Theorien der Aggression Teil III

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Seminar: Aggression und Hilfeverhalten
Seminarleitung: A. Zick
WS 06/07
Carolin Hallfarth
18.01.2007
Theorien der Aggression
Teil III
- sozialkognitive Theorien
- Lerntheorien
- sozial-interaktionistische Theorie
sozialkognitive Theorien
 basiert auf der Annahme, dass aggressives Verhalten erlernt ist
Skripttheorie von Huesmann (1988):
Skript = Wissensstruktur, die standardisierte Abfolgen von Verhalten und
Ereignissen beschreibt
Erwerb: Beobachtungslernen, Konditionierung
 geht davon aus, dass aggressivere Menschen eine größere Anzahl
aggressiver Skripts verinnerlicht haben als nicht-aggressive Personen
Anwendung von Skripts
•
ist Skript verinnerlicht, wird es wahrscheinlich wieder abgerufen wenn die
Situation eine gewisse Ähnlichkeit zur ursprünglichen Situation aufweist, in
der es erlernt worden ist
•
bevor ein Skript angewendet wird, muss entschieden werden ob das
vorgeschlagene Verhalten (durch das Skript) der Situation angemessen ist
 in Bezug auf die eigenen Normen/Überzeugungen und die zu
erwartenden Konsequenzen
•
normative Überzeugungen:
- können sowohl allgemeiner als auch spezifischer Natur sein
- situationsspezifisches Bsp: „Es ist in Ordnung, andere zu schlagen, wenn
sie dich zuerst schlagen“.
- allgemeines Bsp: „Es ist in Ordnung, andere Menschen zu schlagen“.
 aggressive Personen verfügen über normative Überzeugungen, die mit
ihrem Verhalten vereinbar sind
Beispiele
Skripttheorie:
•
Kind reagiert wiederholt in Konfliktsituationen (z.B. Streit) mit aggressiven
Verhalten (z.B.: zu Boden schubsen des anderen)
 Konflikt wird zu seinem Vorteil beigelegt
 Entwicklung eines Skripts
•
in künftigen Konfliktsituationen ist es wahrscheinlich, dass dieses Skript
aktiviert wird  führt zu weiteren aggressiven Reaktionen
normativen Überzeugungen:
Kind kann unterscheiden zwischen:
- Zurückschlagen als Reaktion auf das geschlagen werden durch
einen Gleichaltrigen
bzw.
- Schlagen eines Erwachsenen, der als disziplinarische Maßnahme
Schläge eingesetzt hat
Studie von Huesmann und Guerra (1997)
• Annahme: Aggressives Verhalten wird im Laufe der Entwicklung in
zunehmendem Maße durch die normativen Überzeugungen
mitbestimmt
• einjährige Studie an über 1000 Erst- und Viertklässlern
• Erfassung der normativen Überzeugungen: Normative Beliefs About
Aggression Scale
• Erfassung der Aggression: Einschätzungen Gleichaltriger und
Lehrerbeurteilungen
Ergebnisse der Studie
 zeigte einen positiven Zusammenhang von aggressionsbegünstigenden
normativen Überzeugungen und dem tatsächlichen aggressiven Verhalten
• Korrelation fiel bei Jungen deutlich höher aus, als bei Mädchen
• sowohl aggressionsbegünstigende Normen als auch das aggressive
Verhalten selbst nahmen mit der Zeit zu
• sind normative Überzeugungen einmal ausgebildet  relative Stabilität
• Schlussfolgerung:
kindliche normative Überzeugungen über Aggressionen:
- werden beeinflusst durch ihr eigenes früheres Verhalten
(Erfahrung)
- sind schon in den späten Grundschuljahren relativ beständig
- haben starken Einfluss auf das weitere Sozialverhalten
Lerntheorien
• gehen davon aus, dass aggressives Verhalten über
verschiedene Mechanismen wie positive und negative
Verstärkung, Duldung und Modellernen bereits im frühen
Kindesalter erlernt und aufrechterhalten wird
• Lernen am Modell: Bandura
= beschreibt die Tendenz von Individuen,
sich neue Verhaltensweisen anzueignen,
indem sie dieses Verhalten und dessen
Konsequenzen im realen Leben oder bei
symbolischen Vorbildern beobachten
Bobo-Doll-Studie von Bandura, Ross &
Ross (1963)
• Kinder schauten Filme von zwei
Erwachsenen (Modell)
- einer verhielt sich aggressiv
- der andere verhielt sich nicht
aggressiv gegenüber der Puppe
• Kinder bekamen Gelegenheit mit der selben
Puppe zu spielen
• Ergebnis:
Kinder die aggressives Modell gesehen hatten  mehr aggressives
Verhalten gegenüber der Puppe als die, die das nichtaggressive
Modell gesehen hatten
• Schlussfolgerung:
aggressives Verhalten wird durch die Beobachtung und den Umgang
mit Modellpersonen im richtigen Leben wie Eltern, Lehrer und
Gleichaltrigen gelernt, aber auch durch Beobachtung aggressiver
Modelle im Fernsehen
• die wahrgenommenen Konsequenzen für das Modell spielen für den
Beobachter eine wichtige Rolle, ob oder ob nicht ein gelerntes
Verhalten ausgeführt wird
 positive Konsequenzen steigern die Wahrscheinlichkeit das
Verhalten imitiert wird
sozial-interaktionistische Theorie
Tedeschi und Felson (1994)
 Aggression als funktionales Verhalten
Ziele:
a) Kontrolle / Soziale Macht
b) Wiederherstellung von Gerechtigkeit
c) Soziale Identität / Positive Selbstdarstellung
Ausübung von zwingenden Tätigkeiten
• Zwingende Tätigkeiten sind das Resultate von einem
Entscheidungsprozess
 Einsatz von Zwingenden Einfluss-Strategien
ja / nein ?
wenn ja  welche Form von Zwang ?
• ob Zwang angewandt wird, wird beeinflusst von:
- Wahrscheinlichkeit ein Ziel damit zu erreichen
- Wert des Ziels
- Einschätzung von Nutzen und Kosten von Zwang und
Verhaltensalternativen
• 3 Formen von zwingenden Tätigkeiten:
- Drohung
- Bestrafung,
- Zwang
näheres
Ergebnis
Tat
Endergebnis
Drohung
Zwang
Absicht
Einwilligung /
Nachgeben
Motiv
Ressourcen
Sicherheit
Bestrafung
Absicht
Schädigung
Motiv
Gerechtigkeit
Status
Abschreckung
Unterschied zu anderen Theorien
• die sozial-interaktionistische-Theorie sieht Aggression im
Kontext anderer Formen des Sozialverhaltens
• sie betont, daß die individuelle Entscheidung ob oder ob
nicht Aggression in einer gegeben Situation zu
verwenden ist in einem rationalen Prozeß entschieden
wird
 anstatt zu aggressiven Verhalten zu greifen (beeinflusst
durch angeboren Instinkt oder innere negative Effekte)
ist das Individuum in der Lage, Kontrolle über sein
eigenes aggressives Verhalten zu üben und könnte auch
somit eine nicht-aggressive Alternative wählen
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