26. November 2003 - Interessensgemeinschaft Allergenvermeidung

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IGAV – Interessensgemeinschaft
Allergenvermeidung
www.allergenvermeidung.org
Telefon-Hotline: 01/212 60 60
Prim. Dr. Norbert VETTER
2. Interne Lungenabteilung Sozialmedizinisches Zentrum Baumgartner Höhe
Otto-Wagner-Spital, Wien
Was passiert, wenn nichts passiert
Ein Heuschnupfen wird gerne auf die leichte Schulter genommen – dabei
ist er oft nur die Spitze des Eisbergs: darunter liegen mitunter ernste
Erkrankungen wie Asthma. In Österreich wird nur jeder vierte Allergiker
therapiert. Das heißt, von den 1,6 Millionen Allergikern sind rund 1,2
Millionen einem enorm erhöhten Asthma-Risiko ausgesetzt.
Eine Allergie ist ein chronischer Entzündungsprozess. Die allergische
Rhinokonjunktivitis – landläufig als Heuschnupfen bezeichnet – ist
mittlerweile zur Volkskrankheit geworden. Dabei bleibt die Erkrankung in
vielen Fällen nicht auf Augen und Nase beschränkt: sie kann sich auf den
gesamten Bereich der Atemwege von den Nasennebenhöhlen mit Mittelohr
über Rachen, Luftröhre bis hin zur Lunge ausbreiten. Jede Behandlung
dieser Allergie ist daher immer zugleich Prophylaxe, denn es gilt den
„Etagenwechsel“, ein Übergreifen der Entzündung auf tiefere Atemwege, zu
verhindern. 50 Prozent der Betroffenen, die heute unter einem
allergischen Schnupfen leiden, werden früher oder später zu
Asthmatikern, wenn sie nicht oder zu spät behandelt werden! Für
Betroffene bedeutet chronisches Asthma einen lebenslangen, enorm
erhöhten Leidensdruck sowie stark eingeschränkte Lebensqualität und für
die Volkswirtschaft einen 6-fachen Anstieg der Kosten.
Die Behandlung von allergischen Erkrankungen nutzt im Wesentlichen drei
Möglichkeiten: Die „Allergenkarenz“(Allergenvermeidung), die Behandlung
der Symptome und die Hyposensibilisierung („Allergie-Impfung“). Laut
ARIA (Allergic Rhinitis & its Impact on Asthma)-Guidelines der
Weltgesundheitsorganisation WHO kann die frühe Behandlung des
Heuschnupfens die Entwicklung von Asthma verhindern.
Die erste und wichtigste Maßnahme in der Behandlung ist die
Allergenvermeidung. Das heißt, Betroffene sollen so weit es geht den
Kontakt mit Allergie-Auslösern meiden oder reduzieren. Die weitere
Therapie richtet sich nach der individuellen Ausprägung der Symptome und
dem Schweregrad der Erkrankung. Angesichts der heute zur Verfügung
stehenden Therapieformen ist es durchaus möglich, für jeden Allergiker
ein maßgeschneidertes Behandlungspaket zu erstellen.
Antihistaminika & Kortison lindern Symptome
Gemäß den Empfehlungen der WHO gelten nicht sedierende Antihistaminika
als Präparate der ersten Wahl zur Basistherapie der allergischen
Rhinokonjunktivitis. Antihistaminika bessern Symptome wie Niesen,
Juckreiz und tränende Augen. Neueste, moderne Wirkstoffe wie
Desloratadin1 können bereits im Kindesalter (ab dem 2. Lebensjahr)
unbedenklich verabreicht werden und machen auch nicht müde – eine
Nebenwirkung, die bei älteren Präparaten auftritt und
Verkehrssicherheit, Arbeits- und Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigt.
Aktuelle Studien zu Desloratadin zeigen, dass diese Substanz die
Reaktionsfähigkeit in keiner Weise beeinflusst, rund um die Uhr wirkt
sowie keine klinisch relevanten Neben- und Wechselwirkungen auftreten.
Ergänzend empfiehlt die WHO intranasales Kortison (Nasenspray). Lokal
angewandte Kortikosteroide haben oft deutlich weniger Nebenwirkungen als
etwa Schleimhaut abschwellende Substanzen, wie sie vielfach bei
harmlosen Erkältungen angewandt werden. Studien zu den Kortikosteroidhältigen Nasensprays Fluticasonproprionat2 und Mometasonfuroat3 zeigen,
dass es selbst nach einem Jahr Anwendung zu keiner Veränderung der
Nasenschleimhaut kommt. Ein herkömmlicher, abschwellender Nasenspray
dürfte dagegen höchstens 7 bis 10 Tage angewendet werden!
Fluticasonpropionat wirkt innerhalb von 12 Stunden ein, bei manchen
Patienten schon nach 2-4 Stunden4. Topische Kortikosteroide wie
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Fluticasonpropionat sind aufgrund ihrer anti-inflammatorischen (antientzündlichen) Eigenschaften Therapie der ersten Wahl bei Rhinitis5.
Systemisch wirksames (den ganzen Organismus betreffendes) Kortison
sollte hingegen vermieden bzw. nur kurzfristig eingesetzt werden.
Allergie-Impfung bekämpft Ursache
Die Allergie-Impfung (auch Hyposensibilisierung oder Spezifische
Immuntherapie genannt) hat heute einen festen Stellenwert im AllergieManagement – und zwar besonders dann, wenn eine Empfindlichkeit
gegenüber Allergenen vorliegt, die man schwer meiden kann, wie etwa
Pollen oder Hausstaubmilben. Auch als Prävention gegen schwere
allergische Reaktionen auf Bienen- oder Wespenstiche ist sie sehr
wirksam.
Hyposensibilisierung bedeutet so viel wie „unempfindlich machen“ oder
„an etwas gewöhnen“. Sie ist auch die einzige Allergie-Behandlung, die
direkt im Immunsystem ansetzt und dessen Fähigkeit zur Abschwächung der
Reaktion nutzt. In vielen Fällen kann sogar eine Ausheilung der Allergie
erreicht werden. Standardisierte Allergen-Extrakte werden dabei mit
einer ganz feinen Nadel unter die Haut gespritzt.
Der Extrakt kann auch in Tropfenform unter die Zunge verabreicht werden
(sublinguale Allergie-Immuntherapie, SLIT) – eine Form der Applikation,
die vor allem für Kinder und Menschen mit einer Scheu vor
Injektionsnadeln eine wertvolle Alternative darstellt. Italienische
Wissenschafter untersuchten über einen Zeitraum von 10 Jahren bei
Kindern mit Milbenallergie und allergischem Asthma/Rhinitis die
Langzeitwirkung der SLIT. Das Ergebnis zeigt eine deutliche Senkung der
Asthma-Häufigkeit und eine signifikante Verringerung der AsthmaMedikation sowohl unmittelbar nach Abschluss der Therapie als auch nach
10 Jahren. Die Studienergebnisse zeigen demnach, dass die SLIT eine
effektive, langfristig wirksame Behandlungsmethode darstellt.
Die Hyposensibilisierungs-Behandlung dauert im Allgemeinen drei Jahre,
geimpft wird in Abständen von ein bis zwei Monaten, die Tropfen werden
1x pro Tag eingenommen. In der Regel werden die Symptome bereits nach
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drei bis sechs Monaten schwächer und der Bedarf an anderen AllergieMedikamenten geht zurück.
Asthma!
Wird beim Allergiker bereits Asthma bronchiale diagnostiziert, so gilt
selbstverständlich weiterhin die Empfehlung zur Allergenkarenz. Darüber
hinaus müssen spezifische Therapien eingeleitet werden, die sich
wiederum nach dem Schweregrad der Erkrankung richten: Zu den Eckpfeilern
der Behandlung zählen bronchienerweiternde Mittel sowie
entzündungshemmende Substanzen (hauptsächlich Kortikosteroide wie
Fluticason6). Daneben erfordert Asthma ein umfassendes
Krankheitsmanagement: die richtige Anwendung der Therapie, Kontrolle der
Lungenfunktion und körperliche Aktivität zählen dazu. Die Atemschule –
eine Initiative der Lungenfachärzte gemeinsam mit der Österreichischen
Gesellschaft für Lungenerkrankungen und Tuberkulose (ÖGLUT) und
GlaxoSmithKline – bietet dazu spezielle Schulungen für Kinder und
Erwachsene (www.atemschule.at).
Kontakt und Information für Patienten:
IGAV (Interessensgemeinschaft Allergenvermeidung)
Tel: 01/212 60 60, www.allergenvermeidung.org
Atemschule
Tel: 01/979 85 65, www.atemschule.at
Österreichische Lungenunion
Selbsthilfe bei Asthma, Bronchitis, Allergie
T: 01/330 42 86
Kontakt für Journalisten-Rückfragen:
Prim. Dr. Norbert VETTER
2. Interne Lungenabteilung,
Sozialmedizinisches Zentrum Baumgartner Höhe Otto-Wagner-Spital, Wien
T: 01/91060-42002
E: [email protected]
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Telefon-Hotline: 01/212 60 60
Diesen Text und das Foto von Prof. Vetter gibt’s bei:
Elisabeth Leeb, ikp, T: 01/524 77 90, E: [email protected]
1
Hinweis für die medizinische Fachpresse: Aerius® von Aesca. Laut DGAI (Deutsche
Gesellschaft für Allergologie und Immunologie) ist Desloratadin das 1. Anthistaminikum
der 3. Generation
2
Hinweis für die medizinische Fachpresse: Flixonase® von GlaxoSmithKline
3
Hinweis für die medizinische Fachpresse: Nasonex® von Aesca
4
Meltzer EO., Annals of Allergy, Asthma and Immunology 2001 March, Vol. 86 (3): 286-291
5
Horvath P.H., A comparison of the anti-inflammatory properties of intranasal
corticosteroids and antihistamines in allergic rhinitis, Allergy 2000: 62: 6-11
6
Hinweis für die medizinische Fachpresse: Flixotide® von GlaxoSmithKline
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