Die Regionen Portugals 17

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Alentejo und die spanische Extremadura haben ebenfalls viel gemein.
Auffallend sind die Höhenunterschiede
innerhalb des Landes! Während im
Norden weite Hochflächen vorherrschen, die nur von Tälern unterbrochen
werden, ist der Süden von tief liegenden
Ebenen bestimmt (Höhenniveau südlich des Tejo unter 500 m), besonders
ausgeprägt an den Ufern der Flüsse und
an den Küsten.
Im Zentrum Portugals verläuft ein Ausläufer der spanischen Kordilleren, die
Serra da Estrela, mit ihren fast 2000 m
die höchste Erhebung des portugiesischen Festlandes, nur der Vulkan Pico
auf den Azoren ist höher. Die Serra da
Estrela trennt Portugal in zwei Teile
und bildet gleichzeitig die Klimascheide
zwischen atlantischem und mediterranem Klima.
Die Küsten sind hauptsächlich flach
und haben oft kilometerlange Sandstrände – nur im westlichen Teil der Algarve und an den Stränden um Lissabon
f indet man die oft bewunderten bizarren Felsküsten.
Portugal ist zwar nur 561 km lang und 218 km breit, doch landschaftlich und klimatisch so unterschiedlich, dass es den verschiedensten Urlaubsbedürfnissen gerecht werden kann: Felsküsten, Sandstrände, Seen, Flüsse, Berge, Hügel, Ebenen,
Inseln … Das Land besitzt dabei 823 km atlantische Küste und 1215 km Landesgrenze zu Spanien, die seit 1297 weitgehend stabil ist.
Im Atlantik liegen weit verstreut die Inseln der Azoren und Madeira mit einer
Gesamtfläche von 3105 km2. Es ist schwierig, das portugiesische Festland in
Regionen zu unterteilen, da es keine eindeutige off izielle Gliederung gibt. So ist das
Land in 18 administrative Distrikte eingeteilt, deren Grenzen nicht mit den 11
Tourismusregionen identisch sind. Auch die Grenzen der 10 historischen Provinzen verlaufen anders.
So gab es über die Jahre verschiedene, ebenfalls sehr unterschiedliche Ansätze, das
Land in Regionen zu unterteilen. Dabei variierten sowohl die Anzahl der Regionen
als auch deren Grenzen beachtlich. Einzig die Benennungen der einzelnen Gebiete
ähnelten sich sehr. Der älteste Versuch wurde 1875 von Barros Gomes unternommen. 1933 teilte Amorim Girão das Land in Regionen, die der provinziellen Gliederung am ähnlichsten waren und daher sehr bekannt wurden.
Dieses Buch orientiert sich grob an der 1989 vorgenommenen administrativen
Gliederung des Landes, die Portugal in die fünf Regionen Norden, Zentrum, Lissabon
und das Tejo-Tal, Alentejo und Algarve teilt. Diese Regionen wurden wiederum in
verschiedene Sub-Regionen gegliedert, die nach historischen und/oder touristischen
Gesichtspunkten weiter unterteilt wurden.
Die Regionen Portugals
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Die Regionen Portugals
Nordportugal
Der Norden gliedert sich in die Sub-Regionen Minho, Trás-os-Montes, Douro und
den Großraum Porto.
Minho: Berg- und Hügelland im Nordwesten Portugals, größte Höhen in der Mitte
mit über 1500 m, nach Westen zum Atlantik hin abfallend. Im Gegensatz zum raueren, gebirgigen Osten der Provinz ist der Westen von den feuchten Seewinden beeinflusst. Deshalb reiche, vielfältige Vegetation – Wein, Getreide (besonders Mais)
und Obst. Viel Kleinbesitz auf dem Land, Dörfer und Einzelgehöfte mit kleinen
Feldern und Gärten. Der Minho wird auch die „Gartenlandschaft Portugals“ genannt. Er weist die größte ländliche Bevölkerungsdichte in Portugal auf, die Einwohner gelten als sehr konservativ. An der Grenze zu Spanien erstreckt sich nördlich von Braga der Nationalpark Peneda-Gerês, in dessen unberührter Natur noch
wilde Wölfe hausen. Die Portugiesen sehen hier den Ursprung ihres Landes. In
Guimarães liegt die Wiege der Nation (berço da naçâo): Dort begann die eigentliche Reconquista des Landes von den Mauren, denn in Guimarães herrschte der
erste portugiesische König Dom Afonso Henriques.
Trás-os-Montes: östliche Fortsetzung des Minho, zu Deutsch „Hinter den Bergen“.
Trás-os-Montes ist ein ziemlich trockenes Hochplateau mit Weideflächen, unterbrochen von Berg- und Hügelketten und tief eingeschnittenen Flusstälern. Wenig
ausgleichende Meeresluft – ausgeprägt heiße Sommer und kalte Winter bestimmen das Klima. Getreidefelder, Eichen und Esskastanien prägen das Landschaftsbild. Der Name „Hinter den Bergen“ ist wörtlich zu nehmen: Trás-os-Montes ist eine der abgelegensten Gegenden Europas, es existieren z. B. kaum Verbindungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln ins benachbarte Spanien. Hier haben sich
noch Sitten und Gebräuche aus dem Mittelalter bewahrt.
Douro: Diese Region setzt sich aus der kleinsten Provinz Portugals („Douro“) und
dem zur Provinz Trás-os-Montes gehörenden Gebiet Alto Douro zusammen. Sie
liegt südlich vom Minho und ist nach dem Fluss Douro benannt, der sie durchquert. Besonders der Weinanbau (Portwein) im romantisch schönen Flusstal des
Douro (spanisch Duero) prägt die Landschaft. Das Hinterland ist hügelig. Hier f inden sich einige der interessantesten Burgen des Landes.
Porto, die größte Industriestadt des Landes, liegt an der Mündung des Douro. Die
Stadt ist umgeben von einigen Badeorten, die vor allem reiche portugiesische
Touristen anziehen. Porto selbst hat ebenfalls lange Strände im Stadtteil Foz. Auf
der südlichen Flussseite des Douro liegt Vila Nova de Gaia mit den bekannten
Portweinkellereien.
Die Beiras (Zentrum)
Im Zentrum des Landes liegen die drei Provinzen Beira Litoral, Beira Alta und
Beira Baixa. In diesem Buch wird die Region allerdings aus touristischen Gründen
in die Sub-Regionen Beira Litoral und Beira Interior geteilt.
Beira Litoral: Das Küstengebiet des portugiesischen Zentrums ist die Beira Litoral,
eine lange Ebene mit kilometerlangen Sandstränden, die Costa da Prata, also Silberküste genannt wird. Dazu viele Lagunen, besonders an den Flussmündungen.
Bei Aveiro reichen viele Wasserarme weit ins Land hinein. Kulturelles Zentrum ist
die Universitätsstadt Coimbra am Rio Mondego. Der größte Fluss des Zentrums
mündet bei Figueira da Foz in den Atlantik.
Die Regionen Portugals
Die Beiras
(Zentrum)
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Trás-osMontes
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Faro
Regionen
Portugals
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Die Regionen Portugals
Die Beiras (Zentrum)
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Die Regionen Portugals
Beira Interior: Das höchste Gebirge Portugals, die Serra da Estrela, bestimmt die
innere Beira. Hier liegt auch die einzige Skiregion des Landes. Riesige Eukalyptuswälder dominieren die Vegetation und haben den ursprünglichen Wald fast vollkommen verdrängt. Hinter dem Gebirge schließt sich eine Hochebene an, die das
Gebiet der Provinz Beira Baixa umfasst.
Lissabon und das Tejo-Tal
Die Provinzen Estremadura und Ribatejo bilden diese Region. Wegen der herausragenden Rolle Lissabons ist sie in diesem Buch in die Subregionen Ribatejo, Oeste
(nördliche Estremadura) sowie Lissabon und Umgebung (südliche Estremadura)
geteilt. Der Name „Estremadura“ (dt. „Randgebiet/Grenzgebiet“, abgeleitet von lat.
extremus) stammt aus der Zeit, in der Südportugal noch in maurischer Hand war.
Ribatejo: die Landschaft nördlich und südlich des Tejo („Ufer des Tejo“). Herzstück
der äußerst fruchtbaren Provinz ist das Anschwemmungsgebiet des Flusses. Hier
wird Obst, Gemüse und Wein angebaut. Die meisten Reisfelder Portugals f inden
sich ebenfalls in dieser Provinz. Nordwestlich des Tejo geht die Ebene in die Hügel
der Estremadura über, südöstlich beginnen die weitläuf igen Weideflächen, die zur
riesigen Ebene des Alentejo überleiten. Der Ribatejo ist Portugals Zentrum der
Pferde- und Kampfstierzucht.
Oeste: Kleine Dörfer schmiegen sich an die hügelige Küstenlandschaft, die sich
nördlich vom Großraum Lissabon erstreckt. Teilweise fällt die Küste steil zum
Meer ab, es gibt aber auch etliche flache Sandstrände. Die lokalen Landwirte bauen
besonders Obst und Wein an. Das natürliche Hinterland der Metropole versorgt
Lissabon mit Lebensmitteln.
Lissabon und Umgebung: Lissabon, die Hauptstadt Portugals, ist nicht nur das
politische Zentrum, auch kulturell dominiert die Stadt und deren Umgebung. Im
Westen f indet sich der ehemalige Königssitz Sintra mit Schlössern, Palästen und
Blick von Vila Nova de Gaia auf die Altstadt von Porto
Die
Algarve
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Herrenhäusern. Im Süden bietet die
lang gezogene Costa da Caparica einen
nicht enden wollenden Sandstrand.
Den Südzipfel der Estremadura bilden
die Industriestadt Setúbal und der benachbarte Fischerort Sesimbra.
Der Alentejo
„Jenseits des Tejo“ (Além do Tejo), und
zwar von Lissabon und dem Norden aus
gesehen. Die Region gliedert sich in Alto
Alentejo, Alentejo Central, Alentejo Litoral, Baixo Alentejo und Lezíria do Tejo.
Alto Alentejo: Wälder mit Kork- und
Steineichen, die sich über Hügelketten
entlang ziehen, prägen das Bild des
nördlichen Alentejos. Im Nordosten
der Naturpark São Mamede mit den
einzigartigen Kleinstädten Castelo de
Vide und Marvão und der Distrikthauptstadt Portalegre.
Im südlichen Teil der Region dominiert
Kleinbäuerliches Idyll
das als Weltkulturerbe eingestufte Évora, umgeben von Megalithdokumenten
im Westen und der klassischen Weinund Marmorroute nach Osten hin (Evoramonte, Estremoz, Borba, Vila Viçosa, Redondo usw.). Die Barragem de Alqueva ist der größte Stausee des Landes. Ihm sind
im alten Flussbett des Guadiana archäologische Überreste zum Opfer gefallen und
kostbarste Flora und Fauna wurden zerstört, die riesigen Wassermassen haben das
Klima verändert. Betroffen ist auch die nächste Subregion:
Baixo Alentejo: Dörfer und montes (Weiler), verstreut auf endlosen Ebenen. Nur
wenig Regen, heiße Sommer. Viel Getreideanbau, aber auch Ödland. Nach der Revolution wurde hier Großgrundbesitz genossenschaftlich bewirtschaftet. Als aber
die Produktion zurückging und der Einfluss der Linken schwächer wurde, gab man
große Flächen an die alten Besitzer zurück. Der Alentejo hat die höchste Auswanderungsquote Portugals. Noch immer ist seine Bevölkerung sehr arm. Daran hat
auch der Alqueva-Staudamm nichts geändert.
Die großen Attraktionen sind die Sandküste von Sétubal bis Sines und die wildromantische, zudem unter Naturschutz stehende Felsenküste bis hinunter nach Odeceixe, wo die Algarve beginnt, der Charakter der Küste sich jedoch fortsetzt. Sehenswerte Städte sind Alcácer do Sal, Santiago do Cacém, Sines und Odemira.
Attraktive Badeorte gibt es genug.
Die Algarve
Algarve heißt „der Westen“ (von al-Andaluz aus gesehen). Sie wird nach Norden
von Gebirgen, der Serra de Monchique, der Serra do Caldeirão und der Alcaria
do Cume, abgeschirmt. Viel Obstanbau: Feigen, Mandeln, Apfelsinen, Zitronen,
Die Regionen Portugals
Die Algarve
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Die Regionen Portugals
Johannisbrot, Ölbäume. Fast schon ein Stück Nordafrika, denn die über 500-jährige
arabische Herrschaft der Mauren von etwa 711 bis 1249 hat das Land in kultureller
und architektonischer Hinsicht geprägt. Die Bevölkerung ist dunkelhäutiger als im
Norden. Auffallend sind die vielen Ausländer, die hier wohnen; insbesondere Engländer haben sich hier Villen gebaut – die langjährige Abhängigkeit Portugals von
England hat ihre Spuren hinterlassen. Aber auch Deutsche f indet man, besonders
im Westteil. Die Landschaft der Algarve gliedert sich in drei Zonen:
Litoral: Der flache Küstenstreifen besitzt Kalkverwitterungsböden, die in Meeresnähe oft sandig werden. Es sind fruchtbare Krumen, die aber Feuchtigkeit schlecht
binden und deshalb nach der winterlichen Regenperiode schnell austrocknen. Kleine, sattgrüne Wälder mit den breit aufgefächerten Schirmpinien (pinheiro manso)
lockern die landwirtschaftlich nicht genutzten, sandigen Küstenabschnitte auf. Von
ihnen stammen auch die essbaren Pinienkerne.
Barrocal: hügeliges Hinterland mit oft roterdigen, eher basischen Kalkböden und
mächtigen Felsen aus der Kreidezeit. Hier herrschte früher der sequeiro vor, eine
kultivierte Baumgesellschaft, die ohne künstliche Bewässerung auskam: Oliven-, Johannisbrot-, Mandel- und Feigenbäume. Heute verbuschen diese oftmals aufgegebenen Felder wieder.
Serra: nördlich an den Barrocal anschließend. Am höchsten ist die Serra de Monchique (900 m), die aus einer riesigen Magmablase besteht (Syenite). Im Übrigen
dominieren Tonschiefer (xisto), die auf die Karbonzeit zurückgehen. Saure, karge
Böden geben nicht viel her. Häuf ig wuchern die Anbauflächen der verlassenen
Bauernhöfe mit den Kleberbüschen (Lackzistrosen) zu, die eine mannshohe
Macchia bilden, durch die fast kein Durchkommen ist.
Die Azoren
Die Inselgruppe im Atlantik liegt etwa auf einem Drittel des Weges nach Neufundland, ca. 1500 km von Lissabon entfernt. Bis zu ihrer Entdeckung 1427 war sie unDie Nelkenrevolution stand beim Namen Pate: Ponte 25. April
Madeira
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bewohnt. Die Azoren sind sehr bergig – mit 2351 m ist der Pico auf der gleichnamigen Insel die höchste Erhebung Portugals. Die Inseln sind vulkanischen Ursprungs, woran noch heute Ausbrüche (die letzten schweren 1957 und 1958 auf
Faial), heiße Quellen und Schwefeldämpfe erinnern.
Madeira
Die Insel liegt 545 km vor der Westküste Afrikas und ist 978 km vom portugiesischen Festland entfernt. Mit ihrer tropischen Vegetation, den steilen Küsten und
dem bergigen Innenland ist sie eine ausgesprochene Naturschönheit. Wer lange
Sandstrände vermisst, kann die benachbarte kleinere Insel Porto Santo besuchen.
Die atlantischen Inselgruppen sind in diesem Band nicht enthalten. Bitte
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Geschichte
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Die Regionen Portugals
Madeira
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