The power of the subliminal: On subliminal persuasion and other

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Bemmer Anna, Bracht Patricia Constance, Sperger Dennis
22.04.2008
The power of the subliminal: On subliminal persuasion and other
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der Karte geschrieben stand, so war die Antwort öfter korrekt als erwartet (durch
zufälliges erraten).
potential applications.
Pötzl (1917) erforschte die Konsequenzen unterschwelliger Wahrnehmung von
Bildsymbolen während des Träumens. Er zeigte Teilnehmern verschiedene Bilder von
Ap Dijksterhuis, Henk Aarts, and Pamela K. Smith
kurzer Dauer (10 ms). Er nahm an, dass diese gezeigten Bilder, die wegen der kurzen
Präsentationsdauer das Bewusstsein nicht erreichen konnten, aktiv im Unterbewussten
Zusammengefasst und erweitert von:
repräsentiert bleiben würden, und so dann in den Träumen wiederkehrten. Im Versuch
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erschienen einige der gezeigten Bilder den Versuchspersonen im Traum.
1. Einleitung
Trotz der neuen Erkenntnisse wird dem Gebiet der subliminalen Wahrnehmung mit
Auf dem Gebiet der subliminalen Wahrnehmung gibt es seit dem 20. Jahrhundert ein
breites Forschungsfeld, das oft nicht unumstritten ist. Trotz der viel geleisteten
Forschungsarbeit
und
der
zahlreichen
Demonstrationen
der
Effekte
des
Unterschwelligen gibt es einige Wissenschafter, die an dem Glauben festhalten, dass
dieses erforschte Phänomen nicht existiert. Holender (1986) zum Beispiel zog die
Schlussfolgerung, dass unterschwellige Wahrnehmung nie stichhaltig demonstriert
wurde. Dixon (1971, 1981) sprach sogar von einer Antipathie des Menschen
gegenüber dem Wissen, dass er von Dingen denen er sich nicht bewusst ist beeinflusst
wird.
großer Skepsis entgegengetreten. Die Vorstellung, dass das menschliche Verhalten
durch unkontrollierbare, unterschwellige Wahrnehmung gesteuert wird, führte zu
Unbehagen. Ein weiterer Grund für das Misstrauen an dieser Forschung liegt der
Forschungsarbeit über unterschwellige Überzeugung von James Vicary zugrunde. Es
handelt sich hierbei um die Präsentation von Stimuli durch Personen (z.B.:
Werbemacher), die versuchten, das menschliche Verhalten zu beeinflussen. Vicary
behauptete, dass er den Verkauf von Popcorn und Cola steigern konnte, indem er
unterschwellig die Botschaften „Iss Popcorn“ und „Trinke Cola“ in einem Kino in
New Jersey ausstrahlte. Diese Vermutung sorgte für große Aufregung. Einige Jahre
später revidierte Vicary zwar seine unzuverlässige Aussage, jedoch war der Schaden
Empirische Studien über das Subliminale begannen vor über 100 Jahren. Peirce und
Jastrow (1884) zeigten im Selbstversuch, dass Versuchspersonen Objekte aufgrund
ihres Gewichtes unterscheiden konnten, wobei die Gewichtsunterschiede so gering
waren, dass diese Unterschiede (mit freiem Auge) bewusst nicht wahrgenommen
werden konnten. Anschließend mussten die Versuchspersonen ihre Entscheidung
bewerten. Beinahe alle waren bezüglich ihrer Entscheidung sehr unsicher. Jedoch
wurde in mehr als 60% der Fälle das richtige Objekt gewählt.
Weitere Pionierarbeit auf dem Gebiet der unterschwelligen Wahrnehmung wurde von
Sidis (1898) geleistet. Versuchspersonen wurden Karten gezeigt, die nur ein einziges
Wort oder eine einzige Zahl enthielten. Diese Karten waren jedoch so weit von der
Versuchsperson entfernt, dass diese nichts außer einem Fleck sehen konnte. Fragte
man jedoch die Versuchspersonen, welches Wort beziehungsweise welche Zahl auf
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2. Definition
bereits angerichtet. Die Zahl der Forscher auf dem Gebiet der unterschwelligen
Wahrnehmung ging drastisch zurück und die wenigen Experten auf dem Gebiet
verloren den Glauben an die Möglichkeit der unterschwelligen Wahrnehmung.
Die Autoren Dijksterhuis, Aarts und Smith (2005) zeigen jedoch eindrucksvoll,
warum es trotz allem lohnenswert ist, die Forschungen zu unterschwelliger
Wahrnehmung voranzutreiben.
Ausblick:
1. Definition unterschwelliger Wahrnehmung
2. Effekte subliminaler Stimulation
3. Theoretische Basis subliminaler Wahrnehmung
4. Nutzen und Missbrauch unterschwelliger Stimulation
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Stimulus konnte vielleicht nicht bewusst werden, weil dieser zu kurz präsentiert
wurde oder es wurde dem Stimulus zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Mit mehr
In den 1980ern war die Definition unterschwelliger Wahrnehmung ein viel
Aufmerksamkeit wäre es jedoch prinzipiell möglich, dass der Stimulus in das
debattiertes Thema. Die Diskussion basierte auf dem Konzept der objektiven und
Bewusstsein eintritt.
subjektiven Schwellen (Cheesman & Merikle, 1984). Eine objektive Schwelle muss
Unterschwellige Wahrnehmung bezieht sich generell auf Stimuli, die so präsentiert
überschritten werden, damit ein Stimulus gefühlt werden kann und das passende
werden, dass sie das Bewusstsein nicht erreichen können, auch wenn die ganze
sensorische System erreichen kann. Eine subjektive Schwelle muss überschritten
Aufmerksamkeit darauf gelenkt wird.
werden, damit der Reiz das Bewusstsein erreicht. Wenn die objektive Schwelle nicht
überschritten wird, dann kann Wahrnehmung nicht stattfinden. Wird die objektive
Schwelle überschritten aber die subjektive Schwelle nicht, kommt es zu
unterschwelliger Wahrnehmung. Wird darüber hinaus auch die subjektive Schwelle
überschritten, kommt es zu bewusster Wahrnehmung.
Holender (1986) argumentierte, dass subjektive Schwellen kein Maß für bewusste
Wahrnehmung sind. Auch wenn die objektive Schwelle erreicht wird, kann nie
garantiert werden, dass Menschen sich nicht des sensorischen Stimulus bewusst sind.
Sitzt man beispielsweise vor einem Computerbildschirm und scheint ein Wort für
einen Sekundenbruchteil auf, dann kann das Wort nicht verbalisiert werden. Kann
dieser Stimulus nicht verbal wiedergegeben werden, bedeutet das jedoch nicht, dass
das gezeigte Wort nicht das Bewusstsein erreicht hat. Vielleicht hat der Stimulus eine
halbe Sekunde vorher das Bewusstsein erreicht und wurde anschließend wieder
vergessen.
Wollen wir wirklich, dass das Bewusstsein für all unser Handeln verantwortlich ist?
Jaynes (1976) wies darauf hin, dass bewusste Gedanken streng genommen nicht
existieren. Gedanken, die bedeutungsvolle assoziative Verknüpfungen erstellen,
passieren unbewusst. Man ist sich zwar einiger Elemente eines Gedankenprozesses
oder des Produktes eines Gedankenprozesse bewusst, jedoch der Gedanke selbst ist
unbewusst. Die Unzugänglichkeit der Gedanken gegenüber dem Bewusstsein
demonstrierte Watt (1905). In seinem Experiment wurden Versuchspersonen Nomen
gezeigt und gebeten, so schnell wie möglich zu den jeweiligen Begriffen
Assoziationen zu bilden. Die Idee dahinter war, dass bewusstes Denken in 4 Phasen
aufgeteilt werden konnte: die Instruktion, die Präsentation des Nomens, die Suche
nach einer passenden Assoziation und die geäußerte Antwort. Um diese Phasen
beobachten zu können wurden die Versuchspersonen gebeten sich während des
Versuchs selbst zu beobachten.
Watt nahm an, dass die dritte Phase die Phase des eigentlichen Denkens und
Wahrnehmung ist laut Cheesman und Merikle (1984) also
Bewusstseins ist. Jedoch stellte sich heraus, dass diese introspektiv leer war. Die
Wahrnehmung, die objektive Schwellen übertritt, jedoch keine subjektiven. Jedoch
Teilnehmer konnten überhaupt nichts aus dieser Phase berichten. Die Instruktion in
sind subjektive Schwellen keinesfalls stabil und unveränderlich. Ob ein kurz
Kombination mit der Präsentation des Nomens startete automatisch den Denkprozess.
präsentierter Stimulus das Bewusstsein erreicht oder nicht, hängt von individuellen
Dieses Denken spielt sich jedoch außerhalb des menschlichen Bewusstseins ab.
Subliminale
Unterschieden, Zielvorstellungen, Bedürfnissen und kontextbezogenen Faktoren ab
Die menschliche Wahrnehmung verarbeitet durchschnittlich 11 Millionen Bit pro
(siehe z.B.: Greenwald, Draine & Abrams 1996).
Sekunde, wobei das visuelle System den meisten Anteil daran hat. Die
Einige Wissenschafter waren für die Abschaffung des Begriffs subliminal und wollten
Verarbeitungskapazität des Bewusstseins dagegen beträgt nur 50 Bit pro Sekunde,
stattdessen Begriffe wie implizite oder unbewusste Wahrnehmung verwenden. Diese
wobei das der Obergrenze entspricht (die Kapazität ist abhängig von der
beiden Begriffe beziehen sich zwar auch auf Wahrnehmung, die das Bewusstsein
Aufgabenstellung).
nicht erreicht, jedoch unterscheiden diese Begriffe nicht zwischen den verschiedenen
Wenn wir still lesen, verarbeiten wir ein Maximum von ungefähr 45 Bit pro
Gründen, warum Information nicht ins Bewusstsein gelangt ist. Ein erhaltener
Sekunde (ein paar Wörter): wenn wir laut lesen, fällt es auf 30. Wenn wir
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rechnen (z.B.: wenn wir zwei Zahlen multiplizieren), können wir nur 12 Bit
3.4. Effekte auf soziale Bewertungen und
pro Sekunde verarbeiten.1
3.5. Effekte auf offene Verhaltensreaktionen.
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Somit ist die Gesamtkapazität 200.000-mal höher als die Kapazität des Bewusstseins.
Das Bewusstsein kann sich also nur mit einem sehr kleine Teil der einströmenden
3.1. Neurologische Zusammenhänge
Informationen auseinander setzten.
Libet, Alberts, Wright und Feinstein (1967) waren vermutlich die ersten, die
Abschließend noch ein Beispiel das illustriert, wie komplex und vielschichtig
physiologische Beweise für das Vorhandensein subliminaler Wahrnehmung
menschliche Verarbeitung ist. Für eine Entscheidung, - wie zum Beispiel einen
erbrachten. In ihrem Experiment stimulierten sie die Haut ihrer Versuchsteilnehmer
Wohnungskauf - die basierende auf dem Gefühl richtig zu entscheiden getroffen wird,
so geringfügig, dass sie es nicht wiedergeben konnten. Gleichzeitig maßen sie die
benötigt unbewusste Wahrnehmung 10 Minuten, was einer Verarbeitung von 6,6
evozierten Potentiale und zeigten damit hirnelektrische Veränderungen. Es zeigte sich
Milliarden Bit entspricht. Würde diese Entscheidung basierend auf bewussten
dabei deutlich, dass sich Wahrnehmung auch dem Bewusstsein entziehen kann.
Denkprozessen getroffen werden, würden mehrere Jahre vergehen.
Später berichteten auch Dehaene et al. (1998) und Whalen et al. (1998) über Beweise
der neuronalen Effekte von subliminaler Stimulation.
3. Effekte subliminaler Stimulation
Ein Beispiel der subliminalen Wahrnehmung wäre das so genannte Blindsehen oder
die kortikale Blindheit. Diese neurologische Störung beruht auf einer Schädigung des
In den letzten Jahren häuften sich die Beweise für die Existenz unterschwelliger
primären visuellen Cortex. Patienten mit diesem Defekt können zwar auf visuelle
Wahrnehmung. Als ein Resultat dessen verschob sich die Frage mehr und mehr in
Hinweisreize in ihren Skotomen reagieren, nehmen diese aber nicht bewusst wahr.
Richtung ob man subliminalen Stimuli ausgesetzt ist oder nicht.
Skotome bezeichnen hierbei die Bereiche der Blindheit im Sehfeld. Es wurden hierfür
Wenn beispielsweise für einen kurzen Zeitraum das Wort „Steak“ aufleuchtet, was
zwei Erklärungsansätze beschrieben: Der eine besagt, dass die Area striata (eine
hat das für Konsequenzen? Assoziiert man das Wort „Kuh“? Verursacht es
wichtige Gehirnstruktur für visuelle Wahrnehmung) nicht vollständig zerstört wurde.
Veränderungen, die sich bei Vegetariern in einer starken negativen und bei hungrigen
Dabei sind die funktionstüchtigen Zellen immer noch in der Lage, visuelle
Nichtvegetariern in einer starken positiven Reaktion äußern? Betrifft es das
Informationen zu übermitteln, ohne dass es zu bewusster Wahrnehmung kommt. Die
Verhalten? Werden wir hungrig? Hat subliminale Wahrnehmung nur kurze
andere Interpretation besagt, dass visuellen Bahnen, direkt zum sekundären visuellen
semantische Effekte zur Folge oder auch Auswirkungen auf unser Verhalten und auf
Cortex aufsteigen, ohne dabei den primären visuellen Cortex zu passieren. Obwohl es
unsere Emotionen?
in diesem Falle zu einem Fehlen des kognitiven Bewusstseins kommt, werden einige
visuelle Fähigkeiten aufrechterhalten.
Allgemein wird unterschieden zwischen...
1
Die
folgende
Grafik
soll
demonstrieren,
wie
durch
beispielsweise
eine
3.1. neurologischen Zusammenhängen,
Schussverletzung am Hinterkopf (im linken primären visuellen Cortex) das
3.2. evaluativen und affektiven Effekten,
menschliche visuelle Gesichtsfeld eingeschränkt wird. Die grau gekennzeichneten
3.3. semantischen Effekten,
Bereiche stellen dabei die Skotome dar (Pinel, 2007).
Dijksterhuis, A., Aarts, H. & Smith, P. K. (2005). The power of the subliminal: On subliminal
persuasion and other potential applications. In R. R. Hassin, J. S. Uleman, & J. A. Bargh (eds), The
new unconscious (pp. 77-106). Oxford: Oxford University Press, p. 82 (übersetzt von Anna Bemmer).
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Buchstaben zu einem vollständigen Wort ergänzen. Es stellte sich heraus, dass die
Versuchspersonen, die gebeten wurden das vorher gezeigte Wort nicht zu verwenden,
dieses viel öfter gebrauchten. Auf diese Weise konnte gezeigt werden, dass
semantische Prozesse ablaufen, obwohl das Wort nicht bewusst wahrgenommen
wurde.
3.4. Effekte auf soziale Bewertungen
Bargh
und
Pietromonaco
(1982)
zeigten,
dass
subliminal
aktivierte
Eigenschaftskonstrukte den Eindruck den wir von anderen Menschen haben,
beeinflussen. In ihren Versuchen wurde den Versuchsteilnehmern an verschiedenen
Orten auf einem Computerbildschirm ein Wort für einen Bruchteil einer Sekunde
gezeigt und anschließend mussten sie den Ort, an dem das jeweilige Wort erschienen
war, identifizieren. Je nach Versuchsgruppe waren die gezeigten Wörter zu 0%, 20%
Abb. 1: Perimetrische Karte: Skotome im Gesichtsfeld nach einer Schussverletzung (Pinel,
oder 80% mit Feindseeligkeit assoziierbar. Anschließend wurden die Probanden
2007, S. 207)
gebeten verschiedene Stimulusperson, die feindselige Verhaltensmuster zeigten, zu
bewerten.
Es stellte sich heraus, dass je mehr feindselige Begriffe den
3.2. Evaluative und affektive Effekte
Versuchspersonen vorher gezeigt wurden, umso stärker negativ wurde der Eindruck
Im Jahr 1968 entdeckte Zajonc den so genannten mere-exposure Effekt. Dieser
gegenüber der Stimulusperson. Interessant ist aber, dass das Erkennen des geblitzten
besagt, dass je länger wir einem Stimulus ausgesetzt sind, desto mehr Sympathie
Wortes das Aktivierungsniveau des Gedächtnisses nicht beeinflusst. In späteren
hegen wir für diesen. Kunst-Wilson und Zajonc (1980) demonstrierten, dass ein
Arbeiten wurden diese Befunde repliziert, sodass man subliminale soziale Stereotype
unterschwellig präsentierter Reiz die Einstellung zu diesem unbewusst erhöht. In
aktivieren konnte.
ihrem Experiment wurden den Probanden 10 Polygone (Vielecke) gezeigt, jedes fünf
Mal für jeweils nur 1 ms. Danach wurden den Versuchsteilnehmern Polygonpaare
3.5. Effekte auf offene Verhaltensreaktionen
präsentiert, bestehend aus einem alten, sprich dem bekannten, und einem neuen
Aktivierte Eigenschaftskonstrukte und soziale Stereotypen beeinflussen jedoch nicht
Polygon. Bei jedem Paar sollten die Teilnehmer sagen, welches ihnen bekannt
nur Urteile über andere, sondern auch unser Verhalten. Bargh et al. (1996) maßen die
erschien und welches sie am meisten präferierten.
Die Versuchspersonen
Feindseligkeit ihrer Versuchsteilnehmer. Voraussetzung dafür war, dass bei ihren
bevorzugten überzufällig das im ersten Durchgang gezeigte Polygon, ohne jedoch zu
Probanden zuvor der Stereotyp von Amerikanern afrikanischer Abstammung aktiviert
wissen welches vorher gezeigt worden war.
wurde.
In ihrem Experiment führten die Versuchsteilnehmer sehr mühsame
Computeraufgaben aus. Während der Aufgabe wurden einigen Teilnehmern
3.3. Semantische Effekte
unterschwellig Fotos männlicher Afroamerikaner, in der anderen Versuchsbedingung
Debner und Jacoby (1994) erzielten Beweise für die Existenz semantische Effekte
wurden ihnen Bilder männlicher Weißer gezeigt. Nachdem die Aufgabe einige Zeit
subliminaler Prozesse. In ihren Experimenten zeigten sie ihren Versuchspersonen
ausgeführt wurde, piepte eine Fehlermeldung des Computerprogramms auf und die
Wörter, die aus fünf Buchstaben bestanden, auf einem Computerbildschirm.
Teilnehmer wurden aufgefordert von vorne beginnen. Dabei wurden sie gefilmt, unter
Anschließend mussten die Teilnehmer einen Wortstamm bestehend aus drei
der Annahme, dass die abhängige Variable das Maß an Feinseligkeit war.
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Der Experimentator, blind gegenüber den Bedingungen, und verschiedene
exposure Effekt zeigte später, dass dieser Effekt auch durch subliminale Aktivierung
unabhängige Programmierer bemaßen, dass die Feindseligkeit derer, denen
der Eigenschaftskonstrukte hervorgerufen werden kann. Dovido, Evans und Tyler
unterschwellig Bilder von Afroamerikaner gezeigt wurden, stärker war als derjenigen,
(1986) fanden heraus, dass die supraliminale Aktivierung von sozialen Kategorien,
mit den Bildern Weißer.
wie zum Beispiel „älter“, die Zugänglichkeit zu assoziierten Stereotypen steigert, wie
beispielsweise „vergesslich“ oder „langsam“. Ein paar Jahre später repliziert Devine
Diese fünf Effekte subliminaler Wahrnehmung sollen demonstrieren, dass subliminale
(1989) diese Effekte, indem er zeigte, dass subliminale Kategorienaktivierung zu der
Wahrnehmung mehr als nur semantische Effekte hervorruft. Das Antwortverhalten,
Aktivierung von Stereotypen führt. Fazio, Sanbonmatsu, Powell und Kardes (1986)
soziale Urteile und offenes Verhalten werden beeinflusst.
demonstrierten, dass supraliminale Worte automatisch beurteilt wurden. Greenwald
und Kollegen (1995) hingegen erhielten Beweise für die automatische Evaluierung
4. Theoretische Basis subliminaler Wahrnehmung
von subliminal präsentierten Stimuli. Bargh, Dijksterhuis und Kollegen
(2001)
fanden heraus, dass Beweise existieren, dass beide, subliminal und supraliminal,
Die Effekte, die im vorigen Abschnitt beschrieben wurden, scheinen für viele
aktivierte Eigenschaften und Stereotypen sich auf das offene Verhalten auswirken. Sie
erstaunlich. Das Überraschende daran ist, dass diese Effekte weitgehend von
verglichen sogar bewusste und unbewusste Aktivitäten während sie die gleichen
subliminaler Stimulation hervorgerufen werden. Wenn die Effekte Resultate
Stereotypen und die gleichen Verhaltensmessungen benutzten.
supraliminaler, das heißt bewusster Manipulationen wären, würden sie weit weniger
Dijksterhuis, Bargh und Miedema (2000) demonstrierten, dass Versuchspersonen, die
überraschend sein. Aber wären sie dann auch gerechtfertigt?
Fragen zu ältern Menschen beantwortet hatten, selbst für ein paar Minuten vergesslich
Die Überraschung basiert auf der impliziten Annahme, dass unser Gehirn einen
wurden. Während Dijksterhuis und Aarts et al. (2000) zeigten, dass unterschwellig
Unterschied macht ob ein Reiz subliminal oder supraliminal (also bewusst)
gezeigte Wörter, die mit Stereotypen der älteren Menschen verbunden waren, den
dargeboten wird. In 99 von 100 Fällen kann es aber nicht differenzieren, wie ein
gleichen Einfluss auf die Gedächtnisleistung hatten.
Stimulus dargeboten wird. Das bedeutet, dass das Gehirn meist nicht unterscheidet,
Alle diese Fälle zeigen, dass die Aktivierungen mentaler Prozesse gleiche Effekte
ob eine Information subliminal oder bewusst wahrgenommen wird. Wenn die
hervorrufen, egal ob die Repräsentationen sub- oder supraliminal aktiviert wurden. Es
geistigen Repräsentationen der Worte „feindselig“ oder „Frau“ aktiviert werden,
gibt jedoch auch einige wenige Ausnahmen. Wichtig dabei ist, dass durch bewusst
dann folgen psychologische Konsequenzen, ungeachtet dessen, ob die Information
wahrgenommene
subliminal oder supraliminal wahrgenommen wird. Die Aktivierung von mentalen
subliminaler Aktivierung nicht stattfinden. Ausschlaggebend sind Fälle, in denen
Repräsentationen, ob bewusst oder unbewusst, ist also ausschlaggebend für das
Menschen wissen, wie sich ein Stimulus auf ihr Verhalten und Urteilsvermögen
Auslösen psychologischer Konsequenzen.
auswirkt. Wenn Menschen diesen Einfluss aber nicht erkennen, oder nicht wissen wie
Stimuli
Kontrollmechanismen
ausgelöst
werden,
die
bei
der Stimulus sie möglicherweise beeinflusst, werden diese Kontrollprozesse nicht
Eine Vielzahl von Phänomenen, die in erster Linie mit supraliminalen
genutzt. Wenn beispielsweise sensitives Material von Rassenstereotypen aktiviert
Präsentationstechniken
wurde, dann können die Versuchsteilnehmer motiviert sein den Einfluss der
demonstriert
wurden,
konnten
später
erfolgreich
im
subliminalen Bereich repliziert werden.
aktivierten Stereotype zu unterdrücken.
Higgins, Rholes und Jones (1977) zeigten, dass die bewusste Konfrontation mit
Nichtsdestotrotz gehen Wissenschafter davon aus, dass in den meisten Fällen sowohl
Eigenschaftsbegriffen, den Eindruck, den wir von anderen haben, beeinflusst. Das
durch supraliminale als auch durch subliminale Wahrnehmung die gleichen Effekte
vorher diskutierte Experiment von Bargh und Pietromonaco (1982) zum mere-
hervorgerufen werden.
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5. Nutzen und Missbrauch unterschwelliger Stimulation
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negativ besetzten Wörtern bis zu Elektroschocks oder unangenehmen Geräuschen.
Die Versuchspersonen bewerteten Wörter, die an positive Reize gekoppelt waren
5.1. Einstellungsänderung durch evaluative Konditionierung
positiver als solche, die sie mit einem negativen Reiz verbanden. Staats et al.
Im Jahr 2000 wurde der damalige US-Präsidentschaftskandidat George W. Bush der
postulierten auch, dass dieser Effekt unabhängig davon sei, ob die Versuchspersonen
Zuhilfenahme zweifelhafter Werbestrategien bezichtigt. Eine der Fernsehwerbungen,
über die Versuchsbedingungen Bescheid wussten oder nicht. Diese Behauptung wird
die Bush während seiner Wahlkampagne ausstrahlen ließ, bediente sich
bis heute diskutiert, wobei ihr die Mehrheit zustimmt. Ausnahmen sind etwa Davey
unterschwelliger Konditionierungsmethoden in Bezug auf Bewertung. In diesem Spot
(1993) und Field (2000).
wurde das Gesicht seines Gegners Al Gore gezeigt, während Teile der Wörter
„democrats“ und „bureaucrats“ wiederholt am Schirm aufleuchteten. An einem Punkt
Ist es möglich evaluative Konditionierung durch unterschwellige (positive oder
war Gores Gesicht genau zeitgleich mit dem Wort „RATS“ zu sehen. Das Wort
negative) Stimuli zu erzielen? Dadurch wäre die Frage nach dem Wissen um die
erschien groß in der Mitte des Bildes, eine dreißigstel Sekunde lang. Da es bewusst
Versuchsbedingungen gelöst, kann man doch nicht über die Koppelung von Objekten
wahrnehmbar war, wenn man besonders genau hinsah, war die Präsentation des
und Reizen Bescheid wissen, ohne sich zuvor eines Reizes bewusst geworden zu sein.
Wortes nicht unterschwellig. Trotzdem, es wurde gerade so kurz gezeigt, dass es
In der Tat gibt es Indizien für subliminale evaluative Konditionierung. Krosnick u.a.
vermutlich den meisten Zusehern nicht bewusst aufgefallen ist.
(1992) zeigten ihren Versuchspersonen neun Dias einer Zielperson in täglichen
Routinetätigkeiten. Diesen Dias gingen andere (positive oder negative) Dias voran,
Aber: Funktionieren solche Techniken wirklich? Können wir die Einstellung eines
diese wurden den Versuchspersonen jedoch nur 13ms lang gezeigt. Nach dem
Menschen mit unterschwelligen, besonders negativen Botschaften ändern? Oder
Versuch wurden die Versuchspersonen gebeten, ihre Bewertung der Zielperson
umgekehrt: Können Einstellungen zu Produkten mit positiven Stimuli verbessert
einzuschätzen. Zielpersonen die mit positiven Reizen gezeigt wurden, wurden
werden?
durchwegs positiver bewertet. Dieses Resultat wurde in einem zweiten Experiment
wiederholt. Auch andere Forscher fanden Beweise für subliminale evaluative
Razran (1940) nutzte als Erster evaluative Konditionierungstechniken, um
Konditionierung (De Houwer, Baeyens & Eelen, 1994; De Houwer et al., 1997;
Einstellungen zu beeinflussen. Er kam zu dem Schluss, dass die Verknüpfung eines
Murphy, Monahan & Zajonc, 1995; Murphy & Zajonc, 1993; Niedenthal, 1990).
Objekts (CS) mit einem positiv oder negativ besetzten Reiz (US) dazu führt, dass
dieses Objekt früher oder später dieselbe positive oder negative Wertigkeit besitzt.
Angesichts dieser erbrachten Nachweise können wir folgern, dass Einstellungen
Razrans Methode war noch eher simpel. Seinen Versuchspersonen wurden Slogans
durch unterschwellige evaluative Konditionierung verändert werden können. Dies
vorgelegt und dazu bekam ein Teil der Versuchspersonen ein Gratisessen, der andere
heißt aber nicht, dass ihre kommerzielle oder politische Nutzung zwangsläufig Erfolg
Teil wurde unangenehmen Gerüchen ausgesetzt. Dann wurden die Teilnehmer
hat. Die meisten potentiellen Anwendungsbereiche unterscheiden sich von der
gefragt, ob sie den Slogans zustimmten. Als Razran die Ergebnisse auswertete zeigte
publizierten Forschung in zwei Bereichen:
sich, dass die Versuchspersonen eher mit den Slogans übereinstimmten, wenn sie
während des Essens präsentiert wurden, als wenn sie zu den unangenehmen Gerüchen
1) Wir sind mit den Reizen bereits vertraut.
2) Wir haben bereits Voreinstellungen zu diesen Reizen.
gezeigt wurden.
Mit anderen Worten, diese Reize sind nicht mehr neutral besetzt (zumindest nicht für
Staats et al. (Staats & Staats, 1957, 1958; Staats, Staats & Crawford, 1962)
den Großteil der Menschen). Während der Einfluss der Vertrautheit in letzter Zeit
verknüpften Wörter mit unterschiedlichen Stimuli. Diese reichten von positiv oder
mehr an Beachtung gewann, wurde der Einfluss der Voreinstellungen nicht beachtet.
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Die moderierende Wirkung der Vertrautheit von Reizen wurde im Bereich der
Die Ergebnisse betreffend der Extinktion von Effekten sind recht spektakulär.
bewussten evaluativen Konditionierung untersucht. Shimp, Stuart und Engle (1991)
Baeyens et al. (1988) paarten neutrale Gesichter mit positiv oder negativ bewerteten
nutzten sowohl bekannte Marken (z.B. Coca Cola oder Pepsi) als auch neue, völlig
Gesichtern und zeigten, dass Einstellungen zu neutralen Gesichtern, die mit positiv
unbekannte Marken in ihren Versuchen. Sie koppelten diese Marken an angenehme
bewerteten Gesichtern gezeigt wurden, besser ausfielen, als Einstellungen zu
und unangenehme Bilder. Die Effektstärke der Bilder auf die Bewertung der Marken
neutralen Gesichtern, die mit negativ bewerteten Gesichtern präsentiert wurden. Zwei
war bei unbekannten Marken höher als bei bekannten Marken. Cacioppo et al. (1992)
Monate später mussten die Versuchspersonen die Gesichter noch einmal bewerten
erzielten ähnliche Resultate. Sie präsentierten den Versuchspersonen Wörter
und es gab keine Anzeichen von Extinktion: Die Unterschiede in den Bewertungen
(vertrauter Stimulus) und Nicht-Wörter (unbekannter Stimulus) zusammen mit
waren immer noch hoch signifikant. Levey und Martin (1975) berichteten noch
leichten Elektroschocks. Wiederum änderten sich die Einstellungen zu nicht
beeindruckendere Ergebnisse: sogar nach 18 Monaten waren die Effekte noch
vertrauten Stimuli stärker als jene zu vertrauten Stimuli. Zusammenfassend kann man
zuverlässig.
sagen: Einstellungen zu vertrauten Stimuli können zwar geändert werden, aber die
Änderung ist stärker, wenn der Reiz unbekannt ist.
Können wir auf Grund des gegenwärtigen Forschungsstands darauf schließen, dass
subliminale evaluative Konditionierung Effekte hervorbringt, wenn sie für politische
Für praktische Anwendungsgebiete sind die Relation zwischen der Häufigkeit der
und kommerzielle Zwecke angewendet wird? Es ist Tatsache, dass unterschwelliges
Reizkoppelung und der Effektstärke sowie die Zerfallskurve der Effekte besonders
evaluatives Konditionieren funktioniert. Es ist auch Tatsache, dass die damit erzielten
wichtig. Natürlich ist es für den Werbefachmann erheblich, ob nur Stubenhocker, die
Effekte nur sehr langsam abnehmen. Und zuletzt können sowohl bekannte als auch
viele Stunden am Tag fernsehen, von seiner Werbung beeinflusst werden und ob die
unbekannte Reize konditioniert werden, obwohl letztere einfacher zu manipulieren
erzielten Effekte wieder verschwinden, bevor diese Personen überhaupt in ein
sind. Daher ist es durchaus möglich, dass Politiker und Werbefachleute unsere
Geschäft (oder zur Wahl) gehen. Die Bush-Kampagne zeigte ihre (fast)
Einstellungen zu Produkten oder Personen unterbewusst ändern oder formen können,
unterschwellige Werbung ungefähr 4.000 Mal (Berke, 2000). Vom Gefühl her macht
obwohl wir noch nicht wissen, ob Voreinstellungen diese Ergebnisse abschwächen.
es Sinn, die Reizkoppelung zu maximieren, diese Idee wird aber nur zum Teil von
Ein wichtiges Gegenargument ist, dass evaluatives Konditionieren vielleicht unsere
Forschungsergebnissen gestützt. Stuart et al. (1987) verglichen die Ergebnisse von 1,
Einstellungen, aber nicht zwingend unser Verhalten verändern kann. Jemand kann
3, 10 und 20 bewusst präsentierten Reizkoppelungen und kamen zu dem Schluss, dass
vielleicht unsere Einstellung zu Al Gore oder einer neuen Zahnpasta unterschwellig
eine höhere Frequenz zwar zu stärkeren Effekten führt, dass aber der Effekt der
beeinflussen, das heißt aber noch lange nicht, dass wir auch George W. Bush wählen
Frequenz sehr niedrig ist.
und uns genau diese Zahnpasta kaufen. Die Faktoren, die das Verhältnis von
Schließlich verglichen Baeyens et al. (Baeyens, Crombez, van den Bergh & Eelen,
Einstellung und Verhalten beeinflussen sind zu zahlreich um sie hier zu diskutieren,
1988; Baeyens, Eelen, Crombez & van den Bergh, 1992) auch verschiedene
aber einige Vermutungen können angestellt werden. Cacioppo et al. (1992) vermutete,
Reizkoppelungsfrequenzen und kamen zu dem Ergebnis, dass höhere Frequenzen bis
dass unterschwellig konditionierte Einstellungen eher impulsives Verhalten auslösen
zu mindestens 10 Wiederholungen zu stärkeren Effekten führten. Sie behaupteten
können, während sie rationales und zielgerichtetes Verhalten nicht (oder kaum)
auch, dass eine Anzahl darüber hinaus zu einem umgekehrten Zusammenhang führt.
beeinflussen. Diese Vermutung wird von anderen Beiträgen unterstützt. Evaluatives
Man kann also sagen, dass geringe Frequenzen in einem schwachen positiven
Konditionieren schafft Haltungen die automatisch nach Wahrnehmung des
Zusammenhang mit der Effektstärke stehen, während der Zusammenhang bei höheren
Einstellungsobjekts aktiviert werden kann (Olson & Fazio, 2001). Fazios MODE-
Frequenzen ungewiss ist.
Modell zufolge, beeinflussen automatisch aktivierte Einstellungen sichtbares
Verhalten nur in Ermangelung motivierten und sachbezogenen Nachdenkens und
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haben erheblich kleinere Effekte, wenn die betreffenden Personen bedächtig vorgehen
Objektivität, das Erscheinungsbild einer vorsichtigen Studie, und die Abläufe eines
und Überlegungen zum Thema anstellen. Grob gesagt, je mehr wir über ein Verhalten
Experiments – aber eine wichtige Zutat fehlt: Skeptizismus.”2. Er bezeichnete sie also
nachdenken, desto weniger Einfluss sollte vorangehendes Konditionieren auf dieses
als Scheinwissenschaft. Das ist ohne Zweifel richtig: Viele Behauptungen wurden
Verhalten haben. Folglich ist es durchaus möglich, Einfluss auf das Kaufverhalten bei
schon auf den leisesten Verdacht hin aufgestellt.
Zahnpasta auszuüben, es wird aber deutlich schwieriger sein, jemanden bei einem
Wir haben aber auch mit einem zweiten Problem zu kämpfen: auch jenes Umfeld der
Hauskauf zu beeinflussen, zumindest wenn diese Person sich eingehend mit dieser
Wissenschaft, das unbedingt beweisen will, dass unterschwellige Beeinflussung nicht
Thematik beschäftigt. Bei einer so wichtigen Entscheidung wie der amerikanischen
funktioniert, kann als „cargo cult science“ bezeichnet werden. Weil viele Forscher
Präsidentschaftswahl scheint es höchst zweifelhaft, dass evaluatives Konditionieren
einfach nicht wollen, dass gezielte subliminale Einflussnahme funktioniert, sind hier
viel Erfolg haben wird. Und dennoch: Basierend auf heutigen Erkenntnissen wäre es
eher unübliche Praktiken in der Literatur zu finden. Es ist wahrscheinlich das einzige
unklug, voreilige Schlüsse zu ziehen und Möglichkeiten der Beeinflussung definitiv
Forschungsgebiet, in dem nicht signifikanten Ergebnissen mehr Beachtung geschenkt
auszuschließen.
wird als signifikanten. Weiters werden hier erhaltene Effekte auch oft von den
Autoren selbst heruntergespielt, weil sie diese gar nicht erhalten wollten (z.B.
5.2. Änderung von Konsumverhalten
Trappey, 1996).
Der wohl umstrittenste Bereich im Feld der subliminalen psychologischen Prozesse
ist „subliminal persuasion“, also der direkte Einfluss von unterschwelligen
5.2.1. Hunger und Durst
Weisungen auf das Verhalten von Konsumenten. Wie vorhin schon erwähnt, geht
Eine Möglichkeit Menschen unterschwellig zu beeinflussen ist, sie hungrig oder
dieses Konzept auf eine Publikation von James Vicary zurück.
durstig zu machen. Byrne (1959) war der Erste, der dies testete. In seinem Experiment
Obwohl Vicary später zugab, dass er gar keine Beweise für unterschwellige
ließ er das Wort „beef“ 140 Mal in einem 16-minütigen Film aufblitzen. Zuvor
Beeinflussung gefunden hatte, glauben die meisten Leute immer noch an die
versicherte er sich natürlich noch, dass das Wort den Versuchspersonen tatsächlich
mögliche Macht unterschwelliger Botschaften. Teils hängt dies damit zusammen, dass
nicht bewusst wurde. Im Vergleich mit einer Kontrollgruppe hatte das wiederholte
viele zwar Kenntnis von Vicarys ursprünglicher Behauptung, nicht aber seiner
Zeigen des Wortes keinen Effekt darauf, ob die Versuchspersonen nach dem Versuch
späteren Berichtigung haben. Ein anderer Grund für das Fortdauern dieser
„beef sandwiches“ anderen Alternativen vorzogen, aber es beeinflusste sehr wohl das
Überzeugung ist, dass ihre Fürsprecher zwar bombastische, aber unbegründete
subjektive Hungergefühl.
Behauptungen anstellten (z.B. Key, 1989), ihre Skeptiker aber in wissenschaftlichen
Ein paar Jahre später demonstrierte auch Spence (1964) diese Ergebnisse. Er zeigte
Zeitschriften publizierten, die verständlicherweise für Menschen außerhalb der
den Versuchspersonen Wörter auf einem Bildschirm und ließ das Wort „cheese“
scientific community schwer zugänglich sind. Rogers und Smith (1993) fanden
wiederholt aufblitzen. Von 35 Teilnehmern berichteten 24 über ein Ansteigen, 9 über
heraus, dass 75% der Amerikaner schon einmal von unterschwelliger Beeinflussung
ein Abnehmen und 2 über keine Veränderung des Hungergefühls.
gehört haben und dass 75% davon auch tatsächlich glaubten, dass sie funktioniert.
Hawkins (1970) ließ in seinem Versuch die Worte „coke“ oder „drink coke“
Können wir, basierend auf heutigen Erkenntnissen, irgendwelche Schlüsse in Bezug
aufblitzen. Den Versuchspersonen der Kontrollgruppe wurden bedeutungslose Silben
auf die Effektivität subliminaler Beeinflussungsmethoden ziehen? Obwohl viele
gezeigt. Beide Versuchsgruppen schätzten ihr Durstgefühl höher ein als die
Publikationen zum Thema existieren, ist das überraschend schwierig. Um zu erklären,
Kontrollgruppe, die „coke“-Gruppe sogar signifikant höher.
warum die allgemeine Überzeugung so hoch ist, charakterisierte Pratkanis (1992) das
Feld der subliminalen Beeinflussung als eine Form der „cargo cult science“. Solch
2
eine Wissenschaft „beinhaltet alle Fallen der Wissenschaft – die Illusion der
Pratkanis, A. R. (1992). The cargo-cult science of subliminal persuasion. Skeptical Inquirer, 16, S.
264 (übersetzt von Anna Bemmer).
PS Sozialpsychologie – The power of the subliminal
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5.2.2. Essen und Trinken
davon wurde als besonders durstlöschend beworben. Während die Gruppe, die zuvor
Eine zweite Frage ist, ob wir Trink- und Essverhalten unterschwellig steuern können.
keine Wörter zum Thema „Durst“ aufgenommen hatte, keine Präferenz zeigten,
Frühere Arbeiten haben bereits gezeigt, dass subliminal aktivierte Charakterzüge oder
griffen die zuvor geprimten Versuchspersonen signifikant öfter zum angeblichen
Stereotype beobachtbares Verhalten beeinflussen können. So kann zum Beispiel die
Durstlöscher. Bedürfnisbezogene Werbung ist also besonders wirksam, wenn
Aktivierung
des
Personen bereits Dissonanz verspüren und die Werbung mit subliminalen Botschaften
„Intelligenz“
bewirken,
Stereotyps
dass
„Professor“
die
oder
des
Persönlichkeitsmerkmals
Verhaltensrepräsentationen
„Denken“
und
einhergeht. Strahan et al. konnten diesen Effekt in mehreren Versuchen zeigen.
„Konzentration“ aktiviert werden, was wiederum die Leistung bei intellektuellen
Aufgaben beeinflusst. Aufbauend auf dieser Erkenntnis ist die Vermutung nahe
5.2.4. Weiterführende Ergebnisse
liegend, dass dies auch auf „Trinken“ oder „Essen“ übertragen werden kann.
Eine neuere Studie (Karremans, Stroebe, Claus, 2006) untersucht, ob die
Dijksterhuis, Wegner & Aarts (2001) testeten dies indem sie die Worte „drink“ und
unterschwellige
„coke“ (sowie ein „Wort“ aus vier Zufallsbuchstaben in der Kontrollgruppe)
Auswirkungen auf die Wahl eines Konsumenten hat, wenn dieser bereits ein
aufblitzen ließen. Keiner Versuchsperson wurden diese Wörter bewusst. Nach dem
Bedürfnis (Durst) verspürt. Der Unterschied zu den bereits beschriebenen Studien
Versuch wurden den Versuchspersonen Getränke (Cola oder Mineralwasser)
besteht darin, dass diese Studie die von Strahan et al. beschriebenen Erkenntnisse
angeboten. Beide Versuchsgruppen tranken mehr als die Kontrollgruppe, jedoch ließ
berücksichtigt. „Lipton Ice“ wurde laut den Autoren aus zwei Gründen gewählt:
sich in der „coke“-Gruppe keine tatsächliche Präferenz für Cola nachweisen.
Darbietung
eines
Markennamens
(„Lipton
Ice“)
höhere
1) „Lipton Ice“ gilt als ein besonders durstlöschendes Getränk - im Gegensatz zu
Auch Strahan, Spencer & Zanna (2002) erbrachten Nachweise für die Änderung von
Coca Cola, das von vielen Menschen als sehr süßes Getränk eingestuft wird,
Trinkverhalten. Die Teilnehmer durften 3 Stunden vor dem Versuch nichts essen oder
trinken. Anschließend wurden sie wieder mit unterschwelligen Botschaften
das Durst eher verursacht als stillt.
2) Viele Menschen haben bereits Voreinstellungen zu Getränkemarken oder
konfrontiert. Auch hier tranken die Versuchsgruppen mehr als die Kontrollgruppe.
greifen schon auf Gewohnheit zu bestimmen Marken. Coca-ColaGewohnheitstrinker werden immer zu Coca Cola greifen, unterschwelliges
5.2.3. Wahl des Konsumenten
Priming wird auf sie keinen Effekt haben. Um dies auszuschließen wurde ein
Die dritte Fragestellung beschäftigt sich mit der Wahl des Konsumenten. Besonders
Vortest durchgeführt. „Lipton Ice“ erfüllte die Bedingungen am besten.
in der Werbebranche ist dieses Thema ein wichtiger Punkt. Trappey (1996) fand zu
diesem Thema neun Studien. Fünf von ihnen räumten unterschwelligen Botschaften
Karremans et al. primten ihre Versuchsgruppe in zwei Versuchen mit der Marke
einen Effekt auf das Wahlverhalten ein, die übrigen vier sahen keine Indizien für
„Lipton Ice“, die Kontrollgruppe bekam sinnlose Anagramme von „Lipton Ice“ (z.B.
diesen Effekt. Der von Trappey berichtete Effekt war ziemlich schwach (r= .06), er
Npeic Tol) zu sehen. Einer zweiten Kontrollgruppe wurden die Versuchsbedingungen
verglich ihn mit der Wirkung von Aspirin auf Herzattacken und dem Zusammenhang
mitgeteilt. Sie sollte versuchen, die Marke zu erkennen. Keine der 20
von Alkoholmissbrauch und Kriegsdienst in Vietnam. Er kam zu dem Schluss, der
Versuchspersonen konnte die Marke „Lipton Ice“ bewusst wiedergeben.
Effekt sei unerheblich. Dies mag auf psychologische Verhältnisse auch zutreffen, für
multinationale Konzerne kann dieser Effekt theoretisch aber Millionen von Dollars
Im ersten Versuch mussten die Teilnehmer nach dem Primingdurchgang zwischen
bedeuten.
„Lipton Ice“ und Spa Rood, einer holländischen Mineralwassermarke, wählen (die
Strahan et al. (2002) zeigten dass unterschwellige Beeinflussung besser funktioniert
Studie wurde in den Niederlanden durchgeführt). Sie wurden also nach einer
wenn die Versuchspersonen bereits von vornherein das entsprechende Bedürfnis
Präferenz gefragt. Anschließend gaben die Versuchspersonen in 7-stufigen Skalen ihr
verspüren. Den bereits durstigen Teilnehmern wurden zwei Getränke angeboten, eines
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Vorhaben an, Lipton Ice, Spa Rood oder Coca Cola zu trinken. Schließlich wurden
5.3. Verbesserung der Gesundheit
sie nach ihrem subjektiven Durstgefühl gefragt.
Gerade im Gesundheitsbereich boomte das Geschäft mit subliminalen Phänomenen.
Der Versuch ergab, dass das Durstgefühl durch Priming mit „Lipton Ice“ nicht erhöht
In den 1980ern erlangten Selbsthilfekassetten in den USA solche Beliebtheit, dass
wurde, dass aber die Präferenz für Lipton-Eistee in der Versuchsgruppe höher war, je
Forscher damit begannen, deren Wirkung zu testen. Greenwald, Spangenberg,
durstiger die Versuchsperson war. In der Kontrollgruppe konnte dieser Effekt nicht
Pratkanis & Eskenazi (1991) testeten die Effektivität zweier Kassetten. Eine
festgestellt werden. Auch die Absicht, Lipton Ice zu trinken, war in der
versprach Verbesserungen im Gedächtnisbereich, die andere im Bereich des
Versuchsbedingung höher.
Selbstwertes. Sie vertauschten die Beschriftungen auf einigen der Kassetten und
gaben sie Versuchspersonen zur täglichen Anwendung über eine einmonatige
Der zweite Versuch replizierte den ersten Durchgang, jedoch mit einem Unterschied.
Periode. Es wurde nur ein Placebo-Effekt gefunden. Auch andere Forschungen
Diesmal wurde das Durstgefühl der Teilnehmer vom Versuchsleiter manipuliert. Der
ergaben: Selbsthilfekassetten, die sich unterschwelligen Botschaften bedienen, haben
Versuchsbedingung „durstig“ wurden besonders salzige Drops verabreicht, die
keinen Effekt.
Versuchsbedingung „nicht durstig“ bekam nichts. Anschließend wurden die
Daraus zu schließen, dass unterschwellige Stimuli gar keinen Effekt auf physische
Teilnehmer beider Bedingungen wieder Versuchs- und Kontrollgruppen zugewiesen
oder psychische Gesundheit haben, wäre aber zu voreilig: Die Experimente bedienten
und wie in Versuch 1 geprimt und befragt. Wir erhalten also vier Gruppen aus den
sich nämlich nur auditorischer Mittel, visuelle Methoden könnten hier aber weitaus
Kombinationen „durstig“ vs. „nicht durstig“ und „Lipton Ice“ vs. „nicht geprimt“!
effektiver sein. Mayer und Merkelbach (1999) und Theus (1994) verweisen hier auf
Ergebnisse: Die Versuchspersonen in den geprimten Versuchsgruppe zeigten eine
die weitaus höhere Kapazität der visuellen Verarbeitung im Vergleich zur
höhere Präferenz für „Lipton Ice“, hier muss man aber die Moderatorvariable
auditorischen.
„durstig“ miteinbeziehen. In der geprimten „durstig“-Gruppe zeigte sich eine höhere
Präferenz für Eistee als in der nicht geprimten. In den „nicht durstig“-Gruppen war
Seit kurzem bewerben mehrere Unternehmen Utensilien zur Selbsthilfe, die sich
dieser Effekt schwächer. Das Vorhaben, „Lipton Ice“ zu trinken war in der „durstig“-
visueller Mittel bedienen. Schließt man sie an den Fernseher an, übermitteln sie
Bedingung höher.
während des Fernsehprogramms laufend Botschaften an das Unterbewusstsein der
Käufer. Obwohl visuelle Methoden wahrscheinlicher funktionieren sollten, darf man
Die Studie zeigt, dass unterschwellige Formen der Werbung sehr wohl Einfluss auf
aber auch hier nicht zu optimistisch sein. Auch hier können theoretisch Probleme
uns haben kann, wenn gewisse Voraussetzungen bestehen (z.B.: Durst, keine
auftreten. Die Botschaft könnte zum Beispiel zu lang sein um als Ganze unterbewusst
besondere Vorliebe für eine bestimmte Marke). Natürlich muss die Werbung
wahrgenommen zu werden. Aus „Nicht viel essen!“ könnte einfach nur „Essen!“ oder
zielgerichtet sein. Wenn wir durstig sind, werden wir unseren Durst möglichst rasch
„Viel
und effektiv löschen wollen. Strahan, Spencer & Zanna (2002) weisen darauf hin,
Wahrscheinlichkeit, dass sich das Essproblem verschlimmert, würde erheblich
dass unterschwellige Stimuli nur dann menschliches Verhalten beeinflussen, wenn die
ansteigen.
betreffenden Personen auch motiviert sind das Ziel zu erreichen. Wird nun eine
Dijksterhuis (2001) wollte feststellen, ob sich die unterschwellige Konfrontation mit
besonders durstlöschende Marke mit subliminalen Techniken beworben und haben
Stress abbauenden Stimuli auf die Herz-Kreislauf-Aktivität auswirkt. Dass allein die
wir Durst, kann unsere Präferenz für diese Marke steigen und uns dazu veranlassen,
Vorstellung von Entspannung schon Auswirkungen hat, ist ja bereits bekannt. Den
genau diese Marke zu kaufen. Ausgehend von dieser Studie klingt das „Hirngespinst“
Versuchspersonen wurden die Wörter „rest“ und „relax“ mehrmals gezeigt, jeweils
von James Vicary gar nicht mehr so weit hergeholt. Es könnte durchaus sein, dass
nur 15ms lang. Im Vergleich zu den Kontrolldurchgängen (hier wurden nur
seine Fantasie irgendwann tatsächlich Realität wird.
Zufallsbuchstaben gezeigt), lag der Puls in der Versuchsbedingung deutlich niedriger.
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Essen!“
werden,
was
klarerweise
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kontraproduktiv
wäre.
Die
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Hull, Sloane und Matthews (2001) präsentierten „angry“ und „relax“. Der Blutdruck
funktionieren kann und man das Thema einfach auf sich beruhen lassen sollte. Dieses
war in der „relax“-Gruppe niedriger. Offenbar hat subliminale Stimulation in der Tat
wichtige Thema aber gänzlich außer Acht zu lassen, wäre jedoch in höchstem Maße
einen Einfluss auf unser Herz-Kreislauf-System. Die erzielten Effekte sind schwach
unwissenschaftlich, was auch neuere Studien wie jene von Karremans et al. (2006)
und verschwinden sehr schnell wieder. Trotzdem sollte in diesem Gebiet eingehend
belegen.
weitergeforscht werden.
7. Literaturverzeichnis
6. Schlussbetrachtung
Dijksterhuis, A., Aarts, H. & Smith, P. K. (2005). The power of the subliminal: On
Drei gute Gründe sich mit subliminalen Phänomenen zu beschäftigen:
subliminal persuasion and other potential applications. In R. R. Hassin, J. S. Uleman,
1. Das Nützlichkeitspotential unterschwelliger Stimulation: Zwar haben sich die
& J. A. Bargh (eds), The new unconscious (pp. 77-106). Oxford: Oxford University
meisten Selbsthilfekassetten als unnütz erwiesen, jedoch liefern die Studien
Press.
betreffend der Wirkung auf unser kardiovaskuläres System gute Gründe hier
Karremans, J. C., Stroebe, W. & Claus, J. (2006). Beyond Vicary's fantasies: The
weiterzuforschen,
impact of subliminal priming and brand choice. Journal of Experimental Social
um
vielleicht
eines
Tages
tatsächlich
Behandlungsmöglichkeiten zu erhalten.
2. Zum
Schutz
vor
Missbrauch:
Natürlich
psychology, 42, 792-798.
will
kein
Mensch
wie
ein
Pinel, J. P. J., & Pauli, P. (Hrsg.). (2007). Biopsychologie. München: Pearson
fremdbestimmtes, ferngesteuertes Wesen umherwandeln. Wir sollten uns aber
Studium.
darüber im Klaren sein, dass subliminale Techniken angewendet und verkauft
Pratkanis, A. R. (1992). The cargo-cult science of subliminal persuasion. Skeptical
werden. Nur wenn wir wissen, ob und wie unterschwellige Manipulation
Inquirer, 16, 260-272.
überhaupt funktioniert, können wir Schutz- und Vorbeugemaßnahmen treffen (wie
Strahan, E. J., Spencer, S. J. & Zanna, M. P. (2002). Subliminal priming and
zum Beispiel Verbote oder informieren der Bevölkerung über Wirksamkeit).
persuasion: Striking while the iron is hot. Journal of Experimental Social Psychology,
3. Aus rein wissenschaftlichen Gründen: Oft wechseln Forscher ihr Gebiet aus drei
38, 556-568.
Gründen:
a) Sie wissen alles über ein Gebiet, was es zu wissen gibt.
8. Abbildungsverzeichnis
b) Sie erkennen, dass ihre Bemühungen zu nichts führen oder
c) sie verlieren einfach das Interesse an ihrem Bereich.
Abb. 1
Dieses Gebiet der Psychologie ist noch nahezu unerforscht, man kann noch nicht
sagen, dass Erforschung subliminaler Phänomene zu nichts führt und für viele ist es
ein hochinteressanter Bereich.
Perimetrische
Karte:
Skotome
im
Gesichtsfeld
nach
einer
Schussverletzung
Pinel, J. P. J., & Pauli, P. (Hrsg.). (2007). Biopsychologie. München:
Pearson Studium, S. 207.
Der Grund, warum sich so wenige Wissenschafter mit subliminaler Wahrnehmung
beschäftigen, liegt eher im emotionalen Bereich. Da die landläufige Meinung zur
Wirkung auf wertlosen Ergebnissen (Vicary) beruht, behauptet jetzt der erhebliche
Großteil der scientific community, dass Beeinflussung im subliminalen Bereich nicht
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