Bauprinzipien-Gottesdienst-mit-intensivem

Werbung
Bauprinzipien für Gottesdienst mit intensivem Singen
Raum
In homogener Dichte verteilt sitzende Menschen in Bänken im Kirchraum geben füreinander nur
dann einen guten Resonanzraum ab, wenn sie maximal einen Meter voneinander entfernt sitzen.
Sitzen sie entfernter, empfiehlt sich (z.B. zum Üben) eine dichtere Sitzordnung – wenigstens für die
Phase des Singens.
Vielleicht muss man den Raum für Gottesdienst mit intensivem Gesang umstellen, das heißt vorn
Bänke entfernen und einen (in Reihen gestaffelten) Halbkreis aus Stühlen stellen.
Der Gesang aus eigener Kraft, das heißt ohne Orgelbegleitung bringt die Stimmen besser in Fahrt. Die
Menge der Singenden lernt auf Stimmen zu hören, stützt sich gegenseitig und verlässt sich nicht auf
ein externes Instrument. Das kann später dazukommen, aber zu Beginn besser ohne.
Wirkt ein Chor mit, sollte er besser zwischen den Singenden sitzen und von da aus ermutigend wirken
(anstatt wie bei einem Auftritt von vorn oder von der Empore zu singen).
Zeit
Singen, das durch Wiederholung vertiefen soll, braucht mehr Zeit als wir es gewöhnt sind.
Normalerweise singen wir z.B. einen Kanon nach dem Erlernen 3-5 mal, dann beenden wir dies und
gehen zum nächsten Element (Lesung, Gebet usw). Das Singen dauert dann etwa 3 min.
Wiederholende Vertiefung braucht zu Beginn mindestens 10 min. In dieser Zeit können sich auch
Sing-Unkundige einhören, langsam mitsummen und sich zurechtfinden.
Diese Dehnung der Zeit steht gegen die Alltagserfahrung, die immer schnellere Takte vorgibt
(kleinteilige Internet-Vorgänge, Video-Schnipsel, Radio-Clips usw). Das verlangt von den Anleitenden
eine klare Entscheidung, es anders zu machen, das heißt, lange bei einer Gesangs-Sequenz zu
bleiben. So etwas kann man zu Beginn sagen, damit Menschen sich einstellen.
Dramaturgie
Wer einen Gottesdienst mit vertiefenden Elementen plant, muss sich entscheiden:
soll es vorwiegend still zugehen, vorwiegend bewegt, vorwiegend lehrreich?
Die meisten misslungenen Gottesdienste haben sich nicht entschieden. Sie wollen irgendwie allen
alles bieten.
Wer z.B. Stille als Hauptakzent will, führt dies als wiederkehrendes Element wie eine Art
‚Knochengerüst‘ in den ganzen Gottesdienst ein. Anfangs fällt die Stille etwas länger aus zum
Gewöhnen, später kann die Stille kürzer ausfallen, weil dies Element schneller greift - das heißt, die
Leute sind es nun gewöhnt, brauchen also weniger Zeit um zu sich zu kommen, denn auch die
anderen Elemente sind geeignet zu vertiefen - wenn sie Raum bekommen nachzuklingen.
An die Stille lagern sich nachgeordnet andere Elemente an.
Beispiel: Gottesdienst am Heiligen Abend 2009 um 18 Uhr in der Kirche der Stille
A1
Orgelvorspiel
Begrüßung
Lied: Es kommt ein Schiff geladen
Jesaja 11 (gesungen)
Gebet (max 2 Hauptsätze)
Stille (mindestens 5 min)
Lied: Es ist ein Ros entsprungen
B
Lesung Lukas 2, 1 – 7
Orgel
Lesung Lukas 2, 8 – 14
Orgel
Stille (mindestens 3 min)
Lesung „Paul auf den Bäumen“ (2 min)
Stille (mindestens 2 min)
1 Gedanke zum Weihnachtsgeschehen (max 2 min)
Stille (mindestens 2 min)
Lesung Lukas 2, 15 – 20
A2
Lied: Ich steh an deiner Krippen hier
Fürbitte in Stille (Kerzen anzünden)
Vater unser
Lied: Fröhlich soll mein Herze springen
Segen
Orgelnachspiel
In diesem Gottesdienst sind die Stille-Phasen Inseln des Innehaltens. Was gesagt oder gesungen
wurde, kann hier im Inneren der Leute nachklingen. Gleichzeitig öffnet sich der Mensch für weiteres,
das gern traditionell daherkommen kann. Am Anfang und Ende (A1 und A2) des Gottesdienstes sind
die Menschen aktiver beteiligt, in der Mitte (B) hören sie. Die Dramaturgie baut auf die Wirkung
knapper Lesungen, die jeweils in Ruhe ‚verdaut‘ werden können. Es gibt keine (lange) Predigt,
sondern Impulse. Diese Form nimmt positiv auf, was Menschen aus ihrer Alltags-Umgebung kennen:
kurze Sequenzen. (Die heutige Aufmerksamkeitskurve sinkt bei Menschen im Durchschnitt nach ca 3
min ab.) Der Unterschied zum Alltag ist jedoch: Die Stille läßt die Sequenzen wirken.
Der Gottesdienst im Ganzen ist dem Wechsel aus Hören, Mittun und Innehalten verpflichtet
(A1-B-A2).
Ein Gottesdienst, der hauptsächlich den vertiefenden Gesang will, wird entsprechend entschieden
verfahren, z.B. so:
ggfs eine halbe/dreiviertel Stunde vorher: sich einsingen
Glocken
einfacher Sologesang von der Empore
Begrüßung/Votum
Stille fürs Ankommen
Psalm-Singen: Kehrvers als Wiederholungsgesang von allen, Sologesang
kurze Stille (ca 10 sec)
…bitte komplettieren
Herunterladen