Schlüsselkompetenzen für Erzieherinnen und Erzieher
Entwurf
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
1
die Bundesmitgliederversammlung hat den vorliegenden Text als Entwurf der
2
Schlüsselkompetenzen für Erzieherinnen und Erzieher beschlossen. Gleichzeitig
3
wurde beschlossen, diesen Entwurf ins Netz zu stellen, um eine breite Diskussion zu
4
ermöglichen.
5
Dieser Entwurf wird zur breiten Diskussion bis Ende September 2014 auf der
6
Webseite des DBSH (www.dbsh.de) gestellt. Interessierte haben die Möglichkeit
7
ihrer Meinung abzugeben. Die Projektgruppe befasst sich mit den Eingaben und legt
8
2015 dem Erweiterten Bundesvorstand des DBSH eine Endfassung zur endgültigen
9
Beschlussfassung vor.
10
Wir bitten Sie Veränderungsvorschläge bitte mit genauer Seiten- und Zeilenangabe
11
redaktionell ausformuliert an den Leiter des Projekts Friedrich Maus möglichst per
12
Email zu schicken ([email protected] ).
13
Wir freuen uns auf interessante Diskussionsbeiträge.
14
Mannheim, den 8. April 2014
15
Friedrich Maus
16
17
Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands
Sprecher des Funktionsbereichs Fach- und Sozialpolitik
18
1
c/o Friedrich Maus, Mail: [email protected], DBSH-Bundesgeschäftsstelle, Michaelkirchstraße 17/18, 10 179 Berlin
Schlüsselkompetenzen für Erzieherinnen und Erzieher
Entwurf
Schlüsselkompetenzen für Erzieherinnen
und Erzieher
Entwurf
(beschlossen von der Bundesdelegiertenversammlung am 23. 3. 2014)
1
2
Vorwort
3
Nach den Schlüsselkompetenzen für Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter legt der
4
Deutsche Berufsverband für Soziale Arbeit e. V. (DBSH) hiermit die Schlüsselkompetenzen
5
für Erzieherinnen und Erzieher vor. Damit mischen wir uns ein in die Diskussion über die
6
Qualifikation der Erzieherinnen und Erzieher in Kindertageseinrichtungen, Kinderkrippen,
7
Kinder- und Jugendeinrichtungen, in Maßnahmen der Hilfen zur Erziehung und
8
Schulen. Die öffentliche Diskussion beschränkt sich leider vorwiegend auf die
9
frühkindlichen Erziehung. Es wird dabei übersehen, dass Erziehung, Bildung und
10
Betreuung in öffentlichen und privaten Einrichtungen nicht mit der Einschulung endet.
11
Unbestritten ist die Bedeutung der ersten Lebensjahre für die Entwicklung von
12
Kleinkindern. Jedoch scheint in der öffentlichen Diskussion im Vordergrund zu
13
stehen, Kinder möglichst früh schon auf das System Schule und dessen Form der
14
Wissensvermittlung und langfristig an der späteren berufliche Karriere auszurichten.
15
Dabei muss es doch gerade darum gehen, Kinder und Jugendliche bestmöglichst in
16
ihrer individuellen Entwicklung zu unterstützen und vorzubereiten auf ein
17
verantwortliches Leben als Erwachsene in einer sozialen und demokratischen
18
Gesellschaft. Dazu gehört die dem jeweiligen Alter angepasste Förderung der
19
individuellen Talente, Begabungen und Fähigkeiten ebenso wie die Einbeziehung
20
von unterschiedliche Erfahrungen Wissen. sowie die Stärkung des
21
Selbstbewusstseins, der Selbstbefähigung und Selbstwirksamkeit mit jeweils dem
2
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Schlüsselkompetenzen für Erzieherinnen und Erzieher
Entwurf
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Alter gemäßen Methoden und Techniken. Erzieherinnen – als sozialpädagogische
2
Fachkräfte – haben die Aufgabe Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zu
3
begleiten, , sie in ihrer Lebenswelt zu verstehen und fördernde und unterstützende
4
Beziehungen zu ihnen zu gestalten. Um Beziehungen befriedigend leben zu können,,
5
bedarf es einer ausgeprägten Kommunikationsfähigkeit, d. h. als sozial Handelnde
6
Kinder und Jugendliche1 helfend zu begleiten und zu einem Leben in Gemeinschaft
7
zu befähigen .
8
Erziehung in diesem Sinne findet in entsprechenden öffentlichen oder privaten
9
Einrichtungen wie z. B. in Kindertageseinrichtungen, Kinder- oder Jugendheimen,
10
Schulhorten oder anderen Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe statt. Aufgrund
11
gesellschaftlicher Veränderungen und vor allem dem veränderten
12
Selbstverständnisses von Frauen, die sich sowohl als Mütter definieren als auch
13
andere Rollen in der Gesellschaft übernehmen, werden Erziehungsaufgaben
14
zunehmend auf öffentliche oder private Einrichtungen delegiert. Eltern erwarten von
15
öffentlichen oder privaten Einrichtungen, dass diese nicht nur Verwahranstalten sind,
16
sondern ihre Kinder kindgerecht betreut werden und kindgemäß gefördert und
17
entsprechend der persönlichen Werte der Sorgeberechtigten unterstützt werden. Sie
18
erwarten, dass ihre Kinder von hochqualifiziertem Fachpersonal betreut werden.
19
Tatsache ist, dass die Erziehungsziele und –inhalte immer wieder an
20
wissenschaftliche Erkenntnisse und gesellschaftliche Entwicklungen angepasst
21
werden müssen. Allerdings muss sich die Profession Soziale Arbeit davor hüten,
22
alles was gerade als envogue gilt, kritiklos zu übernehmen. Die Professionalität zeigt
23
sich daran, dass sie Änderungsforderungen hinterfragt und wertet bevor sie diese
24
entsprechend an an die Moderne anpasst. Dazu ist es hilfreich zu erkennen welche
25
gesellschaftlichen Gruppen und aus welchen Gründen ihre Interessen in die
26
Diskussion einbringen.
27
In einer Zeit, in der starke Einflüsse der Ökonomie auf die Ziele ,
28
Rahmenbedingungen und Arbeitsweise der Sozialprofessionellen Fachkräfte
1
Selbstwirksamkeit = die eigene Wirkung auf andere und die Erfahrung ich kann etwas mit und für andere bewegen.
3
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Schlüsselkompetenzen für Erzieherinnen und Erzieher
Entwurf
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feststellbar sind und sich die professionelle Arbeit mit einem stark verbreiteten
2
Menschenbild des „homo ökonomus“,, müssen die Fachkräfte, aber auch die Lehre
3
der Sozialen Arbeit aufmerksam werden. Sie müssen den Veränderungen in der
4
Sozialpädagogik entgegensteuern, dort wo wirtschaftliches Nützlichkeitsdenken
5
Priorität haben soll und Menschen nur noch als funktionierende Arbeitskraft und als
6
Konsumenten definiert werden. So ist in der beruflichen Praxis zu erleben, dass
7
eines der wesentlichen Fundamente nämlich die Entwicklung und Pflege von
8
Beziehung zunehmend der ökonomisch definierten Effizienz geopfert wird.
9
Beziehungsbildung ist ein wesentliches Mittel für gelingende Hilfe und Erziehung.
10
Erziehen, Gerade bei den Anforderungen an die Erziehungseinrichtungen gilt, dass
11
zwischen den Kindern und Jugendlichen, deren Eltern und den Erzieherinnen bzw.
12
Erziehern ein Vertrauensverhältnis entsteht. Dieses Vertrauensverhältnis zu
13
schaffen, setzt voraus, dass die Fachkräfte die für die jeweilige Beziehungsarbeit
14
notwendige Zeit und ausreichende Gestaltungsmöglichkeiten haben.
15
Die Antwort der Politik und der Profession auf Forderung nach Qualität der Erziehung
16
im öffentlichen Raum ist die Focusierung der Ausbildung auf „frühkindliche
17
Entwicklung“. Dabei wird übersehen, dass erzieherische Fachkräfte eben nicht nur
18
als Unterstützer der „frühkindlichen Entwicklung“ benötigt werden, sondern über die
19
Zeit der gesamten Kindheit und Jugend. Mit diesen Schlüsselkompetenzen soll den
20
gestiegenen Anforderungen an Erzieherinnen und Erziehern durch eine Aus- und
21
Fortbildung Rechnung getragen werden, mit der unabhängig vom Lernort
22
Kompetenzen auf Bachelor-Niveau erworben werden. Diese Ausbildung bietet die
23
Möglichkeit der Höherqualifizierung in verschiedenen Bereichen der
24
Sozialpädagogik. Eine solche systemisch angelegte Professionalisierung des
25
Berufszweiges muss einhergehen mit einer verbesserten Bezahlung, um die
26
Gewinnung von pädagogischem Nachwuchs sicher zu stellen.
27
Eine solche Grundqualifikation unabhängig vom Lernort mit ausreichender
28
Ausbildung in der Praxis ermöglicht im späteren Berufsleben den Zugang zu
29
unterschiedlichen Arbeitsfeldern. Erst nach einer generalistischen Ausbildung kann
4
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Schlüsselkompetenzen für Erzieherinnen und Erzieher
Entwurf
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Spezialwissen in Aufbaustudiengängen, zusätzlichen Fort- und Weiterbildung
2
Spezialwissen erworben werden. Dies trägt zur Attraktivität des Berufes bei und ist
3
wichtiger Anstoß zu lebenslangem Lernen. Letzteres ist mit das wichtigste
4
langfristige Lehr- und Lernziel in der Sozialpädagogik selbst. Wir wollen mit diesen
5
Schlüsselkompetenzen
 potentiellen Erzieherinnen und Erziehern eine Hilfe geben, zur Bewertung von
6
7
Curricula der Fachschulen und
 Eltern eine Hilfe geben, um die fachliche Qualität der jeweiligen Einrichtung
8
9
besser einschätzen zu können.
10
Schließlich ist dies auch ein Diskussionsbeitrag in der Diskussion der Profession
11
Soziale Arbeit und der Politik zum Thema Qualität des Personals in Einrichtungen
12
der Kinder- und Jugendhilfe.
13
A. Einführung in die Schlüsselkompetenzen
14
Diese Schlüsselkompetenzen schließen nahtlos an die Schlüsselkompetenzen für
15
SozialarbeiterInnen und SozialpädagogInnen des DBSH an. Der Berufsverband hat
16
sich das Ziel gesetzt Schlüsselkompetenzen für die von ihm vertretenen
17
Berufsgruppen innerhalb der Sozialen Arbeit, das sind SozialarbeiterInnen,
18
SozialpädagogInnen, ErzieherInnen und Heilpädagogen zu formulieren. Bei der
19
Beschreibung folgen wir soweit möglich und sinnvoll der Gliederung der
20
Kompetenzen in den o. g. bereits veröffentlichten Schlüsselkompetenzen für Soziale
21
Arbeit2.
22
Ein Problem dieser Arbeit an den Schlüsselkompetenzen für Erzieherinnen und
23
Erzieher ist die aktuelle Ausbildungs- und Qualitätsdiskussion in Deutschland. Das
24
Sozialgesetzbuch VIII (SGB VIII) enthält den Auftrag für Bildung, Erziehung von
25
Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen3. Dies wird garantiert durch eine
26
generalistisch qualifizierende Ausbildung für den Einsatz in den sozialpädagogischen
2
3
vgl. Maus, Nodes, Röh, 2008
§ 22 SGB VIII
5
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Schlüsselkompetenzen für Erzieherinnen und Erzieher
Entwurf
1
Arbeitsfeldern Kindertageseinrichtungen, Kinder- und Jugendarbeit, Hilfen zur
2
Erziehung und für sozialpädagogische Tätigkeiten in der Schule. Darüber hinaus
3
qualifiert sie für die pädagogische Arbeit mit Menschen mit besonderen
4
Bedürfnissen. Während die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern in vielen
5
europäischen Ländern als Hochschulstudium erfolgt, wird in Deutschland in
6
Fachschulen ausgebildet. Daneben haben sich in den Hochschulen zahlreiche
7
Studiengänge unter den Dächern Sozialpädagogik und Pädagogik entwickelt.
8
Vorwiegend sind dies Studiengänge für „frühkindliche Entwicklung“. In der seit
9
Jahren geführten Diskussion wird von Fachleuten eine Anhebung der
10
Fachschulausbildung in Bachelor-Studiengänge gefordert. Verbunden ist diese
11
Diskussion vor allem mit dem Vorwurf die bisherige Ausbildung sei nicht mehr in der
12
Lage die notwendige Qualität in der Praxis zu gewährleisten.
13
Die Berücksichtigung der hohen Lernbereitschaft von Kindern in den ersten 5
14
Lebensjahren für zukünftige berufliche „Karrieren“ brachte den „Kindergarten“, der
15
eher auf Betreuen und Erziehen ausgerichtet war auf den Status „Kindertagesstätte“.
16
Diese hat neben dem Betreuen, dem Erziehen zunehmend Bildung zu vermitteln .
17
Dementsprechend hat sich die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern
18
verändert.
19
Wir halten die Fachschulausbildung für eine qualitativ gute grundständige
20
Ausbildung. Aus unserer Sicht ist es gerade für diese Berufstätigkeit als
21
Erzieherin/Erzieher wichtig, den Praxisbezug und das Erlernen von praktischen
22
Fähigkeiten in der Ausbildung beizubehalten. Dadurch kann auch verhindert,
23
zumindest erschwert werden, dass sich Kindertageseinrichtungen zu Vorschulen
24
entwickeln. Erzieherinnen/Erzieher sind sozialpädagogische Fachkräfte und die
25
Kindertageseinrichtungen müssen sozialpädagogische Einrichtungen bleiben, in der
26
Bildung integrierter Bestandteil einer ganzheitlichen, nicht defizitorientierten
27
Erziehung und Betreuung ist.
28
Der Einfluss der Ökonomie auf die Gestaltung der Kinder- und Jugendhilfe und hier
29
besonders auf die Kindertageseinrichtungen muss kritisch gesehen werden. Dabei
6
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Schlüsselkompetenzen für Erzieherinnen und Erzieher
Entwurf
1
geht es sowohl um den direkten Einfluss auf die Festlegung von Zielen, als auch auf
2
die Definition von Effizienz von Einrichtungen für Kinder und Jugendliche.
3
Die folgenden Schlüsselkompetenzen beschreiben die Kompetenzen für
4
Erzieherinnen und Erzieher nach Abschluss der Ausbildung. Wir haben bewusst den
5
Begriff „Schlüsselkompetenzen“ gewählt, wohl wissend, dass dieser Begriff in der
6
Pädagogik anders besetzt ist, und meinen damit die beruflichen Kernkompetenzen
7
für den Beruf der Erzieherin bzw. des Erziehers, also das Wissen und Können von
8
Berufsanfängerinnen. Schlüsselkompetenzen deshalb, weil wir davon ausgehen,
9
dass Erzieherinnen und Erzieher damit berufsfähig sind und im Laufe ihres
10
Berufslebens diese weiter ausbauen, indem sie sich fort- oder weiterbilden und
11
Erfahrungswissen erwerben.
12
Wir gehen davon aus, dass diese beruflichen Schlüsselkompetenzen (siehe Abb. 1)
13
in einer generalistischen Ausbildung an Fachschulen erworben werden.
14
Spezialisierung und/oder Akademisierung kann danach erfolgen in entsprechenden
15
Studiengängen (z. B. Elementarpädagogik, frühkindliche Entwicklung) oder
16
berufsbegleitend durch entsprechenden Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen (s.
17
Abb. 1). Wir beschreiben die Schlüsselkompetenzen Erziehung in einzelne
18
Kompetenzen aufgelistet, zum Ersten dem besseren Überblick und zum Zweiten der
19
Transparenz wegen. Die Schlüsselkompetenz en Erziehung sind nur in ihrer
20
Gesamtheit zu sehen und zwar nicht additiv als Summe einzelner Kompetenzen,
21
sondern als ein Komplex, wo die einzelnen Kompetenzen in der Alltagsarbeit
22
zusammenwirken und eben nicht isoliert nebeneinander stehen.
7
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Schlüsselkompetenzen für Erzieherinnen und Erzieher
Entwurf
1
2
Wir berücksichtigen in dieser Kompetenzbeschreibung nicht die
3
Hochschulstudiengänge im Bereich Erziehung, weil diese (noch) nicht die
4
Regelausbildung für Erzieherinnen und Erzieher sind und zumindest mittelfristig nicht
5
werden. Es ist auch hier nicht der Ort über das Für und Wider einer Akademisierung
6
der Erzieherinnen-/Erzieherausbildung zu diskutieren.
7
8
B. Die Kompetenzen
9
1 Grundlagenkompetenzen
10
1.1 Definition:
11
Es werden Grundlagen benannt, auf denen die Schlüsselkompetenzen aufbauen.
12
Diese bilden das Fundament für die dann folgende Beschreibung der
13
Schlüsselkompetenzen.
8
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Schlüsselkompetenzen für Erzieherinnen und Erzieher
Entwurf
1

2
Erzieherinnen und Erzieher brauchen ein Grundwissen über die Entwicklung von
3
Erziehung im Wandel der Geschichte bis zur Gegenwart. Wichtig ist die
4
Auseinandersetzung mit verschiedenen Erziehungsansätzen und der jeweils dahinter
5
stehenden Menschenbilder und Ziele. Weitere Inhalte sind dabei Ursachen von
6
Veränderungen wie z. B. Veränderungen der Lebensbedingungen (z. B. Aufhebung
7
traditioneller Familienbilder, Veränderung der Frauenrolle, Veränderung von
8
Arbeitsbedingungen (z. B. Industrialisierung,), soziale Bedingungen wie Armut,
9
Einführung von Kinderrechten, Entwicklung von Erziehungseinrichtungen, wie
Erziehung im Wandel der Zeit, Bildung und Betreuung
10
Kindergärten, Waisenhäuser etc. und deren erzieherischen Qualitäten.
11
Integration bzw. mulitkulturelle Erziehung sind notwendig geworden durch unsere
12
immer komplexer werdende multikulturelle Gesellschaft. Die Grundgesetzforderung
13
einer Gleichbehandlung aller Bürger hat die Inklusionsidee in neuen und
14
veränderten Gesetzen festgelegt, die gemeinsame Bildung erfordert. Das verlangt
15
eine erweiterte noch individuellere Form der erzieherischen Arbeit. Neue
16
Schwerpunkte müssen gesetzt werden. Die starke Erweiterung der öffentlichen
17
Erziehung im Bereich der Kinderbetreuung unter drei Jahren stellte neue
18
Forderungen an ErzieherInnen und erweiterte Kenntnisse. Hierzu zählt u. a. die
19
Pflege. Grundkenntnisse in der Pflege sind teilweise aus den Ausbildungskonzepten
20
verschwunden. Sie sind jetzt aber einerseits durch den Pflegebedarf bei den unter
21
dreijährigen und bei einem Teil der behinderten Kinder wieder dringend erforderlich.
22
Hinzu kommt, dass durch intrakulturelle Veränderungen die Sauberkeitserziehung
23
sich bis in das vierte und fünfte Lebensjahr hinaus zieht. Kranke Kinder müssen
24
immer häufiger in den Einrichtungen versorgt werden, da immer weniger Eltern aus
25
beruflichen Gründen schnell und längerfristig ihre kranken Kinder nicht selbst
26
versorgen können
27

Berufsgeschichte
9
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Schlüsselkompetenzen für Erzieherinnen und Erzieher
Entwurf
1
Für die Entwicklung einer beruflichen Identität ist es wichtig, dass die Fachkräfte die
2
Geschichte ihres Berufsstandes kennen.
3

4
Gerade weil wir heute erleben, dass Kinder aus bildungsfernen Haushalten nach wie
5
vor in vielen Lebensbereichen u. a. in der Bildung benachteiligt sind, müssen
6
Erzieherinnen und Erzieher ein fundiertes Wissen über Entstehung von Armut und
7
den Zusammenhängen mit ökonomischen Faktoren haben. Sie müssen die
8
Auswirkungen von Armut und Ausgrenzung vor allem in bezug auf
9
Familienstrukturen, -regeln und das allgemeine Verhalten kennen und
Armut und Reichtum
10
berücksichtigen. Von großer Bedeutung ist es, dass die Fachkräfte über die
11
unterschiedlichen und spezifischen Kommunikationsformen und –inhalte innerhalb
12
der „Schichten“ in unserer Gesellschaft Bescheid wissen, damit sie in ihrem
13
Berufsalltag weitere Ausgrenzung verhindern und Inklusion ermöglichen.
14

15
Professionelle Erziehung findet i. d. R. in öffentlichen oder privaten Institutionen statt
16
und ist grundsätzlich dem Schutz des Kindeswohls verpflichtet. Fachkräfte sind
17
Mitarbeitende in Organisationen entweder staatlichen, kirchlichen, privaten oder der
18
freien Wohlfahrtspflege. Sie stehen in einem Arbeits- oder Dienstverhältnis, deren
19
rechtliche Grundlage ein Vertrag ist. Deswegen ist es notwendig, dass sie über
20
Grundlagen von Organisationen Bescheid wissen und ihre Rolle als
21
Arbeitnehmerin/Arbeitnehmer kennen. Dazu sollen sie über die Möglichkeiten von
22
gewerkschaftlichen oder/und berufständischen Organisationen informiert sein und
23
die Möglichkeit erhalten sich mit diesen Organisationen auseinanderzusetzen.
24

25
Erziehung in öffentlichen und privaten Einrichtungen ist immer auch abhängig von
Handeln in Organisationen
Handeln in Politik und Verwaltung
10
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Schlüsselkompetenzen für Erzieherinnen und Erzieher
Entwurf
1
politischen und verwaltungsrechtlichen Entscheidungen. Deshalb müssen
2
Erzieherinnen und Erzieher wissen, wie politische Prozesse in Gemeinden oder auf
3
staatlicher Ebene verlaufen und wie sie Einfluss nehmen können. Sie sollten sich
4
bewußt für eine demokratische Teilhabe an der Gesellschaft einsetzen und dies auch
5
den Kindern und Jugendlichen ihrem Alter entsprechend und situationsbezogen
6
ermöglichen.
7

8
„Ausgehend von der wachsenden Akzeptanz und Notwendigkeit von Einwanderung
9
und der damit enstehenden kulturellen Vielfalt gewinnt die „interkulturelle Öffnung“
Handeln mit Unterschiedlichkeit und Vielfalt (Inklusion und Diversiviät)
10
der Gesellschaft insgesamt an Bedeutung. (...) Interkulturalität beschreibt
11
Unterschiedlichkeiten zwischen Individuen, die sich aus der Zugehörigkeit zu
12
verschiedenen Kulturen/Gruppen ergeben. In der Praxis der interkulturellen Arbeit
13
geht es um Fragen, Probleme u. U. Dilemmata und wie diese gelöst bzw. vermieden
14
werden können. „ 4 Gerade in der Erziehungsarbeit ist die Entwicklung einer
15
interkulturellen Kompetenz wichtig. Daher gilt es interkulturelle Situationen und
16
Zusammenhänge wahrzunehmen und die damit verbundenen möglichen
17
Problemstellungen und Chancen zu begreifen. Dabei sollen Erzieherinnen/Erzieher
18
das eigene Bezugs- und Wertesystem kennen und ihre Einstellungen, Verhalten und
19
Handeln reflektieren können, um das Ergebnis wirksam werden zu lassen. Das
20
Bezugs- und Wertesystem der betreuten Kinder und Jugendlichen mit ihren Familien
21
ist ebenfalls iErziehungsprozess zu berücksichtigen. Sie sollen in der Lage sein
22
interkulturellen Austausch zu initiieren und Diskriminierungen entgegen zu steuern,
23
Sensibilität für und in interkulturellen Lernprozessen bei anderen zu fördern und zu
24
entwickeln5, Konflikte wahrnehmen und Unterstützung bei Lösungen zu bieten
25
(vergl. Maus, Nodes, Röh 2003, S. 30).
26

4
5
Professionelle Haltung
Maus, Nodes, Röh, 2003, S. 30
ebda.
11
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Schlüsselkompetenzen für Erzieherinnen und Erzieher
Entwurf
1
Erzieherinnen und Erzieher müssen ein professionelles Bewußtsein entwickeln.
2
Dazu benötigen Sie neben den im folgenden genannten Kompetenzen auch die
3
Entwicklung eines professionellen Habitus. Wichtig ist die Möglichkeit der
4
Auseinandersetzung mit der Rolle als Profis in der Ausbildung.
5
Erzieherische Fachkräfte sind im Team mit Kolleginnen und Kollegen tätig, mit
6
anderen Fachkräften der Sozialen Arbeit und anderen Professionen tätig. Deswegen
7
müssen Sie lernen im Team zu arbeiten. Sie müssen wissen, was Fachkräfte
8
anderer Professionen können und wie Zusammenarbeit in multiprofessionellen
9
Teams gestaltet werden kann.
10
Zur professionellen Haltung gehört zwingend dazu, dass die Fachkräfte in der Lage
11
sind jede Form der Ausgrenzung zu erkennen, soweit dies möglich, Ausgrenzung zu
12
verhindern und präventiv Ausgrenzung verhindern. .
13
Wesentlich ist das grundlegende ethische Werte wie Beachtung der
14
Menschenwürde, Achtung der Menschenrechte, Demokratie, Teilhabe, Soziale
15
Gerechtigkeit (s. berufsethische Kompetenz) persönliche Haltung der Fachkräfte sind
16
und sie diese in der alltäglichen Arbeit nicht nur beachten, sondern in dem
17
Erziehungs- und Bildungsprozess den Anvertrauten nahe bringen.
18

19
Erzieherinnen/Erzieher müssen die Grundlagen von Qualitätsentwicklung und
20
-management kennen, weil diese zunehmend eine weitaus stärkere Rolle bei der
21
Bewertung von Gestaltung erzieherischer Leistungen spielen werden (vergl. Maus,
22
Nodes, Röh, 2003, S. 34).Bei der Betrachtung der Qualität spielen die
23
unterschiedlichsten Sichtweisen eine Rolle. Die unterschiedlichen Bewertungen von
24
Organisation, Hygienestandards, Sicherheitsstandards, Dokumentation,
25
Öffentlichkeitsarbeit u.v.m. können bestimmend sein für Qualitätsstandards.
26
Für Praktiker in der Sozialen Arbeit und in der Sozialpädagogik liegt das Augenmerk
27
bei der Beurteilung von Qualität aber in erster Linie auf der Qualität der
Qualität und Qualitätsentwicklung
12
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Schlüsselkompetenzen für Erzieherinnen und Erzieher
Entwurf
1
pädagogischen speziell der sozialpädagogischen Arbeit, die sich neben den
2
Aufgaben der Bildung auch den Aufgaben der Erziehung und Begleitung stellt. Ihre
3
persönlichen Haltungen der Wertschätzung, der Unterstützung und
4
Ressourcenorientierung müssen ergänzt werden mit, guten materiellen,
5
organisatorischen und „menschenfreundlichen“ Rahmenbedingungen. Diese alleine
6
garantieren allerdings nicht unbedingt eine gute pädagogische Arbeit. Es braucht
7
eine gute Ausgewogenheit und eine stetige Möglichkeit der Reflektion von
8
Zielorientierung und Zielkorrektur zwischen Träger und Einrichtungen.
9
Qualitätsanforderungen ändern sich auch im Rahmen der gesellschaftlichen
10
Veränderungen. Hier schreibt die Sozialpädagogik (in der BRD) aber mit ihren
11
ethischen Anforderungen der grundsätzlichen Wertschätzung, Alltagsorientierung,
12
der demokratischen Teilhabe und der Ressourcenorientierung grundlegende
13
Qualitätskriterien fest (s. a. Berliner Erklärung des DBSH)
14
1.2 Kennzeichen
15
Erzieherinnen und Erzieher sind in der Lage 6
16

Interkulturelle Situationen und Zusammenhänge wahrzunehmen
17

das eigene Bezugs- und Wertesystem sehen und ihre Einstellungen, Verhalten
18
und Handeln gegenüber anderen Kulturen und den unterschiedlichen
19
Herkunftsgruppen reflektieren zu können.
20

Das „spezielle Sein“ aufgrund geistiger oder körperlicher Einschränkungen,
21
sozialer Herkunft, kultureller, sprachlicher und ethnischer Herkunft, sexueller
22
Orientierung, politischer oder religiöser Überzeugung zu verstehen, zu
23
akzeptieren und damit wertschätzend umzugehen.
24

25
26
Ihr fachliches Handeln so zu gestalten, dass Unterschiedlichkeit als produktive
Erweiterung im Umgang miteinander erfahren werden kann.

6
Benachteiligung aufgrund von Armut zu erkennen und entsprechende
(ebda 2003, S. 36)
13
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Schlüsselkompetenzen für Erzieherinnen und Erzieher
Entwurf
1
2
professionelle Mittel zur Förderung einzusetzen zu können.

3
4
ihre Berufsgeschichte und die Möglichkeiten der berufsständischen oder/und
gewerkschaftlichen Organisation zu berücksichtigen.

5
ihr erzieherisches Verhalten in ein wissenschaftlich fundiertes Pädagogikkonzept
einzuordnen.
6

zu einem wertschätzenden kollegialen und fachlichen Austauschs im Team.
7

politische Prozesse und Möglichkeiten politischer Einflussnahmen zu erkennen.
8

bei der Qualitätsentwicklung in der jeweiligen Einrichtung mitwirkenzuwirken..
9
1.3 Ausbildungsinhalte:
10
 Entwicklung der öffentlichen professionellen Erziehung (Geschichte)
11
 Verschiedene pädagogische Konzepte, ihre Ziele und Menschenbilder
12
(Geschichte und Gegenwart)
13
 Haltung zu den anvertrauten Kindern und Jugendlichen
14
 Ursachen von Veränderungen in der öffentlichen Erziehung
15
 Berufsgeschichte
16
 Entstehung von Armut – Zusammenhänge mit ökonomischen Entwicklungen
17
und Konzepten
18
 Auswirkungen von Armut auf betroffene Familien, Kinder und Jugendliche
19
 Inklusion und Ausgrenzung
20
 Aufbau von öffentlichen Organisationen und freier Träger
21
 Rechte und Pflichten als ArbeitnehmerIn in Organisationen
22
 Grundlagen von Arbeits- bzw. Dienstverträgen
23
 Gewerkschaftliche und berufsständische Organisationen
24
 Wie funktioniert Politik in Kommunen, Ländern und Bund?
25
 Mitwirkungs- und Einflussmöglichkeiten auf Politik
14
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Schlüsselkompetenzen für Erzieherinnen und Erzieher
Entwurf
 Interkulturelle Kompetenz – Wissen um Unterschiede, die sich aus der
1
2
Zugehörigkeit unterschiedlicher Kulturen ergeben. Bearbeiten und Lösen von
3
kulturellen Konflikten.
4
2 Strategische Kompetenz
5
2.1 Definition
6
Vielleicht ist es ungewohnt in der Erziehung7 von „Strategie“ zu reden. Jedoch halten
7
wir diese Schlüsselkompetenz als eine für die drei Fachbereiche
8
Sozialarbeit/Sozialpädagogik, Erziehung und Heilpädagogik wesentliche Kompetenz.
9
Unter strategischer Kompetenz verstehen wir die Fähigkeit, überlegt, geplant und auf
10
klare Ziele bzw. Wirkungen hin zu handeln unter Einbeziehung professionellem
11
sozialpädagogischen Wissens, der Ressourcen der Kinder und Jugendlichen und
12
deren Erziehungsberechtigten. „Strategisches Handeln meint auch das
13
systematische und gezielte Handeln unter Berücksichtigung der vorhandenen Rechte
14
und Strukturen als MitarbeiterIn einer Organisation. Strategisches Handeln (...)
15
umfasst drei Faktoren: Wirken, Verfahren und das strategische Moment. Das Wirken
16
meint die bewusste Einflussnahme auf wechselseitige Bezüge zwischen Menschen,
17
Organisationen und Institutionen. Das Verfahren steht für das bewusste Formen der
18
Bezüge zwischen Menschen, Organisationen und Institutionen. Das strategische
19
Moment meint das bewusste und verbindliche Verankern der Auftragserledigung
20
unter Berücksichtigung der beiden Faktoren Wirken und Verfahren“. 8
21
Dazu gehören in der Erziehung soziale Situationen und/oder
22
Kommunikationsprozesse im Arbeitsfeld analysieren und bewerten zu können und
23
entsprechend dann erzieherische Ziele zu benennen und notwendige Schritte zur
24
Erreichung der Ziele zu planen. Sie müssen dabei in der Lage sein bei
Wenn wir im weiteren Text von „Erziehung“ schreiben, meinen wir „Erziehen, Bilden und Betreuen“ als
Gesamtheit. Dort wo es im Verlauf der weiteren Beschreibung geboten ist, verwenden wir die einzelnen Begriffe.
8 H. Gosejacob-Rolf, zitiert in Maus, Nodes, Röh 2003, S. 44/45
7
15
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Schlüsselkompetenzen für Erzieherinnen und Erzieher
Entwurf
1
Problemsituationen zu erkennen, dass es mehrere Ursachen geben kann
2
(multikomplexe Problemlagen) und individuell unterschiedliche Lösungsansätze
3
benötigt werden. Dies gilt sowohl für Problemursachen aus der Lebenswelt der
4
Kinder und Jugendlichen, also familiäre soziale und kulturelle Bedingungen, als auch
5
gesellschaftliche und individuelle.
6
Für die Bereiche der Erziehungsdienste muss hier aber auch auf die sehr große
7
Störungsanfälligkeit in der praktischen Arbeit aufmerksam gemacht werden, was die
8
Planung und Zielsetzung sehr beeinflussen und bis hin zum Scheitern bringen kann.
9
Hier bedeutet Strategie Zielkorrektur, Neubeginn und -planung. „Der pädagogische
10
Berufsalltag zeichnet sich in hohem Maße durch wechselnde, neue,
11
unvorhersehbare, nicht planbare Herausforderungen aus.“ 9
12
Um strategisch arbeiten zu können, müssen Erzieherinnen und Erzieher in der Lage
13
sein, (Theorie-)Wissen und Praxis miteinander verknüpfen zu können und eine
14
professionelle Überzeugungshaltung entwickeln.
15
Sozialpädagogische Fachkräfte müssen in besonderem Maße Hindernisse
16
überwinden, wenn sie psychosoziale Entwicklungserfolge kommunizieren wollen
17
und benötigen hierzu Überzeugungskraft.
18
Im Weiteren verweisen wir auf die bereits beschriebene Definition der „Strategischen
19
Kompetenz“ in der Beschreibung der Schlüsselkompetenzen für Sozialarbeit aus
20
dem Jahr 200310
21
2.2 Kennzeichen
22
Erzieherinnen/Erzieher müssen in der Lage sein
23

Bezogen auf ihre spezielle sozialpädagogische Aufgabe und zielgerichtet auf der
24
Grundlage ihres Fachwissens und –könnens zu arbeiten und die Arbeit für Dritte
25
nachvollziehbar gestalten zu können.
9
(Kompetenzorientiertes Qualitätsprofil für die Ausbildung von Erzieherinnen und Erzieher an
Fachhochschulen/Fachakademien. Beschluß der Kultusministerkonferenz vom 1. 12. 2011)
10 vgl. Maus, Nodes, Roeh 2003
16
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Schlüsselkompetenzen für Erzieherinnen und Erzieher
Entwurf
1

2
Erfolgsorientiert zu arbeiten. Sie messen ihr berufliches Handeln an Kriterien, die
sich aus entwicklungs- und sozialpsychologischen Erkenntnisssen ableiten.
3

Ihre Arbeit zu dokumentieren.
4

Ihr theoretisches Wissen und Handlungswissen aus den verschiedenen (i. F.
5
beschriebenen) Schlüsselkompetenzen für die ihnen anvertrauten Kinder und
6
Jugendlichen und deren Erziehungsberechtigten verfügbar zu machen(halten)
7
und zu erweitern.
8

9
Das, was sie beruflich tun, Außenstehenden verständlich vermitteln und professionelle
Standpunke zu vertreten
10

Erziehungs- und Bildungspartnerschaften organisieren und gestalten
11

Professionelle Netzwerke mit organisieren und Übergänge gestalten
12
2.3 Ausbildungsinhalte
13
 Eigenständige praxisbezogene Konzeptentwicklung im Team
14
 Qualifizierte Suche nach Unterstützung durch Moderation oder Supervision
15
 Gezielt und strukturiert allgemeine pädagogische Ziele für die Anvertrauten
16
bestimmen und mögliche Interventionen, pädagogische Maßnahmen aufgrund
17
differenzierter Beobachtungsergebnisse festlegen und durchführen.(ich meine
18
hier allgemein nützliche oder notwendig gewordene Dinge für die Einrichtung
19
erreichen bzw. den Einrichtungsalltag neu zu organisieren. Ingrid)
20
 Strukturierte Reflektionsmethoden der Arbeitsorganisation und der
21
Arbeitsbedingungen
22
 Vermittlung von Methoden kollegialer Beratung und Fallbesprechung
23
 Problempunkte und Ressourcen von Team und Institution erkennen, bewerten
24
und entsprechende Maßnahmen zur Behebung der Probleme bzw. zur
25
Förderung der Ressourcen entwickeln.bzw. anstoßen
17
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Schlüsselkompetenzen für Erzieherinnen und Erzieher
Entwurf
1
 Dokumentationsinstrumente und –hilfen
2

Die sozialpädagogische Arbeit, das heißt die Erziehung, die Bildung,
3
Betreuung und die Pflegemaßnahmen den sorgeberechtigten Angehörigen
4
verständlich darzulegen.
 Die Entwicklungsfortschritte der Betreuten benennen und als Erfolge klar zu
5
6
deuten und zu vertreten
 Präsentationmethoden, um die professionelle sozialpädagogische Arbeit und
7
8
die Arbeitsinhalte mit dem und im Team nach außen zu vertreten.
 Übergänge zu anderen Maßnahmen oder Einrichtungen gestalten.
9
10
3 Methodenkompetenz
11
3.1 Definition
12
Methodenkompetenz meint in diesem Zusammenhang „ die Fähigkeit, planmäßig
13
und reflektiert handeln zu können sowie Verfahren bzw. Vorgehensweisen der
14
Sozialen Arbeit zu kennen, zuordnen und anwenden zu können.“11 In der
15
professionellen Erziehung ist es wichtig, dass die Fachkräfte im Bezug auf den
16
Bildungsauftrag über didaktisches Wissen und Können verfügen, um Kindern und
17
Jugendlichen sowohl beim schulischen als auch außerschulischen Lernen zu helfen
18
und den kindlichen „Forscherdrang“ altersgemäß unterstützen zu können. Dazu
19
gehört das Beherrschen von Techniken der Wissensvermittlung genauso, wie
20
Methoden zur Lernmotivation für die jeweiligen Altersstufen von der frühen Kindheit
21
bis in die Jugendzeit. Wichtig ist auch das Wissen und die Handlungskompetenz für
22
den Einsatz von unterschiedlichen Medien im pädagogischen Kontext. Von
23
Erzieherinnen und Erziehern wird erwartet, dass sie in der Lage sind
24
Bildungseinheiten zu konzipieren und mit den Kindern und Jugendlichen
11
ebda. S. 50
18
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Schlüsselkompetenzen für Erzieherinnen und Erzieher
Entwurf
1
durchzuführen. Sie müssen in der Lage sein entsprechendes Lehrmaterial zu nutzen,
2
die richtige Auswahl zu treffen und selbst erstellen zu können.
3
Aus den Methoden für Soziale Arbeit ist neben der Arbeit mit Einzelnen vor allem die
4
Arbeit in Gruppen für den Bereich Erziehung wichtig. Gerade für das „Soziale
5
Lernen“ von Kindern und Jugendlichen sind grundlegendes Wissen und
6
Handlungskompetenzen in der Gruppenpädagogik, Gruppenpsychologie und
7
Gruppendynamik für Fachkräften bedeutend.
8
Für die Kommunikation mit den Erziehungsberechtigten sind Grundkenntnisse in der
9
Gesprächsführung Voraussetzung. 12
10
3.2 Kennzeichen
11
Erzieherinnen/Erzieher sind in der Lage
12
 Kindgerechte Bildungseinheiten zu konzipieren und durchzuführen
13
 Altersgerechte didaktisches Material zu erarbeiten, auszuwählen und
14
anzuwenden
15
 In und mit Gruppen zu arbeiten, dazu gehören dass sie Gruppenprozesse und
16
soziale Rollen in der Gruppe definieren können, Gruppenkonflikte erkennen
17
und entsprechende Lösungsmöglichkeiten entwickeln, den Kindern oder
18
Jugendlichen helfen in Gruppen zu agieren und Konflikte zu lösen.
 Unterschiedliche Medien im Rahmen ihrer Tätigkeit zu nutzen und Kinder und
19
20
Jugendliche beim Gebrauch von elektronischen Medien unterstützen.
21
 Entsprechende didaktische Elemente zur Förderung von schulischen
22
Leistungen zu nutzen.
12
(vgl. Sozialprofessionelle Beratung in Maus, Nodes, Röh, 2003)
19
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Schlüsselkompetenzen für Erzieherinnen und Erzieher
Entwurf
1
 mit Sorgeberechtigten über ihre Arbeit mit dem Kind und dem
2
Entwicklungsstand des Kindes zu sprechen und die Notwendigkeit bestimmter
3
pädagogischer Maßnahmen zu begründen.
4
3.3 Ausbildungsinhalte
5

Grundkenntnisse in der Arbeit mit Gruppen (verschiedene Altersstufen)
6

Vertiefte Kenntnisse über Techniken/Methoden in der Arbeit mit Kindern
7
8
und Jugendlichen

9
Bedeutung der Medien für Kinder und Jugendlichen,
Umgang mit verschiedenen Medien
10
Unterstützung von Kindern und Jugendlichen im Umgang mit Medien und
11
Aufklärung über Grenzen und Gefahren
12
Förderung des kreativen Umgangs mit Medien
13

Einsatz von Medien im erzieherischen Alltag (Medienpädagogik)
14

Didaktische Materialien in der Kinder- und Jugendpädagogik
15

Vermittlung von Qualitätskriterien für Spielmaterialien
16

Grundfertigkeiten in handwerklichem und künstlerischem Gestalten
17

Kenntnisse über Materialien und sicherem Umgang mit künstlerischen und
18
19
handwerklichen Techniken

20
21
elementaren Musizierens

22
23
Grundkenntnisse und -fertigkeiten der Elementarmusik und des
Gesprächsführung in Informations- und Beratungsgesprächen mit
Sorgeberechtigten

Grundkenntnisse in Sprachförderung, Umgang mit altersentsprechender
24
Literatur, altersentsprechenden Gesprächen und Moderation von
25
Gesprächskreisen
20
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Schlüsselkompetenzen für Erzieherinnen und Erzieher
Entwurf
1

Grundkenntnisse in Bewegungsförderung
2

Grundkenntnisse in Modifikations- und Kreativitätsmethoden
3
4 Kommunikative und personale Kompetenz
4
4.1 Einführung
5
Erziehung ist immer auch ein kommunikativer Prozess. Dazu bringen die Fachkräfte
6
ihre Persönlichkeit ein. Weltanschauung, soziale Herkunft,
7
Sozialisationserfahrungen, Bewältigungsstrategien für Konflikte und die eigene
8
Lebenslage sind u. a. Faktoren, die Einfluss auf den Erziehungsprozess haben.
9
„Ihren Einfluss auszublenden, (...), widerspricht dem Grundsatz der Subjektivität und
10
Singularität menschlicher Handlung bzw. der Unmöglichkeit einer wirklichen
11
Objektivität. Scheinbar objektives Handeln, wie es für naturwissenschaftliche
12
Forschung lange Zeit als das wahre Handeln galt, ist – so ist man sich zumindest in
13
den Sozialwissenschaften u. a. durch die Beiträge zum Konstruktivismus, sowie der
14
Kommunikationstheorie mittlerweile sicher – nicht möglich. „ 13 In der Erziehung wird
15
die Persönlichkeit der Erzieherin/des Erziehers besonders bedeutsam. Ihre
16
personale Authentizität als Mitmensch bestimmt ihre Qualität als Erzieherin/Erzieher
17
(vgl. Maus, Nodes, Röh, 2003, S. 78)
18
19
4.2 Definition
20
Grundform durch theoretisches Wissen, praktische Handlungserfahrungen,
21
Lebenserfahrungen und der professionellen Reflexionskompetenz zu einer speziellen
22
fachlichen Qualität führen.
23
Kommunikative Kompetenz beschreibt die Beherrschung und Beachtung der mit
24
nonverbaler, verbaler und symbolischer Kommunikation einhergehenden Regeln,
25
Strukturen und Prozessen. Darunter soll die Diskurs- und Diskussionsfähigkeit im
Den Unterschied zwischen Fachkräften und Nichtfachkräften macht aus, dass diese
13
ebda. S. 77 ff.
21
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Schlüsselkompetenzen für Erzieherinnen und Erzieher
Entwurf
1
fachlichen Zusammehang und in Respekt und Achtung der Kinder- und Jugendlichen
2
und deren Erziehungsberechtigten und ihrer Autonomie der Lebenspraxen
3
verstanden werden14.
4
Dazu gehören
 Die Fähigkeit, soziale Beziehung leben und beziehungsstiftend wirken zu
5
6
können.
 Die Formulierung eigener Wüsche und Ziele in Bezug auf den jeweiligen
7
8
Erziehungsprozess.
 Kenntnis der Grundlagen und Prinzipien aus der Kommunikationstheorie
9
 Die Fähigkeit zur systematischen, theoriegeleiteten und methodisch
10
11
vielfältigen, kind- bzw. jugendgerechten Gesprächsführung sowohl mit
12
einzelnen als auch mit Gruppen.
 Die Fähigkeit zum konstruktiven Streiten, d. h. die Fähigkeit zur Formulierung
13
14
von positiver und negativer Kritik sowie von Verbessungsvorschlägen.
15
Personale Kompetenz ist die Fähigkeit der Arbeit mit und an der eigenen Person in
16
Bezug auf die Interaktion mit anderen Menschen , insbesondere im Bezug auf die
17
erzieherische Tätigkeit.15
18
Dazu gehören
19
 Die Fähigkeit zum regelgeleiteten, selbständigen und verantwortlichen
20
Arbeiten im Sinne eines gesunden und effektiven Selbstmanagements
 Die Fähigkeit zum Aufbau von tragfähigen Kontakten zu den ihnen
21
22
anvertrauten Kindern oder Jugendlichen.
 Die Fähigkeit zur notwendigen Balance von Nähe und Distanz in der
23
24
professionellen Beziehung
25
 Die Fähigkeit zur Selbstreflexion eigener Persönlichkeitsanteile.
26
 Die Beachtung von berufssethischen Prinzipien und eine entsprechende
14
vgl. ebda. S. 80
15
vgl. ebda., S. 79
22
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Schlüsselkompetenzen für Erzieherinnen und Erzieher
Entwurf
1
2
professionellen Haltung
 Die Fähigkeit zur Formulierung von Kritik und Lob bei der Bewertung von
3
Leistungen und von Verhalten sowohl der anvertrauten Kindern und
4
Jugendlichen als auch deren Erziehungsberechtigten und Kolleginnen und
5
Kollegen gegenüber.
6
4.3 Kennzeichen
7
Erzieherinnen/Erzieher sind in der Lage
8

9
Ihr berufliches Handeln im Blick auf eigene Persönlichkeitsanteile,
Sozialisation und Lebenserfahrung zu reflektieren
10

im Team zu arbeiten und mit anderen zu kooperieren
11

soziale Beziehungen aufzunehmen und diese positiv leben zu können
12

sich in die kindliche bzw. jugendliche Denk- und Gefühlslage einzufühlen
13

Regeln und Vereinbarungen einzuhalten
14

mit Kindern und Jugendlichen Beziehungen zu leben und diese zu nutzen bei
15
der Umsetzung von pädagogischen Zielen
16

auch in schwierigen Erziehungssituationen professionell zu handeln
17

eigene Ziele, Wünsche und Ziele im Erziehungshandeln zu erkennen, zu
18
19
20
21
formulieren

sich selbst zu organisieren und für sich verantwortlich Sorge zu tragen
(Selbstmanagement)
4.4 Ausbildung
22
 Grundlagen menschlicher Kommunikation
23
 Kommunikation im Kindes- und Jugendalter
24
 Armutsspezifische Faktoren und Formen der Kommunikation
25
 Grundlagen der Gesprächsführung
23
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Schlüsselkompetenzen für Erzieherinnen und Erzieher
Entwurf
1
 Techniken der Selbstorganisation - Selbstmanagement –
2
Zeitmanagementtechniken, persönliche Grenzen und Möglichkeiten kennen
3
lernen,
4
 Förderung der Kompetenz in Schrift und Rede
5
 Nähe und Distanz im beruflichen Handeln
6
 Reflexion des beruflichen Handelns
7
5 Rechtliche Kompetenzen
8
5.1 Einführung
9
In der täglichen Arbeit wird von Erzieherinnen verlangt, dass sie professionell
10
handeln und Entscheidungen treffen müssen, die sich auf geltendes Recht beziehen.
11
Das bedeutet, dass sie grundlegende Rechtskenntnisse besitzen müssen, und zwar
12
auf der professionellen Ebene bezogen auf Kinder und Eltern und auf der
13
arbeitsrechtlichen und verwaltungsrechtlichen Ebene bezogen auf Träger und
14
Einrichtungsleitung. Darüberhinaus ergeben sich aus den Dienstebenen: ErzieherIn -
15
Träger - Einrichtungsleitung administrative Verpflichtungen,
16
Der Entscheidungsspielraum bezieht sich in der Regel auf das professionelle
17
aktuelle sozialpädagogische Handeln und damit der persönlichen Verantwortung und
18
Haftung sowie die Informationspflichten von Seiten der Einrichtungsleitung
19
Die Arbeit der sozialpädagogischen Fachkräfte (ErzieherInnen) ist in erster Linie
20
durch prof. Handeln als Erziehung, Bildung, Betreuung und Pflege gekennzeichnet.
21
Rechtskenntnisse sind eine wichtige Grundlage erzieherischer Arbeit, nicht Inhalt
22
erzieherischer Arbeit.
23
Um rechtliche Zusammenhänge mit der elterlichen Sorge und öffentliche Erziehung
24
zu wissen, benötigen sozialpädagogische Fachkräfte fachspezifische
25
Grundkenntnisse im Bürgerlichen Recht, in der Sozialgesetzgebung und im
26
Verwaltungsrecht.
24
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Schlüsselkompetenzen für Erzieherinnen und Erzieher
Entwurf
1
Weitere Rechtsbereiche, die die Arbeit im Erziehungsdienst berühren, sind Fragen
2
der Aufsichtspflicht, der Berufshaftung, allgemeines Arbeitsrecht, Tarifrecht
3
4
5.2 Definition
5
Grundwissen in Zivilrecht, im Sozialrecht, im Arbeitsrecht und im Verwaltungsrecht.
6
Daraus folgt, dass die berufliche Tätigkeit von sozialpädagogischen Fachkräften
7
erfordert, die Rechtsgrundlagen ihres beruflichen Handelns und die Rechte und
8
Pflichten als beruflich Handelnde zu kennen und zu befolgen.
Sozialrechtliche Kompetenz von sozialpädagogischen Fachkräften meint ein
9
10
5.3 Kennzeichen
11
Sozialpädagogische Fachkräfte
12

kennen und verstehen die ihre Arbeit betreffenen Rechtsgrundlagen
13

sind fähig, systematisch in Gesetzen nachzulesen und sich - falls nötig -
14
rechtsberatende Hilfen zu holen
15

richten ihr berufliches Handeln an den entsprechenden Gesetzen aus
16

haben Kenntnisse über die Struktur von Gesetzgebungsverfahren,
17
allgemeinen Verwaltungsstrukturen, dem Verlauf von Gerichtsverfahren und
18
der Systeme von Erlässen, Verordnungen und Anweisungen
19

20
Kennen zentrale rechtliche Normen und die Grundrechte aus dem
Grundgesetz.
21

sind über ihre Pflichten im Rahmen der Aufsichtspflicht informiert
22

haben Kenntnis über den Umfang ihrer Schweigepflicht und kennen die
23
24
Möglichkeiten der erlaubten Zeugnisverweigerung

25
26
27
handeln so, dass Daten- und Persönlichkeitsschutz der betreuten Personen
gewährleistet ist.
5.4 Ausbildung

Grundbegriffe des Rechts, historische und ethische Grundlagen
25
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Schlüsselkompetenzen für Erzieherinnen und Erzieher
Entwurf
1

2
Einführung in die historischen und ethischen Begründungen zu Grundgesetz
und Landesverfassungen
3

Besprechung der Rechtskategorien: Bürgerliches Recht, Strafrecht, Zivilrecht
4

Übersicht des Bürgerlichen Rechts mit dem Personenrecht, Familienrecht,
5
6
allgemeinem Vertragsrecht und allgemeinem Arbeitsrecht

7
8
Übersicht über das Sozialgesetzbuch und die Struktur der
Ausführungsgesetze

9
Unterschiede im Arbeits- und Tarifrecht für private, freie und öffentliche
Träger
10

Besonderheiten des kirchlichen Arbeitsrechtes und anderer Tendenzbetriebe
11

Personalvertretungsgesetz und Betriebsverfassunggesetz
12

Informationen zum berufsspezifischen Versicherungsschutz
13
6 Sozialadministrative Kompetenzen
14
6.1 Einführung
15
Durch die sich immer wieder verändernden Lebenslagen von Eltern, sind
16
ErzieherInnen zunehmend gefordert, Hinweise auf soziale Hilfen und
17
Unterstützungssysteme zu geben. Sozialprofessionelle im Erziehungsdienst geben
18
im Kontakt mit Sorgeberechtigten erste Hinweise und Unterstützung für Wege der
19
Hilfe Deshalb ist es hilfreich, wenn Erzieherinnen und Erzieher Kenntnisse der
20
regionalen Sozialeinrichtungen und deren Angebote haben.
21
6.2 Definition
22
Sozialadministrative Kompetenz meint hier spezifisch für sozialpädagogische
23
Fachkräfte im Erziehungsdienst die Fähigkeit, angemessen Angehörigen die
24
Hilfsmöglichkeiten zu erklären und zu vermitteln, so dass diese in der Lage sind,
25
aktiv kompetente Hilfen zu suchen.
26
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Schlüsselkompetenzen für Erzieherinnen und Erzieher
Entwurf
1
Darüber hinaus gehört dazu die Fähigkeit, die eigene Arbeit selbständig zu
2
organsieren entsprechend der Anweisungen und gültigen Anordnungen, soweit
3
berufsethische Prinzipien nicht verletzt werden. Das bedeutet, den Arbeitsbereich,
4
die Arbeit selbst und die bürokratischen Notwendigkeiten zu gestalten und
5
auszuführen.
6
Die eigene Arbeit zu organisieren und die vom Träger verlangte Dokumentation
7
(Anwesenheitslisten, Organisation von Elternabenden, Benachrichtigungen von
8
Eltern, Förderpläne und Entwicklungsdokumentation, Unfallberichte, Protokolle von
9
Dienstbesprechungen, Fallbesprechungen, Informationsgesprächen mit Schulen,
10
Elterngesprächen usw.) sind administrative Aufgaben, die Zeit erfordern und in
11
Dienstplänen als Verfügungszeiten benannt werden sollten.
12
6.3 Kennzeichen
13
Sozialpädagogische Fachkräfte
14

15
kennen die wichtigen, über die ihre Arbeit in der Einrichtung betreffenden
Anweisungen, Dienstvereinbarungen.
16

kennen die Konzeption der Einrichtung oder des Trägers Bescheid.
17

können beurteilen ob die Anweisungen rechtens sind und holen sich im
18
Zweifel Auskunft.
19

wissen über Möglichkeiten der arbeitsrechtlichen Beratung Bescheid.
20

organisieren ihren Arbeitsalltag und ihr Arbeitsmaterial nach pädagogischen
21
und didaktischen Gesichtspunkten, der Arbeitsstruktur in der Einrichtung und
22
den Dienstplänen.
23

24
können Protokolle, Förderpläne und Dokumentationen im Tätigkeitsbereich
erstellen.
25

können die Arbeiten der Kinder ordnen und archivieren
26

können die Elternarbeit und Elterninformationen selbstständig organisieren
27
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Schlüsselkompetenzen für Erzieherinnen und Erzieher
Entwurf
1
6.4 Ausbildung
2
Sozialpädagogische Fachkräfte lernen in ihrer Ausbildung
3

Organisationen und Strukturen von sozialen Einrichtungen kennen
4

Ihre Rechte und Pflichten als Arbeitsnehmerin wahrzunehmen
5

Anfertigen von Protokollen, Dokumentationen, Entwicklungsberichten und
6
Förderplänen
7

Wissen über Informations- und Unternehmenskultur in sozialen Einrichtungen
8

Organisation von Veranstaltungen
9

Organisation von Fachgesprächen
10

Sinnvolle Sammlungsstrukturen,(Ordnungsstrukturen?)
11
7 Sozialpädagogische Kompetenz
12
7.1 Definition
13
Die Aufgabe der Sozialpädagogik ist primär präventiv zu verstehen, d. h. es geht ihr
14
um Erhaltung bzw. Wiederherstellung von Normalität. Die industrielle
15
Risikogesellschaft und die durch sie hervorgebrachten Gefährdungen lassen es
16
geboten erscheinen, die zu beobachtenden, pädagogischen und sozialen Defiziten
17
durch gezielte Maßnahmen und entsprechende Einrichtungen zu beseitigen, zu
18
vermindern oder auszugleichen. Dies gilt für alle Kinder und Jugendlichen nicht nur
19
für einen bestimmten Teil. Sie bedürfen prophylaktischer, stützender und
20
korrigierender Hilfe (s. Schilling, 2005). Es geht um Erziehen, Bilden, Lernen. „Unter
21
Erziehung werden soziale Handlungen verstanden, durch die Menschen versuchen,
22
das Gefüge der psychischen Dispositionen anderer Menschen mit psychischen und
23
(oder) sozialkulturellen Mitteln dauerhaft zu verbessern oder seine als wertvoll
24
beurteilten Komponenten zu erhalten“ (Brenzinka in Giesecke, 1990). Im Laufe
25
seiner Entwicklung durchläuft der Mensch den Prozess der Bildung und findet so
28
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Schlüsselkompetenzen für Erzieherinnen und Erzieher
Entwurf
1
seine Individualität. Dieser Prozess ist ein lebenslanger Bildungsprozess (s.
2
Giesecke, 1990, 91). Lernen ist Verhaltensänderung, Kompetenzerweiterung,
3
Qualifikation, das Aufnehmen, Verarbeiten und Umsetzen von Informationen (s.
4
Giesecke, 1990, S. 48).
5
7.2 Kennzeichen:
6
Erzieherinnen und Erzieher verfügen über 16
7
 psychologische Grundlagen der menschlichen Entwicklung
8
 Grundlagen der Erziehung und Bildung in der frühen Kindheit bis ins
9
10
Jugendalter
 Grundwissen von Ursachen abweichendem und problematischen Verhaltens
11
12
in kindlichen Entwicklung und Jugendalter
 Sozialpädagogische Diagnosemöglichkeiten von Entwicklungsverzögerungen
13
14
und problematischen Verhalten vom Kleinkindalter bis zum Jugendalter
 Sozialpädagogische Methoden und Techniken zur Stärkung der Persönlichkeit
15
16
von Kindern und Jugendlichen
 Methoden und Techniken zur Vermittlung von Bildungsinhalten bei
17
18
Kleinkindern bis ins Jugendalter
 Interventionsmöglichkeiten in Krisen- und Konfliktsituationen von Kindern und
19
Jugendlichen
20
 Medienkompetenz
21
 Möglichkeiten die Kreativität von Kindern und Jugendlichen zu fördern.
22
23
7.3 Ausbildung
 Grundlagen der Entwicklungspsychologie Kindheit und Jugend
16
s. a. Schlüsselkompetenzen „Methodenkompetenz“ und „Personale und kommunikative Kompetenz“
29
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Schlüsselkompetenzen für Erzieherinnen und Erzieher
Entwurf
1
 Sozialpädagogik – Entwicklung und heutiger Stand der Diskussion
2
 Grundlegende Methoden und Techniken der Sozialpädagogik
3
 Grundlagen über Verhaltensauffälligkeiten, Krisen und Konflikte im Kindes-
4
und Jugendalter
5
 Medienkompetenz
6
 Kreative Fertigkeiten
7
 Diagnostik und Berichte – Beobachten und Beobachtungsprotoklle,
8
8 Berufsethische Kompetenz
9
10
8.1 Definition
11
mit ethischen Fragen konfrontiert und müssen entsprechend reagieren. Als beruflich
12
Tätige müssen sie grundlegende berufsethische Standards kennen und im
13
beruflichen Handeln umsetzen.
14
Im Gegensatz zu einer individuellen Ethik muss eine Berufsethik grundsätzliche
15
ethische Aussagen für die Ausübung des beruflichen Handelns aufzeigen, an der das
16
Handeln der BerufsträgerInnen ethisch beurteilt werden kann und sich als
17
Richtschnur des beruflichen Handelns eignet. Es geht dabei einerseits um den
18
Schutz der Hilfesuchenden, der Nutzer professioneller Hilfeleistungen und
19
andererseits um die Rolle und Funktion der beruflichen Sozialen Arbeit und auch um
20
das Verhalten gegenüber anderen Berufen und Akteuren im Feld der Sozialen Arbeit.
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An einem Entwurf einer für alle Fachkräfte der Profession Soziale Arbeit gültige und
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verbindliche Berufsethik, in der die grundlegenden Standards zusammengefasst und
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verschriftlich sind wird im DBSH gearbeitet. In der Ausbildung müssen die
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angehenden Erzieherinnen und Erzieher sich über berufsethische Grundsätze und
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Prinzipien (z. B. Berufsethische Prinzipien des DBSH, Code of Ethics) austauschen
Erzieherinnen bzw. Erzieher sind in ihrem beruflichen Alltag und in ihrer Rolle ständig
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Schlüsselkompetenzen für Erzieherinnen und Erzieher
Entwurf
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können.
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8.2 Kennzeichen
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Erzieherinnen und Erzieher
 kennen
4
5
- die berufsethischen Prinzipien des DBSH und den Code of Ethics
6
-
die wesentlichen Grundlagen und Wurzeln der Berufsethik – Verschiedene
7
Denkansätze wie z. B. jüdisch-christliche, Humanistische Grundlagen,
8
allgemeine Menschenrechte, Grundgesetz
9
-
10
den „Code of Ethics“ des IFWS bzw. die deutschsprachige Weiterführung
des DBSH, die „Berufsethischen Prinzipien“
11
-
den Unterschied zwischen individueller Ethik und einer Berufsethik
12
-
sind in der Lage ihre Interventionen bzw. ihr berufliches Handeln auch
13
ethisch zu begründen
14
-
lassen sich nicht zu Handlungen zwingen, die im Gegensatz zu
15
berufsethischen Grundsätzen stehen (z. B. Verletzung von
16
Menschenrechten, menschenunwürdige pädagogische Maßnahmen)
17
8.3 Ausbildung
18

Grundlagen von Ethik – was ist Berufsethik? – Verschiedene grundlegende
19
philosophischen Denkansätze zur Berufsethik (christlich-jüdische, humanistische
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etc.)
21

22
23
Erziehung –

24
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Menschenrechte, Menschenwürde und die Funktion von professioneller
Code of Ethics des IFWS, Berufsethische Prinzipien des DBSH – Was heißt dies
für den beruflichen Alltag

Dillemata
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Schlüsselkompetenzen für Erzieherinnen und Erzieher
Entwurf
1
9 Reflexions- und Evaluationskompetenz
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9.1 Einleitung
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Lebenslangen Lernen verlangt eine aktive Auseinandersetzung mit Informationen
4
aus beruflichen und persönlichen Erfahrungen, aus erworbenen Wissen und eine
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Internalisierung. Ermöglicht wird dies durch eine intensive Auseinandersetzung mit
6
Informationen und Erfahrungen – Reflexion. Sozialpädagogische Fachkräfte müssen
7
in der Lage sein ihre Arbeit, ihre Erfahrungen und die daraus entstehenden
8
professionellen Fragestellungen und Schwierigkeiten zu erkennen, zu benennen und
9
sich damit auseinanderzusetzen. Evaluation ist so gesehen eine professionelle Form
10
der Reflexion. Es geht darum die Wirkung der pädagogischen Interventionen, der
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Bildungsprozesse und der Erziehung methodisch zu prüfen.
12
9.2 Definition
13
Unter Reflexion verstehen wir das konstruktiv kritische Nachdenken über berufliches
14
Handeln und deren Grundlagen. „
15
„Unter Evaluation wird meist die Bewertung von Projekten, Prozessen und
16
Organisationseinheiten verstanden. Dabei können Kontext, Struktur, Prozess,
17
Aufwand und Ergebnis einbezogen werden. Im Allgemeinen lässt sich als „Evaluation
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auch die grundsätzliche Untersuchung begreifen, ob und inwieweit etwas geeignet
19
erscheint, einen angestrebten Zweck zu erfüllen..... Evaluation dient der
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rückblickenden Wirkungskontrolle, der vorausschauenden Steuerung und dem
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Verständnis von Situationen und Prozessen.“17
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9.3 Kennzeichen
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Erzieherinnen und Erzieher sind in der Lage ihre Arbeit kritisch konstruktiv zu
24
reflektieren
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Ihre Arbeit im Team vorzustellen und kritisch konstruktive Kritik entgegenzunehmen
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Wikipedia: Stichwort Evaluation unter http://de.wikipedia.org/wiki/Evaluation vom 28.1.2014
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Schlüsselkompetenzen für Erzieherinnen und Erzieher
Entwurf
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Verfügen über diverse Kenntnisse über geeignete Evaluationsverfahren für ihren
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Arbeitsbereich
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Können Evaluationsverfahren in ihrer Arbeit nutzen
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s. a. Kommunikative und personale Kompetenzen
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9.4 Ausbildung
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s. Kommunikative und Personale Kompetenzen
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Literatur:
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Maus, Nodes, Röh, Schlüsselkompetenzen für die Soziale Arbeit –
Sozialarbeiterinnen/Sozialarbeiter, Wochenschau-Verlag, Waldshut 2008.
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Die Projektgruppe:
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Gaby Böhm
Heidi Bauer-Felbel
Silke Graffe
Ingrid Krämer
Dominika Seimetz
Friedrich Maus
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Schlüsselkompetenzen für Erzieherinnen und