Seminar für Filmwissenschaft
Seminar für Filmwissenschaft
Jakob-Welder-Weg 24
55099 Mainz
Tel.: 06131 / 39-3816
Internet-Adresse: [email protected]
Homepage: http://www.uni-mainz.de/FB/Philologie-I/Film
Personalteil
Leiter: Universitätsprofessor Dr. Thomas Koebner
Tel. 39-3817
Thomas Koebner hat im SS 1999 ein Forschungsfreisemester
Sprechstunden: siehe Aushang
Sekretariat: Evelyn Ickstadt, Ria Kern-Martin
Öffnungszeiten: Mo - Do 10.30 - 13 u. Fr 10.30 - 12.00
Tel. 39-3816
Gastdozent: Dr. phil. habil. Norbert Grob
Sprechstunden im Semester: Fr 12.30 - 13.30
Tel. 39-3817
Wissenschaftliche Assistentin: Dr. Susanne Marschall
Sprechstunden im Semester: Do 14.00 - 16.00
Tel. 39-5680
Fax 39-3819
Wissenschaftliche Mitarbeiter:
Dr. Jürgen Felix
Sprechstunden: siehe Aushang
Tel. 39-3818
Dr. Bernd Kiefer
Sprechstunden im Semester: Fr 12.00 - 14.00
Tel. 39-3818
Lehrbeauftragte:
Dott. Maria Luisa Buovolo-Ullrich
Dr. Simone Emmelius
Thomas Klein, M.A.
Samir Nasr
Volker Petry
Thomas Strahl, Dipl. Journalist, Dipl. Verwaltungswiss. (ZDF)
Ursula Vossen, M.A.
Sprechstunden: siehe Aushang
Studienfachberatung:
Dr. Bernd Kiefer
Tel. 39-3818
Sprechstunden im Semester: Fr 12.00 - 14.00
Studienordnung / Wegweiser
Im Sekretariat ist ein Wegweiser für Studierende des Fachs Filmwissenschaft erhältlich. Das
Heft enthält allgemeine Hinweise zum Fach, die Studienordnung, eine Filmliste mit
›Klassikern‹, Lektüreempfehlungen und anderes mehr.
Bibliothek
P Zi 03 - 836,
Mo - Do 9-17, Fr 9-15
Die Bibliothek der Filmwissenschaft befindet sich außerhalb der Baracke im Philosophicum.
Sie ist zusammengelegt mit den Bibliotheken der Buch- und Theaterwissenschaft und wird
beaufsichtigt von Frau Hedwig Schiffler, Tel. 39-2580.
Da die Filmwissenschaft über keine Bibliothekarsstelle verfügt, existiert zur Zeit noch kein
Bestandskatalog. Die Systematik ermöglicht jedoch einen Überblick über die vorhandenen
Titel. Es ist ein Computer im Bibliotheksraum aufgestellt worden, der die aktuelle
Bibliotheksdatei enthält.
Die Bibliothek ist grundsätzlich eine Präsenzbibliothek, d.h. Bücher können zu den Öffnungszeiten eingesehen, aber nicht ausgeliehen werden. Ausleihe aus der Bibliothek ist nur über das
Wochenende möglich oder kurzfristig zum Kopieren. Voraussetzung für die Ausleihe ist die
Vorlage einer gültigen Seminarkarte.
Videothek
Eine Ausleihe aus der Videothek ist von Dienstag, 12-14 Uhr, bis Donnerstag, 12-14 Uhr,
(Abgabe) und von Freitag, 12-14 Uhr, bis Montag, 12-14 Uhr, (Abgabe) möglich.
Voraussetzung für die Ausleihe ist die Vorlage einer gültigen Seminarkarte.
Wer Bücher und Videos mehr als zweimal mit Verspätung abgibt, riskiert eine Sperrung der
Seminarkarte und damit einen Ausschluß von der Ausleihe für das laufende Semester. Auf jeden Fall wird eine Säumnisgebühr von 1,- DM pro angebrochenem Tag und Film erhoben.
Der Sichtraum ist in den Fachschaftsraum im Philosophicum (U 1 - 497) verlegt worden. Die
Anmeldeliste für Sichttermine liegt im Sekretariat aus, wo auch der Schlüssel für den Fachschaftsraum erhältlich ist.
Das Schwarze Brett
Die aktuellste Informationsquelle der Filmwissenschaft ist das Schwarze Brett (im Flur der
Baracke und im Erdgeschoß des Philosophicums). Dort werden z.B. Änderungen gegenüber
dem Vorlesungsverzeichnis, geänderte Sprechzeiten, besondere Veranstaltungen und andere
wichtige Informationen ausgehängt.
Die Aushänge dort bitte stets beachten!!!
Seminarbesuch und Seminaranmeldung
Die Anmeldung zu den Veranstaltungen (gemeint sind Seminare und Übungen; Vorlesungen
sind öffentlich) erfolgt - wenn nicht ausdrücklich anders vermerkt - in der ersten Seminarsitzung des Semesters.
Für alle Seminare besteht Anwesenheitspflicht, d.h., um einen Leistungsnachweis (=Schein)
zu erwerben, dürfen nicht mehr als zwei Sitzungen versäumt werden.
Falls nicht anders angegeben, beginnen die Veranstaltungen c.t. (d.h. mit akademischem
Viertel); es sei denn, der Beginn ist ausdrücklich auf s.t. (d.h. ohne akademisches Viertel)
oder auf 30 Minuten nach der vollen Stunde (z.B. 9.30 - 11.00) festgelegt.
Seminarkarte
Studienbeginner und Studienortwechsler müssen sich im Sekretariat der Filmwissenschaft
anmelden (zusätzlich zur Einschreibung im Studentensekretariat!!!) und sich eine
Seminarmitgliedskarte ausstellen lassen; bringen Sie hierzu bitte ein Paßfoto und das
Studienbuch mit!
Zu Semesterbeginn muß die Seminarkarte verlängert werden. Bitte halten Sie hierfür Ihren
Studentenausweis mit der aktuellen Semesterbescheinigung bereit.
Die gültige Seminarkarte ist Voraussetzung für die Ausleihe von Videokassetten und
Büchern.
Ausstellung und Verlängerung der Seminarkarten: zu Sekretariatsöffnungszeiten in den
beiden ersten Wochen des Sommersemesters ´99, Di, 6.4. - Di, 20.4 1999.
Veranstaltungen im Sommersemester 1999
Vorlesungen
Erzählkino als Familiendrama
[2-std.], Di 14-16 c.t., P 2
Sichttermin: Mo 17-19 s.t., P 2
J. Felix u.a.
Das Studiosystem in Hollywood
[2-std.], Do 14-16 c.t., P 2
N. Grob
Proseminare
Theater und Film
[2-std.], Do 16-18 c.t., P 11
S. Marschall,
M. Moninger
Titanic - Analyse eines Erfolgsfilms
[2-std.], Do 12-14 c.t., P 2
B. Kiefer
Neuer deutscher Film
[2-std.], Mo 12-14 c.t., P 2
J. Felix
Das italienische Kino der Gegenwart:
Gianni Amelio, Roberto Benigni, Nanni Moretti
[2-std.], Di 9.30-11 s.t., P 2
M. Buovolo
»Schrei, wenn du kannst«. Der Horrorfilm in den neunziger Jahren
[4-std., 14-tägl.] Di 17-21 c.t., P 2
U. Vossen
Studien zur Schauspielkunst im Film
[2-std.], Fr 12-14 c.t., P 2
Th. Klein
Filmischer Modellversuch
[6-std.], Mi 17-21 c.t., u.n.V., P 2
S. Marschall u.a.
Hauptseminare
Maverick Directors. Die ›wilden‹ Hollywood-Regisseure der 50er Jahre
[3-std.], Fr 14-17 c.t., P 2
N. Grob
Die langen Schatten der Düsternis - Neo Noir
[3-std.], Do 16-19 c.t., P 2
B. Kiefer
Jim Jarmusch
[3-std.], Mo 14-17 c.t., P 2
J. Felix
From Post to Neo? Neue Dramaturgien des Erzählkinos
[3-std.], Di 11-13.30 s.t., P 2
J. Felix
Werbefilm
[3-std.], Mi 14-17 c.t., P 2
S. Marschall,
Th. Strahl
Übungen
Filmkritik
[2-std.], Do 17-19 c.t., Bibl.
N. Grob
Ringvorlesung
Erzählkino als Familiendrama
Ringvorlesung, Di 14-16 c.t., P 2; Sichttermin: Mo 14-16 s.t., P 2
13.04.
Jürgen Felix
Der nicht ganz tote Vater
Ansätze zu einer Subgeschichte des Erzählkinos
20.04.
Bernd Kiefer
Geschichte als Familiengeschichte(n)
Viscontis Melodramen
Sichttermin: Gruppo di famiglia in un interno (1974)
27.04.
Maria Luisa Buovolo
Schmutzig, häßlich und gemein
Ettore Scolas etwas "andere" italienische Familie
Sichttermin: Brutti, sporchi e cattavi (1975)
04.05.
Susanne Marschall
Au revoir, maman
Mütter und Söhne bei Louis Malle
Sichttermin: Le souffle au coeur (1971)
11.05.
Ursula Vossen
Weder Macho noch Softie
AlmodÛvar, Postfrankismus und der Neue spanische Mann
Sichttermin: Tacones lejanos (1991)
18.05.
Norbert Grob
Nachts im Nebel an der Themse
Familienintrigen in den Edgar Wallace-Filmen
Sichttermin: Das Gasthaus an der Themse (1962)
Ringvorlesung
01.06.
Anette Kaufmann
Liebe im Schloß
Zum "Pilcher-Phänomen" in deutschen Fernsehfilmen
Sichttermin: Kompilation
08.06.
Burkhard Röwekamp
Vater, Sohn, unheiliger Geist
Familien-Dekonstruktionen im Neo Noir
Sichttermin: Seven (1995)
15.06.
Hermann Kappelhoff
Empfindsame Helden
Variationen des Ödipus-Motivs im Hollywoodkino der 50er Jahre
Sichttermin: A Place in the Sun (1951)
22.06.
Robert Müller
Zwischen Autoritätsflucht und Vatersuche
Arthur Penns jugendliche Helden
Sichttermin: Four Friends (1981)
29.06.
Heike Klippel
Die Wiege des Bösen
Horror und Reproduktion
Sichttermin: It's alive (1976)
06.07.
Thomas Koebner
Big Daddy Is Watching You
Familienkonflikte im amerikanischen Melodram
Sichttermin: Cat on a Hot Tin Roof (1958)
Soweit nicht durch Aushang anders angegeben, wird beim Sichttermin die deutsche
Verleihfassung gezeigt; bei der Kompilation handelt es sich um eine Zusammenstellung von
für den Vortrag relevanten Sequenzen. Wegen der unterschiedlichen Filmlängen sollten die
Aushänge in der Baracke beachtet werden.
Vorlesung
Norbert Grob
Das Studiosystem in Hollywood
V, 2-std., Do 14- 16 c.t., P 2
Die Vorlesung wird Beginn, Entwicklung und Höhepunkt des Studiosystems in Hollywood
vorstellen. Im Mittelpunkt sollen die Charakterisierung der einzelnen Studios stehen, die Geschichte ihrer Filme und ihrer Angestellten sowie die ästhetischen Besonderheiten ihrer Filme:
The Big Five: MGM, Paramount, Warner Bros., 20th-Century Fox, RKO; The Little Three:
Columbia, Universal, United Artists; and the Specialized: Monogram & Republic.
E i n f ü h r e n d e L i t e r a t u r : Douglas Gomery: The Hollywood Studio System. London
1986; Thomas Schatz: The Genius of the System. New York 1988.
Proseminar
Maria Luisa Buovolo
Das italienische Kino der Gegenwart:
Gianni Amelio, Roberto Benigni, Nanni Moretti
PS, 2-std., Di 9.30-11 s.t., P 2
Nach der schweren Krise der 80er Jahre hat das italienische Kino in den 90er Jahren eine unumstrittene Renaissance erlebt. Auch wenn eine neue Generation von CinÈasten der
nationalen Kinematographie zweifellos neue Impulse gegeben hat, sind es heute drei Autoren,
die bereits seit den 70er Jahren als Filmemacher tätig sind, die auf internationaler Ebene das
italienische Kino an der Schwelle des Jahres 2000 repräsentieren: Roberto Benigni, Jahrgang
1952, Nanni Moretti, Jahrgang 1953, und Gianni Amelio, Jahrgang 1945, sind von ganz
unterschiedlicher Herkunft und haben sich auch an ganz unterschiedlichen filmsprachlichen
Modellen orientiert. Hinter der prickelnden und surrealen Komik des Schauspielers und
Regisseurs Benigni, dessen clowneske ›anima‹ Cinéasten wie Jim Jarmusch, Blake Edwards
und Federico Fellini faszinierte, steckt die Suche nach einem eigenen Ausdruck der
›Leichtigkeit des Seins‹. Der unverwüstliche Moralist und gnadenlose Kritiker der
fernsehsüchtigen italienischen Gesellschaft Moretti, der ›italienische Woody Allen‹, ist mit
seinem autobiographischen Kino zum Sprachrohr einer ganzen Generation geworden, dem der
Post-68er mit all ihren Zweifeln und Widersprüchen. Anfänglich als leidenschaftlicher
CinÈphiler und später als Regieassistent bei populären Genre- und B-Filmen hat Amelio zu
Beginn der 90er Jahre einige der wichtigsten Werke des zeitgenössischen europäischen Films
realisiert. Der Regisseur ist so zum bedeutenden Repräsentanten eines neuen ›Autorenkinos‹
geworden, das in enger Verbindung und idealer Kontinuität mit der großen Tradition des
italienischen Neorealismus steht.
Ziel der Veranstaltung ist, auf der Basis einer Filmauswahl die unterschiedlichen Werke der
drei Autoren im filmhistorischen und soziokulturellen Kontext des heutigen Italien zu
analysieren und zu interpretieren.
V o r a u s s i c h t l i c h e F i l m a u s w a h l : Regie Roberto Benigni: Il piccolo diavolo /
Ein himmlischer Teufel (1988), Johnny Stecchino / Zahnstocher-Johnny (1991), Il mostro
(1994); Regie: Nanni Moretti: La messa È finita / Die Messe ist aus (1985), Palombella rossa
/ Wasserball und Kommunismus (1989), Caro diario / Liebes Tagebuch (1993); Regie: Gianni
Amelio: Porte aperte / Offene Türen (1990), Ladro di bambini / Gestohlene Kinder (1992),
Lamerica (1994).
L i t e r a t u r h i n w e i s e werden zu Beginn der Veranstaltung bekanntgegeben.
Proseminar
Jürgen Felix
Neuer deutscher Film
PS, 2-std., Mo 12-14 c.t., P 2
»Der alte Film ist tot. Wir glauben an den neuen«, deklarierten 1962 die Unterzeichner des
»Oberhausener Manifests«, u.a. Alexander Kluge, Edgar Reitz und Peter Schamoni.
Allerdings dauerte es noch fast ein Jahrzehnt, bis der Neue deutsche Film als international
anerkanntes ›Markenzeichen‹ etabliert war, nicht zuletzt durch das ›Autorenkino‹ von Rainer
Werner Fassbinder, Werner Herzog und Wim Wenders. Wann diese Epoche der
bundesdeutschen Filmgeschichte zu Ende ging, ob mit Fassbinders Tod im Juni 1982 oder
bereits unmittelbar nach dem ›deutschen Herbst‹ 1977, ist strittig; unstrittig ist dagegen, daß
es keine ästhetisch produktivere Periode in der bundesdeutschen Filmgeschichte gegeben hat,
in der auch Außenseiter wie Werner Schroeter, Hans Jürgen Syberberg oder Rosa von
Praunheim ihre Chance hatten, gar nicht zu reden von der zu dieser Zeit entstehenden
feministischen Filmkultur.
Das Proseminar ist bewußt als Einführung konzipiert, das mit einer Epoche deutscher Filmgeschichte vertraut machen will: mit den Filmen und Filmemachern, aber auch mit den Produktionsbedingungen und dem gesellschaftlichen Kontext. Spezialkenntnisse werden nicht
vorausgesetzt, wohl aber die Bereitschaft zur intensiven Mitarbeit und zur Übernahme eines
Kurzreferates.
Als e i n f ü h r e n d e L e k t ü r e - auch zur Anschaffung - sei dringend empfohlen:
Thomas Elsaesser: Der Neue Deutsche Film. Von den Anfängen bis zu den neunziger Jahren
[1989]. Aus dem Amerikanischen von Reinhold Rauh. München: Heyne, 1994 [G 05 NdF 6].
Proseminar
Bernd Kiefer
Titanic - Analyse eines Erfolgsfilms
PS, 2-std., Do 12-14 c.t., P 2
Als in der Nacht des 15. April 1912 der Luxusdampfer Titanic vor Neufundland sank und
1500 Menschen ums Leben kamen, wurde im noch jungen 20. Jahrhundert ein Mythos
geboren: der Mythos der technischen Katastrophe aus menschlicher Hybris. In den Berichten
der Überlebenden, die innerhalb kürzester Zeit um die Welt telegraphiert wurden, erschien der
Untergang des als unsinkbar geltenden Schiffes als moderne Tragödie. So hat ihn Max
Beckmann noch im gleichen Jahr gemalt. Für Beckmann ist der Untergang der Titanic eine
»Menschheitsfabel in zeitgemäßem Gewand« (Hans Belting), eine Fabel, in der der alten
Daseinsmetapher des »Schiffbruchs mit Zuschauer« (Hans Blumenberg) neue Bedeutung
zukommt. Der Mythos Titanic hat seither, trotz weit größerer Katastrophen in diesem
Jahrhundert, an Faszinationspotential gewonnen, vor allem an ästhetischer Faszination. Der
Autor und Regisseur James Cameron konnte für seine Interpretation in Titanic (1997), dem
erfolgreichsten Film in der Geschichte des Mediums, auf eine Vielzahl anderer
Interpretationen zurückgreifen und den mythischen Schiffbruch für die Zuschauer am Ende
des Jahrhunderts und zu Beginn eines neuen Jahrtausends ins Gewand eines anderen Mythos
kleiden: in den der alle Untergänge überdauernden, nie endenden Liebe.
Im Seminar soll zunächst an ausgewählten Beispielen aus Literatur und Film eine Mythologie
des Schiffbruchs der Titanic analysiert werden. Ausgangspunkt ist Hans Blumenbergs Buch
»Schiffbruch mit Zuschauer« (1979); Bezugspunkte sind Hans Magnus Enzensbergers Gedicht-Band »Der Untergang der Titanic. Eine Kömodie« (1978), Erik Fosnes Hansens Roman
»Choral am Ende der Reise« (1990) und die Filme Titanic (D 1943, Herbert Selpin), Titanic /
Der Untergang der Titanic (USA 1953, Jean Negulesco) und A Night to Remember / Die
letzte Nacht der Titanic (GB 1958, Roy Baker). Im Zentrum der Seminar-Arbeit steht dann
James Camerons Titanic, wobei hier die spezifische Motivstruktur und die dramaturgischvisuelle Verbindung von Katastrophenfilm und Romanze zu untersuchen sind. Ein
Seminarplan wird in der ersten Sitzung vorliegen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer
sollen sich dann auch zur Übernahme von Referaten entscheiden, wobei Themenvorschläge
willkommen sind. Dies setzt allerdings die Kenntnis der genannten Literatur und der Filme
voraus.
L i t e r a t u r h i n w e i s e : Hans Blumenberg: Schiffbruch mit Zuschauer. Paradigma einer
Daseinsmetapher. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1979; Hans Magnus Enzensberger: Der
Untergang der Titanic. Eine Komödie. Frankfurt a.M.: Suhrkamp; Erik Fosnes Hansen:
Choral am Ende der Reise. Frankfurt a.M.: Fischer, 1997.
Proseminar
Thomas Klein
Studien zur Schauspielkunst im Film
PS, 2-std., Fr 12-14 c.t., P 2
Das Seminar vermittelt Grundkenntnisse im Umgang mit Schauspielkunst im Film. James
Naremore hat 1988 mit »Acting in the Cinema« das Grundlagenwerk zum Thema geliefert.
Wir werden uns eingehend mit seinem Buch beschäftigen, insbesondere mit dem Kapitel zu
Hitchcocks Rear Window (S. 239-261). Die Anschaffung des Bandes wird daher dringend
empfohlen.
Neben der Beschäftigung mit Texten sollen wichtige Modelle des Schauspiels im Film anhand
von Filmbeispielen diskutiert werden. Die Auswahl der Filme ist noch nicht endgültig getroffen; sie kann sich zum Teil auch im Verlauf des Seminars ergeben. Als Beispiel für das von
Lee Strasberg begründete Method-Acting schlage ich James Dean und die Filme Rebel
without a Cause / ...denn sie wissen nicht, was sie tun (1955) und East of Eden / Jenseits von
Eden (1954) vor.
L i t e r a t u r : James Naremore: Acting in the Cinema. Berkeley, Los Angeles, London 1988;
Knut Hickethier: Film- und Fernsehanalyse. Stuttgart, Weimar 1993, S. 159-172; Andrej
Tarkovskij: Die versiegelte Zeit. Gedanken zur Kunst, zur ƒsthetik und Poetik des Films.
Frankfurt a.M., Berlin 1991, S. 148-165; Jurij M. Lotman: Probleme der Kinoästhetik.
Einführung in die Semiotik des Films. Frankfurt a.M. 1977, S. 130-144; Thomas Koebner:
Leibesvisitation: Schauspielkunst im Stummfilm. In: Ders.: Lehrjahre im Kino. Schriften zum
Film. St. Augustin 1997, S. 67-107; Thomas Koebner (Hrsg.): Schauspielkunst im Film.
Erstes Symposium (1997). St. Augustin 1998.
Proseminar
Susanne Marschall, Markus Moninger
Theater und Film: Zwischen den Künsten
Mediale Transformationsprozesse vom Theater zum Film
PS, 2-std., Do 16-18 c.t., P 11
Das Proseminar stellt den Auftakt einer Reihe fachübergreifender Seminare (Theater- und
Filmwissenschaft) dar, die sich mit verschiedenen Aspekten des Medienwechsels vom
dramatischen Text zur Theaterinszenierung und zum Film befassen. Ausgehend von der
theoretischen Annäherung an den Begriff der Intermedialität sollen im Seminar Schwellen des
Transformationsprozesses zwischen den Künsten ausfindig gemacht werden, auf denen die
verwandten und zugleich gegensätzlichen medialen Konstruktionsprinzipien von Theater und
Film ebenso sichtbar wie unsichtbar werden können. Zum Gegenstand der Analyse werden
neben ›klassischen‹ Adaptionen literarischer Stoffe durch die darstellenden Künste (Theater
und Film) auch sogenannte ›mediale Hybridformen‹ (z.B. filmisch inszenierte
Tanztheateraufführungen, Opernfilme etc.) gemacht. Zunächst (Sommersemester 1999) stehen
ausgewählte Inszenierungen und Verfilmungen ›klassischer‹ Stoffe zur Diskussion, deren
genaue Kenntnis Voraussetzung für den Seminarbesuch ist. An das einführende und
grundlegende Seminar des Sommersemesters schließt im Wintersemester 1999/2000 die
Auseinandersetzung mit der Geschichte, Theorie und Praxis der Schauspielkunst in Film und
Theater an. Das dritte Seminar der Reihe (Sommersemester 2000) befaßt sich mit den
›KörperWelten‹ in Film und Theater und zwar mit Fokus auf Tanz und Körperbewegung.
Ein Seminarplan mit Filmliste liegt ab 15.3.99 im Sekretariat aus.
L i t e r a t u r : Jörg Helbig (Hrsg.): Intermedialität.
interdisziplinären Forschungsgebiets. Berlin 1998.
Theorie
und
Praxis
eines
Proseminar
Susanne Marschall, Simone Emmelius, Thomas Strahl,
Volker Petry, Samir Nasr
Filmischer Modellversuch
PS, 6-std., Mi 17 - 21 c.t., u.n.V., P 2
Der in jedem Sommersemester stattfindende Modellversuch wird betreut von Dramaturgie-,
Kamera- und Schnittberatern. Wie immer ist das Ziel, bis zum Ende des Semesters mehrere
max. 6 Minuten dauernde Spielfilme herzustellen. Alle Teilnehmer/Innen, Hauptfächler vor
Abschluß ihres Grundstudiums, werden darum gebeten, ein Exposé, ein Treatment und ein
Drehbuch zu verfassen. Eine kleine Jury trifft die Auswahl der Vorschläge, die realisiert
werden. Bitte: Alle Exposés müssen bis zur zweiten Semesterwoche vorliegen (1 - 1,5
Seiten).
L i t e r a t u r : Alan Armer: Lehrbuch der Film- und Fernsehregie. Frankfurt a.M. 1997; Mike
Crisp: The Practical Director. Oxford, London 1993 G 08, Reg 6.
Proseminar
Ursula Vossen
»Schrei, wenn du kannst«
Der Horrorfilm in den neunziger Jahren
PS, 4-std., 14-tgl., Di 17-21 c.t., P 2
Im Zuge der Renaissance des Genre-Kinos spielt der Horrorfilm eine herausragende Rolle.
Die Horrorfilme des zuendegehenden Jahrzehnts demonstrieren, daß das Genre zu den
vitalsten zählt und sich weiterentwickelt. Ebenso selbstbewußt wie spielerisch verbindet es
Tradition und neue Wege, Parodie und Selbstreflexion. In seinen herausragenden Werken
präsentiert der Horrorfilm sich als Seismograph für kollektive Bewußtseinslagen, spaltet aber
zugleich die Gesellschaft in vehemente Gegner, die in ihm eine Gefährdung für die
Menschheit sehen, und Fans, die ihre Vorliebe nicht mehr legitimieren wollen. Sein
vorwiegend jugendliches und männliches Zielpublikum erreicht der Horrorfilm auf
verschiedenen Kommerzialisierungsstufen; sie reichen von der Hollywood-Großproduktion
über den qualitätsvollen Indepedentfilm bis zu Low- und No-Budget-Werken aus einer
ausgesprochen umtriebigen Subkultur. Fachmagazine wie »Splatting Image«, spezialisierte
Versandhäuser und Videotheken als gut funktionierende alternative Distributionswege haben
ihren festen Platz in der Szene.
Das Seminar legt einen Schwerpunkt auf das Verhältnis des Horrorfilms der 90er Jahre zur eigenen Tradition, das sich in Neuadaptationen der literarischen und filmischen Horrorklassiker
sowie in Biopics über Genre-Ikonen wie James Whale, Bela Lugosi und Ed Wood
manifestiert. Anhand von Cindy Shermans Office Killer ist ein intermedialer Brückenschlag
zur Fotografie vorgesehen.
V o r l ä u f i g e A u s w a h l d e r F i l m e (die in möglichst ungeschnittenen Fassungen
behandelt werden): A Chinese Ghost Story II-III (Ching Siu-Tung, 1990/91), Army of
Darkness (Raimi, 1993), Braindead (Jackson, 1992), Bram Stoker's Dracula (Coppola, 1992),
Buffy, the Vampire Slayer (Carpenter), Dracula (Brooks, 1995), Ed Wood (Burton, 1994), El
dÌa de la bestia (de la Iglesia, 1995), From Dusk till Dawn (Rodriguez, 1996), Gods and
Monsters (Condon, 1998), Interview with a Vampire (Jordan, 1994), Mary Reilly (Frears,
1996), Mary Shelley's Frankenstein (Brannagh, 1994), Mermaid in a Manwhole (Hino,
1991), Nightwatch (Bornedal, sowie eigenes US-Remake, 1994/98), Office Killer (Sherman,
1998), Schramm (Buttgereit, 1993), Scream / Scream II (Craven, 1996/97), The Addiction
(Ferrara, 1995), Violent Shit I und II (Schnaas, 1987/92).
L i t e r a t u r : Carlos Losilla: El cine de terror. Un introducciÛn. Barcelona 1993; Howard
Maxford: The A - Z of Horror Films. London 1996; Kim Newman: The British Film Institute
Companion to Horror. London 1996; Hans Schifferle: Die 100 besten Horror-Filme. München
1993; Norbert Stresau: Der Horror-Film. 3. Aufl., München 1987.
Hauptseminar
Jürgen Felix
Jim Jarmusch
HS, 3-std., Mo 14-17 c.t., P 2
Mit zwei kleinen Schwarzweißfilmen, der kargen Immigrantengeschichte Stranger than
Paradise (1984) und der ›Neo-beat-noir-comedy‹ Down by Law (1986), avancierte der 1953
geborene US-Amerikaner in Europa zum ›Kultregisseur‹, mit Mystery Train (1989) und Night
on Earth (1991) stellte Jim Jarmusch sein Bestreben um innovatives Erzählen erneut unter
Beweis, und der ›Kunstwestern‹ Dead Man (1996) bestätigte, was bereits sein
dokumentarischer Debütfilm Permanent Vacation (1980) annonciert hatte: daß sich dieser
Autorenfilmer zumeist gegen den Trend der Zeit bewegt, sich besonders für AußenseiterFiguren interessiert und Amerika, das ›gelobte Land‹, immer wieder aus der Perspektive des
Fremden in den Blick nimmt. »It’s a sad and beautiful world.« Was der Italiener Roberto
(»call me Bob, it’s the same«) in Down by Law beinahe beiläufig rezitiert, ließe sich zum
ästhetischen Programm von Jarmuschs Poetik ausformulieren; und was in seinen Filmen so
auffällig leicht und unspektakulär einfach erscheint, erweist sich bei genauerem Hinsehen
oftmals als ironisch gebrochen und Bestandteil einer exakt kalkulierten Dramaturgie, die
filmhistorische, literarische und popkulturelle Bezüge zu einem tragikomischen Gesamtbild
verwebt, ohne sie als Zitate auszustellen. Gerade angesichts der lakonischen Situationskomik
vieler Sequenzen, bisweilen an der Grenze zur ›Nummernrevue‹, kann man leicht übersehen,
daß Jarmuschs Helden im Grunde ›traurige Gestalten‹ darstellen: Außenseiter, Verlierer,
Unbehauste, deren Hoffnungen sich allenfalls in einem märchenhaften, wenn nicht
allegorischen Happy-end erfüllen können. Wenn dieser Stilbegriff nicht bereits filmhistorisch
besetzt
wäre,
so
würde
ich
Jim
Jarmuschs
Ästhetik
als
(post-)moderne Variante des ›poetischen Realismus‹ bezeichnen - aber vielleicht wäre dies ein
Ausgangspunkt für die Diskussion.
Im Seminar soll das komplette Œuvre von Jim Jarmusch behandelt werden, im Kontext der
filmhistorischen, literarischen und popkulturellen Bezüge und auch mit Blick auf Jarmuschs
›Gastrollen‹ bei befreundeten Filmemachern wie den Brüdern Kaurismäki oder Wayne Wang.
Eine grundlegende Studie zum Werk von Jim Jarmusch steht bislang noch aus; eine
Textsammlung mit Aufsätzen, Artikeln und Filmkritiken findet sich im Seminarordner. Da im
Semester kein besonderer Sichttermin zur Verfügung steht, sollten sämtliche Filme bereits vor
Semesterbeginn gründlich ›studiert‹ werden. Das gäbe auch die Möglichkeit, einmal nicht
streng chronologisch zu verfahren, sondern das Seminar nach anderen Aspekten zu strukturieren: z.B. Erzählstrategien, Figurenkonstellationen, Amerika-Bild(er), Verwendung von
Zitaten. Themen- und Referatsvorschläge sind ausdrücklich willkommen, sollten jedoch
bereits in der Woche vor der konstituierenden Sitzung eingereicht werden.
Hauptseminar
Jürgen Felix
From Post to Neo?
Neue Dramaturgien des Erzählkinos
HS, 3-std., Di 11-13.30 s.t., P 2
Seit Anfang der neunziger Jahre hat man das Ende des Postmodernismus diagnostiziert, vor
allem in Literatur und Bildender Kunst. Aber offenbar hat auch das Erzählkino Abschied vom
postmodernen Spiel mit Zeichen und Zuschauer genommen, von ironisierenden oder nostalgischen Inszenierungen eines ›Lebens aus zweiter Hand‹. Doch was haben wir im Kino der
neunziger Jahre Aufregendes erlebt, außer der ›ewigen Wiederkehr‹ des spektakulären Hollywood-Kinos und seiner zeitgeistigen Nachahmungen? Welche ästhetischen und/oder
dramaturgischen Innovationen konnten wir im internationalen Erzählkino beobachten? Sicherlich gibt es die Hinwendung zu einem neuen ›Realismus‹, aber es gibt auch eine Potenzierung
der Künstlichkeit, und nicht zuletzt gibt es Filme, die ihre poetische Programmatik aus der
Rückbesinnung auf die filmhistorische Tradition schöpfen. Wayne Wangs Smoke (1996) und
Lars von Triers Breaking the Waves (1996) mögen für letztgenannte Tendenz als nahezu zeitgleiche, aber höchst unterschiedliche Beispiele stehen.
Im Seminar wird es weniger um Kanonbildung gehen, vielmehr werden einzelne ›Fallstudien‹
im Mittelpunkt stehen, allerdings in der Hoffnung, innovative Tendenzen des
Gegenwartskinos deutlich werden zu lassen - vielleicht sogar Symptome für eine Veränderung
der Filmkultur. Außer den beiden genannten Filmen ist bislang die Analyse folgender Werke
avisiert: Pulp Fiction (USA 1994, Quentin Tarantino), The Usual Suspects (USA 1995, Bryan
Singer), Trainspotting (GB 1995, Danny Boyle), Lost Highway (USA 1997, David Lynch),
Funny Games (A 1997, Michael Haneke), Lola rennt (BRD 1998, Tom Tykwer), Pola X
(F/BRD 1999, Léos Carax), Fallen Angels (Hong Kong 1995, Wong Kar-Wai), Hana-bi
(Japan 1997, Takeshi Kitano), Tokyo Fist (Japan 1995, Shinya Tsukamoto), The Fifth Element
(F 1997, Luc Besson). Weitere Vorschläge - bitte vor Semesterbeginn - sind erbeten. Die
genaue Themenliste wird in der konstituierenden Sitzung verabredet.
Hauptseminar
Norbert Grob
Maverick Directors
Die ›wilden‹ Hollywood-Regisseure der 50er Jahre
HS, 3-std., Fr 14-17 c.t., P 2
In den fünfziger Jahren drehten Hollywoods Altmeister ihre letzten großen Filme: John Ford
The Searchers (1956), Howard Hawks Rio Bravo (1959), Alfred Hitchcock North by
Northwest (1959), Raoul Walsh The Tall Men (1955), William Wyler The Desperate Hours
(1955). Die mittlere Generation der Meisterregisseure, die Anfang der vierziger Jahre angefangen hatten, arbeitete weiter an inspirierten Variationen ihres Werks: John Huston mit The
Red Badge of Courage (1951) und Moby Dick (1956), Elia Kazan mit On the Waterfront
(1954) und East of Eden (1955), Joseph L. Mankiewicz mit The Barefoot Contessa (1954)
und Suddenly, Last Summer (1959), Otto Preminger mit The Man with the Golden Arm (1955)
und Bonjour Tristesse (1956). Plötzlich aber tauchte eine neue, jüngere Generation in
Hollywood auf, die einen völlig anderen, innovativen erzählerischen Zugriff auf ihre
Geschichten suchte - die einen offener und brüchiger wie Aldrich, Brooks und Ray, die
anderen härter und wilder wie Fuller und Siegel, zum Teil auch Frankenheimer und Mann.
Das Seminar wird sich mit den filmischen Konzepten dieser neuen Regisseure beschäftigen:
Samuel Fuller, Anthony Mann, Nicholas Ray - und versuchen, ihre jeweiligen besonderen
Stile analytisch zu bestimmen, auch in Abgrenzung zu den damals üblichen Konventionen.
A u s g e w ä h l t e F i l m e : The Lusty Men (1952, Nicholas Ray), The Naked Spur /
Nackte Gewalt (1952, Anthony Mann), Private Hell 36 / Hölle 36 (1954, Don Siegel), Forty
Guns / Vierzig Gewehre (1956, Samuel Fuller), Rebel without a Cause / ...denn sie wissen
nicht, was sie tun (1955, Ray), Kiss Me Deadly / Rattennest (1955, Robert Aldrich), The Big
knife / Hollywood Story (1956, Aldrich), Blackboard Jungle / Die Saat der Gewalt (1955,
Richard Brooks), Crime in the Streets / Entfesselte Jugend (1956, Siegel), The Young
Stranger / Das nackte Gesicht (1956, John Frankenheimer)
L i t e r a t u r : Alan Lovell: Don Siegel. London 1974; John F. Kneidl: Nicholas Ray. Boston
1977; Richard Combs: Robert Aldrich. London 1978; Phil Hardy: Samuel Fuller: New York
1979; Ulrich von Berg, Norbert Grob: Fuller. München 1984; Patrick Brion: Richard Brooks.
Paris 1986; Alberto Morsiani: Anthony Mann. Florenz 1987; Norbert Grob, Manuela
Reichart: Ray. Berlin 1989.
Hauptseminar
Bernd Kiefer
Die langen Schatten der Düsternis ñ Neo Noir
HS, 3-std., Do 16-19 c.t., P 2
Der Film Noir, die ›Schwarze Serie‹ im amerikanischen Film der vierziger und fünfziger
Jahre, artikulierte in den Geschichten und im visuellen Stil eine »neue Stimmung aus
Zynismus, Desillusion und Düsternis« und etablierte »moralisch ambivalente, oft psychisch
deformierte Charaktere« (Robert Müller). Filme wie The Maltese Falcon / Die Spur des
Falken (1941) von John Huston und Double Indemnity / Frau ohne Gewissen (1944) von
Billy Wilder sind die Klassiker dieser ästhetischen Verunsicherungsstrategie, die in Robert
Aldrichs Kiss Me Deadly / Rattennest (1955) dann apokalyptische Dimensionen annimmt.
Lange wurde debattiert, ob der deutsche Film-Expressionismus Pate stand bei der Geburt des
Film Noir; bis heute kann man darüber streiten, ob der Film Noir ein begrenzter Epochen-Stil
ist oder ob die langen Schatten der Düsternis nicht weiterhin in der Filmgeschichte präsent
sind: als Neo Noir. Das ist die Frage, die das Seminar motiviert. Vor allem in Frankreich, wo
der Begriff des Film Noir geprägt wurde, läßt sich dessen Einfluß über den Fatalismus und
ƒsthetizismus von Jean-Pierre Melvilles Le Samourai / Der eiskalte Engel (1967) bis zum
postmodernen Kino von Jean-Jacques Beineixí La Lune dans le caniveau / Der Mond in der
Gosse (1983) und zu Edouard Niermansí PoussiËre dí ange / Engel aus Staub (1987)
verfolgen. In den USA knüpfte Robert Altman mit der Chandler-Adaption The long Goodbye
/ Der Tod kennt keine Wiederkehr bereits 1972 aktualisierend an den Film Noir an, und ein
stilbewußter Regisseur wie Walter Hill folgte mit Driver (1978), um ein pessimistisches Weltund Menschenbild zu visualisieren. Bis in Abel Ferraras King of New York (1990) fallen die
Schatten des Noir, und in den Filmen von Peter Medak, etwa Romeo is bleeding (1993), und
vor allem in denen von John Dahl, Kill me again (1989), Red Rock West (1992), The last
Seduction (1994) nehmen sie in den neunziger Jahren neue Gestalt an. Im Seminar soll das
Fortleben des Film Noir verfolgt und in den sich wandelnden Kontexten analysiert werden.
Von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern wird erwartet, daß sie die Klassiker des Film Noir
und die genannten Neo Noirs kennen und in der ersten Sitzung dazu beitragen, aus der Fülle
der Filme eine Auswahl zu treffen, die ihren Interessen Rechnung tragen soll.
Begleitend zum Hauptseminar wird Marcus Stiglegger ein Tutorium anbieten (2-std., Mi,
12-14, O.n.V.), das sich zunächst der eingehenden Behandlung einiger klassischer Beispiele
des Film Noir widmen wird. Später werden ergänzend zu den behandelten Regisseuren
zusätzliche Beispiele punktuell analysiert. Abschließend soll ein Ausblick auf die Verwendung von Noir-Elementen in anderen Formen filmischen Erzählens gegeben werden, z.B. in
Musikclips.
L i t e r a t u r : Guy Austin: Contemporary French Cinema. Manchester, New York 1996;
Joan Copjec (Hrsg.): Shades of Noir. A Reader. London, New York 1993; Frank Krutnik: In a
lonely street. Film noir, genre, masculinity. London, New York 1991; J. P. Telotte: Voices in
the dark. The Narrative Patterns of Film Noir. Illinois 1989.
Hauptseminar
Susanne Marschall, Thomas Strahl
Werbefilm
HS, 3-std., Mi 14-17 c.t., P 2
Lästige Unterbrechung oder kreatives Feuerwerk, langatmige Vorschau oder launiger Auftakt
eines Kinoabends: Werbung in bewegten Bildern flimmert tagtäglich auf uns ein und an uns
vorbei. Viel gesehen, wenig be- und geachtet, gehört Werbung in Wort, Bild und Ton zu den
dominanten Zeichensystemen im multimedialen Alltag gehetzter Großstadtmenschen. Keine
Autofahrt ohne vorbeifliegende Kaufbotschaft, kein Stadtbummel ohne die bunte
Reklamevielfalt an Litfaßsäule und Bauzaun, kein Sommer ohne Langnese!
Bislang ohne große filmwissenschaftliche oder filmhistorische Resonanz, ist die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit gedruckten oder gefilmten Werbebotschaften zumeist Sache der
Soziologen oder - unter dem Aspekt der Erforschung der Werbewirkung - der Wahrnehmungspsychologie. Erst in jüngster Zeit widmen sich film- und fernsehwissenschaftliche Untersuchungen der Erforschung von Geschichte und ƒsthetik der Filmwerbung - obwohl hier
(zugegeben neben viel Belanglosem) Kleinode der Dramaturgie, der Bildgestaltung, der Montage und des Rhythmus zu finden sind. ›Gutgemachte‹ Werbung steht für die Erzählung einer
Geschichte en miniature, für vielschichtige und genau kalkulierte Komposition des
Bildaufbaus, für pointierten und wirkungsvollen Einsatz von Geräusch und Musik, für
Sparsamkeit der Mittel oder für die Inszenierung des begehrten ›Happy feelings‹ unter
Aufbietung aller zur Verfügung stehenden Farben und Formen. An Werbung läßt sich lernen,
wie visuell und akustisch Atmosphäre entsteht, wie - mit anderen Worten - Emotionen
geweckt und kanalisiert werden.
Das Hauptseminar macht sich am Leitfaden der Geschichte der Filmwerbung auf die Suche
nach avancierten Werbekonzepten ästhetischer wie inhaltlicher Art. Begleitend sollen exemplarische und vergleichende Analysen von Werbespots verschiedener Zeiträume (in Zehnerschritten von den fünfziger Jahren bis heute) unter bestimmten thematischen Gesichtspunkten
durchgeführt werden. Hauptaugenmerk des Seminars gilt - neben der ƒsthetik und
Dramaturgie ausgewählter Werbefilme und den unterschiedlichen Präsentationsformen der
Produkte bis hin zur völligen Abwesenheit des zu Bewerbenden - auch solch zeitabhängigen
und zeittypischen Erscheinungen wie der Wandlung von Männer- und Frauenbildern, die eng
an die Präsentation bestimmter Produkte (Autos, Waschmittel, Parfüm) gebunden sind.
L i t e r a t u r : Günter Agde: Flimmernde Versprechen. Geschichte des deutschen
Werbefilms im Kino seit 1897. Berlin 1998; Rainer Gries, Volker Ilgen, Dirk Schindelbeck:
»Ins Gehirn der Masse kriechen!« Werbung und Mentalitätsgeschichte. Darmstadt 1995;
Thomas Schierl: Vom Werbespot zum interaktiven Werbedialog. Über die Veränderungen des
Werbefernsehens. Köln 1997; Klaus Wüsthoff: Die Rolle der Musik in der Filmwerbung,
Funkwerbung und Fernsehwerbung. Berlin 1978; Eva L. Wyss: Werbespot als Fernsehtext.
Images, Mimikry und kulturelle Variation. Tübingen (erscheint laut Verlag im ersten Quartal)
1999.
Übung
Norbert Grob
Filmkritik
Ü, 2-std., Do 17-19 c.t., Bibl.
Die Übung soll zum einen die Auseinandersetzung fördern mit der im Moment aktuellen
Filmkritik hierzulande, auch die unterschiedlichen Formen von Filmkritik vorstellen und
diskutieren. Und zum anderen soll (im praktischen Teil) vor allem die Form der Kurzkritik
eingeübt werden - an verschiedenen Beispielen des aktuellen Kino-Programms.
E i n f ü h r e n d e L i t e r a t u r : Norbert Grob, Karl Prümm (Hrsg.): Die Macht der
Filmkritik. München: Edition Text und Kritik, 1990; Irmbert Schenk (Hrsg.) Filmkritik.
Marburg: Schüren, 1998.
Informationen in eigener Sache
Reihe »Filmstudien«
In der hauseigenen Reihe »Filmstudien« (Gardez!-Verlag) sind mehrere inhaltsreiche Bände
erschienen, die wir den Studierenden jeden Alters nachdrücklich empfehlen.
Hörerscheine, gegen deren Vorlage diese Bücher in der Buchhandlung Kohl preiswerter zu
erwerben sind, gibt es (natürlich kostenlos) im Sekretariat der Baracke.
Bereits erschienen sind:
Simone Emmelius: Fechners Methode. Studien zu seinen Gesprächsfilmen.
277 S. = Filmstudien Bd. 1 / DM 59,90
Thomas Koebner: Lehrjahre im Kino. Schriften zum Film.
383 S. = Filmstudien, Bd. 2 / DM 42; gegen Hörerschein nur DM 31,50
Bernard Dieterle (Hrsg.): Träumungen. Die Traumerzählung in Film und Literatur
(Eine Tagung in Babelsberg 1997).
Beiträge von Thomas Koebner, Horst Meixner, Volker Roloff, Irmela Schneider,
Hans- J. Wulff, Peter Wuss u.v.a. über Bergman, Buñuel, Fellini, Tarkovskij, Hesse, Kafka
u.a.
300 S. = Filmstudien, Bd. 3 / DM 39,90; gegen Hörerschein nur DM 23,50
Jürgen Felix (Hrsg.): Unter die Haut. Signaturen des Selbst im Kino der Körper.
Beiträge von Christa Blümlinger, Timothy Corrigan, Thomas Elsaesser, Georg
Seeßlen,
Siegfried Zielinski u.v.a.
350 S. = Filmstudien, Bd. 4 / DM 42; gegen Hörerschein nur DM 31,50
Knut Hickethier / Thomas Koebner (Hrsg.): Schauspielkunst im Film.
(Ein Symposium in Mainz 1997).
300 S. = Filmstudien, Bd. 5 / DM 39,90; gegen Hörerschein nur DM 23,50
Demnächst erscheinen:
Susanne Marschall / Bodo Witzke (Hrsg.): ÑWir sind alle Menschenfresserì.
Georg Stefan Troller und die Liebe zum Dokumentarischen. ( = Filmstudien, Bd. 4)
Thomas Koebner: Vor dem Bildschirm. Schriften zum Fernsehen. ( = Filmstudien, Bd. 5)
Jürgen Felix (Hrsg.): Genie und Leidenschaft. Künstlerfiguren im Film ( = Filmstudien, Bd. 6)
Knut Hickethier (Hrsg.): Schauspielkunst im Film II (Ein Symposium in Hamburg 1998)
( = Filmstudien Bd. 9)
Neuerscheinungen im Reclam-Verlag, Stuttgart
Das von der Mainzer Filmwissenschaft betreute vierbändige Standardwerk »Reclams
Filmklassiker« ist nach nur 2 Jahren in einer verbesserten und erweiterten 2. Auflage (!)
erschienen. Auch für diese Neuauflage der »Filmklassiker« erhalten Sie Hörerscheine im
Sekretariat.
Im Oktober 1999 erscheint:
Thomas Koebner (Hrsg.): Lexikon der Filmregisseure.
Neuerscheinung im Schüren-Verlag, Marburg
Im Oktober 1999 erscheint:
Bernd Kiefer / Marcus Stiglegger (Hrsg.): Die bizarre Schönheit der Verdammten.
Die Filme von Abel Ferrara.
Veranstaltungen im Wintersemester 1999 / 2000 (ƒnderungen vorbehalten)
Vorlesungen
Tendenzen des zeitgenössischen Kinos
Th. Koebner
Abbild der Wirklichkeit?
Zur Dramaturgie des dokumentarischen Films
Th. Koebner
Proseminare
Einführung in die Filmanalyse
S. Marschall
Einführung in die Analyse von Fernsehproduktionen:
Serielle und dokumentarische Formen
J. Felix / B. Kiefer
Schauspielkunst in Theater und Film
S. Marschall / M. Moninger
Walt Disney
Th. Klein
Andrzej Wajda
N. Hülbusch
Hauptseminare
Exotismus im Film
Th. Koebner
Robert Altman
ƒsthetik der Moderne in Literatur und Film
Th. Koebner
J. Felix / B. Kiefer
Übungen / Tutorien
Filmkritik
N. N.
Theorie und Praxis des Drehbuchschreibens
S. Pagé
Herunterladen

Seminar für Filmwissenschaft