Word - (241,50 KB ) - Lentos Kunstmuseum Linz

Werbung
LENTOS Kunstmuseum Linz
Presseunterlage
DIE SAMMLUNG
DVR-Nummer 0002852
Klassiker, Entdeckungen und neue
Positionen aus 200 Jahren Kunst
LENTOS Kunstmuseum Linz, A-4021 Linz, Ernst-Koref-Promenade 1
Tel: +43 (0)732.7070-3600 Fax: +43 (0)732.7070-3604 www.lentos.at
Inhalt
Ausstellungsdaten …………………………………………………………………………..
3
Pressetext ……………………………………………………………………………………
4
Kunstvermittlungs- und Veranstaltungsprogramm ……………………………………..
5
Saalhefttexte
.……………………………………………………………………………..
Pressebilder ………………………………………………………………………………..
Seite 2
7
16
Ausstellungsdaten
Ausstellungstitel
DIE SAMMLUNG. Klassiker, Entdeckungen und neue
Positionen aus 200 Jahren Kunst
Ausstellungsort
LENTOS Kunstmuseum Linz, 11 Räume im Obergeschoss
KuratorInnen
Stella Rollig, Elisabeth Nowak-Thaller, Brigitte Reutner, Nina Kirsch
sowie die KünstlerInnen EVA & ADELE, Maria Bussmann, Anetta
Mona Chişa & Lucia Tkáčová, Gerwald Rockenschaub und Nasan Tur
Exponate
Mehr als 200 Exponate aus der LENTOS Sammlung
Saalhefte
Den BesucherInnen steht ein Saalheft mit Informationen zu den
KünstlerInnen- und Kuratorinnenräumen zur Verfügung.
Mobile Guide
Das LENTOS bietet zur Ausstellung wieder ein mobiles Service für
Smartphones und Tablets an (plattform- und geräteunabhängig).
Einfach vor, während oder nach der Ausstellung unter
http://app.lentos.at zu erreichen.
Kontakt
Ernst-Koref-Promenade 1, 4020 Linz, Tel. +43(0)732/7070-3600;
[email protected], www.lentos.at
Öffnungszeiten
Di–So 10–18 Uhr, Do 10–21 Uhr,
Mo geschlossen (außer 1.4. und 20.5.)
Eintritt
€ 8,-, ermäßigt € 6 / € 4,50
Pressekontakt
Nina Kirsch, Tel. +43(0)732/7070-3603, [email protected]
Seite 3
Pressetext
Es erwarten Sie ein Streifzug durch die Kunstgeschichte, Freude am Wiedersehen und
überraschende Begegnungen.
Mit dem Erwerb der ersten hundert Kunstwerke legte die Stadt Linz im Jahr 1953 den
Grundstein zur Neuen Galerie der Stadt Linz, der Vorgängerinstitution des LENTOS.
Seither wurden die Bestände kontinuierlich um markante Positionen der jeweils
zeitgenössischen Kunst sowie um historische Nachkäufe erweitert. Das LENTOS verfügt
nun über eine Schatzkammer, die mit etwa 1.700 Gemälden und Skulpturen sowie rund
12.000 Grafiken und 1.200 Beispielen künstlerischer Fotografie reichhaltig bestückt ist.
In Wiederaufnahme des erfolgreichen und wegweisenden Projekts Aufmischen aus dem
Jahr 2007 hat das LENTOS Künstlerinnen und Künstler eingeladen, in fünf Räumen
ihre Präsentationen zu entwickeln. Das eigene Schaffen ist Ausgangspunkt zur Auswahl
aus der Sammlung. Kunsträume mit starken Werken, als Netz anschaulicher Bezüge, ein
Stelldichein von Wahlverwandten. Beteiligte Künstlerinnen und Künstler: EVA & ADELE,
Maria Bussmann, Anetta Mona Chişa & Lucia Tkáčová, Gerwald Rockenschaub und
Nasan Tur.
In kleineren Kabinetten werden Schwerpunkte gesetzt, unter anderem auf selten gezeigte
Konvolute und wertvolle Schenkungen: darunter bedeutende Gemälde von 1880 bis zur
Gegenwart, Hauptwerke aus der Sammlung Gurlitt von Gustav Klimt, Oskar Kokoschka
und Lovis Corinth, rare Zeichnungen aus dem 18. Jahrhundert sowie historische
Fotografien aus den Anfängen dieser Technik.
Eine monatlich wechselnde Schau stellt unter dem Titel Zu schade für die Lade.
Entdeckungen aus dem Grafikdepot.
Die Ausstellung erweist sich als vielfältiger Überblick über das Kunstschaffen der letzten
200 Jahre: darunter Johann Wolfgang von Goethe, Herbert Bayer, Maria Lassnig, Alex
Katz, Keith Haring oder Mathilde ter Heijne – Bekanntes, Entdeckungen und
Empfehlungen für morgen.
Seite 4
Kunstvermittlungs- und Veranstaltungsprogramm
ÖFFENTLICHE FÜHRUNGEN
Dauer 1 Stunde, € 3,- zuzügl. Eintritt. Keine Anmeldung erforderlich.
Die TeilnehmerInnenanzahl ist begrenzt.
Immer sonntags, 16 Uhr
Jeden 1. Samstag im Monat, 16 Uhr
Blitzlichtführung auf Englisch und Tschechisch
GRUPPENFÜHRUNGEN
gegen Voranmeldung
Blitzlichtführung: Dauer 30 Minuten, € 45,- zuzügl. Eintritt, max. 25 TeilnehmerInnen
Führung: Dauer 1 Stunde, € 65,- zuzüglich Eintritt, max. 25 TeilnehmerInnen
Führung mit dem chinesischen Korb: Dauer 1,5 Stunden, € 90,-, max. 15
TeilnehmerInnen
SCHULE & MUSEUM
SchülerInnenführungen
Eintritt frei für SchülerInnen im Klassenverband, max. 15 TeilnehmerInnen
alle Alterstufen, Dauer 1 Stunde, € 35,SchülerInnenführungen mit dem chinesischen Korb
ab Unterstufe, Dauer 1,5 Stunden, € 45,-
Improve your English. SchülerInnenführungen nach Sprachlevels
alle Altersstufen, Dauer 1 Stunde, € 35,Workshops
alle Altersstufen, Dauer 2 Stunden, € 5,- pro TeilnehmerIn, max. 15 TeilnehmerInnen
Das ausführliche Workshop-Programm finden Sie im Kunstvermittlungsund Veranstaltungsprogramm oder auf www.lentos.at
Seite 5
KINDER & FAMILIE
Fr 12. Juli, 18–24 Uhr
Nacht der Familie. Näheres auf www.lentos.at
Inspektor LENTOS´ Rätselkiste
Die ganze Familie folgt den Spuren eines Tatverdächtigen im Museum.
Spannend für Familien mit Kindern ab 4 Jahren. In Kooperation mit Koh-I-Noor
Los Lentoniños
Ein monatlich wechselndes Programm im Museum, speziell für 4–5 jährige Kinder
Jeden zweiten Samstag im Monat von 15–16.30 Uhr
Für Kindergartengruppen ist das Programm zu gewünschten Terminen buchbar.
Dauer 1,5 Stunden, € 4,- pro Kind
ANMELDUNG
Teleservice Center der Stadt Linz an unter T 0732.7070
Seite 6
Saalhefttexte
KünstlerInnen und Kuratorinnen bespielen elf Räume.
Einleitung
Ein Streifzug durch die Sammlung: In Wiederaufnahme des erfolgreichen und
wegweisenden Projekts Aufmischen aus dem Jahr 2007 hat das LENTOS
zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler eingeladen, in fünf Räumen neue
Präsentationen zu entwickeln. Das eigene Schaffen ist der Ausgangspunkt zur Auswahl
aus der Sammlung.
Beteiligte Künstlerinnen und Künstler: EVA & ADELE, Maria Bussmann, Anetta Mona
Chişa & Lucia Tkáčová, Gerwald Rockenschaub und Nasan Tur.
In kleineren Kabinetten wird besonderen Aspekten der Sammlung Raum gegeben: dazu
zählen u. a. bedeutende Gemälde von 1880 bis zur Gegenwart, rare Zeichnungen aus
dem 18. Jahrhundert, historische Fotografien aus den Anfängen dieser Technik, Pop Art
und konstruktivistische Tendenzen.
Kuratorinnen: Stella Rollig, Elisabeth Nowak-Thaller, Brigitte Reutner, Nina Kirsch
Raum 1
Der Ursprung der Sammlung
Die verfolgte Avantgarde
Im November 1946 übergibt der Berliner Kunsthändler Wolfgang Gurlitt (1888–1965)
seine private Kunstsammlung als Leihgabe an die Linzer Stadtverwaltung und leitet mit
Enthusiasmus und Sachkenntnis den Aufbau der Neuen Galerie der Stadt Linz. Die
erste, Alfred Kubin gewidmete Sonderausstellung findet im Juni 1947 statt. 1951
organisiert Gurlitt u. a. eine als Sensation wahrgenommene Oskar-KokoschkaAusstellung.
1953 wird der Grundstock der Neuen Galerie und des heutigen LENTOS Kunstmuseum
– 84 Gemälde und 33 Grafiken – aus dem Besitz von Wolfgang Gurlitt von der Stadt Linz
erworben.
Viele der heute hoch gerühmten „Klassiker“ Lovis Corinth, Karl Hofer, Emil Nolde, Oskar
Kokoschka oder Otto Müller wurden vom nationalsozialistischen Regime als „entartete
Künstler“ diffamiert. Ihre Werke wurden ab 1937 aus deutschen Museen und
Sammlungen beschlagnahmt und über den Kunsthandel oder Auktionshäuser
Seite 7
versteigert. Diese Maler zählten noch Anfang der 1950er Jahre zur verfolgten, kaum
geschätzten Avantgarde.
Mit der Sammlung Gurlitt als Grundstock betreut das LENTOS ein ebenso glanzvolles
wie zum Teil problematisches Erbe. Als Kunsthändler auch während der
nationalsozialistischen Diktatur aktiv, kaufte Gurlitt Werke sowohl von jüdischen
SammlerInnen, die aufgrund rassischer Verfolgung zur Veräußerung ihres Besitzes
gezwungen waren, als auch solche der sogenannten „entarteten Kunst“ auf Auktionen.
Bis heute ist die Rolle Gurlitts Gegenstand kontroversieller Darstellungen.
Gilt er den einen als Freund der Kunst, der jüdischen SammlerInnen mit dem Ankauf
ihrer Kunstwerke behilflich war, sehen andere in ihm einen Nutznießer des
Unrechtsregimes.
Das LENTOS ist mittels kontinuierlicher Provenienzforschung intensiv bestrebt, die
Herkunft jedes Werks aus der Sammlung Gurlitt aufzuklären und unrechtmäßigen Besitz
zu restituieren. Seit 2003 sind mehrere Werke restituiert worden. Die
Herkunftsgeschichte von beschlagnahmten Werken, mit denen Wolfgang Gurlitt während
des Zweiten Weltkriegs handelte, wurde mehrfach in Ausstellungen thematisiert und in
Sammlungsbeschriftungen und Publikationen veröffentlicht.
Raum 2
Sehnsucht nach Arkadien
… Nie wird euch mein Auge wiedersehen,
Doch ein Hauch wird lispelnd zu euch wehen:
„Ich, auch ich war in Arkadien“ (Johann Gottfried Herder)
Im Zuge seiner Italienischen Reise kam Johann Wolfgang von Goethe 1786 nach Rom.
In einem Brief an Charlotte von Stein erwähnt er „Palläste und Ruinen, Gärten und
Wildniß, Fernen und Engen, Haüsgen, Ställe, Triumphbögen und Säulen“. In Tivoli ließ
sich der berühmte Dichter von seinem Landsmann Jakob Philipp Hackert in das Fach
der Landschaftsmalerei einweisen.
Arkadien ist eine Landschaft auf der griechischen Halbinsel Peloponnes. Ihr Name
wurde mit einer idealtypischen Hirtenwelt verbunden. Der Mythos wurde von Vergil in
seinen Bucolica, einer Sammlung von Hirtengedichten, zwischen 43 und 39 v. Chr.
erschaffen. Diese Hirtenwelt steht ganz unter dem Zeichen einer alles bestimmenden
Liebessehnsucht, die bis zum Tod reicht. Im 18. Jahrhundert. wird das Todesmotiv durch
eine allgemein gehaltene Ruinenmetapher ersetzt, wie Goethe und Hackert sie
illustrieren. Auch die Grafik Rudolf Schicks zeigt ein verfallendes Gebäude im Park der
römischen Villa Doria Pamphili.
Seite 8
Mit Romako, Menzel und Siewert schreiten wir vom dezenten Hinweis zur allegorischen
Darstellung des Todes weiter. Anton Romakos Herbst und Winter kreist um Fülle und
Vergänglichkeit. Adolf Menzels Chronos übergibt dem Todesengel bereits die Sense. In
Clara Siewerts Mädchen mit Tod wird die Schöne schon in jungen Jahren vom
Knochenmann hinweggerafft.
Zu schade für die Lade
Entdeckungen aus dem Grafikdepot
Im Depot des LENTOS werden mehr als 10.000 Grafiken sorgsam verwahrt. Die
Ausstellung Zu schade für die Lade. Entdeckungen aus dem Grafikdepot zeigt jeden
Monat abwechselnd vier bis fünf besonders wertvolle Grafiken. Begleitet wird diese
Präsentation von einer umfangreichen Dokumentation zu den einzelnen Werken,
KünstlerInnen und Techniken auf der LENTOS Website.
In den Bereich Grafik fallen alle künstlerischen Arbeiten auf Papier, wie z. B.
Handzeichnungen, Holzschnitte, Lithografien, Radierungen, Linolschnitte und
Siebdrucke.
Beginnend mit einer Lithografie Honoré Daumiers aus dem Jahr 1845 spannt sich der
Bogen der Ausstellung quer durch das 19., 20. bis zum beginnenden 21. Jahrhundert.
Die Auswahl beinhaltet u. a. Werke von Henri de Toulouse-Lautrec, Alfred Kubin, Gustav
Klimt, Käthe Kollwitz, Ernst Ludwig Kirchner, Erika Giovanna Klien, Klemens Brosch,
Herbert Bayer, Karl Schmidt-Rottluff, Vilma Eckl, Maria Lassnig, Alfred Hrdlicka, Andy
Warhol, Pablo Picasso, Bruno Gironcoli, Birgit Jürgenssen, Edgar Honetschläger sowie
Ulrike Lienbacher.
Mit der Präsentation von Carola Dertnigs Collagebild Dance Report – L. A. Report geht
im Februar 2014 ein Jahr der spannenden Neuentdeckungen aus dem Grafikdepot zu
Ende.
Raum 3
EVA & ADELE
Zwei
„Alle Welt“ kennt EVA & ADELE, das extravagante Berliner Künstlerpaar, das seit 1991
mit seinen Performances den Großereignissen der internationalen Kunstwelt ein
Glanzlicht aufsetzt: unübersehbar, funkelnd, attraktiv. EVA & ADELE mit ihren Slogans
„Coming out of the future“, „Wherever we are is museum“ sind Selbsterfindung und inszenierung, Live-Act und lebendes Kunstwerk.
Seite 9
Mit dem Titel Zwei haben EVA & ADELE nun einen Sammlungsraum konzipiert, in dem
schräge Künstlerpaarungen spannende Dialoge führen. Alte und neue Klassiker werden
zu hintergründigen Kombinationen vereint. Überraschende Korrespondenzen und Echos
finden sich ebenso wie dämonische, leidgeprüfte Gesichter von Paul Kranzler, Othmar
Zechyr und Pirmin Blum oder Holzköpfe, die als rituelle Helme fungieren. Klimts
unvollendetes Frauenbildnis wirkt maskenhaft und kühl. Wir wissen nichts über die
Porträtierte, hingegen erzählt das männliche Pendant von Richard Hamilton, Finn
MacCool, eine umfassende Legende. Der irische Riese und keltische Krieger gastiert
zwischen geheimnisvollen Linienbildern von Maria Lassnig. Eine leuchtende Innenfläche
umrahmt von bunten Linien wird zum Körper. Hockt hier ein Monster? Als bezaubernde
Wesen mit universalem Globus schweben EVA & ADELE in geflügelter Gestalt im
Wohnzimmer, Garten, Reihenhaus.
Erstmalig gezeigt wird das vom LENTOS Förderverein 2013 angekaufte 25-teilige Family
Portrait, eine Komposition von Fotoarbeiten, die EVA & ADELE als schillernde
Flügelwesen – im kraftvollen doch zarten Duett – in Begleitung von SammlerInnen und
FreundInnen zeigt. Stringenz und Humor, die abstrakte Symbolsprache der
ausgewählten Skulpturen, die rätselhafte Fülle der Fotografien, Gemälde und
Zeichnungen, viele Porträts und das wiederkehrende Konterfei von EVA & ADELE
demonstrieren Verwandtschaft und Gleichklang, aber auch Disparatheit und
Individualität.
Raum 4
Stein und Bein
Stein und Bein schwören – in archaischen Zeiten wurden wichtige Zeugnisse mit einem
Schwur auf einen heidnischen (Altar)stein sowie auf die Reliquien von Heiligen
abgesichert. Stein und Bein bedeutet in unserem Kontext eine Gegenüberstellung von
Fotomotiven mit unterschiedlichen Anschauungsqualitäten: lebendige oder tote Materie?
Bilddokumentation versus künstlerische Fotografie
William Henry Fox Talbot begann bereits 1834 mit fotografischen Versuchen. Sein mit
Gotisches Portal betiteltes Bild zählt zu den ältesten Fotografien der LENTOS
Sammlung. Roger Fentons 1856 entstandene Aufnahme der Stadt Sebastopol
entstammt einer Serie über den Krimkrieg. Sie zählt zu den ältesten visuell
dokumentierten Kriegsberichten der Weltgeschichte. Die Erfindung der billigen, leicht
transportablen Kodak-Rollfilmkamera eröffnete den Fotografen ab 1888 neue
Möglichkeiten. Die Fotografie trat nun in Konkurrenz zur Malerei. Piktoralisten wie Oscar
Seite 10
Gustav Reijlander und Julia Margaret Cameron sahen den Kunstcharakter einer
Fotografie als oberste Priorität.
Der Bildjournalismus der 1950er und 1960er Jahre wiederum ließ das Foto zum
zeitgeschichtlichen Dokument werden. Erich Lessing und Inge Morath schossen ihre
Bilder für die renommierte Fotoagentur MAGNUM, die ihrerseits Zeitschriften wie Life,
Vue, Stern damit belieferten. VALIE EXPORTs Film Selbstportrait mit Kopf kombiniert
schließlich beides – Stein und Bein – und schließt damit den Kreis um die Diskussion
von Wirklichkeitsbildern.
Raum 5
Zeichen für die Ewigkeit
Was haben Erika Roessing, Kolo Moser, Andjé, Birgit Jürgenssen, Alex Katz und
Dorothee Golz gemeinsam? Es sind KünstlerInnen, die dank großzügiger Stiftungen in
die Sammlung des LENTOS Eingang gefunden haben. Schon die Gründung der Neuen
Galerie (Vorgängerinstitution des LENTOS) beruht auf einer privaten Initiative. Auf
Engagement des Berliner Kunsthändlers Wolfgang Gurlitt kam es 1952 zu ersten
Museumsschenkungen und weitere Zuwendungen sollten folgen. Doch Gönner, Stifter,
Wohltäter oder Förderer – bleiben meist dezent im Hintergrund: jene Menschen, die
durch ihre Großzügigkeit den Museen helfen, Sammlungslücken zu schließen oder ihre
Bestände zu erweitern.
Anlässlich unseres Jubiläums und angesichts knapper Etats und rasant steigender
Kunstmarktpreise sind Sammlungen vermehrt auf Mäzenatentum angewiesen. Mit
besonderem Engagement vermochten Förderer der ersten Stunde, Mag.a Maria und
Mag. Gerald Fischer-Colbrie, Norli und Dr. Hellmut Czerny, Greta und Dr. Gert Humer
und der 1985 gegründete Verein der LENTOS Freunde über Jahrzehnte hindurch das
Museum durch umfassende Schenkungen zu bereichern.
Was veranlasst Privatpersonen Museen zu helfen? Es ist die Kunstbegeisterung eines
großzügigen Menschen, gepaart mit dem Wunsch ein Vermächtnis für die Allgemeinheit
– ein Zeichen für die Ewigkeit – zu setzen. Auf potenzielle Förderer zuzugehen und
Kontakte zu pflegen, zählt zu den vornehmsten und erfreulichsten Aufgaben eines
Museums. Bis heute wachsen die Bestände durch Stiftungen zeitgenössischer
KünstlerInnen, Banken, Versicherungen, Industriebetriebe und Privatpersonen
idealerweise in Absprache mit MuseumsdirektorInnen und SammlungsleiterInnen: zu
den jüngsten Schenkungen gehören die Stiftungen von Uta Scherb und Gerald FischerColbrie, beide langjährige FreundInnen und treue BegleiterInnen des LENTOS.
Seite 11
Raum 6
Maria Bussmann
Von Vögeln und Ratten
Von Vögeln und Ratten – das könnte der Titel einer Erzählung oder einer KunstWanderung sein. Sie spielt im Sommer und im Süden, am Rand einer Millionenstadt, da
wo Wohnblocks und Felder sich berühren, wo Straßen in Wendeplätzen und
Sackgassen enden, Zivilisation auf mehr oder weniger kultivierte Natur trifft,
Schutthaufen und Autowracks von Unkraut überwuchert werden. Man könnte dort Lois
und Franziska Weinberger beim Sammeln von Ruderalien begegnen oder ertappt sich
selber beim Abrupfen Gironcoli‘scher Ähren, wären diese nur nicht 1,60 m hoch und aus
Aluminium.
Vielleicht beschränkt sich die Spaziergängerin aber auch darauf, die Zukunft aus dem
Flug der Vögel am Himmel zu lesen, oder die Löcher der Ratten am Boden zu zählen?
Von oben nach unten und umgekehrt geht dieser Weg, divergierend zwischen Schönheit
und Hässlichkeit, Licht und Schatten. Kultur und deren Übersetzungen. (Maria
Bussmann)
Maria Bussmann ist Künstlerin. Sie ist außerdem promovierte Philosophin. Die
Verbindung von Zeichnung und Philosophie entwickelt sie seit Jahren zu ihrem Thema.
Sie arbeitet immer wieder als Kuratorin (MAK) und in der kunsttheoretischen Lehre, lebt
in Wien und New York.
Raum 7
Geometrie trifft Poesie
Nach dem Zweiten Weltkrieg beherrscht die abstrakte Malerei die Kunstwelt. Vorreiter
sind die USA, wo viele Impulse aus Europa aufgenommen und neu interpretiert werden.
Neben der gestisch-expressiven und lyrischen Variante mit Zentrum Paris nimmt die
geometrische Abstraktion international einen hohen Rang ein.
Reine Farben als Ausdruck „reiner Empfindung“ finden sich in der Avantgarde bei Piet
Mondrian, am Bauhaus bei Lászlo Moholy-Nagy, Josef Albers, Wassily Kandinsky oder
Herbert Bayer. Mit geometrischen Formen löst Kasimir Malewitsch bereits um 1915 im
Suprematismus die Farbe radikal vom Gegenstand. Geordnete Strukturen, innere
Klarheit und logische Gesetzmäßigkeiten prägen diese Kunst, die in Europa und in den
USA weiterentwickelt wird: aus dem niederländischen Konstruktivismus entsteht
Seite 12
in den 1960er Jahren die Op Art, die mit der optischen Wahrnehmung der
BetrachterInnen spielt.
Quadrate, Kreise, Ellipsen, Drei- und Vierecke werden konstruiert und geordnet auf
Leinwand und Papier gesetzt. Schlicht reduziert auf Schwarz-Weiß, wie bei Hildegard
und Harold Joos, nach dem Farbkreisprinzip mathematisch organisiert, wie bei Herbert
Bayer, Josef Albers und Andrew Molles, oder als Zirkelspiel mit Komplementärfarben
komponiert, wie bei Nino di Salvatore. Helmuth Gsöllpointner und Donald Judd
verwandeln die geometrischen Formen in die dritte Dimension.
Geometrie kann mehr sein als nur Ordnung und Strenge. Sie kann sich drehen,
bewegen und fort tragen. Sie kann Leichtigkeit, Räumlichkeit und Bewegung
vortäuschen.
Raum 8
Red-Yellow-Blue... POP
Blickte man nach dem Zweiten Weltkrieg gespannt nach Paris, gebührt in den 1960er
Jahren New York die künstlerische Vormachtstellung. Die dort erfolgreiche Pop Art war
mehr als nur gegenständliche Malerei: Sie war laut, bunt, schrill, plakativ, und leicht
verständlich. Sie fand in Musik, Werbung, Mode, Tanz, Film und Design Eingang und
wurde zum Synonym der Selbstverwirklichung einer neuen Generation. In einer Zeit des
Aufbruchs wurden Alltägliches, Banales, die Medien-, Konsumgesellschaft, sogar
Comics wichtige Inspirationsquellen dieser Großstadtkunst.
Die Karriere vieler großer Pop-Künstler begann mit Werbung und Zeichnung. Andy
Warhol arbeitete als Werbegrafiker, Robert Rauschenberg und Allen Jones waren
Schaufensterdekorateure, James Rosenquist hat als Plakatmaler sein Geld verdient.
Und Keith Haring startete seine steile Karriere im Underground als Graffiti-Künstler.
Warhols Marilyn-Serie, für die ein Still des 1953 gedrehten Film Niagara als
Ausgangsfoto diente, wurde ebenso zur Ikone wie seine Mao-Reihe, für die wiederum
ein offizielles Staatsfoto als Vorlage fungierte. Ebenfalls Markenzeichen wurden
Lichtensteins Rasterpunkte oder Keith Harings Strahlenbabys, -hunde und
Strichmännchen.
Die Abstraktion als Weltsprache der Kunst gehörte schlagartig der Vergangenheit an.
„Wie man der Abstraktion ein Schnippchen schlägt“, beweist Lichtensteins farblich
reduzierter Spiegel. In keinem seiner 50 Spiegelbilder erscheint tatsächlich eine
menschliche Figur. Aber auch Mao, Marilyn und Martin bleiben grellbunte, leere Masken.
Seite 13
Raum 9
Gerwald Rockenschaub
Bouncing Ball
Gerwald Rockenschaub wählte Exponate indigener Völker Afrikas aus der LENTOS
Sammlung aus und stellt diese seinen eigenen Folienbildern gegenüber. Das
vielschichtige Ensemble kann rein formal als Konzept im Raum betrachtet werden.
Anders als in der zeitgenössischen Kunst, ist der/die UrheberIn ethnologischer Objekte
zumeist unbekannt. Es lassen sich somit Überlegungen zum Schöpfermythos und dem
Umgang mit Bildwerken anstellen. Es geht um Kunst und Kult, Gegenständlichkeit und
Abstraktion sowie Bildbetrachtung und -verehrung.
Rockenschaub zählt zu den international renommiertesten Künstlern Österreichs und ist
zugleich als Musiker und DJ tätig. Musik ist Teil seines kulturellen Hintergrunds, vor dem
ein komplexes bildnerisches Werk entstanden ist. Es reicht von geometrisch
konstruierten Ölbildern der frühen 1980er Jahre, über maschinell gefertigte
Plexiglasplatten, riesige aufblasbare PVC-Objekte bis hin zu computergenerierten
Animationen, Folienbildern, Objekten und Skulpturen.
1993 bespielte Gerwald Rockenschaub mit Andrea Fraser und Christian Philipp Müller
den Österreichischen Pavillon der Biennale von Venedig. 2007 war er auf der documenta
12 mit mehreren Arbeiten vertreten.
Raum 10
Nasan Tur
In der Dresdner Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR
waren bis zum Jahr 1989 zwischen 12.000 und 15.000 politische Häftlinge
untergebracht. Dieses Gefängnis war spezialisiert für politische Häftlinge und
Regimekritiker. Als Gedenkstätte steht dieser Erinnerungsort heute interessierten
BesucherInnen offen. Sie ist die einzige noch im Original erhaltene und zugängliche
Untersuchungshaftanstalt der „Stasi“ in Sachsen.
Nasan Tur hat sich mit der dunklen Geschichte dieser Institution beschäftigt. Als
Ergebnis entstand die fotografische Serie Bautzner Straße (2009), benannt nach der
Adresse der Haftanstalt. Diese Arbeit wird hier in einem Raum-im-Raum gezeigt, welcher
der Größe einer Zelle entspricht. Auf den ersten Blick identisch, zeigen die Fotos 15
Zellentüren: gleichförmig, abweisend, brutal. Die Regeln für Häftlinge gewährten eine
Seite 14
Stunde Ausgang pro Tag. Der Außenbereich war von hohen Mauern umgeben und
überdacht, so dass die Gefangenen nie die Möglichkeit hatten, den Himmel zu sehen.
Dieses Leid ruft Tur ins Gedächtnis und stellt damit gültige Fragen über das Strafrecht.
Nasan Tur, geboren 1974, stammt aus Offenbach und lebt und arbeitet heute in Berlin.
Als Konzeptkünstler interessieren ihn Lebensbedingungen und Handlungsmöglichkeiten
von Menschen in unterschiedlichen Kulturen und politischen Systemen. Zu seiner
Auswahl aus der Sammlung des LENTOS sagt er: „Ich wählte Kunstwerke, die eine
gewisse Weite der Landschaft zeigen, die so etwas wie Sehnsucht nach Freiheit
symbolisieren können.“
Raum 11
Anetta Mona Chişa & Lucia Tkáčová
Why like the door knob, is there a blonde?
It meaning that everyone obtains revolution.
Der seltsame Text aus Neonbuchstaben war ursprünglich ein Blondinenwitz. Anetta
Mona Chişa & Lucia Tkáčová übersetzten den Witz mit Hilfe von Google ins Japanische
und wieder zurück. Das Übersetzungsprogramm warf dieses Satzgebilde aus. Nicht nur
der Witz geht verloren, sondern auch die frauenfeindliche Aussage.
Das Neon-Schriftbild ist der Ausgangspunkt des Raumkonzepts beider Künstlerinnen. In
ihrer Arbeit nehmen Untersuchungen von gesellschaftlichen Phänomenen, wie
Geschlechter- und Machtverhältnisse, eine zentrale Rolle ein.
Betitelt ist die Arbeit ironischerweise mit Haiku, einer komplexen japanischen
Gedichtform. Kombiniert haben sie die Künstlerinnen mit Werken aus der Sammlung, die
auf der Auseinandersetzung mit Text bzw. Sprache und dem Blondinen-Klischee
beruhen.
Das Kreuzworträtsel von Daniel Spoerri ist dem Neon-Haiku verwandt; beide Werke
spielen mit der Bedeutung von Worten und deren Position im Satzgefüge. Kutlug Ataman
dagegen schreibt 35 Shakespeare-Stücke übereinander, wodurch sie unleserlich und
ihrer Aura beraubt werden. Auch VALIE EXPORT rückt mit ihrem Fingergedicht Sprache
und ihre Funktion in den Mittelpunkt. Ausgewählt wurde außerdem ein Billboard von
Marlene Haring, auf dem die Künstlerin extrem behaart zu sehen ist. Eine
Ganzkörperblondine?
Gemein ist all diesen Werken die Idee, dass die Bedeutung von Wörtern und Bildern nur
in unseren Köpfen existiert. Der Begriff Blondine beinhaltet viel mehr als die bloße
Bezeichnung einer blonden Frau. Werden Sätze und Bilder nur leicht abgeändert,
verlieren sie für uns die gewohnte Bedeutung.
Seite 15
Chişa und Tkáčová arbeiten seit 2000 zusammen. Sie leben in Berlin und Prag. 2011
bespielten sie den rumänischen Pavillon auf der Biennale in Venedig.
Seite 16
Pressebilder
Pressebilder stehen für die Dauer der Ausstellung auch auf www.lentos.at zum Download
bereit. Lizenzfreie Nutzung nur im Rahmen der aktuellen Berichterstattung zur Ausstellung.
1. Egon Schiele
Doppelbildnis Heinrich und Otto
Benesch, 1913
LENTOS Kunstmuseum Linz
2. Helene Funke
In der Loge, 1907
LENTOS Kunstmuseum Linz
5. EVA & ADELE
© EVA & ADELE
3. Deborah Sengl
Strauss aus der Serie Hohe
Tiere, 2010
LENTOS Kunstmuseum Linz
Schenkung Mag.a Maria und
Gerald Fischer-Colbrie
5. EVA & ADELE
Family Portrait (Heidi), 1992
LENTOS Kunstmuseum Linz
© VBK, Wien 2013
Seite 17
4. Marlene Haring
Weil jedes Haar anders ist / Because
every hair is different, 2005–2007
LENTOS Kunstmuseum Linz
7. Künstlerinnenraum von
EVA & ADELE: Zwei
LENTOS Kunstmuseum Linz
Foto: maschekS.
8. Maria Bussmann
Foto: maschekS.
9. Maria Bussmann
Ohne Titel, aus der 7-teiligen
Serie Japanische Übungen, 2008
LENTOS Kunstmuseum Linz
11. Gerwald Rockenschaub
Foto: © Sabine Hauswirth
14. Nasan Tur
12. Gerwald Rockenschaub
Picture # 7152, 2009
LENTOS Kunstmuseum Linz
© Gerwald Rockenschaub
15. Nasan Tur
Bautzner Straße, 2009
LENTOS Kunstmuseum Linz
© VBK, Wien 2013. Foto: maschekS.
17. Anetta Mona Chişa & Lucia Tkáčová
10. Künstlerinnenraum von Maria
Bussmann: Von Ratten und Vögeln
LENTOS Kunstmuseum Linz
Foto: maschekS.
13. Künstlerraum von Gerwald Rockenschaub:
Bouncing Ball
LENTOS Kunstmuseum Linz
Foto: maschekS.
16. Künstlerraum von Nasan Tur
LENTOS Kunstmuseum Linz
Foto: maschekS.
18. Anetta Mona Chişa & Lucia Tkáčová
Haiku, 2008
Seite 18
LENTOS Kunstmuseum
Linz
Courtesy Christine König Galerie, Wien/Vienna
19. Künstlerinnenraum von
Anetta Mona Chişa & Lucia Tkáčová
LENTOS Kunstmuseum Linz
Foto: maschekS.
Herunterladen