8. Brief an MR Stein

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Verband Deutscher Schulgeographen e.V.
Landesverband Niedersachsen
Vorstand
Burgwedel, den 25.1.2015
Dr. Reinhard Kurz - Im Steinkamp 1 - 30938 Burgwedel
Tel: 05139-2465
Fax: 05139 – 805137
e-mail: [email protected]
Herrn
MR Andreas Stein
Niedersächsisches Kultusministerium
Schiffgraben 12
30159 HANNOVER
Stellung des Faches Erdkunde in der gymnasialen Oberstufe und im Abitur
Sehr geehrter Herr Stein,
die Nachrichten aus dem MK zur Neugestaltung des niedersächsischen Schulgesetzes (G8-G9),
zur Stundentafel in der Sek.I und zur Stellung des Faches Erdkunde in der gymnasialen Oberstufe und im Abitur erreichen uns nur fragmentarisch. In der Stundentafel zur Sek.I soll das Fach
Erdkunde nun - wie es im Gespräch mit Ihnen Mitte Mai erörtert worden ist – jeweils dreistündig in
5/6, 7/8 und 9/10 verankert werden. Wenn das so stimmt, so sind wir darüber erfreut.
Deutlich kritischer sehen wir die offensichtlich angestrebte Situation in der gymnasialen Oberstufe in
der Vorbereitung auf das Abitur. Nach den uns vorliegenden Informationen soll Politik-Wirtschaft
dreistündig, Geschichte zweistündig und Erdkunde nur einstündig in der Einführungsphase in
Klasse 11 erteilt werden. Verbunden mit der Ungleichheit der Stellung dieser drei Fächer in der
gymnasialen Oberstufe wäre diese Verteilung eine krasse Benachteiligung des Faches Erdkunde in
Klasse 11-13. Das Fach Erdkunde hätte dann keine Möglichkeit, sich in der Einführungsphase gleichwertig darzustellen, zumal auch noch geplant zu sein scheint, das Fach in Klasse 10 nur einstündig zu
unterrichten.
Der Verband Deutscher Schulgeographen – LV Niedersachsen hat bereits im Mai 2014 auf die
Bedeutung des Faches Erdkunde für die Nachhaltigkeitserziehung hingewiesen und gefordert, dem
Fach Erdkunde eine wichtige steuernde Rolle bei der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)
vor allem auch in Klasse 11 einzuräumen. Dies ist nur möglich, wenn die drei Fächer Politik,
Geschichte und Erdkunde in Klasse 11 von der Stundenzahl her in gleicher Weise bedient
werden.
Darüber hinaus sollte auch eine Gleichrangigkeit der drei Fächer gewährleistet sein, zumindest aber
eine Gleichrangigkeit mit dem Fach Politik. Die Mitgliederversammlung des Philologenverbands hat
dazu im November 2014 in Goslar beschlossen, dass die „ Auflagen im gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfeld künftig auch mit dem Fach Erdkunde abgedeckt werden können“.
Der Verband Deutscher Schulgeographen hat in einem Schreiben an die Kultusministerin vom
10.12.14 (s. Anlage) die Bedeutung des Faches Erdkunde für die geplante Neustrukturierung eines
modernen Abiturs nach neun Jahren dargestellt.
Gerade im Fach Erdkunde werden für Schülerinnen und Schüler relevante methodische, aber vor
allem auch inhaltliche Kompetenzen vermittelt, die auch in dem Koalitionsvertrag zwischen SPD
und Grüne festgeschrieben wurden (s. auch Koalitionsvereinbarung, S.3).
Von daher ist bei einer Neugestaltung der gymnasialen Oberstufe in Niedersachsen eine gleichrangige Verbindlichkeit des Faches Erdkunde im Kanon der gesellschaftswissenschaftlichen Fächer
Erdkunde, Geschichte und Politik unerlässlich und dient zudem den Interessen von Schülerinnen
und Schülern, für die eine Benachteiligung bei der Anwahl des Prüfungsfachs Erdkunde in der
Oberstufe kaum nachvollziehbar ist.
Insbesondere im Fach Erdkunde wird die berechtigte didaktische Forderung nach Gegenwartsbezug und Zukunftsrelevanz des Unterrichtsstoffes in der politischen Bildung konkret und raumbezogen anschaulich thematisiert und auf lokaler, regionaler, nationaler und globaler Ebene
umgesetzt (u.a. bei den Themen: Eingriffe in das Ökosystem, Demographische Strukturen und Entwicklungen, Konzepte
nachhaltiger Stadtentwicklung, Ursachen und Folgen globaler Migrationen, Strukturwandel in Industrie und Landwirtschaft,
Globalisierung und ihre Folgen, Aspekte des Klimawandels im Kerncurriculum für die Sek.I und II im Fach Erdkunde)
Auch der häufig geforderte Bezug zu wirtschaftsrelevanten Themen wird im KC II für Erdkunde
schülernah und ausführlich bedient (u.a. soziale und wirtschaftsräumliche Disparitäten, Erklärungsansätze
wirtschaftlicher Prozesse, wirtschaftsstrukturelle Auswirkungen des Wandels in Landwirtschaft, Industrie und Dienstleistungen,
Wachstumsimpulse durch neue Technologien und Tourismus; Stellenwert unterschiedlicher Räume in der Weltwirtschaft,
Hightech-Standorte als Innovationszentren wirtschaftlicher Entwicklung).
Darüber hinaus bekommen Schülerinnen und Schüler im Fach Erdkunde Raumvorstellungen über
geopoli-tische Zusammenhänge, die Ihnen ermöglichen, globale Beziehungen (s. Raummodule
im KC II Erdkunde) anschaulich zu erfassen.
Zu einem modernen Abitur, wie es die Kultusministerin bei der Umstellung auf G9 fordert, gehört der
Aktualitätsbezug und die Zukunftsbedeutsamkeit vor allem im Aufgabenfeld B, wie sie u.a. in den
Prinzipien der Nachhaltigkeit und in Fragen wirtschaftsräumlicher und -struktureller Prozesse
zum Ausdruck kommen.
Eine zu starke Zuordnung der politischen Bildung zu einem „Leitfach“ Geschichte würde bedeuten,
dass politische Sachverhalte und Probleme stärker in der Irreversibilität der Vergangenheit und damit
zugleich in eine erhebliche lernpsychologische Distanz für jugendliche Lerngruppen gedrängt würden.
Die vielfältigen Entwicklungen der vergangenen Jahre in Deutschland, Europa und der Welt
haben deutlich gemacht, dass Schülerinnen und Schüler im gesellschaftswissenschaftlichen
Aufgabenfeld sich gegenwartsnah ein räumlich differenziertes Bild von unserem Planeten
machen müssen. Das Fach Erdkunde leistet dazu einen entscheidenden Beitrag.
Eine nachrangige Stellung des Faches ist daher im Hinblick auf die geopolitische Bildung junger
Menschen nicht aktzeptabel.
Wir wären Ihnen sehr dankbar, wenn Sie diese Überlegungen zur Gleichrangigkeit der Fächer im
gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfeld sowie zum Stellenwert des Erdkundeunterrichts in
die neue Fassung des niedersächsischen Schulgesetzes und in der Stundentafel in Sek.I und II
einbeziehen und damit auch viele Schülerinnen und Schüler in ihrem Anwahlverhalten in der
gymnasialen Oberstufe unterstützen würden. Trotz der bisherigen Benachteiligungen bei der Anwahl
des Faches Erdkunde hat sich in den letzten Jahren die Zahl der Abiturientinnen und Abiturienten
mit einem Prüfungsfach Erdkunde signifikant erhöht. Dies zeigt auch klar, wie motivierend die
besonderen methodischen wie auch inhaltlichen Aspekte des Faches Erdkunde für Schülerinnen
und Schüler sind.
.
Selbstverständlich stehen wir Ihnen in einem persönlichen Gespräch zur Verfügung, um unser
Anliegen ggf. umfassender und differenzierter zu erläutern.
Mit freundlichen Grüßen
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