Informationen für Patienten mit Sprachstörung (Aphasie) und deren

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Informationen für Patienten mit Sprachstörung
(Aphasie) und deren Angehörige
Eine Aphasie ist eine Sprachstörung, die nach Schädigung des Gehirns (meist linksseitig
und meist in Form eines Schlaganfalls) auftritt.
Die Störung umfasst dabei oftmals alle sprachlichen Bereiche („Modalitäten“), also das
Sprechen, das Verstehen, das Schreiben und das Lesen.
Sprachstörungen (Störung der „Software“) werden von Sprechstörungen (Störung der
„Hardware“) abgegrenzt. Das bedeutet, dass bei einer Sprachstörung keine Lähmung der
Zunge oder Störung des Kehlkopfs vorliegt, sondern vielmehr das Sprachsystem im Gehirn
betroffen ist. Patienten mit Aphasie sind dennoch in der Lage, folgerichtig zu denken –
oftmals fällt es den Betroffenen jedoch schwer, ihre Gedanken in Worte zu fassen.
Ein gleichzeitiges Vorliegen einer Sprach- und einer Sprechstörung („Dysarthrie“) ist
ebenfalls möglich.
Man unterscheidet zwischen verschiedenen Unterformen von Sprachstörungen („Syndrome“): Sprachstörungen bei flüssigem Sprechen („Wernicke-Aphasie), Sprachstörungen bei
unflüssigem Sprechen („Broca-Aphasie“), eine besonders schwere Form der Aphasie („Globale Aphasie“) und eine eher leichte Form („amnestische Aphasie“). Hat der Betroffene noch
minimale Symptome einer Sprachstörung, so spricht man von einer „Restaphasie“.
Mögliche
gende:
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Schwierigkeiten, die bei Menschen mit einer Aphasie auftreten können, sind folWiederholung ein- und desselben Wortes oder Lautes („Sprachautomatismus“)
Vertauschung von Lauten oder Wörtern beim Sprechen („Paraphasien“)
Beeinträchtigungen beim Verstehen komplexer Sätze oder von Aufforderungen
Vertauschung, Auslassung oder Hinzufügen von Buchstaben beim Schreiben
Schwierigkeiten, Wörter zu lesen oder Buchstaben zu erkennen
Probleme, Wörter zügig abzurufen („Wortfindungsstörungen“)
Weitere Informationen und Unterstützung
Es gibt eine Vielzahl von Fachliteratur zum Thema „Aphasien“, aber auch Ratgeber für Angehörige, Informationsbroschüren, Erfahrungsberichte oder Möglichkeiten zum direkten Austausch mit anderen Betroffenen.
Der Bundesverband für die Rehabilitation der Aphasiker e.V. (http://www.aphasiker.de) ist
Dachorganisation von Selbsthilfegruppen speziell für Menschen mit Aphasie.
Auch in unserer Klinik finden regelmäßig Treffen mit Vertretern einer Selbsthilfegruppe statt. Hier können Fragen gestellt und erste Kontakte geknüpft werden.
Nachfolgend finden Sie Beispiele für Bücher, die sich mit dem Thema befassen:
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Schwarz, F.; Scheel, R.; Joram, U. (2000): Ratgeber Sprachtherapie. Bad Urach:
Fachkliniken Hohenurach.
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Lutz, L. (2010): Das Schweigen verstehen. Über Aphasie. Berlin: Springer Verlag.
KHU620044InfoAphasie15-08-17.doc
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Tipps für die Kommunikation
mit Menschen mit Aphasie
Damit sie Ihre Angehörigen bestmöglich unterstützen und verstehen können, sind im Folgenden einige Tipps für die Kommunikation aufgeführt:
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Geben Sie ihrem Angehörigen Zeit!
Oftmals brauchen Menschen mit Aphasie länger, bis sie einen Satz formulieren
können. Versuchen Sie, geduldig zu sein!
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Beziehen Sie alle Kommunikationskanäle mit ein!
Kommunikation erfolgt auch „nonverbal“, das heißt nicht nur über die Sprache,
sondern auch über Gestik, Mimik, Zeigen, Bilder oder geschriebene Wörter. Nutzen Sie die vielfältigen Möglichkeiten, um Ihren Angehörigen besser zu verstehen
oder auch, um ihre eigenen Aussagen verständlicher zu machen!
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Kommunizieren Sie möglichst „normal“!
Legen Sie ihrem Gesprächspartner keine Worte in den Mund und fordern Sie ihn
nicht zum Nachsprechen auf.
Kleine Hilfestellungen, wie etwa ein Umformulieren von Sätzen oder ein Rückversichern mithilfe einer Ja-Nein-Frage können hilfreich sein, wenn es darum geht,
das Verständnis zu sichern.
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Geben Sie nicht auf!
Ermutigen Sie Ihren Angehörigen immer wieder, auch wenn die Kommunikation
einmal nicht gelingt. „Vielleicht kannst du es später sagen“, „Wir werden es herausfinden, fang noch mal an!“ können hilfreiche Ermutigungen sein.
KHU620044InfoAphasie15-08-17.doc
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