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IP/10/1747
Brüssel, den 20. Dezember 2010
Verringerung der Schiffsemissionen: Gemeinsame
Forschungsstelle der Kommission legt Optionen dar
Die Schifffahrt ist für rund 4 % der weltweit vom Menschen verursachten
CO2-Emissionen verantwortlich, was dem Umfang nach mit den
Treibhausgasemissionen Deutschlands vergleichbar ist. Bislang wurden
noch keine Vorschriften für die Emissionen des internationalen Seeverkehrs
vereinbart, doch wird die Problematik derzeit in der Internationalen
Seeschifffahrts-Organisation (IMO) und auf der Konferenz zum
Rahmenüberkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen
(UNFCCC) erörtert. In Bezug auf die Treibhausgasemissionen ist der
Seeverkehr der umweltfreundlichste Verkehrsträger. Wenn jedoch keine
Maßnahmen getroffen werden, dürften die Schiffsemissionen bis 2050
voraussichtlich
um
150-200 %
steigen.
Derzeit
befördern
rund
50 000 Handelsschiffe 90 % aller Waren. Die Schifffahrt ist somit für die
Weltwirtschaft
unersetzlich.
Ein
heute
von
der
Gemeinsamen
Forschungsstelle (JRC) der Kommission veröffentlichter Bericht gibt zum
ersten Mal einen umfassenden Überblick über die Methoden zur
Abschätzung der Luftschadstoffemissionen des Seeverkehrs, beschreibt
technische Lösungen und analysiert Politikoptionen zur Verringerung der
Treibhausgas- und Luftschadstoffemissionen dieses Verkehrszweigs.
Máire Geoghegan-Quinn, Kommissarin für Forschung, Innovation und Wissenschaft,
erklärte dazu: „Dieser JRC-Bericht macht deutlich, warum die Schiffsemissionen
ebenso wie Emissionen aus vielen anderen Quellen verringert werden müssen,
sowohl zur Bewältigung des Klimawandels als auch zur Verhinderung schwerer
gesundheitlicher Beeinträchtigungen. Erörtert werden darin auch die Optionen für die
Erreichung der nötigen Emissionsminderungen durch technologische Innovation in
Verbindung mit einer marktgestützten Politik. Die Studie ist auch ein perfekter Beleg
dafür, wie die wissenschaftliche Arbeit der Gemeinsamen Forschungsstelle der
Kommission dazu beitragen kann, politische Fortschritte bei den Zielen zu erreichen,
die sich die EU mit der Innovationsunion und dem Programm Europa 2020 gesetzt
hat.“
Zwar weist der Seeverkehr im Vergleich zu anderen Verkehrsträgern den geringsten
CO2-Ausstoß pro befördertem Tonnenkilometer auf, doch wird davon ausgegangen,
das seine Treibhausgasemissionen vom jetzigen Niveau von rund 1 Mrd. Tonnen im
Jahr in den nächsten vier Jahrzehnten um rund 150-200 % steigen werden.
Außerdem trägt die Schifffahrt auch zur Luftverschmutzung bei. Wenn keine
Maßnahmen ergriffen werden, wird die Luftverschmutzung auf den
Hauptschifffahrtsstraßen weiter zunehmen, da der Schwefeldioxidausstoß in den
nächsten zwei Jahren um schätzungsweise 10-20 % steigen wird. Schiffsdiesel
enthält sehr viel Schwefel, im weltweiten Durchschnitt 27 000 ppm (Millionstel) und in
Schwefelemissionskontrollgebieten bis zu 10 000 ppm.
Aufgrund
einer
neuen
IMO-Übereinkunft
werden
Schiffe
in
den
Schwefelemissionskontrollgebieten der Ost- und Nordsee bis 2015 Kraftstoff mit
einem Schwefelgehalt von nur 0,1 % verwenden müssen, wie dies aufgrund von EURechtsvorschriften in den EU-Häfen bereits der Fall ist.
Es besteht ein erhebliches Potenzial für die Minderung der Schiffsemissionen.
Technische Lösungen zur Verringerung des Kraftstoffverbrauchs und der
Emissionen von Luftschadstoffen und Treibhausgasen stehen schon zur Verfügung
und erstrecken von der besseren Konstruktion von Schiffen, Antrieben und
Maschinen bis hin zu einem optimierten Betrieb. Der neue JRC-Bericht trägt dazu
bei, die Umweltauswirkungen der weltweiten Schifffahrt, auch auf die Gesundheit,
stärker in das Bewusstsein zu rücken. Er analysiert die methodischen Fragen, die
sich den Wissenschaftlern bei der Bewertung der Umweltauswirkungen des
Schiffsverkehrs stellen, und deckt auf, welche Mängel hinsichtlich zuverlässiger und
umfassender Informationsquellen bestehen. Es wird auch eine detaillierte Bewertung
der Kosteneffizienz und des Emissionsminderungspotenzials der verschiedenen im
Bericht beschriebenen technischen Optionen vorgenommen.
Die technischen (auf Kraftstoffe und Motortechnik bezogenen) Lösungen sollten
durch
andere
Maßnahmen
ergänzt
werden,
um
die
CO2und
Luftschadstoffemissionen
wesentlich
zu
verringern.
Zusätzlich
müssen
marktgestützte Optionen für Maßnahmen sowohl auf regionaler wie auf weltweiter
Ebene geprüft werden. In dem Bericht wird daher auch untersucht, wie sich
marktwirtschaftliche Mechanismen einführen lassen, beispielsweise ein System für
den Handel mit Treibhausgas-Emissionsrechten für die Schifffahrt auf internationaler
Ebene.
Der JRC-Bericht zeigt somit als erster einen umfassenden Rahmen auf, innerhalb
dessen eine Strategie zur Minderung der Luftschadstoffemissionen von Schiffen
entworfen werden kann, und stellt das analytische Instrumentarium zur Formulierung
einer wirksamen Politik bereit.
JRC-Berichte
Die JRC-Berichte geben die Sicht der Gemeinsamen Forschungsstelle bezüglich
Themen wieder, bei denen sie über anerkanntes Fachwissen verfügt. Sie stellen
einen Bezugsrahmen für politische Entscheidungsträger, Forscher, die beteiligten
Kreise und die nichtfachliche Öffentlichkeit bereit. JRC-Berichte dienen der
Darlegung des gegenwärtigen Wissensstands in bestimmten Bereichen der
wissenschaftlichen Forschung oder der Politikbewertung.
Rechtslage in Bezug auf Schiffsemissionen
Die Strategie Europa 2020 umfasst als übergeordnetes Ziel für 2020 die Zusage, die
Treibhausgasemissionen um mindestens 20 % gegenüber dem Stand von 1990
oder, falls die Bedingungen dies zulassen, um 30 % zu verringern. Der Umfang
dieser Zusage ist in den EU-Rechtsvorschriften im Bereich des Klimaschutzes und
der Energie festgelegt. Nach diesen Rechtsvorschriften sollten alle
Wirtschaftszweige zu diesen Emissionsreduktionen beitragen, einschließlich der
Seeschifffahrt und der Luftfahrt. Falls bis 2011 von der Gemeinschaft keine
internationale Übereinkunft genehmigt wird, die die Emissionen des internationalen
Seeverkehrs in ihre Reduktionsziele einbezieht, sollte die Kommission die
Emissionen des internationalen Seeverkehrs in die Reduktionszusage der
Gemeinschaft aufnehmen mit dem Ziel, den vorgeschlagenen Rechtsakt bis 2013 in
Kraft zu setzen.
http://ec.europa.eu/governance/impact/planned_ia/docs/2012_clima_001_greenhouse_maritime_transport_en.pdf
http://ec.europa.eu/governance/impact/planned_ia/roadmaps_2011_en.htm#clim_act
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Weitere Informationen
Der JRC-Bericht „Regulating air emissions from ships: the state of the art on
methodologies,
technologies
and
policy
options”
(Regulierung
der
Luftschadstoffemissionen von Schiffen: Stand der Technik hinsichtlich Methodik,
Technologien und Politikoptionen) kann unter folgender Adresse heruntergeladen
werden: http://www.jrc.ec.europa.eu/rr
Weitere Informationen zu JRC-Aktivitäten
Klimaänderungen: http://ies.jrc.ec.europa.eu/
im
Bereich
Weitere Informationen zur EU-Politik bezüglich Schiffsemissionen:
http://ec.europa.eu/environment/air/transport/ships_directive.htm
Weitere Informationen zur EU-Politik zum Seeverkehr:
http://ec.europa.eu/transport/maritime/index_en.htm
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Luftqualität
und
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