Dienstag, 06

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Dienstag, 06. Dezember 20:30 Uhr
Łukasz Kłusek, Kontrabass
Art-Oliver Simon, Klavier
B.b.B. (Berlin braucht Bass)
Dario Agazzi
Joseph (2010)
für Kontrabass solo
1. Dieser “Joseph” ist für einen Solo-Kontrabassisten, der gleichzeitig Vokalist sei;
2. Diese Arbeit ist eine theatralisch-gespentische Beschwörung Joseph Haydns (1732-1809), daher der Titel;
3. Vier Noten, die aus dem zweiten Satz der Sinfonie Nr. 104 (“London”) von Haydn stammen,
liegen der Partitur zugrunde:
(Spazio per esempio musicale)
wo (nämlich in Takt 9) die Kontrabasse bedeutungsvollerweise schweigen;
4. Der Kontrabassist gebrauche vorzugsweise ein Instrument mit 5 Saiten, um das Kontra-C
auszuführen (das in eckigen Klammer im Notentext erscheint);
5. Einsatz einer resoluten, theatralen Sprechstimme. Der Text besteht aus einem einzigen Satz, der aus „Histoire de la musique“ von René
Montigny (Payot, 1964) stammt und sich auf Joseph Haydn bezieht:
“LE BUT DE SA MUSIC* EST DE DONNER DE LA JOIE”
Auf den obigen Satz folt der Titel selbst, nämlich "JOSEPH", fast als Exorzismus;
6. Die Ausführung sei langsam und ausdruckslos, himmelhoch versnobt. Der Einsatz der Stimme
im Gegenteil sei aufgeplatzt und wild, als käme er aus modrigen Kloaken oder Grabestiefen;
7. Kleidung, die auch bloß ungewollt dem 18. Perücken-Jahrhundert zuzwinkert, ist strengstens verboten;
8. G.P. = Generalpause, absolute Dunkelheit, völlige Unbewegtheit;
9. (Simbolo) = sehr kurze Fermate (Simbolo) = kurze Fermate (Simbolo) = lange Fermate;
10. (Simbolo) = Vorschläge immer kurz.
*(!) “Music” wurde von uns für “Musique” eingesetzt.
Dario Agazzi wurde 1986 geboren. Sein Musikstudium in Komposition absolvierte er von 2005 bis 2011 zunächst an der Civica Scuola di
Musica in Mailand/Italien und dann am Internationalen Musikinstitut in Darmstadt/Deutschland. In den Jahren 2005 und 2007 werden einige
seiner Klavierkompositionen von der Associazione Artistico-Culturale Cultura e Musica G. Curci (IT) ausgezeichnet. Zu den Werken, die
zwischen 2008 und 2011 unter anderem in Bergamo, Mailand und im Konzerthaus von Berlin aufgeführt wurden, zählen votre joseph
(graphische Notation) für Kontrabass, adornos traum für Gesang und Kontrabass sowie jospeh-distillato (mechanisches Ballett) für Klavier oder
Harmonium und Tanz ad libitum.
Anthony Green
Nicht Zart II: Hommage à Scelsi (2010)
für Kontrabass und Klavier UA
In der Komposition Okanagon by Scelsi für Bass, Tamtam und Harfe entfaltet sich eine hypnotische Klangwelt geprägt durch den fast statischen
Umgang mit Tonhöhe und Stimmlage sowie das durch die Instrumentierung bedingte Schwirren. Beim Lauschen dieses Stücks hört die Zeit auf
zu existieren; was bleibt, ist die Schönheit des Klangs. Mein zweites "Nicht Zart" versucht, diese faszinierende, schwirrende, zeitlose Welt auf
meine eigene Weise widerzugeben, und lädt den Zuhörer ein, mein persönliches Klanggewebe zu betrachten, welches ich nicht ohne den
Webstuhl hätte wirken können, den Scelsi für kleine Komponisten wie mich hinterlassen hat.
Der international anerkannte Komponist und Pianist Anthony Green trat als Solist sowie in Kammermusikbesetzungen und mit Orchester
auf Bühnen in den Vereinigten Staaten von Amerika, Korea und den Niederlanden auf. Diverse Werke sowohl von Kompositionsstudenten als
auch von renommierten Komponisten wie Steve Reich und George Crumb wurden von ihm uraufgeführt. Von Green selbst komponierte Werke
wurden unter anderen von Formationen wie The Playground Ensemble (USA), ALEA III (USA), Ossia New Music Ensemble (USA), Grupo
Instrumental Siglo XX (ES) und Alarm Will Sound (USA) sowie von Interpreten wie der Gewinnerin des Grammy Award Dame Evelyn Glennie
und dem Preisträger des Gaudeamus Interepreters Competition Guido Arbonelli gespielt. Mit seinem Werk Scintillation II für Viola und Cello war
er Finalist des Donald Aird Memorial Composers Competition 2009; mit 3 Groups gewann er den zweiten Ossia International Competition Prize.
Als Komponist elektronischer Musik verbreitete er Werke in den Vereinigten Staaten, Venezuela und Spanien. Seine multimediale experimentelle
Darbietung mit dem Titel Three Vignettes of Job wurde mit dem ersten ATLAS fellowship der University of Colorado in Boulder/USA gefördert. In
vorzugsweise kammermusikalischen Besetzungen greifen Greens Werke vor allem die Beziehung zwischen Strukturen und deren
Veränderungen auf.
Eunho Chang
Sanjo III (2011)
für Kontrabass solo UA
EunHo Chang wurde 1983 in Südkorea geboren. 2002 machte er seinen Kompositionsabschluss an der High School of Arts in Daegu. Er
setzte seine musikalische Ausbildung an der Keimyung Chopin Academy of Music in Daegu fort, und wechselte dann 2008 an die Uniwersytet
Muzyczny Fryderyka Chopina in Warschau, wo er 2011 seinen Abschluss in der Meisterklasse für Komposition machte. Zu seinen Lehrern
zählen Zbigniew Rudziński, Edward Sielicki, Marcin Blazewicz, Miłosz Bembinow, Cheolwoo Lee und Hyeonkuk Yoon. Seine Komposition Sanjo
I für Solovioline (2008) wurde von der Sejong Culture Society (USA) publiziert und von Desirée Ruhstrat - Geigerin des Lincoln Trio (USA) - auf
CD aufgenommen. Zu seinen bisherigen Werken zählen u.a. ein Streichtrio (2005), eine Flötensonate (2006), ein Bläserquintett (2005), ein
Klavierkonzert (2007-08), zwei Streichquartette (2008/2011) und ein Violinkonzert (2011)
Art-Oliver Simon
Thema (2010)
für Kontrabass solo UA
Thema markiert den Beginn eines offenen Kompositionszyklus für Soloinstrumente, die bisher wenig mit Stücken bedacht wurden, und zwar mit
der experimentellen Fragestellung, ob es möglich ist, das Konzept der unendlichen Melodie, so wie es Richard Wagner einst in seinem
gesamten Opernwerk vorschwebte, in unsere heutige Epoche des beginnenden 21. Jahrhunderts zu übertragen. Gerade die avantgardistische
zeitgenössische Musik nehme ich immer häufiger als eine Musik wahr, der die Ursprünglichkeit abhandengekommen ist, und die immer mehr zu
einer Entseelung und Dehumanisierung der kompositorischen Prozesse neigt. Da schien es mir einmal reizvoll zu sein, den umgekehrten Weg
zu gehen und nach dem musikalischen Kern eines Stückes zu fragen, anstatt eine immer weitere Auflösung und Zerstörung des musikalischen
Materials zu erzwingen.
Art-Oliver Simon wurde am 13. Dezember 1966 in Hamburg/Deutschland geboren. 1993 schloss er sein Studium in den Fächern
Komposition, Dirigieren und Klavier in den Klassen von F.M. Beyer und Witold Szalonek ab. Im selben Jahr wurde ihm der Kompositionspreis der
Stadt Berlin und 1994 der Boris-Blacher-Kompositionspreis verliehen. 2007 erhielt er ein Arbeitsstipendium am Herrenhaus Edenkoben und 2009
ein Arbeitsstipendium der Stiftung kunstraum sylt:quelle. Von 1993 bis 1995 lebte Art-Oliver Simon in Paris/Frankreich und besuchte dort am
Institut de Recherche et Coordination Acoustique/Musique (IRCAM) den cursus annuel de composition. Seit 1998 lebt er ständig in BerlinPrenzlauer Berg, organisiert Konzerte und tritt als Musiker, Dirigent verschiedener Ensembles oder auch als Liveperformer in Erscheinung.
Zahlreiche seiner Werke wurden bei größeren internationalen Festivals uraufgeführt, so z.B. im Rahmen des rendez-vous musique nouvelle in
Forbach/Deutschland (2002), auf dem Musikfestival in Usedom/Deutschland (2004), Stuttgart (2011) white island Konzerte, bei Herbstmusik in
Berlin (2005/2006), bei SOUNDWAYS in St. Petersburg/Russland (2009) sowie auf dem Westival in Stettin/Polen (2009). Er produzierte auch in
eigenen Stücken und Improvisationen Musik für Kinder (Lauschen und Lesen, Buch + CD, 2008).
Für weitere Informationen siehe www.simon-artmusik.de und www.simon-bw.de
Volker Ignaz Schmidt
Rezitationen (2010)
für Kontrabass solo UA
Volker Ignaz Schmidt
wurde 1971 in Leonberg/Deutschland geboren. Seine ersten kompositorischen Versuche unternahm er im Alter
von 15 Jahren; in dieser Zeit wirkte er als Pianist, Keyboarder, Trompeter und Song-Writer in verschiedenen Rock- und Jazzensembles mit.
Wenngleich Volker Ignaz Schmidt sich schon früh zur Musik berufen fühlte, studierte er zunächst Informatik. Um seine musikalische Bestimmung
zu verwirklichen, beschäftigte er sich ab 1993 ernsthaft mit den wesentlichen Grundlagen von Kontrapunkt sowie Harmonie- und Formenlehre.
Ab 1995 nahm er privaten Kompositionsunterricht bei Dr. Franklin Cox (University of Maryland/USA) und studierte später bei den Professoren
der Universität für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart/Deutschland Bernd Asmus und Jan Kopp sowie bei John Palmer (University of
Hertfordshire/England). Volker Ignaz Schmidts erste namhafte Kompositionen datieren aus den Jahren 2000 und 2001. Seitdem hat Schmidt
Solostücke für Geige, Kontrabass, Flöte, Klarinette, Posaune und Klavier geschaffen sowie ein Kontrabassduo, ein Streichtrio, ein
Streichquartett, drei Vokalstücke für Frauenstimmen, Lieder und verschiedene Werke für Kammerensembles und Orchester. Schmidts
Kompositionen wurden in Deutschland, Mexiko, Russland und den USA aufgeführt. Kompositionsaufträge erteilten ihm u. a. das belcanto
ensemble Frankfurt/Main, Franklin Cox, das New York Miniaturist Ensemble (USA) sowie der Frankfurter Tonkünstlerbund (DE). Für weitere
Informationen siehe www.volkerischmidt.de
Mateusz Ryczek
Rings of Saturn (2010)
für Kontrabass solo
Die Kompositionsstruktur von Rings of Saturn basiert auf Kreisen unterschiedlicher Länge und Drehgeschwindigkeit. Diese sich wiederholenden
Kreise lassen sich im weiteren Sinne mit dem Phänomen eines „Loops“ vergleichen: Im Laufe des Stückes überschneiden sich diese Kreise,
verschieben sich und löschen sich gegenseitig auf. So entstehen rhythmische, harmonische und formale Schichten, welche in den jeweils
wirkenden musikalischen Prozessen zyklisch wiederkehren.
Mateusz Ryczek
wurde 1986 in Toruń/Polen geboren. 2011 absolvierte er mit Auszeichnung seine Magisterprüfung an der Akademia
Muzyczna im. Karola Lipińskiego in Wrocław/Polen, wo er Komposition bei Grażyna Pstrokońska-Nawratil, Computerkomposition bei Cezar
Duchnowski sowie Theater- und Filmmusik bei Zbigniew Karnecki studiert hatte. Charakteristisch für Mateusz Ryczeks Werke sind mikrotonale
Strukturen, welche sich zu breit gefächerten Farbspektren entfalten. In seinen Stücken strebt der Komponist nach einer Verbindung von
mathematischer Strenge mit ästhetischem Klangsinn. Darüber hinaus experimentiert er mit elektronischen Techniken, bei denen der akustische
Grundklang des Instruments verlagert bzw. verzerrt wird.
Mateusz Ryszek hat bereits zahlreiche Preise und Stipendien gewonnen, darunter Auszeichnungen vom polnischen Wissenschafts- und
Bildungsministerium sowie vom Niederschlesischen Ministerpräsidenten. Sein Werkverzeichnis weist Kammermusik, Orchesterstücke,
Ihre Rainer Rubbert und Martin Daske
BKA-Theater
Mehringdamm 34
10961 Berlin
Kartentelefon: 030 - 20 22 007
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