Verhältnis SPD und Gewerkschaften…

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Vorstand
Verhältnis SPD und Gewerkschaften…
„Vom Wandel einer privilegierten Partnerschaft“
Zum Verhältnis SPD und Gewerkschaften
 Inhalt
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Gewerkschaftliche
Bildungsarbeit
Historische Dimension der Beziehung
Phasen nach 1945
Schröder – Blair Papier und Agenda 2010
Aktuelle Einschätzungen
SPD und Gewerkschaften
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Historische Dimension
 Die Gewerkschaften wie die sozialdemokratische Partei
haben ihre gemeinsamen Wurzel im 19. Jahrhundert
 Der gemeinsame Kampf innerhalb und außerhalb der
Betriebe galt den Verbesserungen der Arbeits- und
Lebensbedingungen der Arbeiter und Arbeiterinnen
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Bildungsarbeit
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Historische Dimension
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Historische Dimension
 Die SPD feiert in diesem Jahr ihren 150sten Geburtstag.
Sie beruft sich dabei auf die Gründung der ersten
Arbeitervereine und als Theoretiker auf Ferdinand Lasalle.
 Lasalle ist in erster Linie als ein Vertreter der bürgerlichen
Werte in Erscheinung getreten. Hauptziele waren gleiche
Bildungschancen und Wahlrecht.
 Das Vereinswesen (Kultur, Bildung, Sport, Ernährung und
Gesundheit) war tief verwurzelt in der Arbeiterbewegung
und damit auch in der jungen SPD.
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Phasen nach 1945
 1 Phase: 1945 bis Mitte der 1960er Jahre –
Wiederbelebung unabhängiger Einheitsgewerkschaften
 2 Phase: 1964 – 1974, SPD macht Regierungserfahren
und die Gewerkschaften sind Mitgestalter (BetrVG 1972)
 3 Phase: 1975 bis 1980, Kooperationskrise – erste
Demonstrationen gegen die Sparpolitik einer SPD
geführten Regierung, Ende des Wirtschaftsbooms
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Phasen nach 1945
 4 Phase: 1982-1998, Oppositionsrolle der SPD, gab
wieder Annäherung zu Gewerkschaften (Berliner
Programm 1989)
 5 Phase: Seit 1998 Sozialdemokratische
Regierungsbeteiligung, Umbau des Sozialstaats und ab
2003 starke Emfremdundsprozesse durch die Agenda
2010
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Schröder Blair Papier (1999)
 Abkehr von bisherigen programmatischen Aussagen
 „Wir müssen unsere Politik in einem neuen, auf den
heutigen Stand gebrachten wirtschaftlichen Rahmen
betreiben, innerhalb dessen der Staat die Wirtschaft nach
Kräften fördert“
 „Der Weg zur sozialen Gerechtigkeit war mit immer
höheren öffentlichen Ausgaben gepflastert, ohne
Rücksicht auf Ergebnisse oder die Wirkung“
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Schröder Blair Papier (1999)
 „Soziale Gerechtigkeit lässt sich nicht an der Höhe
öffentlicher Ausgaben messen“
 „Allzu oft wurden Rechte höher bewertet als Pflichten“
 „Die Verantwortung des einzelnen (..) kann nicht an den
Staat delegiert werden“
 „Wir wollen den Sozialstaat modernisieren, nicht
abschaffen.“
 Moderne Wirtschaftspolitik strebt an, die Nettoeinkommen
der Beschäftigten zu erhöhen und zugleich die Kosten der
Arbeit für die Arbeitgeber zu senken“
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Schröder Blair Papier (1999)
 „Europas Kapitalmärkte sollten geöffnet werden, damit
Unternehmen und Unternehmer leichten Zugang zu
Finanzierungsquellen haben“
 Moderne Sozialdemokraten wollen das Sicherheitsnetz
aus Ansprüchen in ein Sprungbrett in die
Eigenverantwortung umwandeln.
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Kernpunkte der Agenda 2010
 Bereich Wirtschaft: Lockerung des Kündigungsschutzes,
Senkung der betrieblichen Lohnnebenkosten, Förderung
des Mittelstandes
 Bereich Arbeitsmarkt: Das alte System von
Arbeitslosengeld und Arbeitslosenhilfe wurde abgeschafft.
Das neue Arbeitslosengeld 1 wird seit 2005 nur noch max.
12 Monate ausgezahlt, dann erhalten Arbeitslose mit dem
Arbeitslosengeld 2 nur noch ein Existenzminimum.
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Kernpunkte der Agenda 2010
 Die Zumutbarkeit für Arbeitslose ist drastisch verschärft
und damit der Druck erhöht worden, wieder Arbeit
aufzunehmen.
 Bereich Krankenversicherung: Massive Kürzungen von
Leistungen der Krankenversicherungen, Zahnersatz und
Krankengeld werden nicht mehr paritätisch, sondern allein
durch die Versicherten getragen.
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Aktuelle Einschätzungen
 Es gibt ein breites Meinungsspektrum innerhalb der
Gewerkschaften im DGB zum Umgang mit der Politik, den
Parteien, insbesondere der SPD.
 Die „natürliche“ historische Verbundenheit zur SPD wurde
durch die Agenda Politik der Schröder-Regierung schwer
geschädigt.
 Es gab Unruhe als 2007 bundesweit 60
Gewerkschafterinnen ihre Kolleginnen und Kollegen zum
Eintritt in die neugegründete Linkspartei aufforderten.
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Aktuelle Einschätzungen
 Dadurch hat sich das parteipolitische Koordinatensystem
verschoben.
 Die Linke ist eine Konsequenz der Agendapolitik. Wenn
man so will, ist sie Teil der Geschichte der SPD.
 Sowie die Grünen eine umwelt- und friedenspolitische
Abspaltung von Teilen der SPD waren, ist die Linke vor
allem die westdeutsche Vorgängerorganisation WASG –
die traditionelle, soziale Abspaltung der SPD.
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Aktuelle Einschätzungen
Reizthemen im Verhältnis zur SPD sind die
Regulierung der prekären Beschäftigungsverhältnisse
(Leiharbeit, Werkverträge) und die Rente mit 67, die eine
gesellschaftspolitische Fehlentscheidung ist.
Die Verteidigung der Mitbestimmung, wie am Fall Siemens
eindrucksvoll zu sehen war, ist nicht das zentrale Thema
für die SPD, wohl aber für die Gewerkschaften.
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Aktuelle Einschätzungen
 Aktuell findet Arbeitnehmervertretung zunehmend nur
innerhalb der Betriebsgrenzen statt.
 Es wird von Gewerkschaftern viel kritisiert, allerdings sind
viele parteipolitisch nicht mehr aktiv.
 Wie kann so eine systematische Einmischung in
Politikprozesse stattfinden?
 Ursache sind aber auch sozialstrukturelle Verschiebungen
zwischen der gesellschaftlichen, der gewerkschaftlichen
und der sozialdemokratischen Mitgliederstruktur.
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Aktuelle Einschätzungen
 Gewerkschaften agieren auf drei Ebenen:
1. Konsultations- und Einflussmöglichkeiten im politischen
System; 2. durch das Mitbestimmungs- und
Betriebsverfassungsrecht und 3. als soziale Bewegung.
 Entscheidend für den Einfluss der Gewerkschaften ist die
Mitgliederstärke! (ca. 30% in Deutschland)
 Die SPD hat seit 2002 massive Stimmverluste auch unter
Gewerkschaftsmitgliedern hinnehmen müssen. Die
aktuellen Umfragen zeigen keine Trendwende.
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Aktuelle Einschätzungen
 Optionen im Verhältnis von SPD und Gewerkschaften:
 Anpassung bzw. Unterordnung der Gewerkschaften
 Konfliktpartnerschaft
 Autonome Gewerkschaftspolitik
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Fragen und Thesen für die Diskussion
 Die Grundlagen der Sozialversicherung, Arbeits-und
Tarifrecht oder das Bildungssystem sind nur durch
politische Bewegungen beeinflussbar. Wie kann das
gelingen?
 Wie ist der sozialstrukturelle Wandel in der Gesellschaft
bzw. den Gewerkschaften und der SPD zu gestalten?
 Die Distanz zur SPD und anderen politischen Parteien
entspricht durchaus den Einstellungen vieler „junger“
Mitglieder. Sollte diese Strategie nicht beibehalten
werden?
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Fragen und Thesen für die Diskussion
 Eine dauerhafte Stigmatisierung der Partei „Die Linke“
bringt die SPD wie die Gewerkschaften nicht weiter.
 Wie kann dauerhaft die Wahrnehmung von
Arbeitnehmerinteressen auf der europäischen Ebene
gestaltet werden?
 Welches Verhältnis von Parteien und
Gewerkschaften ist anzustreben?
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