The Crumb-Town Epitaph
europäische Kavallerie wieder eine
Zukunft haben würde.«
Der preußische Major Justus Scheibert, 1874
Das 6. Kavallerieregiment aus Pennsylvanien
nannte sich auch »Rush’s Lancers«,
obwohl die Reiter ihre Lanzen im Mai 1863
ablegten und gegen Karabiner eintauschten.
Die Abteilung zeigt einige Lanzenreiter
während einer Rast irgendwo in Virginia.
Dokumentarfoto
Civil War
Die US Kavallerie
im amerikanischen
Bürgerkrieg
»die Kriegsgeschichte ist eine
eindringliche Lehrerin.
Sie wirft die glänzendsten Theorien
über den Haufen und beweist
unwiderleglich
durch
die
Beweismittel der Tat ihre Lehren.
Nach den (europäischen) Kriegen
1854 und 1859 war die Kavallerie in
Misskredit
gekommen;
die
Präzisionswaffen
hatten
ihrem
glänzenden Dasein ein Ende
gemacht, und nur noch als
historische Überlieferung wurden
Kavallerie-Regimenter in den Heeren
geduldet. Für jeden Säbel, welcher
ins Gefecht kommt, können zehn
Infanteristen
gehalten
werden,
welche unendlich mehr leisten als
ebenso viele Reiter, so lautete das
theoretische Verdikt, welches man in
vielen militärischen und fast allen
politischen Tagblättern lesen konnte
...
Da brach der amerikanische Krieg
aus.
Wenn auch die Anfänge dieses
Krieges wenig Anlass boten,
demselben
eine
militärische
Bedeutung zuzuerkennen, so heftete
doch der Fortgang allmählich die
Augen der europäischen Heere
immer
mehr
auf
einzelne
eigentümliche Erscheinungen. Vor
allem war es die Reiterei, die sich
zugleich mit dem Aufschwung der
Militärtechnik bemerkbar machte
und die durch ihre Leistungen und
Taten bald das Herz jedes
Kavallerien höher schlagen ließ;
denn nun sah man, dass auch die
Der wertvollste Besitz des Kavalleristen war
sein Pferd.
Dokumentarfoto
Im Jahre 1860 gab es im stehenden
U.S.-Landheer insgesamt 5 berittene
Regimenter:
Das 1. Regiment U.S.- Dragoons, das
2. Regiment U.S. Dragoons und das
Regiment der »Mounted Riflemen«.
Im Jahre 1855 waren 2 weitere
Regimenter gegründet worden, die die
Bezeichnung 1. Regiment U.S.Kavallerie und 2. Regiment U.S.Kavallerie trugen. Im Jahre 1861
wurde im Zuge einer Anhebung der
Mannschaftsstärke für das gesamte
stehende Heer ein 3. Regiment U.S.Kavallerie aufgestellt.
1. U.S.- Dragoons, gegründet 1833 = 1.
Kavallerie
2. U.S.- Dragoons, gegründet 1836 = 2.
Kavallerie
Mounted Riflemen, gegründet 1846 = 3.
Kavallerie
1. U.S.- Kavallerie, gegründet 1855 = 4.
Kavallerie
2. U.S.- Kavallerie, gegründet 1855 = 5
Kavallerie
3. U.S.- Kavallerie, gegründet 1861 = 6.
Kavallerie
U.S.U.S.U.S.U.S.U.S.U.S.-
Zu Beginn des Krieges setzten die Reiter aus
Nord und Süd
noch ganz auf die traditionellen
Kavalleriewaffen Säbel und Lanze.
Auch dieser Reiter aus Pennsylvanien
präsentiert für ein Abschiedsfoto seinen Säbel
mit Stolz.
Dokumentarfoto
Seite: - 1 -
Reiter wie diese entschlossen dreinschauenden
Soldaten aus Ohio prägten das Erscheinungsbild
der Unionskavallerie aus dem Westen.
Die meisten von ihnen waren im Sattel
aufgewachsen.
Dokumentarfoto
Die Waffenvielfalt bei der Kavallerie belegt
diese Gruppenaufnahme von Reitern
der 1. Schwadron der 5. Ohio-Kavallerie.
Neben den Säbeln und Sharps - Karabinern
erkennt man verschiedene Revolvermodelle.
Dokumentarfoto
Oft mußte die Kavallerie Patrouillendienste
entlang der verwundbaren Bahnlinien leisten.
Hier eine gemischte Gruppe von Kavalleristen
und Infanteristen neben einem Blockhaus
bei der Orange & Alexandria-Eisenbahn im Jahr
1864
Dokumentarfoto
The Crumb-Town Epitaph
1. US-Kavalleriesäbel Modell 1860
2. US-Kavalleriesäbel Modell 1840
3. Importierte Kopie des Modells 1840 mit
Eisengefäß
Unionskavallerie vor Baton Rouge, Louisiana,
in der Nähe des Mississippi. Ihre Zelte und
Lagerfeuer erstrecken sich fast bis zum
Horizont.
Dokumentarfoto
Hunderte von Unionsreitern stehen bei ihren
Pferden und machen sich fertig zum
Aufsatteln. Es ist wahrscheinlich ein ganzes
Kavallerieregiment abgebildet.
Dokumentarfoto
Dieser bocksbärtige Reiter stellt nochmals die
typischen Waffen des BürgerkriegsKavalleristen zur Schau: Säbel, Colt ArmyRevolver M 1860, sowie den (Sharps-)
Karabiner am Schultergurt eingehakt.
Dokumentarfoto
Sporen eines Kavallerieoffiziers der Union.
Die Standartausführung war kleiner, aber
große Stücke waren »in Mode«.
General Phil Sheridan (1831/1888), der bedeutendste Kavallerieoffizier der
Nordstaaten mit seinen jungen Kommandeuren, die die US-Kavallerie
reformierten. Von links nach rechts: Sheridan, Forsyth, Merritt, Devin und Georg
Armstrong Custer.
»Der anfangs begangene Fehler, die
Formierung
neuer
Kavallerieregimenter gänzlich zu unterlassen,
hatte sich sehr bald empfindlich
fühlbar gemacht, und man war
infolgedessen bereits im Winter 1861
eifrigst bestrebt, das Versäumte
nachzuholen.
Ende des Jahres 1862 waren 116
freiwillige Reiter-Regimenter und 6
reguläre Kavallerieregimenter vorhanden.
Fast die Hälfte der ersteren hatten die
Staaten New York, Pennsylvania,
Kentucky, Ohio, Illinois und Missouri
gestellt.
Die Regimenter sollten 1.000 bis
1.200 Mann stark sein, sanken aber
sehr bald auf 400 bis 500 Pferde
herab.
Die neuformierte Kavallerie war lange
Zeit hindurch von sehr geringer
Qualität und zog, bis tief in das Jahr
1863 hinein, in allen Gefechten mit
der weit vorzüglicheren Kavallerie der
Konföderierten
den
Kürzeren.
Namentlich
beeinträchtigte
die
Brauchbarkeit der Kavallerie die
äußerst mangelhafte Pflege der Pferde.
Wäre dies nicht der Fall gewesen, so
würden die meistens mit sehr guten
Pferden ausgestatteten Regimenter um
so mehr haben leisten können, als die
angeborene
Verwegenheit
der
Amerikaner sie ganz besonders für die
Zwecke der leichten Kavallerie
geeignet macht.
Zu Fouragierungen, Streifzügen und
Rekognoszierungen waren sie am
Seite: - 2 -
besten
zu
gebrauchen,
weniger brauchbar zeigten sie sich in
rangierten
Gefechten
und
bei
geschlossener Formation.«
Constantin Sander, GESCHICHTE DES
VIERJÄHRIGEN BÜRGERKRIEGES IN DEN
VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA,
1865
Gerade in Bezug auf die berittenen
Truppenverbände
waren
die
Südstaaten erheblich im Vorteil.
Der Dienst in der Kavallerie war in
den Südstaaten Tradition, da die
Kavallerie als Elite angesehen wurde,
zu der sich vor allem die stolzen
Pflanzersöhne
drängten.
Vier
Colonels, Regimentskommandanten,
der U.S.-Kavallerie waren Südstaatler.
Sofort
nach
Lösung
ihrer
Heimatstaaten von der Union nahmen
sie ihren Abschied, gingen in den
Süden und stellten sich der
konföderierten
Regierung
zur
Verfügung. Kommandanten anderer
Truppenverbände handelten ähnlich.
Sie wurden im Süden meist sehr rasch
zu Generälen befördert und mit der
Organisation einer eigenen südlichen
Armee betraut, wie Joseph E. Johnston
von der 1. U.S.-Kavallerie, Robert E.
Lee von der 2. U.S.-Kavallerie und J.
E. B. Stuart von den Mounted
Riflemen, der den Oberbefehl über die
Reiterverbände
von
Virginia
übernahm. Ein brillanter Haudegen
und zweifelsohne der begabteste,
tapferste
und
überragendste
Kavallerieführer im Bürgerkrieg.
Die meisten Südstaatler waren
»geborene Reiter«. Der Umgang mit
Pferden gehörte von Kindesbeinen
an zu ihrem Alltag. Sie waren es
gewöhnt, ausdauernd und viel zu
reiten und konnten sich, aufgrund
ihrer Erfahrungen, auch kämpfend zu
Pferde bewegen. Sie brachten
zumeist ihre eigenen Pferde mit, als
sie sich für den Dienst in der
konföderierten Armee meldeten,
einer Armee, die geradezu über
Nacht aus dem Boden gestampft
wurde.
Zweifellos
eine
organisatorische Meisterleistung. Die
Kavallerie des Nordens, vor allem
die berittenen Milizen, waren
dagegen unerfahren und meist
schlecht ausgebildet. Man maß zu
jener Zeit in Amerika den
Kavallerieeinheiten
in
einem
»konventionellen Krieg« keinen
besonderen Wert bei.
Diese Haltung orientierte sich im
wesentlichen
an
europäischen
Erfahrungen. Nur für die westliche
Grenzsicherung
und
die
Auseinandersetzungen
mit
den
Indianern hatten die berittenen
Truppen Gewicht.
Es
erschien
den
meisten
Militärtheoretikern
unwahrscheinlich, daß die Kavallerie
im Krieg zwischen Nord und Süd
eine wesentliche Rolle spielen
würde.
Der
voraussichtliche
Kriegsschauplatz, vor allem die
südlichen Staaten, schien kein
sonderlich geeignetes Terrain für
Reitereinsätze zu sein. Die Staaten
der Konföderation waren von dichten
Wäldern und Sümpfen durchzogen.
Es gab zahllose Flüsse, Gräben,
Felder und Zäune, die einem
großflächigen
Einsatz
von
Reiterverbänden entgegenzustehen
schienen.
Dabei sollte sich gerade für den
Süden die Kavallerie als besondere
Stärke erweisen und lange Zeit der
überlegene Faktor der konföderierten
Armee gegenüber der Nordarmee in
der kämpferischen Dominante sein.
Der preußische Major Justus
Scheibert, der auf Seiten der
Südstaaten den amerikanischen
Bürgerkrieg miterlebte, schrieb zu
diesem Problem:
»Mit sympathischem Gefühle sah
man den echten Reitergeist ohne
The Crumb-Town Epitaph
Furcht und Tadel entstehen, eine
Genialität
der
Führung
sich
entwickeln und Leistungen zu Tage
treten, die die schönsten Früchte
verhießen.
Vor allem erblühte eine Taktik, welche
nichts mit dem theoretisch als Muster
hingestellten Fußreiterwesen gemein
hatte, sondern welche voll und frisch
in die altpreußische Kampfweise griff
und mit Choc und Säbel den Erfolg zu
erzwingen wusste, den das Fußgefecht
nur bedächtig und vorsichtig einleitete
... Gleich der Infanterie musste
natürlich auch die Kavallerie bei den
improvisierten
Heeren
eine
Entwicklungsepoche
durchmachen,
ehe sie zu einer beachtenswerten
Truppe emporstieg.«
DIE KAVALLERIE
J.E.B. STUARTS
- DAS AUGE DER ARMEE -
Stuarts Kavallerie bricht im Morgengrauen zu
einem Raid auf.
Äußerst seltenes Dokumentarfoto
Die Kavallerieeinheiten im Süden
besaßen von Beginn des Krieges an
erheblich mehr Gewicht als die
Reiterverbände des Nordens. Die
militärischen
Führer
der
Konföderation räumten ihnen einen
unerhört wichtigen Rang ein. Daher
muß dem Einsatz der konföderierten
Kavallerie mehr Aufmerksamkeit
geschenkt und breiterer Raum
gewidmet werden, zumal sie auch
militärhistorisch bedeutsamer war.
Gleiches
gilt
auch
für
den
Kommandanten
der
südlichen
Reiterei, der ohne Übertreibung als
einer
der
bedeutendsten
Kavallerieführer der Militärgeschichte
bezeichnet werden darf.
J E. B. Stuart, ein Mann mit Witz,
gewinnendem Charme und messerscharfer
Intelligenz,
war
von
ausgeglichenem,
ruhigem,
freundlichem Temperament.
Seite: - 3 -
Ihm war schon in jungen Jahren jenes
Charisma eigen, das jeder gute
militärische Führer benötigt, um seine
Mannschaft zu engagiertem Einsatz zu
bewegen.
Er besaß Begeisterungsfähigkeit und
eine
durch
hohe
persönliche
Tapferkeit gewachsene Autorität.
Vor dem Krieg war er Mitglied der 1.
U.S.-Kavallerie und der Mounted
Riflemen gewesen, die im Zuge der
Reorganisation der Armee zur 3.
regulären U.S.-Kavallerie geworden
waren.
Nach dem Auseinanderbrechen des
Nordens und des Südens hatte sich der
Virginier spontan der Konföderation
angeschlossen und wurde nach
Ausbruch
des
Krieges,
erst
achtundzwanzig Jahre alt, zum
General befördert.
Allein seiner Persönlichkeit war die
Stärke und Geschlossenheit der
südlichen Kavallerie zuzuschreiben,
die wie die gesamte Südarmee mit
ständigen erheblichen, die Existenz
bedrohenden Schwierigkeiten zu
kämpfen hatte.
Um so höher sind ihre imponierenden
Erfolge
zu
bewerten.
Ein
beeindruckender Mann, der jeden, der
ihm gegenübertrat, sofort in seinen
Bann zog.
Nach einem erfolgreichen Raid Stuarts,
schleppen US-Reparaturkolonnen
zerstörte Lokomotiven ab.
Dokumentarfoto
»Die hervorragende Aufgabe der
Kavallerie war, Auge und Fühlhorn
der Armee zu sein und zugleich den
Schleier zu bilden, durch welchen die
eigenen Bewegungen denen des
Feindes entzogen wurden«, schrieb
der preußische Militärbeobachter
Major Justus Scheibert.
Der
Oberkommandierende
des
Südens, General Lee, erwartete von
den berittenen Truppen, dass sie stets
über die Absichten, Stellungen und
Truppenstärken des Gegners orientiert
The Crumb-Town Epitaph
Stellungen vertrieb
Defensive zwang.
waren. Auf diesen Informationen
basierte seine eigene Planung. Dies
war um so wichtiger, als die
Südarmee den Unions-Streitkräften
zahlenmäßig
immer
erheblich
unterlegen war und daher ihre
Offensiven
schwerpunktmäßig
durchführen musste.
Das Überraschungsmoment spielte
eine große Rolle. Angriffe musste
den schwächsten Punkt des Feindes
treffen und ihm gleichzeitig die
größtmöglichen Schäden zufügen.
Daß diese, durch die bescheidenen
Verhältnisse der Südarmee bedingte
Taktik
so
lange
erfolgreich
durchgeführt werden konnte, spricht
für die immense Leistung der
Reiterei. Die reguläre Kavallerie der
Südstaaten war ähnlich organisiert
wie die Reiterverbände europäischer
Armeen.
Sie war in Divisionen, Brigaden,
Regimenter,
Schwadronen
und
Kompanien eingeteilt. Die Sollstärke
von wenigstens 100 Mann für jede
Schwadron war so gut wie nie
gegeben. Die meisten Truppenteile
waren niemals vollzählig, wenn sie
an die Front zogen. Sei es durch
zuwenig Freiwillige, sei es durch den
Ausfall
von
Soldaten
durch
Krankheit, Verletzungen und Urlaub,
oder durch Verluste auf dem
Schlachtfeld.
Selbst
erhebliche
Verluste, die Regimenter bis auf
30% oder 40% ihrer Sollstärke
reduzierten, führten nicht zur
Auflösung der Verbände.
Die Kavallerie des Südens war
ähnlich bewaffnet wie die berittenen
Truppen der Union.
Allerdings war die Vollständigkeit
der Bewaffnung nur in begrenztem
Maße gegeben, und vielfach waren
Feuerwaffen der unterschiedlichsten
Hersteller und Kaliber in einem
einzigen Regiment anzutreffen. Der
Säbel war die durchgehende
Standardbewaffnung, auch wenn
viele Kavalleristen - sowohl im
Süden, als auch im Norden - sich im
Umgang damit nicht sonderlich
begabt zeigten.
US-Kavallerieschule in den Carlisle Barracks,
Pennsylvania. Stuart überfiel diesen Posten
1863 während des Gettysburg Raids.
Dokumentarfoto
So kam es vor, dass im Falle von
Verfolgungen nach einer Attacke viele
Reiter ihre Säbel wegsteckten, mit
Revolver oder Pistole weiterkämpften
oder gar flüchtende feindliche Reiter
mit der bloßen Faust aus dem Sattel
schlugen. Faustfeuerwaffen waren
nicht die Regel. Die Revolverproduktion der Südstaaten hielt sich in
bescheidenen Grenzen, und die
Produkte dieser Fabrikation erreichten
nicht die Qualität der im Norden
produzierten Revolver der Firmen
Remington und Colt. Revolver
verschiedenster Kaliber, verschiedenster
Zündungssysteme,
auch
europäische,
wurden
verwendet,
gleiches galt für die Karabiner, wobei
die Ausstattung mit Sattelgewehren
besser war als mit Revolvern.
Auch die Zahl der aus den Arsenalen
des Nordens oder auf Schlachtfeldern
erbeuteten Waffen war nicht zu
unterschätzen. Die
Taktik
der
konföderierten Kavallerie bildete sich
empirisch (auf Erfahrung gründend).
Die Reiter des Südens nutzten ihre
Beweglichkeit zu Pferde und ihre
Überlegenheit in der Überraschenden,
improvisierten Attacke gegenüber der
Kavallerie des Nordens voll aus.
Hierbei war auch die Qualität des
Pferdematerials eine gute Hilfe und
die Tatsache, dass die Pferdezucht im
Süden eine größere, erfolgreichere
Tradition hatte als im Norden.
Die Pferde gehörten der »HunterRasse« an und waren beweglicher,
zäher und ausdauernder als die Pferde
der nördlichen Kavallerie (»Trotter«).
Die Kavallerie agierte selbständig,
wenn auch in enger Verbindung mit
den Artilleriebatterien und der
Infanterie. Basis der Reiterei des
Südens
war
der
überfallartige
Überraschungsangriff, der den Feind
unvorbereitet
traf,
aus
seinen
Seite: - 4 -
und
in
die
»Man leitete das Gefecht ein, indem
man sich möglichst unbemerkt dem
Feind zu nähern suchte. War keine
vollständige
Überraschung
angänglich so eröffnete gewöhnlich
die Artillerie das Gefecht, um
einesteils den Feind zur Entwicklung
zu zwingen, und andererseits, um den
Regimentern Zeit zu verschaffen, zur
Attacke aufzumarschieren; denn die
Südländer evolutionierten ungern im
Feuer
selbst.
Hatte die Kavallerie gedeckte
Infanterie gegen sich stehen, oder war
man über die Stellung des Feindes
nicht genau orientiert, so stießen
einige Scharfschützenschwadrone ab
und suchten den Feind durch
geschütztes
Manövrieren
zum
Entfalten seiner Kräfte zu bewegen.
Die Entscheidung wurde durch die
Attacken herbeigeführt, welche in 2
Gliedern ausgeführt wurden, wobei
das 2. Glied eine Pferdelänge abblieb.
Die Chocs wurden sehr schneidig,
aber nicht übermäßig geschlossen
geritten, und im Moment des
Einhauens
wurde
ein
markdurchdringendes hohes Gellen
ausgestoßen, welches auch die
Infanterie
beim
Bajonettangriff
erschallen ließ.
Das vielfach durchschnittene Terrain
machte das Manövrieren eines
größeren
Kavallerie-Korps
als
taktisches Ganzes unmöglich.
Die größte, taktisch geschlossen zu
handhabende Abteilung war die
Brigade. Wenngleich Stuart sein
Kavallerie-Korps bis auf 12 000 Säbel
brachte, so arbeiteten zwar die
Brigaden nach der Einheit eines
allgemeinen
Planes
auf
ein
gemeinsames Ziel los, jedoch jede in
sich taktisch geschlossen ... Ein
beharrliches Streben hatte die
Kavallerie, die Flügel des Feindes zu
suchen,
während man gegen die feindlichen
Flankenangriffe entweder eine kleine
Reserve in der Hand behielt, oder wie
es einige Male ausgeführt wurde,
einen Trupp mitten aus der
attackierenden
Masse
schnell
rallierte, mit dem man sich dem
drohenden Flügelangriff entgegenwarf.«
Major J. Scheibert, DER BÜRGERKRIEG IN
DEN NORDAMERIKANISCHEN STAATEN,
1874
Ein besonders wichtiger Punkt für
den erfolgreichen Einsatz der
Kavallerie
war
ein
enger
persönlicher
und
geistiger
Zusammenhalt der militärischen
Führer, etwas was heute als
Teamgeist bezeichnet werden würde.
In den Südstaaten war dieses
Element
in
reichem
Maße
vorhanden,
während
dieser
notwendige Faktor im Norden häufig
aus Eitelkeit, Konkurrenzdenken
oder schlichter Unfähigkeit fehlte.
Die Stabsoffiziere J.E.B. Stuarts
vertrauten einander blind und
ordneten sich willig dem General
unter. Stuart verstand es stets,
sowohl seine Mannschaften, als auch
seine Offiziere zu motivieren. Der
Führungsstab der konföderierten
Kavallerie bildete ein organisches
Ganzes,
ohne
zerstörerische
Rivalitäten. Dabei waren die
führenden Offiziere der einzelnen
Truppenteile dermaßen aufeinander
eingespielt,
dass
umständliche
Koordinationen
entfielen.
Auf
Handzeichen,
auf
Stichwort
funktionierte
das
glänzende
Zusammenspiel der Einheiten.
Gerade diese Geschlossenheit, die
Stuart bei allen Einsätzen das
Manövrieren unerhört erleichterte,
brachte die Kavallerie des Nordens
immer wieder in Bedrängnis. Es war
eine Geschlossenheit, die nicht auf
sturem Kadavergehorsam beruhte,
sondern die auf einem gemeinsamen
Wollen und einer von dieser
Grundlage ausgehenden taktischen
und
strategischen
Parallelität
basierte.
Es
bedurfte
keiner
minutiösen Planung.
Die Fixierung des gemeinsamen
Ziels und eine grobe taktische
Grundlage genügten, um die
einzelnen, getrennt voneinander
operierenden Teile von Stuarts Korps
so
handeln
zu
lassen,
dass im richtigen Moment an der
richtigen Stelle das Richtige geschah.
Spektakulär fiel das Interesse auf die
Kavallerie des Südens, als J. E. B.
Stuart begann, die Beweglichkeit
seiner
Truppe
und
die
Schwerfälligkeit der gegnerischen
Armee,
diesem
von
General
McClellan
mit
Material
überfrachteten Koloss (Potomac-
The Crumb-Town Epitaph
Armee), auszunutzen, indem er zu
schnellen,
kühnen
Vorstößen
überging, die ihn mitten in das vom
Norden beherrschte Terrain führten.
gebeten, seine eigenen Erlebnisse
sowie den Verlauf des ganzen Rittes zu
erzählen.
Die Presse Richmonds war voll des
Lobes über General Stuart und seine
Gefährten, ja, selbst die Zeitungen von
New York konnten nicht umhin, der
Anlage und Durchführung dieses
kühnen
Unternehmens
ihre
Bewunderung zu zollen.«
Heros von Borcke, ZWEI JAHRE IM SATTEL
UND AM FEINDE, 1898
Kommandeur des Transportwesens der
Nordstaaten im Bürgerkrieg wurde der deutsche
Eisenbahningenieur General Hermann Haupt,
rechts im Bild, nach dem auch eine Lokomotive
benannt wurde. Die Eisenbahnlinien des
Nordens waren als wichtige Nachschubwege
immer wieder Angriffspunkte von Stuarts
Virginia-Kavallerie. Dokumentarfoto
Mit Mannschaften in einer Stärke von
1.000 bis 2.000 Reitern, einer
überschaubaren
Zahl,
stieß
er
blitzschnell
zwischen
den
Unionstruppen hindurch, umging
deren Stellungen, griff Depots und
Transportwege an und zog sich
zurück, bevor der Gegner sich
überhaupt auf ihn einstellen konnte.
Als Stuart 1862 die feindlichen Linien
überfallartig durchschritt und die
Potomac-Armee McClellans umging
und im Rücken angriff, wurde klar,
daß die Kavallerieeinheiten bis dahin
unterschätzt worden waren.
»Unsere Unternehmung war von
größtem Erfolg gewesen. Wir hatten
einen weiten Rundmarsch durch die
ausgedehnten Lager des Feindes
gemacht, hatten uns, was der
Hauptzweck war, genau über seine
Stellungen
unterrichtet,
seine
Verbindungen zerstört, ihm Vorräte,
Millionen an Wert, vernichtet,
Hunderte von Gefangenen gemacht,
eben so viele Pferde und Maultiere
erbeutet und das ganze Heer der
Unionisten in Furcht und Bestürzung
versetzt.
Bei unserer Rückkehr wurden wir
überall auf das Wärmste begrüßt.
Stuarts Name wurde auf alle
erdenkliche Weise gefeiert, und die
ihm dargebrachten Ehrenbezeugungen
fielen auch auf die Offiziere und
Mannschaften seiner Truppe zurück.
Überall, wo sich einer von denen
sehen ließ, die an dieser ruhmvollen
Unternehmung teilgenommen hatten,
wurde er mit Fragen bestürmt, wie ein
Halbgott angestaunt und dringend
Seite: - 5 -
Die Reiterschlacht von Brandy
Station
Die Schlacht von Brandy Station
entstand
zwar
nicht
völlig
unbeabsichtigt,
war
in
dieser
Ausdehnung aber nie geplant worden.
Sie entwickelte sich aus einem
Überraschungsangriff der Nordstaaten,
um einen erwarteten Stuart’schen
”Raid ” zu verhindern, von einem
Geplänkel schließlich zur größten
Reiterschlacht des Bürgerkrieges - ja
zu einer der größten Reiterschlachten
der Militärgeschichte.
Über 20.000 Reiter trafen in der
klassischen
Weise
aufeinander,
kämpften mit Säbel und Pistole, Mann
gegen Mann, häufig in furchtbarem
Melé. Kriegsentscheidend war diese
Schlacht nicht. Vielleicht wäre sie es
bei einer Niederlage des Südens
geworden, zumindest wäre dann die
große Invasion der Nord - Virginia Armee
verzögert,
wenn
nicht
verhindert worden.
Organisation der gegnerischen
Truppen
Südstaaten
Kommando:
General J.E.B. Stuart
James Ewell Brown Stuart wurde am
6. Februar 1833 zu „Laurel Hill”in
Patrick County, Virginia, als Sohn
einer
prominenten
und
alteingesessenen Südstaatenfamilie
geboren. Seine früheste Ausbildung
erhielt er zu Hause und in
Whyteville. Seit 1848 besuchte er
das Emory und Henry College. 1850
trat er in die US Militärakademie in
West Point ein und promovierte vier
Jahre später als 13. in einer Klasse
von 46 Absolventen. Mit Rang vom
1. Juli 1854 wurde er zum Brevet
Second Lieutenant ernannt und zu
den Mounted Riflemen (Berittene
Schützen) abkommandiert.
Der junge Lieutenant J.E.B. Stuart
vor dem Bürgerkrieg
Dokumentarfoto
Am 31. Oktober 1854 erhielt er eine
Beförderung zum Full Second
Lieutenant. Am 3. März 1855 wurde
er zur Ist US Cavalry nach Kansas
versetzt, wo er Grenzdienst leistete
und gegen die Indianer kämpfte.
Mittlerweile zum First Lieutenant
avanciert (vom 20. Dezember 1855)
und verheiratet - Flora Cooke Stuart
war die Tochter eines DragonerColonels -, war Stuart im Oktober
1859 als Lieutenant Colonel und R.
E.
Lees
Adjutant
an
der
Niederwerfung von John Browns
Aufstand in Harper’s Ferry beteiligt.
Danach kehrte er bis zum Abfall
Virginias von der Union im April
1861 nach Kansas zurück. Am 10.
Mai 1861 reichte er seinen Abschied
aus der US Army ein, und
akzeptierte noch am selben Tag eine
Bestallung zum Lieutenant Colonel
der „Provisional Army of Virginia”.
Am 16. Juli 1861 stieg er zum Full
Colonel auf.
The Crumb-Town Epitaph
Virginia Cavalry, diente er zunächst
im Shenandoah - Tal unter
”Stonewall”
Jackson
und
Joe
Johnston. Im Juli 1861 war es Stuart,
der erfolgreich Johnstons Abzug nach
Manassas Junction deckte. In der
Schlacht von First Manassas (21. Juli
1861) verteidigte er die konföderierte
linke Flanke und führte eine
vernichtende Kavallerieattacke, die
nicht unmaßgeblich zum Sieg der
Rebellen
beitrug:
„Stuart
tat
ebensoviel, um die Schlacht zu
gewinnen,. . . wie jeder untergeordnete
Soldat, der an ihr teilnahm”,
resümierte der exzentrische CSAGeneral Jubal A. Early.
Auch die führenden konföderierten
Generäle
in
Virginia,
P.G.T.
Beauregard und J. E. Johnston, waren
von Stuarts Leistungen äußerst
beeindruckt. Am 10. August 1861
richtete Johnston, der um die
Formierung einer Kavalleriebrigade
bemüht war, ein Empfehlungsschreiben an Präsident Jefferson
Davis:
„Er ist ein seltener Mann, von der
Natur wundervoll mit den Qualitäten
beschenkt, die für einen Offizier der
leichten Kavallerie erforderlich sind.
Ruhig, bestimmt, scharfsinnig, aktiv
und unternehmungslustig. Ich kenne
niemanden, der kompetenter ist als er,
vor ihm liegende Notwendigkeiten
richtig einzuschätzen.
Wenn Sie diese Armee um eine ganze
Kavalleriebrigade ergänzen wollen,
werden
Sie
keinen
besseren
Brigadegeneral finden, diese zu
kommandieren. Effektiv vom 24.
September 1861 wurde Stuart zum
Brigadier General der Provisional
Army C. S. befördert. Gleichzeitig
genehmigte das Kriegsministerium die
Aufstellung
der
gewünschten
Reiterbrigade,
6 Virginia-Regimenter, mit einer
Stärke von 1.500 Mann. Am 22.
Oktober 1861 wurden dem jungen
Brigadier
sämtliche
Kavallerieeinheiten im Department of Northern
Virginia unterstellt.
An der Spitze von 350 Kavalleristen,
dem Kernstück der späteren lst
Seite: - 6 -
Bei Yellow Tavern treffen im Mai
1864 Nord- und Südstaatenreiterei zu
dem letzten großen Kavalleriegefecht
zusammen. Im Zuge dieses Kampfes
wird J.E.B. Stuart durch eine .44er
Revolverkugel tödlich verwundet,
abgefeuert aus einem Colt-Revolver
des Unionsreiters John A. Huff, eines
ehemaligen Berdan - Scharfschützen.
Der 48jährige Veteran hatte sich nach
zwei Jahren in Berdans Korps bei der
5. Michigan Kavallerie eingeschrieben, in dessen Kompanie E er
diente. 17 Tage nach seinem Schuss
auf Stuart wird er selbst tödlich
verwundet.
Stabschef:
Major
Heros von Borcke
Kurz vor seiner Ernennung zum
Colonel beschloss der Kongress der
Südstaaten in Richmond ihm zu Ehren
folgende Resolution:
»Da Major Heros von Borcke aus
Preußen,
Adjutant
und
Generalinspekteur
des
Kavalleriekorps des Heeres von Nord
- Virginia sein eigenes Vaterland
verlassen hat, um uns zur Erhaltung
unserer Unabhängigkeit beizustehen,
und da er durch seine persönliche
Tapferkeit im Felde sich die
Bewunderung seiner Kameraden
sowie
seines
kommandierenden
Generals erworben hat, hat der
Kongreß der konföderierten Staaten
von Nordamerika beschlossen, dass
dem hier genannten Major Heros von
Borcke für seine selbstverleugnende
Hingabe an unsere Konföderation und
seine ausgezeichneten Dienste bei der
Unterstützung unserer Sache der
Dank des Kongresses gebühre; dass
The Crumb-Town Epitaph
eine Abschrift dieser Resolution dem
Major Heros von Borcke durch den
Präsidenten der konföderierten
Staaten zu übergeben sei«.
4. North Carolina Kavallerie =
Colonel Ferebee, 5. North Carolina
Kavallerie = Colonel Evans,
Reitende Artillerie = Major Beckham
(4 Batterien, je 6 Geschütze)
1. Division:
General Fitz Lee
(Da Fitz Lee verwundet war, führte
Colonel Munford das Kommando.)
1. Virginia Kavallerie = Colonel
Carter , 2. Virginia Kavallerie =
Colonel Munford,
3. Virginia Kavallerie = Colonel
Owen, 4. Virginia Kavallerie =
Colonel Wickham,
5. Virginia Kavallerie = Colonel
Rosser
Insgesamt zählte das konföderierte
Kavalleriekorps von Nord - Virginia
22 Regimenter und 1 Bataillon, sowie
die berittene Artillerie mit 24
Geschützen. Die Gesamtstärke lag bei
etwa 10.000 Mann.
1 . North Carolina Kavallerie =
Colonel Baker, 1 . South Carolina
Kavallerie = Colonel Black,
2. South Carolina Kavallerie =
Colonel Butler, Legion ”Cobb” =
Colonel Young,
Legion ”Jefferson Davis” = Colonel
Waring, Hampton’s Legion = Colonel
Hampton
Kommando:
General
Alfred Pleasonton
4. Brigade:
General William Edmonson
”Grumble” Jones
2. Division:
General H. W. F. Lee
6. Virginia Kavallerie = Colonel
Flournay, 7. Virginia Kavallerie =
Colonel Marshall,
11. Virginia Kavallerie = Colonel
Lomax, 12. Virginia Kavallerie =
Colonel Harman,
35. Kavallerie-Bataillon = Colonel
White
2. North Carolina Kavallerie =
Colonel Williams, 9. Virginia
Kavallerie = Colonel Beale,
10. Virginia Kavallerie = Colonel
Davis, 13. Virginia Kavallerie =
Colonel Chambliss,
15. Virginia Kavallerie = Colonel
Ball
Nordstaaten
5. Brigade:
General Beverly Holcombe
Robertson
3. Division:
General Wade Hampton
Seite: - 7 -
Pleasonton war ein durchaus fähiger
Reiteroffizier, dessen Führereigenschaften vielleicht begrenzt waren,
dessen Karriere aber eher an
persönlichen
Ungeschicklichkeiten
scheiterte.
Geboren 1824 in Washington D. C.,
graduierte er 1844 als 7. seiner Klasse
in
West
Point,
diente
mit
Auszeichnung im Krieg gegen Mexiko
und im Seminolenkrieg in Florida,
wurde Captain bei den 2. Dragoons
(1861 umbenannt in 2. U. S.
Kavallerie) und hielt im Winter
1861/62
ein
Kommando
zur
Verteidigung der Hauptstadt.
Im Februar 1862 zum Major ernannt,
verdiente er sich weitere Meriten in
der Halbinselkampagne und wurde im
Juli Brigadegeneral der Freiwilligen.
Er übernahm die Führung einer
Kavalleriedivision. Erst am 7. Juni
1863 hatte General Hooker ihn an die
Spitze des Kavallerie-Korps der
Potomac-Armee berufen, an Stelle des
wenig
erfolgreichen
General
Stoneman. Pleasonton Leistungen
ließen zunächst hoffen, aber bald
The Crumb-Town Epitaph
häuften sich Fehler, die andeuteten,
dass sein strategisches Geschick
begrenzt war und die Führung eines
so großen Truppenkörpers ihn
überforderte.
Nach Übernahme des Oberbefehls
durch
General
Grant,
wurde
Pleasonton durch General Sheridan
ersetzt. Pleasonton erlebte das
Kriegsende als Major der Regulären,
lehnte
eine
Ernennung
zum
Lieutenant
Colonel
eines
Infanterieregiments ab und wurde
von da an konstant übergangen. Er
wurde als Major pensioniert und
starb 1897.
1. Kavalleriedivision:
General John Buford
2. Brigade:
General Percy Windham
Leider kein Bild
vorhanden!
1. Brigade: General Di Cesnola
1. Massachusetts Kavallerie, 6. Ohio
Kavallerie, 1. Rhode Island Kavallerie
2. Brigade: General John I. Gregg
3. Pennsylvania Kavallerie, 4.
Pennsylvania Kavallerie, 16.
Pennsylvania Kavallerie, 1
Artilleriebatterie
3. Kavalleriedivision:
General David McMurtrie Gregg
1. Maryland Kavallerie, 1. New Jersey
Kavallerie, 1. Pennsylvania
Kavallerie, 1 Artilleriebatterie
Insgesamt bestand Pleasontons Korps
aus 23 Regimentern und 1 Kompanie
Kavallerie.
Dazu gehörten 5 Batterien berittene
Artillerie.
Desweiteren verfügte Pleasonton über
2 Infanteriebrigaden:
Brigade Ames:
General Adelbert Ames
1 . Brigade: Colonel Davis
8. New York Kavallerie, 8. Illionois
Kavallerie, 3. Indiana Kavallerie, 2.
Artilleriebatterien
2. Brigade: General Thomas Casimer
Devin
9. New York Kavallerie, 6. New
York Kavallerie, 3. West-Virginia
Kavallerie
1. Brigade:
General Judson Kilpatrick
Kavallerie-Reserve: General Whiting
1 . US-Kavallerie (Regulär), 2. USKavallerie (Regulär), 5. USKavallerie (Regulär), 6. USKavallerie (Regulär),
6. US-Pennsylvania Kavallerie, 1
Artilleriebatterie
2. Kavalleriedivision:
General Alfred Duffié
2. Massachusetts Infanterie, 124. New
York Infanterie, 86. New York
Infanterie, 33. Massachusetts
Infanterie,
3. Wisconsin Infanterie, 1
Artilleriebatterie
Brigade Russel:
General David Allen Russel
1. Maine Kavallerie, 2. New York
Kavallerie, 10. NewYork Kavallerie, 1
Kompanie Kavallerie
Seite: - 8 -
2. Wisconsin Infanterie, 7.
Wisconsin Infanterie, 56.
Pennsylvania Infanterie
Die Gesamtstärke des Korps von
Pleasonton lag bei über 11.000
Mann.
U.S.-Kavallerie bei einer Attacke,
Dokumentarfoto
Der Kampf von Brandy Station steht
bis heute im Schatten anderer großer
Gefechte
dieses
blutigen
Bruderkrieges. Drei Wochen vor
Gettysburg
schenkte
er
den
Südstaaten einen überzeugenden
Sieg und erhöhte die gute Stimmung
in der ganzen Nord - Virginia Armee. Er bewies, dass die
Kavallerie noch nicht überholt war.
Trotz des südlichen Sieges zeigte
diese Schlacht die gewachsene
Leistungsfähigkeit der nördlichen
Reiterei. Insofern kündigte sich auch
hier bereits eine Art Wende an, die in
Gettysburg
schließlich
blutig
vollzogen wurde.
The Crumb-Town Epitaph
Schwächung und Zersplitterung der
Virginia-Armee glaubte, während sie
im Gegenteil verstärkt wurde. Hooker
nahm an, dass das Kavalleriekorps
unter General Stuart, das in der Nähe
von
Brandy
Station
zusammengezogen
wurde,
dazu
ausersehen war, in einem schnellen
Vorstoß
den
Potomac
zu
überschreiten, während die Masse der
Südarmee
bei
Fredericksburg
zurückbleiben werde.
Hooker entschloss sich, gegen diese
potentielle Kavallerieinvasion einen
Präventivschlag zu unternehmen,
sicher, General Lees Konzept auf
diese Weise zerschlagen zu können.
Wiederum hatte Hooker damit die
Absichten Lees missdeutet. Die sich
daraus entwickelnden Ereignisse
zeigten aber in beeindruckender Weise
das inzwischen angestiegene Niveau
der nördlichen Reiterei.
Dabei gelang der Unions-Kavallerie
zum erstenmal im Verlauf des Krieges
ein Überraschungsschlag gegen die
Dragoner des Südens, die nicht im
geringsten mit einem plötzlichen
Vorgehen der Reiterdivisionen des
Nordens gerechnet hatten.
Zeitgenössische Darstellung einer Szene des
Reitergefechts von Brandy Station
Reiter der Nord - Virginia - Kavallerie
Dokumentarfoto
Auf der Ebene bei Brandy Station,
wo schon im Jahre zuvor die Reiter
des Nordens und des Südens
aufeinandergeprallt waren, fand ein
zweiter Zusammenstoß statt, der als
das größte Reitergefecht des
Bürgerkrieges in die Geschichte
eingehen sollte.
Daß es zu dieser Begegnung kam,
beruhte auf einem Irrtum des USGenerals Hooker, der die zögernden
Bewegungen von Lees Armee im
Verlauf des Monats Mai falsch
interpretierte
und
an
eine
Während am 6. und 7. Juni 1863 die
Kavalleriedivisionen Buford und
Gregg zusammen mit 3.000 Mann
Infanterie, insgesamt 11.000 Soldaten,
den
Rappahannock
überquerten,
hielten die südlichen Truppen bei
Brandy Station eine glanzvolle Parade
ab, zu der am 8. Juni auch General
Lee anwesend war.
Kurz nach dem Abschluss des
Vorbeimarsches
der
VirginiaKavallerie meldeten Kuriere das
Auftauchen blauuniformierter Reiter
auf
der
anderen
Seite
des
Seite: - 9 -
Rappahannock. Stuarts Kavallerie
ging in Abwehrstellung, ohne dass
sich etwas ereignete. Der Tag ging
ohne weitere Zwischenfälle zu Ende.
Mitglieder der 6. Virginia-Kavallerie
Dokumentarfoto
Am Morgen des 9. Juni 1863 aber
waren
die
Unions-Kavalleristen
plötzlich
da
und
fielen
mit
unerwarteter Wucht über das Lager
Stuarts her.
Major Heros von Borcke, der Chef
von Stuarts Stab, berichtete:
»Bei Tagesanbruch wurde ich durch
mehrere Kanonenschüsse geweckt.
Augenblicklich sprang ich auf die
Füße, und als ich aus dem Zelte trat,
hörte
ich
deutlich
lebhaftes
Kleingewehrfeuer in der Richtung des
Flusses. Bald traf auch eine Ordonanz
ein, welche meldete, der Feind habe
unter dem Schutze des Nebels unsere
Vorposten plötzlich überfallen, den
Strom an verschiedenen Stellen mit
großer Macht überschritten und so
lebhaft nachgedrängt, daß er die
Brigade Jones überfallen, noch bevor
die Mehrzahl der Leute Zeit gefunden,
ihre Pferde zu satteln. Es war ein
Glück, dass die Scharfschützen dieser
Brigade,
unterstützt von einer Abteilung
unserer reitenden Artillerie durch ein
wirksames Feuer das Vorgehen des
Feindes
so
lange
aufzuhalten
vermochten, bis unsere Regimenter
Zeit gewannen, sich zu formieren und
ein wenig rückwärts Stellung zu
nehmen. Es war uns beiden, General Stuart und
mir, durchaus klar, dass die
Bewegungen
der
Föderierten
(Nordstaatler) einen ernsten Charakter
trugen
und
dass
sie
weiter
vorzudringen entschlossen waren. Der
General wollte mit seiner ganzen
Stärke dem Feinde entgegengehen
und sich mit ihm schlagen, wo er ihn
träfe. Mein Vorschlag war, den
größten Teil des Korps und auch
unsere 24 Geschütze auf den Höhen
aufzustellen und dort abzuwarten, bis
Zahl und Absichten der Yankees, die
noch durch die Waldungen verdeckt
waren, sich deutlicher enthüllt
hatten, ihnen dann durch einige von
unseren Brigaden eine Finte zu
machen und sie so auf uns zu ziehen.
Da sie in der Ebene für ihre Artillerie
keine günstige Aufstellung fanden,
mussten unsere Geschütze eine
vortreffliche Wirkung auf ihre
dichten Massen haben, sobald sie in
das offene Gelände vor uns
hinaustraten, endlich konnten unsere
Reiter ihre Überlegenheit über die
feindliche
Reiterei
in
einer
vereinigten Attacke mit unserer
ganzen Stärke zur vollen Geltung
bringen. Stuarts Eifer duldete jedoch
keinen Aufschub, und da er überdies
besorgte, dass der Feind, wenn man
ihn weiter vorgehen ließe, einen
Einblick in die Stellungen unserer
Infanterie gewinnen könne, die zu
decken unsere Aufgabe war, so
beschloss er, dem vorrückenden
Feinde sofort entgegenzugehen und
befahl mir, sogleich vor die Front zu
reiten, um den Stand der Dinge
genau zu erkunden, während er
folgen wollte, sobald die Regimenter
gesammelt seien ...
U.S.-Kavallerie im Angriff
Eine zeitgenössische Darstellung des
berühmten
Malers Frederic Remington.
Da nunmehr unsere sämtlichen
Brigaden auch aus den entfernteren
Lagern eingetroffen waren, konnte
unsere Schlachtlinie fast drei Meilen
lang regelrecht gebildet werden, und
die Wälder entlang, welche sich an
dem
Rappahannock
hinziehen,
schallte
das
Feuern
unserer
abgesessenen Scharfschützen wie das
Knattern des kleinen Gewehrfeuers
in einer regelrechten Schlacht. Wir
behaupteten das Feld einige Zeit
The Crumb-Town Epitaph
hindurch so leidlich, bis es sich zeigte,
dass der Feind sehr überlegen und
durch Infanterie unterstützt sei, von
der William Lee starke Kolonnen
meldete, die er von seiner Stellung auf
unserer äußersten Linken aus den
Fluss überschreiten sah.
Dorthin sendete General Stuart mich,
um die Bewegungen des Feindes zu
überwachen
und
ihm
jede
Viertelstunde durch einen Kurier
Meldung zu schicken ...
Von einigen Versprengten, die an mir
vorüberkamen, als ich mich der
Station näherte, und durch deren
verworrene Berichte erfuhr ich, dass
die Föderierten (Nordstaatler) sich in
unserem Rücken befänden. Ich konnte
und wollte dies nicht glauben. Als ich
jedoch aus dem Walde herauskam,
fand ich, dass sie nur zu wahr
gesprochen hatten, denn dort wartete
meiner ein Anblick, der mir das Blut
in den Adern gerinnen machte.
Auf den Höhen der Brandy Station,
wo sich bisher das Hauptquartier
befunden hatte, wimmelte es von
Yankees, während die Mannschaften
von einer unserer Brigaden über die
ganze Hochebene versprengt waren
und nach allen Richtungen vom
Feinde gejagt wurden. Da ich eines
unserer
Regimenter
noch
in
geschlossener Haltung bemerkte, das
aber auch bereits zu wanken begann
und auf dem Punkte schien, sich zur
Flucht zu wenden, ritt ich zu dem
Obersten heran, der seine Besinnung
gänzlich verloren hatte, und drohte,
ihn augenblicklich arretieren zu lassen
und eine Klage wegen Feigheit gegen
ihn anzustrengen, wenn er nicht seine
Leute auf der Stelle gegen den Feind
führe.
Dies hatte den gewünschten Erfolg,
und mit einem matten Schlachtrufe
galoppierte das Regiment auf den
Feind zu. Aber zwei feindliche
Regimenter ritten an, und unsere
entmutigten Soldaten machten kehrt
und
flohen
in
schmachvoller
Verwirrung. Für einen Augenblick
von dem Strome der Flüchtigen mit
fortgerissen, bemerkte ich, dass wir
einer Öffnung in einem Zaune
zueilten, welche für die Bewegungen
der Artillerie angelegt war. Das letzte
aus meinem Pferde herausnehmend,
erreichte ich die Öffnung, stellte mich
selber in die Mitte und rief, dass ich
Seite: - 10 -
jeden töten würde, der versuchen
sollte, bei mir vorbeizukommen,
gleichzeitig zweie, die in meine Nähe
geraten waren, mit der flachen Klinge
über den Rücken hauend.
U.S.-Kavallerie bei der Gefechtsausbildung
Dokumentarfoto
Dies hielt die Fliehenden für einige
Zeit auf, und es gelang mir, etwa
hundert dieser Leute um mich zu
sammeln, die ich bei einer früheren
Gelegenheit zum Siege geführt hatte.
»Leute!« rief ich. »Erinnert euch eurer
früheren Taten auf diesem selben
Felde! Folgt mir, greift an!« Ich
presste die Sporen meinem Pferd in
die Flanken, und das edle Tier stürmte
dahin, den Föderierten entgegen, die
nun dicht auf uns waren, deren Reihen
sich jedoch auch durch die Länge der
Verfolgung sehr gelockert hatten.
Aber dieselben Leute, die früher tapfer
mit mir gefochten, hatten all ihr
Selbstvertrauen verloren und ließen
mich, nachdem sie mir eine Strecke
gefolgt waren, mitten unter den
angreifenden Feinden ganz allein ...
Ich zwang mein Pferd zur höchsten
Schnelligkeit, wendete rückwärts,
übersprang den Zaun an einer Stelle,
wo er für meine Verfolger zu hoch
war und ließ sie weit hinter mir. Ich
war noch nicht viele hundert Yards
geritten, als ich Hauptmann White von
unserem Stabe traf, der einen Schuss
in den Hals erhalten hatte. Da ich
meinen verwundeten Kameraden
stützen musste, den zu retten ich fest
entschlossen war, konnte ich nicht so
scharf reiten, und mehrere Male
ertönte das Geschrei und Geheul der
Yankees so dicht hinter mir, dass ich
an
unserem
Entkommen
fast
verzweifelte. Doch plötzlich gaben die
Yankees die Verfolgung auf, und ich
konnte nach dem aufregenden Rennen
wieder die Zügel anziehen. Zufällig
kam ein Kurier vorüber, in dessen
Obhut ich Hauptmann White ließ, um
wieder nach vorn zu eilen ...
Als ich die Hochebene von Brandy
Station erreichte, fand ich, dass die
Sachlage sich wesentlich geändert
hatte. An Stelle der drohenden
Massen des Feindes bedeckten seine
Toten und Verwundeten den Boden.
Eine seiner Batterien, der sämtliche
Pferde getötet waren, stand völlig
verlassen da, und zur Rechten, in
weiter
Ferne,
gewahrte
man
verworrene Haufen Flüchtiger, von
unseren Leuten verfolgt. Nicht lange
darauf traf ich General Stuart, der
von dem höchsten Punkt der
Hochebene aus die Bewegungen
leitete. Von ihm hörte ich, dass die
Abteilung der föderierten Reiterei,
welche uns in eine so kritische Lage
gebracht hatte, aus zwei Brigaden
unter General Perry Windham, einem
Engländer im Dienste der Yankees,
bestanden hätte, der - einen
unbeobachteten Reitpfad benutzend uns umgangen und so all die
Verwirrung und den Schrecken
verursacht hatte, die beinahe die
Entscheidung
des
Tages
herbeigeführt hätten.
General Sheridan führt eine Attacke
der Nordstaaten-Kavallerie bei Winchester an
Eine zeitgenössische Darstellung
Aber gerade als die Gefahr am
höchsten und die Flucht in vollem
Flusse war, erschienen das GeorgiaRegiment
unter
seinem
Kommandeur,
dem
tapferen
Obersten Young, und das II.
Virginia-Regiment unter Oberst
Lomax,
warfen
sich
in
unwiderstehlichem Angriffe auf den
zeitweiligen Sieger und warfen ihn
seinerseits in die Flucht ...
Der größte Teil unseres Korps war
nunmehr auf dem Höhenzuge
aufgestellt, genauso wie ich dies am
Morgen
vorgeschlagen
hatte,
während weiter unten in der Ebene
mehrere Tausend föderierte Reiter in
Schlachtlinie aufmarschiert waren,
unterstützt
durch
zwei
ihrer
Infanterie-Divisionen, die man an
ihren glänzenden Bajonetten genau
unterscheiden konnte, als sie sich aus
den fernen Wäldern entwickelten.
Unterdessen
Oberbefehlshaber
war
auf
unser
dem
The Crumb-Town Epitaph
Schauplatz der Ereignisse erschienen,
und eine zu unserer Unterstützung
vorgeschobene
Infanterie-Division
befand sich in den etwa eine
Viertelmeile rückwärts gelegenen
Wäldern, bereit, wenn es Not tat,
einzugreifen. Es war etwa 4 Uhr am
Nachmittag, und das Feuer vor uns
hatte allmählich nachgelassen bis auf
ein lässig geführtes Geplänkel unserer
abgesessenen
Scharfschützen,
begleitet von einer regelmäßigen
Kanonade, die nach unserem linken
Flügel hin mehr und mehr zunahm.
Colt Army, Modell 1860, Kaliber .44,
Lauflänge 7,5 und 8 Zoll.
Der schwere Revolver war die dominierende
Waffe der U.S.-Kavallerie
Hier hatte William Lee, bald nachdem
ich ihn verließ, seine erste Stellung
aufgegeben, und war langsam vor dem
Feinde zurückgegangen, stets wieder
Front machend, wenn seine Verfolger
zu dicht aufdrängten. Diese prächtige
Division trat eben aus den Wäldern zu
unserer Linken, wo die Brigade Jones
zu ihrer Aufnahme bereitstand, als
Stuart den Zeitpunkt für einen
allgemeinen
Angriff
gekommen
glaubte und mich zu den beiden
genannten Abteilungen schickte mit
dem Befehle, den verfolgenden Feind
gemeinsam zu attackieren ...
Die Leute von Lee und Jones
empfingen den Befehl zum Angriffe
mit lautem Jubel, und erstere gingen in
so wundervoller Haltung zum
Angriffe vor, dass ein enthusiastischer
Beifallsruf unserer Linie auf den
Höhen entlang lief, von denen aus
man das Gefecht deutlich übersehen
konnte.
Sharps-Karabiner, Modell 1863 Kaliber .52, der
führende Kavallerie-Karabiner
Der Feind empfing uns mit einem
Hagel von Geschossen. General
William Lee fiel, in dem Schenkel
verwundet. Oberst Williams wurde an
der
Spitze
seines
Regiments
Seite: - 11 -
erschossen, und mancher andere
Offizier fiel tot oder verwundet. Aber
nichts konnte den ungestümen Angriff
der tapferen Virginier aufhalten, und
in wenigen Minuten waren die Linien
der Föderierten durchbrochen und in
aufgelöster Flucht dem Flusse
zugetrieben, wo das Feuer einiger auf
der anderen Seite aufgestellten
Reserve-Batterien der Verfolgung ein
Ziel setzte.
Gegen Dunkelwerden begann die
ganze Masse der föderierten Reiterei,
deren
rechte
Flanke
nunmehr
bloßgestellt war, unter dem Schutze
ihrer Infanterie zurückzugehen, und
mit Einbruch der Nacht hatten die
gesamten feindlichen Streitkräfte den
Rappahannock wieder überschritten.
So endete das größte Reitergefecht,
welches je auf dem amerikanischen
Festlande ausgefochten wurde.«
Die Schlacht von Brandy Station
selbst
hätte
bei
realistischer
Betrachtung einige Rückschlüsse auf
den Zustand und die Absichten der
Konföderierten Armee zugelassen,
doch dazu war die Führung der
Unionsarmee nicht in der Lage. So
zeigten sich bei der Nord - Virginia Kavallerie erstmals schwerwiegende
Mängel, die sie, bislang ungeschlagen,
überwindbar erscheinen ließen. Grund
dafür waren die großen Erfolge
gewesen,
die
Stuart
in
der
Vergangenheit erzielt hatte. Mit neuen
Taktiken und überzeugender Führung
hatte er der Kavallerie eine
bemerkenswerte Rolle verschafft und
bedeutende Erfolge erzielt. Erfolge,
die die Unions-Kavallerie immer
hatten schwach aussehen lassen und
den
südlichen
Reitern
einen
furchterregenden Ruf eingetragen
hatten.
Diese Erfolge hatten Stuart zum
Leichtsinn verführt, Trotz seiner
bedeutenden Fähigkeiten neigte er,
wie die meisten Kavalleristen, zu einer
gewissen Eitelkeit, die er in
tollkühnen Aktionen, die ihm große
volkstümliche
Bewunderung
eintrugen, zu befriedigen suchte. Bei
Brandy Station wäre ihm diese
Eigenschaft fast zum Verhängnis
geworden.
Die
sträfliche
Unterschätzung des Gegners hatte die
erfolgreiche
Überrumpelung
am
Morgen des 9. Juni ermöglicht. Auch
nach Erkennen der Gefahr, hatte
Stuart sich von Fehleinschätzungen
leiten lassen und die Sicherung des
Schlachtfelds nach Süden hin
versäumt so dass es dem linken
Flügel der Unionsarmee ungehindert
gelungen war, in Stuarts Rücken zu
gelangen. Dass es ihm möglich
gewesen war, diese Fehler zu
korrigieren, verdankte er falschen
Entscheidungen der Unionsführung,
die ihre Kräfte unnötigerweise
zersplittert hatte.
J E. B. Stuarts unbestrittene
überragende
Fähigkeiten
als
Reiterführer offenbarten sich erst
wieder, als er im wahrsten Sinne des
Wortes mit dem Rücken an der
Wand stand, bzw. als er schon keine
Wand mehr hinter sich hatte. Das
jähe Auftauchen des Feindes in
seinem Rücken, das Bewusstsein,
dass er nicht mehr mit Reserven
rechnen konnte und sich am eigenen
Schopf aus der misslichen Lage
ziehen musste, brachte all seine
Feldherrenqualitäten,
die
ihn
berühmt gemacht hatten, zur vollen
Entfaltung. Je kritischer die Lage
wurde, desto kaltblütiger wurde er,
gewann seine gewohnte Sicherheit
zurück und konnte das Gesetz des
Handelns wieder an sich reißen.
Obwohl die Südstaaten-Kavallerie in
überzeugender Weise gesiegt hatte,
saß der Schock über die eigenen
Fehler tief, und das Ergebnis der
Schlacht wurde von keinem, auch
von Stuart selbst nicht, als völlig
befriedigend angesehen. In Stuarts
Bericht über die Schlacht mussten
die Regimenter unter der Führung
von Robertson und Munford schwere
Kritik hinnehmen, da sie die
Bewegungen des Feindes im Rücken
des Korps nicht verhindert hatten,
bzw. nicht schnell genug zur
Hauptarmee gestoßen waren, um
diese zu verstärken. Ganz zweifellos
hatten sich beide Führer als wenig
geeignet
in
Krisensituationen
erwiesen, aber sie hätten mit ihren
schwachen Kräften die einmal
begangenen Fehler nicht korrigieren
können.
Robert E. Lee kannte die Schwächen
seines Kavalleriekommandanten.
Stuart liebte den Ruhm,
Popularität - und er erwarb sie
verdientermaßen. Er suchte
Abenteuer
und
konnte
die
sich
das
das
The Crumb-Town Epitaph
Draufgängerische in seinem Wesen
der formalistischen militärischen
Disziplin selten unterordnen. Besaßen
viele Offiziere des Amerikanischen
Bürgerkrieges keine eigene Initiative,
hatte er davon manchmal fast zuviel.
Er war jung, kühn und tatendurstig
und suchte stets nach neuen Wegen,
die Kavallerie als Waffe in ihrer
ganzen Bedeutung zu beweisen. Nach
dem tragischen Tod ”Stonewall”
Jacksons wusste Robert E. Lee,
dass Stuart der fähigste und beste der
ihm verbliebenen Führer war. Stuarts
Eigenwilligkeit in der Auslegung von
Befehlen sollte allerdings in der
bevorstehenden Invasion der Nord Virginia - Armee Schwierigkeiten für
Lee heraufbeschwören - die Analyse
der Schlacht von Brandy Station zeigt
Indizien, die so eine Entwicklung
vorhersehbar erscheinen ließen.
Stuart legte nicht nur den gewünschten
Schleier um die Invasionsarmee, er
setzte auch zu einem ”Raid” tiefer als
geplant ins Feindesland an, verlor
damit zeitweise völlig den Kontakt zur
Hauptarmee und ließ Lee etwa eine
Woche lang ohne die notwendigen
Informationen über die Begegnungen
der Potomac-Armee. Er traf erst in
Gettysburg ein, als die große, die
entscheidende Schlacht des Krieges in
vollem Gang und nahezu entschieden
war.
Gettysburg war die Wende des
Krieges. In Gettysburg zerbrach der
südliche Wille zum Sieg, der bis dahin
die Nord - Virginia - Armee selbst bei
schlechten Voraussetzungen getragen
hatte, an der Materialüberlegenheit des
Nordens. Die Hauptarmee des Südens,
bis dahin von Sieg zu Sieg geeilt,
befand sich nach Gettysburg auf der
Verliererstraße.
Brandy Station war in gewisser Weise
die Wende für die Kavallerie. Zwar
unter anderen Vorzeichen, aber mit
denselben Ergebnissen, die sich bei
Beverly Ford bereits angekündigt
hatten:
Stuart erfocht den letzten großen Sieg
für die glorreiche Kavallerie des
Südens, spürte aber schon das
Wachsen der Qualität des Gegners und
musste auch hier die höhere personelle
und materielle Ausstattung des
Feindes konstatieren, die in den
folgenden Monaten noch zunahm.
Nie mehr erreichte die Kavallerie des
Südens die enorme Wirksamkeit wie
Seite: - 12 -
in
den
ersten
Kriegsjahren.
Als J. E.B. Stuart, dieser sicher nicht
fehlerfreie, im Ganzen gesehen aber
unvergleichliche kühne, strategisch
überlegene, kreative Reiterführer, am
11. Mai 1864 bei Yellow Tavern aus
dem Sattel geschossen wurde und am
nächsten Tag starb, ging damit ein
junger Mann dahin, der nach
”Stonewall” Jackson ein symbolhafter
militärischer Hoffnungsträger im
Süden gewesen war, der bedeutendste
Kavallerieoffizier Amerikas, für den
es in den Südstaaten keinen Ersatz
gab.
Zwar führte sein Nachfolger Wade
Hampton - ein Mann von völlig
anderem Naturell, der oft mit Stuart
uneinig gewesen war - die Kavallerie
von
Nord
Virginia
in
ausgezeichneter Weise. Aber ihm
fehlte die kühne Phantasie, der
wagemutige Unternehmungsgeist, der
Bedingungslose Wille zum Risiko und
das jugendlich-frische, mitreißende
Charisma. Und er musste mit
schmelzenden südlichen Resourcen
leben, mit einer rapiden Abnahme des
Bestands an guten Pferden und
leistungsfähigen Reitern. Während
einem Mann wie Phil Sheridan im
Norden
in
jeder
Situation
ausreichende Mittel zur Verfügung
standen.
Auch
Stuarts
Stabschef,
der
deutschstämmige Major Heros von
Borcke, ein Reiteroffizier wie er im
Buche stand, fiel durch schwere
Verwundung aus. Er wurde später
zum Chronisten der Kavallerie der
Konföderierten
Staaten,
einer
Kavallerie, deren Glanz nach Brandy
Station verblaßte und damit das
langsame Ausbluten der Vitalität des
Alten Südens - den die Reiter wie
kaum andere repräsentiert hatte
anzeigte.
Von: John R. Ringo
© by Bodo Gortzitza, 2003
Infanterie
Gliederung, Taktik,
Ausbildung
Der Sezessionskrieg war in erster
Linie >a rifleman's war< - ein Krieg
des Gewehrschützen, in dem die
Infanterie der Hauptträger des
Kampfge-schehens war.
Artillerie und Kavallerie hatten nur
unterstützende Rollen, der Fußsoldat
mit Gewehr und Bajonett - gegliedert
in Kompanien, Regimentern und
Brigaden - war der Hauptakteur
dieses Krieges, dessen Bewegungen
und
taktische
Einsätze
die
Schlachten entschied. Er bestimmte
den Verlauf des Krieges; sein
Marschtempo - zu Fuß und oft genug
ohne Schuhe - bildete das Zeitmaß
jener vier Jahre.
Gliederung
Die grundsätzliche taktische Einheit,
in der sich der Fußsoldat nach seiner
Rekrutierung wiederfand, war die
Kompanie.
Nach den Regeln der U.S. Armee,
die auch als Richtlinien für die
konföderierten Streitkräfte galten,
bestand
die
Kompanie
aus
einhundert Mann: ein Hauptmann,
ein Ober-leutnant, ein Leutnant nebst
97 Soldaten.
Die Disziplin und Ausbildung dieser
Truppe wurde von einem >Spieß<
(First Sergeant) und vier Feldwebeln
gesichert,
acht
Korporäle
befehltigten die Gruppen (squads).
Die Stammrolle sah ferner zwei
Musikanten (je ein Trommler und
Pfeifer), sowie einen Kutscher für
den Troß vor - so daß der
Grundstock der Kompanie aus 82
Schützen oder gemeinen Soldaten
(privates) bestand.
Zehn solcher Kompanien machten
ein Regiment aus, dem ein Oberst
vorstand,
der
von
einem
Oberstleutnant und einem Major
unterstützt wurde.
Die theoretische Stärke eines
amerikanischen Infanterie-Regiments
betrug mit dem Regimentsstab, dem
u. a. zwei Ärzte, ein Sanitäter und 26
Musiker (die in der Schlacht als
Krankenträger aushalfen) angehörten, 1037 Mann.
Selten hatte ein Regiment diese
Stärke.
Die
durchschnittliche
The Crumb-Town Epitaph
Kopfzahl der Regimenter auf beiden
Seiten betrug zwischen 400-600
Mann.
Oft unterschritt ein Regiment durch
hohe Verluste sogar die untere Grenze
von 200 Soldaten. Im Norden wurden
dann solche Einheiten aufgelöst und
die verbliebenen Angehörigen zu
neuen Regimentern zusammengefaßt.
Ein solcher Eingriff erwies sich immer
wieder als verheerend auf die
Kampfmoral
der
Betroffenen.
Heute wissen wir, daß Tapferkeit und
standhafter Widerstand in der Schlacht
weniger eine Frage der ideologischen
Überzeugung oder des Patriotismus
ist,
als
ein
Resultat
des
Gemeinschaftsgefühls. Ein Soldat
macht angesichts der Lebensbedrohung nicht kehrt, weil er seine
Kameraden nicht verlassen will,
oder weil er vor ihnen nicht als
Feigling erscheinen kann. Diese
Bindung zur Kompanie und zur
nächstgrößeren Einheit wird noch
verstärkt, wenn es sich bei den
Angehörigen um Männer aus der
gleichen Stadt oder Region handelt wie
es
beim Ausheben
der
amerikanischen Miliz- und Freiwilligenregimenter der Fall war. Der
Süden erkannte diesen Umstand und
versuchte nach Möglichkeit, die
ausgebluteten Regimenter durch das
Nachführen neuer Rekruten wieder
auf Gefechtsstärke zu bringen,
wodurch der >esprit de corps<
erhalten blieb.
Vier bis sechs Regimenter wurden zu
einer Brigade zusammengefaßt, die
wiederum Teil einer Division und
eines Korps war.
In der Südstaaten-Armee wurde der
Regionalismus bis zur Brigadeebene
fortgesetzt.
Die Männer der Regimenter einer
Brigade stammten zumeist aus einem
Staat und hatten daher eine besondere
Loyalität zu ihrem Verband.
Da die Staaten in den meisten Fällen
auch für die Ausrüstung ihrer
Regimenter verantwortlich zeichneten,
hatte diese Art >Kirchturm Patriotismus<
durchaus
auch
materielle Gründe.
Die Division beinhaltete neben den
zwei bis vier Infanterie-Brigaden auch
Artillerie
und
Kampfunterstützungstruppen,die
numerische
Kampfstärke aber konnte von Division
Seite: - 13 -
zu Division erhebliche Unterschiede
aufweisen.
Als Regel gilt, daß die Einheiten des
Südens zahlenmäßig stärker waren als
ihre nördlichen Äquivalente.
Das Armeekorps besaß normalerweise
drei Divisionen, mehrere Korps
bildeten eine Armee - die im Norden
nach Flüssen (Army of the Potomac,
of
the
Cumberland
etc.)
und im Süden nach Staaten bezeichnet
wurden, z. B. Army of Northern
Virginia,
of
Mississippi,
of
Tennessee...
Die
Tagesstärke
einzelner
Truppenteile entsprach selten ihrer
Stammrolle.
Unerlaubtes Entfernen von der
Truppe,
hohe
Raten
von
Krankmeldungen und Desertionen
waren an der Tagesordnung.
Die Fußmärsche taten ein übriges. Ein
Oberst konnte zufrieden sein, wenn er
mit 70% seines Mannschaftsbestandes
zur
Schlacht
antreten
konnte.
Einige dieser Nachzügler, die wegen
Fußbeschwerden oder anderer Gründe
zurückgefallen waren, würden noch
während des Kampfes eintreffen und
sich wieder anschließen.
Andere stießen nach der Schlacht zu
ihrer
Truppe
oder
wurden
>aufgelesen<.
Auf beiden Seiten desertierten
Zehntausende, und nur ein sehr
geringer Prozentsatz wurde tatsächlich
für dieses schwere Vergehen bestraft.
Taktik, Ausbildung
Die Grundausbildung und taktische
Entfaltung der Infanterie-Kompanie
auf dem Schlachtfeld wurde auf
beiden Seiten der Mason-Dixon-Linie
von
einem
kleinen
Handbuch
vorgeschrieben, das ein junger
Leutnant, W. J. Hardee, Jahre vor
Kriegsausbruch
zusammengefaßt
hatte: »Hardee's Rifle and Light
Infantry Tactics.«
Es enthielt sämtliche Vorschriften für
die Aufstellung von Kompanie und
Regiment
in
Schlachtund
Paradeformation,
für den Drill mit Gewehr und
Bajonett, die ein Ausbilder zu
beherzigen hatte, um aus einem
Haufen
grüner
Rekruten
und
störrischer Freiwilliger eine exakt
marschierende Truppe zu formen, die
das Gewehr schultern, präsentieren
und in vier Tempi vom Anschlag
zum Abfeuern bringen konnte.
Der Autor dieses Standardwerks
kämpfte für den Süden und hielt den
Rang eines Generalmajors.
Die grundsätzliche Aufgabe eines
Infanterie-Regiments in der Schlacht
bestand im Bilden einer Linie und
Vorrücken dieser Front: Die
Kompanien nehmen nebeneinander
Aufstellung, in einer Linie zu zwei
Gliedern, wobei der Abstand zum
Nachbarn und zum Hintermann
weniger als einen halben Meter
betrug!
Zwischen den Kompanien blieb ein
Abstand von drei oder vier Metern,
aber selbst diese Zwischenräume
konnten beim Vorgehen schrumpfen.
Der Kompanieführer nahm seine
Position am rechten Flügel seiner
Einheit ein, die anderen Offiziere
und
Feldwebel
hatten
fest
bezeichnete Plätze hinter der Front.
Von dort aus kontrollierten sie die
Ausrichtung der Truppe und das
Befolgen der Befehle.
Ein oder zwei Kompanien des
Regimentes konnten - je nach
Gelände - 300-500 Meter vor der
Front des Regiments in aufgelöster
Form als Plänkler vorgehen, zwei
oder mehr Kompanien wurden
mitunter als Reserve hinter der Linie
zurückgehalten.
Ein kampfstarkes Regiment von 600
Mann hatte eine Frontbreite von rund
200 Metern, wenn es sieben
Kompanien als Linie ins Gefecht
schickte.
Die Front einer durchschnittlichen
Kompanie von 60-70 Mann betrug
bis zu 25 Meter.
Erlaubte es das Gelände, so stand in
dieser
Art
Regiment
neben
Regiment.
Beim Angriff ging die Infanterie in
>Wellen< gegen den Feind vor,
wobei die Regimenter - oft in
geschlossener Formation mit allen
zehn Kompanien nebeneinander einen Abstand von 200-300 Meter
vom vorgehenden Regiment halten
sollten.
The Crumb-Town Epitaph
Das Vorgehen erfolgte im Schritt,
damit die Linie erhalten blieb.
Das
Reglement
sah
mehrere
Schrittgeschwindigkeiten vor:
- >common time<: 70 Yards pro
Minute mit 90 Schritt
- >quick time<: 86 Yards pro
Minute mit 110 Schritt
- >double quick time<: 109 Yards
pro Minute mit 140 Schritt
Je nach taktischen Erfordernissen
wurde die Linie durch Kommando
zum Halten gebracht und eine
Kompaniesalve abgefeuert.
Die 28 Theorie sah vor, daß die
Feuereröffnung auf eine Entfernung
von weniger als 100 Meter erfolgte
und der Gegner dann im Laufschritt
mit dem Bajonett angegriffen wurde.
Hardee's Tactics enthielt zwar kaum
Angaben, wie man einen Rekruten den
zielsicheren Schuß lehren konnte, aber
schrieb salvenweises Feuern vor - so
konnte kompanieweise, nach Gliedern
oder Gruppen oder abwechselnd eine
Linie geschlossen werden.
Die Kompanie konnte befehlsmäßig
ihre Musketen nach halbrechts oder
halblinks ihrer Front halten und so
dem Feuer eine allgemeine Richtung
geben.
Aber
der
psychologischen
Salvenwirkung wurde mehr als dem
gezielten Schuß zugetraut.
Das Ideal jedes Freiwilligen- oder
Milizregiments waren die >regulars<,
jene Berufssoldaten, deren exakte
Paradedisziplin und Ausführung des
Formationsdrills
das
Ergebnis
jahrelangen Trainings war.
»Wie die Regulären« war das
Schlagwort im Frühling 1861, als die
Nation in Sammellagern und auf
Marktplätzen auf die kommenden
Schlachten vorbereitet werden sollte.
Natürlich fehlte es an geeigneten
Ausbildern und Offizieren.
Mit Ausnahme der regulären Offiziere
der
Vorkriegsarmeen
war
die
Rangverteilung von Miliz- und
Freiwilligenverbänden unter recht
dubiosen Umständen erfolgt.
Einfluß und Beliebtheit bestimmten
die Wahlen, in denen die Regimenter
und Kompanien demokratisch wählten
- nicht selten spielte dabei auch ein
Faß Bier oder Whiskey eine Rolle, das
von einem der Kandidaten gestiftet
wurde.
Seite: - 14 -
Andere Offiziere und Subalterne
wurden eingesetzt oder erhielten ihre
Positionen
aufgrund
ihrer
gesellschaftlichen Stellung in ihrer
Heimatstadt oder des Landkreises. Es
gab kein Ausbildungsprogramm,
keinen
Lehrgang
und
kaum
schriftliches
Unterrichtsmaterial,
aus dem ein angehender Leutnant,
Hauptmann oder Major die Grundzüge
des Kriegshandwerks erlernen konnte.
Entsprechend sah es auch um die
Truppenbildung aus:
Man
beschränkte
sich
auf
Drillübungen und >Griffe-kloppen<,
die auch die Übungstage der
Nationalgarden und Milizen in der
Friedenszeit bestimmt hatten.
Schießübungen fanden kaum statt;
zum einen fehlte es bei der raschen
Aufstellung von neuen Regimentern
noch an Waffen und Munition, zum
andern gab es kaum geeignete
Ausbilder.
Die USA hatten seit dem Feldzug
gegen Mexiko eine lange Phase des
inneren und äußeren Friedens
erfahren.
Die
militärische
Entwicklung
stagnierte. Hardees Handbuch bezog
sich auf eine Epoche, in der die
glattläufige Muskete kaum Treffer
über 100 Meter Entfernung erlaubte,
in der die geschlossene Formation, das
Pelotonfeuer,
ein
Resultat
europäischer Heeresdisziplin war, die
sich
aus
waffentechnischen
Bedingungen und den Problemen des
Söldnerwesens ergaben.
>Billy Yank< und >Johnny Reb<
traten
1861
nach
taktischen
Lehrbüchern an, die vielleicht zur Zeit
von Waterloo modern gewesen waren.
Noch immer wurde der Angriff mit
blanker Waffe, mit dem gefällten
Bajonett, als die höchste soldatische
Tugend
angesehen.
Noch immer bedeutete militärische
>Standhaftigkeit unter Feuer<, daß
sich Soldaten aufrecht und Schulter an
Schulter im Takt des Trommelschlages über das Gefechtsfeld
bewegten, ihre Salven abfeuerten und
sich dem feindlichen Feuer aussetzten,
ohne Deckungen oder das Gelände
auszunutzen.
Die Infanterie, die bei Manassas,
Antietam und Gettysburg geschlossen
vorging, war nichts weiter als ein
Opfer für die gegnerische Artillerie
und für jeden Schützen, der sich mit
The Crumb-Town Epitaph
dem Zielen etwas Mühe gab. Der
hohe Blutzoll des Krieges resultierte
nicht aus Artilleriegranaten oder der
Einführung des Hinterladers bzw. der
Repetierwaffe, sondern aus dem
Zusammenkommen
altmodischer
Taktiken und eines einfachen, jedoch
wirkungsvollen
Vorderladergewehres.
Blick in das Ausbildungslager Camp Butler in der Nähe von
Cairo, Illinois. Dokumentarfoto
Hier lernen Rekruten das Vorgehen in aufgelockerter
Gefechtsordnung.
Diese Formation nutzten vor allem kleinere Einheiten,
die - abseits der Haupttruppe - den Feind vor einem Angriff mit
ihrem Gewehrfeuer bedrängten und störten.
Dokumentarfoto
Die erste Schlacht von Manassas/Bull Run:
Das 71. New Yorker-Freiwilligenregiment eröffnet das Feuer
gegen ein konföderiertes Regiment aus Alabama.
Der Abstand der Kämpfenden voneinander ist bei diesem
Zeitungsbild richtig dargestellt.
Einige der taktischen Formationen ließen sich bis auf Napoleon
zurückführen und wurden im Krieg kaum angewandt. Dazu
gehörte auch das geschlossene Karree, mit dem sich diese
Yankee-Truppe auf Kavallerieattacken vorbereitete.
Dokumentarfoto
Auf dem von dem französischen Genremaler Paul
Philippoteaux von 1881 bis 1884 gemalten Cyclorama der
Gettysburg-Schlachtist der Angriff von InfanterieRegimentern korrekt dargestellt.
Überall in Amerika schossen Zeltstädte und Übungsplätze aus
dem Boden. Hier tritt eine Unions-Einheit aus New Hampshire
zum Morgenappell vor dem Regimentskommandeur an (1862)
Dokumentarfoto
Für die neuen Soldaten war das Ausrücken ins Feld ein
großes Ereignis. Hier erhält das 1. Infanterieregiment aus
Michigan seine Fahnen: Detroit, 1. Mai 1861
Seite: - 15 Dokumentarfoto
The Crumb-Town Epitaph
Die Kriegsfreiwilligen meldeten sich oft
Gruppen- oder sogar Familienweise, wie diese
drei Brüder aus dem Süden.
Daß bis zu fünf Brüder im gleichen Regiment
dienten und fielen, war keine Seltenheit.
Dokumentarfoto
Sogar Frauen mischten auf den
Schlachtfeldern mit.
Dazu gehörte auch Jennie Hodgers
(rechts), die als Soldat Albert Cashier
den ganzen Krieg mitmachte, ohne
selbst von ihren engsten Kameraden als
Frau erkannt zu werden.
Dokumentarfoto
Die meisten Freiwilligen waren
junge Männer zwischen 18 und 30.
Daneben nahmen die Nord- und
Südarmeen auch Tausende von
Kindersoldaten auf.
Dieser Junge posierte mit Revolver
und Messer für ein Abschiedsfoto.
Dokumentarfoto
Die Zehn- und Zwölfjährigen wurden in aller Regel nicht
direkt bei Kampfhandlungen eingesetzt. Sie fanden als
Pfeifer und Trommler Verwendung, wie diese jungen
Musiker der 92. New Yorker Infanterie. Dokumentarfoto
Der konföderierte Fotograf Jay D. Edwards hielt
diese Szene fest: Frische Rekruten werden Anfang
1861 in Ford McRee bei Pensacola, Florida,
gedrillt. Das einheitliche Erscheinungsbild dieser
Männer war für konföderierte Einheiten untypisch.
Dokumentarfoto
Für die aufs Gerade wohl zusammengestellte Kleidung der
Südstaatler ist Edwards Bild von diesen exerzierenden Männern
des 9. Mississippi-Regiments typisch. Hemden, Hüte, Jacken nichts paßte zusammen. Dokumentarfoto
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"The Stunk Boots"
1983 Krümmel e.V.
Kirchweg 5
56244 Krümmel
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Die US Kavallerie im amerikanischen Bürgerkrieg