2. Fastensonntag 2013 Lk 9,28b-36

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2. Fastensonntag Lj_C (Lk 9,28b-36; Gen 15,5-12.17-18;
Phil 3,17-4,1)
Ich muss ganz ehrlich gestehen, jedes Mal, wenn dieses
Evangelium von der Verklärung Jesu bevor steht, dann geht
es mir ein wenig so wie den Jüngern. Da kommt eine Wolke
und wirft ihren Schatten auf mich. Und ich gerate in diese
Wolke hinein und bekomme ein wenig Angst. Die Wolke ist
irgendwo meine Unsicherheit diesem berichteten Ereignis
vom Berg Tabor gegenüber – ist das wirklich so passiert
oder ist es eine Symbolgeschichte, die uns die Evangelisten
überliefern wollten, um die Göttlichkeit Jesu ikonenhaft
darzustellen um keinen Zweifel daran zu lassen, dass Jesus
wirklich Gottes Sohn ist? Und dann gerate ich geistig jedes
Mal wieder in diese Wolke hinein, und sie umnebelt mich,
weil dieser Bericht nicht wirklich fassbar ist, da ist so wenig
Greifbares daran – da ist nichts handfestes. Mose und Elija
in strahlendem Licht – Jesus ganz verändert, sein Gewand
ganz weiß, wie es kein Waschmittel zusammenbringt. Das
unbekannte Gespräch zwischen Jesus und den beiden
wichtigsten Propheten des Alten Bundes. Letztlich die relativ
sinnlose Bemerkung des Petrus vom Hüttenbau. Und wenn
ich dann in dieser Wolke bin, dann macht mich das unsicher
und ich kann die Angst verstehen, die über die Jünger kam.
Und meine Angst ist es dann, wie kann ich mich dieser
geschilderten Situation nähern und aus ihr Kraft für mein
Leben schöpfen, ohne innerlich ABZUHEBEN, wie man so
schön sagt. Also ohne Realitätsverlust – ohne in irgendeine
Wunderwelt abzudriften, die mit der Wirklichkeit nichts zu
tun hat – ohne in eine verklärte Vergangenheit zu flüchten,
aus der heraus ich die Gegenwart ja dann doch nicht
bewältigen kann. Daher bin ich da immer besonders ratlos
und denke dann nach, wie kann ich die Verklärung mit der
Wirklichkeit zusammenbringen – oder wie kann ich den
Himmel erden – das sagt uns ja schon die Physik. Die
Energie (der Strom), die (der) fließt und Licht spendet,
braucht eine Erdung, sonst kann sie lebensgefährlich sein.
Das ist dann wie bei einem Blitz, der sich seinen Ableiter
sucht und das unkontrolliert. Bei einer Zugfahrt vergangene
Woche schlug dann der Blitz bei mir ein. Bei einer Station
blieb mein Zugfenster genau vor einem Werbeplakat stehen,
das für eine besondere Ausbildung für technische Berufe
warb. Und das tat dieses Plakat mit dem Satz: Mit
Bodenhaftung nach den Sternen greifen. Mir schoss es wie
ein Blitz ein: genau das ist die Botschaft dieses
Evangeliums. Mit Bodenhaftung nach den Sternen greifen.
Genau das ist auch die Erfahrung des Abraham. Es geht
nicht ums Abheben und nicht um Wirklichkeitsverdrängung,
sondern um das geerdete Greifen nach den Sternen. Bei
dem Werbeplakat stand unter dem Satz: Finde deinen
Traumjob. Also gib dich nicht zufrieden mit irgendeinem Job,
damit du halt Geld verdienst, sondern lass dich auf das ein,
was dich besonders erfüllt, was deine besondere Berufung
ist, was du in dir spürst als deine einzigartige Chance –
greife nach den Sternen, suche deinen Traumjob, also geh
deiner Berufung nach – aber bleib am Boden und zwar mit
beiden Füßen. Abram war auch in Gefahr, abzuheben. ER,
der Kinderlose, bekommt die Verheißung, Kinder wie die
Sterne am Himmel zu haben. Eine einzige Versuchung,
nach den Sternen zu greifen und dabei abzuheben. Die
Erdung oder die Bodenhaftung erfährt Abram in seiner
Angst. So wie auch die Jünger ihre Angst durch den
Schatten der Wolke zu spüren bekommen. Aber ich glaube,
das ist keine ungesunde Angst. Das ist die Angst, die sie
darauf verweist, dass Gott sie nicht im Stich lässt, sondern
hält und trägt, wenn sie zwar nach den Sternen greifen, aber
dennoch mitten im Leben verhaftet bleiben. Also geerdet
bleiben. Gott schließt mit Abram einen Bund, und zwar
einen ganz realistischen – das ist eine Schenkung von einer
Immobilie. Und damit erdet Gott die Träume des Abram.
Denn wo viele Menschen leben, dort braucht es eben auch
einen Lebensraum. Mit dieser Schenkung aber beginnt jetzt
erst das nüchterne Leben: der Ackerbau, die Viehwirtschaft
und ein geregeltes Zusammenleben, das noch genug
Schwierigkeiten bringen wird, das wissen wir aus der
Folgegeschichte. Und den Jüngern bleibt diese Erfahrung
auch nicht erspart. Noch schweigen sie zwar über dieses
Tabor-Erlebnis, aber wenn wir weiterlesen, wissen wir, dass
auch ihnen die Bodenhaftung nicht erspart bleibt. Dennoch
sind sie unterwegs zu ihrem Traumjob, das dürfen wir nicht
vergessen. Sie werden diejenigen, die berufen sind, das
Himmelreich auf dieser Welt zu errichten, also den
Menschen zu helfen, nach den Sternen zu greifen – ohne
aber die Bodenhaftung zu verlieren. Amen
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