Juni 2005: Die Schnittstelle zwischen Marketing und Vertrieb

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Juni 2005:
Die Schnittstelle zwischen Marketing und Vertrieb
Zusammenfassung aus:
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Thorsten Garber: Der unsinnige Thronstreit. absatzwirtschaft, Sonderausgabe
Vertrieb, Juni 2005: 18–22.
Der Artikel greift den aktuellen Stand eines Themas auf, das sich zunehmenden
Interesses in Wissenschaft und Praxis erfreut. Wie der Originaltitel andeutet, ist dies auch
dringend notwendig – sind Marketing und Vertrieb doch häufig noch als quasi getrennte,
miteinander im Wettbewerb um Ressourcen und Anerkennung stehende Abteilungen im
Unternehmen positioniert. Wünschenswert ist dagegen die enge interne Verzahnung
beider Bereiche. Diese Synchronisation kann wahre Wunder bewirken, wie die anhaltende
Erfolgsgeschichte des Computerbauers Dell zeigt:
Bei Dell betreuen zielgruppenspezifische Teams aus Marketing und Vertrieb, sogenannte
Unique Selling Points (USPs), mit viel Eigenverantwortung ihre jeweilige Zielgruppe.
Beide Disziplinen führen zum Beispiel ihre Markt- und Kundeninformationen zusammen
und erarbeiten gemeinsam Promotion-Massnahmen. Planen und Handeln erfolgen aus
einem Guss und werden konsequenterweise auch durch eine Vergütung unterstützt, die
sich am Erreichen der gemeinsamen Ziele ausrichtet. Der stetige weltweite Erfolg von
Dell kann sicher auch auf diese vorbildliche Zusammenarbeit zurückgeführt werden.
Die "klassische" Sichtweise
Neueste Forschungsergebnisse belegen: Die Realität in den meisten Unternehmen sieht
leider noch anders aus. Die Disziplinen Marketing und Vertrieb sind häufig noch durch
Abteilungsdenken, die gemeinsame Zusammenarbeit durch Defizite und Mängel geprägt.
Beide Bereiche bilden überwiegend noch ein "natürliches" Spannungsgefälle, und die
"klassische" Wahrnehmung wird weiter gepflegt (siehe Tabelle 1).
Je nach Industrie und Branche ist die Situation etwas anders: im Business-to-BusinessGeschäft (B2B) ist die Bedeutung des Marketing traditionell eher gering, hier gibt oft
noch die Technik die Richtung vor. Das Konfliktpotenzial Marketing-Vertrieb ist daher
vergleichsweise niedrig. In einigen B2B-Branchen, wie etwa im Anlagenbau, arbeiten
zielgruppenspezifische Teams aus Marketing und Vertrieb gemeinsam und erfolgreich an
Kundenprojekten.
Copyright © 2005 by Dr. Pulz & Partner Managementberatung
Im Business-to-Consumer-Geschäft (B2C) spielt das Marketing eine relativ bedeutende
Rolle. Das resultierende Konfliktpotenzial mit dem Vertrieb kann zum Beispiel durch Job
Rotation zwischen beiden Bereichen entschärft werden.
Tab. 1: Beispiele für die "klassische" Wahrnehmung von Marketing und Vertrieb
Marketing
Denkweisen
Vertrieb
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Strategisch
Langfristig
Marktorientiert
Konzeptionell
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ƒ
ƒ
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Taktisch
Kurzfristig
Kundenorientiert
Umsatzorientiert
Strategisches Denken
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Produkt- und
Markenentwicklung
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Verteilen von
Ressourcen auf Gebiete
und Kunden
Analytisches Denken
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Finanzmanagement
Marktforschung
ƒ
ƒ
Umsatzprognose
Verkaufsziele
Kommunikation/Kreativität
ƒ
Promotion, Werbung,
Teamarbeit
ƒ
Verkaufs- und
Verhandlungsgeschick
Fähigkeiten und ihre
praktische Umsetzung
Die Vision
Marketing und Vertrieb werden sich immer weiter einander annähern, die kulturellen
Unterschiede werden abgebaut werden. Diese Integration ist dringend notwendig, weil
ein umfassendes Kundenverständnis Voraussetzung ist für die Unternehmenssteuerung
aus Kundensicht. Nur beide Disziplinen gemeinsam können diesen Wettbewerbsvorteil
realisieren: das Marketing wird schlagkräftige und nachvollziehbare Argumente für den
Vertrieb liefern, während der Vertrieb sich vom reinen Verkauf immer mehr zum
Rundumversorger und Berater des Kunden entwickeln wird. Produkt, Markt und Kunde
werden somit zunehmend aus einem gemeinsamen Blickwinkel betrachtet werden.
Marketing und Vertrieb werden zukünftig als verzahnter Prozess verstanden und
schliesslich auch mit den Prozessen für Technik und Supply Chain zusammengeführt
werden.
Wie kann die Vision umgesetzt werden?
Die Herausforderung besteht zunächst einmal darin, die Schnittstelle Marketing/Vertrieb
optimal zu beherrschen, so wie dies zum Beispiel Dell, Unilever oder Procter & Gamble
erfolgreich demonstrieren. Tabelle 2 fasst einige Massnahmen zusammen, die bei diesem
Prozess hilfreich sein können.
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Tab. 2: Massnahmen zur Optimierung der Schnittstelle Marketing/Vertrieb
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Definition gemeinsamer Ziele
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Schaffung verzahnter Anreizsysteme
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Definition klarer Zuständigkeiten
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Regelmässige Kommunikation zwischen den Bereichen
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Erhöhung der Sozialkompetenz der Mitarbeiter
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Job Rotation zwischen Vertrieb und Marketing
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Einführung einer gemeinsamen prozessorientierten Sichtweise
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Fokussierung auf wertschöpfende Tätigkeiten
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Bildung von Key Account Teams
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Erhöhung der internen Datentransparenz (z.B. Preise, Konditionen)
Darüber hinaus wurde vorgeschlagen, einen Schnittstellenmanager zur Überwachung der
Spielregeln einzusetzen – sicher eine gute Idee, um die Implementierung der "neuen"
Zusammenarbeit zwischen Marketing und Vertrieb zu beschleunigen.
Fazit:
Die engere Verzahnung von Marketing und Vertrieb zu einem gemeinsamen Prozess ist
nicht nur wünschenswert, sondern vielleicht bald der entscheidende Wettbewerbsvorteil –
und das Verharren auf den "klassischen" Strukturen und Abläufen ein Wettbewerbsnachteil. Man darf auf die Weiterentwicklung und praktischen Lösungen auf diesem
Gebiet gespannt sein.
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