1 Ziele der islamischen Erziehung

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Inhaltsverzeichnis
1
2
Ziele der islamischen Erziehung
2
Inhalte islamischer Erziehung
3
2.1
Religiöse Inhalte
2.1.1
2.2
Sittliche (moralische) Inhalte
2.2.1
2.2.2
2.2.3
2.2.4
2.2.5
2.2.6
2.3
2.4
Kindererziehung
im
Islam
3
Aufrichtigkeit
Vertrauenswürdigkeit
Nächstenliebe
Umweltfreundlichkeit
Keuschheit
Weitere vortreffliche Charaktereigenschaften
Wissenschaftliche Erziehung
Inhalte leiblicher Erziehung
Erziehung als Prozeß
3.1
3.2
3.3
4
Die ersten 7 Jahre: Geduld und Milde
Die nächsten 7 Jahre (7-14 J):Überzeugung und Konsequenz
Von 14 bis 21 Jahren: Freundschaft und Beratung
Pflichten der muslimischen Eltern
4.1
4.2
4.3
5
Pflicht zur guten Erziehung
Pflicht zur Versorgung
Pflicht zur gerechten Behandlung aller Kinder
Verhaltensempfehlungen an die Eltern
5.1
5.2
Gute Beziehung und Einigkeit der Eltern
Der gute Umgang mit den Kindern
5.2.1
5.2.2
5.3
6
Gute Voraussetzungen für eine respekt- und liebevolle Beziehung schaffen
Bedürfnisse ernst nehmen
Disziplin und Grenzen
5.3.1
5.3.2
5.3.3
Vom sinnvollen Umgang mit Regelbrüchen
Warum scheitern einige Eltern daran, Disziplin durchzusetzen?
Vermeiden von Zorn und Gewalt
Pflichten der Kinder gegenüber den Eltern
6.1
6.2
6.3
7
Islamische Inhalte im Detail
Respekt, Gehorsam und Freundlichkeit
Hilfeleistung und Barmherzigkeit im Alter
Verhalten gegenüber Nicht-Muslimischen Eltern
Erziehungsmethoden des Propheten (sas)
3
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7.1
7.2
7.3
7.4
7.5
7.6
7.7
7.8
7.9
Erziehung durch Geschichten
Erziehung durch Predigt
Verheißung von Allahs Belohnung und Bestrafung
Überzeugung des Verstandes
Harte Worte und Gnade
Sich abwenden (Hajr)
Indirekte Führung oder Leitung
Nutzen von Gelegenheiten und Ergreifen von Chancen
Lob und Ermutigung
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13
13
13
13
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14
14
8
Verhalten des Propheten (sas) gegenüber den Kindern
14
9
Erziehungsmethoden der modernen Pädagogik
14
9.1
Tips um Konflikten vorzubeugen und deren Eskalation zu vermeiden
9.1.1
9.1.2
9.1.3
9.1.4
9.1.5
9.1.6
9.1.7
9.1.8
9.2
Der Umgang mit Fehlern des Kindes
9.2.1
9.2.2
10
Ausreichend positive Zuwendung und Ermutigung:
Vertrauensvorschuß gewähren
Klare Regeln und Absprachen
Bedürfnisse des Kindes ernst nehmen, seine Persönlichkeit respektieren
Aufgaben und Verantwortung übernehmen lassen
Notbremse ziehen, wenn der Wutpegel steigt
Gut für sich sorgen
Über den Trotz
Klärendes Gespräch und logische Konsequenz
Die Wirkung von Schlägen und Demütigungen
Zusammenfassung: 10 Regeln erfolgreiche Erziehung
Kindererziehung im Islam
Zusammengestellt von der Schwester Constanze Schütte aus dem Buch „Grundzüge der islamischen
Erziehungslehre“ von Amal Ingrid Lehnert, Vorträgen aus dem Internet von Ruhsar Koca, Abu Jamal,
Dr. Muhammad Dalmau Carre, Islamische Zeitung 38. Ausgabe, u.a., sowie eigenen islamischen und
pädagogischen Nachforschungen (Quran, Ahadith, Sunna, moderne Bücher über Kindererziehung). Dies
ist keine wissenschaftliche Abhandlung und ich bitte daher, die unvollständigen Quellenangaben zu
entschuldigen.
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Ziele der islamischen Erziehung
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Das Ziel, das die Erziehung von Kindern immer und überall verfolgt, ist Sozialisation, d.h. die
Eingliederung in die jeweilige Gesellschaft, in der das Kind aufwächst. Wenn die Werte und
Moralvorstellungen der Eltern mit denen der Gesellschaft konform gehen, vereinfacht dies die Erziehung
natürlich, da in diesem Fall äußere Einflüsse die Erziehung positiv unterstützen und die Umgebung quasi
„mitzieht“. Problematisch aber wird es, wenn das Elternhaus andere Ziele verfolgt, als die von der
Gesellschaft vorgegebenen; wenn die elterlichen Vorstellungen den gesellschaftlichen entgegengesetzt
sind und man mit seinen Lebensvorstellungen und Idealen „gegen den Strom schwimmen“ muss. Wir
müssen uns daher doppelt und dreifach darum bemühen, unsere Kinder gut zu erziehen und nicht erst
dann aufwachen, wenn es bereits zu spät ist.
Das höchste Ziel der Erziehung im Islam ist, dass der Mensch für Allah alleine lebt und zum Wohle
seiner selbst und der gesamten Menschheit wirkt.
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Die Einzelziele gliedern sich auf in 4 Bereiche:
a) die Zucht der Seele
= religiöse Erziehung
b) die Läuterung des Geistes
= sittliche und moralische Erziehung
c) die Bildung des Verstandes
= wissenschaftliche Erziehung
d) die Stählung des Körpers
= leibliche Erziehung
Gemeinhin beläuft sich die Vorstellung von elterlicher Verantwortung darauf, dass Eltern sich darum
bemühen, dass ihr Kind gesund ist, „gute Manieren“ bekommt, eine gute Ausbildung erhält,
verantwortungsbewusst, erfolgreich und nach Möglichkeit beliebt ist und später einmal einen guten Beruf
erlernt und einen möglichst hohen gesellschaftlichen Rang erhält. Solche Eltern ernähren und kleiden ihre
Kinder gut, und im Überfluss, kümmern sich um ihr weltliches Fortkommen, indem sie sie mit allen
Mitteln wirtschaftlichen Wohlstandes versorgen, aber sie vernachlässigen meist ihre moralische
Stärkung, als ob dies etwas Unwichtiges wäre. Jedoch im Gegenteil, die moralische Ausbildung und
2
Disziplin ist unvergleichlich wichtiger als weltliche Erziehung und hat wesentlich mehr Wert und
Bedeutung …“
Die islamische Erziehung unterscheidet sich daher von der im Westen üblichen, denn es wird der
Persönlichkeit eine besondere Prägung verliehen. Moralische Werte und religiöse Pflichten sind hier
wichtiger als weltlicher Erfolg
2.1.1
Islamische Inhalte im Detail
1.
2.
3.
Wir als Eltern müssen uns immer bewusst machen, dass unsere Kinder nicht unser, sondern Allahs
Eigentum sind, welches Er sich jeder Zeit zurückholen kann. Und es ist unsere Verantwortung, unsere
Kinder auf eben jenen Augenblick, an dem sie ihrem und unserem Schöpfer gegenübertreten,
vorzubereiten. Genau deshalb ist es Aufgabe der Eltern, ihren Kindern möglichst gute Voraussetzungen
dafür zu geben, hohe spirituelle Ränge zu erreichen. So ist das Wichtigste, das Eltern an ihre Kinder
weitergeben können, die Liebe zu Allah. Ebenso wie Kinder weltlicher Eltern die Welt lieben werden,
werden die Kinder gläubiger Eltern Allah lieben.
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2.1
Inhalte islamischer Erziehung
4.
5.
6.
Religiöse Inhalte
Geht es um religiöse Erziehung, denken wieder viele Leute, dass es nicht mehr ist, als ein Satz von
Anordnungen, Verboten und Strafen. Es ist viel mehr als das. Es gibt einen ganz großen Unterschied
zwischen einem Elternteil, der sein Kind dafür bestraft, dass es nicht betet oder einem Elternteil, der sein
Kind lehrt, das Gebet zu lieben. Es gibt einen ähnlichen Unterschied zwischen einem Elternteil, der sein
Kind wegen des Benutzens eines geschmacklosen oder unanständigen Wortes bestraft, oder einem
Elternteil, der sein Kind lehrt, solch eine Sprache zu verabscheuen und seine Reden zu verbessern.
Daher ist die Vermittlung der Liebe zu Allah und dem Propheten das Wichtigste bei der religiösen
Erziehung im Islam.
Das Grundkonzept besteht darin, dem Kind zu vermitteln, dass wahrer Frieden und wahre Freiheit in der
Unterwerfung unter Allahs Willen liegt und es dann ein erfülltes Leben im Einklang mit dem Universum
und dem Göttlichen Gesetz führen wird.
Es muss wissen, dass Allah das Recht hat, dass man nur an ihn glaubt, nur ihn verehrt und anbetet, ihm
gehorcht und seine Gebote befolgt.
Erlaubt ist, was Allah nicht verboten hat.
Verboten ist vom Prinzip her alles, was dem Menschen körperlich, geistig oder sittlich schaden könnte,
wie z.B. Unterhaltung, die die körperlichen Bedürfnisse anregt und gegen die islamische Moral verstößt.
Die Rechte der anderen auf Unversehrtheit an Leib, Ehre und Eigentum dürfen nicht verletzt werden.
Es ist von grundlegender Bedeutung, dass das islamische Selbstbewusstsein beim Kind gefördert wird.
Dazu gehört, dass dem Kind seine Bestimmung als Muslim, der Sinn und Zweck seines irdischen Daseins
vermittelt und erläutert wird. Dem Kind muss seine Möglichkeit greifbar gemacht werden, einen
entscheidenden Beitrag zur Errettung seiner Selbst und der gesamten Menschheit zu leisten. Es muss
wissen, dass seine Taten Folgen haben und gewissenhafte Pflichterfüllung ihm die große Chance bietet,
das Paradies zu erlangen.
7.
8.
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15.
Den Kindern soll das Aussprechen von La Ilaha illa llah, Muhammadun Rasulullah
beigebracht und der Sinn erklärt werden.
Eines der wichtigsten Dinge ist die Liebe zu Allah von ganzem Herzen und der Glaube an ihn.
Er, der Eine, der Allmächtige, hat uns erschaffen, ernährt uns und rettet uns in der Not. Wir
sind von tiefstem Herzen dankbar für seine Gaben.
Die Kinder sollen lernen, nach dem Paradies zu streben. Es gehört demjenigen, der betet,
seinen Eltern gehorcht, die Wahrheit sagt und gute Werke verrichtet. Die Eltern sollen die
Kinder auch vor dem Höllenfeuer warnen, das die reuelosen Ungehorsamen und Aufsässigen
gegen Allah verschlingt.
Die Kinder sollen lernen, dass nur Allah der wahre Helfer und Geber ist. Sie erhalten nur die
Dinge und Hilfe, die Allah ihnen zukommen lassen will. Daher sollen sie auf ihn allein
vertrauen und ihn um alles bitten.
Wenn die Kinder das 7te Lebensjahr vollendet haben, sollen sie das Gebet beigebracht
bekommen und mit 10 sollen sie regelmäßig beten. Dazu zeigt man den Kindern, wie man
Wudu verrichtet, nimmt sie in die Moschee mit, gibt ihnen Broschüren oder Filme über das
Gebet und fordert sie liebevoll auf, mit den Eltern zu beten. Es ist gut, sie zu motivieren, am
Gruppengebet und Freitagsgebet in der Moschee teilzunehmen.
Für die Verrichtung des Gebetes ist es notwendig, dass die Kinder einige Suren des Quran
beherrschen und die anderen Sequenzen des Gebetes. Wenn es Quran-Unterricht gibt, sollte
man sein Kind daran teilnehmen lassen; ansonsten kann man einen Lehrer beauftragen, wenn
man selbst dies nicht gut kann (weil man z.B. als Nicht –Araber eine fehlerhafte Aussprache
hat).
Den Kindern soll der Gebrauch schlechter Worte verboten werden, das Schimpfen,
Verdammen und die üble Nachrede. Dabei müssen die Eltern selbst ihre Zunge hüten und ein
gutes Vorbild sein.
Die Kinder müssen vor Glücksspielen aller Art gewarnt werden, auch wenn es zum Spaß sein
sollte. Sie verursachen Feindseligkeit durch ihre Ungerechtigkeit, und sine Geld-, Zeit- und
Gebetsverlust.
Den Kindern müssen die erotischen Magazine, pornographische Bilder und Bücher über
Gewalt und Verbrechen verboten werden, ebenso gleichartige Kino-, Fernseh- und Videofilme
wegen des großen Schadens an der Moral und des schlechten Vorbildes, das sie präsentieren.
Die Kinder müssen vor dem Rauchen gewarnt werden, indem man ihnen erklärt, dass es der
Gesundheit schadet, Krebs verursacht, die Zähne schädigt, einen schlechten Geruch und
keinen Nutzen hat. Auch ist es Geldverlust.
Das Kind soll sich daran gewöhnen, mit der rechten Hand zu essen und trinken, vor dem
Essen und jeder Tat bismillah auszusprechen sowie nach dem Essen alhamdulillah zu sagen.
Das Kind soll sich an Reinheit gewöhnen. Es soll sich die Nägel schneiden, vor und nach dem
Essen die Hände waschen und danach den Mund ausspülen oder die Zähne putzen. Nach der
Toilette soll es Wasser und Toilettenpapier zur Reinigung verwenden und es muss ihm dabei
erklärt werden, dass Reinheit für die Verrichtung des Gebetes notwendig ist und auch die
Kleidung nicht verschmutzt sein darf.
Die Kinder sollen lernen, die Muslime mit dem islamischen Gruß zu begrüßen: Assalamu
alaikum wa rahmatullahi wa barakatuh.
Die wichtige Rolle der Güte zu den Eltern, Verwandten und Nachbarn soll dem Kind
vermittelt werden und generell die Gastfreundlichkeit.
Es ist zu empfehlen, den Kindern über das Leben des Propheten (sas) und seiner Gefährten zu
erzählen, ihre hoch gelobten Manieren, ihre Tapferkeit und Mut, das Aufrufen zum Guten und
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Gebieten des Rechten sowie Verbieten des Verwerflichen, damit die Kinder sie sich zum
Vorbild nehmen und ihnen nacheifern.
16. Hierzu gehört auch die Vermittlung von islamischem Kultur- und Wissensgut. Dazu gehören in
erster Linie die ausführliche Darstellung der Glaubensgrundsätze, welche den Glauben an
- Allah (t), den Schöpfer alles Seienden und Seine Eigenschaften,
- die Propheten bzw. das Prophetentum, die Erläuterung aller Propheten, ihre Berufung, ihre
Aufgabe, ihr Leben und Wirken, ihre Vorbildfunktion
- die Bücher Allans, die den einzelnen Propheten offenbart wurden, ihre Bestimmung und ihre
Bedeutung,
- die Engel,
- das Leben nach dem Tod und
- die Vorherbestimmung durch Allah (t) verkünden.
Die fünf Säulen des Islam
- das Glaubensbekenntnis
- das Gebet
- die Armensteuer
- die Pilgerfahrt und
- das Ramadan-Fasten
Weiterhin muss dem Kind
- die Entstehung und Entwicklung der islamischen Kultur und Zivilisation,
- die islamische Geschichte einschließlich der Berichte über das Leben und
Wirken der Kalifen und anderen hervorragenden Persönlichkeiten,
- die Einstellung des Islam zu den
Wissenschaften und sein eigener Beitrag zu ihnen, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu
anderen Religionen, insbesondere Judentum und Christentum, und deren Darstellung aus
islamischer Sicht, sowie
- das System eines islamischen Staates vor Augen geführt werden.
17. Zum islamischen Wissen gehört auch die Kenntnis der arabischen Sprache, die Sprache des Qur'an, die das
Kind erlernen muss, um in erster Linie den Qur'an lesen und verstehen zu können, und um ein Gebet
mit innerer Beteiligung zu gewährleisten und ein blindes Auswendiglernen zu vermeiden.
2.2
Vorfall gekommen ist. Aber wo Angst im Spiel ist, wird es versuchen, seine Unschuld durch eine Lüge
vorzutäuschen. Das ungewohnte Verhalten und seine abgehackte Sprache sind Indiz genug dafür, dass es
lügt und dass diese Tat im Widerspruch zu seiner gottgegebenen Veranlagung (Fitra) steht. Die
Gesandten Gottes, deren bedeutendster Teil ihrer Botschaft die Wiederbelebung der gottgegebenen
Veranlagungen war, haben die Menschheit stets zur Aufrichtigkeit gemahnt. Unaufrichtigkeit zerstört den
Glauben und daher gehört die Lüge zu den größten Sünden. Es gehört zu den Aufgaben der Eltern, ihre
Kinder zur Aufrichtigkeit anzuhalten und Lüge als Abirrung vom geraden Weg aufzuzeigen. Wenn
Kinder lügen dann hat das meist tiefere Ursachen, die es zu untersuchen gilt, bevor wirksame
Gegenmaßnahmen getroffen werden können.
Angst, Minderwertigkeitsgefühle, Geltungssucht und vieles andere können das Kind dazu verleiten.
Lügen ist eine Folgeerscheinung von Unterdrückung, eine Reaktion innerer Ohnmacht. Sie ist eine
Krankheit, die oft unterschätzt wird. Einer normalen Erkältung wird oft größere Beachtung geschenkt.
Eine Ursache des Lügens sind zu schwere Aufgaben, die dem Kind zugemutet werden. Manche
übereifrige Eltern meinen, ihre Kinder dadurch zu Frömmigkeit und Gottesfurcht erziehen zu können,
dass sie von ihnen eine große Menge gottesdienstlicher Handlungen abverlangen. Auf der einen Seite
kann das Kind die aufgebürdeten Pflichten nicht erfüllen, auf der anderen Seite will es seine geliebten
Eltern nicht enttäuschen oder gar ihren Zorn auf sich lenken. Notgedrungen greift es zur Lüge. Der
Prophet Muhammad (s) mahnt uns: "Verlangt vom Kind nicht zu viel, sonst macht ihr es zum Lügner und
schreckt es ab von Gott."
Kindern, denen nur wenig Beachtung geschenkt wird, die von anderen Familienmitgliedern nicht ernst
genommen werden, werden sich jede Gelegenheit zu Nutze machen, die Aufmerksamkeit anderer auf
sich zu lenken. Wird dem Kind grundsätzlich die ihm gebührende Aufmerksamkeit verwehrt, dann wird
sich das Kind oft der Lüge bedienen, um auf sich aufmerksam zu machen. In diesem Sinne ist auch der
Ausspruch des Propheten Muhammad (sas) zu verstehen: "Gebt den Kindern Persönlichkeit und achtet
sie!"
Der Urenkel des Propheten legte seinen eigenen Kindern folgenden Ratschlag ans Herz: "Meidet große
und kleine Lügen, ernst gemeinte oder aus Spaß ausgesprochene. Denn wenn jemand eine kleine Lüge
sagt, dann mutet er sich bald eine große zu." Die Lüge verdirbt Charakter, Gesetz und Gesellschaft.
Lügen schafft Misstrauen, verfeindet die Menschen untereinander und verzehrt die Wurzel der Tugend
und Menschlichkeit.
Sittliche (moralische) Inhalte
2.2.2
Dem Kind muss bewusst gemacht werden, dass alle ethischen und moralischen Vorschriften im Gesetz
Allahs wichtige Bausteine der islamischen Gesellschaft sind und Schutz bieten sollen für den Einzelnen
und die Allgemeinheit gegen Abweichungen vom Weg zu Allah und vor Elend, Übergriffen und
Gewalttaten aller Art. Es sind sinnvolle Grenzen, die das Zusammenleben der Menschen erleichtern und
verschönern, da sie Sicherheit, Geborgenheit und Würde in einer Gesellschaft zu sichern versuchen.
2.2.1
Aufrichtigkeit
Instinktiv ist jeder Mensch geneigt, die Wahrheit zu sagen und alles, was er von anderen hört, für wahr zu
halten. Schlägt ein Kind beim Spielen eine Fensterscheibe ein und braucht es keinerlei Bestrafung zu
fürchten, dann wird es auf die Frage, wer sie kaputt gemacht hat, in aller Ruhe erzählen, wie es zu dem
Vertrauenswürdigkeit
"... und haltet die Verpflichtung ein, denn über die Verpflichtung muss Rechenschaft abgelegt werden."
(Sure 17:35)
Eine jener Eigenschaften des Menschen, die in seiner gottgegebenen Veranlagung (Fitra) wurzeln, ist die
Einhaltung von Versprechen. Das Kind soll die Einhaltung von Versprechen als wahre Verpflichtung
empfinden und den Bruch von Versprechen als hässliche Untat erkennen. Die Einhaltung von
Versprechen ist ein Zeichen des wahrhaft Gläubigen. Die Grundlagen dazu müssen schon in der Kindheit
gelegt werden.
Jeder Mensch spürt instinktiv, dass er ein einmal eingegangenes Versprechen einzuhalten hat.
Andernfalls verspürt er Gefühle der Scham und Reue. Er weiß, dass er sich nicht richtig verhalten hat,
denn er erwartet ja auch von anderen, dass sie sich ihm gegenüber korrekt verhalten. Wenn ihm
gegenüber jemand sein Wort bricht, dann reagiert er selbst enttäuscht und betroffen. Auch das kleine
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Kind, das wissenschaftlich logische Zusammenhänge noch nicht erfassen kann, spürt innerlich diese
Notwendigkeit. Wenn sein Vater ihm bei seiner Abreise ein kleines Spielzeug versprochen hat, dann
erwartet das kleine Kind sehnsüchtig das ihm versprochene Geschenk. Es glaubt instinktiv daran, dass
der Vater damit nach Hause kommen wird. In freudiger Erwartung springt es ihm nach dessen Eintreffen
in die Arme. Hat der Vater nun sein Versprechen nicht eingehalten, dann fühlt das Kind, dass sich etwas
wider Erwarten ereignet hat. Es ist etwas gegen sein natürliches Empfinden passiert. Es ist enttäuscht und
sein Vertrauen in den Vater ist erschüttert.
Im Islam gehört die Einhaltung von Versprechen und von auf privater und gesellschaftlicher Ebene
eingegangenen Verpflichtungen zu den unbedingt zu erfüllenden Geboten. Dazu gibt es viele Hinweise
im Qur'an:
"Wahrlich, erfolgreich sind die Gläubigen. Und diejenigen, die das ihnen anvertraute Gut und ihre
Verpflichtung hüten." (Sure 23:1 und 8).
Nach einer Überlieferung bei al-Bukhari sagte der Prophet Muhammad (s): "Wer immer aufrichtig
spricht, sein Vertrauenspfand sorgfältigst hütet und zu den Menschen am herzlichsten ist, der steht mir
am Tag des Gerichts am nächsten.“ Von dem Propheten Muhammad (s) stammt der Ausspruch: "Drei
Dinge sind es, die der Gläubige unbedingt einzuhalten hat: Das Einhalten von Versprechen, möge nun
der Partner Muslim oder Nichtmuslim sein. Güte den Eltern gegenüber, mögen sie nun Muslime sein
oder nicht. Und das ihm anvertraute Gut zu hüten, möge es sich nun um Muslime handeln oder nicht."
Damit ein Muslim erst nicht in den Ruf des Vertrauensbruchs gerät, sollte er vor jedem Versprechen
seine Möglichkeiten der Einhaltung bzw. Nichteinhaltung abwägen und erst dann sein Wort geben. In der
Erziehung ist dieser Aspekt der realen Abschätzung der eigenen Möglichkeiten ein wesentlicher Beitrag
der ihm in seinem späteren Leben viele Unannehmlichkeiten erspart.
zu erregen, indem man z.B. mit schönen Dingen angeberisch auf die Strasse geht, die für andere nur
schwer erreichbar sind.
2.2.4
2.2.5
Nächstenliebe
Die Muslime sollen gegenseitige Feindseligkeiten und Gruppenbildungen jeder Art vermeiden.
Gegenüber Nicht-Muslimen sollen sie Toleranz zeigen und mit ihnen in Frieden leben. Sie sollen durch
ihren ausgezeichneten Charakter die Menschen für den Islam gewinnen.
Es muss in dem Kind das Gefühl der Nächstenliebe entwickelt werden, um in ihm das Bedürfnis der
Pflichten wie Rücksichtnahme, Almosengeben, das Teilen seiner Spielsachen mit anderen etc. zu wecken,
da reines Auferlegen solcher Pflichten nicht mit dem richtigen Geist erfüllt ist. Nur durch die Gefühle der
Nächstenliebe und der Gottesfurcht wird das Kind das Bedürfnis haben, diese Pflichten zu erfüllen. Dazu
gehört auch die goldene Regel der Brüderlichkeit, die wir alle kennen: Was du nicht willst, das man dir
tu, das füg auch keinem anderen zu. Oder mit den Worten des Propheten: „Keiner von euch ist gläubig,
bis er für seinen Bruder das wünscht, was er für sich selbst wünscht.“ In dieser Regel ist eigentlich alles
enthalten, was zu gutem Verhalten führt. Alles, was andere traurig macht, sei es, dass man über sie
schlecht redet, sie übergeht, ausnutzt, beschimpft, sie ausschließt, angreift, schlägt, auslacht, beklaut etc.,
wird man unterlassen, wenn man sich dabei bewusst macht, wie man sich selbst in einem solchen Fall
fühlen würde.
Keuschheit
Die Kinder müssen an die islamischen Bekleidungs- und Verhaltensvorschriften herangeführt werden und
ein Gefühl für Anstand, Ehre und Würde entwickeln, das eine Erniedrigung zum Sexualobjekt oder zum
Sklaven seiner Begierden nicht zulässt. Am besten sollten sich die Kinder von klein auf daran gewöhnen,
sich nicht zu freizügig zu kleiden und die primären Geschlechtsmerkmale vor Fremden immer zu
bedecken. Meist haben Kinder ein natürlich empfundenes Schamgefühl, das man fördern sollte.
Weiterhin sind alle Formen der Unterhaltung und des Zeitvertreibes, die die erotischen Gefühle anregen,
zu vermeiden; seien es anzügliche Filme, Bücher oder Lieder. Dass die Eltern hierin ein Vorbild sein
müssen, dürfte jedem klar sein, da Doppelmoral sich destruktiv auswirkt und die Glaubwürdigkeit
untergräbt. Dem Kind soll die Heiligkeit der Familie vor Augen geführt werden als Ort der Geborgenheit
und Sicherheit sowie die große Verantwortung der Elternschaft. Es ist vorteilhaft, gleichgeschlechtliche
Freundschaften bereits im Kindesalter zu fördern, damit die spätere Geschlechtertrennung in vielen
Bereichen keinen schmerzhaften Einschnitt bedeutet.
2.2.6
2.2.3
Umweltfreundlichkeit
Es ist erlaubt, Tiere zu schlachten, um sich von ihnen zu ernähren, jedoch verboten, sie zum Vergnügen
oder aus sportlichen Motiven heraus zu töten. Tierquälerei gilt als verwerflich. Auch das unnötige Fällen
von Bäumen und Sträuchern ist verboten und jede Art von Verschwendung soll vermieden werden, da sie
gleichzusetzen ist mit mangelnder Wertschätzung und somit Undankbarkeit dem Schöpfer gegenüber.
Weitere vortreffliche Charaktereigenschaften
Im Quran finden wir, wie Luqman seinen Sohn ermahnt und ihn in der Religion unterweist:
"Und da sagte Luqman zu seinem Sohn, indem er ihn ermahnte: „O mein Sohn, setze Allah keine Götter zur Seite;
denn Götzendienst ist wahrlich ein gewaltiges Unrecht.“. Und Wir haben dem Menschen im Hinblick auf seine Eltern
anbefohlen - seine Mutter trug ihn in Schwäche über Schwäche, und seine Entwöhnung erfordert zwei
Jahre: „Sei Mir und deinen Eltern dankbar. Zu Mir ist die Heimkehr! Doch wenn sie dich auffordern, Mir das
zur Seite zu setzen, wovon du keine Kenntnis hast, dann gehorche ihnen nicht. In weltlichen Dingen aber
verkehre mit ihnen auf gütige Weise. Doch folge dem Weg dessen, der sich zu Mir wendet. Dann werdet ihr zu
Mir zurückkehren, und Ich werde euch das verkünden, was ihr getan habt.“ „O mein Sohn, hätte es auch
nur das Gewicht eines Senfkorns und wäre es in einem Felsen oder in den Himmeln oder in der Erde, Allah
würde es gewiss hervorbringen. Wahrlich, Allah ist Gnädig, Kundig. O mein Sohn, verrichte das Gebet und
gebiete Gutes und verbiete Böses und ertrage geduldig, was dich auch treffen mag. Das ist wahrlich eine
Stärke in allen Dingen. Und weise den Menschen nicht verächtlich deine Wange und schreite nicht
ausgelassen (in Übermut) auf Erden; denn Allah liebt keine eingebildeten Prahler. Und schreite
gemessenen Schrittes und dämpfe deine Stimme; denn wahrlich, die widerwärtigste der Stimmen ist die
Stimme des Esels.“" (Qur'an 31:13-19)
Dieser Vers beinhaltet vieles, wie die Wichtigkeit der Güte zu den Eltern, der Zivilcourage, der Geduld in Prüfungen,
der Bescheidenheit, Höflichkeit und dem Respekt vor anderen.
Es muss erkennen, dass Nächstenliebe ein wichtiger Grundstein für eine gesunde Gesellschaft ist. Mit
dieser Nächstenliebe schützt sich der Mensch selbst vor Egoismus, Geiz und Habsucht, den Mitmenschen
vor Neid, Missgunst und kriminellen Handlungen und die Gesellschaft vor Ungleichgewicht,
Unsicherheit und Zusammenbruch. Dazu gehört auch, nicht absichtlich oder nachlässig den Neid anderer
5
2.3
Wissenschaftliche Erziehung
Grundsätzlich soll die Entwicklung von latent vorhandenen Begabungen des einzelnen gefördert werden
und dem Kind muss die Möglichkeit gegeben werden, seine eigene Persönlichkeit zu entwickeln, d.h.
seine besonderen Begabungen zu entdecken und seine Fähigkeiten und Interessen optimal zu entwickeln.
Neben einer allgemeinen Bildung gehört auch die berufliche Ausbildung dazu, damit das Kind
wirtschaftlich unabhängig wird und seinen materiellen Pflichten als Muslim nachkommen kann, bzw.
auch einen materiellen Beitrag leisten kann.
2.4
Inhalte leiblicher Erziehung
Bei der körperlichen Schulung wird dem Kind nahegebracht, den Leib reinlich zu pflegen und gesund zu
erhalten. Sportliche Betätigung erhält den Organismus kräftig und fit und stärkt das allgemeine
Wohlbefinden und Leistungsvermögen. Bestimmte psychische Eigenschaften wie Ausdauer, Geduld und
Willenskraft werden trainiert und Körper und Geist werden ins Gleichgewicht gebracht. Besonders
empfohlene Sportarten sind Schwimmen, Reiten und Bogenschießen.
3
Erziehung als Prozess
Die Entwicklung eines Kindes erfolgt in Stufen, die mit den physischen Veränderungen harmonieren,
denen der Körper unterworfen ist (eine rhythmische hormonelle Veränderung alle sieben Jahre). Die erste Phase
dauert von der Geburt bis zum Verlust der Milchzähne, dem letzten Rest embryologischen Materials, im sechsten
oder siebten Lebensjahr. In dieser Phase ist das Leben für das Kind Schönheit. Die neuen Zähne markieren den
Beginn der zweiten Phase von Veränderungen, die bis zum Beginn der Pubertät zwischen dem zwölften und
vierzehnten Lebensjahr dauert. Diese Phase ist durch Güte und Strenge gekennzeichnet. Der Beginn der Pubertät bringt
eine große Veränderung, die sekundären Geschlechtsmerkmale bilden sich aus. Das Selbst erreicht eine andere Stufe
der Identität und der Wille des Jugendlichen wird das Leben mit einem starken Sinn für Gerechtigkeit besetzen. Das
wird die Beziehung für die nächsten sieben Jahre, bis zum Alter von einundzwanzig Jahren prägen. Diese
Erziehungsstadien sind natürlich nicht als zeitlich abgeschlossene und streng festgelegte Momente anzusehen, sondern
sie gehen ineinander über und es geht darum, die Erziehung am Entwicklungsstand des Kindes orientiert,
kontinuierlich zu entwickeln.
3.1
Die ersten 7 Jahre: Geduld und Milde
Die Erziehung des Kindes fängt mit der Erziehung der Eltern an. Ihr tiefer Glaube und ihre islamische
Lebenseinstellung übertragen sich auf das Kind. Da Mutter und Vater auf das heranwachsende Kind einen
großen Einfluss haben werden, sollten beide an Allah glauben und den Islam in ihrem Leben praktizieren. Wenn die
Eltern Alkoholiker sind, unreligiöse Charaktereigenschaften besitzen und asoziale Verhaltensweisen zeigen, so
werden sie sicherlich einen negativen Einfluss auf das Kind haben. Selbst wenn ein Kind nur zwei bis drei Monate alt
ist und die Eltern nichts sagen, aber mit wütendem Gesichtsausdruck umhergehen, wird das Kind dies sicherlich
registrieren und sich unwohl fühlen. Da dies so ist, möchte der Islam eine harmonische Familie. Darauf wird großer
Wert gelegt. Wenn Harmonie und Glaube herrschen, wird das Kind mit einem starken islamischen Charakter
aufwachsen. Das Vorbild ist das größte erzieherische Mittel im Islam in allen Phasen der Erziehung.
Der nächste Teil der Erziehung läuft während der Schwangerschaft ab. Wichtig sind hier das Alkoholund Nikotinverbot, eine positive Einstellung zum Kind und eine gesunde Ernährung. z.B. sollte ein
Ehemann das Beste tun, die Atmosphäre zu Hause vorteilhaft zu gestalten und die Mutter sollte alle Aufregungen usw.
vermeiden.
Unmittelbar nach der Geburt beginnt die direkte Erziehung des Kindes, indem ihm in das rechte Ohr der
Adhan und in das linke Ohr die Iqama gesprochen wird.
Das Neugeborene wird durch die Muttermilch ernährt und somit auch durch diese beeinflusst. Alle schädigenden
Stoffe, die in die Muttermilch übergehen, müssen gemieden werden. Durch ständigen Familienstress kann die
Versorgung des Kindes mit der Muttermilch gefährdet werden, denn die Milchgänge werden durch bestimmte
Stresshormone eingeengt. Während der ersten zwei Lebensjahre soll die Mutter das Kind stillen um ihm
damit neben der besten Ernährung auch die nötige Wärme, Geborgenheit und Sicherheit zu
gewährleisten.
Allgemein sollen die Eltern in den ersten 7 Jahren mit dem Kind spielen, d.h. ihnen Liebe und Güte
entgegenbringen und ihre natürliche Entwicklung nicht beeinträchtigen oder hemmen. Der Mensch wird
mit einer völlig reinen Seele geboren, die sich nur noch entsprechend ihrer Disposition entfalten braucht
um einen guten Muslim hervorzubringen. Daher soll das Kind beispielsweise seinen Bewegungsdrang
ausleben können und antworten auf alle seine Fragen bekommen. Harte Strafen sind unangebracht,
vielmehr sollten die Eltern dem Kind alles erklären und es an schlechtem Verhalten hindern (z.B. die
Hände festhalten, wenn es schlagen will). So hielt einmal der Prophet die Hand eines kleinen Mädchens
fest, das essen wollte, ohne vorher Bismillah ausgesprochen zu haben. Sie sprachen es gemeinsam aus
und fingen an zu essen.
Wenn das Kind zu sprechen beginnt, dann wird ihm, auch wenn es den Sinn nicht versteht, der Name Gottes
beigebracht. Das geschieht bereits im Alter von drei bis fünf Jahren. In diesem Alter wird das Kind den Namen Gottes
zwar aussprechen können, doch wird es Allah mit Seinen Eigenschaften nicht verstehen, deswegen wird man auch
nicht in diese Richtung arbeiten. Der Wortschatz sollte aber dann schon einige islamische Ausdrücke
enthalten, die im Alltag gebräuchlich sind.
Nach Vollendung des dritten Lebensjahres ist das Kind in der Lage, Geschichten und Erzählungen im
Ganzen zu erfassen. Mit der Darstellung des Islam und der Propheten-Geschichten fließt die erste
Wissensvermittlung in die Erziehung mit ein.
Das Nachahmungsbedürfnis des Kindes bringt es dazu, selbständig das Verhalten der Eltern zu imitieren.
So kann man mit ersten Übungen spielerisch das Kind auf seine Pflichten als gläubiger Muslim
vorbereiten. Dabei sollte man Wert legen auf Erläuterung der Bedeutung und Korrektur von Fehlern.
Kinder lernen durch Nachahmung und Wiederholung, dies kann man sich zunutze machen.
Wenn das Kind lesen lernt, soll es mit dem Lesen des Quran beginnen. Bis zur Erreichung des
Pflichtalters (Geschlechtsreife) sollte es die gebräuchlichsten Quran-Verse auswendig lernen und ihren
Sinn verstehen.
6
3.2
Die nächsten 7 Jahre (7-14 J): Überzeugung und Konsequenz
Mit fünf bis sechs Jahren wird auch einem Kind noch nicht gesagt, dass es beten oder fasten soll, denn das Kind kann
den Sinn des Gebetes noch nicht verstehen. Ab sieben kann ein Kind schon recht gut logisch denken. Natürlich
schwankt das Alter je nach Kind. Das Kind kann ab diesem Alter aber verstehen, dass das Gebet etwas Besonderes ist.
Und erst jetzt beginnt man, einem Kind die Gebete beizubringen. Man darf aber auf das Kind keinen Druck ausüben.
Es wird nur mit der Ausbildung begonnen. Ab zehn beginnt man mit der Ausbildung zum Fasten und erst ab diesem
Alter sollte man das Kind dahingehend erziehen, dass es regelmäßig mit dem Beten und Fasten beginnt. Sollte das Kind
dies verweigern, wird es aufgrund dessen getadelt und es wird ihm gesagt, dass Allah dieses bestrafen wird. Aber erst
ab der Pubertät wird nach islamischer Lehre ein Mensch für seine Gebete zur Rechenschaft gezogen.
Der Erziehungsstil in diesen Jahren sollte davon geprägt sein, den Kindern ihre Entscheidungen und Handlungen zu
erklären, damit es die Gründe nachvollziehen kann, und sie dann mit Konsequenz durchzuführen. Diese Strenge darf
sich nicht in einem willkürlichen und autoritären Verhalten äußern, sondern in einer zielbewussten und konkreten
Leitung auf dem Weg zu Allah.
Der Islam gibt uns zum Thema Grenzen setzen eine recht einfache Anleitung. So heißt es in einem
Hadith: „Erlaubt, was erlaubt ist. Und verbietet, was verboten ist.“ Kurz, man sollte Grenzen nicht
willkürlich setzen, sondern dort, wo Allah sie uns gesetzt hat, und dann auch konsequent und
entschieden. Kinder sind in der Regel durchaus einsichtig, wenn ihre Eltern ihnen erklären, dass
bestimmte Handlungen negative Folgen haben und es falsch wäre, so zu handeln, auch wenn es viele
dennoch tun. So wird sich für ein Kind beispielsweise kaum die Frage stellen, ob es jemals rauchen oder
Alkohol trinken wird, wenn seine Mutter ihm von klein auf die Folgen dieser so genannten
„Genussmittel“ klar gemacht hat. So hat es z.B. immer das warnende Beispiel der Alkoholiker vor
Augen, die Tag für Tag am Kiosk stehen und wird sich eher noch fragen, weshalb Alkohol unter diesen
Umständen frei verkäuflich ist, nicht, weshalb wir ihn nicht kaufen. Viele Eltern unterschätzen den
Verstand ihrer Kinder, wenn sie meinen, ihre Sprösslinge könnten Verbote erst begreifen, wenn sie die
negativen Effekte einer Verhaltensweise am eigenen Leib erfahren haben.
Manche Eltern befürchten, dass ihre Kinder in Schulen und Kindergärten aus der Gruppe der anderen
Kinder ausgeschlossen werden könnten, wenn sich zu viele Unterschiede auftun. Diese Gefahr ist dann
gegeben, wenn das Kind nicht in der Lage ist, mit dem nötigen Selbstbewusstsein aufzutreten und mit
einem seinem Alter angemessenen „Fachwissen“ für seine Haltung einzutreten. Somit ist es die Aufgabe
der Eltern, das Selbstbewusstsein ihrer Kinder zu stärken und ihnen ausreichend islamisches Wissen und
auch Allgemeinbildung zu vermitteln, damit sie in der Lage sind, möglichen Fragen oder auch Angriffen
ihrer Mitschüler problemlos zu begegnen. Doch auch in dem Fall, dass das Kind konfliktfrei von seinen
Mitschülern als Muslim toleriert und integriert wird, wird es spätestens in der Pubertät nicht mehr
100%ig dazu gehören. Denn spätestens dann werden sich Welten auftun, zwischen ihnen und ihren
nichtmuslimischen Mitschülern. Denn ganz gleich, ob Junge oder Mädchen, bei Themen wie Tanzschule,
die erste Tanzparty, der erste Kuss, der/die erste Freund/in oder gar „das erste Mal“, wird ein
muslimischer Teenie wohl kaum mithalten können. Allerspätestens jetzt wird die islamische
Gemeinschaft, für das Kind unglaublich wichtig. Denn hier finden sich Altersgenossen mit dem gleichen
Hintergrund, den gleichen Interessen, der gleichen Lebensweise und den gleichen Problemen. Hier kann
es 100%ig dazugehören; ein Gefühl, das für jeden Menschen äußerst wichtig ist; nicht nur akzeptiert und
toleriert, sondern Teil des Ganzen zu sein. Mit diesem Gefühl - hier gehöre ich her - lassen sich die
Probleme „draußen“ viel leichter bewältigen, weil man selber ein völlig neues Selbstverständnis
bekommt. Man erkennt seinen eigenen wichtigen Platz in der Gesellschaft als Muslim, und kann sich als
solcher viel selbstbewusster präsentieren und vielleicht auch mal in die Offensive gehen, anstatt sich
ständig in der Klasse in die defensive Position gedrängt zu fühlen. Es ist auch deshalb wichtig, mit dem
Kind über seine Position als Muslim in der Gesellschaft und auch über die Stellung des Islams in der
Welt, zu sprechen, damit das Kind einen gewissen Stolz „-Muslim“ zu sein entwickelt. Wenn es den
nämlich nicht hat, sich dessen gar schämt oder es nur als lästigen Tick der Eltern ansieht, gerät es leicht
in ein Doppelleben. „Daheim Muslim - draußen normal“.
Kinder und Jugendliche sollten daher zu allen möglichen islamischen Veranstaltungen und Begegnungen
mitgenommen werden, um ihm die Chance zu geben, sich zu üben und zu orientieren. Sie sollen
Freundschaften mit anderen Muslimen schließen und sich so in der Gemeinschaft gestärkt fühlen. Auch
ist die gegenseitige Erziehung der Muslime innerhalb ihrer Gemeinschaft ein wichtiger Aspekt. Jeder
Muslim hat die Pflicht, seinen Bruder oder seine Schwester im Islam auf eventuelles Fehlverhalten
aufmerksam zu machen und ihnen mit Güte und Geduld auf den rechten Weg zu Allah zu helfen bzw.
zurückzuhelfen. Von guten Freunden wird oft Kritik besser angenommen und Lob macht stolzer als von
den eigenen Eltern.
Falsch ist zu behaupten, dass man seine Kinder für eine gute islamische Erziehung von der Umwelt
isolieren muss oder ähnliche Behauptungen. Eine solche Erziehung ist nicht zukunftsträchtig, da jeder
Mensch das Bedürfnis nach Freundschaften und Kontakt hat. Wichtiger ist es daher, dem Kind Freunde
nahe zu bringen, die die Entwicklung positiv beeinflussen.
3.3
Von 14 bis 21 Jahren: Freundschaft und Beratung
Nach Erreichen der Pubertät ist die Aufgabe der Eltern noch nicht beendet. Die Erziehung wird dann
freundschaftlich in Form von Empfehlungen weitergeführt.
Die Eltern sollten das Kind als Freund betrachten und ein partnerschaftliches und brüderliches Verhältnis
zu ihm pflegen. Sie stehen ihm als Berater bei und bieten Hilfeleistungen an, wenn erforderlich oder
erwünscht.
Es erging folgende Anweisung an die Muslime vom Propheten (sas): „Helfe Deinem Bruder wenn er
Unrecht tut und Unrecht erleidet.“ Da sagte ein Mann: “O Gesandter Allahs, ich helfe ihm, wenn ihm
Unrecht geschieht, aber wie helfe ich ihm, wenn er Unrecht tut?“ Der Prophet (sas) sagte: „Halte ihn ab
von dem Unrecht, dies ist eine Hilfe für ihn“. Diese Anweisung bezieht sich auf den Umgang
erwachsener Muslime miteinander allgemein und natürlich auch auf den Umgang mit seinen erwachsenen
Kindern.
4
4.1
Pflichten der muslimischen Eltern
Pflicht zur guten Erziehung
Wir müssen festlegen, dass Kinder entsprechend dem islamischen Konzept sowohl männlich als auch
weiblich bedeuten. Einige Gegner des Islam beschuldigen den Islam des Unterscheidens zwischen
7
männlichen und weiblichen Kindern, indem sie behaupten, dass er die Jungen in Angelegenheiten der
Erbschaft, der Aqiqah (das Schlachten zweier Schafe bei der Geburt eines Jungen und eines Schafes bei
der Geburt eines Mädchens) und anderer Angelegenheiten vor dem Mädchen bevorzugt.
Gemäß der wahren islamischen Lehre sind sowohl männlich als auch weiblich aus der Sicht Allahs
gleich. Jeder ist jedoch physikalisch vorbereitet und ausgestattet, um bestimmte Aufgaben und Pflichten
zu erfüllen, die seiner/ihrer Natur entsprechen. Alle wiederum sind in den religiösen Pflichten gleich,
außer bei bestimmten Ausnahmen, die von Allahs im Qur'an bestimmt und aufgeführt sind oder vom
Gesandten Allahs (sas) erklärt und spezifiziert wurden. Nur diese speziellen Unterschiede, wie
beispielsweise die Bekleidungsvorschriften und die Ausnahmen für Frauen mit Blutung beim Beten und
Fasten, müssen gemäß des Islam und seiner Lehren anerkannt und geehrt werden.
Die allgemeine Pflicht zur religiösen und moralischen Erziehung wird z.B. durch folgenden Vers
verdeutlicht: “O die ihr glaubt, bewahrt euch selbst und eure Angehörigen vor einem Feuer, dessen
Brennstoff Menschen und Steine sind.“ Surah At-Tahrim (66:6)
Der Gesandte Allahs, Salla llahu alaihi wa salam, sagt auch: "Jeder von euch (Menschen) ist ein Hirte.
Und jeder ist verantwortlich für das, was unter seine Verantwortung fällt. Ein Mann ist wie ein Hirte für
seine Familie, und er ist verantwortlich für sie." (Berichtet von Al-Bukhari und Muslim.)
Die Kinder haben das Recht auf gute Erziehung und die Vermittlung von Wissen über den Islam und den
Quran. Der Vater muss ihnen das Gebet beibringen und ihre Tugend bewahren und fördern. Auf die
genauen Inhalte dieser religiösen Erziehung wurde ja bereits eingegangen. Die Kinder haben aber ebenso
das Recht auf Schutz und Wahrung ihrer Interessen durch die Eltern. Es ist die Pflicht der Eltern, ihren
Kindern in Liebe, Güte und Gerechtigkeit zu begegnen. Der Vater hat zudem die Pflicht, eine gute
Mutter für seine Kinder auszuwählen, dem Kind einen schönen Namen zu geben und einen guten
Ehepartner für das Kind mit auszuwählen.
Darüber hinaus sagte der Gesandte Allahs (sas): 'Wenn der Sohn Adams stirbt, enden seine Taten, bis auf
drei Taten, nämlich: eine beständige Wohltat; Wissen, das zum Nutzen der Menschen hinterlassen wird,
und ein rechtschaffenes Kind, das für ihn betet" (Berichtet von Muslim.)
Tatsächlich spiegelt solch eine Aussage den Wert einer angemessenen Erziehung der Kinder wieder. Sie
hat eine immerwährende Auswirkung, selbst nach dem Tod.
Der Urenkel des Propheten, Ali Zainul-Abidin, sagte zum Recht des Kindes seinen Eltern gegenüber:
"Das Recht deines Kindes dir gegenüber ist, dass seine Existenz durch dich zu Stande gekommen ist und
dass alles Gute und Schlechte an ihm auf dieser Welt mit dir in Verbindung steht, dass du für seine
Fürsorge und Erziehung Rede und Antwort stehen musst, dass du die Pflicht hast, deinem Kind
gottgefällige Charaktereigenschaften anzuerziehen und es im Gehorsam seinem Schöpfer gegenüber
unterstützt, dass du dir in deinem Verhalten deinem Kind gegenüber immer bewusst bist, dass dich für
deine Güte zu deinem Kind bei deinem Schöpfer eine Belohnung erwartet und eine Strafe, wenn du dich
ihm gegenüber nachlässig verhältst!"
4.2
Pflicht zur Versorgung
Eines der gebührenden Rechte der Kinder gegenüber ihren Eltern ist, dass sie für ihr Wohlergehen und
Wohlbefinden angemessene Ausgaben machen. Übermäßige Aufwendung oder Vernachlässigung wird
im Islam nicht geduldet, angenommen, oder sogar zugelassen. Solche Wege werden eine negative
Auswirkung auf das Kind haben, ungeachtet der gesellschaftlichen Stellung.
Die Menschen werden gedrängt ihren Kindern und ihrem Haushalt gegenüber, die in jeder Religion und
Gesellschaft ihre natürlichen Erben sind, nicht knauserig zu sein. Warum würde man denjenigen
gegenüber, die das eigene Vermögen erben werden, knauserig sein? Kinder sind zu solch einem
wichtigen Recht berechtigt. Es ist ihnen sogar erlaubt, angemessen vom Vermögen ihrer Eltern zu
nehmen, um sich selbst zu versorgen, wenn die Eltern ablehnten, ihnen angemessene Mittel für ihren
Lebensunterhalt zu geben. Die Kinder haben das Recht auf Versorgung, solange sie nicht für sich selber
sorgen können und die Mädchen, bis sie heiraten.
Folgende Begebenheit wurde überliefert: Einer von den Helfern aus Medina (Ansar) starb. Das wenige
Geld, das er besaß, hatte er kurz vor seinem Tod für gute Zwecke ausgegeben. Die Halbwaisen, die er
nun hinterließ, mussten sich ihren Unterhalt erbetteln. Als der Prophet Muhammad (s) davon erfuhr,
wurde er sehr zornig und sagte: "Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich ihm keine Grabstätte auf dem
Friedhof der Muslime gewährt. Er ist schuld am Bettlerdasein seiner Kinder."
4.3
Pflicht zur gerechten Behandlung aller Kinder
In einem Hadith empfiehlt der Prophet (sas): „Fürchtet Allah und seid gerecht zu euren Kindern.“ Diese
Gerechtigkeit bezieht sich auf alle Bereiche des Lebens: Zuwendung, Versorgung, Anerkennung und
Förderung.
Kinder haben z.B. das Recht, in finanziellen Dingen gleich behandelt zu werden. Niemand darf vor dem
anderen bevorzugt werden. Alle müssen gerecht und gleich behandelt werden. Niemand darf seine Gabe
von seinen Eltern vorenthalten bekommen. Das Vorenthalten oder Verbieten des Erbrechts oder anderer
finanzieller Gaben zu Lebzeiten der Eltern, oder die Bevorzugung eines Kindes über die anderen durch
ein Elternteil werden gemäß des Islam, als Handlung der Ungerechtigkeit angesehen.
Ungerechtigkeit wird eindeutig zu einer Atmosphäre des Hasses, des Zornes und des Schreckens unter
den Kindern eines Haushalts führen. Tatsächlich kann solch eine Handlung der Ungerechtigkeit höchst
wahrscheinlich zu Feindseligkeit unter den Kindern führen, und folglich wird dies die ganze familiäre
Umgebung betreffen.
In bestimmten Fällen, wenn z.B. ein bestimmtes Kind dem alternden Elternteil eine liebevolle Fürsorge
zeigt, veranlasst dies den Elternteil, solch einem Kind ein besonderes Geschenk zu gewähren oder den
Besitz eines Hauses, einer Fabrik, eines Landstücks, eines Bauernhofs, eines Autos oder jedes anderen
Wertgegenstandes zu übergeben. Der Islam jedoch betrachtet solch eine finanzielle Belohnung für solch
ein fürsorgliches, liebevolles und vielleicht gehorsames Kind als eine falsche Handlung. So darf man das
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gütige Kind nicht für seine Güte bzw. Den Gehorsam belohnen, da die Belohnung für die Güte und
seinen Gehorsam bei Allah ist.
"Ich hörte Al-Nu'man Ibn Bashir, radiallahu anhuma, auf der Kanzel sagen: ,Mein Vater gab mir ein Geschenk,
und Amra Bint Rawahah sagte: Ich werde es nicht annehmen, bis du den Gesandten Allans, salla llahu alaihi
wa salam, holst, damit er Zeuge davon ist. Mein Vater ging zum Gesandten Allahs, salla llahu alaihi wa salam,
und sagte: "Ich gab meinem und Amra Bint Rawahas Sohn ein Geschenk, doch sie bat mich, dich, Gesandter
Allahs, zu holen, um dies zu bezeugen'. Der Prophet, salla llahu alaihi wa salam, fragte, Hast du allen deinen Kindern
gleiche Geschenke gegeben?' Mein Vater sagte, dass er es nicht getan hatte. Der Prophet, salla llahu alaihi wa
salam, sagte, Fürchte Allah und sei gerecht zu deinen Kindern.' So kam mein Vater zurück und nahm sein
Geschenk zurück." (Berichtet von Al-Bukhari und Muslim)
Von Nu'man ibn Bashir wird berichtet, dass sein Vater Bashir ibn Said ihm einen Diener schenkte und
daraufhin den Propheten (sas) benachrichtigte. Der Prophet (sas) sagte: „Hast du jedes deiner Kinder
damit beschenkt?" Er sagte: "Nein." Daraufhin sagte er:„So gebt ihn zurück. "
So hat der Gesandte Allahs (sas) das Bevorzugen mancher Kinder als "Jawr" bezeichnet, Und "Jawr"
bedeutet: Ungerechtigkeit, was verboten ist.
Wenn man jedoch manchen etwas gibt, weil sie es benötigen, und die anderen benötigen dies nicht, wie
z.B. Büromittel, Medikamente oder eine Heirat, so ist nichts dagegen einzuwenden.
5
5.1
Verhaltensempfehlungen an die Eltern
Gute Beziehung und Einigkeit der Eltern
Die erste Pflicht der Eltern ist es, für harmonische Familienverhältnisse zu sorgen. Wenn die Eltern wollen,
dass das Kind psychisch ausgeglichen aufwächst, sollten sie diese Regeln beachten:
1.) Die Beziehung zwischen den Eltern sollte eine Gute sein. Das Kind braucht die Überzeugung von Harmonie und
Übereinstimmung der Eltern. Der Ton in ihrem Zusammenleben hat größten Einfluss auf das gesunde soziale und
emotionale Wachstum des Kindes, ebenso wie die Art der Kommunikation und die Vokabeln, die die Eltern
verwenden.
Liegen eheliche Probleme vor, führt dies oft zu Vernachlässigung der Kinder, weil die Eltern so sehr mit sich selbst
beschäftigt sind. In solchen Fällen ist eine Familientherapie empfehlenswert.
2.) Die beiden Eltern müssen sich so gut es geht über die Erziehungsmaßnahmen, die sie bei ihren Kindern
befolgen, einig sein. Unterschiedliche Reaktionen der Eltern auf ein Verhalten des Kindes sorgt bei ihm für
Irritationen. Es wird nicht wissen, ob sein Verhalten gut oder schlecht, richtig oder falsch war, wenn es gleichzeitig
Lob und Kritik kassiert hat.
3.) Jeder der beiden Eltern sollte das Vertrauen des Kindes zu dem anderen Elternteil fördern. Der Ehepartner darf
vor dem Kind nicht schlecht gemacht werden, da dies den Respekt untergräbt.
5.2
5.2.1
Der gute Umgang mit den Kindern
Gute Voraussetzungen für eine respekt- und liebevolle Beziehung schaffen
Der Prophet Muhammad (s) sagte einst: "Gott segnet den, der seinem Kind hilft, gut zu sein und Gutes zu
tun." Er wurde gefragt: "Wie kann man seinem Kind dabei helfen?" Darauf gab er vier Ratschläge:
"1. Nehmt an, was in der Macht des Kindes steht und was immer es im Rahmen seiner Möglichkeiten
ausgeführt hat!
2. Was zu schwer und unerreichbar für das Kind ist, verlangt erst gar nicht von ihm!
3. Haltet es nicht zu sündhaften Handlungen an!
4. Lügt es nicht an und begeht ihm gegenüber keine törichten Handlungen!"
Aus Empfehlungen dieser Art, dem Verhalten des Propheten und der Aufforderung, die Kinder zu achten
und ihnen Persönlichkeit zu geben, kann man viele Empfehlungen zum guten Verhalten gegenüber den
Kindern ableiten. Allah hat uns empfohlen, barmherzig mit den Schwachen zu sein und uns ermahnt, dass
jemand, der keine Barmherzigkeit zeigt auch von ihm keine Barmherzigkeit erfahren wird. Im Quran
heißt es: „Und die Diener des Allerbarmers sind diejenigen, die sanftmütig auf der Erde schreiten; und
wenn die Unwissenden sie anreden, sprechen sie friedlich (zu ihnen)“ (Sure 25:63). Auch unsere Kinder
sind in vielen Dingen noch Unwissende und wir sind ihre Lehrer. Ein liebevolles Verhalten wird eine
gute Beziehung zum Kind fördern, so dass es vertrauensvoll auf seine Eltern hören wird insha’ Allah.
1.) Sei deinem Kind nah. Begegne ihm für gewöhnlich mit einem Lächeln und einem freundlichen
Gesicht. Eine starke Bindung und Vertrauen sind die beste Basis dafür, dass das Kind sich lenken lässt.
Schenke dem Kind zuerst Liebe und Gelassenheit und mache es zu deinem Freund.
2.) Hilf deinem Kind, ein Ziel im Leben zu haben, damit es seine freie Zeit sinnvoll gestalten lernt und
seine Energie kanalisiert und gebündelt wird. Versuche, die Eigenschaften, Stärken und Schwächen
deines Kindes kennen zu lernen und seine Talente zu fördern.
3.) Setze ein Beispiel. Die Eltern haben die Pflicht, dem Kind ein gutes Vorbild zu sein und nichts
Verbotenes zu tun (z.B. lügen, stehlen, Alkohol und Schweinefleisch zu sich nehmen etc.)
3.) Bringe deinem Kind den Dialog bei als Mittel der Problemlösung und tue alles für den Zusammenhalt
der Familie.
4.) Vermeide den Umgang des Kindes mit schlechten Freunden und reduziere das Fernsehen als Quelle
von schlechtem Einfluss und unerwünschten Vorbildern auf ein Minimum.
5.) Sei nicht zu idealistisch (nichts erwarten, was jenseits ihrer Fähigkeiten ist)
6.) Wende angemessene Strafe an, nicht in Wut übertreiben
7.) Vermeide Schamlosigkeiten (Eltern sollten nicht im Wutzustand schlechte, schamlose Worte benutzen, da das
Kind sich das sonst auch angewöhnt). Im Islam ist es verboten, die Tiere mit Tiernamen zu beschimpfen, wie z.B.
Esel, Hund, Schlange etc.
8.) Sei ein geduldiger Lehrer. Der Prophet (sas) sagte: „Lehrt einander und vermeidet es, euch gegenseitig hart zu
kritisieren. Der Lehrer ist besser als der Kritiker.“
9.) Vermeide Beleidigungen und harte Kritik (Die Kinder nicht beleidigen, ihre Gefühle nicht verletzen, ihnen nicht
sagen, dass sie versagt haben oder dass sie kindisch, chaotisch, dumm usw. sind. Kritik darf nur an einem
bestimmten Verhalten geübt werden, nicht an der Person)
10.) Vermeide, das Kind in Verlegenheit zu bringen (sie nicht vor anderen zu kritisieren)
11.) Es hilft, sich folgendes vor Augen zu halten: Es ist nicht so wichtig was passiert, sondern wie man darüber denkt.
War eine Sache aus der Entfernung betrachtet wirklich so schlimm, oder kann man es auch anders sehen? Ein Kind
will sich erproben und muss viele Dinge erst noch lernen.
12.) Man darf seine Zufriedenheit mit dem Kind nicht von einer Sache abhängig machen, sich auch die guten Dinge in
Erinnerung rufen und wissen, dass die vollkommene Zufriedenheit selten ist.
9
13.) Akzeptiere dein Kind ohne Bedingungen und Vorbehalte. Es braucht diese bedingungslose Liebe zum Wachsen
wie die Blumen den Sonnenschein.
5.2.2
Bedürfnisse ernst nehmen
Für eine erfolgreiche Erziehung ist es wichtig, die Bedürfnisse des Kindes zu verstehen und sich darauf
einzustellen. Ein Kind hat viele Bedürfnisse
1.) Das Bedürfnis nach persönlicher Aufmerksamkeit
Dem Kind täglich eine Zeit ungeteilter Aufmerksamkeit zuzugestehen kann viele Probleme im Keim ersticken, denn
die Kinder legen oft nur deshalb ein Fehlverhalten an den Tag, um Aufmerksamkeit zu erhalten.
2.) Das Bedürfnis nach Vertrauen
Es stärkt das Selbstvertrauen und die Selbstachtung des Kindes, wenn die Eltern ihm etwas zutrauen und ihm
bestimmte Aufgaben zuteilen. Es fühlt sich gebraucht und wertvoll, lernt Verantwortung zu übernehmen und
einen Beitrag zum Gemeinwohl zu leisten.
3.) Das Bedürfnis, Neugierde auszuleben
Ein Kind ist sehr neugierig, macht z.B. ein Spielzeug kaputt, um zu wissen, was da darin ist und stellt sehr viele
Fragen. Es ist wichtig, dass wir hier mit Geduld und Verständnis reagieren und seine Fragen altersgemäß beantworten.
Wenn ein älteres Kind wiederholt und absichtlich Dinge zerstört, hat dies nichts mehr mit Neugierde zu tun. Dann
muss es lernen, dass diese Dinge nicht ersetzt werden, außer es wünscht sie sich zu besonderen Gelegenheiten, wobei
es dann eben weniger andere Geschenke bekommt.
4.) Das Bedürfnis zu spielen:
Die Mutter muss auf folgende Sachen achten
a) Dem Kind genügend Zeit zum Spielen geben, ohne Unduldsamkeit oder Belästigung zu
zeigen.
b) Den Kindern beibringen, wo sie spielen dürfen und wann sie spielen dürfen oder auch nicht (z.B. dass sie
in Moscheen nicht spielen sollten oder wenn Gäste da sind die Gäste nicht stören sollten usw.)
c) Das Kind lernt, indem man ihm erzieherisches Spielzeug besorgt womit es seine geistigen Fähigkeiten entwickeln
und womit es neue Dinge lernen kann.
d) Anstrengungen machen, Dinge zu vermeiden, bei denen das Kind keine aktive Rolle spielt
oder es seine körperliche Bewegung einschränkt, sind wie zum Beispiel das Schauen von
Videofilmen oder das Spielen von Computerspielen, da das Kind Bewegung braucht.
5.) Das Bedürfnis nach Gerechtigkeit
Der Prophet (sas) fordert die Eltern dazu auf, gerecht zu den Kindern zu sein, wie bereits ausgeführt wurde. Kinder
reagieren sehr sensibel und empfindlich auf empfundene Ungerechtigkeiten und als Eltern müssen wir auf diese
Gefühle Rücksicht nehmen.
5.3
Disziplin und Grenzen
Weiterhin ist es wichtig, im Haus Disziplin zu haben. Dies ist die gemeinsame Verantwortung beider Eltern.
Disziplin ist eine Art, die Kinder an die gewünschte Art des Benehmens zu gewöhnen; z.B. regelmäßige Essenszeiten,
Ordnung in den Zimmern, höfliches Benehmen wenn Gäste da sind, wo und wann gespielt werden darf und wo und
wann nicht. Die Eltern sollen klare, einheitliche Regeln aufstellen, die das Verhalten der Familienmitglieder
bestimmen sollen. Das Kind sollte an Änderungen oder Anpassungen solcher Regeln beteiligt werden, denn es
respektiert eher das, was es mitbestimmt oder vereinbart hat. Auch für Eltern kann es bestimmte Regeln geben, wie
z.B. nicht zu schlagen oder zu schreien. Dann kann man sich partnerschaftlich an die Einhaltung der Regeln erinnern.
Das Kind muss anfangs immer wieder an die neuen Regeln und Vereinbarungen erinnert werden, bis es sie
verinnerlicht hat.
Die Kinder brauchen Liebe und Disziplin zusammen. Diese Grenzen geben ihnen Sicherheit. Das Kind lernt
Selbstachtung und Selbstkontrolle durch Liebe und Disziplin der Eltern.
5.3.1
Vom sinnvollen Umgang mit Regelbrüchen
Wenn das Kind die aufgestellten Regeln bricht, sollen folgende Dinge beachtet werden:
1.) Schlechtes Verhalten darf weder vorübergehend noch indirekt belohnt werden, indem man dem Kind z.B.
zusätzliche Aufmerksamkeit schenkt oder das Kind seinen Willen mit unerwünschtem Verhalten durchsetzt. Wenn
das Kind seinen Willen durchsetzten will, so benutzt es meistens Verhaltensweisen wie z.B. Weinen, Schreien,
Schlagen usw. Diese sollte man dann versuchen nicht zu beachten => Das Kind soll sich daran gewöhnen, leisere Mittel
zu benutzen, um seinen Wunsch auszudrücken
2.) Fehlverhalten wird ohne Verzögerung, Härte oder Gewalt getadelt und ggf. bestraft
Wenn das Kind eine Regel bricht, muss die Kritik an seinem Verhalten geäußert werden, nicht an seiner Person, damit
es nicht annimmt, dass es abgelehnt wird, da dies seine Entwicklung beeinträchtigen würde. Man kann dem Kind
sagen, dass man es liebt, aber dass dieser Regelbruch nicht gemocht und geduldet wird. Beharrt das Kind nach
freundlicher Ermahnung und Bitte noch auf seinem Fehlverhalten, müssen von den Eltern in bestimmtem Ton klare
Anweisungen gegeben werden. Das bedeutet, dass für das Kind klar sein muss, dass es jetzt ernst wird. Der Blick
muss ernst und unzufrieden sein. Das Kind wird mit seinem Namen gerufen und man sieht ihm in die Augen. Dann
muss man einen klaren, kurzen und nicht undurchsichtigen Befehl geben; z.B.: Du hast diese Regel gebrochen, hör
sofort auf. Ignoriert das Kind diesen Befehl, muss konsequent, entschieden und ohne zögern eine Bestrafung erfolgen,
wie z.B. logische Konsequenzen aus seinem Verhalten oder das Kind für bestimmte Zeit in sein Zimmer zu
verweisen. Man kann das Kind auch für 5 bis 10 Minuten an einem bestimmten Ort sitzen lassen oder ihm
Vergünstigungen entziehen (Gutenacht-Geschichte, Süßigkeiten…)
3.) Gutes Verhalten wird sofort und ohne Verzögerung belohnt (muss keine materielle Belohnung sein, sondern auch
in Form von Lob und Zufriedenheit). Dies ist mindestens genauso wichtig, wie die Bestrafung von Fehlverhalten, da es
das Kind zu immer besserem Benehmen anspornt und motiviert. Es hilft auch besonders in solchen Fällen, in denen
das Kind sich schlecht benimmt, um Aufmerksamkeit zu erregen. Es bekommt dann stattdessen
Aufmerksamkeitsentzug bei schlechtem Verhalten und positive Aufmerksamkeit, wenn es sich gut verhält und wird
oft von alleine von schlechtem Verhalten ablassen, weil es sich nicht mehr „lohnt“.
4.) Dialog und Überzeugung. Es ist wichtig, den Kindern zuhören, wenn sie etwas zu sagen haben und mit ihnen einen
Dialog zu führen. Es lohnt sich, die Dinge mehr als einmal zu erklären, wenn man vermeiden will, als Willkürherrscher
angesehen zu werden.
5.) Streitigkeit auf eine freundliche Weise lösen und auch mal mit Humor weglachen. So können oft Spannungen
und Trotz abgebaut und Situationen entschärft werden.
6.) Wechsel der Umgebung oder Veränderung der Situation
Im Kleinkindalter funktioniert Ablenkung sehr gut. Man ändert das Thema oder geht aus dem Raum. Anstatt die
Kinder mit richtigem Geschirr spielen zu lassen, einfach Spielzeug-Geschirr geben oder anstatt sie in Büchern
kritzeln zu lassen, einen Block geben usw.
10
7.) Günstige Gewohnheiten entwickeln. Erwünschtes Verhalten so oft wiederholen, bis es zur Gewohnheit geworden
ist und automatisch vorgenommen wird.
5.3.2
Warum scheitern einige Eltern daran, Disziplin durchzusetzen?
Manche Eltern resignieren und sind verzweifelt und überfordert mit dem Verhalten ihrer Kinder. Sie haben nie
ernsthaft versucht, das Kind am schlechten Benehmen zu hindern und wissen auch gar nicht, wie sie dies angehen
könnten. Sie verhalten sich je nach Laune und Tagesform unterschiedlich und unkonsequent. Es kommt auch vor,
dass die Eltern sich uneinig sind und unterschiedliche Erziehungsstile verfolgen, was sich sehr ungünstig auf alle
Beteiligten auswirkt. Es ist daher sinnvoll und empfehlenswert, wenn die Eltern ihr Wissen über Erziehung erweitern,
z.B. durch Lesen von Büchern über Kindererziehung, Erfahrungsaustausch mit anderen Eltern und Lernen durch
Situationen, die man durchmacht und aus den eigenen Fehlern (macht sie mit dem ersten Kind Fehler, soll sie daraus
lernen und sie beim zweiten Kinder vermeiden. Auch die neuen Fehler beim zweiten Kind müssen dann beim dritten
Kinde vermieden werden.)
Manche Eltern wissen um die Wichtigkeit der Disziplin, setzen sich aber nicht durch, da ihnen die Courage (sie haben
Angst, sich zu blamieren, wenn das Kind nicht folgt), das Durchhaltevermögen (sie haben keine Lust oder Energie, es
bis zum Ende durchzuziehen) oder der Glaube an den Erfolg fehlt. Sie haben manchmal Angst, die Liebe ihres Kindes
zu verlieren, wenn sie es zu etwas ungeliebtem Zwingen, aber sie verlieren durch ihr Verhalten in Wirklichkeit den
Respekt des Kindes.
Manchmal fühlen sich Eltern für das Fehlverhalten des Kindes verantwortlich und schuldig und solche Schuldgefühle
hindern sie daran, etwas zu unternehmen. Dann ist es Sache der Eltern, an sich selbst zu arbeiten und aktiv zu werden.
5.3.3
Vermeiden von Zorn und Gewalt
Umgekehrt gibt es manchmal Eltern, die ihren Zorn nicht unter Kontrolle haben im Umgang mit ihrem Kind und
denen die Geduld und Selbstbeherrschung fehlt, dem Kind respektvoll zu begegnen. Auch diese Eltern müssen erst an
sich selbst arbeiten und es ist zu empfehlen, dass sie das Kind bei Fehlverhalten in sein Zimmer schicken und sich
zunächst selbst beruhigen. Muslimische Eltern sollten audhu billahi min asch-schaitan ir-radgim sprechen,
Wudu machen und beten. Auch gab der Prophet den Rat: „Wenn man in Wut gerät sollte man die
Position wechseln. Der Stehende soll sich setzen, der Sitzende soll sich hinlegen“. Wenn man sich
beruhigt hat, sollte man überlegen, wie man dem Kind die Situation und das Problem in ruhigem Ton
erklären kann und wieder auf es zugehen.
Derjenige, der vergeben kann und seinen Zorn beherrschen kann, wird von Allah reichlich belohnt. Dies ist besonders
bei kleinen Kindern angebracht, da diese in der Regel nicht bösartig jemandem Unrecht zufügen wollen sondern sich
falsch oder aufsässig verhalten aus Unvermögen (es macht in die Hose), Unbedachtsamkeit (es verschüttet die Milch),
Unwissenheit (es klettert auf das Regal), Eifersucht (das Geschwisterchen bekommt alle Aufmerksamkeit) oder
Ohnmachtgefühlen heraus (es will etwas und kann diesen Willen nicht durchsetzen, weil es uns unterlegen ist). Wir
müssen uns unsere körperliche und geistige Überlegenheit vor Augen führen, kühlen Kopf bewahren und uns über
das kindliche, unbeherrschte Verhalten erheben statt uns auf sein Niveau herabzulassen. Wenn wir versuchen, das
Kind zu verstehen und uns einzufühlen, werden wir Mitleid empfinden, vergeben und hilfreich bzw. lehrreich
reagieren und evtl. bestrafen, statt wütend zu werden und zu schlagen. Im Quran steht: „Was euch (auch) immer
gegeben wird: es ist nur ein vorübergehender Genuss dieses irdischen Lebens, und das, was bei Allah ist, ist besser
und dauerhafter für jene, die glauben und auf ihren Herrn vertrauen, und (für jene, die) die schweren Sünden und
Schändlichkeiten meiden und, wenn sie zornig sind, vergeben, und (für jene,) die auf ihren Herrn hören und das Gebet
verrichten und deren Handlungsweise (eine Sache) gegenseitiger Beratung ist, und die von dem spenden, was Wir
ihnen gegeben haben, und für jene, die sich wehren, wenn ihnen Gewalt angetan wird. Die Vergeltung für eine
Übeltat soll ein Übel gleichen Ausmaßes sein; dessen Lohn aber, der vergibt und Besserung bewirkt, ruht sicher bei
Allah. Wahrlich, er liebt die Ungerechten nicht. Jedoch trifft kein Tadel jene, die sich wehren, nachdem ihnen Unrecht
widerfahren ist. Tadel trifft nur solche, die den Menschen Unrecht zufügen und auf Erden ohne Rechtfertigung
freveln. Ihnen wird eine schmerzliche Strafe zuteil. Und wahrlich, wer geduldig ist und vergibt – das ist gewiss eine
Tugend der Entschlossenheit in allen Dingen.“ (Sure 42:36-42). Hier wird klar vor der Übertreibung der Strafe und
dem Zufügen von Unrecht gewarnt und stattdessen Geduld und Vergebung anempfohlen.
Es wäre unrichtig zu behaupten, im Islam sei das Schlagen absolut verboten. Es mag Fälle geben, in denen das Kind
zu entgleisen droht und alle friedlichen Mittel ausgeschöpft wurden und in denen man mit Härte durchgreifen muss
um Schlimmeres oder den Zerfall der Familie zu verhindern. Aber auch das Schlagen im Islam hat Regeln. Es darf
keine Spuren hinterlassen, nicht ins Gesicht erfolgen, nicht schmerzhaft sein und soll eher symbolischen Charakter
haben. Schlagen soll aber nicht das erste Mittel sein und die Gelehrten sind sich einig, dass es nicht im Affekt erfolgen
darf.
6
6.1
Pflichten der Kinder gegenüber den Eltern
Respekt, Gehorsam und Freundlichkeit
Im Quran steht: „… und dein Herr hat bestimmt, dass ihr nur Ihm dienen sollt, und dass man die Eltern
gut behandeln soll. Wenn eine oder beide bei dir ein hohes Alter erreichen, so sage nicht zu ihnen Pfui
und fahre sie nicht an, sondern sprich zu ihnen ehrerbietige Worte und senke für sie aus Barmherzigkeit
die Flügel der Untergebenheit und sage: Mein Herr erbarme Dich ihrer wie sie mich aufgezogen haben,
als ich klein war.“
Im Quran steht auch: „ und wir haben dem Menschen aufgetragen, seine Eltern gut zu behandeln. Seine
Mutter hat ihn unter widrigen Umständen getragen und unter widrigen Umständen geboren.“ Und noch
mal: „und wir haben dem Menschen aufgetragen, seine Eltern gut zu behandeln. Seine Mutter hat ihn ja
unter wiederholter Schwäche getragen. Und seine Entwöhnung erfolgt in zwei Jahren. Sei dankbar Mir
und deinen Eltern.“
Allah wird dem Kind, das sich seinen Eltern widmet eine großzügige Belohnung geben. Auf der anderen
Seite wird ein Kind, das widerspenstig ist, und gegen die Wünsche der Eltern handelt, den Zorn Allahs
auf sich ziehen. Es gibt zahlreiche Ahadith in dieser Hinsicht. So sagte der Prophet, Salla llahu alaihi wa
salam:
"Allahs Freude endet, wenn die Freude der Eltern endet; Allahs Zorn endet, wenn der Zorn der Eltern
endet." (Berichtet von At-Tirmidhi, Al-Hakim und Al-Bukhari.)
Die Eltern müssen ihren Kindern beibringen, sie respektvoll zu behandeln, denn das Wohlgefallen Allahs
liegt im Wohlgefallen der Eltern.
Respektvoll zu sein heißt zum Beispiel auch, dass man nicht lauter redet als die Eltern, dass man sich
nicht vor ihnen hinsetzt, dass man nicht vor ihnen zu essen beginnt und so weiter.
Man darf seine Eltern und die Eltern der anderen nicht beschimpfen.
Wenn die Eltern das Kind um einen Gefallen bitten, sollte es diesen rasch und ohne Meckern erledigen.
Wenn die Eltern Gäste haben, soll es sie nicht stören, wenn sie sich unterhalten, nicht dazwischenreden.
Der Prophet (sas) hat gesagt: „Die schönste gute Tat ist Freundlichkeit zu denen, die der Vater liebt.“
11
Der Prophet (sas) hat gesagt: „Das meistgeliebte bei Allah ist 1) Das Gebet verrichten zu seiner Zeit, 2)
Güte zu den Eltern und 3) Der Kampf um Allahs Sache (Gihad“)
Er, Salla llahu alaihi wa salam, sagte auch: "Die größten Sünden sind: Allah Partner beizugesellen, den
Wünschen der Eltern zuwider handeln, jemanden töten und falsch zu schwören." (Sahih Al-Bukhari.)
Die Kinder sollen den Eltern in allem gehorchen, was nicht Ungehorsam gegen Allah bedeutet, immer
auf sie hören und sich in wichtigen Dingen mit ihnen beraten.
In einem anderen Hadith: Ein Mann fragte den Propheten (sas): Wer hat das Recht auf meine freundliche
Kameradschaft? Er (sas) sagte:„Deine Mutter“. Er fragte:„Wer noch?“ Er sagte:„Deine Mutter“. Er
fragte:„Wer noch?“ „Deine Mutter“. Er fragte:„Wer noch?“ „Dein Vater“.
Freundliche Kameradschaft bedeutet, sie wie gute Freunde zu behandeln. Mit ihnen viel Zeit verbringen,
ihnen von sich viel erzählen und ihre Freude und Sorgen teilen.
Der Prophet (sas) sagte auch: "Die Strafe jeder Sünde wird bis zum Tag des Gerichts zurückgehalten,
mit Ausnahme der Sünde des Zuwiderhandelns gegen die Eltern. In diesem Fall wird die Strafe im Laufe
seines Lebens, vor seinem Tod stattfinden." (Berichtet von At-Tabarani.)
Allah wird einen Menschen durch seine Kinder ein ebensolches Verhalten erfahren lassen, wie er es
selbst gegenüber seinen Eltern praktiziert hat. Dies ist ein Teil der Strafe für schlechtes Verhalten
gegenüber den Eltern in diesem Leben.
Es ist berichtet worden, dass Alqama ein guter Gefährte des Propheten (sas) war, der eifrig beim Gebet,
beim Fasten und beim Geben von Almosengeben war. Als er jedoch heiratete, war seine Liebe für seine
Frau größer als die Liebe zu seiner Mutter und er war nicht gut zu ihr. Als Folge davon war er, als er im
Sterben lag, nicht in der Lage, die Kalimah "La ilaha illa llah" zu sprechen. Der Prophet (sas) bat die
Mutter, ihrem Sohn zu vergeben, sie lehnte jedoch ab, dies zu tun. Schließlich sagte der Prophet (sas) zu
Bilal, dass er Feuerholz sammeln solle und dass er Alqama verbrennen solle, da er ja im Jenseits sowieso
brennen müsse. Als sie dies sah, überwiegten die Gefühle der Liebe für ihren Sohn. Sie vergab ihrem
Sohn, danach konnte Alqama bei seinem letzten Atemzug die Kalimah "La ilaha illa llah“ sprechen.
6.2
Man soll für die Eltern um Vergebung und Gnade bitten, auch wenn sie schon gestorben sind, auch dann
noch großzügig und freundschaftlich mit ihren Freunden und nächsten Verwandten umgehen und ihre
Versprechen erfüllen. Das ist die Barmherzigkeit nach ihrem Tod.
Wenn man die Möglichkeit hat, kann man für sie Umra und Hadsch verrichten nach ihrem Tod oder in
ihrem Namen Spenden, Fasten und Wohltätigkeit verrichten. Alle Formen des Gottesdienstes können in
ihrem Namen verrichtet werden außer dem Gebet, wenn die Eltern Muslime sind.
6.3
Verhalten gegenüber Nicht-Muslimischen Eltern
Es wird von einem Kind, dessen Eltern Nicht-Muslime sind, auch erwartet, dass es gut zu seinen Eltern
ist, außer in Angelegenheiten, die zum Shirk führen oder im Widerspruch zu Allah stehen - in diesem
Fall muss das Kind den Eltern nicht gehorchen. Die guten Beziehungen mit nicht-muslimischen Eltern
müssen aber aufrechterhalten werden, z.B. sie zu ehren, sie freundlich zu behandeln, ihnen finanziell zu
helfen, sie zu besuchen und sich um sie zu kümmern, wenn sie krank sind. Und am wichtigsten ist es,
dafür zu beten, dass die Eltern die Rechtleitung Allahs erhalten werden.
Imam Muslim berichtete die Geschichte von Sad bin Waqqas, dessen Mutter einen Eid leistete, dass sie
nicht mit ihm reden würde und dass sie weder was essen, noch trinken würde, bis er den Islam verlässt.
Sie sagte: "Allah hat dir auferlegt, deinen Eltern zu gehorchen. Ich bin deine Mutter, also musst du mir
gehorchen." Schließlich fiel sie in Ohnmacht, bis ihr jemand etwas geben musste. Aus diesem Grund
wurde der folgende Vers offenbart:
"Und Wir haben dem Menschen anbefohlen, seine Eltern mit Güte zu behandeln. Wenn sie sich aber
darum bemühen, dass du Mir das beigesellst, wovon du kein Wissen hast, dann gehorche ihnen nicht."
(Surah Al-Ankabut (29: 8)
Hilfeleistung und Barmherzigkeit im Alter
In einem Hadith heißt es: „Gibril sagte weiter: „Erniedrigt sei ein Mann, der seine Eltern im Alter erlebt,
und er hat nicht durch sie das Paradies erreichen können (weil er sie nicht gut behandelt hat).“
Wenn man seinen Eltern im Alter hilft, werden einem jedes Mal viele Sünden vergeben und man
bekommt als Belohnung inshallah das Paradies.
In einem weiteren Hadith heißt es: Ein Mann vollzog die Umkreisung der Kaaba und hat seine Mutter
getragen, da fragte er den Gesandten Allahs: „Habe ich ihr alles zurückgegeben?“ Er sagte: “Nein,
nicht einmal eine Wehe.“ Was sie Eltern, und besonders die Mutter, für die Kinder getan haben, ist sehr
viel, und die Gegenleistungen von Seiten des Kindes in Form von Dienst an seinen Eltern und
Hilfeleistung im Alter sollen daher großzügig und demütig ergeben erfolgen.
Einmal kam eine Frau zum Propheten (sas) und wollte für den Islam in den Kampf ziehen. Da fragte der
Prophet: „Lebt deine Mutter noch?“ Er sagte: „Ja“. Da riet ihr der Prophet (sas):“Bleib bei ihr, denn
das Paradies liegt unter ihren Füßen.“
Er versprach ihr damit das Paradies, wenn sie ihrer Mutter ergeben dienen würde.
7
Erziehungsmethoden des Propheten (sas)
Diese Methoden wendete er (sas) hauptsächlich mit Erwachsenen an, aber sie sind dennoch von
allgemeinem Interesse auch bei der Kindererziehung, da wir uns immer am Vorbild des Propheten
orientieren sollen.
7.1
Erziehung durch Geschichten
Der Mensch liebt Geschichten und sie hinterlassen ihre Spuren in der Seele. Daher finden wir viele
Geschichten im Quran. Allah beschreibt sein Buch folgendermaßen: „Wir berichten dir die schönsten
Geschichten dadurch, dass wir dir diesen Quran gegeben haben.“ Und „Wahrlich, in seinen Geschichten
sind Lehren enthalten für die Leute, die Einsicht besitzen.“ Viele Geschichten, die der Prophet erzählte,
finden wir in den Überlieferung, z.B. die mit den drei Männern in der Höhle, vor dessen Eingang sich ein
12
Stein befand, der sich durch gute Taten beiseite bewegte. Oder die Geschichte vom Kahlen, Blinden und
Fleckigen, dem Mann der 100 Personen tötete etc. Sie enthalten Lehren, ohne belehrend zu erscheinen.
7.2
Erziehung durch Predigt
Der Prophet hielt Predigten, die die Herzen berührten und zum Weinen brachten. Sie waren kurz, damit
niemand sich langweilte. Predigten sollten aber nur gelegentlich und zu der Situation passend erfolgen.
7.3
Verheißung von Allahs Belohnung und Bestrafung
Der Prophet wendete die Methode der Warnung und Ermutigung an. Er berichtete von den Dingen, die
ins Paradies bringen und warnte vor Taten, die ins Feuer führen. Hierbei ist die Ausgewogenheit wichtig;
die meisten Erzieher betonen zu sehr die Bestrafung und versäumen die Ermutigung. Die Ermutigung
kann aber ein sehr kraftvolles Element der Motivation darstellen, während zu viel Angst vor Strafe auch
lähmen kann. Zu viel Ermutigung im Sinne von fehlender Strenge kann aber auch zu Laschheit und
Entgleisung führen. Beispiel für ermutigende Worte: Der Prophet (sas) sagte: „Wer la ilaha illa llah sagt
und so stirbt, gelangt ins Paradies.“ Ein Gläubiger fragte ihn danach, ob dies auch gelte, wenn er alle
möglichen Sünden begehe und der Prophet bejahte es. Manchmal ist es wichtig, die Schönheit des Islam
und seine positiven Auswirkungen auf den Menschen und die Welt zu betonen, damit die Seele sich
hingezogen fühlt und danach strebt.
lassen. Und ergänzte: Es hat ihn nichts außer Arroganz gehindert.“ Der Überlieferer sagt, der Mann
konnte nie mehr seine rechte Hand zum Mund führen.
Diese Form des strengen Umgangs mit den Gläubigen war aber nicht die Regel in seiner Leitung, sondern
die Regel war Gnade und Milde. Härte wurde verwendet, wenn die Situation Härte verlangte. Der Quran
beschreibt den Propheten mit den Worten: „Zu euch ist nunmehr ein Gesandter aus euren eigenen Reihen
gekommen. Bedrückend ist es für ihn, wenn ihr in Bedrängnis seid, er ist eifrig um euch bestrebt, zu den
Gläubigen gnadenvoll und barmherzig.“
Seine Gefährten bestätigen dies in ihren Beschreibungen. Muawiya ibn Alhakam sagt: ich hatte niemals
vor ihm noch nach ihm einen besseren Lehrer. Er hat mich nie gehasst, geschlagen oder ausgeschimpft.
Er selbst (sas) befohl seinen Gefährten, als er Muaz und Abu Musa als Wali nach Jemen schickte: „Macht
den Leuten das Leben leicht und nicht schwer und seid verheißend und nicht abstoßend.“
Er betonte, dass jede Sache, die von Gnade begleitet wird, schön sei und jede Sache, die von Gnade
verlassen wird, hässlich wird. Wer die Gnade entbehrt, entbehrt alles, was gut ist. Und: „Wahrlich, Allah
ist gnädig und liebt die Gnade.“
Diese Gnade offenbart sich in seiner Lebensgeschichte. Einmal urinierte ein Beduine in der Moschee und
die Gefährten waren sehr erbost. Der Prophet aber sagte: „Stört ihn nicht bei seiner Verrichtung und
schüttet Wasser über die Stelle.“
Einmal stahl Ubad einige Ähren wegen einer allgemeinen Hungersnot und der Besitzer schlug ihn und
nahm ihm sein Gewand fort. Ubad benachrichtigte den Propheten (sas) und dieser sagte zu dem Besitzer:
„Hättest du ihm doch zu essen gegeben, wenn er hungrig ist. Hättest du ihn doch belehrt, wenn er
unwissend ist“.
7.6
7.4
Überzeugung des Verstandes
Beispiel: Ein junger Mann wollte fremdgehen und wollte die Erlaubnis des Propheten (sas). Dieser fragt
ihn, ob er dies für seine Mutter wünschen würde. Er sagte nein. Er wiederholte die Frage mit seiner
Tochter, Schwester und Tante und jedes Mal verneinte der junge Mann. Dann sagte der Prophet (sas):
Und die Leute wünschen dies auch nicht für ihre Mütter und Töchter und Schwestern. Danach bat er für
den Mann um Sündenvergebung und Reinigung und Schutz der Genitalien. Der Mann hat sich niemals
mehr nach Unerlaubtem umgedreht. Dialog und Diskussion sind mit heranwachsenden Kindern sehr
wichtig, da sie zeigen, dass man ernst genommen wird und Antworten auf seine Fragen bekommt.
7.5
Harte Worte und Gnade
Einmal beklagte sich ein Mann beim Propheten (sas), dass das Gebet eines Vorbeters so lange gedauert
hatte. Daraufhin wurde der Prophet sehr zornig und sagte: „Was ihr macht, lässt die Leute davon
weglaufen. Ein Vorbeter soll das Gebet leicht machen, denn hinter ihm stehen Schwache und Kranke.“
Als er einmal einen Mann mit einem goldenen Ring am Finger sah, riss er ihm den Ring vom Finger und
warf ihm auf den Boden mit den Worten: „Wird einer von euch eine glühende Kohle absichtlich in der
Hand halten?“
Als er einmal einen Mann mit der linken Hand essen sah, sagte er zu ihm: „Iß mit deiner rechten Hand.
Der Mann antwortete: ich kann nicht. Da erwiderte der Prophet (sas): Möge Allah es dich nicht können
Sich abwenden (Hajr)
Der Prophet (sas) wendete diese Methode an, als einige Muslime in Medina zurückgeblieben waren und
nicht zum Gihad in Tabuk gehen wollten. Er kehrte ihnen einen Monat lang den Rücken zu und sprach
nicht mehr mit ihnen, bis Allah ihnen verziehen hatte und ihre Reue angenommen hatte. Diese Methode
war jedoch auch nur eine Ausnahme und es ging hierbei nur um Auflehnung gegenüber Allah bis ihre
Reue ernsthaft war.
7.7
Indirekte Führung oder Leitung
Beispiele:
1) Er sprach bestimmte Verhaltensweisen an, ohne Namen zu nennen: „Wenn Leute so und so machen“
oder „was ist los mit Menschen, die….“
Einmal sprachen drei Gefährten. Einer sagte: Ich bete die ganze Nacht und schlafe nicht. Der zweite
sagte: Ich faste das ganze Leben. Der dritte sagte: Ich heirate keine Frauen. Als der Prophet (sas) davon
erfuhr, sprach er in seiner Predigt zu Allen: „Was ist mit Leuten los, die die ganze Nacht beten und das
ganze Leben lang fasten und nicht heiraten wollen? Aber ich bete einen Teil der Nacht und schlafe den
anderen Teil, ich faste und breche mein fasten und ich heirate die Frauen.“
2) Manchmal lobte der Prophet (sas) eine bestimmte Eigenschaft in einer Person und empfahl ihr damit
indirekt, daran zu arbeiten oder etwas zu tun.
Einmal hatte Abdallah ibn Omar eine Sehung im Traum, als er in der Moschee schlief. Zwei Engel
nahmen ihn mit zur Hölle, die gefaltet war wie ein Brunnen. In ihm waren Leute, die er kannte und er
13
fing an zu Allah zu beten. Er sprach drei Mal: Allah, schütze mich vor dem Feuer. Da kam ein dritter
Engel und sagte zu ihm: Hab keine Angst. Abdullah erzählte Hafsa davon und diese berichtete es dem
Propheten (sas). Er sagte: „Er gehört zu den Besten, wenn er Nachtgebete verrichtet.“ Seitdem hat
Abdullah nur wenig in der Nacht geschlafen und viel gebetet.
3) Manchmal beauftragte er seine Gefährten, jemandem etwas zu sagen, das er ihm sagen wollte, um ihn
nicht in Verlegenheit zu bringen.
Einmal kam ein Mann zum Propheten (sas) und hatte in seinem Gesicht eine gelbe Spur. Der Prophet
(sas) mochte es nicht, jemandem etwas ins Gesicht zu sagen, was ihm persönlich missfiel oder was
denjenigen in Verlegenheit bringen könnte. Da sprach er zu seinen Gefährten: „Würdet ihr ihm
empfehlen, sein Gesicht zu waschen.“
Der Prophet war zu Kindern sehr großzügig. Er versuchte es stetig zu vermeiden, dass sich die Kinder
vor ihm scheuen. Ein Kind namens Enes, das bei ihm zehn Jahre lang arbeitete, schlug und erniedrigte
er kein einziges Mal.
Unser Prophet machte mit Kindern Spaß und spielte mit ihnen. Er gab ihnen schöne Namen und betete
für sie schöne Gebete.
Und wenn ein Kind krank war, besuchte er es, und nahm auch diejenigen mit, die mitgehen wollten. Er
behandelte sie wie erwachsene Menschen, ihre kindlichen Taten verurteilte er nie.
Er ließ sich oft geduldig von der Hand eines kleinen Mädchens auf der Straße solange führen, bis das
Mädchen von selbst seine Hand los ließ.
4) Manchmal sprach der Prophet (sas) mit einem Dritten, während der Betroffene mithörte oder zuhörte.
So konnte dieser den Rat annehmen oder auch nicht (indem er es überhörte), ohne das Gesicht zu
verlieren und direkt zum Handeln gedrängt zu sein.
Als zwei Männer sich in seiner Anwesenheit beschimpften und einer von ihnen war wütend und hatte
einen roten Kopf, sagte der Prophet (sas) zu einem Dritten: „Ich kenne einen Satz, wenn er ihn ausspricht,
wird die Wut ihn verlassen. Er ist: Ich nehme meine Zuflucht bei Allah vor dem verfluchten Satan.“
Unser geliebter Prophet (sas) fasste als Vorbeter das Gebet in der Moschee kürzer, wenn er das Weinen
eines Kindes hörte, damit keine Härte für das Kind und keine Sorge für seine Mutter entstanden.
Wenn er betete und sein Enkel stieg auf seinen Rücken blieb er solange mit der Stirn auf dem Boden
liegen, bis er von selbst wieder abstieg. Seine Enkelin trug er sogar beim Gebet und wenn er sich
niederwarf, legte er sie hin. Wenn er aufstand, trug er sie wieder.
7.8
9
Nutzen von Gelegenheiten und Ergreifen von Chancen
Einmal suchte eine Frau ihren Sohn. Als sie ihn gefunden hatte, umarmte sie ihn ganz fest. Da sagte der
Prophet (sas) zu seinen Gefährten: „Denkt ihr, dass diese Frau ihren Sohn in die Hölle werfen würde?
Als sie verneinten sagte er zu ihnen: Allah wirft den, den er liebt, auch nicht in die Hölle.“
7.9
Lob und Ermutigung
Abu Hurayra hat den Propheten einmal gefragt: Wer ist der Glücklichste mit deiner Fürbitte? Der
Prophet sagte: Ich habe erwartet, dass niemand diese Frage vor dir stellt, weil ich deinen Eifer für
Hadith schätze. Dieser Satz war Anlas zu mehr Eifer und mehr Fleiß.
8
Verhalten des Propheten (sas) gegenüber den Kindern
Unser Prophet behandelte die Kinder sehr liebevoll. Er küsste die Kinder und erklärte, dass diejenigen,
die ihre Kinder nicht küssen, keine Barmherzigkeit in ihren Herzen haben. Er ermahnte diejenigen, die
zu den Kindern keine Liebe zeigen, mit den Worten: "Ihr, die keine Barmherzigkeit erweist, werdet auch
keine Barmherzigkeit erfahren."
Erziehungsmethoden der modernen Pädagogik
Wenn wir die Erkenntnisse moderner Pädagogik mit den islamischen Empfehlungen zum Verhalten
gegenüber den Kindern vergleichen, stellen wir fest, dass sie diese nicht nur bestätigen, sondern auch
hilfreich ergänzen. Dies war nicht immer so. Das Element der Achtung und des Respekts gibt es noch
nicht lange in der Erziehung in Europa. Der Erziehungsstil schwankte lange zwischen autoritär und
laissez-faire, beides mit katastrophalen Ergebnissen. Einerseits wurden hörige Untertanen ohne
Selbstvertrauen und Zivilcourage hervorgebracht, andererseits unsichere Menschen ohne Halt und
Orientierung und ohne das Gefühl für Rücksichtnahme auf ihre Umgebung großgezogen. Inzwischen hat
man einen Mittelweg gefunden, der den Kindern Freiräume zur Entfaltung und Willensstärkung lässt und
gleichzeitig Wert legt auf die Vermittlung von Werten und Regeln, an die sich gehalten werden muss. Oft
scheitern gute Vorsätze der muslimischen Eltern an der Ratlosigkeit darüber, wie ihre Vorhaben mit
geeigneten Methoden umgesetzt werden können und wie man mit einem trotzenden und widerspenstigen
Kleinkind am besten umgehen kann, ohne in Wut und wilde Bestrafung zu geraten oder andererseits ohne
komplett die Kontrolle über das Kind zu verlieren und sich seiner Tyrannei auszuliefern. Solche
Methoden und Tips gibt uns die moderne Pädagogik an die Hand, daher wollen wir einen Blick darauf
werfen, was Autoren der Anthroposophen und zeitgenössische Autoren wie Steve Biddulph, Steve
Chalke oder Carola Schuster-Brink an Verhaltensratschlägen anbieten und wie gut sie mit dem Islam und
seinem Konzept der Achtung der kindlichen Persönlichkeit zu vereinbaren sind. Viele Dinge werden
dabei eine Wiederholung dessen sein, was oben bereits angeführt wurde, aber dies zeigt nur, wie sehr der
Islam in seinen 1400 Jahre alten Lehren schon immer seiner Zeit voraus war.
Er liebte die Kinder, begegnete ihnen mit gebührender Rücksicht und grüßte sie zuerst,
wann immer er welche antraf. Wenn er ein Kind sah, grüßte er es, fragte es, wie es ihm ginge und bat ihm
etwas an.
14
9.1
9.1.1
Tipps um Konflikten vorzubeugen bzw. deren Eskalation zu vermeiden
Ausreichend positive Zuwendung und Ermutigung:
Eltern vergessen häufig, ihren Kindern Aufmerksamkeit zu schenken, wenn sie sich so verhalten, wie sie
es sich wünschen. Es macht jedoch für alle einen Riesenunterschied, ob sich die Eltern freuen, wenn das
Kind etwas versucht, auch wenn es scheitert, oder ob sie ausflippen, weil das Ergebnis eine Sauerei ist.
Richten sie ihre Aufmerksamkeit täglich mehr auf die guten Seiten des Zusammenlebens. Ob man das
Glas als halb leer oder halb voll betrachtet, macht einen großen Unterschied, und es ist doch nur eine
Veränderung des Blickwinkels. Durch Lob und Beachtung von Bemühungen werden die Kinder
selbstbewusst, mutig und trauen sich etwas zu. Daher ist ungeteilte, positive Aufmerksamkeit das größte
Geschenk, was man seinem Kind machen kann. Solche Inseln im Alltag sind Kraftquelle und
Lebenselixier für Eltern und Kinder. Eine halbe Stunde wirkliche Zuwendung kann drei Stunden
Quengeln verhindern.
Auch Zeit für sich brauchen die Eltern und Zeiten der Ruhe und des ungestört Seins. Aber wenn sie
schlechte Laune haben, nehmen sie Ihrem Kind jeden Zweifel, dass etwas mit ihm nicht in Ordnung sein
könnte. Wenn sie gestresst, müde, ärgerlich oder traurig sind, teilen sie es dem Kind mit, um zu
verhindern, dass es Ihre Emotionen auf sich bezieht.
Wie man in den Wald ruft, so schallt es zurück; das eigene Vorbild ist entscheidend.
Es gibt nichts Schöneres für ein Kind, als sich angenommen zu fühlen. Schenken sie ihm daher
Anerkennung und stärken sie ihm den Rücken. Je mehr Zugehörigkeit und Geborgenheit ein Kind in
seiner Familie findet, desto weniger abhängig wird es von anderen Gruppen.
9.1.2
Vertrauensvorschuss gewähren
Jedes Kind möchte erfolgreich sein. Kinder übernehmen genau die Meinung, die Eltern von Ihnen haben
als die eigene. Sie versuchen unterbewusst, die Erwartungen der Eltern zu erfüllen, sowohl die positiven
als auch die negativen. Was Kinder mehr als jede Belehrung brauchen, ist das Vertrauen in ihre
Entwicklungsmöglichkeiten. Aus unterstützten Kindern werden i.d.R. kraftvolle Kinder, aus ermutigten
mutige, aus gedemütigten gehemmte und aus geschlagenen unehrliche.
Negative Formulierungen hinterlassen einen Eindruck im Unterbewusstsein, der fast hypnotisch in die
unerwünschte Richtung führt. Drücken sie sich daher mit positiven Formulierungen aus, die das Ziel
angeben und klare Anweisungen enthalten. Loben und bestärken Sie jeden Schritt in die richtige
Richtung und ignorieren sie ungünstiges Verhalten.
Man sollte so mit dem Kind sprechen, als wäre es gutherzig und neidlos und zutiefst an den guten Kern
glauben; dann kann das Kind sein, was man ihm zutraut. Nie sind wir Menschen glücklicher, als wenn
wir dem Wunsch unserer Seele nach dem Guten, Schönen und Wahren gehorcht haben. Die Kinder
werden das mit der Zeit selbst spüren. Wir müssen daher taktvoll sein, Wachstumsruhe gewähren und
warten können. Die eigene Entfaltung wird am besten durch sanfte Führung und das eigene Vorbild
gefördert, durch zuviel Druck werden die Anlagen eher verschüttet. Unser ganzes Sinnen und Trachten
muss auf den Wunsch gerichtet sein, unserem Kind die ungestörte Lebensfreude zu verschaffen, die es
braucht. Dann vergessen wir unsere Nerven und gesunden aus Liebe zu unserem Kind.
Die Segensspirale:
Lockender Vorschlag der Eltern → erhöhte Spannkraft des kindlichen Willens → erfreuliche Leistung →
staunen und Lob → Freude des Kindes → weitere Steigerung der Leistungskraft → Reiz des Schwierigen
Mit der Zeit wird aus dem Vorschlag eine selbstverständliche Regel und aus dem Lob Anerkennung.
9.1.3
Klare Regeln und Absprachen
Viele Konflikte lassen sich durch umsichtiges Vorausdenken und klare Absprachen von vornherein
vermeiden. Regeln erleichtern den Alltag und geben Halt und Orientierung. Im Konfliktfall können sie
sich dann auf abgesprochene Regeln beziehen. Für kritische Situationen, in denen es immer wieder Ärger
gibt, sind klare Regeln für alle Beteiligten eine große Hilfe. Wir denken immer, dass unsere Kinder
wissen, was wir wollen. Aber das stimmt häufig nicht. Die Bitten und Regeln müssen erst mal beim Kind
ankommen. Gehen sie hin zum Kind, schauen sie es an, sagen sie ihm, was sie von ihm wollen, berühren
sie es dabei an Arm oder Schulter, finden sie klare und deutliche Worte. Dann müssen Regeln konsequent
eingehalten werden. Geben sie aber einem Kind Zeit, vorher sein Spiel zu beenden.
Die besten Regeln wachsen mit. Das heiß, bei einem Baby wird es sich eher um Rituale handeln, die ihm
Sicherheit und Orientierung bieten, bei Kleinkindern müssen es wenige, klare und einfache Regeln sein,
die enthalten, was es tun soll (und nicht, was es nicht tun soll). Bei Regelverstößen ruhig und bestimmt
auftreten, am besten hingehen, anschauen, anfassen, erklären, ablenken und evtl. Ersatzangebote machen.
Vorschulkinder wollen alles ganz genau wissen und erklärt bekommen. Erklärungen zollen dem Wunsch
ihres Kindes Respekt, die Welt und ihre Regeln zu begreifen. Eine positive Erwartungshaltung,
Ermutigung und Vertrauen stärken die Bereitschaft zur Kooperation und seine Selbstachtung. Die
Anerkennung von Leistungen ist Rückenwind für die Entwicklung seiner Selbständigkeit. Ganz ohne
Regelverstöße wird es aber nicht gehen. Grenzen müssen ab und zu überschritten werden, um sie kennen
zu lernen und zu erfahren. Schulkinder brauchen das Gespräch und Eltern, die gut zuhören können. Wenn
Kinder sich verstanden fühlen, können sie selbst weiterdenken. Regeln sollten hier möglichst gemeinsam
gefunden werden, z.B. in Form einer Familienkonferenz, in der jeder Vorschläge machen darf und man
sich einigt. Nach einer Erprobungszeit werden die Regeln bestätigt oder neu angepasst.
9.1.4
Bedürfnisse des Kindes ernst nehmen, seine Persönlichkeit respektieren und
achten
Wenn Kinder lernen, dass ihren Wünschen mit Achtung und Verständnis begegnet wird, es aber Grenzen
des Erlaubten gibt, erfahren sie etwas sehr Wertvolles: Es geht darum, Lösungen zu finden, die für beide
Seiten annehmbar sind. Bei Konflikten sollten die unterschiedlichen Bedürfnisse in Ich-Botschaften
deutlich gemacht werden. Jeder hat das Recht, Lösungsvorschläge zu machen und die Interessen von
jedem Einzelnen müssen berücksichtigt werden. Wenn sich Kinder mit ihren Vorlieben ernst genommen
fühlen, sind sich auch bereit, sich in andere Richtungen lenken zu lassen. Gewinnen sie die Bereitschaft
ihres Kindes zur Mitarbeit. Sie sind ein Team, keine Feinde. Gelegenheit, wieder gut zu machen und das
Gesicht zu wahren stärkt die Selbstachtung und macht wieder Mut für die Zukunft.
Der Respekt und die Achtung, die wir den Kindern entgegenbringen sind die einzige Garantie dafür, dass
sie auch uns Achtung und Respekt entgegenbringen. Wer Weizen ernten will, muss auch Weizen säen.
Seien sie wie ein guter Gastgeber: leicht störendes Verhalten kann man mit Humor und Takt übersehen.
Wenn das Kind genussvoll schmutzige Wörter in den Raum wirft, überhören sie das. Wenn es am Essen
15
nörgelt, bedauern sie das. Wenn es eine Tasse zerbricht, tragen sie es mit Fassung. Kann doch jedem mal
passieren. Setzen sie das Kind nicht herab sondern bleiben sie höflich und freundlich.
9.1.5
Aufgaben und Verantwortung übernehmen lassen
Wenn das Kind im Haushalt helfen darf, stärkt dies sein Selbstvertrauen. Jede bewältigte
Herausforderung lässt es wachsen und ist Ansporn für weitere Anstrengungen. Die Energie des Kindes
kann so in erfreuliche Bahnen gelenkt werden.
Daher schulische und häusliche Aufgaben erst mal Angelegenheiten des Kindes sein lassen und
ansprechbar sein, falls es Hilfe oder Rat sucht. Lediglich Vorschläge machen, wenn es danach fragt. Das
Kind nach eigenen Lösungsvorschlägen fragen. Viele Kinder finden, während sie versuchen, eine Sache
oder Aufgabe jemandem zu erklären, selbst die Lösung bzw. den richtigen Ablauf. Dem Kind das Tun
und die Konsequenzen dafür überlassen. Selber machen macht stark!
Echtes Mitgefühl und Anteilnahme bei Misserfolgen und Schwierigkeiten zeigen und keine Vorwürfe
machen. Man sollte nach den Gefühlen und Hintergründen fragen und Unterstützung anbieten.
9.1.6
Notbremse ziehen, wenn der Wutpegel steigt
Die Kinder sind immer noch die Schwächeren, auch wenn sie uns manchmal durch ihren Trotz und ihre
Provokation an unseren Wunden Punkten ganz ohnmächtig fühlen lassen. Wenn der Wutpegel steigt, hilft
es aus dem Ring zu gehen. Das heißt, man verlässt den Raum oder die Szene, geht auf Abstand und teilt
dies dem Kind mit. Man kann auch alternativ das Kind in sein Zimmer bringen oder an einem
bestimmten Ort platzieren und ihm zu verstehen geben, dass es nun eine Weile dort zu bleiben hat. Dann
sollte man nach Methoden suchen, sich selbst wieder zu beruhigen. Tief durchatmen, eventuell eine Tasse
Tee oder ein Glas Wasser trinken, Autogenes Training oder Selbstgespräche, Kissen an die Wand werfen
um sich abzureagieren oder kurz Musik hören - einfach etwas tun, was einem gut tut und den Ärger
vertreibt. Dann können sie wieder auf das Kind zugehen und in ruhigem Ton den Grund für Ihren Ärger
erklären.
9.1.7
Gut für sich sorgen
Häufig liegen die Gründe für unsere Ausraster nicht bei denen, die wir anschreien, sondern bei uns selbst.
Unsere Nerven liegen blank, weil wir nicht gut genug auf und selber sorgen und dann genügt eine
Kleinigkeit, um das Fass zum Überlaufen zu bringen. Gut für sich selbst sorgen zu können ist eine
wichtige Voraussetzung dafür, gut für andere sorgen zu können. Man kann sich selbst Freiräume schaffen
und wenn man Hilfe braucht, sollte man sie sich holen.
9.1.8
Über den Trotz
Das Kind braucht Freiraum für seine Willensregungen. Sie sollten durch aktives Zuhören herausfinden,
was das Kind wirklich will und um was es wirklich geht. Dann kann es oft seinen eigenen Weg finden,
mit einem Problem umzugehen. Der Zuhörer sollte lediglich wiedergeben, was er heraushört und keine
Ratschläge, Kritik oder Urteile einfließen lassen.
Bei Willenseinklang des Kindes mit den Eltern erfolgt stolzer Gehorsam. Man sollte nur das Nötigste
gebieten und zwar in freundlichem Ton. Den Trotz darf man nicht brechen, sondern muss ihn als Drang
verstehen, einer Nötigung zu widerstehen und später der freien Gewissensentscheidung gehorchen zu
können. Oftmals hilft es, frühere Leistungen des Kindes anzuerkennen und damit den Stolz auf sich
selber zu wecken. Dann kann man dem Kind die Chance zum Gehorsam geben durch gemeinsames Tun
und später der Frage: Machst du es selbst oder muss ich es tun? Weißt du es selbst, oder muss ich erst
sagen, was nun geschehen soll?
9.2
9.2.1
Der Umgang mit Fehlern des Kindes
Klärendes Gespräch und logische Konsequenz
Der richtige Weg mit den Fehlern des Kindes umzugehen ist, seine Meinung klar und bestimmt zu
vertreten, ohne sich aus der Ruhe bringen zu lassen, sich aufzuregen oder zu rechtfertigen. Den Grund für
den Ärger soll man erklären, damit das Kind die Chance hat zu verstehen, warum etwas nicht erlaubt ist.
Alternativen anbieten, falls möglich. Sätze, die mit „Ich“ beginnen und ausdrücken, welche Folgen
entstanden sind und wie den Eltern deshalb zumute ist, können Kinder nachvollziehen. Sie geben ihnen
die Möglichkeit, sich anders zu verhalten. Die Kinder wollen die Anerkennung ihrer Eltern gewinnen und
behalten, das ist ein ganz wesentlicher Grund für ihre Kooperationsbereitschaft. Wie brauchen Eltern, die
ihnen auf halbem weg entgegenkommen, ihre Erwartungen begründen und erklären, so dass ein Kind mit
der Zeit immer mehr Einsicht entwickeln kann. Der Wunsch nach Selbständigkeit und Anerkennung ist
ein großer Anreiz, einsichtiger und vernünftiger zu werden. Wenn entnervte Eltern schreien, ihr Kind
herabsetzen oder gar schlagen, geht dieser Anreiz verloren. Wenn wir ärgerlich strafen, hält das Kind
zudem unseren Ärger für den Grund der Strafe und nicht ihr Verhalten. Drohungen verletzen zudem. Der
Ärger überträgt sich auf das Kind, es wird trotzig und kämpft mit Unarten und Geschrei. Also nicht mit
Hast reagieren, sondern den Ärger abklingen lassen, mitfühlen/mitleiden und nach einer hilfreichen
Reaktion suchen, während man das Kind z.B. liebevoll festhält. Dann dem Kind ruhig sagen, dass das
nicht geduldet wird, ihm in die Augen schauen, evtl. Hände auf den Rücken legen lassen zur besseren
Konzentration.
Man kann dem Kind wenn es sich beruhigt hat an einem ruhigen Ort folgende Fragen stellen:
Was war los, was hast du gemacht?
Was hast du dabei gedacht und gefühlt, warum hast du es gemacht?
Was denkst du, hättest du anders machen sollen?
Wie willst du das wieder in Ordnung bringen?
Dann das Kind aussprechen lassen, was es lernen soll. Dem Kind zeigen: Jetzt hast du etwas Wichtiges
gelernt. Danach wieder freundlich sein und mit dem Kind lachen.
Im Wiederholungsfall muss eine natürliche Konsequenz folgen, eine eingesehene Wiedergutmachung
oder der Entzug von Rechten (z.B.: erst nach dem Aufräumen darf wieder gespielt werden) Die
Konsequenzen sollten bezogen auf die Sache sein. Bsp.: Wurde etwas absichtlich kaputt gemacht, wird
das Geld durch Einsparungen bei Naschereien ersetzt. Macht das Kind die eigenen Sachen kaputt, ist das
seine Sache. Sie werden aber nicht ohne Anlass ersetzt. Eigenverantwortung lernen die Kinder am besten
aus den Folgen, die sich aus ihrem Verhalten ableiten lassen. Wer mit dem Essen herumspielt, ist wohl
satt und kann aufstehen. Wer seinen kleinen Bruder ärgert, kann nicht mehr mitspielen. Wer sein
Taschengeld an einem Tag auf den Kopf gehauen hat, ist für den Rest der Woche pleite. Sinnvolle Folgen
eines Regelverstoßes sind für Kinder einsichtig und helfen ihnen, Regeln durch Reflektion der Folgen in
eigener Entscheidung einzuhalten.
Bei Missgeschicken darf man nicht strafen und schimpfen, sondern trösten. Das Kind muss vieles erst
noch lernen, so wie wir es einst lernen mussten.
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9.2.2
Die Wirkung von Schlägen und Demütigungen
Wenn wir ein Kind niederschreien, es ohrfeigen oder beschimpfen, reagieren wir uns nur ab. Das Kind
fühlt sich schlecht, wertlos, unfähig und ohnmächtig. Aber gelernt hat es nichts Wünschenswertes: Der
Stärkere setzt sich mit Gewalt durch. Es wird später ebenso unbeherrscht mit Konflikten umgehen, wie
sie es ihm vorgemacht haben. Schläge und Ohrfeigen machen Angst und Angst macht dumm. Sie halten
Kinder zwar kurzfristig davon ab, etwas Verbotenes zu tun, sind jedoch kein Schutz vor diesem
Verhalten, wenn das Kind sich unbeobachtet fühlt, da die Unterlassung nicht aus Einsicht erfolgt sondern
nur Folge des ausgeübten Druckes war. Und das Kind fühlt sich gedemütigt und in seiner Würde verletzt.
Diese Art Schmerz hält auch noch an, wenn die Wange oder der Po schon längst nicht mehr wehtun. Das
Kind fühlt sich von denen gekränkt und verletzt, die es am meisten liebt und denen es am meisten
vertraut. Es fühlt sich als Person abgelehnt, abgewertet und schlecht. Daran hat das Kind oft ein Leben
lang zu knabbern. Es wird selbst zu Gewalt neigen. Wiederholt sich diese Art der Bestrafung häufig,
stumpft es irgendwann ab gegen Schläge, weil es sonst zu wehtäte. Gedemütigte Kinder versuchen
zudem, ihr ramponiertes Selbstwertgefühl wieder aufzupolieren, indem sie vor Stärkeren kuschen und
Schwächere schlagen. Sie rächen sich oft an den Eltern, indem sie ihre wunden Punkte treffen (z.B.
trödeln, wenn Mama Eile hat, am Essen nörgeln, wenn sie sich große Mühe gegeben hat…) und ihre
Eltern mit schlechtem Benehmen in Verlegenheit bringen. Es droht ein unheilvoller Kreislauf von
Verweigerung und neuen Strafen, die immer härter ausfallen, bis die Eltern früher oder später diesen
Machtkampf verlieren müssen, indem das Kind die Koffer packt und auszieht. Dann ist es womöglich für
immer verloren gegangen und Zwang und Vorwürfe bewirken gar nichts mehr. Wenn Eltern dann
anfangen wollen, das Kind auf den richtigen Weg zu bringen, ist es bereits zu spät. Vorbeugen lohnt sich.
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Zusammenfassung: 10 Regeln für eine erfolgreiche Erziehung
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Bedingungslose Zuneigung zeigen und sich Zeit nehmen
Dinge mit Gelassenheit und Humor nehmen; meist handelt es sich nur um Phasen
Sich einfühlen in das Kind und seine Bedürfnisse ernst nehmen
Sich bevor man handelt fragen: Was lernt mein Kind aus meinem Verhalten?
Und: Warum ärgere ich mich so und um was geht es wirklich? Dauerhafte Lösungen
suchen, , Regeln aufstellen die Stress abbauen
Gemeinsames finden von Lösungen und Kompromissen, mit denen alle gut leben
können; Verständnis für die Wünsche des Kindes zeigen und es in die Entscheidungen
einbeziehen
Dem Kind einen Vorschuss an Vertrauen entgegenbringen
Respektieren der Persönlichkeit des Kindes, keine Demütigungen
Grenzen ruhig und bestimmt Setzen, Erwartungen deutlich Aussprechen, berechenbar
sein
Übertragen von (altersgemäßen) Aufgaben und Verantwortung
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