Traumatherapie

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Verhaltenstherapeutische Interventionen (S. 67-68)
Monika Vogelgesang
Die moderne Verhaltenstherapie mit ihrem unvoreingenommenen Blick auf die individuelle
Lerngeschichte und ihrer Beachtung biopsychosozialer Zusammenhänge verfügt über besonders gute
Voraussetzungen für die Integration neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse in ihren pathogenetischen
Verständniskosmos.Davon profitiert auch die Verhaltenstherapie der Posttraumatischen
Belastungsstörung in erheblichem Ausmaß.
Die Posttraumatische Belastungsstörung hat bei den verschiedenen Menschen und auch in den
verschiedenen Lebensabschnitten unterschiedliche »Gesichter«. Bei manchen Betroffenen stehen
Albträume ganz im Vordergrund, bei anderen wiederum ein vollständiges Vermeidungsverhalten, so
dass sie wie erstarrt wirken können. Wieder andere wirken scheinbar grundlos übertrieben ängstlich und
schreckhaft. Es kommt de facto nicht vor, dass ein Patient Symptome benennt und sagt: »Ich habe diese
Auffälligkeiten, weil ich früher ein Trauma durchlebt habe.« Die Störungen sind für die Patienten kaum
zu beschreiben und in den seltensten Fällen zuzuordnen. Häufig wird über das Trauma gar nicht oder
höchstens nur nebenbei und ohne größere emotionale Beteiligung berichtet. Die Ärztin oder der
Psychologe, die die Diagnose stellen, müssen erst einmal auf die Idee kommen, dass eine solche
Erkrankung vorliegen könnte, und dann die vorliegenden Auffälligkeiten daraufhin überprüfen.
Schließlich sollte behutsam nach Art und Umfang der Traumatisierung geforscht werden,wobei
tunlichst vermieden werden muss, den Betroffenen eine Traumatisierung zu suggerieren.
Hat man einen Blick dafür entwickelt, so lassen sich viele zuvor nicht beachtete bzw. nicht
einzuordnende Auffälligkeiten als Symptome einer Posttraumatischen Belastungsstörung erkennen.
Diese setzt sich in individuell unterschiedlicher Ausprägung im Wesentlichen aus folgenden
Symptomen zusammen: einem qualvollen, sich aufdrängenden sinnlichen, emotionalen und
physiologischen Wiedererleben eines in der Vorgeschichte durchlittenen Traumas (Intrusionen), einem
daraus resultierenden Vermeidungsverhalten sowie einer überhöhten sympathikotonen Aktivierung und
Wachsamkeit (Hyperarousal).
Häufig sind auch Dissoziationszustände. Immer bedingt das Trauma eine Erschütterung der zuvor
vorliegenden Selbst- und Weltsicht mit dem konsekutiven Aufbau dysfunktionaler Schemata von Hilfund Hoffnungslosigkeit. Häufig führt das Vermeidungsverhalten zu einer Tendenz, das Trauma auch im
therapeutischen Zusammenhang zu verschweigen. Oft liegen weitere psychische Störungen vor, die
meist der primäre Anlass zur Durchführung einer Psychotherapie sind, deren alleinige Behandlung
jedoch nicht zur umfassenden psychischen Gesundung der Betroffenen führen kann.
Die Posttraumatische Belastungsstörung ist die einzige psychische Störung, die zwingend das Erleben
einer Traumatisierung in der Vorgeschichte zur Vorbedingung hat.
Erscheinungsbild der Posttraumatischen Belastungsstörung
Wiedererleben
Charakteristisch für das Erscheinungsbild der Posttraumatischen Belastungsstörung ist das häufige
Wiedererleben des ursächlichen Traumas in Form intensiver Sinneseindrücke und Gefühle, so als ob das
Trauma zum jeweiligen Zeitpunkt erneut durchlebt würde (Intrusionen).Typischerweise treten auch
stark belastende Wiederholungsträume bezüglich des Traumas auf. Manchmal ist das Wiedererleben so
intensiv, dass die Person auch im eigentlichen Wachzustand, außerhalb des Schlafes, wie in Trance
wirkt und sich eventuell so verhält, dass dies die Traumatisierung widerspiegelt.
So kann z.B. ein Mann, der beinahe erwürgt worden wäre, plötzlich beginnen zu röcheln und sich zu
winden. Sehr häufig wird die betroffene Person durch ein äußerliches Zusammenzucken auch ein
innerliches Erschrecken offenbaren. Auslöser für dieses sich aufdrängende sehr quälende Wiedererleben
können Situationen sein, die in irgendeiner verdeckten oder offenen Weise an das Trauma erinnern oder
die es symbolisieren.Hierzu gehören auch Jahrestage des Traumas. Typische Auslöser des
Wiedererlebens eines Verkehrsunfalls können z.B. plötzlich auftauchende rote Bremslichter, laute,
krachende Geräusche oder auch das Hören des Signaltons von Rettungsfahrzeugen sein. Die Trigger,
die ein solches Wiederdurchleben des Traumas hervorrufen, sind jedoch nicht immer so leicht zu
identifizieren und sind häufig insbesondere für den Betroffenen selbst rätselhaft, so dass ihm sein
eigenes Verhalten unerklärlich oder gar verrückt erscheinen mag.
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