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E. Hanke: Entstehung und Bedeutung der MWG
Stand: 16.05.2016 04:37
Entstehung und Bedeutung der Max Weber-Gesamtausgabe
Von Edith Hanke
Die Max Weber-Gesamtausgabe (MWG) gilt heute als eine der großen deutschsprachigen
Klassikerausgaben der Sozial- und Kulturwissenschaften. Bis Ende 2012 sind 33 von insgesamt 47
geplanten Bänden erschienen. Zumeist finden sich die blauen Bände der MWG in Bibliotheken von
Universitäten oder größeren Forschungseinrichtungen. Ihre Verbreitung beschränkt sich
hauptsächlich auf Deutschland und Europa, während in der Anfangszeit zwei Drittel der Ausgabe
nach Japan verkauft worden sind (Schwentker 1998, 307). Die deutsche Sprache bedeutet heute eher
ein Hindernis für die weltweite Verbreitung, die MWG könnte aber – wie Wilhelm Hennis einmal
euphorisch geschrieben hat (Hennis 2003, VI) – auch ein Grund sein, die Sprache Goethes zu
erlernen. In ihrem Erscheinungsbild, ihrer Anlage und der Art der wissenschaftlichen Präsentation ist
die MWG ein Produkt der 70er Jahre. In ihrer Entstehung ist sie durch die westdeutschen
wissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Debatten der 70er Jahre geprägt.
I.
Die Entstehung der MWG
1972 begannen die ersten Vorgespräche zur Planung einer Gesamtausgabe der Werke Max Webers,
1976 wurde mit einem Vertragsabschluss der institutionelle Rahmen besiegelt und 1984 erschienen
die beiden ersten Bände „Zur Politik im Weltkrieg“ (Weber 1984a) und „Die Lage der Landarbeiter im
ostelbischen Deutschland“ (Weber 1984b).1 Die Texte Max Webers waren in Deutschland nicht
unbekannt, sie lagen seit den 1920er Jahren in den von Marianne Weber verantworteten
„gesammelten Schriften“ vor,2 die nach dem Zweiten Weltkrieg von Johannes Winckelmann in
bearbeiteter und erweiterter Form neu herausgegeben wurden.3 Winckelmanns Weber-Ausgaben
prägten die Weber-Wahrnehmung der Bundesrepublik, aber auch – durch vielfache Übersetzungen –
die Weber-Rezeption im Ausland. So merkwürdig es klingt, aber eine Rezeptionsgeschichte Max
1
Meine Ausführungen basieren auf dem ausführlicheren Aufsatz: Hanke/Hübinger/Schwentker 2010, der in
einer Gedenkschrift für Wolfgang J. Mommsen (1930-2004) erschienen ist und dementsprechend den Fokus
auf seine Verdienste für die MWG gerichtet hat; eine englische Übersetzung des Aufsatzes erschien 2012 in den
Max Weber Studies
2
Gesammelte Politische Schriften, München: Drei Masken-Verlag 1921, die weiteren Bände sind alle bei J.C.B.
Mohr (Paul Siebeck) in Tübingen, dem „Hausverlag“ Max Webers, erschienen: Gesammelte Aufsätze zur
Religionssoziologie Bd. 2 und 3 (1921), Wirtschaft und Gesellschaft, 2.-4. Lieferung (1921/22), Gesammelte
Aufsätze zur Wissenschaftslehre (1922), Gesammelte Aufsätze zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte (1924),
Gesammelte Aufsätze zur Soziologie und Sozialpolitik (1924), Jugendbriefe (1936).
3
Bei J.C.B. Mohr (Paul Siebeck) in Tübingen: Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre, 2. Aufl. 1951,
Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriß der verstehenden Soziologie, 4. Aufl. 1956, 5. Aufl. mit
Erläuterungsbänden 1976; Gesammelte Politische Schriften. Mit einem Geleitwort von Theodor Heuss, 2. Aufl.
1958. Bei Duncker & Humblot in Berlin: Staatssoziologie, 1. Aufl. 1956, Wirtschaftsgeschichte. Abriß der
universalen Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, 3. Aufl. 1958. Bei: Siebenstern in München und Hamburg: Die
protestantische Ethik, Bd. 1: Eine Aufsatzsammlung, 1. Aufl. 1965, und Bd. 2: Kritiken und Antikritiken, 1. Aufl.
1968. Bei Alfred Kröner in Stuttgart: Soziologie. Weltgeschichtliche Analysen. Politik, 1. Aufl. 1960. Bei Hermann
Luchterhand in Neuwied: Rechtssoziologie, 1. Aufl. 1960.
2
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Webers in Deutschland ist noch nicht geschrieben.4 Als Markstein für eine breitere öffentliche
Weber-Wahrnehmung gilt gemeinhin der Deutsche Soziologentag in Heidelberg, der anlässlich des
100. Geburtstags von Max Weber im April 1964 in Heidelberg stattfand (Stammer 1965).5 Ein
Großaufgebot von einheimischen und ausländischen Intellektuellen, darunter Theodor Adorno, Max
Horkheimer, Jürgen Habermas, Raymond Aron, Talcott Parsons, Reinhard Bendix und Benjamin
Nelson, , sorgte durch eine lebhafte, kontroverse Auseinandersetzung für eine entsprechende
Aufmerksamkeit. Die Hauptdebatten kreisten um Webers Wissenschaftsverständnis, insbesondere
das Postulat der Wertfreiheit, seine Analyse der modernen Industriegesellschaften (Rationalismus,
Kapitalismus und Bürokratismus) und seine politische Haltung zum nationalen Machtstaat und
Totalitarismus. Ungebremst prallten die unterschiedlichen Weber-Bilder aufeinander: die
optimistisch-liberale Weber-Deutung der Amerikaner, die insbesondere ein internationales Interesse
an Webers Grundlegung der Soziologie betonten, die gebrochene, historisch und ideologisch
belastete, deutsche Weber-Forschung, die in Arons Referat thematisiert wurde, sich aber besonders
an der zugespitzten Mommsen-These festmachte, ob Carl Schmitt ein legitimer Erbe Max Webers sei,
und schließlich das herausragende Referat von Herbert Marcuse, der Webers wissenschaftliche
Analyse des modernen industriellen Kapitalismus und seinen formal-rationalistischen Ansatz vom
Kern aus dialektisch zerlegte. Auch wenn Marcuse Max Weber als den „intellektuellsten aller
Soziologen“ bezeichnete und die Freude am intellektuellen Schlagabtausch mit dem Weberschen
Begriff der „technischen Vernunft“ dem Referat anzumerken war, markierte es dennoch den tiefen
Graben zwischen der bundesdeutschen Linken und Max Webers als „bürgerlich“ eingestufter
Soziologie (Marcuse 1965, 166 und 179). Prägend für die 60er Jahre war die Weber-Kritik der
Frankfurter Schule, die mit Adorno, Habermas, Horkheimer und Marcuse beim Heidelberger
Soziologentag stark vertreten war. Auch in der neu entstehenden Disziplin der Historischen
Sozialwissenschaft, der sog. Bielefelder Schule, war Max Weber eigentlich nur ein „Schutzschild“ für
eine intensiver betriebene Marx-Auseinandersetzung (Kroll 2010, 197). Vom naturrechtlichen
Standpunkt war Weber Agnostizismus vorgeworfen worden. Die von Leo Strauss und Eric Voegelin
formulierte Kritik prägte die philosophisch-normative Schule der Politikwissenschaft, die kein
positives Verhältnis zu Weber entwickelte (Hübinger/Osterhammel/Welz 1990, 183-190). Max
Weber stand in der Bundesrepublik der 60er Jahre quer zu den dominanten Denkmilieus. Obwohl die
intellektuelle Elite – wie die Verhandlungsberichte des Soziologentages von 1964 beweisen – mit Max
Webers Texten vertraut war, gab es keine eigentliche Weber-Schule oder direkte Nachfolge. Wie
konnte vor diesem Hintergrund dennoch die Idee zu einer historisch-kritischen Max WeberGesamtausgabe entstehen? Wer waren ihre Träger?
4
Eine Bestandsaufnahme (west)deutscher Rezeptionsansätze findet sich in dem Tagungsband Ay/Borchardt
2006 in den Beiträgen von Dirk Kaesler (S. 169-195), Knut Borchardt (S. 197-207), Elfriede Üner (S. 219-239),
Helmut Spinner (S. 241-264), Johannes Weiß (S. 301-311) und Andreas Anter (S. 353-373). Zur WeberRezeption während der Weimarer Zeit und der NS-Zeit vgl. Fogt 1981 und Klingemann 1996, zur fachbezogenen
Rezeption nach 1945 vgl. Kroll 2010 und Hübinger/Osterhammel/Welz 1990.
5
Weniger öffentliche Beachtung fand die von der Münchener Universität ausgerichtete Gedenkfeier am 3. Juni
1964 und eine anschließende Ringvorlesung, die auf Initiative des Leiters des Max-Weber-Archivs Johannes
Winckelmann und von den beiden Professoren der Staatswirtschaftlichen Fakultät, den Ökonomen Karl Engisch
und Bernhard Pfister, organisiert worden waren. Der Zuschnitt war ein anderer als der des Soziologentages, da
hier die lokalen Ressourcen genutzt und Weber von neun Münchener Professoren fachübergreifend gewürdigt
wurde, z.B. durch den Sinologen Herbert Franke oder den Landeshistoriker Karl Bosl. Als auswärtige Gäste
trugen Karl Loewenstein, ein junger Kollege Max Webers, Alfred Müller-Armack und Jacob Taubes vor
(Engisch/Pfister/Winckelmann 1966 und dazu Lepsius 1966, 466-469).
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1. Zur gesellschafts- und wissenschaftspolitischen Ausgangslage
Sieht man sich die Rahmendaten der Entstehung der Max Weber-Gesamtausgabe, die Zeit von 1972
bis 1984, an, so fallen ihre Planung und Konstituierung in die Nach-1968er-Phase bis hin zu den
Protesten um den NATO-Doppelbeschluss zu Beginn der 80er Jahre. Wohlstandsvisionen und
bürgerliche Moralvorstellungen, der vermeintliche Konsens der Gesellschaft, der Umgang mit der NSVergangenheit und die Westbindung der Bundesrepublik standen auf dem Prüfstand. Mit den
Studentenprotesten und den scharfen Polarisierungen der öffentlichen Debatte hatte die
bundesdeutsche Gesellschaft einen Riss bekommen. Die ausgehenden 60er Jahre markieren den
Übergang in eine kritische Wahrnehmung von Fortschritt und Modernisierung, die durch die Ölkrise
1973 noch verschärft wurde. Durch die Terrorakte der linksextremistischen Rote Armee Fraktion
(RAF) kam es im sog. Deutschen Herbst 1977 zu einer der schwersten innenpolitischen Krisen der
Bundesrepublik.
Die Sozial- und Geschichtswissenschaften waren – wie der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft
für Soziologie 1974 konstatierte (Lepsius 1976, 8) – nicht die Träger der Protestbewegung gewesen,
sondern eher die Getriebenen, die durch die intellektuellen Polarisierungen der öffentlichen Debatte
auch vor innere Zerreißproben gestellt und in ihrem Selbstverständnis erschüttert waren. Die
beginnenden 70er Jahre standen für die Sozial- und Geschichtswissenschaften daher im Zeichen der
Krisenreflexion und einer kritischen Überprüfung ihrer eigenen Grundlagen. Der erste Soziologentag
nach 1968 trat 1974 unter dem Motto „Zwischenbilanz der Soziologie“ zusammen, der
Politologentag 1975 stand hingegen ganz im Zeichen der Kontroverse Hennis–Habermas über die
sog. Legitimitätskrise,6 Historiker reagierten auf die Infragestellung mit einem „verstärkten
Theoriebedürfnis, besonders im Hinblick auf die Beziehung zu den Sozialwissenschaften“, wie Werner
Conze es beim Historikertag 1974 formulierte.7 Liberalkonservative in Politikwissenschaft, Soziologie
und Philosophie fanden unter dem Schlagwort der „Tendenzwende“ zusammen.8 Gegen die
6
Mir großer Verve eröffnete Hennis den Politologenkongress, indem er „Legitimität“ als „Kategorie der
bürgerlichen Gesellschaft“ darstellte und sich zugleich vehement gegen die Heraufbeschwörung einer
„Legitimationskrise“ zur Wehr setzte. Diese sei nur „die gegenwärtig gängige Denunziationsformel ‚kritischer‘
Politologie“ (Hennis 1976, 9). Habermas warf Hennis hingegen vor, rein polemisch, aber nicht substantiell
argumentiert zu haben. Er stellte einen universalistischen und an die Klassenstruktur gekoppelten
Legitimationsbegriff auf. Der Legitimitätsanspruch beziehe sich „auf die sozialintegrative Wahrung einer
normativ bestimmten Identität der Gesellschaft“ (Habermas 1976, 42). Zum Rededuell vgl. auch Schlak 2008,
163-174.
7
Werner Conze hielt als Vorsitzender des Verbandes der Historiker Deutschlands den Eröffnungsvortrag „Zur
Lage der Geschichtswissenschaft und des Geschichtsunterrichts“ (Bericht 1976, 15). Schon beim Historikertag
1970 gab es eine Sektion zur „Theorie der Geschichtswissenschaft“ unter Leitung von Thomas Nipperdey, mit
einer Auseinandersetzung über den Historismus bzw. Historizismus, Objektivität und Standortgebundenheit
des Historikers (Bericht 1971, 41-43). Dort auch die Zusammenfassung des Schlussvortrages von Reinhart
Koselleck „Wozu noch Historie?“ mit dem wichtigen Schlagwort von der „Theoriebedürftigkeit der Geschichte“
(ebd., 116-117).
8
Unter dem Motto „Tendenzwende?“ fand im November 1974 in München eine Konferenz statt, bei der sechs
Professoren, Hermann Lübbe, Gerd Albers, Golo Mann, Hans Maier, Robert Spaemann und Ralf Dahrendorf,
über die „geistige Situation der Bundesrepublik Deutschland“ diskutierten. In der Öffentlichkeit waren die
Redner umgehend dem Konservatismus-Vorwurf ausgesetzt, obwohl es ihnen – wie der Veranstalter und
Verleger Ernst Klett im Vorwort zur Buchausgabe betonte und sich dabei auf Dahrendorf berief – um „die
rationale Diskussion“ gegangen sei (Tendenzwende 1975, 5-6). – Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ greift
seit Februar 2010 das Motto wieder auf und hat bereits vier Konferenzen abgehalten, bei denen die
langfristigen Folgen der Weltwirtschaftskrise reflektiert werden. Vgl. Heike Schmoll und Jürgen Kaube, „Reichen
die Tendenzen für eine Tendenzwende?“. In: FAZ, Nr. 31 vom 6. Februar 2010, S. 4.
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Dominanz der Neuen Linken organisierten sich 1970 Hochschullehrer im „Bund Freiheit der
Wissenschaft“, dem u.a. die Politikwissenschaftler Wilhelm Hennis und Hans Maier, der Soziologe
Friedrich Tenbruck, der Philosoph Hermann Lübbe und der Historiker Thomas Nipperdey angehörten
(Hacke 2006, 102-108). Das Jahr 1968 war – wie der Hennis-Biograph Stephan Schlak schreibt – für
viele intellektuelle Sozialdemokraten und politische Reformer (er zählt u.a. Hennis, Lübbe und
Nipperdey dazu) ein Einschnitt. Durch persönliche Attacken und fruchtlose Debatten während der
Studentenproteste aufgerieben, seien sie „auf die konservative Seite“ gezogen worden (Schlak 2008,
147).
Ein Teil des Neuaufbruchs der liberal, sei es mehr sozial-liberal oder konservativ-liberal, gesinnten
Geistes- und Sozialwissenschaften wurde von der Werner-Reimers-Stiftung in Bad Homburg finanziell
gefördert. Gegen den Zeitgeist der 68er Jahre fand hier eine elitäre Wissenschaftsvernetzung statt. Es
ging nicht um Parteipolitik, sondern um eine Entpolitisierung und Versachlichung der
wissenschaftlichen Debatte. Insofern greifen enge Rechts-Links-Schemata zu kurz. M. Rainer Lepsius,
der dem wissenschaftlichen Beirat der Stiftung angehörte, wird z.B. in neueren Forschungen mit
Jürgen Habermas und Ralf Dahrendorf in einem Atemzug genannt und zwar als führender Vertreter
eines Soziologie-Verständnisses als ‚angewandter Aufklärung‘.9 Der Philosoph Odo Marquard,
ebenfalls Beiratsmitglied, sah ein Ziel der Stiftungsarbeit in der Pluralisierung der Geschichte und der
Einübung von „Toleranz durch Gewaltenteilung“ und richtete sich damit gegen die revolutionären
Geschichtsphilosophien mit ihrem „Hang zur Alleingeschichte utopischer Weltvereinheitlichung“
(Marquard 1988, 22). Führend beteiligt war auch der Historiker Reinhart Koselleck, der seit den
ausgehenden 1960er Jahren treibende Kraft für die theoretische Erneuerung der
Geschichtswissenschaft war. Sein Bestreben nach „Theoriebedürftigkeit“ ging mit dem politischen
Bestreben einher, „to write history from a democratic viewpoint“ (Mommsen 1987, 110). In den 70er
Jahren tagten in der Reimers-Stiftung die Studien- und Forschungsgruppen zu „Poetik und
Hermeneutik“, „Theorie der Geschichte“ und „Ethik der Wissenschaften“ sowie die Arbeitskreise
„Moderne Sozialgeschichte“ und „Max Weber“. Aus den Zusammenkünften der intellektuell
hochkarätig besetzten Gruppen ist u.a. das für die Geschichtswissenschaft noch heute bedeutsame
Lexikon „Geschichtliche Grundbegriffe“ hervorgegangen,10 aber auch die sechs-bändige Buchreihe
„Beiträge zur Historik“11 und schließlich die „Max Weber-Gesamtausgabe“.12
Im Nachgang der 68er Jahre wollte der Verlag J.C.B. Mohr (Paul Siebeck) in Tübingen auch einen
Beitrag zur Verwissenschaftlichung der öffentlichen Debatten leisten. Er übernahm nicht nur den
Druck der Max Weber-Gesamtausgabe, sondern begründete zur „Vertiefung und Versachlichung der
öffentlichen Meinungsbildung“ zwei Broschürenreihen „Wirtschaft und Gesellschaft“ sowie
„Gesellschaft und Wissenschaft“. Unter den Herausgebern der letztgenannten Reihe finden sich u.a.
Hermann Lübbe, Hans Maier und Friedrich Tenbruck wieder. Eine der zwischen 1971 und 1974
9
Bei Müller 2003, 7, heißt es wörtlich: „Habermas, Dahrendorf, and M. Rainer Lepsius were promoted to
tenure at a relatively early point and established a double role as leaders in their fields and as public
intellectuals using sociology as a kind of ‘applied enlightenment’, in Dahrendorfs words.” Dies aber auch bei
Lepsius 1996, 189, hier als Ausdruck von René König (Köln).
10
Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland, hg. von Otto
Brunner, Werner Conze und Reinhart Koselleck, 8 Bände. Stuttgart: Klett-Cotta 1972-1997.
11
Beiträge zur Historik, hg. von Reinhart Koselleck, Wolfgang J. Mommsen und Jörn Rüsen, 6 Bände. München:
dtv 1977-1990.
12
MWG, hg. von Horst Baier, Gangolf Hübinger (seit 2005), M. Rainer Lepsius, Wolfgang Schluchter und
Johannes Winckelmann, 33 Bände (von 47 geplanten), Tübingen: J.C.B. Mohr (Paul Siebeck) 1984ff.
5
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erschienenen Broschüren mit dem Titel „Wertfreiheit und Verantwortungsethik“ stammt von
Wolfgang Schluchter, der darin Webers berühmte Münchener Reden „Wissenschaft als Beruf“ und
„Politik als Beruf“, auch in Auseinandersetzung mit den Thesen von Jürgen Habermas, interpretierte
und den Eigenwert der Wissenschaft gegen die Politisierung stark machte (Schluchter 1971, 38). Aber
natürlich konnten diese kleinen Tübinger Reihen nicht viel gegen die meinungsprägende
Vorrangstellung des Suhrkamp-Verlages in Frankfurt am Main ausrichten.
2. Die spezifische Personenkonstellation
In der Phase der kritischen Selbstreflexion und Erneuerung der Sozial- und Geschichtswissenschaften
zu Beginn der 70er Jahre spielte Max Weber für eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern – den
Begründern der MWG – eine entscheidende Rolle. Die Gründerväter der MWG – Horst Baier, M.
Rainer Lepsius, Wolfgang J. Mommsen, Wolfgang Schluchter und Johannes Winckelmann –
übernahmen 1976 durch ihre Unterschriften unter den Gründungsvertrag die inhaltliche
Verantwortung für die Herausgabe der historisch-kritischen Gesamtausgabe. In ihren Charakteren
verbinden sie geradezu idealtypisch das unterschiedlich motivierte wissenschaftliche Interesse an
einer Max Weber-Gesamtausgabe. Sie wurde schließlich zum Projekt der sog. Generation ´45, die
nach dem Zweiten Weltkrieg für eine demokratische Erneuerung Deutschlands stand (Cornelißen
2010, 13 und Hanke/Hübinger/Schwentker 2010, 210).
Der Medizinsoziologe Horst Baier (Jg. 1933) ergriff 1972 die Initiative. Als Assistent von Helmut
Schelsky und der bei ihm vorgelegten Habilitation zur Methodologie Max Webers (Baier 1969) kann
er am ehesten dem (neo)konservativen Umfeld der „Tendenzwende“ zugeordnet werden. In seinen
wissenschaftspolitischen Aufsätzen der ausgehenden 60er Jahren hatte er technologisches und
emanzipatorisches Erkenntnisinteresse einander gegenübergestellt und damit insbesondere die
Position von Jürgen Habermas angegriffen (Eckert 1971, 8ff.). Sein Anliegen war es, mit einer Max
Weber-Gesamtausgabe die empirische Sozialwissenschaft zu fördern und sie gegen die
„Politisierung“ und den Vormarsch „von sozialistischen Weltanschauungen“ an den westdeutschen
Fachbereichen zu positionieren. In seinem 1973 vorgelegten Exposé hob er im Abschnitt „Die
gegenwärtige ‚Krise der Soziologie‘“ die Bedeutung des von Weber, Simmel und Tönnies vertretenen
„Typus einer Soziologie als strenger, wertfreier Wissenschaft des empirischen sozialen Handelns“ für
die „internationale Gegenwartssoziologie“ und für die „Umbruchphase der deutschen Universität“
hervor (Baier 1973, 5-6). Als Lehrstuhlnachfolger Adornos in Frankfurt war er als Weber-Anhänger in
die vormalige Hochburg der Kritischen Theorie berufen worden. Sein Argument, durch eine
Neuausgabe des Werks nach wissenschaftlichen Kriterien eine zuverlässige Basis für eine WeberBeschäftigung und damit eine Facherneuerung zu schaffen, deckte sich mit dem Anliegen Friedrich
Tenbrucks.13 Die alten Werkausgaben von Marianne Weber und die stark veränderten Ausgaben von
Johannes Winckelmann genügten den editorisch-philologischen Ansprüchen nicht mehr. Dennoch
nahm man Winckelmann (Jg. 1900) mit ins Boot. Er stand zwar für eine politisch-didaktische,
13
Tenbruck hatte 1975 auf die grundsätzlichen editorischen Mängel der Textpräsentationen von Johannes
Winckelmann und Eduard Baumgarten hingewiesen. Die Soziologie brauche, auch wenn sie philologische
Fragen für „bloßen Ballast“ halte, „verläßliche Texte“, d.h. „kritische Ausgaben“ mit nachgewiesenen
Textkorrekturen und einer Darstellung der Textentwicklung (Varianten) (Tenbruck 1999, 102-103). Er plädierte
für einen Zusammenhang von Edition und Interpretation, denn „das Gesamtwerk des größten
Sozialwissenschaftlers dieses Jahrhunderts ist, trotz ausgezeichneter Interpretationen, unentschlüsselt
geblieben und kann anhand der vorliegenden Ausgaben auch kaum entschlüsselt werden“ (ebd., 118). Dazu
auch Homann 1999, XVII-XVIII.
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veraltete Editionsphilosophie, die sich aus der Nachkriegszeit erklären lässt. Aber man brauchte seine
Werkkenntnis und vor allem die von ihm gesammelten Weberiana, die in seinem Max Weber-Archiv
an der Universität München untergebracht waren. Winckelmann hätte M. Rainer Lepsius (Jg. 1928)
gerne als Ordinarius für Soziologie und Erben der Weber-Bestände in München gesehen. Als sich dies
zerschlug, setzte er sich für Lepsius als Mitherausgeber der MWG ein. Lepsius war zu diesem
Zeitpunkt Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Soziologie und kämpfte in dieser Funktion für
eine wissenschaftliche Erneuerung des Fachs. In seinem Verständnis von Soziologie spielte Max
Weber eine entscheidende Rolle. Mit ihm konnte man an die Fachtradition vor 1933 anknüpfen und
eine wertfreie, empirisch verfahrende Soziologie stärken (Lepsius 1976, 6, 12).14 Neben das
institutionenbezogene Interesse von Lepsius trat das werkbezogene Interesse von Wolfgang
Schluchter (Jg. 1938). Als Jüngster im Kreis berief er sich auf Max Webers Werk zur Analyse der
Industriegesellschaft bzw. des „Spätkapitalismus“ – wie es in der Begrifflichkeit der Neuen Linken
hieß – und zwar in direkter Auseinandersetzung mit Herbert Marcuse, dem „Philosophen des
studentischen Protestes“ (Schluchter 1972, 289). Mit seiner Rationalisierungsthese überwand er die
Partizipialrezeption Webers hin zu einer Gesamtdeutung des Werks (Schluchter 1979). Wolfgang J.
Mommsen (Jg. 1930) wurde von Baier als Historiker wegen seiner Quellenkenntnisse und
Editionserfahrungen in den Kreis kooptiert. Mommsen hatte durch seine Dissertation „Max Weber
und die deutsche Politik“ (Mommsen 1959) und die dort vorgetragenen Thesen – Weber als liberaler
Nationalist und Kreateur des „plebiszitären Führertums“ – provoziert. Dies haben die Debatten beim
Soziologentag 1964 gezeigt. Dort hatte Mommsen aber auch in einem Satz die Funktion des
Historikers für die soziologische Weberforschung umrissen: Sie läge in der Bestimmung des
„zeitgenössischen Koeffizienten“ der Weberschen Theoreme (Mommsen 1965, 134). Damit
beschrieb er ein Hauptanliegen historisch-kritischer Editionen, das in der historischen
Kontextualisierung besteht. 1973 scheute Mommsen sich nicht, bei einem öffentlichen Vortrag Max
Webers liberale Grundhaltung und dessen differenzierten Kapitalismusbegriff gegen den
(Neo)Marxismus zu verteidigen (Mommsen 1974, 174). Auf die sog. „‚Krise‘ des historischen
Denkens“ reagierte Mommsen mit einem Rückgriff auf Max Webers Postulat der Werturteilsfreiheit.
Er bekannte sich zur Perspektivität historischer Erkenntnis und zur „Pluralität möglicher
Perspektiven“ (Mommsen 1977, 451), dies in direkter Konfrontation zum Geschichtsverständnis der
Frankfurter Schule, die Geschichte in „emanzipatorischer“ Absicht betreiben wolle (ebd., 442). Im
Herausgebergremium erwies Mommsen sich als der „Motor“. Unter seiner Leitung sind die meisten
MWG-Bände entstanden.
3. Der politische Wille
Ohne die Kontakte von Horst Baier zu politisch Verantwortlichen und Geldgebern gäbe es die MWG
in ihrer heutigen Form nicht. Baier stellte die Kontakte zur Werner-Reimers-Stiftung in Bad Homburg
her, von der die Kosten für die konstituierenden Beratungen 1974-1976 und die meisten der
nachfolgenden Herausgebersitzungen bis zur Schließung der Stiftung 2001 getragen wurden.
Entscheidend war, dass Baier durch sein politisch akzentuiertes Exposé (Baier 1973) und durch
14
Über die Soziologie in der Zwischenkriegszeit ist besonders auf den von Lepsius herausgegebenen
Sammelband Soziologie in Deutschland und Österreich 1918-1945 (Opladen 1981) hinzuweisen. Darin: M.
Rainer Lepsius, „Die Soziologie der Zwischenkriegszeit: Entwicklungstendenzen und Beurteilungskriterien“
(Lepsius 1981, 7-23) und Helmut Fogt, „Max Weber und die deutsche Soziologie der Weimarer Republik:
Außenseiter oder Gründervater?“ (Fogt 1981, 245-272). Seit Jahren vertritt Carsten Klingemann, „Max Weber
in der Reichssoziologie 1933-1945“ (Klingemann 1996, 171-216), die Gegenthese zu Lepsius, der von einem
Bruch der Soziologie in der NS-Zeit ausgeht.
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Vermittlung von Helmut Schelsky den damaligen Parteivorsitzenden der konservativen bayerischen
„Christlich-Sozialen Union“ für das Projekt einer Max Weber-Gesamtausgabe gewinnen konnte. Franz
Josef Strauß, der ganz stark dem West-Ost-Denken des Kalten Krieges verhaftet war, erkannte, dass
man politisch mit einer Weber-Ausgabe eine intellektuelle Kampfansage gegen die Marx-EngelsGesamtausgabe (MEGA) verbinden konnte. Der amtierende bayerische Kultusminister und
Politikwissenschaftler Hans Maier, der uns bereits im direkten Umfeld der „Tendenzwende“
begegnet ist, sorgte für die institutionelle Anbindung der MWG an die Bayerische Akademie der
Wissenschaften und eine entsprechende Finanzierung. Vor diesem Hintergrund ist die These von Dirk
Kaesler zu verstehen, dass die MWG eine westdeutsche Antwort auf den „ideologischen Tanker der
Ostberliner MEGA“ gewesen sei (Kaesler 2008, 592). Die Herausgeber der MWG – in ihrer Mehrheit
alles andere als konservativ – hatten auch andere institutionelle Optionen erwogen, wie z.B. die
Finanzierung durch eine Stiftung oder die Deutsche Forschungsgemeinschaft.15 In der
Akademieanbindung sahen sie aber eine Chance für die dauerhafte Sicherung der ansonsten
dezentral zu gestaltenden Editionsarbeit. Im Gegensatz zu der wissenschaftspolitisch motivierten
antimarxistischen Akzentuierung der MWG verfolgten die Herausgeber die wissenschaftsinterne
Absicht, mit Weber und einer historisch-kritischen Gesamtausgabe zu einer Stärkung der empirischen
Sozial- und Kulturwissenschaften beizutragen. Von dem Konzept einer „Gegenausgabe“ nahmen sie
bewusst Abstand, was sich auch schon darin widerspiegelt, dass das ursprünglich verwendete Kürzel
MWGA zugunsten des schlankeren MWG aufgegeben wurde.
II.
Die Bedeutung der MWG
Denker, deren Werke nicht gesammelt und veröffentlicht werden, gleiten ins Vergessen ab.16 Wenn
man diese Negativformulierung wählt, bildet die MWG mit 47 geplanten Bänden ein mächtiges
Bollwerk gegen das Vergessen Max Webers. Hauptaufgabe von Klassikerausgaben ist die
Bereitstellung von Text und Kontextmaterial, insbesondere die Herstellung einer zuverlässigen und
weltweit zitierbaren Textbasis. Im Gegensatz zur Simmel-Gesamtausgabe, Ferdinand Tönnies- oder
Alfred Weber-Gesamtausgabe hat die MWG ein besonderes Format und Profil entwickelt und damit
Standards für sozial- und kulturwissenschaftliche Editionen gesetzt.17
15
Baier nannte in seinem Exposé für die Einzelbandfinanzierung die Volkswagenstiftung, die Fritz-ThyssenStiftung und die Deutsche Forschungsgemeinschaft, für die zentrale Editionsplanung hingegen die Anbindung
an eine Akademie, Hochschule oder einen Verlag (Baier 1973, 8 und 10). Hermann Lübbe und Wolfgang J.
Mommsen bemühten sich vergeblich um eine Anbindung an die „Rheinisch-Westfälische Akademie der
Wissenschaften“ (vgl. Hanke/Hübinger/Schwentker 2010, 218).
16
In diesem Sinne äußerte sich Alexander Gallus bei einer Tagung in Chemnitz anläßlich des 100. Geburtstags
von Helmut Schelsky, vgl. den kurzen Tagungsbericht von Michael Kunze, „Schelskys Erbe. Empiriker“. In:
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 254 vom 31. Oktober 2012, S. N3.
17
Die Simmel-Gesamtausgabe, hg. von Othein Rammstedt, steht kurz vor ihrem Abschluss und ist seit 1998 in
23 von 24 geplanten Bänden im Suhrkamp-Verlag, Frankfurt a.M. und Berlin, in einem handlichen Format
erschienen. Hier gibt es einen reinen Lesetext, während Editorische Berichte, Informationen zu Druckvorlagen,
der Nachweis von Varianten und Literaturangaben sich jeweils im Anhang zu den Bänden befinden und dort um
ein Abkürzungs- und Siglenverzeichnis und ein Personenregister ergänzt werden. Das macht die Texte selber
zwar lesbarer, weil sie ohne editorischen „Ballast“ sind, dafür ist der Benutzer mehr gefordert. Er muss alle
editorischen Informationen selber über Seiten- und Zeilenangaben im Anhang mit dem abgedruckten
Textkörper verbinden. Das erschwert die Benutzbarkeit. Der Bezug zum Erstdruck wird nicht über mitlaufende
Seitenangaben hergestellt. Die Simmel-Gesamtausgabe strahlt so eine größere Leichtigkeit aus, die auch
Simmel als ästhetisch schreibendem Autor gerecht wird. – Ein größeres Buchformat haben sowohl die
8
E. Hanke: Entstehung und Bedeutung der MWG
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1. Editionsgrundsätze
Die MWG ist eine Gesamtausgabe nach historisch-kritischen Grundsätzen mit einem Primat der
dokumentierenden vor der interpretierenden Edition und einem Primat des Textes vor dem Autor
(Hübinger 2012, 5). Die Editionsgrundsätze der MWG wurden über mehrere Jahre, insbesondere von
Schluchter, Hübinger und Schwentker, erarbeitet. Veröffentlicht sind sie in einem 1981 erschienenen
Prospekt des Verlages Mohr Siebeck in Tübingen. Geprägt wurden die Grundsätze durch die unter
Germanisten geführten editionstheoretischen Debatten der 70er Jahre.18 Die MWG ist folglich sehr
stark an dem sorgsamen philologischen Umgang mit Text und Sprache orientiert, was für eine
sozialwissenschaftliche Edition vielleicht etwas außergewöhnlich ist.19 Zu den Grundsätzen im
Einzelnen: Kritisch bedeutet, dass die überlieferten Weber-Texte sprachlich und sachlich geprüft
werden. Verschreibungen, fehlerhafte Satzkonstruktionen werden ggf. korrigiert. Historisch
bedeutet, dass verschiedene Varianten eines Textes in eine chronologische Abfolge gebracht und die
Abweichungen zum edierten Text nachgewiesen werden. Gesamtausgabe bedeutet, dass – im
Gegensatz zu einer Werkausgabe mit einer Textauswahl – alle überlieferten Textzeugen
veröffentlicht werden. In dem Fall der MWG werden sie einer von drei Abteilungen zugeteilt: I.
Schriften und Reden, II. Briefe, III. Vorlesungen und Vorlesungsnachschriften. Dokumentierend
Ferdinand Tönnies- als auch die Alfred Weber-Gesamtausgabe gewählt. Hier wird der Editor sichtbarer. Von der
Tönnies-Gesamtausgabe sind seit 1998 bislang 7 von 24 geplanten Bänden erschienen (Berlin, New York:
Walter de Gruyter). Es handelt sich um eine kommentierende Gesamtausgabe, bei der aber ein textkritischer
Apparat fehlt. Editorische Berichte, Bibliographien, erläuternde Sach- und Personenregister erschließen die
Texte inhaltlich. Die Alfred Weber-Gesamtausgabe ist mit 10 Bänden, die 1997 bis 2003 erschienen sind
(Marburg: Metropolis-Verlag), bereits abgeschlossen. Im Gegensatz zur Tönnies-Gesamtausgabe ist sie eine
kommentierende und textkritische Ausgabe. Einen Variantenapparat, d.h. den textkritischen Vergleich
mehrerer Textfassungen, gab es jedoch nur bei der „Kultursoziologie“ (Bd. 1). Editorische Informationen sind in
die Bandeinleitungen eingefügt. Im strengen Sinn ist sie keine Gesamtausgabe, da die Briefe Alfred Webers nur
in einer Auswahl vorgelegt sind, allerdings mit den entsprechenden Gegenkorrespondenzen. – Am meisten hat
sich die Ernst Troeltsch-Kritische Gesamtausgabe in Format und editorischer Behandlung an der MWG
orientiert. Von 20 geplanten Bänden liegen seit 1998 11 Bände vor (Berlin, New York: Walter de Gruyter). In
jedem Band sind die Editionsregeln abgedruckt, jeder Texteinheit ist ein Editorischer Bericht oder eine
Editorische Vorbemerkung vorangestellt. Pro Textseite gibt es einen textkritischen und einen davon
gesonderten erläuternden Apparat. Durch Textsiglen und Paginierungsangaben ist der Bezug zu den
Textvorlagen stets transparent. Biogramme, Literaturverzeichnisse, Personen- und Sachregister erschließen die
Texte zusätzlich.
18
Die Debatten fanden im Umfeld des Deutschen Literaturarchivs in Marbach am Neckar statt, die in dem von
Gunter Martens und Hans Zeller herausgegebenen Band Texte und Varianten. Probleme ihrer Edition und
Interpretation, München: C.H. Beck 1971, dokumentiert sind. Für die MWG waren jedoch die von Siegfried
Scheibe, Literaturwissenschaftler und Mitherausgeber der Berliner Goethe-Ausgabe, verfassten
Editionskriterien maßgeblich. Vgl. dazu Hanke/Hübinger/Schwentker 2010, 231.
19
Orientierungspunkte boten die bereits mit großem philologischem Aufwand betriebenen historischkritischen Editionen, wie die Marx-Engels-Gesamtausgabe und die 1972 begonnene Nietzsche-Gesamtausgabe.
In diesen zeitlichen Kontext gehört auch die 1973 im Rahmen der Deutschen Gesellschaft für Philosophie
gegründete „Arbeitsgemeinschaft philosophischer Editionen (AGphE)“. Vielleicht entsprach es in der Tat dem
Zeitgeist der 70er Jahre, durch präzise Aufarbeitung den Anspruch auf wissenschaftliche Qualität einzulösen.
Die Editionswissenschaft als eigenständiger und anerkannter Wissenschaftszweig hat in Deutschland seit den
80er Jahren einen Bedeutungsverlust erlitten, gegen den erst in den letzten Jahren durch Einrichtung von
Masterstudiengängen, z.B. an der FU Berlin und der Universität Heidelberg, und von Editionswissenschaftlichen
Zentren, z.B. das 2008 begründete „Münchener Zentrum für Editionswissenschaft (MüZE)“, eingeschritten
worden ist. Symptomatisch dürfte aber sein, dass die Editionswissenschaft ganz im Zeichen historischer,
literatur- und musikwissenschaftlicher Quellenaufarbeitung steht, den Konnex zu Philosophie und
Sozialwissenschaften aber verloren zu haben scheint. Der Trend zu Internet-Editionen könnte aber u.U. das
weltweite und fachübergreifende Interesse an der exakten Editionsarbeit wieder fördern.
9
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bedeutet, dass die Art der Textgestaltung und der Texteingriffe durch den Editor transparent
gemacht wird. Es soll nach Möglichkeit kein „editorischer Schatten“ auf die Texte fallen.
Interpretation und eigenmächtige Ergänzungen des Editors ohne sichtbaren Nachweis sollen
vermieden werden. Die einzelnen Bände der MWG haben einen strengen Aufbau: Die Bandeinleitung
informiert über den werkgenetischen und wissenschaftshistorischen Hintergrund der Texte, die
Editorischen Berichte bzw. Editorischen Vorbemerkungen über die konkrete Entstehungsgeschichte
und die Überlieferung (sie sind den Texten jeweils vorangestellt), die textkritischen Apparate
informieren über Eingriffe und Varianten, der Sacherläuterungsapparat über Zitate und unbekannte
Sachverhalte (die beiden Apparate finden sich auf jeder Textseite unterhalb des Editionstextes).
Zusätzlich schlüsseln die Verzeichnisse zu genannten Personen, Fachbegriffen und Literaturhinweisen
die edierten Texte auf. Personen-, Sach- und andere Register sollen einen schnellen Zugriff
ermöglichen. Von der ursprünglich streng asketischen Form von Einleitungen und Sachkommentaren
hat sich die MWG in den letzten Jahren entfernt. Ziel bleibt jedoch die puristisch strenge Form und
das Zurücktreten des Editors hinter das Werk Max Webers.
2. Sammlung und Kontakte
Ohne Sammlung keine Gesamtausgabe.20 Den Grundstock zur MWG bildete das von Johannes
Winckelmann errichtete Max Weber-Archiv in München. Durch vielfältige Kontakte zu
Familienangehörigen und Zeitgenossen Max Webers war es ihm gelungen, Werkmanuskripte,
Handexemplare, Erstausgaben und Briefe zu erhalten. Der größte Coup und zugleich der Anlass für
die Archivgründung war die Schenkung des Originalmanuskripts zur Rechtssoziologie Max Webers
durch den in die USA emigrierten Karl Loewenstein (Gephart/Hermes 2010, 140-141). Hinzu kam
auch eine umfangreiche Schenkung durch Webers Neffen Eduard Baumgarten, der selber in Ebnet,
einem Vorort von Freiburg i.Br., ein Archiv mit den ererbten Weberiana errichtet hatte. Unterstützt
wurde die Forschungs- und Sammlungstätigkeit von Johannes Winckelmann durch die „Max Weber
Gesellschaft e.V.“, die von 1965 bis 1995 bestand.21 Über den Hausverlag Mohr-Siebeck und dessen
Kontakte zur Familie Weber-Schäfer konnte der private Nachlass von Max und Marianne Weber der
Edition zur Verfügung gestellt werden. Die verschiedenen Deponate der Bayerischen Staatsbibliothek
umfassen einen bedeutenden Teilnachlass Max Webers und wurden dort zur Unterstützung der
Editionsarbeiten eingerichtet. Der zweite große Teilnachlass, der heute im Geheimen Staatsarchiv
Berlin zu finden ist, hatte eine dramatische Geschichte, die eng mit der deutschen Kriegs- und
Nachkriegsgeschichte verbunden ist. Er umfasst vor allem das wissenschaftliche Werk Max Webers
sowie Briefabschriften Marianne Webers und befand sich viele Jahre im Zentralen Staatsarchiv der
DDR. Wolfgang J. Mommsen und Hans Henrik Bruun waren aus dem Kreis der MWG die Einzigen, die
diesen Bestand in Merseburg kannten. Besonders für die Briefedition galt es, Archive und
Privatnachlässe zu sichten. Das Sammeln und Entziffern stand hier zunächst im Vordergrund, so dass
20
Forschungs- und Sammelstellen gehen den Gesamtausgaben oft voraus, z.B. wurde für die TönniesGesamtausgabe 1982 in Hamburg eine Arbeitsstelle eingerichtet (der 1. Band erschien 1998).
21
1965 zunächst gegründet als „Gemeinschaft von Freunden und Förderern des Max Weber Instituts“ in
München mit dem Zweck, die Weber-Forschung im In- und Ausland zu fördern, dann 1974 insbesondere zur
Förderung der Max Weber-Gesamtausgabe. Dem Vorstand gehörten neben Johannes Winckelmann Kurt
Sieveking (Weber-Hörer und ehemaliger Bürgermeister der Hansestadt Hamburg), M. Rainer Lepsius als
Wissenschaftler sowie Unternehmer und Bankiers an. Durch einen Jahresbeitrag von mindestens 500 DM sollte
die Arbeit finanziell unterstützt werden. Dazu die Akten im Nl. Winckelmann, BAdW München, Nr. 389 und
390. – Vergleichbare Vereinsbildungen gibt es: Ferdinand-Tönnies-Gesellschaft e.V. Kiel (seit 1956), die ErnstTroeltsch-Gesellschaft e.V. Augsburg (seit 1981), die Georg Simmel Gesellschaft e.V. Bielefeld.
10
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der erste Briefband erst 1990 erschien (Weber 1990). Bis heute wurden mehr als 3200 Weber-Briefe
identifiziert. Unter Leitung von Wolfgang Mommsen wurden auch Zeitungen und Zeitschriften nach
Weber-Texten und Berichten über dessen öffentliche Äußerungen systematisch durchsucht. Ergebnis
dieser Arbeiten ist die von Martin Riesebrodt erstellte Bibliographie, die Basis der Edition von
Abteilung I „Schriften und Reden“ ist und ständig aktualisiert worden ist. Sie umfasst heute knapp
400 Titel, einschließlich der Vorlesungsnotizen und Vorlesungsnachschriften von Abteilung III.22 Die
Sammlungsbestände werden durch die Max Weber-Arbeitsstelle in der Bayerischen Akademie der
Wissenschaften in München gepflegt und vervollständigt. Diese Einrichtung umfasst auch eine
Spezialbibliothek zur Max Weber-Forschung23 und bietet somit einen Sammel- und Begegnungsort
für die internationale Weber-Gemeinde. Schon Johannes Winckelmann pflegte die internationalen
Kontakte, besonders nach Japan. Heute sind es Weber-Übersetzer und Weber-Experten aus
Großbritannien, Frankreich, Italien, Griechenland, aber auch aus Japan, China, Taiwan, Südkorea,
Brasilien und Mexiko. Demnächst soll ein Max Weber-Portal im Internet über die Bestände
informieren und Primärdaten, die im Zuge der Editionsarbeit gesammelt wurden, bereitstellen.
Die Herausgeber der MWG, insbesondere Wolfgang J. Mommsen und Wolfgang Schluchter, haben
durch die Ausrichtung von Weber-Fachtagungen und ihre rege Präsenz bei internationalen WeberKonferenzen sowie ihr organisatorisches Talent ein reiches Netz an Kontakten aufgebaut und das
Weber-Interesse gefördert. Wolfgang Schluchter hat 1979 bis 1984 die international und
interdisziplinär besetzten Fachkonferenzen zu Max Webers Studien zur „Wirtschaftsethik der
Weltreligionen“ in der Werner-Reimers-Stiftung Bad Homburg konzipiert und durchgeführt. Daraus
sind die bis heute grundlegenden Suhrkamp-Bände zu den von Weber behandelten und projektierten
kulturvergleichenden, religionssoziologischen Studien hervorgegangen.24 Ebenso wichtig für die
internationale Vernetzung waren die Heidelberger Max Weber-Vorlesungen, die seit 1981 vom
Soziologischen Institut veranstaltet wurden. Aus ihnen sind ebenfalls wichtige Suhrkamp-Bände
hervorgegangen, die bedeutsame ausländische Weberforscher und ihre Ansätze in Deutschland
bekannt gemacht haben.25 Wolfgang J. Mommsen hat als Direktor des Deutschen Historischen
Instituts in London 1984 eine große Weber-Konferenz zu „Max Weber und seine Zeitgenossen“
organisiert (Mommsen/Osterhammel 1987). Engagiert war er im deutsch-deutschen Dialog, wobei
Max Weber trotz gegenteiliger Ansichten ein verbindendes Thema war. 1993 hat er zusammen mit
22
Die Riesebrodtsche Bibliographie stellt die ausführlichste Textverzeichnung dar (Riesebrodt 1981, 16-32 und
aktualisiert: Riesebrodt 2002). Vorausgegangen war die von Dirk Kaesler unter Mitarbeit von Helmut Fogt
erstellte Max-Weber-Bibliographie mit 231 erfassten Titeln (Kaesler/Fogt 1975, 705-722). Z.B. basiert die
neuere Bibliographie von Alan Sica 2004 auf der revidierten Bibliographie von Dirk Kaesler von 1988, erfasst
aber nur die Weber-Texte in englischer Übersetzung (insgesamt 96 Titel). Sie ist vor allem ein beeindruckendes
Nachschlagewerk zur englisch-sprachigen Weber-Forschung.
23
Die Forschungsbestände der Winckelmann-Sammlung wurden erstmals zusammengestellt durch
Seyfarth/Schmidt (1977). Sie verzeichneten Weber-Ausgaben nach 1920, Übersetzungen seiner Texte und die
selbständige und unselbständige gesammelte Weber-Forschungsliteratur.
24
Zum Antiken Judentum (Konferenz 1979, Buch 1981); zu Konfuzianismus und Taoismus (Konferenz 1980,
Buch 1983); zu Hinduismus und Buddhismus (Konferenz 1981, Buch 1984); zum Antiken Christentum
(Konferenz 1982, Buch 1985); zum Islam (Konferenz 1984, Buch 1987). Alle Bände sind von Wolfgang
Schluchter herausgegeben.
25
Zu den Heidelberger Gästen gehörten: Reinhard Bendix, „Freiheit und historisches Schicksal“ (Heidelberger
Max Weber-Vorlesung 1981; bei Suhrkamp erschienen 1982), Guy Oakes, „Die Grenzen
kulturwissenschaftlicher Begriffsbildung“ (1982; bei Suhrkamp 1990), Guenther Roth, „Politische Herrschaft
und persönliche Freiheit“ (1983; bei Suhrkamp 1987), Pietro Rossi, „Vom Historismus zur historischen
Sozialwissenschaft“ (1985; bei Suhrkamp 1987), Jurij N. Davydov und Piama P. Gaidenko, „Rußland und der
Westen“ (1992; bei Suhrkamp 1995).
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Wolfgang Schwentker eine deutsch-japanische Weber-Konferenz in München veranstaltet
(Mommsen/Schwentker 1999). Dies sind nur einige Beispiele, wie die Herausgeber der MWG, die
rückblickend zu den prägenden Persönlichkeiten der bundesdeutschen Weber-Forschung zu zählen
sind ihren Beitrag zur internationalen Weber-Forschung geleistet haben und heute noch leisten.26
Neben ihnen stehen andere große Weberforscher wie Friedrich Tenbruck und Wilhelm Hennis, die
nicht aktiv an der MWG beteiligt waren, sie aber – wie im Fall von Hennis – über viele Jahre kritisch,
zum Teil polemisch, und dann versöhnlich begleitet haben (Hennis 2003, 73-110).
3. Bedeutung heute
Mit dem Erscheinen der ersten MWG-Bände seit 1984 ging in der Bundesrepublik Deutschland eine
Weber-Renaissance einher. Das Interesse an den neuvorgelegten und sorgfältig edierten Texten war
begleitet von einer lebhaften Diskussion neuer Thesen zu Werk, Geltung und Anwendbarkeit. Die
bundesdeutsche Weber-Debatte der 80er Jahre war vielleicht stärker als in anderen Ländern
kulturkritisch unterlegt und auf die Ambivalenzen der Moderne ausgerichtet. Danach haben vor
allem die französischen Denker Pierre Bourdieu, Michel Foucault und Jacques Derrida den
intellektuellen Diskurs geprägt. Durch die cultural turns der 90er Jahre ist Weber als Referenzfigur in
den Hintergrund getreten. Dennoch lenkt jeder neue MWG-Band einen Teil der Aufmerksamkeit auf
noch unentdeckte Werkteile. Durch die Vergabe der Einzelbände an Fachwissenschaftler wurde
Weber für eine Vielzahl von Disziplinen anschlussfähig, so z.B. für Rechtshistoriker, Ökonomen,
Musik- und Religionswissenschaftler, Althistoriker oder Stadtforscher. Während die MWGHerausgeber Lepsius und Schluchter über das „Weber-Paradigma“ die Aktualisierungschancen Max
Webers für die soziologische Forschung erörtern (Lepsius 2003, 32-41 und Schluchter 2003, 42-74),27
macht Hübinger als Historiker und Kulturwissenschaftler auf das zeitdiagnostische Potential der
durch die MWG bereitgestellten historischen Kontexte und Netzwerkinformationen aufmerksam, das
wissenschaftsgeschichtlich noch nicht ausgeschöpft sei (Hübinger 2012). Lepsius sieht einen
wichtigen Beitrag der MWG darin, das „Weber-Paradigma“ als eigenständigen „Theorietypus“ neben
Systemtheorie, rational-choice-Theorie und Theorie des kommunikativen Handelns in der
internationalen Forschung gestärkt zu haben (Lepsius 2003, 33).
Weber ist der ideale Kandidat für interdisziplinäre und transnationale Diskurse, müsste aber heute
als ‚global player‘ noch stärker profiliert werden. Die Frage ist, ob Webers universalhistorisch
vergleichende Studien zu den großen Weltreligionen in Kombination mit seinem methodologischen
Ansatz nicht Chancen für eine interkulturelle Debatte über die Kulturbedeutung von Religion und
Säkularisierung eröffnen können oder ob seine Herrschaftstypologie nicht auch zur Analyse
transnationaler, regierungsferner Strukturen dienen kann. Nach meiner Beobachtung hat Weber
26
Die Weber-Studien von Wolfgang Schluchter sind in die Weltsprachen übertragen worden – neben Englisch,
Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch auch ins Russische, Chinesische, Japanische und Koreanische.
Wolfgang J. Mommsens „Max Weber und die deutsche Politik“ wurde ins Englische, Französische, Italienische
und Japanische übersetzt.
27
Der Begriff „Weber-Paradigma“ ist eine Prägung von M. Rainer Lepsius und in den Titel der Reihe „Studien
zum Weber-Paradigma“ (hg. von Gert Albert, Agathe Bienfait, Steffen Sigmund und Mateusz Stachura,
Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften; Berlin: Springer und Gabler) übernommen worden. Bislang liegen
5 Bände (2006-2011) vor, darunter eine Festschrift für Wolfgang Schluchter (2006) und eine für M. Rainer
Lepsius (2008). Beide Weber-Forscher und MWG-Herausgeber werden als „die ideellen Paten“ der Reihe
verstanden, in der es um die Auseinandersetzung mit dem Werk Max Webers „in Interpretationen,
theoretischen Weiterentwicklungen und empirischen Studien“ gehe (vgl. Sigmund et. al. 2008, Umschlag und
Vorwort).
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weltweit immer dann eine besondere Aufmerksamkeit erfahren, wenn sich Gesellschaften in
radikalen Umbruchsituationen befinden (Hanke 2012). Dies gilt für die Reflexion der
Industrialisierungs- und Modernisierungsphase in Japan in den 1920er und 1960er Jahren, für die Zeit
der Perestroika in Russland, für das „Weber-Fieber“ in der Volksrepublik China während der kurzen
Reformphase in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre, aber auch für die Gegenwart. Seit dem Sommer
2011 erscheinen einzelne Bände der MWG in arabischer Übersetzung,28 und auch an der ShandongUniversität in Jinan (China) existieren ähnliche Pläne. Würde man heute noch einmal die MWG neu
beginnen können, dann sicherlich als ein internationales Projekt. Während in der Planungsphase in
den 70er Jahren amerikanische, französische und dänische Forscher zunächst beteiligt waren,29
würde man heute an arabische, asiatische und sicherlich auch mittel- und südamerikanische
Kooperationen denken müssen.
28
Erschienen ist in Beirut die Übersetzung von MWG I/17 „Wissenschaft als Beruf 1917/1919 – Politik als Beruf
1919“. Die Edition von „Wirtschaft und Gesellschaft“ (MWG I/22-1 bis 5) erschien bereits in griechischer und
italienischer Übersetzung sowie der 1. Teilband in Koreanisch.
29
Horst Baier hatte in seinem Exposé für die Aufnahme von Éric de Dampierre (1928-1998) und Guenther Roth
(Jg. 1931) in das Herausgebergremium plädiert (Baier 1973, 10). Während der deutsch-amerikanische Soziologe
Guenther Roth, bekannt durch seine Mitherausgeberschaft von Economy and Society (1968), zwischen 1974
und 1978 an den beratenden Herausgebersitzungen der MWG zumeist teilnahm und der MWG bis in die
Gegenwart beratend und unterstützend verbunden blieb, ist eine Teilnahme des französischen Ethnologen und
Soziologen de Dampierre, der zusammen mit Raymond Aron, Ralf Dahrendorf und Tom Bottomore
Mitbegründer der dreisprachigen Zeitschrift Archives européennes de sociologie und für die ersten
französischen Weber-Übersetzungen bei Plon in der Reihe Recherches en sciences humanines verantwortlich
war, nicht belegt. Über die Gründe findet sich in den überlieferten Akten nichts. Der dänische
Politikwissenschaftler Hans Henrik Bruun (Jg. 1943) hatte als Doktorand Kontakt zu Johannes Winckelmann und
nahm an den Sitzungen 1974 bis 1976 teil. Er kannte den Merseburger Archivbestand und sollte die
wissenschaftlichen Briefe mitedieren, schlug dann aber eine Karriere als Diplomat ein. Einige Jahre hat ChihCheng Jeng aus Taiwan an der Edition des Bandes „Recht“ (MWG I/22-3, IXX-XX) mitgewirkt.
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E. Hanke: Entstehung und Bedeutung der MWG Stand: 14.02.2013