Predigt +

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FEBRUAR 2016
3. FASTENSONNTAG
IM LESEJAHR C
EX. 3,1 – 8A.10.13-15
Lk 13,1-9
Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!
Brennt der Dornbusch bei Ihnen noch?
Gibt es noch die Erfahrung von Augenblicken, wo sie Gott ganz nah spürten und den Eindruck hatten, er
spreche Sie unmittelbar an? Oder fühlen Sie sich eher innerlich ausgebrannt?
Oder sind Sie ausgebrannt wie Mose?
Eventuell am Hof des Pharaos aufgewachsen, landete er am Ende als Viehhirt in irgendeiner Steppe am
Rande der Zivilisation. Aus dem Höfling wird ein Beduine. Kann man tiefer fallen? Wohin sollte es noch
gehen? Er war froh, dass er ein Auskommen bei seinem Schwiegervater hatte.
Unter uns gibt es viele Ausgebrannte. Arm an Kraft, arm an Worten um auszudrücken, was sie bedrückt.
Sie sind niedergebeugt und haben den aufrechten Gang eingebüßt. Alltägliche Hetze, vielfache
Überforderungen rauben den Atem. Da spürt man Leere und fühlt sich bedroht. Es kommt die Frage auf, ob
da noch die Erfahrung eines entgegenkommenden Gottes zu erwarten ist.
Grüblerisch und verzweifelt und mit letzter Kraft treibt Mose die Schafe an und kommt dabei auch an den
Sagen umwobenen Berg Sinai, der schon vielen Generationen vor Mose Zufluchtstätte und Ort der Verehrung
für verschiedene Geister und Götter war. Einöde aber auch dort, umgeben von Wüste. Hier und dort karge
Pflanzen oder Dornbüsche. Die äußeren Bedingungen spiegeln die inneren Erfahrungen wider. Also Elend
außen wie innen. Mose fühlt sich an den Rand gestoßen, innen wie außen.
Und ausgerechnet in einem solchen Dornbusch, einem abstoßenden und gefährlichen Gewächs wird ihm
plötzlich eine unglaubliche Erfahrung zuteil. Man könnte auch sagen, es geht ihm etwas auf! Ein Feuer bricht
inmitten der vorgefundenen und empfundenen Leere aus. Im eher Leblosen wird pulsierendes Leben spürbar.
Ein Mirakel oder eine Erkenntnis?
Mose will es prüfen und nähert sich dem Phänomen. Er will sehen und verstehen. Doch der Dornbusch
bleibt ein Dornbusch. Er brennt, verbrennt aber nicht. Kein Ausbrennen, sondern eine Flamme, die neugierig
macht.
Und das Erstaunlichste! Mose fühlt sich und wird angesprochen. Er wird beim Namen gerufen! Er wird
aufgefordert, nicht näher heran zu kommen, sondern einen „heiligen“ Abstand zu wählen und sich bewusst zu
machen, dass er an einem heiligen Ort steht, dass er vor dem Heiligen, dem Gott der Väter steht. An diesem
Ort zieht man die Schuhe aus und betritt ihn mit bloßen Füßen. Das bedeutet nicht Bloßstellung, sondern
demütige Verehrung und Anerkennung der göttlichen Begegnung.
Doch ist es am Ende ein Wunschbild und eine Täuschung, aus der Not hervorgerufen? Mose ist sicher,
dass es mehr ist. Er zieht die Schuhe aus und verhüllt sein Gesicht, weil er sich gerufen weiß. Und der Rufer
gibt ihm den Hinweis, dass er kein Fremder ist, sondern der, den die Väter schon ehrten und der ihnen seinen
Bund anbot und ihnen zusicherte, dass er diesen Bund in Treue bewahrt.
Zugleich bringt der Sprechende zum Ausdruck, dass ihm das Elend seines Volkes, das auch Mose gerade
erlebt, nicht egal ist, sondern dass es für ihn „himmelschreiend“ ist. Er bringt zum Ausdruck, dass er diesem
Elend ein Ende setzen und sein Volk befreien will. Er braucht dafür aber einen, der sein Anliegen und seinen
Willen kundtut und durchsetzt. Er braucht Mose und ruft ihn in die nicht einfache Aufgabe.
Es ist nicht verwunderlich, dass Mose den Namen dessen wissen will, der ihn angesprochen hat, um
später den Auftraggeber für das schwierige Werk benennen zu können. Doch der verweigert ihm den Namen,
gibt aber dafür preis, was er für Mose und sein Volk sein will: Einer, der da ist! „Ich bin da“, dass ist seine
Identität. Eine unglaubliche Zusage!
Und was heißt das für uns?
Auch wir kommen als Suchende in den Herausforderungen unseres Lebens. Wir suchen nach Kraftquellen.
Wir möchten wie Mose sicher sein, dass wir in unserem Glauben keinen Illusionen folgen, sondern auch von
Gott Gerufene sind. Dazu bedarf es aber der Bereitschaft, im Dornbusch des Lebens mit der Flamme Gottes
zu rechnen, also mit ihm zu rechnen, der auch uns zusagt: „Ich bin da“.
Gibt es für uns auch einen nachvollziehbaren Hinweis?
Schauen wir auf die Altäre in unseren Kirchen. Oft sind es Steinaltäre mit großen Platten, wuchtig, aber
leblos. Doch auf diesem Stein liegt plötzlich ein kleines Stück Brot, von dem gesagt wird, dass es die
Gegenwart Christi aussagt, der „da“ ist und sich verschenkt, um das „Elend seines Volkes“ mitzutragen, um
es zu überwinden und uns davon zu befreien. Wie aus dem Dornbusch eine lebendige Flamme schlägt und
eine eindrucksvolle Stimme spricht, so wird aus dem Stein ein Tisch, von dem Brot und Wein gereicht
werden und das „Dasein“ Christi erkennen und schmecken lassen.
So rief Gott aus dem Dickicht der Angst den Mose. So ruft er in Christus heute in die Zeit der Not vom Altar
aus: „Leg deine Schuhe ab, Du stehst auf heiligem Boden“. Du bist zu Hause, deshalb kannst Du behaust
unbeschuht sein. Christus sagt zu uns: Du bist bei mir und in mir Zuhause.
Mose ging am Dornbusch etwas auf. Es ging ihm das Herz auf. Deshalb verhüllte er verehrend und
dankbar das Gesicht. Wir brauchen unser Gesicht nicht verhüllen, wir dürfen uns aber vor diesem
hingebenden Christus knien um zu zeigen, wie berührt wir sind, dass er auch heute herabsteigt, um sich auch
unserer anzunehmen.
Der Dornbusch brennt also immer noch, weil wir uns auf das Entgegenkommen Gottes verlassen dürfen.
Gott will immer begegnen, immer ansprechen, immer herabgestiegen, um sich unseres Elends anzunehmen
und uns aus der Wüste in das Land von Milch und Honig zu führen.
Pfarrer Wolfgang Acht, Kempen
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Inschrift
Sag, in was schneide ich deinen Namen?
In den Himmel? Der ist zu hoch.
In die Wolken? Die sind zu flüchtig.
In den Baum, der gefällt und verbrannt wird?
Ins Wasser, das alles fortschwemmt?
In die Erde, die man zertritt und in der nur die Toten liegen?
Sag, in was schneide ich deinen Namen?
In mich
Und in mich
Und immer tiefer
In mich!
Erich Fried
Impressum:
missio, Internationales Katholisches Missionswerk e.V., Goethestr. 43, 52064 Aachen.
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