. Denn die Konferenz in Bretton-Woods war von den Erfahrungen mit dem
Währungssystem des Goldstandards geprägt, der das späte 19. Jahrhundert dominierte
und entscheidende Ursache für die Deflationskrisen der frühen 1930er-Jahre war.
Interessengegensätze GB – USA
Die Erfahrungen des durch mangelnde Koordination ausgelösten währungspolitischen
Chaos der Zwischenkriegszeit führten bei den zukünftigen Siegermächten USA und Großbritannien zu der Gewissheit, dass eine stabile Nachkriegswirtschaft nur durch ein internationales Vertragswerk garantiert werden könne. Allerdings war damit der gemeinsame
Nenner der beiden Verhandlungsseiten schon ausgeschöpft: Die beiden Staaten hatten
aufgrund ihrer spezifischen Situation – einerseits die abgelöste Weltmacht England, andererseits die durch den Krieg erstarkten USA – grundlegend unterschiedliche Interessen.
Für die Vereinigten Staaten sollte die neue Weltwirtschaftsordnung in erster Linie
einen Rahmen für die Fortsetzung der expansiven Handelspolitik bilden; um die Produktionsüberschüsse auch weiterhin weltweit absetzen zu können und Rohstoffe zu
importieren, waren stabile Wechselkurse und ungestörter Freihandel unabdingbar (Herr
1992:312). Da die USA davon ausgehen konnten, nach Kriegsende das einzige große
Industrieland mit Leistungsbilanzüberschüssen zu sein, bestand ein Interesse an der Ein-
256
Robert Musil
richtung eines Regelwerkes, bei dem vorrangig Länder mit negativer Leistungsbilanz
die Last des Ausgleiches zu tragen hatten (Limbers 2001:18).
Großbritannien verfolgte dagegen ganz andere Ziele: Schon seit dem frühen 19.
Jahrhundert wies die Kolonialmacht eine chronisch negative Handelsbilanz auf, die bis
zum Ersten Weltkrieg noch durch eine positive Zahlungsbilanz ausgeglichen wurde.
Die beiden wichtigsten Ziele waren deshalb zum einen eine Konstruktion, die die Ausgleichslast gleichermaßen auf Defizit- und Überschussländer verteilt; zum anderen sollte die angeschlagene Industrie durch protektionistische Maßnahmen geschützt werden
(Limbers 2001:20).
Die konträren wirtschaftspolitischen Interessen der beiden Staaten kamen in den
Plänen von White und Keynes deutlich zum Ausdruck.
Der Keynes-Plan
Keynes entwickelte seit September 1941 mehrere Konzepte zur Weltwirtschaftsordnung,
in die Erfahrungen und Pläne der deutschen Notenbankpräsidenten Funk und Schacht
sowie des Geldreformers Silvio Gesell einflossen (Gesell 1998[1920]:314). Schließlich
veröffentlichte die britische Regierung im April 1943 Keynes’ Konzept in einem Weißbuch zur zukünftigen Gestaltung der Währungs- und Welthandelspolitik; die Grundsätze dafür waren eine minimale Einschränkung der nationalen Wirtschaftspolitik, eine
technische Unabhängigkeit des Systems vom politischen und wirtschaftlichen System,
die Gleichberechtigung der Mitglieder und das Prinzip der Freiwilligkeit, also Kündbarkeit (Meyer 1999:37f).
International Clearing Union
Im Zentrum von Keynes Plan stand eine Bank, die „International Clearing Union“ (ICU),
deren Aufgabe der Zahlungsausgleich zwischen den Volkswirtschaften war. Jedes Mitgliedsland verfügte bei dieser Bank über ein Konto, wobei sich die Höhe des Guthabens
an der Handelsbilanz orientierte; Länder mit negativer Bilanz wiesen einen entsprechend negativen Kontostand aus. Die Kontostände der Mitglieder wurden nicht in nationalen Währungen oder in Gold, sondern in einer Verrechnungswährung, dem „Bancor“,
gebucht. Auf diese Weise wäre die ICU nicht auf eventuelle Mitgliedsbeiträge der Mitgliedsstaaten angewiesen, und überdies (ganz ähnlich den Verrechnungskonten der
Tauschkreise) von jeglichen Liquiditätsproblemen befreit. Die ICU war somit in der
Lage, wie eine Notenbank Geldschöpfung zu betreiben (Betz 2000:22). Das Grundprinzip der ICU erinnert sehr stark an die Buchungszentrale eines Tauschkreises; hier wie
dort wird die Verrechnungseinheit erst geschaffen, wenn es zu einem Ungleichgewicht
zwischen den Tauschpartnern, beziehungsweise zu einer ungleichen Handelsbilanz zwischen zwei Volkswirtschaften kommt.
Zentrale Verwaltungsinstanz der ICU ist der governing board, dessen 12 bis 15
Teilnehmer von den Regierungen der Mitgliedsländer gestellt werden. Das Stimmgewicht
der einzelnen Länder richtet sich nach deren Quote (siehe unten), wobei große Staaten
eigene Vertreter stellen, kleinere Länder in Gruppen zusammengefasst werden. Die wichtigsten Aufgaben des governing board sind die Festsetzung der Quoten, die Kontrolle
der Kontenbewegung und des Goldkurses zum Bancor sowie die Abstimmung wirtschaftspolitischer Anpassungsmaßnahmen einzelner Mitglieder (Meyer 1999:45).
Neue Wege des Wirtschaftens
257
Das oberste Ziel der ICU, der „Notenbank der Notenbanken“, ist der Ausgleich der
Leistungsbilanzen auf Basis stabiler Währungskurse. Um Abwertungswettläufe zu verhindern, sollte die Festlegung der Wechselkurse zwischen den Währungen zwar nach
wie vor von den nationalen Notenbanken durchgeführt werden, allerdings nach einheitlichen Regelungen und durch die ICU koordiniert. Dagegen kann der Wechselkurs zwischen einer Währung und dem Bancor nur auf Basis von Vereinbarungen mit den Mitgliedsstaaten von der ICU verändert werden.
Die entscheidende Richtgröße für das Gewicht bei der Mitbestimmung sowie für
die Höhe der Ausgleichskredite ist die „Quote“; deren Umfang sollte 75 Prozent des
Handelsvolumens der letzten drei Vorkriegsjahre ausmachen und nach einer Übergangsfrist in regelmäßigen Abständen angepasst werden. Die Veränderung der Quote gibt der
ICU die Möglichkeit, steuernd in die Weltwirtschaft einzugreifen: So kann beispielsweise eine allgemeine Senkung der Quoten dazu führen, inflationären Tendenzen entgegenzuwirken; dagegen kann mit einer Quotenerhöhung (d.h. mit der Erhöhung der Liquidität) die Möglichkeit der Kreditvergabe der ICU ausgeweitet werden, womit im
Falle einer Depression Konjunkturanreize gesetzt werden können (Meyer 1999:47).
Ausgleichsmechanismen: Kreditvergabe und Wechselkursänderung
Die erste Maßnahme zur Bekämpfung von Handelsbilanzdefiziten stellt die Vermittlung
von kurzfristigen Krediten dar. Führt diese zu keinem Erfolg, so werden die Wechselkurse angepasst. Die Kredite wurden entweder in einer Landeswährung oder in der
Globalwährung Bancor vergeben, die ja voll konvertibel war.
Die Aufnahme von Krediten war an gewisse Kreditschranken gebunden, die wiederum an die Quote gebunden waren. Ein Defizitland konnte Kredite bis zu 25 Prozent seiner
Quote aufnehmen, ohne die Zustimmung der ICU einzuholen; wurde diese Grenze überschritten, so konnte eine einmalige Abwertung um maximal fünf Prozent vorgenommen
werden. Bei einem weiteren Anstieg der Kreditschulden auf über die Hälfte der Quote
konnte die ICU Sicherheiten in Form von Devisenguthaben, Gold oder Staatsobligationen
einfordern und eine Abwertung der Landeswährung erzwingen. Die Möglichkeit der Mitglieder, eine relativ großzügige einseitige Wechselkursanpassung vornehmen zu dürfen,
drückt wieder deutlich die Interessen des Defizitlandes Großbritannien aus (Limbers
2001:26). Im Falle einer weiter stark ansteigenden Verschuldung über 75 Prozent wurde
das betreffende Land in Verzug gesetzt, womit keine neuen Kredite aufgenommen werden
konnten. Aber auch für Gläubigerländer sollte ein übermäßiges Anwachsen der Guthaben
erschwert werden. Stiegen die Guthaben auf über die Hälfte der Quote, so sollten Maßnahmen durchgeführt werden, um eine ausgeglichene Handelsbilanz zu erreichen: etwa
durch Ausweitung der Inlandsnachfrage, Reduktion der Handelsschranken für Importe
oder die Aufwertung der nationalen Währung (Meyer 1999:54).
Um ein Ausufern der Bancorguthaben und -schulden (bei Ländern mit chronischem
Leistungsbilanzüberschuss und -defizit) zu verhindern, plante Keynes eine Negativverzinsung: Mit dieser ungewöhnlichen Maßnahme sollten sämtliche Konten, die die
Quote um 25 Prozent (in Soll oder Haben) überstiegen, mit einer jährlichen Abgabe von
1 Prozent belegt werden. Lag der Kontostand bei über 50 Prozent der Quote, mit 2
Prozent. Die Folge wäre ein sehr günstiger Zinssatz der Kredite für Defizitländer, da
diese nicht bereit sein würden, mehr für Bancor-Kredite zu zahlen, als sie als Gebühr zu
258
Robert Musil
entrichten haben (Betz 2000:23). Die ICU kann die Abgabenquoten der Überschussländer
beliebig erhöhen, wenn es zu einer übermäßigen Ausweitung des weltweiten Handelsungleichgewichtes kommt. Die Vorteile dieses Kreditsystems liegen in der Möglichkeit, den Defizitländern durch günstige Kredite wirtschaftliche Handlungsspielräume
zu öffnen, ohne der Weltwirtschaft Kaufkraft zu entziehen, da ja Guthaben und Schulden nur in der Bancor-Währung aufscheinen (Meyer 1999:50).
Welche Rolle sollte das Gold in Keynes Konzept einnehmen? Einerseits sollte es aufgrund der Erfahrungen aus der Zwischenkriegszeit als absoluter Wertmaßstab für die Währungen zugunsten des Bancor verdrängt werden, andererseits aber auch weiterhin für den
Zahlungsverkehr eingesetzt werden können. Damit trug Keynes, der schon in den 1920erJahren den Goldstandard ablehnte (Keynes 1997[1924]:209) der großen psychologischen
Bedeutung des Goldes, die zu einem nicht unerheblichen Teil auf ökonomisch irrationalen
Annahmen beruhte, Rechnung (Senf 1996:31f). Der Goldwert des Bancor ist auch für die
nationalen Währungen entscheidend, da diese ja ebenfalls an die internationale Verrechnungseinheit gebunden sind. Länder mit Leistungsbilanzüberschüssen konnten ihre
Bancorguthaben auch abbauen, indem sie Gold von der ICU kauften (Meyer 1999:68).
Das Ausmaß der Kontrolle der Devisengeschäfte oblag Keynes’ Plan zufolge dem
jeweiligen Land und konnte zwischen völliger Liberalisierung und Kontrolle liegen. Der
Kapitalverkehr zwischen den Mitgliedsstaaten sollte jedoch kontrolliert werden, um Kapitalflucht aus steuerlichen oder politischen Gründen zu unterbinden (Meyer 1999:60).
Der White-Plan im Vergleich
Trotz grundlegender Interessenunterschiede zwischen den Ländern gab es bei den Plänen von White und Keynes einige Gemeinsamkeiten: etwa die Schaffung einer internationalen Organisation zum Ausgleich der Zahlungsbilanzen, eine neue Globalwährung
und das Instrument der Kreditvergabe als Ausgleichsmechanismus. Das primäre Ziel
des White-Plans war die Stabilisierung der Wechselkurse. Zu diesem Zweck sollten
durch eine internationale Organisation Kredite an Defizitländer vergeben werden. Im
Gegensatz zum Keynes-Plan war bei White eine Einzahlung der Mitgliedsländer erforderlich, um den Stabilisierungsfonds mit ausreichender Liquidität auszustatten. Da die
Einzahlung zu mindestens 50 Prozent in Gold erfolgen sollte, wären zahlreiche Länder
auf Goldkredite aus den USA angewiesen gewesen und hätten sich schon vorab in ein
Abhängigkeitsverhältnis gebracht.
Die Stimmrechte in Whites Stabilisierungsfonds hätten sich nach der Höhe der Einzahlungen des Landes gerichtet, wobei die Obergrenze eines Landes maximal 25 Prozent betragen dürfe (und von den USA sicherlich erreicht worden wäre). Das Schwergewicht der Anpassungsmaßnahmen lag bei White in der Kreditvergabe; wesentliche Entscheidungen konnten nur mit einer 4/5 Mehrheit im Stabilisierungsfonds getroffen werden, womit die USA über eine Sperrminorität verfügt hätten (Meyer 1999:71).
Wie bei Keynes, so erfolgte auch bei White die Verrechnung über eine eigene Währung, den Unitas, der allerdings direkt an den Goldpreis gekoppelt war; dies bedeutet,
dass die Kreditschuld eines Defizitlandes in Wirklichkeit nicht in Unitas, sondern in
Gold bzw. in der Gläubigerwährung bezahlt werden muss. Der Stabilisierungsfonds war
im Grunde nur eine Kreditvergabestelle für Defizitstaaten und konnte nicht wie die ICU
Geld schöpfen. Beschließt das Schuldnerland eine Abwertung, so steigt automatisch
Neue Wege des Wirtschaftens
259
das Gesamtvolumen der Schulden in der „harten Devise“ oder in Gold an. Während bei
Keynes’ Plan den Mitgliedsländern große Spielräume in der Änderung der Wechselkurse zugestanden wurden, war in Whites Plan die Zustimmung des Stabilisierungsfonds
(mit einer 4/5 Mehrheit) notwendig.
Dem Gold kam damit in Whites Plan große Bedeutung zu, da es die Basis für den
internationalen Zahlungsverkehr bildete, während es bei Keynes nur Mittel zur Reservebildung darstellte. Indirekt bestand mit den starren Wechselkursen und der engen Goldbindung ein Druckmittel für Defizitländer, die Leistungsbilanz durch deflationäre Politik auszugleichen (Meyer 1999:73). Abbildung 4 zeigt eine Gegenüberstellung der wesentlichen Unterschiede zwischen dem Keynes und White-Plan sowie dem Verhandlungsergebnis von Bretton-Woods.
Ergebnis der Verhandlungen von Bretton-Woods
In dem Ergebnis der Konferenz von Bretton-Woods schienen Keynes’ zentrale Elemente nicht mehr auf. Das beschlossene Währungsregime basierte auf dem Prinzip fester,
aber nicht unveränderlicher Wechselkurse. Bestand aufgrund von Zahlungsbilanzstörungen Anpassungsbedarf, so sollte dies primär durch innere Anpassungsmaßnahmen
und Kredite und erst in weiterer Folge durch Paritätsänderungen der Währungen erreicht werden (Aschinger 1978:12).
Abbildung 4: Übersicht: Keynes-Plan, White-Plan und Bretton-Woods-Abkommen
Keynes-Plan
White-Plan
Internationale
Zentralbank
ICU
Verrechnungszentrale
Stabilisierungsfonds
Internat. Währungsfonds
Vermittlung von Finanz- Vermittlung von Finanzkrediten
krediten
BW-Abkommen
Leitwährung
Bancor
konvertible Währung,
gesetzliches Zahlungsmittel
Unitas
nicht konvertibel
Dollar, Gold
fixe Goldbindung des USD
Geldschöpfung
ja
nein
–
Liquidität
25 Mrd USD
5 Mrd USD
keine Einzahlungspflicht, Einzahlungspflicht (in
zinsfreie Kredite nur bei Gold und Devisen)
Bedarf
10 Mrd USD
Einzahlungspflicht (in
Gold und Devisen)
als kurzfristige Maßnahme, in Bancor oder
nationaler Währung;
niedrige Zinsen,Verschuldung über ICU
in nationaler Währung,
Verschuldung über
Finanzmärkte
in nationaler Währung,
Verschuldung über
Finanzmärkte
einseitig,
nur durch Defizitländer
einseitig,
nur durch Defizitländer
Ausgleich durch…
Kredite
Anpassungsmaßnahmen für Defizit- und Über
schussländer
Wechselkurse
einseitige Anpassung bis Währungsanpassung nur nur bei starken Ungleich5%, darüber mit ICU Zu- bei 4/5 Mehrheit möglich gewichten möglich
stimmung
Quelle: Eigene Zusammenstellung
260
Robert Musil
Im Mittelpunkt des Währungssystems standen weder Bancor noch Unitas, sondern
der Dollar als Leitwährung. Um dessen Stabilität zu sichern, garantierten die USA allen
Notenbanken den Tausch Dollar gegen Gold zum Kurs von 35 Dollar je Feinunze (Herr
1992:312). Um das System der fixen Wechselkurse aufrechtzuerhalten, wurden zwei
Institutionen gegründet: der „Internationale Währungsfonds“ und die „Weltbank“. Der
Währungsfonds war die zentrale Kreditvergabestelle, mit deren Hilfe einzelne Mitgliedsländer mittelfristig Zahlungsbilanzdefizite ausgleichen konnten. Die Liquidität des Fonds
wurde von den Mitgliedern entsprechend der wirtschaftlichen Stärke („Quote“) bereitgestellt, wobei die Reserven in erster Linie in Dollar und (in weit geringerem Maße) in
Pfund Sterling angelegt wurden. Darüber hinaus setzte diese Institution Regeln über die
Währungskonvertibilität und das Reservesystem fest. Der Weltbank fiel hingegen die
Aufgabe zu, langfristige Entwicklungshilfe zu betreiben (Twele 1994:217).
Länder mit negativer Zahlungsbilanz erhielten beim Fonds Devisen; diese „Ziehung“
durfte maximal 200 Prozent der eigenen Quote betragen. Lagen die Zinsen der Ausgleichskredite bei Keynes unter zwei Prozent, so orientierten sich die Stützungen des Währungsfonds am normalen Kreditmarkt und waren damit wesentlich teurer. Dass die Last der
Anpassung ausschließlich von den Defizitländern getragen wurde und Staaten mit Zahlungsbilanzüberschüssen keine Anpassungsmaßnahmen ergreifen mussten, lag durchaus
im Interesse der USA. Ihre wirtschaftliche, politische und militärische Dominanz am Ende
des Zweiten Weltkrieges machte es möglich, eigene Interessen (wie etwa internationale
Absatzsicherung für die Überschussproduktion, Zugriff auf Rohstoffe, volle Währungskonvertibilität – für die sämtliche Staaten außer den USA sorgen mussten) mit dem Vertragswerk von Bretton-Woods zu institutionalisieren (Limbers 2001:18).
Die Entwicklung des Bretton-Woods-Systems kann in drei historische Phasen untergliedert werden:
– Die Frühphase des Bretton-Woods-Systems war durch die wirtschaftliche Dominanz der USA geprägt: Der Dollar war die einzige konvertible Währung, die vom
Krieg zerstörten Staaten waren Absatzmärkte der industriellen Überproduktion der
Vereinigten Staaten. Die Goldbindung des Dollars war durch die Tatsache gesichert, dass zwei Drittel der weltweiten Goldbestände in den Tresoren von Fort Knox
lagen (Bordo 1993:83).
– Als 1957/58 die Währungskonvertibilität der Mitglieder möglich wurde und die
Bretton-Woods-Organisationen ihre eigentliche Arbeit aufnehmen konnten, setzte
auch die Krisenphase ein: Aufgrund des Handelsbilanzdefizits der USA kam es zu
einem Vertrauensverlust in den Dollar, wodurch der Goldpreis erstmals über die 35
USD je Feinunze stieg. Um die Stabilität des Dollars zu sichern – die USA verfügten gerade noch über die Hälfte der weltweiten Goldreserven – wurde von den großen Notenbanken ein Goldpool eingerichtet, mit dem der Goldpreis auf dem offiziellen Niveau gehalten werden konnte. Die Leistungsbilanz der USA glich sich wieder aus, und das System konnte bis auf weiteres stabil gehalten werden.
– Der Niedergang des Systems begann mit der Krise der zweitwichtigsten Reservewährung, dem britischen Pfund: Dessen Abwertung im November 1967 löste eine
neue Flucht ins Gold aus, dem auch der internationale Goldpool nicht standhalten
konnte, worauf dieser 1968 aufgelöst wurde (Grabbe 1996:24). Das in den folgenden Jahren wieder stark angestiegene Leistungsbilanzdefizit der USA setzte den
Neue Wege des Wirtschaftens
261
Dollar unter Abwertungsdruck, dem jedoch nicht nachgegeben wurde. Anfang August 1971 wurde die Lage unhaltbar: Die Flucht aus dem Dollar nahm den Umfang
von 3,7 Mrd. USD täglich an und selbst ein Untersuchungsausschuss des USKongress bezweifelte die Goldkonvertibilität des Dollar zum alten Kurs, worauf
Präsident Nixon am 15. August 1971 die Goldbindung auflöste (Aschinger 1978:17).
Für den Niedergang der Weltwirtschaftsordnung von Bretton-Woods waren zwei Ursachengruppen entscheidend. Erstens systemimmanente Defekte; die Vereinigten Staaten waren
zu einem ständigen Zahlungsbilanzdefizit gezwungen, um ausreichend Liquidität als
Globalwährung zur Verfügung stellen zu können. Die Folge dieser Währungspolitik war
jedoch sinkendes Vertrauen in den Dollar. Dieser Zwiespalt, zwischen den Anforderungen
einer globalen Referenzwährung einerseits und einer nationalen Währung andererseits,
wird als „Triffin-Dilemma“ bezeichnet. Verstärkt wurde dieses durch den Umstand, dass
die US-Regierung die Position des Dollars als internationale Leitwährung dazu nützte,
mit der Notenpresse das Handelsbilanzdefizit zu finanzieren (Altvater 1999:206f).
Die Weltwirtschaftsordnung wurde aber auch von außen unter Druck gesetzt: Einerseits durch nationale Interessen (so verschärfte Frankreich unter Präsident de Gaulle die
Spannungen um das Bretton-Woods-System, indem es sämtliche Dollar-Guthaben in Gold
umwechselte), andererseits durch Finanzmärkte („Euromärkte“), die außerhalb der staatlichen Kontrolle standen: Die Gründung erfolgte 1957, also schon ein Jahr vor der Etablierung des Systems von Bretton-Woods und nahm ab der zweiten Hälfte der 60er-Jahre vom
Umfang der Transaktionen her stark zu. Lag das Gesamtvolumen der Kreditforderungen
1960 bei 5 Mrd. USD, waren es 1985 2.531 Mrd. USD (Ungefehr 1988:235).
Vor dem Hintergrund der systemimmanenten Effekte und der Unterwanderung durch
die Eurodollarmärkte ist die Kritik verständlich, dass die Konzeption von Bretton-Woods
schon vor ihrer Entstehung überholt war (Limbers 2001:5).
Ob Keynes’ Plan heute umzusetzen wäre? Sicherlich nicht in der Fassung der frühen 1940er-Jahre, wohl aber in veränderter, den heutigen Umständen angepasster Form.
So forderte in jüngster Zeit Joseph Stiglitz die Einführung eines Globalgeldes als internationales Reservemedium, damit den Entwicklungsländern der Zugang zu billigem
(zinsfreiem) Investitionskapital möglich gemacht werden könnte.
Schlussbetrachtung über ein sehr alltägliches Ding
Die Geschichte des Geldes ist eine Geschichte des Menschen: Seit der Entstehung der
Städte, der Entwicklung einer arbeitsteiligen Wirtschaft begleitet uns dieses „Ding“,
von dem behauptet wird, dass niemand so genau weiß, was es eigentlich ist (Riese
1995:45). Mit der Veränderung des Wirtschaftens und den technischen Entwicklungen
wurde das Geld immer an die Bedürfnisse des Menschen angepasst. Heute ist Geld für
uns zu einem so allgegenwärtigen Phänomen geworden, dass seine Gegenwart gar nicht
mehr wahrgenommen wird. Geld wird erst wichtig, wenn es – so wie sämtliche Dinge
des Alltages – nicht mehr da ist, oder nicht mehr funktioniert.
Durch seine Lebensnotwendigkeit (Liquiditätspräferenz) nimmt Geld eine überlegene Stellung in den Wirtschaftsabläufen ein und führt zu einem hierarchischen Gefälle
zwischen Geld und Ware. Dadurch wird Geld zu Kapital: Daseinszweck des Geldes ist
262
Robert Musil
nicht mehr die Erleichterung von wirtschaftlichen Transaktionen (Geld als öffentliches
Gut), sondern die Schaffung von (Zins-)Gewinn (Geld als privates Gut). Diese Dichotomie des Geldes führt dazu, dass es nur dann seine öffentliche Funktion wahrnehmen
„darf“, wenn die private Funktion erfüllt wird, die Rentabilität also ausreichend ist.
Den hier vorgestellten Konzepten – und da sind sowohl Keynes’ Plan zur Weltwirtschaftsordnung als auch die alternativen Geldmodelle gemeint – ist gemeinsam, dass
die öffentliche Funktion des Geldes in den Vordergrund gerückt wird und dessen Verwendung nicht nach der Gewinnmaximierung, sondern nach Allgemeininteressen ausgerichtet wird.
Das Spektrum an alternativen und brauchbaren Wirtschaftsformen mag noch viel
größer sein, als das hier vorgestellte. Und dennoch: es zeigt auf unmissverständliche
Weise, dass es auf der persönlichen (regional) ebenso wie auf der politischen und globalen Ebene Handlungsmöglichkeiten gibt.
Literatur
Altvater, Elmar/Jahnkopf, Birgit (1999): Grenzen der Globalisierung. Ökonomie, Ökologie und
Politik in der Weltgesellschaft. Münster: Westfälisches Dampfboot
Amann, Anton (1993): Österreichische Genossenschaften im Spiegel empirischer Befragungen. In:
Genossenschaftliche Herausforderungen im 21. Jahrhundert, Hg. Mario Patera. Wien: FOG
Arrighi, Giovanni (1994): The Long Twentieth Century. London/New York: Verso
Aschinger, Franz E. (1978): Das neue Währungssystem. Frankfurt am Main: Knapp
Betz, Thomas (2000): Globalisierung des Geldes. In: Zeitschrift für Sozialökonomie 125: 14-26
Binswanger, Hans Christoph (1994): Geld und Wachstumszwang. In: Geld und Wachstum: zur Philosophie und Praxis des Geldes, Hg. Hans Christoph Binswanger/v. Paschen/v. Flotow. Stuttgart/Wien: Weitbrecht
Bischoff, Joachim (2000): Finanzkrisen am Ende des 20. Jahrhunderts. In: Finanzkrisen im Übergang zum 21. Jahrhundert. Probleme der Peripherie oder globale Gefahr? Hg. Dieter Boris/
Alvaro Berriel Diaz/Kai Wicker-Wolf/Ralf Käpernick/Jan Limbers: 27-42
Boris, Dieter u.a. (2000): Einleitung. In: Finanzkrisen im Übergang zum 21. Jahrhundert. Probleme
der Peripherie oder globale Gefahr? Hg. Dieter Boris/Alvaro Berriel Diaz/Kai Wicker-Wolf/
Ralf Käpernick/Jan Limbers: 9-26
Bordo, Michael D. (1993): The Gold Standard and Related Regimes. Cambridge: University Press
Douthwaite, Richard/Diefenbacher, Hans (1998): Jenseits der Globalisierung. Handbuch für lokales Wirtschaften. Mainz: Matthias-Grünewald-Verlag
Fink, Gerhard/Koller, Wolfgang (2001): Größenvorteile und Risiko: Eine empirische Untersuchung
des österreichischen Bankensektors. In: ÖBA. Bankarchiv 7/01: 529-541
Gelbmann, Norbert (1999): Indikatoren, Hintergründe und Folgen der Restrukturierung an den europäischen Finanzmärkten. Universität Wien: Diplomarbeit
Gesell, Silvio (1998[1920]): Die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld. In:
Gesammelte Werke Bd. 11. Lütjenburg: Fachverlag für Sozialökonomie
Grabbe, J. Ohrlin (1996): International Financial Markets. Englewood Cliffs, NJ: Prentice Hall
Grunow, Markus (1998): Potentiale lokal-eigenständiger Finanzierungsinstrumente im Rahmen lokalökonomischer Entwicklungsstrategien. Univ. Bremen: Diplomarbeit
Harvey, David (1999): The Limits to Capital. London/New York: Verso
Herr, Hansjörg (1992): Geld, Währungswettbewerb und Währungssysteme. Theoretische und historische Analyse der internationalen Geldwirtschaft. Frankfurt am Main/New York: Campus
Wirtschaftsverlag
Herrmannsdorfer, Udo (1997): Schein-Marktwirtschaft. Arbeit, Boden, Kapital und die Globalisierung der Wirtschaft. Dornach: Inst. für zeitgemäße Wirtschafts- und Sozialgestaltung
Husa, Karl/Wohlschlägl, Helmut (1999): Vom „Emerging Market“ zum „Emergency Market“: Thailands Wirtschaftsentwicklung und die „Asienkrise“. In: Globalisierung und Peripherie. Umstruktu-
Neue Wege des Wirtschaftens
263
rierung in Lateinamerika, Afrika und Asien, Hg. Christof Parnreiter/Andreas Novy/Karin Fischer (=
Historische Sozialkunde 14). Frankfurt am Main/Wien: BrandesApsel/Südwind: 109-236
Keynes, John Maynard (1997[1924]): Ein Traktat über Währungsreform. Berlin: Duncker&Humblot
Keynes, John Maynard (2000[1936]): Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des
Geldes. Berlin: Duncker&Humblot
Leyshon, Andrew/Thrift, Nigel (1997): Money/Space. Geographies of Monetary Transformation.
London: Routledge
Lietaer, A. Bernard (1999): Das Geld der Zukunft. Über die destruktive Wirkung des existierenden
Geldsystems und die Entwicklung von Komplementärwährungen. München: Riemann
Limbers, Jahn (2001): Zur Entstehung des Bretton-Woods-Systems. Die Keynes- und White-Pläne
im Vergleich, Schriftenreihe der Forschungsgruppe Politische Ökonomie, Diskussionspapier
Nr. 2, Marburg: Forschungsgruppe Politische Ökonomie
Marx, Karl (1957[1867]): Das Kapital. Stuttgart: Kröner
Meyer, Christa (1999): „Proposals for an international Clearing-Union.“ John Maynard Keynes und
sein Vorschlag zur internationalen Währungsordnung. Wirtschaftsuniversität Wien: Diplomarbeit
Musil, Robert (2001): Geld, Raum und Nachhaltigkeit. Alternative Geldmodelle als neuer Weg der
endogenen Nachhaltigkeit? Univ. Wien: Diplomarbeit
Nitsch, Manfred (1995): Dominanzverhältnisse in der Geldwirtschaft. In: Rätsel Geld: Annäherungen aus ökonomischer, soziologischer und historischer Sicht, Hg. Waltraud Schekele. Marburg: Metropolisverlag: 77-106
Paysys (1997): LETSysteme und Tauschringe. Ein Handbuch über Formen und Ausgestaltungsmöglichkeiten lokaler Verrechungssysteme. Frankfurt am Main: Paysys-Gmbh
Raiffeisen, Wilhelm Friedrich (1887): Die Darlehenskassen-Vereine. Neuwied am Rhein: Verlag
der Raiffeisendruckerei GmbH
Riese, Hajo (1995): Geld – das letzte Rätsel der Nationalökonomie. In: Rätsel Geld: Annäherungen
aus ökonomischer, soziologischer und historischer Sicht, Hg. Waltraud Schekele. Marburg:
Metropolisverlag: 45-62
Schwarz, Fritz (1996[1951]): Das Experiment von Wörgl. Aarau: INWO
Senf, Bernd (1996): Der Nebel um das Geld: Zinsproblematik-Währungssysteme-Wirtschaftskrisen. Lütjenburg: Gauke
Samuelson, Paul/Nordhaus, William (1998): Volkswirtschaftslehre. Wien: Ueberreuther
Smith, Adam (1974[1789]): An inquiry into the nature and causes of the wealth of nations. Edinburgh:
Black
Suhr, Dieter/Godschalk, Hugo (1986): Optimale Liquidität. Eine liquiditätstheoretische Analyse
und ein kreditwirtschaftliches Wettbewerbskonzept. Frankfurt am Main: Fritz Knapp Verlag
Treue, Wilhelm (1967): Deutschland in der Weltwirtschaftskrise in Augenzeugenberichten. Düsseldorf: Karl Rauch Verlag
Twele, Cord (1994): Die Entwicklungspolitik der Weltbank-Gruppe vor dem Hintergrund der
Schuldenkrise der „Dritten Welt“ seit dem Beginn der achtziger Jahre. Frankfurt am Main/
Wien: Lang
Ungefehr, Friederike (1988): Tourismus und Offshore-Banking auf den Bahamas: Internationale
Dienstleistungen als dominanter Wirtschaftsfaktor in einem kleinen Entwicklungsland. Frankfurt am Main/Bern/New York/Paris: Peter Lang
Wendl, Thomas H. (1996): Das Geldwunder von Wörgl. In: SPIEGEL SPECIAL 5/1996, 10
Yunnus, Muhammad/Jolis Alan (1997): Eine Bank für die Armen der Welt. Bergisch Gladbach:
Gustav Lübbe Verlag
Internetquellen:
www.gls.de
www.grameen.org
www.inesglobal.org
www.itacahours.org
www.tauschkreise.at
www.wirbank.ch
Herunterladen