Kinder psychisch kranken Eltern

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Anlage zur Vorlage-Nr. 12/3914 – Sitzung KrhA 2 am 13.01.2009
Hilfen für Kinder psychisch kranker Eltern
Angebote des LVR-Klinikums Kliniken Düsseldorf
Kliniken der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Gliederung
1. Ausgangslage
2. Hintergrundinformation / Rahmenbedingungen
3. Angebote / Projekte im Einzugsbereich des LVR-Klinikums Düsseldorf
3.1 Klinikinterne Unterstützungsangebote
3.1.1 Angebote der Fachabteilungen der Erwachsenenpsychiatrie
3.1.2 Angebote der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie
3.2 Klinikexterne Unterstützungsangebote und Kooperationen
4. Konzeptionelle Grundlagen der Projekte
5. Aktueller Stand der Angebote / Projekte
6. Finanzierung der Projekte
7. Ausblick / Weiterentwicklung
1
1. Ausgangslage
Mit Vorlage 12/2887 wurde am 22.01.2008 dem Krankenhausauschuss 2, mit Vorlage
12/2887/1 am 01.04.2008 dem Sozialausschuss und am 17.04.2008 dem
Landschaftsausschuss
und
mit
Vorlage
12/2887/2
in
allen
weiteren
Krankenhausauschüssen und dem Gesundheitsausschuss in den Sitzungsterminen vom
05.05.2008 bis 09.05.2008 über die Hilfen für Kinder psychisch kranker Eltern in den
Rheinischen Kliniken Langenfeld berichtet.
Mit Beschlüssen der Krankenhausausschüsse und des Gesundheitsausschusses aus der
Sitzungsrunde im Mai 2008 wurden die einzelnen LVR-Kliniken aufgefordert, über die Hilfen
für Kinder psychisch kranker Eltern in den jeweiligen Kliniken zu berichten. Diese Berichte
sollen im Januar 2009 vorgelegt werden.
Der Landschaftsausschuss hat in seiner Sitzung am 12.09.2008 folgenden Beschluss
gefasst:
„ Die Verwaltung wird beauftragt,
1. ein flächendeckendes ambulantes Angebot für Kinder psychisch kranker Eltern im
Rheinland in Kooperation mit den Kommunen zu initiieren. Hierbei ist insbesondere die
Zuständigkeit der Jugendhilfe zu berücksichtigen.
2. die bestehenden Projekte Kipkel, KIPS und KIK Lev so zu unterstützen, dass sie ihre
Arbeit erfolgreich fortsetzen können und eine dauerhafte Finanzierung sichergestellt ist.
3. Der Sozialausschuss und der Landesjugendhilfeausschuss sind zu beteiligen. Sie sollen
die Maßnahme begleiten.“
Die Verwaltung wird gemäß o. g. Beschlusslage im Nachgang zu den Berichten der
einzelnen LVR-Kliniken über die Hilfen für Kinder psychisch kranker Eltern in den jeweiligen
Kliniken und über die Möglichkeit der Initiierung eines flächendeckenden Angebotes im
Rheinland berichten.
Die einzelnen Berichte aus den LVR-Kliniken werden u. a. hinsichtlich der vorhandenen
bzw. anzustrebenden Qualitätsstandards für Hilfen für Kinder psychisch kranker Eltern in
den LVR-Kliniken ausgewertet.
Die Ergebnisse werden in die Eckpunkte eines Rahmenkonzeptes zu den Hilfen für Kinder
psychisch kranker Eltern für das Rheinland aufgenommen.
Die bisherige Beschlusslage zu den Projekten in Zusammenarbeit mit der LVR-Klinik
Langenfeld und dem Paten-Projekt Köln in Zusammenarbeit mit der LVR-Klinik Köln wird
dazu eine wichtige fachliche, finanzielle und organisatorische Grundlage sein.
Mit dieser Vorlage wird über Hilfen für Kinder psychisch kranker Eltern im LVR-Klinikum
Düsseldorf berichtet.
2
2. Hintergrundinformationen / Rahmenbedingungen
Nach Angaben des Bundesgesundheits-Surveys (2004, vgl. Wittchen & Jacobi 2005)
erkrankt jeder dritte erwachsene Deutsche im Laufe seines Lebens an einer psychischen
Störung. Ein Großteil dieser Personen hat Kinder. In einer konsekutiven Erhebung (Lenz
2005) von zwei psychiatrischen Kliniken über einen Zeitraum von sechs Monaten lag der
Anteil erwachsener Patienten mit Kindern unter 18 Jahren bei 27%.
Kinder von psychisch kranken Eltern sind besonderen Belastungen und Beeinträchtigungen
ausgesetzt und tragen ein bis um das vierfache erhöhtes Risiko, selber an einer
psychischen Störung zu erkranken. In kinder- und jugendpsychiatrischen
Inanspruchnahmepopulationen lebt bis zur Hälfte der behandelten Kinder und Jugendlichen
bei einem psychisch kranken Elternteil (Mattejat & Remschmidt 2008). Eine
Stichtagserhebung der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie des LVR-Klinikums
Düsseldorf im November 2008 ergab, dass bei 55 % der behandelten Kinder und
Jugendlichen
der
Kinderstation
und
Tagesklinik
die
Eltern
sich
in
psychiatrisch/psychotherapeutischer Behandlung befanden bzw. befinden.
Etwa 3 bis 4 Millionen Kinder und Jugendliche leben in Familien, in denen mindestens ein
Elternteil suchtmittel-, insbesondere alkoholabhängig ist. (Schätzung Dachverband Drogen
und Rauschmittel e. V. 2005). Etwa 50.000 Kinder und Jugendliche haben Mütter und /oder
Väter, die drogenabhängig sind. Rechnet man die geschätzte bundesweite Anzahl von
Kindern auf die Anzahl von Kindern in Düsseldorf um, so dürften hier etwa 1000 Kinder
leben, deren Mütter oder Väter Drogen konsumieren.
Neben anlagebedingten Faktoren
insbesondere angeführt werden:








können
als
psychosoziale
Belastungsfaktoren
Ein Lebensalltag, der längere Zeit durch die psychische Erkrankung oder Sucht des
Elternteils geprägt ist, bei gleichzeitiger Tabuisierung der Problematik.
Umkehr im familiären Rollengefüge (Die Kinder übernehmen Verantwortung für Ihre
Eltern, Stichwort: Paternalisierung)
Erfahrung familiärer Gewalt
Eingeschränkte objektive Lebensbedingungen
Teilweise unzureichende physische und emotionale Versorgung der Kinder
Inadäquate Unterstützung und soziale Isolation
Schuldgefühle, weil die Kinder glauben, sie seien verantwortlich für die psychischen
Probleme der Eltern.
Leben in Angst vor Trennung durch längere Krankenhausaufenthalte
Andererseits zeigen verschiedene Studien zur Resilienzforschung, dass auch bei
ungünstigen familiären und sozialen Konstellationen Kinder in der Lage sind, schwere
Krisen zu meistern.
Schutzfaktoren – hierunter versteht man Faktoren, die das Risiko verringern, selbst klinisch
relevante Symptome zu entwickeln – sind hierbei:
 Ein robustes, aktives Temperament
 Emotional sichere Bindungen
sowie u. a.
 Eine ausreichende dem Alter und der Entwicklung angemessene Aufklärung über
die Erkrankung und Behandlung
 Das Erleben von Selbstwirksamkeit
 Der Umgang des erkrankten Elternteils mit der Erkrankung
 Umfang und Qualität des sozialen Netzwerkes
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Die Existenz eines sozialen Netzes aus Verwandten und Freunden, aber auch aus außen
stehenden Personen und sozialen Institutionen wie Freunden, Lehrern, Pädagogen und
Erziehern kann in Krisensituationen einen Rückhalt bieten und wesentlich zur Resilienz
beisteuern. Es trägt weiter zur unmittelbaren Problemreduktion bei und kann gleichzeitig als
Modell wirken für ein aktives und konstruktives Bewältigungsverhalten (vgl. Lenz 2005).
3. Angebote / Projekte im Einzugsbereich des LVR-Klinikums Düsseldorf
Das LVR-Klinikum Düsseldorf – Kliniken der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf bietet
auf verschiedenen Ebenen Angebote für psychisch kranke Eltern und deren Kinder an.
Sie lassen sich unterteilen nach speziellen Unterstützungsangeboten innerhalb der
verschiedenen Fachabteilungen des LVR-Klinikums (interne Unterstützungsangebote) und
Kooperationsprojekten mit verschiedenen Jugendhilfeträgern und dem Jugendamt der
Stadt Düsseldorf (externe Unterstützungsangebote).
3.1 Klinikinterne Unterstützungsangebote
3.1.1 Angebote der Fachabteilungen der Erwachsenenpsychiatrie
(Allgemeine Psychiatrie und Psychotherapie, Abhängigkeitserkrankungen, Klinik für
Psychosomatische Medizin und Psychotherapie)
Aufnahmesituation
Schon bei Aufnahme wird in den einzelnen Abteilungen der Klinik die Familienkonstellation
mit einem besonderen Fokus auf vorhandene Kinder erhoben. Im Rahmen der Anamnese
wird routinemäßig die psychosoziale Versorgungslage der Kinder erhoben. Geplant ist eine
Erweiterung der BADO-Items zur Erfassung entsprechender Informationen (z. B. Anzahl
der Kinder unter 18 Jahren, Schulbesuch, Betreuungsstatus etc.) sowie eine Integration
dieser Informationen ins KIS-System. Psychisch kranke Eltern erhalten das Angebot, sich
in der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) beraten zu lassen. Die Abteilung
KJP wird über das KIS-System direkt über einen möglichen Unterstützungsbedarf von
Kindern informiert.
Fallkonferenzen
Dreimal jährlich finden gemeinsame Fallkonferenzen der Fachabteilungen des
Erwachsenenbereichs und der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie zur Optimierung
der Behandlungsplanung für die betroffenen Familien statt. Hierzu werden ggf. externe
Kooperationspartner eingeladen.
Gemeinsame Aufnahme von Eltern und Kind
Die Fachabteilung Allgemeine Psychiatrie bietet Aufnahmemöglichkeiten für Mütter und
Kinder (auch Säuglinge) an. Dieses Angebot gilt insbesondere bei Psychoseerkrankungen
und depressiven Erkrankungen. Das Behandlungsangebot einer gleichzeitigen Aufnahme
und Behandlung von Mutter und Kind gleich nach der Geburt schließt für die betroffenen
Frauen einen wichtigen Behandlungsengpass, da viele Mütter nach Erkrankung an einer
postpartalen Depression oder Psychose oft in dem Dilemma sind, sich von ihrem Kind
trennen oder die Behandlung zurückstellen zu müssen.
In der Tagesklinik Moorenstraße der Abteilung Allgemeine Psychiatrie besteht an
Wochenenden und Feiertagen die Möglichkeit, Kinder mit zur Behandlung zu bringen.
Psychoedukative Beratungs- und Gruppenangebote
In den verschiedenen Fachabteilungen existiert ein vielfältiges psychoedukatives
Gruppenangebot z. B. für depressiv Erkrankte oder an einer Psychose erkrankte Personen.
Innerhalb dieses Therapieangebotes wird auf die besondere Situation der Kinder im
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Haushalt eingegangen. Die Angebote können sowohl während der stationären Behandlung,
als auch tagesklinisch und ambulant wahrgenommen werden.
In der psychiatrischen Ambulanz der Moorenstraße wird eine türkischsprachige
Psychoedukation für depressiv Erkrankte angeboten.
Die Migrationsambulanz der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie sowie
die multikulturelle Ambulanz der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
bieten Beratungsmöglichkeiten für psychisch kranke Eltern in verschiedenen Sprachen an
(russisch, türkisch, kurdisch, serbokroatisch, albanisch, englisch und französisch).
3.1.2. Angebote der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie
Sprechstunde für psychisch kranke Eltern und interaktionszentrierte Mutter-Kindbzw. Eltern-Kind-Therapien
Die Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie bietet bei Bedarf für Eltern, die in den
Fachabteilungen behandelt werden, eine Sprechstunde an. Der Kontakt wird über den
Erwachsenbereich hergestellt. Für Eltern mit Migrationshintergrund wird versucht, ein
Beratungsangebot in der Muttersprache bereitzustellen (z. B. russisch, türkisch, englisch,
französisch).
Zusätzlich wird neben einem bindungsdiagnostischen Angebot eine interaktionszentrierte
Mutter-Kind-Beratung / -Behandlung angeboten, die für Kinder mit frühen
Regulationsstörungen entwickelt wurde. Im Mittelpunkt steht hier die Stärkung der
elterlichen Sensibilität, kindliche Signale wahrzunehmen, sie richtig zu interpretieren sowie
angemessen darauf einzugehen.
Gruppenangebot für Kinder psychisch kranker Eltern
Die Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie stellt seit zwei Jahren in den
Räumlichkeiten der Ambulanz ein ambulantes Gruppenangebot für Kinder psychisch
kranker Eltern zur Verfügung. Die Inhalte sind je nach Alterszusammensetzung der
Teilnehmer (Kinder oder Jugendliche) auf den jeweiligen Entwicklungsstand zugeschnitten.
Neben Informationen zur Erkrankung der Eltern wird ein Schwerpunkt auf die Förderung
und Stärkung der sozialen Kompetenzen der Kinder gelegt (Empowerment, vgl. Lenz 2005,
2008). Ferner haben sie die Möglichkeit, Antworten auf für sie wichtige Fragen zu erhalten,
die in der eigenen Familie tabuisiert werden (Warum ist Mama manchmal so komisch? Bin
ich schuld, dass Papa krank ist? Kann ich das auch bekommen?).
Fortbildung für Mitarbeiter zum Themenbereich
Für Mitarbeiter des ärztlichen / therapeutischen Dienstes sowie des Pflege- und
Erziehungsdienstes gibt es ein regelmäßiges Fortbildungsangebot zum Themenbereich (z.
B. Vorstellung von Präventionsprojekten). Die Bibliothek des LVR-Klinikums Düsseldorf
erweitert kontinuierlich die Fachliteratur zum Themenbereich.
Ergänzend zur Fachliteratur ist geplant, die einzelnen Fachabteilungen mit Kinder- und
Jugendbüchern zum Thema auszustatten.
Bereitstellung Eltern-Kind-gerechter Besuchsmöglichkeiten
Im Bereich der Erwachsenenpsychiatrie (Haus 13) ist die Ausstattung eines kind- und
familiengerechten Besucherraums bzw. Spielzimmers geplant (bequeme Sitzmöglichkeiten,
Ausstattung mit Spielmaterialien, Möglichkeiten zum Wickeln etc.).
3. 2 Klinikexterne Unterstützungsangebote
Kinder, die in ihrer Alltagsbewältigung durch die psychische Erkrankung eines Elternteils
einen hohen Unterstützungsbedarf haben, erhalten angepasst an ihre individuelle Situation
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Hilfestellungen, damit sie auch durch einen längeren Krankenhausaufenthalt eines
Elternteils ihre sozialen Bezüge nicht verlieren bzw. diese erweitern können.
Hilfekonzepte werden gemeinsam mit den Familien, Vertretern der klinischen
Fachabteilungen,
dem
Jugendamt
und
verschiedenen
Jugendhilfeträgern
zusammengestellt.
Bezogen auf den speziellen Unterstützungsbedarf wird ein ganzheitliches Hilfekonzept
entwickelt, bei dem fachärztliche Behandlung und Psychotherapie mit verschiedenen
Angeboten der Jugendhilfe vernetzt werden.
Seit etwa zwei Jahren werden verschiedene Kooperationsmodelle entwickelt, die die
Situation von Kindern psychisch kranker Eltern verbessern sollen.
Koordiniert werden die Angebote durch eine Steuerungsgruppe, die sich zusammensetzt
aus Vertretern der Jugendhilfe bzw. der verschiedenen Jugendhilfeträger, des
sozialpsychiatrischen Dienstes sowie Mitarbeitern der Kliniken für Erwachsenenpsychiatrie
und Kinder- und Jugendpsychiatrie. Ziele der verschiedenen Angebote sind, allgemeine
Entwicklungsrisiken der Kinder und Jugendlichen zu senken, sowie deren soziale
Kompetenzen und deren psychische Stabilität zu stärken.
Folgende Kooperationen mit klinikexternen Unterstützungsanbietern existieren:
Präventionsprojekt „Zukunft für Kinder in Düsseldorf“
Das LVR-Klinikum Düsseldorf ist eine der kooperierenden Kliniken in dem
Präventionsprojekt „Zukunft für Kinder“. Hierbei handelt es sich um ein Angebot der
Gesundheits- und Jugendhilfe für Familien mit Säuglingen und Kleinkindern (0 bis 3 Jahre),
die an einer chronischen Erkrankung oder Behinderung leiden bzw. von ihr bedroht sind,
oder die aus psychosozial belasteten Familien stammen. Durch frühzeitige individuelle
Unterstützungsangebote, Förderung und Betreuung kann ein Teil möglicher
Langzeitdefizite kompensiert werden. Hierbei ist eine multiprofessionelle Betreuung
erforderlich, die die unterschiedlichen Entwicklungsaspekte der Kinder erfasst und diese in
geeigneter Form fördert.
Bei Aufnahme in die Klinik weisen die aufnehmenden Kollegen auf das Präventionsprojekt
hin und geben Informationen (Sprechstunden in der Klinik, Unterstützungsangebote etc.)
an die Eltern weiter. Die Teilnahme an dem Projekt ist für die Eltern freiwillig.
Im Rahmen dieses Projektes bietet die psychiatrische Ambulanz des LVR-KLinikums
Düsseldorf in der Tagesklinik Moorenstraße psychisch kranken oder auffälligen Eltern
innerhalb weniger Stunden eine psychiatrische Behandlung an, ohne Wartezeiten.
Psychisch kranke Eltern werden auf Unterstützungsmöglichkeiten durch das Jugendamt
und Jugendhilfeträger hingewiesen. Eine sofortige Kontaktaufnahme durch die jeweiligen
Unterstützungsanbieter kann angeboten werden.
Ein spezielles Informationsblatt zu Unterstützungsmöglichkeiten durch die Jugendhilfe für
psychisch kranke Eltern (Patienteninformation) wird derzeit vom Jugendamt Düsseldorf
erstellt.
Kooperation mit Kipkel e. V. Kreis Mettmann
Die Abteilung KJP bietet als pflichtversorgende Klinik für den Kreis Mettmann für Kinder
und Jugendliche und deren Eltern sowie für Mitarbeiter von Kipkel (Präventionsprojekt für
Kinder psychisch kranker Eltern) ambulante Sprechstunden und ebenso kinder- und
jugendpsychiatrische Diagnostik an. Die Sprechstunde findet in der Regel in den
Räumlichkeiten der KJP statt, kann jedoch auch ortsnah im Gesundheitsamt Hilden
durchgeführt werden.
Kooperation mit dem Kinderhilfezentrum Düsseldorf
Eine sichere Betreuung im sozialen Umfeld der Familien wird gewährleistet durch
Bereitstellung eines Kitaplatzes oder Ermöglichung einer Ganztagsbeschulung, ggf. ist
auch der Einsatz von speziell geschulten Betreuungsfamilien möglich. Durch die
Kopperation mit dem Kinderhilfezentrum Düsseldorf können psychisch kranke Eltern im
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LVR-Klinikum Düsseldorf stationär behandelt werden, während die Kinder im
Kinderhilfezentrum betreut werden. Regelmäßige Besuche von Eltern und Kindern werden
durch Mitarbeiter des Zentrums und der Klinik koordiniert.
Ein ambulantes therapeutisches Gruppenangebot für Kinder und Jugendliche sowie eine
ambulante Elternsprechstunde in den Räumlichkeiten des Kinderhilfezentrums ist geplant.
Dieses Angebot wendet sich an Kinder und Jugendliche sowie psychisch kranke Eltern, die
sich bisher noch nicht oder nicht mehr in Behandlung befinden. Start der Gruppe und der
Sprechstunde ist für Januar 2009 vorgesehen. Das Gruppenkonzept soll Berührungsängste
vor der Psychiatrie abbauen und vermittelt neben einer Stärkung der Selbstwirksamkeit
psychoedukative Elemente, Stressbewältigungsstrategien und eine Stärkung der sozialen
Kompetenzen.
Kooperation mit der Jugendhilfe Düsseldorf
Eine Unterstützung im Familienalltag erfolgt durch sozialpädagogische Familienhilfe,
koordiniert über die Bezirkssozialdienste. Über die Klinik wird eine spezielle Fortbildung
zum Thema „Kinder psychisch kranker Eltern“ für Mitarbeiter der Jugendhilfe durch die KJP
angeboten.
4. Konzeptionelle Grundlagen der Projekte
Die vorgestellten Projekte greifen konzeptionell die Ergebnisse aktueller Studien über
Risiko- und Schutzfaktoren auf (Resch 1996) sowie zum Themenbereich „Kinder psychisch
kranker Eltern“ (vgl. Lenz 2005, 2008).
Als Grundlage einer erfolgreichen Prävention lassen sich drei Komponenten ableiten:
Neben einer qualifizierten und effektiven Behandlung der elterlichen Erkrankung sind dies
psychoedukative Interventionen und spezielle Hilfen, die an die jeweilige Situation der
Familie angepasst sind und nach genauer Indikationsstellung erfolgen sollten. Hierzu
zählen zum Beispiel psychotherapeutische Unterstützung, sozialpädagogische Hilfen oder
spezielle Gruppen- und Betreuungsangebote (vgl. Mattejat & Remschmidt 2008).
Aus dieser Erkenntnis ergibt sich für die Praxis die Notwendigkeit einer engen
Zusammenarbeit zwischen den an den Behandlungs- und HiIfeprozessen beteiligten
Stellen der allgemeinen Psychiatrie und Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Fachkräften
der Jugendhilfe, aber auch der Schulen und Kindertagesstätten. Dadurch wird erreicht,
dass ein speziell auf die Zielgruppe psychisch kranker Eltern und deren Kinder
zugeschnittenes tragfähiges Unterstützungsangebot im Sinne ganzheitlicher Hilfen
entwickelt wird. Diese enge Zusammenarbeit soll im LVR-Klinikum Düsseldorf gewährleistet
sein und mit dem hier vorgestellten Projekt optimiert werden.
Die konzeptionelle Grundlage des Projektes stellt aus diesem Grunde eine Vernetzung der
Angebote in den Mittelpunkt. In Düsseldorf sind unterschiedliche Hilfsangebote für Kinder
psychisch kranker Eltern vorhanden, doch kann die Vernetzung und Kommunikation
zwischen den Angeboten optimiert werden. Dadurch wird im Sinne der Prävention eine
Verbesserung der Versorgung und Unterstützung von Kindern psychisch kranker Eltern
sichergestellt.
5. Aktueller Stand der Angebote/ Projekte
Die internen und externen Angebote wie Sprechstunden und Gruppenangebote,
gemeinsame Eltern-Kind-Behandlung, abteilungsübergreifende Fallkonferenzen sowie
Kooperationen mit der Jugendhilfe werden bereits durchgeführt:

So wird die Sprechstunde für psychisch kranke Eltern in der Abteilung für KJP seit
zwei Jahren
regelmäßig angeboten. Bei Anfragen aus dem Bereich der
Erwachsenenpsychiatrie wird kurzfristig ein Beratungsgespräch angeboten. Bei
7



Bedarf wird dann gemeinsam das weitere Vorgehen festgelegt (z. B. Einzel-, Paaroder Familiengespräche, Einzelgesprächsangebot für Kinder und Jugendliche,
Erziehungsberatung, kinder- und jugendpsychiatrische Diagnostik und Behandlung,
Eltern-Kind-Behandlung).
Die Clearing-Stelle „Zukunft für Kinder“ hat die Klinikabteilungen in das
Anmeldesystem eingeführt. Das Projekt ist in den einzelnen Abteilungen der
Erwachsenenpsychiatrie
vorgestellt
und
implementiert.
Eine
Kooperationsvereinbarung steht kurz vor dem Abschluss.
Die Ergänzung der BADO um Items, die die Versorgung und Betreuung von Kindern
mit einem psychisch kranken Elternteil erfassen, sowie eine Integration
entsprechender Informationen ins KIS-System sind an die entsprechende Stelle der
Trägerverwaltung des Landschaftsverbandes Rheinland weitergeleitet worden.
Die Ausstattung eines Eltern-Kind-gerechten Besucher- und Spielraums ist aktuell in
Planung und wird im Rahmen der vorgesehenen Umbaumaßnahmen für die Häuser
13 und 14 berücksichtigt. Derzeit können bei Bedarf geeignete Räumlichkeiten in
der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und
Psychotherapie zur Verfügung gestellt werden.
Trotz der schon vorhandenen Kooperationen ist eine engere Verzahnung und die
Implementierung eines Behandlungspfades zur besseren Versorgung von Kindern
psychisch kranker Eltern dringend geboten. Dazu gehört insbesondere die Möglichkeit,
auch bei stationär behandlungsbedürftigen Eltern den Kontakt zu den Kindern aufrecht zu
erhalten.
Folgender Behandlungspfad scheint hierzu sinnvoll:







Aufnahme eines psychisch kranken Elternteils, falls notwendig gleichzeitige
Aufnahme der Kinder (z. B. Mutter-Kind-Station nach der Entbindung).
Information über Projekt „ Zukunft für Kinder“ durch den jeweiligen Sozialarbeiter
Falls notwendig (z. B. bei allein erziehenden, stationär behandelten
Patienten/innen), Hausbesuch durch einen Sozialarbeiter und aktive Herstellung
eines Kontaktes der Familie zu ambulanten Unterstürzungsangeboten (gemeinsame
Terminvereinbarung, Begleitung des psychisch kranken Elternteils zum Termin
etc.).
Zusätzlich das Angebot zur Teilnahme am ambulanten Gruppenangebot der KJP für
Kinder psychisch kranker Eltern (Kinder bzw. Eltern und Kinder).
Bei Auffälligkeiten seitens der Kinder Angebot der ambulanten Mitbehandlung in der
Ambulanz der KJP.
Im Rahmen der Fallkonferenzen Absprachen zur Sicherung der psychischen
Stabilität der psychisch kranke Eltern und deren Kindern: Z. B. besonders
engmaschige individualisierte Behandlung der Eltern sektorübergreifend (stationär,
teilstationär, ambulant), Teilnahme an psychoedukativen Gruppenangeboten für
psychisch
kranke
Eltern,
konsequenter
Einbezug
der
externen
Unterstützungsanbieter (Jugendamt etc.).
Abstimmung des individuellen ambulanten Behandlungspfades zur langfristigen
Sicherung der psychischen Stabilität unter Einbeziehung aller notwendigen
Angebote nach Entlassung mit den psychisch kranken Eltern und den Kindern. Ggf.
Unterstützung bei Terminvereinbarungen, Sicherstellung des Transportes zu
bestimmten Therapie- und Unterstützungsangeboten sowie Hilfe bei Gesprächen
mit Schulen, Kitas etc. die, falls notwendig, vor der Entlassung zu führen sind.
6. Finanzierung der Projekte
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Die bisher vorgestellten Angebote, Projekte bzw. Vorarbeiten werden aus Mitteln der Klinik
bereitgestellt. Hier wäre es zu begrüßen, wenn finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten zur
Verfügung gestellt würden:



Fortbildungen zum Themenbereich Kinder psychisch kranker Eltern und
interaktionszentrierte Mutter-/Eltern-Kind-Therapie pro Jahr, insbesondere für den
Sozialdienst
Ambulantes Gruppenangebot für Kinder psychisch kranker Eltern
Koordination der Hilfen und Case Management für Kinder psychisch kranker Eltern
mit dem Projekt „Zukunft für Kinder in Düsseldorf“, Sicherstellung der Annahme von
Unterstützungsangeboten für Kinder in Düsseldorf, Vorbereitung der
Fallkonferenzen etc. durch einen Sozialarbeiter / eine Sozialarbeiterin
7. Ausblick / Weiterentwicklung
Die bestehenden Angebote sollen weiter ausgebaut und fester Bestandteil des
Behandlungsangebotes werden. Durch die Implementierung eines Behandlungspfades für
die schwierige Situation des Kindes eines psychisch kranken, stationär
behandlungsbedürftigen
Elternteils
wird
insbesondere
die
netzwerkbezogene
Zusammenarbeit weiter intensiviert. Es wird sichergestellt, dass routinemäßig auch wirklich
allen Kindern psychisch kranker Eltern ein Unterstützungsangebot (z. B. Zukunft für Kinder,
Gruppe in der KJP usw.) unterbreitet wird, und dass bei mangelnder
Umsetzungskompetenz der psychisch kranken Eltern (z. B. Termine vereinbaren etc.)
dieses vom Case Manager (Sozialarbeiter/in) unterstützt wird.
Die bereits vorhandenen Angebote der Hilfen für Kinder psychisch kranker Eltern werden
durch die engere Abstimmung und Verzahnung aller Elemente im Rahmen eines
Behandlungspfades und der Etablierung eines Case Managers also sinnvoller genutzt und
für die Kinder einfacher und übersichtlicher gestaltet. Der regelmäßige Kontakt zwischen
allen Anbietern wird gestärkt und die Prozesse und Ergebnisse der Zusammenarbeit
werden transparenter gemacht (Fallkonferenzen u. a.). Die Angebote (klinikintern und extern) sind für alle Unterstützungsanbieter somit einfacher zu beurteilen und anzuwenden,
und so für die Kinder – was das wesentliche Ziel ist – leichter zugänglich.
Anhang
Literaturliste: Kinder psychisch kranker Eltern
Lenz, A. (2005). Kinder psychisch kranker Eltern. Göttingen: Hogrefe
Lenz, A. (2008). Interventionen bei Kindern psychisch kranker Eltern. Göttingen: Hogrefe.
Mattejat, F. & Remschmidt, H. (2008). Kinder psychisch kranker Eltern. Deutsches
Ärzteblatt, 23, 413-418.
Wittchen, H.-U. & Jacobi, F. (2005). Size and burden of mental disorders in Europe – a
critical review and appraisal of 27 studies. European Neuropsychopharmacology, 15, 357376.
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