CSP Religion 12.1

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GK Religion (r.-k.) I
[ K 12, 04.12.08 ]
Dieses Dokument ist eine Zusammenfassung und dient nur zur Unterstützung,
nicht als Ersatz.
Achtung: Die Strukturierung (und Kürzung) des Lernstoffs ist subjektiv geprägt.
Inhalt
1. Biblische und moderne Gottesbilder
2. Unsere Vorstellung von Gott
3. Gotteserfahrung und Sinnerfahrung
4. Gottesbeweise
(5. Allgemeinwissen)
1. Biblische und moderne Gottesbilder
1.1 Fünf Arten, über Gott nachzudenken
1. Strenggläubige: Gott ist der allmächtige und ewige Schöpfer der Welt.
2. Atheisten: Es gibt keinen Gott.
3. Agnostiker: Gott ist unmöglich zu erkennen.
4. „Aufgeschlossene“: Gott ist ein hilfloser Name. Göttliches  keine Person
5. Mystiker: Gott und die Welt sind eins. Gott ist in der Welt und umgekehrt.
1.2 Gottesbilder im AT
- Patriarchenzeit: Gott der Väter, er beschützt die Sippe.
- Exodus: Gott als der Befreier seines Volkes.
- Landnahme/Richterzeit: Gott schenkt uns Land und kämpft gegen unsere Feinde.
- Königszeit: Gott (= Schöpfer) wählt/schützt den König. Gott richtet und schenkt neues Heil.
- Exil/Wiederaufbau/Diaspora: Gottes Nähe durch Befolgung seines Gesetzes. Er wird Israel
retten und das Böse/den Tod besiegen.
 Der Gott des AT…
…schützt, hat aber „hohe Ansprüche“
…hat menschliche Wesenszüge
…ist überweltlich
1.3 Gottesbild Jesu (NT)
Jesus bejaht grundsätzlich das Gottesbild des AT, hat es aber von den Anthropomorphismen
befreit. Seine Absicht war, das Wesen Gottes als Liebe klar zu machen.
-
Gott ist ein Gott der Freiheit, Erlösung und Liebe.
Beseitigung der Anthropomorphismen
Betonung der vertrauenschaffenden Wesenzüge, unendliche Liebe
Jesus zwingt nicht, sondern überzeugt mit Argumenten und Taten.
Sündigen bedeutet sich selbst schädigen, nicht Gott verärgern.
Ausgestoßene, Sünder etc. werden mit eingeschlossen.
(Be)reich Gottes ist durch Jesus schon da, aber noch nicht vollendet. Wir sollen aktiv
darauf hinarbeiten.
-
Gott (als „Papa“ oder Hirte) will Gutes
1.4 Spannungen zwischen biblischem und modernem Denken
Biblisches Denken:
- unwissenschaftliches Weltbild
- metaphorisches Denken und Erklären
- Bibel genoss als Werk der Inspiration göttliche Autorität
Modernes Denken:
- größtes Ansehen genießen exakte Wissenschaften
- Der weltaufgeschlossene Christ unserer Zeit erkennt die Evolutionslehre an
- Der Glaube an Gott entspringt nicht der Frage nach der Welt(-entstehung), sondern der
Frage nach Geborgenheit, Liebe, Vertrauen und Zuversicht gegenüber dem Tod.
1.5 Sonstiges
Die Geschichte von Gott in der Bibel ist eine Geschichte von epochalem Zuschnitt, die
wortwörtlich geglaubt wurde (bis 1965). Geringfügig unterschiedliche Deutungen der Bibel
führten zu Kriegshandlungen und Zerstörung.
Gottesleugner beziehen sich auf die europäische Gottesvorstellung, weil wir Vorstellungen
und Praktiken übernehmen, mit denen wir aufgewachsen sind.
1.6 Feministische Theologie
Traditionelle Gottesbilder sind männlich geprägt, weil sie von/für Männer formuliert wurden. Aus zwei Gründen
ist es wichtig, das männliche Denken von Gott zu überwinden:
(1) Gott/Göttliches darf nicht einseitig betrachtet werden.
(2) Frauen und Mädchen benötigen auch weibliches Göttliches für ihre religiöse Entwicklung und
Selbstverständnis.
2. Unsere Vorstellung von Gott
2.1 Religion und Gott
Bei allen Weltreligionen bzw. religiösen Praktiken kommt das Gleiche heraus:
Das Leben hat einen Sinn.
Wir (alle Weltreligionen) suchen einfach nur nach etwas, das größer ist als wir.
Die Frage nach der Existenz Gottes kann nicht mit Vernunftargumenten bestritten werden, da
es sich um Glauben handelt.
Ein Gottesbild ist notwendig, jedoch nicht beliebig.
2.2 Reden von Gott
Umschreibungen für Gott: unsichtbar, anwesend, real, unantastbar, anders, zeitunabhängig,
einzigartig, immer präsent, unfassbar, unbegreiflich, weise, genial, barmherzig, geduldig,
gnädig, väterlich, mütterlich, allmächtig, lebenspendend, beschützend, etc.
Von Gott zu reden ist nur begrenzt möglich:
- zeitabhängig
- ortsabhängig (z.B. Kultur)
- situationsabhängig
- personabhängig
2.3 Wesen von Gott
Gott ist unsagbar, unerfassbar, unbegreiflich. Sein Wesen erfahren wir in Orten und
Situationen, in denen er sich als göttlich zeigt.
Die Suche nach Gott ereignet sich immer in der Spannung zwischen der Erfahrung, dass Gott
menschlich nahe ist, und der Erkenntnis, dass Gott unsagbar bleibt.
Jede einmalige persönliche Lebensgeschichte ist ein Teil der dynamischen Geschichte Gottes,
die alle einzelnen Lebensgeschichten mit einschließt und übersteigt.
 Wir müssen Gott mit neuen Augen sehen.
2.4 Orientierung an Jesus
Woran können wir uns überhaupt noch orientieren? An Jesus Christus.
Er zeigte eine innige Beziehung zu Gott und zeigte (durch sein Handeln), wie Gott ist:
liebevoll, vergebend, verzeihend, einladend, wohlwollend, gerecht, gütig, partnerschaftlich,
tod-überwindend, erlösend, etc.
 Mein Glaube an Gott muss daher auch zeigen, dass er erlösend und befreiend wirkt.
(Beispiele: bei sozialen Brennpunkten helfen, Zukunftsperspektiven kreieren, dem Nächsten
Hilfe leisten, Aggressionen zurückhalten, Würde des anderen respektieren, u. v. m.)
„Das Besondere am Christentum ist Jesus, maßgebend für die Beziehung zu Gott. […] Christentum definiert als
christliches Handeln, heißt Nachsicht, Unterstützung, Mitgefühl […] ein Weg mit Fehlern der Gesellschaft
(Ignoranz, Pessimismus, Egoismus…) umzugehen.“ – auf dem Handout von Stefanie Strobl
2.5 Notwendigkeit eines Gottesbildes
Bilder von Gott sind notwendig, obwohl diese Bilder Gott nur umschreiben.
Denn wir können von Gott nur bildlich reden.
(Die verschiedenen Bilder korrigieren sich dabei gegenseitig.)
Probleme:
- Der unbegreifbare und unverfügbare Gott wird durch Gottesbilder zu einem
manipulierbaren Gott verwandelt.
- Gott kann zu einer Projektion meiner persönlichen Wünsche und Bedürfnisse werden.
- Gott wird als Legitimation für Bestehendes/Handlungen missbraucht (z. B. Hierarchie,
Krieg, etc.).
3. Gotteserfahrung und Sinnerfahrung
3.1 Sinnerfahrungen
Gotteserfahrungen sind sowohl durch Glückssituationen als auch durch Leid
(Grenzerfahrungen) möglich.
Punktueller Sinn (kurze Erfahrung): v. a. Momente des Glücks oder Erfolgs
[Problem: Konzentration auf rein punktuelle Erfahrungen  Habgier, Hang an Materiellem,
Sinnleere, Konsumgesellschaft]
Partikularer Sinn (länger anhaltende Erfahrung): z. B. Freundschaft, Liebesbeziehung,
Krankheit, Übernahme von Verantwortung, etc.
Partikulare Sinnerfahrung ist hochwertiger als punktuelles Glück.
Universalsinn (Tiefenerfahrung): z. B. Überwindung einer schweren Krankheit/Leid oder
Erfahrung von tiefer Liebe im Sinne von Agape (Nächstenliebe) führen zu Urvertrauen (auf
Gott). Das eigene Leben hat einen (tiefgehenden/umfassenden) Sinn.
 Gott ist da, Sinnlosigkeit existiert nicht.
3.2 Gotteserfahrung
Die Gotteserfahrung bleibt den meisten Menschen ein Geheimnis, weil Gott zwar als
anwesend gespürt oder erahnt wird, sich aber fast immer dem zugreifenden Denken und
Wahrnehmen entzieht.
Merkmale der religiösen Erfahrung:
- im Alltag
- plötzlich
- verbal kaum vermittelbar
- innerlich individuell
- ganzheitlich, betroffen machend
Religiöse Erfahrungen umfassen u. a. das Erfahren von Ehrfurcht, Dankbarkeit, Urvertrauen,
Befreiung von Schuld oder Schmerz, Erlösung von Angst, Liebe, etc.
3.3 Wege der Gotteserfahrung
a) Erfahrung Gottes durch die Spuren, die er in der Natur hinterlassen hat
b) Erfahrung Gottes durch Bejahung des Universalsinns/Lebenssinns
c) Erfahrung Gottes durch Jesus, entsandte Dinge/Wesen, menschliche Handlung
Oft führt nur die Gotteserfahrung, die jeder selbst macht, zum Glauben.
Religiöse Erfahrung macht man selbst und lässt man machen, indem man Leid verringert und
sich für Gutes einsetzt (= man lässt damit Göttliches erleben).
Vgl. mit 2.4: „Mein Glaube an Gott muss daher auch zeigen, dass er erlösend und befreiend wirkt.“
4. Gottesbeweise
- Gotteshinweise 4.1 Anselm von Canterbury (11. Jhd.)
Der ontologische Gottesbeweis:
Ein höchstes, vollkommenes Wesen ist denkbar.  Dieses Wesen muss existieren, da
Vollkommenheit die Existenz mit einschließt.
4.2 Thomas von Aquin (13. Jhd.)
(1. via) Bewegungsbeweis (kinesiologisch):
Bewegung in der Immanenz (= Weltliches, Irdisches).  Gott als erster Beweger.
(2. via) Beweis durch Kausalgesetz:
Jede Wirkung hat eine Ursache.  Gott als erster Verursacher.
(4. via) Stufenbeweis:
Abstufungen der Vollkommenheit in der Immanenz.  Gott (höchste Stufe) als
vollkommenes Wesen.
(5. via) Finalitätsbeweis (teleologisch):
Gesetz- und Zweckmäßigkeit in der Immanenz.  Gott als intelligenter Schöpfer der Welt.
4.3 Historische und moralische Gottesbeweise
Jesus als Gottesbote:
Geschichtlichkeit und Zuverlässigkeit Jesu als Gottesbote  Gott ist sein und unser Vater.
Religiöse Veranlagung des Menschen:
Jedes Volk hat eine Religion.  Gott ist durch die religiöse Urveranlagung und die
menschliche Vernunft erkennbar.
Der moralische Gottesbeweis nach Kant:
Gewissen, obwohl dabei das Glücksstreben hinten angestellt wird  Gott als Erfordernis der
Moral
4.4 Erst Religion, dann Theologie
- Die Theologie ist der Versuch, von dem zu reden und zu denken, über was nicht
wissenschaftlich geredet oder gedacht werden kann.
- Das Denken ist den Religionen gegenüber immer sekundär. Die Sprachform der
Religion besteht in Geschichten, Gebete, Lieder, etc.
- Jenseits aller vergänglichen Aussagen der Religionen über Kosmos und Historie bleibt
Auskunft über mich und über die Menschen. Ich soll verstehen, wer ich bin, wo ich
herkomme, wo ich hin gehe und was ich zu tun habe.
- Religion macht keine wissenschaftlichen Aussagen.
Im Christentum ist der Schnittpunkt des Göttlichen und des Menschlichen Jesus Christus =
Gott ist Mensch geworden.  Mach es wie Gott, werde Mensch! (im Sinne von menschlichen
Mitgefühl, Nächstenliebe, etc.)
5. Allgemeinwissen
4.1 Das Wort „glauben“
1. Bedeutung: Ich vertraue dir.
2. Bedeutung: Ich halte etwas für wahr.
Glauben, lieben und loben haben die gleiche Wurzel: liob = gut
Glauben an Gott heißt ihn für wahr zu halten und sich ihm anzuvertrauen.
4.2 Bibel
- 73 Bücher, ca. 50 Autoren
- ältester Text ca. 2900 Jahre alt
- jüngster Text ca. 1900 Jahre alt
4.3 Gott ist NICHT:
- der alte Mann mit Bart auf einem Thron
- außerweltliches Individuum, das das Weltgeschehen überblickt
-
der peinliche Kontrolleur
der lustfeindliche Griesgram
der grausame Richter
die Instanz für den reibungslosen Ablauf meines Lebens
durch unsere Begriffe festlegbares Objekt
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Der Ersteller/CSP übernimmt keine Haftung für die Vollständigkeit und die Korrektheit der zur Verfügung gestellten Daten.
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